Hıdiv Kasrı
Jugendstil in Istanbul: Khedivenpalast – das Schloß des Khediven von Ägypten

Ein Gastbeitrag von Thomas Weiberg – Historiker Abbas Hilmi II. (1874-1944), der Bauherr dieses malerischen Schlosses, war Khedive von Ägypten (Vizekönig). Wurde Ägypten de facto zwar seit etwa 1880 als Teil ihres Kolonialreiches von den Briten regiert, so war es de jure bis zum Eintritt des Osmanischen Reiches in den Ersten Weltkrieg im November 1914 auf Seiten der Mittelmächte eben Teil des Osmanischen Reiches. Die Briten regierten nominell im Namen des jeweils in Konstantinopel herrschenden Sultans, als dessen Vertreter vor Ort der Khedive galt – und leisteten bis zum Ende der osmanischen Suzzeränität festgelegte jährliche Zahlungen an die Staatskasse in Konstantinopel. Abbas Hilmi II., dessen Mutter Prinzessin Emine İbrahim Hanımsultan (1858-1931) eine Enkelin Sultan Abdül Mecids war, hatte übrigens einen Teil seiner militärischen Ausbildung als Angehöriger der osmanischen Armee in Wien erhalten und sprach daher fließend Deutsch. Nachdem die Briten ihn Ende 1914 als Vizekönig von Ägypten abgesetzt und Ägypten ganz offiziell dem Britischen Empire einverleibt hatten, zog der Khedive sich ganz und gar nach Konstantinopel zurück und bewohnte sein am Bosporus auf der asiatischen Seite gelegenes Sommerschloss (Hıdiv Kasrı/Khedivenpalast) in Çubuklu. Ab 1907 hatte Abbas Hilmi II. für sich und seine Geliebte, die ungarische Gräfin Marianna Török de Szendrő (1877-1968), in einem ausgedehnten Park hoch über dem Bosporus auf der asiatischen Seite von Antonio Lasciac und Delfo Seminati ein repräsentatives Schloss in einer Mischung aus italienischer Renaissance, Jugendstil und osmanischer Palastarchitektur mit einer erlesenen Innenausstattung errichten lassen. 1937 verkaufte der Khedive das Schloss an den türkischen Staat, und heute befindet sich dort ein elegantes Restaurant, dessen Preise allerdings durchaus bezahlbar sind.
(Foto: Weiberg)
Es lohnt sich, nach einem Tee oder Kaffee und dem ausgezeichneten Kuchen, in die zahlreichen Räume des Schlosses zu schauen, denn es gibt viel Sehenswertes zu entdecken — in der Halle befindet sich ein Fahrstuhl mit Messinggittern im Jugendstil, in vielen Räumen sind originale Möbelstücke und Lampen (das damals noch sehr neue elektrische Licht führte zu ganz erstaunlichen Kreationen, bei denen teilweise jede einzelne Glühlampe herausgehoben präsentiert wurde) zu sehen, farbige Bleiverglasungen schmücken einige Türen und das Oberlicht im Treppenhaus, ein origineller Jugendstil-Brunnen ist der Blickfang im elegant stuckierten Gartensaal. Doch wie gesagt, das Hıdiv Kasrı ist kein Museum… Allerdings ist das Restaurantpersonal sehr freundlich und hat nichts dagegen einzuwenden, wenn sich Gäste behutsam im Haus umsehen, sofern nicht gerade eine Veranstaltung stattfindet. Durch den großen Park kann man dann zum Bosporus hinunter spazieren und mit dem Bus nach Kanlıca (am dortigen Schiffsanleger gibt es den legendären Joghurt, wahlweise mit Puderzucker, Honig oder Reçel serviert) oder Çubuklu fahren. Damit das Schloss alle interessierten Nicht-Istanbulerinnen und -Istanbuler finden, hier die Adresse: Çubuklu Mahallesi, Ortanca Sk. No:13. Das Hıdiv Kasrı befindet sich zwischen Kanlıca und Çubuklu, von der Uferstraße zweigt eine beschilderte Straße ab. Das Schloß liegt in einem weitläufigen Garten. Sehenswert sind auch die fast neogotisch anmutenden Torgebäude am Eingang der Parkanlage.

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– Deutsch-osmanische Freundschaft – Vor 120 Jahren wurde der Deutsche Brunnen in Istanbul eingeweiht

Das bedeutendste Denkmal der viel beschworenen und noch mehr strapazierten deutsch-osmanischen Freundschaft befindet sich bis heute gut sichtbar in Istanbul – auf dem repräsentativen Platz zwischen der Hagia Sophia und der Moschee Sultan Ahmeds.

Vor 120 Jahren wurde der Deutsche Brunnen in Istanbul eingeweiht

Türkei
Erdogan: Akkuyu Atomkraftwerk wird 10 Prozent des Energiebedarfs decken

Ankara – Das sich im Bau befindende Atomkraftwerk Akkuyu werde nach der Inbetriebnahme zehn Prozent des türkischen Energiebedarfs decken, erklärte Recep Tayyip Erdogan in seiner Rede während der Fraktionssitzung der regierenden AKP am Mittwoch. Der wichtigste strategische Aspekt dieses Projekts sei die Diversifizierung der Energieressourcen, betonte der türkische Staatschef. Mangels eigener Energiereserven muss die Türkei einen Großteil des Bedarfs importieren. Das Land ist eines der größten Abnehmer für russisches Erdgas. Die Türkei habe im vergangenen Jahr 63 Prozent des verbrauchten Stroms aus einheimischen Ressourcen gewonnen, so Erdogan. „Wir stehen an 13. Stelle in der Welt und an sechster Stelle in Europa, was erneuerbare Energien angeht.“ Die Stromgewinnung durch erneuerbare Energieressourcen sei in den letzten 18 Jahren von etwa 12.000 MW auf 50.000 MW gestiegen. „Russisch-türkische Partnerschaft“ Der russische Staatschef Wladimir Putin lobte bei der Grundsteinlegung des dritten Reaktors des Akkuyu-Atomkraftwerks am Mittwoch die Zusammenarbeit zwischen der Türkei und Russland. Putin bezeichnete das AKW am Mittwoch als Ausdruck einer „Freundschaft“ zwischen Moskau und Ankara. Das Projekt werde „die russisch-türkische Partnerschaft in all ihren Facetten“ fördern, so Putin weiter. Es könne die „Freundschaft und das gegenseitige Verständnis zwischen unseren Ländern“ stärken. Erdogan und Putin waren per Video zugeschaltet. In der Akkuyu bei Mersin gab es bereits 1968 erste Pläne für ein Kernkraftwerk, die aber eingestellt wurden. Ab 2006 lebten die Pläne unter der damaligen Erdogan-Regierung wieder auf. Wie 2010 in einem türkisch-russischen Abkommen vereinbart, soll das Kraftwerk vom russischen Unternehmen Rosatom errichtet und zunächst auch betrieben werden. Später soll das Akkuyu-Kraftwerk in den Besitz türkischer Unternehmen übergehen. Die Baukosten werden mit 20 Milliarden US-Dollar angegeben. Wie die russische Nachrichtenagentur TASS beichtet, war  Rosatom-Chef Alexej Lichatschow am Mittwoch bei der Grundsteinlegung anwesend. Es handele sich bei dem Projekt um die „größte Nuklearbaustelle der Welt“. „Das Projekt ist wirklich einzigartig. Im Moment ist das Atomkraftwerk Akkuyu die größte nukleare Baustelle auf dem Planeten. Ab heute werden hier drei Kraftwerksblöcke gleichzeitig vollständig gebaut“, zitiert TASS Lichatschow. „Mehr als hundert türkische Studenten werden jetzt in Russland ausgebildet, die später im KKW Akkuyu eingesetzt werden“, betonte Putin.
(Foto: TASS)

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– Türkisches Weltraumprogramm – Türkei und Russland wollen in der Raumfahrt kooperieren

Nur einen Tag nachdem Präsident Recep Tayyip Erdogan die Pläne der Türkei für eine heimische Raumfahrtindustrie bekannt gab und sein Vorhaben ankündigte bis 2023 auch Raumfahrzeuge auf den Mond bringen zu wollen, stellte die russische Raumfahrtbehörde Roscosmos Absichten für eine Zusammenarbeit mit der Türkei in Aussicht.

Türkei und Russland wollen in der Raumfahrt kooperieren
 

Corona-Pandemie
Hausärzte-Präsident Ulrich Weigeldt kritisiert starres Festhalten der Länder an Impfzentren

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, hat das viel zu langsame Impfen in Deutschland kritisiert. Es könne nicht sein, dass vier Millionen Impfdosen im Kühlschrank gelagert werden, um Impfzentren am Laufen zu halten, anstatt dafür zu sorgen, dass viele Menschen in kurzer Zeit geimpft werden. „Das Ziel scheint völlig aus dem Auge verloren zu sein“, sagte er im Interview mit dem Fernsehsender phoenix. Es sei nicht nachvollziehbar, dass die Ministerpräsidentenkonferenz darüber debattiere, wie Verteilung von Impfstoffen stattfinden soll, anstatt mit den Ärztinnen und Ärzten direkt in Kontakt zu treten. Durch die Einbeziehung der Hausärzte in die Impfstrategie könne man dafür sorgen, dass vorhandener Impfstoff möglichst schnell verimpft werde. So könne der Einlagerung der vielen Impfdosen in den Impfzentren entgegengewirkt werden. Scharf kritisierte er das Vernichten nicht verbrachter Impfdosen in den Impfzentren: „Impfstoff wegzuwerfen ist irre!.“ Er forderte ein pragmatisches Vorgehen und kritisierte das starre Festhalten der Länder an den Impfzentren bis September. Viele Menschen, vor allem aus ländlichen Gegenden, schrecke eine lange Anreise zu den Impfzentren ab, da sie lieber von ihren Hausärztinnen und Hausärzten geimpft werden wollten. „Ich hätte gerne mal einen sachlichen, vernünftigen Grund gehört, weswegen man das nicht einfach macht“, so der Verbandschef. Für die Belieferung böte sich der lange erprobte Weg über Apothekenlieferketten an. Ihn ärgere die Bürokratisierung des Corona-Impfprozesses und „dass wir jetzt Pilotprojekte brauchen, um zu prüfen, ob Hausärzte impfen können, was wir seit einem Jahrhundert machen.“ Die Reihenfolge der Impfung müsse auch bei den Hausärztinnen und Hausärzten eingehaltenwerden. Doch fordert Weigeldt ein praktisches Vorgehen: „Ehe man einen Impfstoff wegwirft, muss man doch vielleicht mal von einer starren, geraden Regelung abweichen können.“ Das Ganze sei mittlerweile „kafkaesk“.

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– Corona-Pandemie – Corona unter Migranten: Özdemir fordert gezielte Aufklärungskampagne

Covid-Patienten mit Migrationshintergrund: Özdemir fordert „Infokampagne mit Promis und Medizinern“. Ex-Grünenchef vor Integrationsgipfel: Kanzlerin sollte russische Community auf Russisch ansprechen – „Es gibt hier und da auch Ignoranz“.

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Hass im Netz
Autorin Sophie Passmann erhält zahlreiche Drohbriefe: „2020 war mehr Todesliste“

Die Autorin Sophie Passmann hat viele negative Erfahrungen mit Hass im Netz gemacht, unter anderem hat sie ihren Namen bereits auf Todeslisten entdecken müssen. „Am meisten Hass generieren Posts über Rechtsradikale, die Polizei oder die Bundeswehr. Da hat man mit beeindruckender Geschwindigkeit organisierte Leute auf der Matte stehen, die einen fertig machen“, sagt sie dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Die 27-Jährige, die Hunderttausende Follower in den sozialen Netzwerken hat, berichtete weiter:
„Am gefährlichsten ist alles mit Nazis. Wenn man etwas Gutes sagt über Geflüchtete, Asylrecht oder immer auch noch Frauenrechte. Alles, was gegen das Kernprogramm der AfD geht, ist das, wo die Drohbriefe kommen, wo man auf Todeslisten steht, wo man den Anwalt einschaltet.“
Schon im Jahr 2019, dem Erscheinungsjahr von „Alte weiße Männer“, habe sie ihren Anwalt wegen Beleidigungen und Drohbriefen einschalten müssen. 2020 habe sich diese Tendenz aber noch verstärkt: 2020 war mehr Anwalt – und mehr Todesliste.“ Passmann, die mit „Komplett Gänsehaut“ gerade einen neuen Roman vorgelegt hat, spricht aber auch über die Corona-Krise, die ihr sehr zu schaffen macht. „Erschöpfung, Dünnhäutigkeit, Nervosität, Depressionen, Angstattacken. Das volle Millenial-Anxiety-Programm“, beschreibt sie die Auswirkungen der Pandemie und des Lockdowns auf sich selbst.

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– Frankfurt – „Miese Türkensau“: Türkische Anwältin von Polizisten bedroht

Die türkischstämmige Rechtsanwältin und Vertreterin der Nebenklage im NSU Prozess, Seda Başay-Yildiz, wurde laut einem Bericht der „Frankfurter Neue Presse“ (FNP) von fünf Frankfurter Polizisten bedroht.

„Miese Türkensau“: Türkische Anwältin von Polizisten bedroht

Buchvorstellung
Rezension: Der Koran und die Frauen

Der Koran und die Frauen von Benjamin Idriz: Eine Rezension von Prof. Dr. Stefan Jakob Wimmer (Ludwig-Maximilian-Universität München)

Benjamin Idriz dürfte der einzige Imam Deutschlands sein, der promovierter islamischer Theologe ist und zugleich auf deutsch schreibt. Beides – die Praxisbezogenheit des Seelsorgers und die wissenschaftliche Vertrautheit mit den Quellen – zeichnet sein neues Buch aus. Mit diesen Qualitäten ragt es aus einer wahren Flut von Veröffentlichungen aller Art über die „Frauenfrage“ im Islam wohltuend heraus.

Der Autor ist seit vielen Jahren weit über die oberbayerische Kleinstadt Penzberg, wo er als Imam wirkt, und über München, wo er das „Münchner Forum für Islam“ initiiert hat, bekannt: Sein Wirken und Schaffen gilt einem authentischen Islamverständnis, das mit den Wertvorstellungen der deutschen und europäischen Gesellschaft unserer Zeit nicht nur kompatibel ist, sondern die gemeinsamen Werte aus den Quellen des Islams – dem Koran und der Tradition der Propheten – ableitet.

Gerade zum Thema „Der Koran und die Frauen“ kann diese Herangehensweise Vielen die Augen öffnen. Denn Idriz leugnet keineswegs die traurigen und oft genug bisweilen schockierenden Realitäten. Er stellt sie schonungslos bloß, ordnet sie als das ein, was sie sind: empörende Verirrungen in der muslimischen Geschichte und leider auch Gegenwart, und zeigt auf, was der Koran wirklich dazu sagt.

Damit spricht er zum einen die breite Öffentlichkeit an, die über die Berichterstattung der Medien wenig bis keine Möglichkeiten hat, sich kompetent informieren zu lassen. Zum anderen aber wendet er sich direkt an Musliminnen und Muslime und fordert vor allem auch sie dazu auf, ihre eingespielten Verhaltens- und Denkweisen zu überprüfen und zu dem zurückzukehren, was Gott im Koran meint und der Prophet in seinen Hadithen wirklich gesagt hat und was nicht.

Er lässt sich somit nicht von einem aktuellen Trend vereinnahmen, den Islam neu zu erfinden, sondern weist kompetent nach, dass und wie der Koran und die Sunna von Anfang an die Befreiung der Frau, ihre Wertschätzung und Gleichstellung bewirken wollten und weiterhin fordern. Das Buch öffnet neue Horizonte für alle, die von der Frage betroffen sind oder meinen, mitreden zu können. Die Debatte über die Frau im Islam in Deutschland kann ohne dieses Buch nicht mehr geführt werden.

Amazon: Der Koran und die Frauen: Ein Imam erklärt vergessene Seiten des Islam

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– Weltfrauentag – Der Prophet Muhammed: Ein Kämpfer für Frauenrechte

„Während andere religiöse Führer seltsam schweigsam über die Unterdrückung der Frauen zu sein schienen, hob Muhammed den Status der Frauen als eine Angelegenheit der religiösen Überzeugung und der staatlichen Politik dramatisch an. Muhammad war mit Abstand der radikalste und ermächtigendste in seiner Behandlung von Frauen. Wahrscheinlich war er der erste Feminist der Geschichte“. Jim Garrison, Huffpost.

Der Prophet Muhammed: Ein Kämpfer für Frauenrechte

Islam
Das Geschenk der Miradsch-Nacht: Liebe zu Gott und zu den Menschen

Von Benjamin Idriz Die heutige Isr‘a und Miradsch-Nacht hat eine besondere Bedeutung für die Muslime. Traditionell verbringen sie diese Nacht im Gebet und im Gedenken. Diese Nacht gilt als segensreich – weil in ihr dem Propheten Muhammad die Himmelfahrt, von Mekka nach Jerusalem und von Jerusalem aus in das Universum, zuteilwurde. Ob es sich allerdings um eine körperliche oder seelische Reise handelt und wie ihr Verlauf aussah, darüber gehen die Meinungen der Gelehrten auseinander. So oder so, diese Himmelreise ist ein Wunder und ein besonderes Ereignis im Leben des Propheten, Friede sei auf ihn. Diese spirituelle Reise ereignete sich zu einer Zeit, in der die Unterdrückung der Muslime in Mekka den Höhepunkt erreichte. Der Prophet hatte seine zwei Unterstützer verloren: seine Gattin Hadidscha und seinen Onkel Abu Talib. Gott, der Barmherzige, nahm seinen in Bedrängnis geratenen Propheten in solch einer Zeit zu sich, um ihn zu trösten und zu ermutigen. Das tägliche Gebet, welches auf dieser Reise als verpflichtet bestimmt wurde, ist der Trost und die Erleichterung für Menschen, die in Schwierigkeiten und Not sind. Die Miradsch bedeutet der Aufstieg eines menschlichen Wesens von der Hilflosigkeit in die Erhabenheit. Das Gebet als “Himmelfahrt der Gläubigen” ist ein Geschenk dieser Nacht. Das Wort für Gebet, arabisch salah, hat die Bedeutung von Verbindung und Beziehung. Salah ist eine transzendente, metaphysische Beziehung zwischen dem Menschen und Gott. Diese Verbindung zwischen Gott und dem Menschen ist ein Zeichen der wechselseitige Liebe zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpf. Liebe ist keine Vernunftssache und so ist auch die Beziehung des Menschen zum Glauben eine Sache des Gefühls. Diese Liebesbeziehung ist das Ergebnis des Vertrauens, das tief im Herzen eingepflanzt ist. Das Resultat dieser engen und direkten Beziehung ist gegenseitige Liebe (hubb): „Diejenigen, die Gott vertrauen/glauben, lieben Gott noch mehr!“ (2:165) und Zufriedenheit (rida). Diese zwei Eigenschaften der Beziehung, also Liebe und Zufriedenheit, sind im Koran sowohl für Gott als auch für Menschen bezeugt: „…die Er liebt und die Ihn lieben…“(5:54), “…Gott ist wohlzufrieden mit ihnen, und wohlzufrieden sind sie mit Ihm…“ (9:100). Weiter sehen wir im folgenden Vers, wie diese gegenseitige wohlwollende und aufrichtige Beziehung zur Glückseligkeit im Paradies führt: „Und am Gerichtstag wird Gott sagen: „heute wird ihre Wahrhaftigkeit allen nutzen, die ihrem Wort treu gewesen sind: ihrer werden Gärten sein, durch die Wasserläufe fließen, darin zu verbleiben jenseits der Zählung der Zeit; wohlzufrieden ist Gott mit ihnen, und wohlzufrieden sind sie mit Ihm: dies ist der höchste Triumpf“ (5:119). Aus der engen Beziehung zwischen Gott und Mensch ist ein gemeinsames Attribut entstanden, mit dem Gott und Mensch bezeichnet werden: Vertrauenswürdig. Gott bezeichnet sich selbst als [al-mu’min], der absolut Vertrauenswürdige und derjenige, der das Vertrauen gewährt, und der an Ihn Glaubende heißt ebenfalls [mu’min], ein Mensch, der Gott vertraut und anderen Vertrauen schenkt. Trotz Seiner absoluten Macht ist Gott nicht nur der Herrscher, der von der höchsten Stelle auf den Menschen schaut, sondern auch ein Freund, der neben dem Menschen, in ihm und mit ihm zusammen steht: „Und wenn Meine Diener dich nach Mir fragen – siehe, Ich bin nahe; ich erhöre den Ruf dessen, der ruft, wann immer er zu Mir ruft“. (2:186). Der Glaube an Gott, īmān, ist mehr eine Herzens- und Liebesangelegenheit als eine Sache der Vernunft. So ist es auch mit dieser Himmelreise des Propheten, die unsere Vernunft herausfordern kann. Unsere Vernunft wird nie die Gewissheit des īmān erreichen. Jederzeit kann eine neue Erkenntnis aufkommen, die unser Verstand in Frage stellt. Īmān ist eine angeborene Überzeugung und eine Erkenntnis, die in der Seele verwurzelt ist, die die Vernunft übersteigt und somit Wissen und Herz stärkt. Denn der Glaube spricht eben nicht primär den Verstand des Menschen an, sondern sein Herz. Entscheidend ist, was im Herzen liegt, und nicht auf den Lippen, in Behauptungen und äußerem Schein. Der Prophet bekräftigt das in einer seiner Aussage: „Gott achtet nicht auf euren Äußeres, sondern auf eure Herzen und Taten.“ Der Wert des Menschen bemisst sich also an dem, was in seinem Herzen liegt und was dieses Herz hervorbringt. Hat sich ein Mensch den īmān angeeignet, dann fühlt er diese Wahrheit in seinem innersten Wesen. Īmān umgeht den Verstand und das Herz nicht, sondern er wächst mit beiden, steigt höher und vervollständigt seine Bedeutung.
Amazon: Der Koran und die Frauen: Ein Imam erklärt vergessene Seiten des Islam
Der īmān an Gott ist Vertrauen auf Ihn. Wenn ich also sage: Ich glaube an Gott, sollte das eigentlich bedeuten: Ich glaube Gott, ich vertraue Ihm. Und dieser Glaube sollte sich über Gott hinaus in den Menschen manifestieren. Mit dem Herzen liebt man, fühlt und ahnt man. In der menschlichen Erkenntnisquelle, fu’ad, dem Herzen, ist die Wahrheit über Gott immanent: die Wahrheit über eine erhabene, nicht materielle Welt, der Traum von Ewigkeit. Diese Nacht lehrt uns, dass es lediglich durch aufrichtige Absicht und entschiedene Bemühung möglich ist, höhere Ränge und Gottes Liebe zu erreichen. Die tägliche rituelle Waschung erfrischt und reinigt die äußeren Organe; die täglichen Gebete bescheren den Menschen Entspannung und Ruhe in der hektischen Welt. Das Gebet im Koran wird im Zusammenhang mit der materiellen Unterstützung der Schwachen (107:4-7), mit der Überwindung von Schwierigkeiten durch die Geduld (11:114-115), wie auch mit der schönen Art und Weise des Umgangs mit den Menschen (2:83) erwähnt. Das Gebet im Islam, also, beabsichtigt, den Menschen dazu zu erziehen, täglich zum Frieden und zur Harmonie beizutragen. Das Gebet ist nicht das Ziel, sondern ein Mittel, ein Weg, das Ziel ist Vollkommenheit und Gutes erlangen. Ich wünsche, dass diese segensreiche Nacht Gutes und Segen für unsere Gegenwart und Zukunft bringen möge.

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– Weltfrauentag – Der Prophet Muhammed: Ein Kämpfer für Frauenrechte

„Während andere religiöse Führer seltsam schweigsam über die Unterdrückung der Frauen zu sein schienen, hob Muhammed den Status der Frauen als eine Angelegenheit der religiösen Überzeugung und der staatlichen Politik dramatisch an. Muhammad war mit Abstand der radikalste und ermächtigendste in seiner Behandlung von Frauen. Wahrscheinlich war er der erste Feminist der Geschichte“. Jim Garrison, Huffpost.

Der Prophet Muhammed: Ein Kämpfer für Frauenrechte

Geschichte
Am Bosporus: Seeschwalbe in Mayonnaise für das deutsche Kaiserpaar

Ein Gastbeitrag von Thomas Weiberg – Historiker Zu (Staats-)Besuchen nicht nur fürstlicher Gäste gehören seit je entsprechende Festbankette und ›Arbeitsfrühstücke‹. Heute möchte ich ein festliches ›Frühstück‹ für Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Victoria am 2. November 1889 im Palais der deutschen Botschaft in Konstantinopel vorstellen. Gastgeber war der Botschafter Joseph Maria von Radowitz (1839-1912). Das in Hofkreisen der damaligen Zeit stets sogenannte ›Frühstück‹ entspricht nach unseren heutigen Gepflogenheiten übrigens dem Mittagessen. Im Anschluss an den Kirchenbesuch in der deutschen evangelischen Kirche – es predigte der in Berlin sehr populäre Oberhofprediger Rudolf Kögel (1829-1896) – fuhren die Majestäten, der Kaiser in Generalsuniform, die Kaiserin in einer ›rehbraunen Toilette‹, an diesem zweiten Besuchstag am Bosporus dann durch die Grande rue de Péra (Beyoğlu) zu einem Frühstück in die deutsche Botschaft, von der Gräfin von Keller, die Hofdame der Kaiserin, vermerkte, sie sei wenig schön und im ›Kasernenstil‹ erbaut, aber geschmackvoll eingerichtet und malerisch gelegen. Unterwegs wurden den Majestäten an der Firuz Ağa Camii in Pera von Blumenfrauen (es wird sich vermutlich um Ehrenjungfrauen, die Blumen überreichten, gehandelt haben) noch zwei, mit den preußischen und hohenzollernschen Wappen besticke Seidenkissen übergeben, wie der ›Levant Herald‹ zu vermelden wusste. Auch Rosa von Förster, eine Schriftstellerin aus Berlin, war durch ihre Beziehungen zu General Kurt von Hobe (1843-1928) – dem deutschen Stallmeister Sultan Abdül Hamids II. – und Frau von Radowitz zu dem Frühstück für dreißig Personen sowie dem folgenden Empfang eingeladen. Sie berichtete:
»Ein wohlbekannter Künstler und Professor der Kunstschule, M[onsieu]r Valery, hatte für den Kaiser, die Kaiserin und den Prinzen Heinrich Tischkarten [Menükarten] in Wasserfarben gemalt. Die für den Kaiser bestimmte stellte ein maurisches Portal dar mit einem Türken zu Pferde und Ansichten von Constantinopel. Die der Kaiserin war mit charakteristischen Aufnahmen des Bosporus geziert, in der Mitte war ein Kiosk mit einem offenen Fenster, vor welchem zwei Türkinnen zur Guitarre sangen. Die des Prinzen Heinrich zeigte ein großes Segelschiff mit türkischen Fischern bemannt, in der Ferne sah man die Ufer des Marmarameeres. […] Die übrigen Gäste hatten lithographierte Karten mit einem Bildchen von der Serailspitze.«
Auch Botschafter von Radowitz schrieb über diese künstlerischen Beigaben: »Auf den Menüs waren Ansichten der Serailspitze und der Botschaft; für die Majestäten und Prinz Heinrich hatte ich besondere Aquarelle machen lassen, schöne Blätter von Valery (Kostenpunkt 1000 Franken!) …« Die auf so künstlerische Weise gestalteten Menükarten verzeichneten folgende Speisen: »Bouillon mit Perlgraupen, Gänseleberpastete mit Sauerkraut auf deutsche Art; gedämpfter Ochsenrücken mit Gemüsen; Seeschwalbe in Mayonnaise; gebratene Haselhühner mit Salat und Johannisbeer-Eingemachtem; Grüne Erbsen mit Spargelspitzen, Gefrorenes von Ananas in Schaumwein; Käsestängchen; Früchte und Nachtisch.« Die Chöre des Handwerker-Vereins und der Deutschen Schule sangen unterdessen im großen Saal der Botschaft Volks- und vaterländische Lieder, unter anderem einen speziell für diesen Anlass geschaffenen ›Gruß an die Kaiserin‹, der Ihrer Majestät so gut gefiel, dass er wiederholt werden musste. Es folgte die separate Vorstellung der ›Spitzen der Kolonie‹ — der Kaiserin wurden die deutschen Damen vorgestellt, der Kaiser empfing gemeinsam mit seinem Bruder die Herren. Diese Passage ist meinem Buch entnommen: Mein Sultan möge lange leben! Padişahım çok yaşasın! Sultan Abdül Hamid II. und Kaiser Wilhelm II. Eine deutsch-osmanische Freundschaft? Wer nun neugierig geworden ist, kann es hier als ebook bestellen.

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– Deutsch-osmanische Freundschaft – Vor 120 Jahren wurde der Deutsche Brunnen in Istanbul eingeweiht

Das bedeutendste Denkmal der viel beschworenen und noch mehr strapazierten deutsch-osmanischen Freundschaft befindet sich bis heute gut sichtbar in Istanbul – auf dem repräsentativen Platz zwischen der Hagia Sophia und der Moschee Sultan Ahmeds.

Vor 120 Jahren wurde der Deutsche Brunnen in Istanbul eingeweiht

Rentenbezugsmitteilungen
Steuererklärung 2020: R-AUS für Rentner

Rentenbezugsmitteilungen gehen jetzt raus Am Anfang eines neuen Kalenderjahres verschickt die Rentenversicherung an viele Rentnerinnen und Rentner die sogenannten Rentenbezugsmitteilungen für das Jahr davor. Das bedeutet, dass derzeit die Rentenbezugsmitteilungen für das Jahr 2020 versendet werden. Darin sind unter anderem die Höhe der gezahlten Rente sowie der Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge für das vergangene Jahr bescheinigt. Wichtig sind diese Angaben für das zuständige Finanzamt, um anhand der bescheinigten Beiträge die Steuern zu berechnen, die jede Rentnerin und jeder Rentner eventuell zu zahlen hat. Denn seit 2005 müssen immer mehr Rentner eine Steuererklärung abgeben. Die Rentenversicherung übermittelt die Daten auch an das zuständige Finanzamt. Für Rentnerinnen und Rentner bedeutet das: Sie müssen seit diesem Jahr die Werte nicht mehr zwingend in die Vordrucke „Anlage R“ und „Anlage Vorsorgeaufwand“ eintragen. Über ihre Rentenbezugsmitteilung wissen sie, was dem Finanzamt gemeldet wurde.
(Grafik: VLH)
Die Anlage R bleibt Die Anlage R muss grundsätzlich von Rentnerinnen und Rentnern ausgefüllt werden, die eine Rente aus dem Inland erhalten, welche nicht vom Arbeitgeber gezahlt wird. Anzugeben ist zum Beispiel die Höhe der Rente und seit wann die Rente bezogen wird. Rentenanpassungsbeträge, Nachzahlungen für mehrere vorangegangene Jahre und Einmalzahlungen müssen jeweils gesplittet angegeben werden. Darüber hinaus können Rentnerinnen und Rentner ihre Werbungskosten angeben: Dazu gehören alle Ausgaben, die „zum Erwerb, zur Sicherung und zum Erhalt“ der eigenen Renten dienen. Übrigens: Grundsätzlich rechnet das Finanzamt jedem Ruheständler automatisch eine Werbungskostenpauschale in Höhe von 102 Euro im Jahr an. Neu seit 2020: Anlage R-AUS und Anlage R-AV / b-AV Das Rentenrecht und auch das Finanzamt unterscheiden nicht nur zwischen gesetzlicher und privater Rente, vielmehr gibt es noch eine dritte Rubrik: Leistungen aus Altersvorsorgeverträgen und der betrieblichen Altersvorsorge. Bis 2019 waren die verschiedenen Altersvorsorgeleistungen in der Anlage R aufgelistet. Rentnerinnen und Rentner konnten Zutreffendes ankreuzen und entsprechend ausfüllen. Seit 2020 gibt es dafür die Anlage R-AV / b-AV: Hier werden Leistungen aus inländischen Altersvorsorgeverträgen und aus der inländischen betrieblichen Altersversorgung eingetragen. Dazu gehört beispielsweise die Rente aus einem Pensionsfonds, einer Pensionskasse oder einer Direktversicherung. Die Anlage R-AUS wird ausgefüllt, wenn ein Ruheständler eine Rente und andere Leistungen aus ausländischen Versicherungen, ausländischen Rentenverträgen und ausländischen betrieblichen Versorgungseinrichtungen bezieht. Wichtig: Wird eine Rente aus einer ausländischen Versicherung oder einem ausländischen Rentenvertrag gezahlt, liegen der Finanzverwaltung in Deutschland keine elektronischen Daten vor. Deshalb gilt für alle Rentnerinnen und Rentner, die Bezüge aus dem Ausland erhalten: Sie müssen auf jeden Fall die entsprechende Anlage R-AUS ausfüllen. Übrigens: Wer die Rentenbezugsbescheinigung zur Vorlage beim Finanzamt schon im vergangenen Jahr angefragt hat, bekommt diese auch jetzt wieder unaufgefordert zugeschickt. Ansonsten können Rentnerinnen und Rentner sie ganz einfach mit ihrer Versicherungsnummer bei der Deutschen Rentenversicherung anfordern unter www.deutsche-rentenversicherung.de/steuerbescheinigung. Die VLH: Größter Lohnsteuerhilfeverein Deutschlands Der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH) ist mit mehr als einer Million Mitglieder und rund 3.000 Beratungsstellen bundesweit Deutschlands größter Lohnsteuerhilfeverein. Gegründet im Jahr 1972, stellt die VLH außerdem die meisten nach DIN 77700 zertifizierten Berater. Die VLH erstellt für ihre Mitglieder die Einkommensteuererklärung, beantragt Freibeträge, ermittelt und beantragt Förderungen und Zulagen, prüft den Steuerbescheid und einiges mehr im Rahmen der gesetzlichen Beratungsbefugnis nach § 4 Nr. 11 StBerG.

Zum Thema

– Rente – Rentenversicherung lehnt jeden vierten Antrag auf berufliche Rehabilitation ab

Die Deutsche Rentenversicherung lehnt nach einem Bericht der „Saarbrücker Zeitung“ jeden vierten Antrag auf berufliche Rehabilitation ab. Demnach wurden bei der Rentenversicherung im vergangenen Jahr rund 403.500 Anträge für Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben abschießend bearbeitet.

Rentenversicherung lehnt jeden vierten Antrag auf berufliche Rehabilitation ab

Kriminalstatistik
Kriminalität in NRW auf niedrigstem Stand seit 30 Jahren

Düsseldorf – Laut dem NRW Innenministerium ist die Kriminalität in Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr noch einmal zurückgegangen. Die Zahl aller registrierten Straftaten in der Polizeilichen Kriminalstatistik ist 2020 um 12.166 auf insgesamt 1.215.763 Fälle gesunken. Das ist ein Minus von einem Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bereits in den zurückliegenden fünf Jahren nahm die Kriminalität kontinuierlich ab. Im vergangenen Jahr konnte das Innenministerium den niedrigsten Wert seit 30 Jahren vermelden. 2020 hat die Polizei 641.901 Taten aufgeklärt; eine Aufklärungsquote von 52,8 Prozent. Innenminister Herbert Reul: „Die Pandemie wirkt sich deutlich auf die Statistik aus und wir sehen, dass sich die Kriminalität ins Netz verlagert hat. Gleichzeitig freue ich mich, dass wir den Tiefstand halten konnten. Das beweist, dass die Polizei auch in der Krise hervorragende Arbeit leistet.“
(Grafik: © IMNRW)
Minister Reul weiter: „Die Polizeiliche Kriminalstatistik ist eine Corona-Statistik. Da gibt es eine Kriminalitäts-Verschiebung“. Während Wohnungseinbrüche um 2.077 Fälle (- 7,7 Prozent) und Straßenkriminalität um 6.818 Fälle (- 2,3 Prozent) zurückgegangen sind, hat die Polizei 2.071 mehr Fälle von Häuslicher Gewalt (+ 7,7 Prozent), 1.828 mehr Fälle von Taschendiebstahl (+ 5,9 Prozent) und 4.176 mehr Fälle von Computerkriminalität (+ 20,8 Prozent) verzeichnet. Bei der Computerkriminalität sind insgesamt 24.294 Fälle registriert worden, 2019 waren es 20.118 Fälle. Reul: „Hier zeigt sich deutlich der Corona-Effekt auf die Kriminalstatistik. Aufgrund der Pandemie findet das Leben jetzt online statt und das Verbrechen kommt hinterher.“ Gestiegen ist unter anderem der Warenbetrug im Internet: So haben Fälscher die große Nachfrage nach Gesundheitsartikeln ausgenutzt und in Online-Shops gefälschte Desinfektionsmittel, Masken, Tests, Testbescheinigungen und schließlich gefälschte Impfstoffe angeboten. Zum ersten Mal wurde die Polizeiliche Kriminalstatistik für Nordrhein-Westfalen im Hinblick auf Häusliche Gewalt analysiert. Darunter fallen Straftaten, bei denen Opfer und Tatverdächtige im gemeinsamen Haushalt leben. Das Landeskriminalamt hat diese erstmals gesondert für das Jahr 2020 und rückblickend auch für 2019 ausgewertet. Grund dafür war unter anderem die Vermutung, dass durch Corona die Gewalt im häuslichen Umfeld angestiegen sein könnte. Laut Polizeilicher Kriminalstatistik gab es im Jahr 2020 insgesamt 29.155 Fälle; ein Plus zu 2019 von 7,7 Prozent. Dabei wurden 32.705 Opfer Häuslicher Gewalt erfasst. 22.905 Opfer (70 Prozent) waren Frauen und 9.800 Opfer (30 Prozent) Männer. „Das Dunkelfeld bei Häuslicher Gewalt ist groß. Das müssen wir weiter aufhellen, um die Straftaten noch besser aufklären zu können. Bei diesen Delikten handelt es sich ganz überwiegend um Gewalt gegen Frauen. Sie müssen wir noch besser schützen“, so Reul. Dass die Zahl bei diesem Delikt während der Corona-Pandemie angestiegen ist, war lange vermutet worden und ist nun mit validen Daten belegt. Positiv hat sich die Pandemie auf die Zahlen des Wohnungseinbruchdiebstahls ausgewirkt. 2020 sind diese Fälle von 26.857 auf 24.780 gesunken (- 7,7 Prozent). „Hier setzt sich eine Entwicklung fort, die wir schon vor einigen Jahren angestoßen haben und die Corona verstärkt hat“, sagt Innenminister Reul. In Nordrhein-Westfalen ist die Zahl des Wohnungseinbruchdiebstahls seit 2017 um 52,9 Prozent zurückgegangen. Ebenfalls positiv beeinflusst hat die Pandemie die Straßenkriminalität. Dazu gehören beispielsweise Raubüberfälle und Kfz-Diebstähle. Hier hat die Polizei 290.870 Fälle registriert. Das waren 6.818 Fälle weniger als 2019 (- 2,3 Prozent). Gestiegen sind im vergangenen Jahr Betrugsstraftaten zum Nachteil älterer Menschen. Dabei versuchen Kriminelle durch Ablenkung oder Täuschung an das Vermögen der Senioren zu kommen. Im Jahr 2020 gab es insgesamt 2.621 Betrugsstraftaten zum Nachteil älterer Menschen. Das ist ein Plus von 718 Fällen oder 37,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Betrüger geben sich längst nicht mehr nur als Familienangehörige aus. Wir hatten es während Corona auch verstärkt mit falschen Ärzten oder falschen Ordnungsamtsmitarbeitern zu tun“, so der Minister. 2020 sind 13,2 Prozent aller Straftaten zum Nachteil älterer Menschen auf den so-genannten Enkeltrick entfallen. 608 Fälle oder 23,2 Prozent sind unter dem Phänomen „falsche Amtsträger“ registriert worden. Die Schadenssumme beläuft sich auf rund 25,3 Millionen Euro (+ 31,8 Prozent). „Nicht messbar ist der seelische Schmerz, den diese Straftaten bei älteren Mitbürgern verursachen. Die Menschen schämen sich, sind gedemütigt und haben teilweise alles verloren – ihr Geld und ihren Glauben an die Gesellschaft“, urteilt Minister Reul. Bei den klassischen Straftaten spiegelt sich das Engagement der Polizei Nordrhein-Westfalen wider: So hat es im vergangenen Jahr 372 Mord- und Totschlagsfälle gegeben; ein Minus von 40 Fällen. Hier ist es in 274 Fällen beim Versuch geblieben. Der Minister sieht dies als eine tolle Entwicklung, die die gute Arbeit der Polizei unterstreicht. Es seien zehn Prozent weniger Menschen, die ihr Leben verloren haben. In Bezug auf Mord und Totschlag verweist Reul auf die beständig gute Aufklärungsquote von 93,8 Prozent. Zurückgegangen ist auch die Gewaltkriminalität, zu der etwa Fälle von gefährlicher und schwerer Körperverletzung zählen, und zwar auf 43.257 Delikte. Ein Minus von 944 Fällen. Bei der Gewaltkriminalität hat die Polizei 76,5 Prozent aller Fälle aufklären können. Das sind rund 33.000 Delikte. Insbesondere in den Bereichen Kinderpornografie (4.776 Fälle, + 102,5 Prozent) und Kindesmissbrauch (3.553 Fälle, + 19,5 Prozent) ist der Zuwachs der aufgedeckten Fälle auf die Arbeit der Ermittler zurückzuführen. Nach den Missbrauchsfällen in Lügde hat das Innenministerium die Anstrengungen im Kampf gegen sexuellen Missbrauch von Kindern intensiviert: Vervierfachung des Personals, mehr als 30 Millionen Euro für Technik und ein eigenes Referat im Ministerium. „Die Fälle sind nicht mehr geworden, wir sehen sie nur endlich. Der Anstieg ist ein trauriges Arbeitszeugnis unserer Anstrengungen. Weil wir hinsehen und konsequent verfolgen, finden wir mehr. Wir hellen das Dunkelfeld auf. Dass Kindesmissbrauch überall passiert, muss uns als Gesellschaft noch bewusster werden“, erklärt Reul. Bei Kinderpornografie haben die Ermittler 89,8 Prozent der Fälle aufgeklärt, bei Kindesmissbrauch 81,3 Prozent.

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