Türkei
„Als das türkische Militär noch sich selbst überlassen war“

ein Gastbeitrag von Nabi Yücel Letzte Woche fand in Ankara die Sitzung des Obersten Militärrats der Türkei (YAŞ) statt und die Entscheidungen wurden der Öffentlichkeit bekannt gegeben. Manche werden nun die Schultern zuckend „na und?“ sagen. Andere werden melancholisch über vergangene Zeiten ziehen. Bei Letzteren gibt es zwei Gemütszustände. Die einen in der Türkei, die aufatmen und die andere im Ausland, die resigniert feststellt, dass die Zeiten vorbei sind, wo man von „unsere Jungs“ spricht. Im Ausland, vor allem im Westen, verklärte man das Militär stets als Hüter der säkularen Verfassung und des Erbes von Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk, womit man Putsche relativ teilnahmslos verfolgte. Aber in der Türkei sieht man das Militär als Garant für Land und Leute. Seit 1960 intervenierte das Militär vier Mal, um unliebsame Regierungen abzusetzen und richtete dabei die Waffe auch gegen das Volk. Nur kurze Zeit nach dem gescheiterten Putschversuch von 2016, sprach man im Westen bereits von einem „Sicherheitsregime“, dass das Militär mit der Entlassung der Hälfte der Generalität des Heeres, der Luftwaffe und Marine gefügig gemacht habe. Kein Wort davon, dass diese Generäle über 8.000 Soldaten verschiedener Waffengattungen mobilisiert, 35 Kampfflugzeuge, 3 Schiffe, 37 Kampfhubschrauber sowie 74 Kampfpanzer und weitere 246 gepanzerte Fahrzeuge in Marsch gesetzt hatten. Eine von Gülenisten durchsetzte Militärhierarchie hatte in der Nacht vom 15. zum 16. Juli 2016 den Befehl dazu gegeben und den türkischen Generalstabschef Hulusi Akar festgesetzt, um dessen weiteres Eingreifen in den Putschversuch zu verhindern. Danach richtete sich das Hauptaugenmerk auf den Nachrichtendienstchef der MIT, Hakan Fidan, und das Hauptquartier der Sondereinsatzkräfte des Militärs. Danach richtete man die geballte Kraft gegen das Polizeipräsidium und das türkische Parlament, während man die Menschen niedermetzelte. Damit war ein Punkt überschritten, ein Wendepunkt eingeleitet. Eine Rückkehr in altbekannte Mechanismen, die die säkulare Verfassung oder das Erbe hochhielten, um dahinter die Waffen gegen das Volk zu erheben, war nicht mehr möglich. Eine weitere Kontrollinstanz war nötig; außer dem Nachrichtendienst, dass den Putschversuch zwar rechtzeitig bemerkte, aber den gut unterrichteten Putschisten den Startschuss gab, vorzeitig auszurücken und mit Waffengewalt die Regierung zu stürzen. Seit dem gescheiterten Putschversuch untersteht die Gendarmerie nicht mehr dem Militär, sondern dem Innenministerium. Die Sitzung des YAŞ findet nicht mehr im Militärhauptquartier statt, sondern im Beisein des türkischen Präsidenten sowie des Kabinetts im Präsidentenpalast auf dem Beştepe-Areal. Zuvor wird die Sitzung mit einem gemeinsamen Besuch des Mausoleums Atatürks eingeläutet. Vor 2016 waren die Sitzungen der YAŞ geprägt von Gerüchten, Zerwürfnissen und Krisen. Zumindest gab es sehr viele Journalisten, die ellenlange Schlagzeilen bastelten und damit Sprachrohr für den einen oder anderen Kandidaten oder dem Militärrat wurden. Offensichtlich scheinen diese Zeiten vorbei zu sein, gibt es in diesem Geschäft nichts mehr zu verdienen. Gegenwärtig interessiert es keinen Journalisten mehr, wer da pensioniert, in einen höheren Rang befördert oder der neue Generalstabschef geworden ist. Oder haben Sie etwa aktuell gegenteiliges vernommen? Von einigen Artikeln abgesehen, die die Neulinge bekannt machen und manch einem Offizier a.D., der in alten Erinnerungen schwelgt, nichts, was die Gemüter in Wallung bringen könnte. Die Hoffnungen mancher, man würde wieder in die gute alte Zeit zurückkehren, endete am 14. Mai, wurde am 28. Mai vollends begraben. Daher die ungewohnte Stille. Zugegeben, nicht alle Sitzungen der YAŞ bis zum 16. Juli 2016 waren medial aufgebauschte „Krisengipfeltreffen“. Manche fanden auch recht ruhig und besonnen statt, vor allem während der Amtszeit des verstorbenen Ministerpräsidenten Bülent Ecevit. Der nahm an der Eröffnung teil, die mit dem Besuch des Mausoleums eingeläutet wurde, und saß mit am Runden Tisch, bis das Postengeschachere beendet wurde. Das türkische Militär entschied bis dahin völlig autonom, wer welchen Rang erhielt, wer pensioniert wurde. Es gab also kein Aufsehen, nichts, was das Volk zu interessieren hatte. Was sollte die Bürokratie in Uniform von Gott noch erwarten? Es lief doch alles nach ihren Vorstellungen! Jahrelang spielten Institutionen in der türkischen Sicherheitsarchitektur wie der Nationale Sicherheitsrat, das Ministerium für Nationale Verteidigung und der Oberste Militärrat (YAŞ) eine wichtige Rolle bei der Zementierung der institutionellen Autonomie der türkischen Streitkräfte. Die Soldaten in Uniform des Generalsekretärs des Nationalen Sicherheitsrats bestellten den Ministerpräsidenten und das Kabinett zu gegebener Zeit und an gegebenem Ort ein und aus, forderten mit Nachdruck ihre Unterschriften ein oder sprachen ein Machtwort aus. In der Zwischenzeit unterstützte die Journaille, die der Führung des Generalstabs zuarbeiteten, die interventionistische Position des Militärs mit Feder und Stimme über Zeitungen und Bildschirme. Erinnert sich jemand noch an Sedat Ergin? Ergin, Kolumnist der Tageszeitung Hürriyet, berichtete häufig darüber und stets in Anlehnung an eine anonyme Nachrichtenquelle in Militärkreisen. Eines der bekanntesten Kolumnen ist die Rede eines Generals namens Osman Özbek, in der Schimpfwörter vorkamen. Der besagte General hatte in einer mit Schimpfwörtern gespickten Rede über die Pilgerreise von Ministerpräsidenten Erbakan gesagt: „Ein Mann würde nicht hingehen, um bei diesem König Gast zu sein“. Damit winkte Özbek mit dem Zaunpfahl gegen Erbakan wie auch einzelne Soldaten, die Erbakan ernst nehmen könnten. Trotzdem wurde der betreffende General auf der nächsten YAŞ-Sitzung in den Rang eines Generalmajors befördert. Sedat Ergin ließ es sich nicht nehmen, die Schlagzeile der Zeitung Hürriyet unmittelbar nach Özbeks beleidigender Rede auf die Spitze zu treiben: „Weitere harte Worte werden folgen“. Im Einzelnen erklärte Sedat Ergin, dass das Messer nun am Knochen anliege, dass der betreffende General zu viel gesagt habe und dass der Pascha mit Glückwünschen überhäuft würde. Gegenwärtig sind alle Demokraten, nur Erdoğan ist ein Autokrat und antidemokratisch. Das glauben tatsächlich viele, links wie rechts, liberal wie konservativ und vor allem das westliche Ausland. Das ist nicht nur eine Sicht von mir, sondern auch aus der Sicht eines ehemaligen Soldaten namens Erol Özkasnak. General Erol Özkasnak, der zu dieser Zeit Generalsekretär des Generalstabs war, sagte in einem Interview folgendes:
„Um mit der damaligen Führung des Generalstabs zusammenzuarbeiten, hat die gleiche Journaille, die versucht hat, sich bei den Befehlshabern beliebt zu machen, die noch so kleinsten Nachrichten aus militärischen Quellen in die Schlagzeilen überführt und zeitgleich die Nachrichtenquelle angeprangert, bevor die Führung etwas dazu sagen konnte. Heute behauptet dieselbe Journaille, dass ich die Quelle untersuche.“
Noch Fragen? Bis 2021 schrieben diese Kolumnisten Artikel über die Entscheidungen der YAŞ, und nach jedem kritischen Artikel wurden sie in der Titelschlagzeile als „demokratische Journalisten und Experten“ bekannt gemacht. Was will man mehr? Und was hat sich heute geändert? Nach dem 15. Juli wurden viele Bereiche der institutionellen Autonomie innerhalb der türkischen Streitkräfte reformiert und demokratischen Normen unterworfen. Die Zusammensetzung des Obersten Militärrats (YAŞ) ist eines davon. In der vorherigen Zusammensetzung des Rates hatte die zahlenmäßige Überlegenheit des Militärs und die Tatsache, dass Entscheidungen durch Mehrheitsbeschluss getroffen wurden, den Rat von einem beratenden Gremium in eine Plattform verwandelt, in der das Militär jede beliebige Entscheidung treffen konnte. Insbesondere gab es Bilder, in denen der Ministerpräsident und der Generalstabschef offensichtlich gleichberechtigt am Ende des Tisches saßen, was man als politischen Zirkus bezeichnen könnte. Jetzt laufen die Dinge aber so ab, wie sie sein sollten. Der Oberkommandeur wird durch Wahlen aus den Reihen der Soldaten und der Regierung gebildet, die seit Jahren in den türkischen Streitkräften dienen. In der früheren Zusammensetzung stand die Frage, wer befördert wird, unter der Vormundschaft der Militärs. In gewisser Weise wurde die Trommel auf die Schultern der Politik geschnürt und die Schlägeln lagen in den Händen des Militärs. Jetzt sind sowohl Trommel als auch Schlägeln in den Händen der Politik. Was bedeutet das? Sowohl die Kontrolle als auch die Verantwortung für Entscheidungen, die von nun an getroffen werden, liegen bei der politischen Macht. Deshalb sollten die Regierungen nicht vergessen, dass die Verantwortung für falsche Entscheidungen auf ihren Schultern lasten.  

Religion
Der Koran – und das Verständnis

ein Gastbeitrag von Michael Thomas

Vor mehr als zwanzig Jahren fand ich mich plötzlich in der Situation, mir nach Möglichkeit ein umfassendes Verständnis vom Koran anzueignen. Nachdem ein damals wiederum viele Jahre zurückliegender Versuch, die Schrift zu lesen, kläglich gescheitert war, suchte ich einen anderen, neuen, funktionierenden Zugang. Eine überaus gebildete Schwester sprach eine Buchempfehlung als begleitende, zu Beginn einführende Lektüre aus, schenkte mir eine Übersetzung und versorgte mich mit Informationen, Tips und Ratschlägen.

Also ging ich gewissermaßen in Klausur. Besondere, glückliche Umstände ließen sie mich in überaus angenehmer Atmosphäre in Ägypten verleben. Innerhalb von zwei Wochen hatte ich das einführende Buch und den Koran gelesen.

Bis heute würde ich diese Strategie immer jedem empfehlen, der sich mit dem Koran in der Tiefe befassen und ein umfassendes Verständnis entwickeln will – oder muss. Ich gebe zu, es ist anstrengend. Diese Strategie lässt nur kurze Lesepausen und sonstige Unterbrechungen zu; ich will erklären, weshalb dem so ist.

Dem Nichtmuslimen und dem Muslimen, der sich vielleicht mit der Intonation des Korans in seiner originalen, arabischen Sprache, aber nur marginal mit seinem eigentlichen Text befasst hat, ist dessen „Zusammensetzung“ und „Funktion“ wahrscheinlich nicht ganz klar.

Die Schrift liest sich aufgrund ihres Aufbaus und der Anordnung seiner Texte, seiner Suren und Verse, der Ayat, keineswegs wie ein fließendes, womöglich sogar chronologischer Text. Das macht das unvorbereitete Lesen nicht nur verwirrend. Es scheint auf den ersten Blick tatsächlich keine vernünftige Aufeinanderfolge der Suren zu geben, man gewinnt den Eindruck, dass der Gedanke beinahe willkürlich von einem Punkt zu einem völlig anderen springt.

Ohne in allzu detaillierte, wissenschaftliche Spezifika abzutauchen und Nichtmuslime vielleicht damit noch viel mehr zu verwirren, muss man ein völlig anderes Verständnis entwickeln, mit dem der Koran zu lesen ist.

Nichtmuslimen versuche ich die Schrift immer salopp und mit modernen, allgemeinverständlichen Ideen zu charakterisieren. Ich nenne sie eine „nicht hoch, sondern höchstgepackte, komprimierte Datei“, die beim „Entpacken“, also kundigem Lesen, regelrecht in ihrem Volumen explodiert. Man bemerkt, und gerade deshalb ist es wichtig, möglichst ohne Lesepausen vorzugehen, dass alle Verse des Koran ineinandergreifen und keiner von ihnen ohne jeden anderen Bestand haben kann.

Im Gegenteil berührt jeder Vers grundsätzlich immer eine extrem hohe Anzahl ganz anderer Verse, die beim isolierten Lesen scheinbar einen ganz anderen Gedanken verfolgen. Um diese Erkenntnis möglich zu machen, denke ich oft, scheint absichtsvoll keine Sure thematisch in ihre nachfolgende oder vorangegangene zu greifen.

Das menschliche Gedächtnis ist unzuverlässig und lückenhaft; deshalb erzielt man in der Gewinnung dieser Zusammenhänge den größten Erfolg, wenn man die Schrift möglichst in einem Zuge zu lesen versucht. Denn erst dann begreift man, dass die Suren und Verse, die sich beispielsweise scheinbar gegen Juden richten, nur wirklich verstanden werden können, wenn man möglichst viele aller anderen im Hinterkopf hat, die eben diesen Gedanken nicht nur relativieren, sondern in grundsätzlich anderem Licht vervollständigen und ihnen Hintergrund verleihen.

Nein, ich laufe hier nicht Gefahr, konkrete Suren und ihre Bezüge isoliert darzulegen – und auch das hat seinen Grund, der nicht ausschließlich nur im Vorgenannten zu finden ist. Mit dem Koran und dem weit verbreiteten Unwissen in dessen Umfeld ist bereits viel Missbrauch getrieben worden. Nicht wirklich viele Menschen, leider auch nicht wirklich viele Muslime, haben beispielsweise mitverfolgt, wie islamische Gelehrte mit dem Unwesen des „Islamischen Staates“ umgegangen sind.

Denn die altehrwürdige und im Islam hochgeschätzte und überaus kompetente Moschee Al-Azhar in Kairo berief damals eine Komission hoch- und höchstrangiger, islamischer Gelehrter zu einer Konferenz ein. Über hundert Gelehrte traten in Kairo zusammen und entwickelten eine „Entgegnung“, die sich unmittelbar an den selbstbehaupteten „Kalifen“ des „Islamischen Staates“ richtete. In vollendet nüchternem und objektivem Stil argumentierte die Konferenz gegen allerlei bizarre, seltsame, befremdliche und schlicht falsche Behauptungen des „Kalifen“, was angeblich Islam sei und benötigte dafür nichts mehr als nur den Koran. Und zwar zur Gänze.

Die Strategie des „Kalifen“ nutzte das Halb- oder gar Unwissen der Menschen über das Wesen des Koran und dessen Inhalt geradezu schamlos und absichtsvoll für seine niederen Zwecke aus. Er setzte darauf, scheinbar eindeutig wirkende Suren aus dem Gesamtwerk herauszureißen und ihnen eine ebenso falsche wie niederträchtige Bedeutung zuzuschreiben. Und da sind wir bei dem Tatbestand des „Auseinanderreißens“. Muslimen wird es allgemein nicht empfohlen, dem Koran einzelne Suren zu entnehmen um damit ein Problem, einen Tatbestand zu erklären. Der Grund liegt im Vorgenannten; keine Sure hat alleingültigen Bestand und kann ohne die Gesamtheit aller anderen betrachtet werden.

Um dies deutlich zu machen, greife ich immer zu einer prägnanten Analogie: nehmen wir an, ein Professor stellt in einem Hörsaal Menschen, die noch nie einen Gorilla gesehen haben, diesen anhand eines einzelnen Armes und eines Zahnes vor. Er deutet auf die immensen Muskeln und die starken Finger und erklärt, dass diese für den Fang und dem Töten von Beute so stark entwickelt seien. Zum Beweis zeigt er einen Zahn, der lang und spitz ist.

Er legt den Hörern auseinander, dass der Gorilla überaus heimtückisch vorgeht und seine Beute, gleich, wie groß diese sei, mit großer Grausamkeit zerfleischt und zerreisst, weil er sich angeblich von nichts anderem ernähren würde als Fleisch.

Genau so ist der „Kalif“ des „Islamischen Staates“ vorgegangen. Er stellte seinen Anhängern anhand herausgerissener Textfetzen ein entsetzliches Zerrbild des Islam vor.

Erst die Gesamtheit der Offenbarung zeigt Islam; der Glaube besteht nicht aus einer Aneinanderreihung isolierter Stückchen, sondern ist ein überaus dicht gewebtes, kompaktes und inhaltsvolles Gesamtwerk. Die Aufgabe, all diese Verbindungen untereinander aufzufinden und für sich zu erkennen, benötigt weit mehr als nur ein kleines Menschenleben, denn die Fülle aller Inhalte direkter und indirekter Natur ist überwältigend.

Nicht umsonst forschten bisher Tausende Menschen über Jahrhunderte daran und füllten zusammen Regalwände über viele Kilometer mit ihren Erkenntnissen und Entdeckungen. Ein Muslim, der sich mit der Schrift in gebührender Art befasst hat, erlangt in seinen Lebenssituationen Sicherheit und Souveränität. Es wird nicht möglich sein, ihn in Extreme zu verführen oder Dinge vollziehen zu lassen, die dem Geist der Schrift letztlich genau entgegenwirken.

Es ist exakt diese Komplexität eines unvorstellbaren Räderwerks, die den Islam sagen lassen können: „Wer immer denkt, die Schrift sei menschengemacht, der komme und verfasse doch eine Sure!“ – denn das ist völlig unmöglich. Kein Mensch wäre in der Lage dazu, eine Sure zu verfassen, die in dieses Räderwerk eingepasst werden und „funktionieren“ könnte.

Wenn wir um all diese Gedanken, Erkenntnisse und Ideen rund um den Koran wissen, können wir auch verstehen, weshalb der Koran nicht „arbeitet“ wie ein gewöhnliches Buch und warum die Schrift mit anderen Werken wie etwa der Bibel nicht zu vergleichen ist.

Der Koran hat keinen definierten Beginn eines Handlungsfadens, einer geschichtlichen Abfolge im Sinne einer Chronologie und ist demzufolge auch keinesfalls wie eine Handlungs- geschweige denn Gebrauchsanleitung zu lesen. Nur die gesamtheitliche Lektüre nebst flankierenden Informationen im Vorfeld erschließen das Werk – und befähigen den Muslim, im Sinne des Islam zu leben, zu fühlen, zu denken und zu handeln.

Es genügt nicht, die arabische Aussprache des Koran zu erlernen, um ihn korrekt intonieren zu können. Ein weiser Imam prägte einmal folgendes Gleichnis: vor langer Zeit war ein Kalif von der Frömmigkeit von einem seiner Diener überaus beeindruckt. Denn dieser kniete beständig vor seinem Thron und sang eine Abfolge von Lobpreisungen, Ehrungen und Schmeicheleien. Sein zweiter Diener ärgerte ihn oft. Manchmal sah er ihn in schlampiger Kleidung und erwischte ihn manchmal beim Stehlen.

Eines Tages unterbrach der Kalif seinen frommen Diener und sagte: „Ich habe Durst.“, doch der Diener hielt nur kurz inne und fuhr dann einfach mit seinen Gesängen zum Lobpreis fort. Der Kalif stutzte, blickte seinen frommen Diener an und wiederholte: „Ich habe Durst.“, doch der tat so, als höre er nichts und sang weiter. Da schlurfte der zweite Diener zufällig an der Türe vorbei, hörte seinen Herrn, eilte in die Küche, füllte einen Kelch mit Wasser und reichte ihn dem Kalifen – wer war der bessere Diener?

Der Leser, der es bis hierhin geschafft hat, möge mir verzeihen, wenn ich ohne konkrete Beispiele und Zitate aus dem Koran geschrieben habe – aber er erkennt zweifelsfrei aus dem Vorstehenden, warum dies so geschehen musste. Er wird aber sicherlich verstanden haben, was den Koran besonders macht, welches Staunen seine Lektüre auslöst und welches Wunderwerk er darstellt.

Nicht umsonst befassten sich außerhalb der muslimischen Gemeinschaft hohe Geister wie etwa Goethe so intensiv mit dem Werk, dass sie große Teile des Inhalts in ihr Leben übernahmen und zum Staunen aller offen vertraten.

Zeugen, die Goethe in seiner letzten Lebensstunde an seinem Sterbebett begleiteten, bemerkten, dass er, zum Sprechen bereits nicht mehr fähig, mit einem Finger ein großes „W“ in die Luft zeichnete. Sie machten sich keinen Reim darauf – aber Muslime verstehen es sofort: das, was im Deutschen wie ein „W“ aussieht, ist die arabische Wendung für Allah….

Zum Schluss empfehle ich noch ein spezielles Buch, dessen Genuss jedem Nichtmuslim die Lektüre des Korans ermöglicht und bereichert. Es heißt „Al-Aqida“ von Amir M. A. Zaidan und bezieht sich eigentlich auf die Glaubenslehre des Islam schlechthin, berührt und erläutert jedoch die Zusammensetzung des Korans mit vielen tiefergehenden Erläuterungen.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.
Zum Autor 
Michael Thomas ist Privatier, Fotograf, leidenschaftlich an Ägyptologie und Literatur interessiert, mit der er vor vielen Jahren als Autor regional einige Beachtung fand. Er verfolgt interessiert das Weltgeschehen durch Beobachtung internationaler Presse. Seinen Fokus legt er insbesondere auf die Palästinafrage und auf die islamische Welt.
 

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Musk-Zuckerberg-Kampf
Chinesischer Musk-Doppelgänger fordert Zuckerberg heraus

Peking – Es hat ihn zwar niemand eingeladen, trotzdem bereitet sich der chinesische TikToker und Elon Musk Doppelgänger auf einen Kampf gegen Facebook-Chef Mark Zuckerberg vor. Yilong Ma hat eine verblüffende Ähnlichkeit mit Musk, und er hat Videos gepostet, in denen er sich ebenfalls auf einen „Kampf“ mit Zuckerberg vorbereitet. In einem Clip posiert er mit Boxhandschuhen neben einem Mann, der einen Karton über dem Kopf trägt, auf dem ein Bild von Zuckerberg klebt. „Elons Zwillinge in China trainieren für den Fall der Fälle“, schrieb Ma in der Überschrift seines neuesten Videos, das ihn beim „Schattenboxen“ zeigt. In den Kommentaren fügte er hinzu: „Ich trainiere wie verrückt“. In dem Clip steht er auch vor einem Tesla und ruft „Come on“ und „KO“. Wer weiß, vielleicht lassen sie ihre Doppelgänger gegeneinander antreten, wenn der echte Musk und Zuckerberg nicht in den Ring steigen.
@mayilong0

#zuckerberg #elonmusk I am X, challenge Zuckerberg.

♬ 原创音乐 – Yi long ma
Musk-Zuckerberg-Kampf Musk, 52, erklärte erstmals am 20. Juni auf Twitter, jetzt bekannt als X, dass er „zu einem Käfigkampf bereit sei, wenn er [Zuckerberg] es ist“. Dies geschah, nachdem bekannt wurde, dass Zuckerberg, 39, den Konkurrenten der Social-Media-Plattform, Threads, entwickelt hatte. Zuckerberg postete daraufhin einen Screenshot von Musks Tweet in einer Instagram-Story und schrieb „Send me location“. Anfang dieser Woche kündigte Musk an, dass der vermeintliche Kampf auf X live übertragen wird. Musk stemme bereits „den ganzen Tag Gewichte“, um sich auf seinen angekündigten Käfigkampf gegen Zuckerberg vorzubereiten. „Ich bin heute bereit. Ich schlug den 26. August vor, als er mich zum ersten Mal herausforderte, aber er hat nicht bestätigt. Ich halte nicht den Atem an“, sagte der Meta-Chef als Antwort auf Musks Beitrag auf Twitter. Musk ist Zuckerberg von der schieren Körpergröße her überlegen, und er hat davon gesprochen, dass er in seiner Jugend in Südafrika an „knallharten Straßenkämpfen“ teilgenommen hat. Zuckerberg, 39, ist dagegen ein aufstrebender MMA-Kämpfer, der bereits Jiu-Jitsu-Turniere gewonnen hat. Musk und Zuckerberg sind laut der letzten Forbes-Jahresbilanz die zweit- bzw. 16-reichsten Menschen der Welt.

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Steuertipps
Ferienjobber sollten sich die Steuer zurückholen

Sommer, Sonne, Ferien. Die meisten Jugendlichen nutzen die Sommerferien zum Entspannen und Ausschlafen. Aber es gibt sie noch, wenn auch rückläufig in der Zahl: Schüler, Abiturienten und Studenten, die einem Ferienjob nachgehen. Solche, die ihr Taschengeld kräftig aufbessern, Eigenständigkeit erschnuppern und wertvolle Lebenserfahrungen sammeln. Die sich mal richtig was leisten und das großartige Gefühl kennenlernen möchten, erstmalig selbstverdientes Geld in Händen zu halten. Und denen werden, wie jedem anderen Geldverdiener auch, Steuern abgezogen. Doch Schüler und Studenten können sich die Steuern in der Regel komplett zurückholen. Sie müssten nur im Folgejahr daran denken, eine Steuererklärung zu erstellen. An sich haben sie sogar vier Jahre dafür Zeit. „Aber leider vergessen viele Schüler im Lauf der Zeit die Steuererklärung oder wissen nicht einmal über ihre Möglichkeiten Bescheid und verschenken so ihr Geld an den Staat“, erklärt Tobias Gerauer, Vorstand der Lohnsteuerhilfe Bayern (Lohi) die Lage. Denn erst ab einem jährlichen Verdienst von 12.174 Euro sind in 2023 Steuern fällig. Es ist eher unwahrscheinlich, dass innerhalb des kurzen Zeitraums der Schul- oder Semesterferien eine solche Summe verdient wird. So sieht die aktuelle Gesetzeslage aus Da sich die Arbeit bei Ferienjobs auf wenige Wochen im Sommer beschränkt, handelt es sich ohnehin meist um eine kurzfristige Beschäftigung. Diese ist auf drei Monate oder 70 Tage im Jahr zeitlich befristet. Für Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren gibt es durch das Jugendschutzgesetz weitere Einschränkungen. Sie dürfen maximal 20 Tage in Vollzeit mit acht Stunden pro Tag arbeiten. Wochenenden und die Zeit zwischen 20 und 6 Uhr sind ausgeschlossen. Bleibt der Verdienst dabei unter 520 Euro im Monat, handelt es sich um einen Minijob. Dann gibt es das Geld brutto wie netto auf die Hand, weil Minijobs steuer- und sozialabgabenfrei sind, sofern man einen Antrag auf Befreiung von der Rentenversicherungspflicht gestellt hat. Da bei Minijobs keine Steuern gezahlt werden, bringt eine Steuererklärung folglich nichts. Lohnsteuer ja – Sozialabgaben nein Wenn man in den Ferien aber richtig ranklotzt, verdient man in der Regel mehr und fällt in die Steuerklasse 1. Das bedeutet einen automatischen Lohnsteuerabzug durch den Arbeitgeber ab ca. 1.160 Euro Monatsverdienst. Wird unterjährig in einem anderen Betrieb gejobbt oder werden zwei Ferienjobs parallel ausgeübt, fällt der Zweitjob in die mit höheren Abgaben belegte Steuerklasse 6. Daher fragt der Arbeitgeber anfangs nicht nur die Steuer-ID und das Geburtsdatum, sondern auch das Vorliegen weiterer Dienstverhältnisse ab. Der gesetzliche Mindestlohn von 12 Euro pro Stunde greift übrigens nur für über 18-Jährige. Jüngere dürfen schlechter bezahlt werden. Aber immerhin fallen bei einer lohnsteuerpflichtigen kurzfristigen Beschäftigung keine Sozialabgaben an. Dazu zählen die Beiträge für die Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung. Schüler und Studenten unter 25 sind üblicherweise mit den Eltern in der Krankenkasse familienversichert. Daran ändert der Ferienjob nichts. Es sei denn, es handelt sich um einen Abschlussschüler, der im Anschluss an den Ferienjob eine Lehre oder ein duales Studium beginnt. Dann zählt der Ferienjob bereits zur Berufsausbildung und wird regulär behandelt. Eltern müssen keine Konsequenzen fürchten Positiv ist auch, dass sich ein Ferienjob nicht auf das Kindergeld der Eltern auswirkt, egal wie hoch der Verdienst des Kindes ist. Dieses gibt es unabhängig von Nebenverdiensten für junge Menschen in Ausbildung bis zum 25. Lebensjahr. Jugendliche, deren Eltern Bürgergeld beziehen, dürfen sich ebenfalls in den Ferien etwas dazuverdienen, ohne dass es den Eltern schadet. Bis 30. Juni blieb ein Verdienst bis zu 2.400 Euro anrechnungsfrei, seit 1. Juli 2023 können die Kinder unbegrenzt verdienen. Nur BAföG-Empfänger müssen aufpassen, denn ab 520 Euro Monatsbrutto wird der Verdienst angerechnet und das BAföG gekürzt. Wer sich kurzfristig noch dazu entschließt, einem Unternehmen in der Haupturlaubszeit auszuhelfen, um den Sommerbetrieb aufrechtzuerhalten, muss in der Regel nur im Personalbüro nachfragen und sich persönlich vorstellen. Selten wird ein kurzes Bewerbungsschreiben nötig. Schulzeugnisse sind bei Ferienjobs nicht gefragt. Und die Steuererklärung im Folgejahr ist schnell und einfach erledigt, da nicht viel eingetragen werden muss. Für Kinder von Mitgliedern der Lohnsteuerhilfe Bayern erledigt das der Verein übrigens kostenlos.

Immobilien
Ländervergleich: Immobilienpreise in Deutschland mit stärkstem Rückgang

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Nürnberg – Europaweit sind die Zinsen für Baudarlehen in den vergangenen eineinhalb Jahren rapide gestiegen. Die Auswirkungen auf die Immobilienmärkte unterscheiden sich aber deutlich. Vorjahresvergleich: In 5 Ländern steigen die Immobilienpreise – Deutschland mit stärkstem Rückgang  In 5 von 7 untersuchten Ländern haben sich die Durchschnittspreise von Kaufimmobilien trotz schlechterer Finanzierungsbedingungen verteuert. Große Ausnahme ist Deutschland, wo die Preise um 6,2 Prozent gesunken sind – der stärkste Rückgang aller Länder. Allerdings hat sich der Markt in den vergangenen Monaten wieder etwas stabilisiert und der Abwärtstrend wurde unterbrochen. Das ist das Ergebnis des aktuellen AVIV Housing Market Reports für das 2. Quartal 2023. Darin wird die Entwicklung der Kaufpreise auf den Immobilienmärkten in Deutschland, Frankreich, Belgien, Luxemburg, Italien, Spanien und Portugal analysiert. Der Report entsteht in Zusammenarbeit mit den Immobilienportalen meilleurs agents und Immoweb, die ebenso wie immowelt Teil der AVIV Group sind. Anzahl an Krediten in Deutschland halbiert, in Südeuropa stabil Die stärksten Anstiege lassen sich in den südeuropäischen Ländern beobachten. In Spanien erhöhte sich der Durchschnittspreis um 7,2 Prozent. In Portugal beträgt das Plus 6,4 Prozent und in Italien 2,0 Prozent. Alle Länder haben gemein, dass das Preisniveau deutlich unter dem der mitteleuropäischen Länder liegt. Zum Vergleich: In Deutschland kostet der Quadratmeter Wohneigentum aktuell 3.156 Euro, in Spanien und in Italien im Durchschnitt sogar weniger als 2.000 Euro. Obwohl das Einkommen in Südeuropa geringer ist, können sich die Menschen aufgrund der niedrigeren Preise noch eher Wohneigentum leisten. Denn die ebenfalls hohen Zinsen wirken sich bei geringeren Darlehenssummen weniger stark auf die monatliche Belastung aus. Das zeigt sich auch bei der Anzahl vergebener Kredite: Während in Deutschland laut Daten der Europäischen Zentralbank die Zahl der Kreditvergaben an private Haushalte innerhalb eines Jahres um 50 Prozent eingebrochen ist, blieb sie in den südeuropäischen Ländern stabil, beziehungsweise ist sogar leicht gestiegen. Zudem entdecken ausländischen Investoren die Urlaubsländer zunehmend für sich. Hinzu kommt, dass in Deutschland das Wirtschaftswachstum im Gegensatz zu den meisten anderen untersuchten Ländern in den vergangenen Quartalen zurückgegangen ist. Die Auswirkungen der steigenden Energiekosten machen sich in Deutschland besonders bemerkbar, was auch in der geringeren Kaufkraft der Deutschen sichtbar wird. Frankreich: Deckelung der Bauzinsen hat Abwärtstrend vorerst abgehalten Dass in Frankreich die Immobilienpreise nicht eingebrochen sind, hat hingegen einen anderen Grund als in Südeuropa. Denn das Preisniveau ist ähnlich hoch wie in Deutschland. Durch ein Plus von 0,4 Prozent liegt das westliche Nachbarland mit 3.180 Euro pro Quadratmeter inzwischen sogar leicht vor der Bundesrepublik. Hauptgrund für die unterschiedliche Entwicklung ist das niedrigere Zinsniveau. Denn die Obergrenze für Zinsen von Baudarlehen wird in Frankreich von der französischen Zentralbank festgelegt. Diese liegt maximal ein Drittel über dem durchschnittlichen effektiven Zinssatz, der im Laufe des vorangegangenen Quartals von Kreditinstituten für alle Immobiliendarlehen gleicher Art angewandt wurde. Dadurch konnte der rapide Zinsanstieg, wie er in den anderen Ländern seit 2022 auftrat, abgedämpft werden. Durch die kontinuierlichen Anstiege gleicht sich das französische Zinsniveau allerdings allmählich den anderen Ländern an, wo sich die Zinsen zuletzt beruhigt haben. Die finanzielle Belastung für Käufer in Frankreich nimmt folglich zu, was sich auch in der Preisentwicklung widerspiegelt. Zwar sind die Kaufpreise verglichen mit dem Vorjahresmonat leicht höher, doch im vergangenen Halbjahr ist bereits ein Rückgang erkennbar. Paris teurer als München und fast doppelt so teuer wie Berlin Beim Blick auf die größten Städte in Deutschland, Frankreich und Belgien zeigt sich, dass Paris nach wie vor mit großem Vorsprung das teuerste Pflaster ist. Mit durchschnittlichen Quadratmeterpreisen von 10.072 Euro liegt die französische Hauptstadt sogar deutlich vor München, der mit Abstand teuersten deutschen Großstadt. In der bayerischen Landeshauptstadt müssen Käufer derzeit mit Preisen von 8.692 Euro für den Quadratmeter kalkulieren. Auch zur deutschen Hauptstadt zeigt sich eine große Kluft: Mit 5.136 Euro pro Quadratmeter ist Berlin fast halb so teuer wie Paris und liegt in etwa auf einem Preisniveau mit Lyon (5.098 Euro). Die niedrigsten Kaufpreise gibt es in den belgischen Großstädten. In der Hauptstadt Brüssel (3.283 Euro) ist Wohneigentum zwar teurer als in der größten Stadt Antwerpen (2.628 Euro). Doch keine belgische Stadt kommt an das Preisniveau der großen Nachbarländer heran.

Putsch in Niger
Niger – was sind die Hintergründe für den Militärcoup?

von Michael Thomas Wenn das Militär in einem Staat putscht und die Macht an sich nimmt, vermutet die Welt sofort eine macht- und geldhungrige Generalität dahinter und ist sich sicher, dass jede eventuell noch vorhandene Freiheit einer harten Hand weichen wird. Aber ist das im Fall Niger auch so? Wenn man sich zunächst mit der Person des abgesetzten Präsidenten Mohammed Bazoum befasst, findet man einen für die Verhältnisse in Niger beeindruckenden, aber im Wesentlichen unauffälligen Lebenslauf. Im Alter von 19 Jahren studierte er im Senegal Philosophie, arbeitete einige Jahre als Lehrer an einer Mittelschule und leitete später im Niger die Lehrergewerkschaft, bevor er gänzlich in die Politik wechselte. Er trat der nigrischen Partei für Demokratie und Sozialismus (PNDS-Tarayya) bei, überstand diverse Wechsel in der Führungsspitze des Staates und arbeitete letztlich gar als Staatsminister, bevor er zum Präsidenten gewählt wurde. (Link) Nichts deutet darauf hin, dass er mit der Wirtschaft verflochten gewesen wäre. Das hebt ihn von manchen Diktatoren, Putschisten und Demagogen in und aus Afrika ab, die zumeist überreichlich vom Ausland kassierten und die Bevölkerungen ihrer Länder im Sinne von Konzernen und Staaten oftmals auspressten und nicht selten folterten und umbrachten. Wenden wir uns also Niger selbst zu Niger zählt zu den ärmsten Staaten der Welt; es generiert ein erschreckend niedriges Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, verfügt nur über wenig Landwirtschaft, ist aufgrund seiner prekären, geografischen Lage oft Opfer katastrophaler Dürren und hat seit wenigen Jahrzehnten wegen völlig fehlender Bevölkerungspolitik eine extrem hohe Geburtenrate. Wenn man von diesen Faktoren ausgeht, muss eine miserable Lage und eine frustrierende, deprimierende Zukunft befürchtet werden, die noch zusätzlich von einer rasant ansteigenden Staatsverschuldung geplagt wird. Die Kosten laufen den Steuer- und anderen Einnahmen regelrecht im Galopp davon und erzeugen dadurch immer schneller ansteigende Kreditnahmen. (Link) Es gibt aber noch andere Faktoren, mit denen Niger bewertet werden muss – und die sind ganz offensichtlich die Triebfeder des Putsches. Denn eigentlich ist Niger ein reicher Staat. Es verfügt über, salopp gesagt, geradezu traumhafte Uranvorkommen, die gerade jetzt, da Russland wegen des Krieges als Uranversorger zurückgewiesen wird, von besonderem Interesse sind und weltweit deutlich steigende Preise und Gewinne produzieren. Aber leider hat Niger kaum etwas davon. Als es am 23. August 1958 von Frankreich in die Unabhängigkeit entlassen wurde, konnte von Unabhängigkeit keine Rede sein, weil sogenannte „Berater“ der französischen Regierung die des Nigers völlig kontrollierten. 1971 begann die Uranförderung in Niger unter französischer Federführung. Die Kooperationsverträge haben Niger an den eigenen Rohstoffen gegen lächerlich niedrige Anteile daran nahezu entrechtet. Heute betreibt der französische Energiekonzern Orano die Minen im Land. Obschon die nigrische Regierung einige Wertpapiere davon hält, unterliegen nur 33,5 % der Förderleistung Abgaben, die dem Land selbst zugute kommen. Der Rest fließt in ausländische Kassen. Längst ist die im Niger gewonnene Uranmenge entscheidend für die französische Kernenergie und daher ist es ganz besonders interessant, dieser Tage aus Paris zu hören, dass das nigrische Uran angeblich nicht strategisch relevant sei. Denn aller Einschätzung nach ist das nicht richtig. Paris hat ein massives Interesse daran, dem Militärputsch im Niger mit allen zu Gebote stehenden Mitteln entgegenzuwirken. Der momentan befehlshabende Militär, General Abdourahamane Tiani, hat bereits angekündigt, die Uranförderung bzw. -Abgabe an Frankreich einstellen zu wollen. Das würde allerdings einen klaren Bruch geltender und gültiger Verträge darstellen. So gering der Beitrag des Urans zum Staatshaushalt auch sein mag, so fragwürdig ist die Bedeutung des Uranabbaus generell. Trotz des extrem kleinen Anteils, den Niger am eigenen Bodenschatz hat, wird es mit den hässlichen Begleitumständen des Abbaus konfrontiert und muss mit der Verschmutzung durch extrem giftige Chemikalien umgehen, die die Urangewinnung mit sich bringt. In Kürze ist die Ausweitung bestehender und die Errichtung neuer Abbauregionen mit noch höherer Kapazität geplant. Und selbst das ist nur einer der Schwerpunkte, weshalb Niger unbedingt eine Zäsur seiner Lage und deren Entwicklung zwingend vornehmen musste. Denn die Regierung Bazoum war vollkommen außerstande, den außer Kontrolle geratenen Behördenapparat zu bereinigen, der nur noch an Selbstbereicherung durch Korruption arbeitete und jede staatliche Funktion zum Erliegen brachte, wenn sie kein Geld für private Taschen generierte. Bazoum ging den Weg des geringsten Widerstandes und finanzierte die dramatisch ansteigenden Verwaltungskosten über Kredite bei chinesischen Banken. Man muss kein gelernter Kaufmann sein um sofort zu begreifen, dass man keine Schulden dadurch tilgt, in dem man neue, teurere aufnimmt. Eine Gegensteuerung fand nicht statt. Hinzu kam eine dramatisch zunehmende Bedrohung durch extreme und extremistische Kräfte, die die Bevölkerung Nigers in ihrer Existenz bedrohten und Gewalt verübten. Auch hier zeigte sich die Regierung Bazoum untätig, weil unfähig. Die Menschen Nigers stehen zunehmend unter weiter ansteigendem, wirtschaftlichen Druck, sie sehen sich kaum in der Lage, ihre Ernährung zu sichern, sind beständig Angriffen diverser Extremistengruppen ausgesetzt und registrieren hilflos, wie die Regierung Bazoum untätig bleibt. Während sich die französischen und US-gestützten Interventionen rein auf Militärhilfe reduzieren, bleiben alle anderen Aspekte des öffentlichen Lebens ohne Adressierung. Unter diesen Umständen muss Niger ein „failed state“ ohne jede Hoffnung auf Besserung genannt werden. Die Internetseite „Nigerdiaspora“ (Link) präsentiert eine andere Seite als die, die derzeit weltweit durch die Medien geistern. Dort geißelt die Politikwissenschaftlerin, Dr. Elisabeth Sherif, die bisher in Niger geübten, demokratischen Prozesse als absolute Farce und lehnt die Idee, die Intervention der ECOWAS bzw. Frankreichs könnten auf die Wiederherstellung von Demokratie abzielen, leidenschaftlich ab. (Link) Die Rolle Frankreichs ist eine besonders fragwürdige. Es hat in jüngerer Vergangenheit die Kontrolle über Burkina Faso und Mali verloren und beide Länder stehen Niger in seinem Widerstand gegen ECOWAS bei; sie erklären unisono, dass ein Krieg gegen Niger sofort eine Kriegserklärung gegen sie bedeuten würde. Der Ton wird scharf. Nach bekundetem Selbstverständnis ist die ECOWAS eine Wirtschaftsgemeinschaft, die einen der EU vergleichbaren Ansatz hat und im Zuge wirtschaftlicher Zusammenarbeit den Zusammenhalt zwischen seinen Mitgliedsländern ausbauen und stärken will. (Link) Allerdings werden Beobachtungen laut, dass Frankreich erstaunlich intensiv gerade dort interveniert. Ein „Weiter so!“ hätte Niger zwangsläufig in den Niedergang und direkt in den Ruin geführt. Es ist deshalb nur wenig erstaunlich, dass weite Teile der Bevölkerung hinter den Putschisten stehen. Gerade mit dem Hinweis auf eine prekäre Sicherheitslage einerseits und die Inkompetenz der abgesetzten Regierung bestehen auf Nigers Straßen nun Hoffnung auf die Rückgewinnung von Stabilität und möglicherweise sogar Neuverhandlung unter erheblich besseren Bedingungen für den Uranabbau, an dem Niger mit einer gestrafften und effizienten Regierung partizipieren kann. Die entschiedene Haltung der neuen Militärregierung Nigers hat zusammen mit den entsprechenden Solidaritätsbekundungen Burkina Fasos und Malis ECOWAS stark verunsichert und tief im Innern gespalten. Die Motivation für die Drohung, die ehemalige Regierung in Niger nötigenfalls mit Gewalt herbeizwingen zu wollen, resultiert nach Beobachtungen aus einer ganz anderen Motivation: viele Mitgliedsstaaten befürchten, die Idee eines gelungenen Militärputsches könnte ihr eigenes Militär auf die Idee bringen, ebenfalls ihr Glück zu versuchen. Außerdem droht ein vielleicht regionaler, aber langandauernder, verlustreicher Krieg. Der geografische Nachbar, die regionale Supermacht Nigeria, auf der die Hauptlast einer solchen Militärintervention liegen würde, verfügt momentan wegen vieler kleinerer Krisenherde im eigenen Land nicht über ausreichende, trainierte und ausgerüstete Truppen. Die Aussicht, die Militärregierung Nigers in einem kurzen, harten Handstreich hinwegfegen zu können, ist weniger als gering. Es wird zudem gemunkelt, dass der Hauptantrieb zu einer derartigen Intervention durch Frankreich geleistet wird und dieser Umstand behagt einer ganzen Anzahl von ECOWAS-Mitgliedsstaaten gar nicht. Wie die Sache ausgehen wird, ist völlig ungewiss. Nur eines scheint nach Würdigung aller Fakten eindeutig zu sein: wir haben es hier nicht mit einem Putsch gegen den Widerstand der Bevölkerung zu tun. Im Gegenteil berichten ortsansässige Medien von Begeisterungsausbrüchen und der Hoffnung, dass sich die ruinösen Verhältnisse nun bessern könnten.
Zum Autor 
Michael Thomas ist Privatier, Fotograf, leidenschaftlich an Ägyptologie und Literatur interessiert, mit der er vor vielen Jahren als Autor regional einige Beachtung fand. Er verfolgt interessiert das Weltgeschehen durch Beobachtung internationaler Presse. Seinen Fokus legt er insbesondere auf die Palästinafrage und auf die islamische Welt.
 

"Graue Wölfe"
Der große böse Wolf und Mesut Özil

ein Gastbeitrag von Nabi Yücel

Wölfe, überall Graue Wölfe! Wer in den vergangenen Wochen auch nur ab und an die Nachrichten verfolgt hat, könnte auf die Idee kommen, es wimmele nur so von Wölfen in deutschen Wäldern, pardon, Straßen. Wenn man sich dann die sozialen Medien zur Gemüte zieht, will man gleich Mann, Weib und Maus in Sicherheit bringen, denn das Wolfsgeheul erstreckt sich offensichtlich vom Schwarzwald bis zum Holsteinerwald.

Mesut Özil – der mit dem Wolf tanzt!

Der Typ – Mesut Özil – ist eindeutig ein Wolf im Schafspelz. Er jagte von der Jugend bis zum Zenit seiner Karriere Bälle, täuschte Trainer, hunderte Schiedsrichter, und ja, auch den Essener Stadtdirektor und Sozialdezernenten. Özil wickelte währenddessen Hunderttausende Zuschauer um den Pfoten, bevor er einen dramatisch-melancholischen Abgang machte und den Deutschen Fußball-Bund (DFB) nicht nur in Erklärungsnot brachte, sondern vor dem DFB-Campus auch noch einen Haufen zurückließ.

Denn, womöglich verspeiste er ja währenddessen christliche Einlaufkinder, verbreitete im Abendland unter den Türkenbengeln die Wolfspest und verfolgte im Rudel Kurden, Aleviten sowie Armenier; nicht nur auf dem Rasenplatz, sondern in den Gassen. Und als ob das nicht schon den Boden vom Fass ausschlägt, soll er vergangenen deutschen Medienberichten zufolge ein mutmaßlich Kurdischstämmiger sein, der der Logik zufolge sogar die eigene Art in Deutschland riss und verspeiste, bevor er sich ins eigentliche Jagdrevier zurückzog und selbst outete; in die Türkei.

Wolfsgeheul und der Mond

Der schamlose Weltstar hat sich nicht nur den Grauen Wolf auf die Brust tätowieren lassen. Nein, er hat auch gleich drei Mondsichel auf der Haut verewigt. Etwas das laut Kommentatoren den Wesen Özils zu Tage fördert, dass dem Wolfsgeheul gleichkommt, der gen Mond gerichtet ist. Zumindest bildet man sich das ein, nach dem man als Unwissender Leser die zahllosen Artikel und Meinungen über türkische Mythologien und Symbole aufgesaugt hat, die seit Wochen die Runde machen und offensichtlich gut ankommen.

All die Jahre hat er seine Stimme verstellt, wie der Wolf bei Rotkäppchen, um beim ahnungslosen Opfer Vertrauen aufzubauen und so ans Ziel zu gelangen. Derselbe Graue Wolf lauert ja bekanntlich in den Grimm`schen Märchen kleinen Kindern auf, jagt die sieben Geißlein und als ob das nicht ausreicht, bedroht er hartarbeitende Bauern und deren wohlgenährtes Vieh. Das sitzt seitdem dermaßen in der deutschen Volksseele, dass der Wolf in deutschen Landen bis vor kurzem fast ausgestorben galt, weil das Volk in seiner (vermeintlichen) Überlegenheit den Wolf rigoros verfolgte. Davon erzählen die Grimm-Brüder in „Der Wolf und der Mensch“ ebenfalls.

Medienwald und das unheimliche Rascheln im Blätterdickicht

Zurück zu Özil, der beim unfreiwilligen Streifzug durch den Medienwald ein Rascheln erzeugt, der die Leserschaft erschaudern lässt, ohne den Grauen Wolf jemals selbst gesehen oder kennengelernt zu haben. Aber nachts, wenn man durch die Gassen zieht, da werden die Sprachrohre aus den sozialen Medien wieder in einem wach, bildet man sich ein, demnächst einem zähnefletschenden Wolf zu begegnen.

Nicht ohne Grund: Özil hat doch Auszeichnungen kassiert, einen Bambi erschwindelt, sich ein Lorbeerblatt auf die Brust tackern lassen und tingelte zudem als Botschafter durch die Fußballwelt. Welch eine Verwandlung, vom Profi-Fußballer zum Wolf, dann zum Werwolf, ebenfalls einer Mythologie, Sage und Dichtung des Menschen entsprungen, deren Ziel es war, vor dem bösen Grauen Wolf zu warnen, der in einem Menschen steckt.

Noch nicht vergessen: Gündoğan und Erdoğan

Dieser Özil, der sich laut Medien als Grauer Wolf outete, der medial zum Werwolf mutiert ist, hat sich an Deutschland gelabt, eine goldene Nase verdient, um sodann sich mit seinem Spielgefährten İlkay Gündoğan neben einem „Diktator“ ablichten zu lassen, der ebenfalls Kurden, Armenier und Christen verfolgt, die Massen belogen, betrogen, die Macht an sich gerissen, das Land islamisiert und Gelder erschwindelt haben soll – so an die 128 Milliarden oder so. Bekanntlich zieht Geld, Geld an – eine Hommage an jüdische Bänker, Händler und Goldschmiede?

Grundgütiger, Özil, ein canis lupus, der mit Erdogan Schafe und Kälber reißt, die friedlich vor sich her grasen? Tatsächlich reißen Wölfe keine Wanderer, schon gar nicht Aleviten, Kurden oder Armenier.

Naturtalente wie Eren Güvercin (Güvercin steht für Taube) oder ein gewisser Burak Yılmaz, die den himmlischen Frieden Preisen aber mit Hasstiraden brillieren, haben längst in der Grimm’schen Fibel tiefgründig geforscht und den Halunken sowie seine Missetäter überführt – womit sie sich nun rühmen und sogar vor türkischen Fußballmannschaften, Kulturvereinen und Religionsgemeinschaften warnen. Schon Karl der Große hatte mit seiner der Landgüterverordnung Capitulare de villis die Wölfe quasi zum Staatsfeind erklärt. Heute sind es vor allem Haustürken, die Türken zu Staatsfeinden erklären.

Überall Wölfe, überall wo man hinguckt!

Streifen diese Burschen durch Moscheen der DITIB durch, sind sie in die natürlich gewachsenen und christlich-jüdischen Wertelandschaft nicht integrierbar. Tummeln sie sich in der Gemeinschaft der Millî Görüş, ist das Schreckensbild nicht anders. Lungern sie in der Nähe der ATIB herum, möchte man geradezu die Büchse auspacken und abdrücken.

Diese Märchenerzähler haben jedoch die Grenze zwischen der Grimm’schen Fiktion und Realität derart verwischt, dass der mediale Fokus auf ein zähnefletschendes Ungetier gerichtet ist; wobei Klimawandel, Islamphobie, Rechtsruck, afrikanische Nichtschwimmer im Mittelmeer oder die israelische Apartheidsregierung zu kurz kommen. Etwas, wovon Mansour, Beck und Konsorten nun gar nichts verstehen und partout nicht kommentieren wollen, auch wenn es dringlichere Probleme sind.

Dabei ist sogar das Viehzeug und der verrudelte Türke selbst imstande, zwischen Fiktion und Realität zu unterscheiden. Die nun medial breit ausgelegten Fangeisen, Gruben, Giftköder oder die Hundemeute, die auf die türkische Gemeinschaft gerichtet sind, um sie vom Angesicht Europas zu tilgen, sind jedoch Realitäten.

Glauben und Wirklichkeit

In der Vergangenheit schmückten Schäfer ihre Hirtenstäbe mit Hostien, Ställe wurden mit Weihrauch ausgeräuchert, mit Segenssprüchen geschmückt und auf dem Weg zur oder von der Weide oder Alm, streuten Bauern geheiligten Sand, der vom Boden der Kirche stammt. Abends am Kochfeuer, erzählte man sich dann gegenseitig Gruselgeschichten und erzählte über Fabelwesen. Irgendwie ähneln sich die Zustände von Einst und der Gegenwart.

Seit Jahrtausenden ist der Wolf für die einen ein gutes, für die anderen ein schlechtes Omen. Abendländische Fabeln über den Wolf sind seit Äsop bekannt und bekanntlich ist die griechische Epoche mit der attischen Demokratie auch der Vorläufer der europäischen Demokratie. Geflissentlich wird aber stets ausgelassen, dass nur einem Teil der Bevölkerung Attikas das Recht zur politischen Partizipation bzw. Teilhabe ermöglicht wurde. Sklaven, Frauen oder Metöken waren davon ausgeschlossen. Dieser Macht, die nur dem attischen Volkssouverän zuteilwurde, weil sie partizipierten, waren jedoch kaum Schranken gesetzt.

Diese Schrankenlosigkeit hält bis heute in Europa an, die Geschichten wirken bis in die Gegenwart hinein. Vor Juden machte es keinen Halt, nicht vor Heimatvertriebenen, nicht vor Ausländern, und danach auch nicht vor Türken. Die Märchen- und Fabelerzähler von heute, ramponieren das Image der Türken in Deutschland, wie damals die Geschichten über den Wolf.

Realitäten

Dabei sind die größten Gefahren, die einem im Wald auflauern, Zeckenbisse, Wildschweine oder ein röhrender Hirsch der sich in der Brunft befindet. Die größten Gefahren, die einen in der Türkei erwarten sind; und das ist nachwievor eine Realität, mit Kalaschnikow und RPG bewaffnete Freiheitskämpfer, die einem nach dem Leben trachten; Bengel der apoistischen Jugend, die dich am liebsten im Straßenverkehr in Flammen aufgehen sehen wollen und; anarchistische linksdrehende dekadente Mädels, die sich in die Luft sprengen und dabei noch einige Graue Wölfe in die ewigen Jagdgründe verdammen wollen.

Und gerade diese sogenannten Freiheitskämpfer mit den bekannten Dreibuchstaben, die apoistische Jugend mit dem Konterfei eines Mannes, der als Kurde in einer türkischen Universität seine Bestimmung fand, 40.000 Menschenleben und mehr auf den Kerbholz zu ritzen, sowie all die Linksextremen Lichtblitze, die in Deutschland politisch partizipieren und die politische Teilhabe auskosten und sich daran laben, sind die größten Marktschreier, die Geschichten und Fabeln reproduzieren, dass dabei die Propagandamaschinerie nicht hinterher kommt.

Der Wolf lebt in der Realität zurückgezogen, toleriert Menschen in seinem Revier, bevor man bemerkt hat, dass es einen beobachtet. Wird er jedoch angegriffen, macht man seinen Revier streitig, muss man mit den Konsequenzen leben. Auch in der Realität des Grauen Wolfs, alias Mesut Özil, wird das nicht anders sein. Trachtet man nicht nach deren Leben, sind sie auch damit zufrieden, nicht politisch partizipieren zu können. Erhebt man nicht den Anspruch, das Land unter sich aufzuteilen, lebt es sich in der Türkei wie in jedem anderen Land, dass sich zivilisiert über Probleme äußert und nicht gleich mit Fiktionen daherkommt und Blut vergießt.

Feinde? Terrorismus ist ein Feind der Demokratie!

Genau das Gegenteil ist der Fall. Nicht nur die PKK wird in Deutschland stets mit der „Kurden-Frage“ gleichgesetzt, sondern auch der „Kurde“ in den Vordergrund gerückt, der angeblich seiner „Freiheit“ beraubt wird. Dabei gibt es nicht den Kurden, weder bei den Grauen Wölfen, noch allen anderen Türken, sondern eine gewalttätige Terrororganisation, die selbst die Kurden vereinnahmt und Legenden, Geschichten und Fabeln aus den Fingern saugt, denen Deutsche auf den Leim gehen.

Wer ist hier ein Feindbild?

Ebenso in der sogenannten „Armenier-Frage“. Kein ausgewachsener Türke registriert DIE Armenier oder DIE Aleviten als Feind. Es gibt eine Diaspora, die ein Großarmenien anstrebt und es gibt in Armenien, Armenier, die bis heute jeden Türken mit dem Ersten Weltkrieg gleichsetzen und am liebsten auf den Pfahl setzen würden. Dennoch hegen die Türken nicht den Wunsch, in Armenien einzumarschieren oder nach deren Leben zu trachten. In der Türkei leben Armenier (Link) friedlich und sicher, partizipieren mit der Gesellschaft und Politik, nehmen Teil daran, werden nicht als Staatsfeinde hingestellt – und, es gibt sogar armenische Staatsangehörige, die in türkischen Wohnungen in Lohn und Brot stehen und das Verdiente in die Heimat schicken.

Deutschland, Rückzugsort für hereingetragene Türkei-Probleme

In Deutschland ist es offensichtlich gewollt, dass ein sehr sehr großer Teil der Türkischstämmigen oder Türken nicht partizipieren, nicht an der politischen Teilhabe beteiligt werden. Nein, nicht Rotkäppchen ist schuld, oder der Wolf! Es sind die Märchen- und Fabelerzähler, die sich daraus einen Reibach machen bzw. machen wollen.

Und wie man sieht, scheint das noch immer zu funktionieren, weil die Politik diese Märchen und Fabelgeschichten unterstützt. Dabei war Özil nur ein gewöhnlicher Junge, der es mit Fleiß zu etwas gebracht hat und es sich gut gehen lässt. Ob mit oder ohne Tätowierung, die Einstellung eines Menschen, eines Individuums hängt nicht von Geschichtenerzählern ab, sondern von seinen Taten. Özil oder irgendwelche Graue Wölfe haben in Deutschland in den letzten 50 Jahren nicht wirklich jemanden gerissen, sondern ihr Rudel gehütet, damit sie nicht ausreißen. Und wer etwas anderes behauptet, dann bitte Tacheles reden!


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.

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Notfallversorgung
Kinderärztepräsident fordert Gebühr für Notdienst-Nutzung

Osnabrück – Kinderärztepräsident Thomas Fischbach hat eine Gebühr für Notfallbehandlungen gefordert. „Die Notfallversorgung muss auf Notfälle konzentriert werden und nicht für die Pickel am Po der Kinder, für die die Eltern unter der Woche keine Zeit haben und mit denen man dann am Wochenende beim Notdienst aufschlägt“, sagte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ). „Für solche Fälle hielte ich eine Eigenbeteiligung der Versicherten für absolut sinnvoll.“ Es sei schade, dass sich die Politik aus Angst vor Gegenwind nicht wirklich an das Thema herantraue, betonte der Pädiater. „Die knappen Notfall-Ressourcen werden immer und immer wieder von nicht dringend handlungsbedürftigen Fällen in Anspruch genommen, und damit muss Schluss sein. Bei echten Notfällen können die Kosten erstattet werden, das ließe sich mit wenig Aufwand umsetzen.“ Die Pläne der Regierungskommission für eine Reform der Notfallversorgung gehen Fischbach nicht weit genug. „Bisher klingt es zu sehr nach: Kommt alle zu uns, die ihr mühselig und beladen seid, wir werden euch helfen!“, sagte er der „NOZ“. Zwar seien die von der Kommission vorgeschlagenen Notfallzentren für Kinder „wünschenswert“, doch fehle es für eine flächendeckende Einrichtung an Kinder- und Jugendärzten. „Fatal wäre es auch, wenn nur Fachärzte und nicht auch Ärzte mit hinreichender Weiterbildung die Notfallversorgung übernehmen dürften. Dann brechen uns noch mehr Arbeitskräfte weg – in Praxen sowie in Kliniken“, warnte der BVKJ-Präsident. „Also: Unsere grundsätzliche Bereitschaft ist da, aber vieles passt noch lange nicht. Nicht zuletzt braucht es klarere Regeln für die Patientensteuerung, damit die nicht dringenden Fälle auch wirklich an die Praxen verwiesen werden, anstatt sie in die Notfallzentren zu lassen.“