Judenfeindlichkeit
Thomas: „Antisemitismus wurde nicht importiert, er war immer da“

Ein Gastkommentar von Michael Thomas

Das Phänomen des Judenhasses wird in moderner Zeit meist verzerrt dargestellt und politisch besetzt. Hierbei folgen viele Regierungen und Organisationen der Definition „IHRA“ („International Holocaust Remembrance Alliance“), mit der Judenhass beschrieben werden soll.

Internationale Kritiker werfen dieser Definition vor, direkt und indirekt Kritik am Staat Israel als angeblich „antisemitisch“ diffamieren zu wollen. Im Gegensatz zur „IHRA“ verweist die „JDA“ („Jerusalem Declaration of Antisemitism“), deren Definition zu großen Teilen von Juden stammt, sehr viel direkter auf die tatsächlich und ausgeprägt vorhandenen Ausdrucksformen von Judenhass.

Aber hier liegt bereits der Versuch seitens der Politik vor, die jüdische Religion samt ihrer Anhänger ultimativ und unauflösbar mit dem Staat Israel zu verbinden, als Einheit mit der Wechselwirkung zu verstehen, dass Israel identisch mit „dem Judentum“ sei und umgekehrt alle Juden auf den Staat Israel verpflichtet seien.
Dass dies einerseits unmöglich und andererseits völlig unzulässig ist, erkennen wir im Folgenden.

Historische Mythen und das Muster der Verfolgung

Denn wer sich mit der jüdischen Geschichte und speziell mit deren Verlauf in Europa befasst, kommt um die Feststellung nicht herum, dass es seit nun mindestens tausend Jahren immer wieder, manchmal nur im Abstand weniger Generationen, zu blutigen Verfolgungs- und Vernichtungsjagden gegen Juden kam. Eine vielsagende Zeittafel ist hier verlinkt (1.).

Ohne auf jede einzelne Verfolgung einzugehen, sind doch immer wiederkehrende Muster als Motiv dafür erkennbar; im Wesentlichen findet sich der Kernpunkt der Vorwürfe gegen Juden in der Exegese der Katholischen Kirche, nach welcher Juden den Erlöser Jesus Christus gekreuzigt, also umgebracht haben. Desweiteren legte man ihnen Brunnenvergiftung und die Tötung von Christenkindern zur Last, da sie deren Blut angeblich für dunkle Rituale benötigen würden.

Dieses Vorwurfsmuster muss klar verstanden und analysiert werden, da es ausschließlich nur mit mythischen und magischen Bildern in der Spiritualität arbeitet, für die die Anklagenden selbstverständlich nie Beweise beibringen konnten, sondern sich lediglich auf den Bildungsmangel, die tiefe Religiosität und die Angst vor Magie des Volkes verließen – und verlassen konnten.

Während der Jahre, manchmal Generationen zwischen den Verfolgungen relativierten sich die Vorwürfe und es fand ein mehr oder weniger unauffälliges Leben zwischen Juden und Nichtjuden statt. Was jedoch jeweils übrig und Teil der Überzeugung der Menschen blieb, war die Idee, dass Juden „irgendwie anders“ sind.

Die Geschichte zeigt es klar und deutlich: es war gerade der Adel, Fürsten und Könige, die dieses generelle Verdachtsmoment benutzten. Schrittweise erlegte man Juden spezielle Kleidungs- und Verhaltensvorschriften auf, damit sie sofort als „anders“ erkennbar waren.

Diverse Berufe wurden ihnen verboten, weshalb sie sich unter anderem auf Geldgeschäfte zu reduzieren hatten, was wiederum später zu einem weiteren, neuen Teil des Vorwurfsmusters wurde, Juden seien angeblich „gierige Wucherer“. Quer durch die Jahrhunderte ist zu beobachten, dass sich gerade der Adel des Aberglaubens der Bevölkerung gezielt bediente, um sich am Eigentum der jüdischen Gemeinschaften zu bereichern.

Die Treppe des Hasses: Von Mittelalter bis Holocaust

Die Kreuzzüge im 11. Jahrhundert beispielsweise griffen diese Mythen und Legenden, die Nichtjuden um sie gerankt hatten, für ihre Zwecke auf. Sowohl im Vorfeld, als auch während dieser Kriege in und um Jerusalem fanden diverse Judenverfolgungen statt. Kernpunkt des Hasses war hier vor allem das Bild des „Mörders des Erlösers“. (2.)

Hier muss völlig klar gesehen werden, dass all diese Idee über die vorgebliche Verwerflichkeit, Grausamkeit und Verschlagenheit von Juden grundsätzlich völlig substanzlose Vorwürfe darstellten und gleichzeitig das Wissen um den kulturell enorm wichtigen Beitrag der jüdischen Gesellschaft in ihrer jeweiligen Heimat unterdrückt und vergessen gemacht wurden.

Denn tatsächlich hat die jüdische Scholastik im Verlauf von Jahrhunderten zahllose geistes- und naturwissenschaftliche Errungenschaften erarbeitet und mit ihrer Heimat geteilt. Mit Heinrich Heine, Albert Einstein und Lise Meitner sind nur wenige von vielen genannt, die nicht nur für Deutschland, sondern für die Menschheit Zeichen gesetzt haben.

Und trotzdem ermöglichte es sowohl der bereits genannte Bildungsmangel, als auch eine große Arglosigkeit, Obrigkeitshörigkeit und die Dominanz der Kirche, die Menschen immer wieder aufs Neue soweit aufzustacheln, dass ganze, jüdische Gemeinden samt ihrer Menschen in Flammen aufgingen. Um die Tragweite zu verdeutlichen, muss noch einmal klar gesagt werden, dass es nicht ausschließlich nur den berühmten Holocaust im 20. Jahrhundert, sondern Dutzende zuvor in ganz Europa gegeben hat. 

Die Verdachtsmomente, der Vorwurfssammlungen, die gegen Juden erhoben wurden, vergrößerten, vertieften und verbreiterten sich dabei jedesmal um immer weitere Beiträge. Es hieß bald, sie seien unrein, bösartig, verschlagen, gierig, gemein und ausschließlich nur auf den Verderb allen nichtjüdischen Lebens bedacht. Dabei weiß die gesamte Geschichte nicht um einen einzigen Fall, in welchem Juden sich mit Gewalt gegen ihre Verfolgung zur Wehr gesetzt hätten.

Einen traurigen Gipfel stellte wohl die Verfolgung von Nürnberg im Jahre 1349 dar. Da jüdische Familien im Stadtzentrum, das großzügig saniert werden sollte, einige Häuser und Liegenschaften besaßen, trieb man sie kurzerhand zusammen, prügelte sie zur Stadt hinaus und schlachtete sie dort ab, um an ihre Eigentümer zu gelangen. (3.)

Wer sich im Wissen um die Geschichte vergegenwärtigt, dass tatsächlich von einer „Treppe“ gesprochen werden kann, da sich die Verdachtsmomente und Vorwürfe von Mal zu Mal erhöhten und vermehrten, muss erkennen, dass auch der Holocaust des Dritten Reiches letztlich nur einen Teil dieser Treppe darstellt.

Nicht nur Deutschland, sondern auch alle von ihm unterworfenen Länder ließen ihrem jeweils eigenen Judenhass unter deutscher Herrschaft freie Hand. Die Nazis konnten sich auf Zehntausende von Kollaborateuren verlassen, die nur zu gern Juden in ihrer Heimat enttarnten und zur nächstbesten Vernichtung oder SS-Kommandantur schleppten. Insgesamt zeigte sich überdeutlich, dass Antisemitismus in ganz Europa breit vertreten – und tatsächlich keine deutsche Erfindung war.

Antisemitismus als deutsches Kontinuum

An dieser Stelle benenne ich mich selbst als Zeitzeuge. Knapp sechzehn Jahre nach der Kapitulation geboren, wuchs ich als Kind in einem provinziellen Ort auf, in welchem noch lange hinter vorgehaltener Hand Ressentiments gegen Juden gepflegt und kommuniziert wurden. Da steckte man auf dem Marktplatz noch die Köpfe zusammen, zeigte verstohlen auf jemanden, der vorüberlief und flüsterte abfällig, geradezu empört: „Das ist ein Jude.“. Das habe ich selbst erlebt.

Die Alten lehren nicht nur die Jungen, sie vergiften sie auch. Antisemitische Vorstellungen haben sich im Nachkriegsdeutschland, den Erfahrungen aus der Geschichte folgend, breitflächig gehalten. Wenn Juden auch nur höchst selten offener Hass entgegenschlug, wurden sie noch immer als „etwas anderes“ wahrgenommen – wenn auch nun meist hinter verschlossenen Türen und vorgehaltener Hand.

Somit erkläre ich als Zeitzeuge die Erzählung vom angeblich „importierten Antisemitismus“ zur Lüge. Er wurde nicht importiert, er war immer da.

Das nächste Problem des Antisemitismus, so wie wir ihn heute nach den Erklärungen der Politik definieren sollen, liegt einerseits im Staat Israel, als auch in den Juden selbst. Denn Israel, dessen Bevölkerung zu 25 Prozent gar nicht aus Juden besteht und das somit tatsächlich kein „jüdischer Staat“ ist, verfügt auch nicht über eine Verfassung, die das Land ausschließlich nur jüdischem Glaubensinhalt unterwirft.

Im Wesentlichen ist Israel somit im Grunde ein nahezu säkularer Staat, der in die international verbindliche UN-Charta und somit in alle Völker- und Menschenrechte eingebunden ist. Diese sehen allerdings keine religiöse oder ethnische Differenzierung vor. Das Behauptungsmuster, Israel als „jüdischer Staat“ sei ausschließlich nur als Versammlung von Opfern des Holocaust zu betrachten und zu behandeln, greift nicht nur viel zu kurz, sondern ist vollständig obsolet.

Das moderne Israel muss also staatspolitisch von der Verfolgung im Dritten Reich abgetrennt betrachtet und behandelt werden; es kann aus dieser Geschichte weder Sonderrechte, noch anderweitige, besondere Behandlung einfordern.

Die Verwechslung von Staat und Religion

Hier kommt die „deutsche Staatsräson“ ins Spiel. Was hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrer Rede in der Knesset im Jahr 2008 tatsächlich gesagt?

„Diese historische Verantwortung Deutschlands ist Teil der Staatsräson meines Landes. Das heißt, die Sicherheit Israels ist für mich als deutsche Bundeskanzlerin niemals verhandelbar.“

Sie hat dabei die Existenz Israels als modernem Staat vollständig mit der Judenverfolgung verbunden und schwört dem Staat Israel, der ja weit mehr und etwas anderes ist als „nur“ eine Ansammlung von Verfolgungsopfern, ewige Treue geschworen. Sie hat diesen Schutz nicht etwa auf (überlebende) Juden konzentriert, sondern den deutschen Schutz auf Israel gerichtet.

Damit definierte sie Israel nicht als modernen Staat, sondern gegen jede Realität ausschließlich nur als Wohnstatt von Verfolgungsopfern, die gewissermaßen „neben“ allen internationalen Gesetzen existiert und besondere Rechte in Anspruch nehmen kann.

Alles, was dieser verrenkten Sichtweise zuwiderläuft, wurde von nun an als „antisemitisch“ gebrandmarkt; Kritik am modernen Staat existiert danach nicht, sondern richtet sich grundsätzlich immer nur gegen Juden, beziehungsweise gegen die jüdische Religion.

Im Einklang mit der unverbrüchlichen wie kritiklosen Solidarität durch die USA konnte somit ein extremistisch zionistisches Gebilde in Israel weiter heranwachsen, was durchaus rassistische und imperialistische Vorstellungen hegt.

Die gedankliche Gegenprüfung zeigt, was ich meine: wenn Israel als Staat gleichzusetzen wäre mit dem jüdischen Glauben, so würde daraus zwangsläufig zu folgern sein, dass die extrem grausamen Hinrichtungen und Folterungen, die Israel unternimmt, Teil und Forderung der jüdischen Religion wären. Dass dem natürlich nicht so ist, muss nicht ausführlich belegt werden.

Das Merkelsche Definitions- und Denkmuster hat allerdings in Deutschland weiten Raum gegriffen und wirkt. Es wirkt bis hinein in brutale Übergriffe der Polizei, die israelkritische Demonstrationen als angeblich „antisemitisch“ zusammenprügeln.
Es wirkt allerdings auch bis in die Überzeugungsmuster derer hinein, die diese Definition glauben und unterstellen, dass die Grausamkeiten Israels breitflächig den Juden zu unterstellen seien.

Die Darstellung dessen, was heute der Spitzenpolitik zufolge angeblich Antisemitismus sein soll, zerschellt gerade vor der dramatisch anwachsenden Opposition innerhalb der jüdischen Gemeinschaften selbst, die sich gegen das richtet, was Israel im Namen des jüdischen Glaubens anrichtet. Das setzt gerade die mit Israel „befreundeten“ Nationen deutlich unter Druck.

Während es in Deutschland derzeit noch gelingt, diese Stimmen irrationalerweise ebenfalls als „antisemitisch“ zu brandmarken, wobei ausgerechnet sogenannte „Antisemitismusbeauftragte“ aktiv Schützenhilfe leisten, führt dies in den USA zu einem sich deutlich vertiefenden Riss und lautstarker, wirksamer Kritik am offiziellen Regierungskurs.

Differenzierung statt neuer Stigmatisierung

Entgegen des transportierten Narrativs, das Juden insgesamt als vorgeblich homogene, gleichgeschaltete und gleich empfindende Masse darstellt, ist diese jedoch deutlich differenziert und unterschiedlich.

Dies gilt sowohl für die praktische Ausgestaltung religiösen Lebens, als auch für generelle, spirituelle Auslegung.
Tatsächlich gibt es sowohl orthodoxe, ultraorthodoxe, konservative und liberale Gemeinschaften, die jeweils ihre ganz eigenen Standpunkte zur Existenz Israels allgemein, zur Rekonstruktion des Tempels in Jerusalem und zu Vorstellungen des Zionismus hegen. (3.)

Am besten ist dies in der Diskussion innerhalb des Judentums gerade in der „Tempelfrage“ erkennbar; hier reicht das Spektrum der Auffassungen von der ultimativen Forderung nach einem Neubau bis hin zum strikten Verbot, das Gelände überhaupt betreten zu dürfen. (4.)

Der Vorteil deutscher Regierungspropaganda liegt offensichtlich darin, dass Deutsche nur wenig internationale Medien frequentieren, die seit vielen Jahren bereits ein differenziertes und kritisches Bild liefern. Die extrem einseitig, manipulativ und verfälschende Berichterstattung durch deutsche Medien im Sinne Israels wird allgemein seit langer Zeit beklagt.

Zurückkommend auf den Sinn dieses Artikels bleibt nüchtern festzuhalten, dass sich gerade in Deutschland heute ein neu entstehender, in guten Teilen durch Israel und deutsche Politiker selbst provozierter Judenhass mit dem altbekannt mächtigen vereinigt, der kulturell seit Jahrhunderten verfestigt und immer weiter gesteigert worden ist. Selbst die verzerrende Glorifizierung jüdischen Lebens wirkt am Ende antisemitisch.

Vor Jahren sah ich einen Reisebericht über die Ostsee. Darin wies der Moderator auf einen Souveniershop an der Küste und betonte völlig unnötigerweise, dass der Inhaber Jude sei. Ob der „Davistern“, den wir heute Juden in Deutschland an die Kleidung heften, nur imaginär und pinkfarben ist, spielt keine Rolle – weil er Juden wieder einmal als etwas „Besonderes“ stigmatisiert und ihnen wieder einmal keine Chance dazu gibt, als Isaak neben einem Manfred oder Karl ungesehen als normaler Mitbürger in der Menge untergehen zu dürfen.

Auch das betrachte ich persönlich als antisemitisch.

1. https://de.wikipedia.org/wiki/Pogrom
2. https://de.wikipedia.org/wiki/Judenverfolgungen_zur_Zeit_des_Ersten_Kreuzzugs
3. https://juedisches.bayern.de/leichte-sprache/juedisches-leben-staerken/juedische-gemeinden-in-bayern/nuernberg
4. https://www.gra.ch/bildung/glossar/reformjudentum/
5. https://schlossdebatte.de/die-judische-rekonstruktionsdebatte-um-den-3-tempel/


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


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VNL 2026
Finalsieg: Erdogan gratuliert Volleyballerinnen

Ankara – Mit emotionalen Worten und einem persönlichen Telefonat hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan der Frauen-Volleyballnationalmannschaft zu ihrem gestrigen Turniersieg gratuliert. Die „Sultane des Netzes“ hatten sich am Sonntag im chinesischen Macau durch ein 3:1 gegen Brasilien die goldene Krone der Nations League aufgesetzt.

Herzliche Worte via Social Media und Telefon

In einer offiziellen Botschaft auf seinen Social-Media-Kanälen drückte Erdogan seinen Stolz über den geschichtsträchtigen Erfolg aus:

„Ich gratuliere unserer Frauen-Volleyball-Nationalmannschaft, den ‚Sultanen des Netzes‘, die uns mit dem Gewinn der Volleyball Nations League alle zutiefst stolz gemacht haben. Ich danke dem gesamten Team im Namen meiner Nation für diesen großartigen Erfolg.“

Kurz nach dem Spiel griff der Präsident zudem zum Hörer. In einem Telefonat mit dem Verbandspräsidenten Mehmet Akif Üstündağ sowie dem Cheftrainer Daniele Santarelli übermittelte er der gesamten Kabine in China direkt seine Glückwünsche.

Krimi in Macau: Die „Sultane des Netzes“ drehen auf

Das Finale in Macau bot den Fans Weltklasse-Volleyball auf absolutem Top-Niveau. Nachdem die Türkinnen den ersten Satz knapp abgeben mussten, bewies die Mannschaft um Ausnahmespielerin Melissa Vargas immense Nervenstärke.

Sie drehten die Partie in einem packenden Schlagabtausch und sicherten sich mit 3:1 Sätzen (23-25, 25-23, 26-24, 25-21) hochverdient die Goldmedaille.Für die türkische Auswahl ist es bereits der zweite VNL-Titel nach ihrem Premierensieg im Jahr 2023. Das Team untermauert damit endgültig seine Vormachtstellung im globalen Frauenvolleyball.

(Foto: TVF)

Die Erfolgsgeschichte der türkischen Volleyballerinnen

Der erneute Triumph in der Nations League ist kein Zufall, sondern reiht sich ein in eine beispiellose Ära des Erfolgs. Die türkische Frauen-Nationalmannschaft gehört seit Jahren zur absoluten Weltspitze im Volleyball.

Zu ihren größten internationalen Meilensteinen zählen unter anderem:

  • Volleyball Nations League (VNL): Zweifache Championessen (2023 und 2026).
  • Europameisterschaft (CEV): Historischer Gold-Gewinn im Jahr 2023 nach einem dramatischen Finale gegen Serbien.
  • Weltmeisterschaft (FIVB): Silbermedaille im Jahr 2025, bei der sich das Team erst im Finale Italien geschlagen geben musste.

.Die Basis für diese Dominanz liegt vor allem in der heimischen Liga (Sultanlar Ligi). Türkische Spitzenklubs wie VakıfBank SK, Eczacıbaşı und Fenerbahçe dominieren regelmäßig die europäischen Klubwettbewerbe und bringen Weltklassespielerinnen hervor. Mit dem aktuellen VNL-Sieg im Rücken blicken die „Sultane des Netzes“ nun hochmotiviert auf die kommenden internationalen Turniere.

 


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Gaza-Konflikt
Holocaust-Forscher Bartov nennt Gaza „Zukunft des Völkermords“

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New York – Der renommierte israelisch-amerikanische Historiker und Experte für Genozidstudien, Omer Bartov, hat in einem viel beachteten Exklusiv-Interview mit dem US-Nachrichtenmagazin „Democracy Now!“ eine tiefgreifende und alarmierende Prognose über die langfristigen völkerrechtlichen Folgen des Gaza-Konflikts abgegeben.

Basierend auf seinem aktuellen Essay für die „New York Times“ warnt der Professor der Brown University vor dem Anbruch einer erschreckenden neuen Ära in der globalen Geopolitik. Nach Auffassung des Wissenschaftlers liefere das aktuelle Vorgehen im Gazastreifen ein präzedenzloses Modell für die „Zukunft des Völkermords“.

In diesem neuen Szenario würden die Verantwortlichen für schwere Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht nur vollständige Straffreiheit genießen, sondern am Ende sogar wirtschaftlich und politisch von der Zerstörung profitieren.

Applaus für New Yorker Bürgermeister und Kritik an US-Impunität

Eingeleitet wurde das Gespräch durch eine Reaktion Bartovs auf eine Initiative des New Yorker Bürgermeisters Zohran Mamdani. Dieser hatte in einem viralen Video, das auf der Plattform X innerhalb kürzester Zeit über 80 Millionen Aufrufe verzeichnete, die US-Bundesbehörden dazu aufgefordert, den Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs (ICC) gegen den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu bei dessen geplanter Ankunft zur UN-Generalversammlung im September zu vollstrecken.

Bartov lobte die Haltung des Bürgermeisters ausdrücklich als den einzig richtigen Schritt. Er betonte, dass gegen Netanjahu und dessen ehemaligen Verteidigungsminister Yoav Gallant rechtmäßige internationale Haftbefehle wegen Kriegsverbrechen vorliegen würden.

Gleichzeitig kritisierte der Forscher jedoch, dass die US-Regierung aktiv versuche, den ICC zu untergraben, weshalb eine tatsächliche Festnahme durch die amerikanische Administration nicht zu erwarten sei.

Gaza als zynisches Geschäftsmodell für die Zukunft

Im Kern seiner Analyse skizzierte Bartov ein düsteres Zukunftsszenario für den Gazastreifen, welches als Blaupause für künftige globale Konflikte dienen könnte. Er warnt davor, dass Völkermord von manchen Nationen künftig als legitime und lukrative Erweiterung der Politik mit anderen Mitteln betrachtet werden könnte.

Nach den vorliegenden Plänen und Absichten politischer Akteure drohe eine Zukunft, in der westliche Staaten, arabische Unterstützer und internationale Immobilieninvestoren vom Wiederaufbau einer vermeintlich „idealen Stadt“ in Gaza wirtschaftlich profitieren würden.

Die überlebenden palästinensischen Opfer des Konflikts liefen dabei Gefahr, dauerhaft marginalisiert und als billige Arbeitskräfte instrumentalisiert zu werden, um den Wohlstand der künftigen, wohlhabenden Bewohner zu sichern. Diese Form der wirtschaftlichen Verwertung von Zerstörungsräumen stelle eine völlig neue Qualität völkerrechtlicher Erosion dar.

Taktik des Vergessens und Hoffen auf US-Wahlwende

Auf die Frage der Journalistin Nermeen Shaikhs, warum der wachsende gesellschaftliche Widerstand in den USA bislang kaum Konsequenzen zeige, zeichnete Bartov ein differenziertes Bild.

Der Historiker betonte, dass sich die öffentliche Meinung in den Vereinigten Staaten sowohl im linken als auch im rechten politischen Lager bereits spürbar verschiebe. Eine tatsächliche Kehrtwende in der Außenpolitik Washingtons sei jedoch frühestens nach den nächsten US-Präsidentschaftswahlen durch eine neue Administration denkbar.

Bis dahin ortet Bartov eine gezielte Strategie der Verantwortlichen, die Gräueltaten medial zu überspielen. Der Forscher warnte im Interview wortwörtlich:

„Worauf wir jetzt blicken, ist der Versuch, dies zu finalisieren, um die Menschen vergessen zu lassen, was in Gaza geschehen ist, und sie glauben zu machen, dass eine glänzende Zukunft vor uns liegt und wir nicht über die Schrecken nachdenken müssen, die dort geschehen sind und weiterhin geschehen.“

Diese bewusste Ablenkung durch das Versprechen eines wirtschaftlichen Aufschwungs diene laut Bartov dazu, die moralische Verantwortung dauerhaft zu begraben.

Historische Parallelen und das Versagen des Westens

Der Historiker zog zudem eine klare geschichtliche Parallele zu den Genoziden des 20. Jahrhunderts. Er erläuterte, dass Völkermorde historisch entweder durch das Erreichen der Täterziele enden oder durch ein militärisches Eingreifen von außen gestoppt werden.

Als Beispiel für die Straffreiheit der Täter vor 1945 nannte er den deutschen Völkermord an den Herero im heutigen Namibia im Jahr 1904. Dass die heutige israelische Führung agieren könne, ohne Rechenschaft befürchten zu müssen, liege primär am moralischen und rechtlichen Versagen der westlichen Verbündeten.

Die USA sowie zahlreiche europäische Staaten würden Israel nicht nur diplomatische und militärische Immunität gewähren, sondern das Vorgehen durch kontinuierliche Unterstützung absichern. Dadurch werde das internationale Rechtssystem dauerhaft beschädigt, da universelle Menschenrechte und die Genozidkonvention so entweder für alle gelten oder am Ende für niemanden mehr Gültigkeit besäßen.

 


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Gesundheit
Ärztechef fordert Ende der freien Facharztwahl

Berlin – Kassenärztechef Andreas Gassen hat mehr Tempo bei der im Koalitionsvertrag vereinbarten Patientensteuerung angemahnt. „Dass die kostbaren ärztlichen und pflegerischen Ressourcen effizienter genutzt werden müssen, wissen wirklich alle Beteiligten seit sehr langer Zeit.

Eine verbindliche Steuerung der Patienten könnte endlich Abhilfe leisten. Aber da sind bisher leider keine durchdachten und mutigen Entscheidungen in Sicht“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) im Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (noz)

Gesundheitsministerin Nina Warken wollte ursprünglich vor der Sommerpause einen Gesetzentwurf für eine Primärversorgung vorlegen. Ein neuer Termin ist nicht bekannt. In Warkens bisherigen Plänen „fehlt jegliche Verbindlichkeit für Patienten“, kritisierte Gassen.

„Aber es muss einfach Schluss sein damit, dass sich Leute mit Kniebeschwerden drei Kernspintomographien pro Halbjahr besorgen können. Alles für jeden zu jeder Zeit, beliebig oft und umsonst geht nicht.“ Seine Diagnose: „Etliche Patienten reisen ohne medizinischen Kompass durchs System, verursachen dabei vermeidbare Kosten und binden Ressourcen ohne letztlich davon zu profitieren.“

Der KBV-Chef plädierte für eine zweigleisige Steuerung über Hausärzte „oder eine telefonische oder digitale Ersteinschätzung zum Beispiel per App“. Werde die Notwendigkeit eines raschen Facharztbesuchs festgestellt, erhalte der Patient einen kurzfristigen Terminvorschlag je nach Verfügbarkeit bei einem Mediziner der Facharztgruppe.

„Eine Termingarantie kann es allenfalls für eine Facharztgruppe geben, nicht für die gerade angesagte Praxis am Kudamm oder auf der Kö. Für Praxen kann das auch eine Chance sein, durch Verfügbarkeit zu punkten“, erläuterte Gassen.

Facharztbesuche ohne Termine müsse man auch in Zukunft nicht verbieten. „Das ließe sich übers Portemonnaie regeln. Die Kassen könnten verschiedene Tarife anbieten: Wer auf die freie Facharztwahl besteht, müsste vielleicht 20 Prozent mehr zahlen, oder eine Gebühr für jeden Facharztbesuch ohne Überweisung“.

Er sei sich sicher, so Gassen, „dass die allermeisten Patienten mit so einer Steuerung einverstanden wären, wenn sie dadurch rascher an einen Termin kommen, ohne zuzahlen zu müssen“.

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Änderungsanträge zum Apothekengesetz: Milliardenschwere Einsparpotentiale bleiben auf der Strecke

Finale gegen Brasilien
China: Türkische Volleyballerinnen stehen im Finale

Macao – Die türkische Frauen-Nationalmannschaft hat bei den Finals der Volleyball Nations League (VNL) im chinesischen Macao einen historischen Triumph gefeiert und das Endspiel erreicht.

Im Halbfinale deklassierten die „Sultaninnen des Netzes“ am Samstag den Gastgeber China überraschend deutlich mit 3:0 (25:21, 25:15, 25:20).

Vor rund 5.000 Zuschauern im ausverkauften East Asian Games Dome lieferte das Team von Nationaltrainer Daniele Santarelli eine taktische Meisterleistung ab und ließ der Auswahl der Volksrepublik über die gesamte Spielzeit hinweg nicht den Hauch einer Chance.

Mit diesem glatten Drei-Satz-Sieg revanchierte sich die türkische Auswahl eindrucksvoll für vergangene Niederlagen und greift nun nach der begehrten Goldmedaille des prestigeträchtigen Turniers.

Souveräner Durchmarsch in drei Sätzen

Das Match begann in der Arena zunächst ausgeglichen, da beide Teams in den ersten Ballwechseln ein hohes Risiko im Aufschlag suchten und bis zum Stand von 7:7 gleichauf lagen. Die türkische Mannschaft fand jedoch über eine stark agierende Sinead Jack Kısal am Netz als erste Formation ihren Rhythmus und erspielte sich eine komfortable Führung.

Angeführt von den präzisen Zuspielen von Elif Şahin und den erfolgreichen Angriffen von İlkin Aydın bauten die Türkinnen den Vorsprung kontinuierlich aus und sicherten sich den ersten Satz mit 25:21. Im zweiten Durchgang erhöhte die Santarelli-Auswahl den Druck im Blockspiel drastisch.

Über die Star-Angreiferin Melissa Vargas und Mittelblockerin Zehra Güneş wurden die Angriffsversuche der Chinesinnen im Keim erstickt, was zu einem deutlichen Satzgewinn von 25:15 führte.

Auch im dritten Satz ließen die Türkinnen trotz heftiger Gegenwehr der asiatischen Abwehrreihen nichts mehr anbrennen und machten mit 25:20 den Finaleinzug perfekt.

Stimmen zum Spiel und der Revanche-Kracher im Finale

In den anschließenden Presseinterviews zeigten sich die Beteiligten hochzufrieden, blieben mit Blick auf die nächste Aufgabe jedoch fokussiert. Nationaltrainer Santarelli lobte das hervorragende Spielmanagement seiner Spielerinnen und betonte, wie diszipliniert die taktischen Vorgaben gegen den Weltranglistennachbarn umgesetzt worden seien. Teamkapitän und Libero Gizem Örge hob hervor, dass die Mannschaft auf dem Feld zu jeder Sekunde genau gewusst habe, was zu tun sei, warnte jedoch zeitgleich vor verfrühten Feiern.

Im heutigen großen Finale (Sonntag, 26. Juli 2026) wartet um 13.30 Uhr der absolute Revanche-Kracher gegen die Nationalmannschaft aus Brasilien. Die Südamerikanerinnen hatten sich zuvor in einem dramatischen Fünf-Satz-Krimi gegen Italien mit 3:2 durchgesetzt.

Fortsetzung einer beispiellosen Erfolgsgeschichte

Für den türkischen Volleyballverband bedeutet dieser Finaleinzug die Fortsetzung einer beispiellosen Erfolgsgeschichte auf der globalen Sportbühne.

Es ist bereits das vierteMal, dass die Frauen-Nationalmannschaft das Endspiel der Nations League erreicht. Nach dem historischen ersten Titelgewinn im Jahr 2023 und dem anschließenden Gewinn der Europameisterschaft hat das Team nun die große Gelegenheit, die VNL-Trophäe zum insgesamt zweiten Mal in die Türkei zu holen.

Melissa Vargas betonte nach dem Halbfinalsieg, dass das Endspiel gegen die defensivstarken Brasilianerinnen ein intensiver Kampf um jeden einzelnen Punkt werden dürfte, die Mannschaft jedoch physisch und mental in absoluter Topform antreten werde.

 

 


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Volleyball-WM der Frauen: Türkei erneut Weltmeister

 

Siedlergewalt
Israel: Linke Aktivisten demonstrieren gegen Siedlergewalt

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Tel Aviv – In der israelischen Metropole Tel Aviv sind hunderte linke israelische Aktivisten auf die Straße gegangen, um ein unübersehbares Zeichen gegen die eskalierende Gewalt radikaler Siedler im besetzten Westjordanland zu setzen

Die Kundgebung, die am Samstagabend auf der zentralen Kaplan-Straße stattfand, wurde maßgeblich von der linken Hadash-Partei sowie der Aktivistengruppe „Mothers Against Violence“ organisiert. Die Demonstranten protestierten unter dem Motto „Wir wählen Hoffnung über Furcht“ scharf gegen die militärische Besatzungspolitik und den von Kritikern sogenannten jüdischen Terrorismus in den palästinensischen Gebieten.

Im Verlauf der Kundgebung schritt die israelische Polizei ein und nahm insgesamt neun jüdisch-israelische Demonstranten fest. Die Behörden begründeten die Verhaftungen laut israelischen Medienberichten damit, dass die Versammlung ohne vorherige Genehmigung stattgefunden und die öffentliche Ordnung gestört habe

Direkte Reaktion auf tödliche Eskalation im Dorf Tal

Die Massenproteste in Tel Aviv bildeten die unmittelbare Reaktion auf eine dramatische Zuspitzung der Lage im Westjordanland am Vortag.

In dem palästinensischen Dorf Tal nahe Nablus war es am Freitag zu schweren Konfrontationen gekommen, nachdem rund dreißig bewaffnete jüdische Siedler aus der benachbarten, illegalen Außenstelle Havat Gilad in den Ort eingedrungen waren und versucht hatten, in Wohnhäuser einzubrechen.

Laut Augenzeugenberichten setzten die Anwohner sich zur Wehr, woraufhin die Siedler das Feuer eröffneten. Im Zuge der anschließenden Schießereien und des darauffolgenden Einschreitens der israelischen Armee (IDF) wurden vier Palästinenser und zwei Israelis getötet.

Menschenrechtsaktivisten machten darauf aufmerksam, dass militante Siedler bereits eine Woche zuvor ein Wohnhaus in Tal vorsätzlich in Brand gesteckt hätten, während sich die Familie noch im Gebäude befand.

Militärische Kollektivstrafen und Massenverhaftungen

Als direkte Vergeltungsmaßnahme für die tödlichen Vorfälle in Tal ordnete die Regierung von Premierminister Benjamin Netanjahu eine großangelegte Militäroperation im gesamten Westjordanland an.

Die IDF verhängte eine Blockade über die Region Nablus und führte Razzien in rund 70 palästinensischen Häusern durch. Nach Angaben der Palästinensischen Gefangenengesellschaft wurden dabei innerhalb weniger Stunden mindestens 75 Palästinenser festgenommen, was von Beobachtern als rechtswidrige Kollektivstrafe eingestuft wird.

Politische Analysten wie Ori Goldberg betonten, dass die im Netz zirkulierenden Videos der Angriffe auf das Dorf Tal ein Wegsehen der israelischen Öffentlichkeit unmöglich machen würden. Diese sichtbaren Auswüchse militanter Gewalt könnten die verbleibenden Kräfte des liberalen Zionismus im Kernland reaktivieren.

Die dokumentierte Struktur der Siedler-Offensive

Die aktuelle Gewalteskalation in den Palästinensergebieten deckt sich mit jüngsten investigativen Recherchen des europäischen Kultursenders ARTE.

Die Berichterstattung belegt eine drastische Zunahme koordinierter Angriffe militanter Siedlergruppen, die systematisch landwirtschaftliche Infrastrukturen sabotieren, Olivenhaine anzünden und medizinische Dorfkliniken attackieren.

Die Brisanz dieser Entwicklung wird durch interne Dokumente der israelischen Armeeführung gestützt, welche die eigene Regierung bereits mehrfach schriftlich vor diesen „nationalistischen Straftaten“ warnte, da sie einen unkontrollierbaren Flächenbrand in der Region auslösen könnten.

Diese Dynamik wird auf politischer Ebene gezielt flankiert: Die israelische Regierung treibt kurz vor den Wahlen im Oktober die rückwirkende Legalisierung von 37 illegalen Außenposten wie Esh Kodesh voran, um vollendete territoriale Tatsachen zu schaffen und eine Zweistaatenlösung dauerhaft unmöglich zu machen, obwohl die UN-Sicherheitsratsresolution 446 und der Internationale Gerichtshof (IGH) diese Siedlungsaktivitäten als völkerrechtswidrig einstufen.

 

 


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ARTE-Doku: Drastische Zunahme der Siedlergewalt an Palästinensern

Gastkommentar
Marina Bütün: „Wenn integrierte Muslime plötzlich Deutschland verließen“

Ein Gastkommentar von Marina Bütün

Was Deutschland verlieren würde, wenn integrierte muslimische Migranten verschwänden, überlegt sich meist kein deutscher Bürger, denn die einen sind zufrieden und leben mitten unter ihnen, die anderen, die sie am liebsten alle “nach Hause” schicken würden, sind überhaupt nicht informiert und fest davon überzeugt, dass sie das auch ohne sie schaffen. Aber ist das wirklich so?

Es ist ein Gedankenspiel, das zunächst wie eine zugespitzte These wirkt, bei näherer Betrachtung jedoch eine bemerkenswerte Nähe zur Realität entfaltet: Was würde geschehen, wenn ein großer Teil der integrierten muslimischen Bevölkerung in Deutschland von heute auf morgen verschwände?

Eine erstaunlich präzise Vorlage für dieses Szenario liefert der Fernsehfilm „Willkommen in Kronstadt“ aus dem Jahr 1996 unter der Regie von Hanns Christian Müller. Gedreht wurde in der bayerischen Stadt Aichach, die im Film den fiktiven Namen „Kronstadt“ trägt. Erzählt wird die Geschichte einer Kleinstadt, in der die Stimmung gegen Zugewanderte eskaliert. Nach Übergriffen organisiert ein italienischer Restaurantbesitzer den kollektiven Weggang der ausländischen Bevölkerung.

Innerhalb kürzester Zeit zeigt sich, wie sehr der Alltag von ihrer Arbeit abhängt: Müll wird nicht mehr entsorgt, Dienstleistungen brechen weg, die gewohnte Ordnung gerät ins Wanken.

Was damals als gesellschaftskritisches Lehrstück inszeniert wurde, wirkt heute wie ein nüchternes Gedankenexperiment.

Aktuelle Zahlen

In Deutschland leben nach aktuellen, fortgeschriebenen Schätzungen auf Basis von Daten des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge sowie des Statistischen Bundesamts rund 5,5 bis 5,7 Millionen Muslime (Stand etwa 2023/2024, weiterhin gültig für 2025/2026), was rund 6,6 bis 6,9 Prozent der Bevölkerung entspricht.

Da es in Deutschland keine regelmäßige statistische Erfassung der Religionszugehörigkeit aller Einwohner gibt, beruhen diese Zahlen auf wissenschaftlichen Hochrechnungen und gelten in Fachkreisen als anerkannter Referenzwert.

Die türkische Community stellt weiterhin die größte Gruppe in Deutschland

Innerhalb dieser Bevölkerungsgruppe stellen Menschen mit türkischen Wurzeln seit Langem die größte Herkunftsgruppe dar – sowohl zahlenmäßig als auch in ihrer historischen Bedeutung für die Entwicklung der Bundesrepublik.

Nach Ergebnissen des Mikrozensus des Statistischen Bundesamts lebten im Jahr 2024 rund 2,7 bis 2,9 Millionen Menschen mit türkischem Migrationshintergrund in Deutschland. Etwa die Hälfte von ihnen besitzt heute die deutsche Staatsangehörigkeit, viele weitere gehören bereits der zweiten oder dritten Generation an.

Ihre Geschichte ist eng mit dem wirtschaftlichen Wiederaufbau der Bundesrepublik verbunden. Mit dem deutsch-türkischen Anwerbeabkommen von 1961 begann eine Migration, die ursprünglich als temporär gedacht war, sich jedoch rasch änderte.
Aus den sogenannten „Gastarbeitern“ wurden Familien, aus vorübergehenden Arbeitskräften ein dauerhaft integrierter Teil der Gesellschaft. Über Jahrzehnte hinweg prägten sie insbesondere industrielle Arbeitsplätze, bevor sich ihre Tätigkeitsfelder zunehmend differenzierten.

Heute zeigt sich diese Entwicklung in einer breiten Verankerung im Arbeitsmarkt. Menschen mit türkischen Wurzeln sind überdurchschnittlich häufig im Handwerk, im Baugewerbe, in der Gastronomie und im Einzelhandel vertreten. Besonders sichtbar ist ihr Beitrag im Bereich kleiner und mittlerer Unternehmen, wo zahlreiche Betriebe – von Friseursalons über Bäckereien bis hin zu Restaurants und Lebensmittelgeschäften – von ihnen geführt werden und feste Bestandteile lokaler Strukturen sind.

Heute wird nicht mehr geputzt, heute wird studiert und sehr oft findet man kluge türkische Köpfe unter anderem im IT Bereich oder in länderübergreifenden Anwaltskanzleien.

Darüber hinaus sind sie in arbeitsintensiven und systemrelevanten Bereichen präsent, etwa in der Logistik, im Transportwesen, in Reinigungs- und Gebäudedienstleistungen sowie zunehmend auch im Gesundheits- und Pflegebereich. Meistens nicht als reine Arbeitskraft, sondern in der Organisation. Parallel dazu hat sich ihr Anteil in qualifizierten Berufen erhöht, etwa in medizinischen, technischen und kaufmännischen Tätigkeiten.

Diese Entwicklung spiegelt einen langfristigen Integrationsprozess wider, der sich über mehrere Generationen erstreckt. Ihre wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung erschließt sich jedoch nicht allein über statistische Kennzahlen, sondern vor allem über ihre alltägliche Präsenz.

Viele Dienstleistungen und Versorgungsstrukturen, die heute als selbstverständlich gelten, sind eng mit ihrer Arbeit verbunden. Gerade weil diese Beiträge im Alltag oft unsichtbar bleiben, wird ihre Tragweite von deutschen Bürgern sehr häufig unterschätzt. Vor allem bei jenen, die glauben, man bräuchte sie nicht.

Wertschöpfung: Eine umfassende Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) zeigt, dass alle Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit (Selbstständige und Arbeitnehmer zusammen) direkt 536 Milliarden Euro zur jährlichen Bruttowertschöpfung in Deutschland beitragen. Rechnet man indirekte Effekte wie Aufträge an Zulieferer und privaten Konsum hinzu, hängen 706 Milliarden Euro des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von ihnen ab.

Was wäre, wenn diese muslimischen Migranten in Deutschland fehlen?

Würde diese Bevölkerungsgruppe plötzlich fehlen, wären die Auswirkungen unmittelbar und flächendeckend spürbar. Vertraute Dienstleistungen würden wegfallen, gewohnte Abläufe unterbrochen, und vieles, was bislang reibungslos funktioniert, müsste unter deutlich schwierigeren Bedingungen neu organisiert werden.

Die Folgen wären nicht abstrakt, sondern würden jeden Einzelnen betreffen.
Die häufig geäußerte Annahme, entstehende Lücken ließen sich kurzfristig vollständig kompensieren, steht im Widerspruch zu den bereits heute bestehenden Engpässen auf dem Arbeitsmarkt. In zahlreichen Branchen gelingt es schon jetzt nicht, offene Stellen zu besetzen. Ein zusätzlicher Wegfall ganzer Beschäftigtengruppen würde diese Situation weiter verschärfen.

Sind diese Bürger immer noch Fremde? Nein!

Gleichzeitig wird oft übersehen, dass ein großer Teil dieser Menschen längst nicht mehr als „fremd“ im klassischen Sinne zu verstehen ist. Sie sind in Deutschland aufgewachsen, haben hier ihre Ausbildung absolviert, arbeiten, zahlen Steuern und sind sozial eingebunden. Ihr Alltag unterscheidet sich in vielen Bereichen kaum von dem anderer Bürgerinnen und Bürger.

Die eigentliche Relevanz dieser Debatte liegt daher weniger in grundsätzlichen Fragen der Zugehörigkeit als in ihrer praktischen Dimension. Eine moderne Gesellschaft funktioniert durch das Zusammenwirken vieler unterschiedlicher Gruppen. Wird ein Teil davon entfernt, entstehen Lücken, die sich nicht ohne Weiteres schließen lassen. Ein alter Film würde heute zur Realität, wenn alle gehen würden!

Der Film aus dem Jahr 1996 endet mit der Einsicht, dass Ausgrenzung nicht nur moralische, sondern auch ganz konkrete Folgen hat. Übertragen auf die Gegenwart stellt sich damit eine sachliche, aber zentrale Frage:

Wie stabil ist ein gesellschaftliches Gefüge, wenn ein Teil derjenigen fehlt, die es im Alltag tragen?

Diese Frage lässt sich nicht allein politisch beantworten. Sie berührt vor allem die Lebensrealität jedes Einzelnen.

Quellen: Statistisches Bundesamt (Mikrozensus 2024), Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (fortgeschriebene Schätzungen zur muslimischen Bevölkerung, Stand 2023/2024).  IW Köln


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


ZUR AUTORIN

Die Autorin Marina Bütün lebt seit Anfang der 2000er Jahre an der türkischen Westküste gegenüber der griechischen Insel Rhodos. Seit 2020 veröffentlichte sie viele Bücher mit Türkeibezug , u.a. Ratgeber Auswandern Türkei oder den wahren Familienroman „Die Braut aus dem Osmanischen Reich“


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Naher Osten
Ex-US-Stabschef Wilkerson: Israel wird als jüdischer Staat verschwinden

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Washington – Lawrence „Larry“ Wilkerson, der ehemalige Stabschef des US-Außenministers Colin Powell, hat in einer viel beachteten geopolitischen Lageanalyse eine Prognose über die langfristige Zukunft des Nahen Ostens abgegeben.

In einem Interview mit Mario Nawfal prognostizierte Lawrence „Larry“, das langfristige Ende Israels als zionistisch-ethnischer Staat. Wilkerson analysierte, dass Netanjahus politisches Ende bevorstehe und eine radikalere Nachfolge sowie die US-Militärpräsenz zu einer existenzielle Krise führen könnten 

Nach Auffassung des pensionierten US-Offiziers und Insiders des Washingtoner Sicherheitsapparates werde Israel in seiner jetzigen Verfassung als exklusiv jüdischer Staat aus der aktuellen kriegerischen Konfrontation hervorgehen und langfristig verschwinden. Wilkerson differenzierte dabei präzise, dass dies keineswegs die physische Vernichtung der Bevölkerung oder die Vertreibung der jüdischen Einwohner aus der Levante bedeute.

Vielmehr prognostizierte er das Ende des zionistisch-ethnischen Staatsmodells, welches durch ein künftiges, säkulares und demokratisches Gesamtkonzept für alle dort lebenden Menschen ersetzt werden könnte.

Netanjahus Sturz und die Eskalation durch radikale Nachfolger

Im Zentrum von Wilkersons Analyse steht das politische Schicksal des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu. Der US-Experte geht davon aus, dass Netanjahu letztlich aus dem Amt getrieben werde.

In Anspielung auf das Schicksal des früheren Regierungschefs Ariel Scharon prognostizierte Wilkerson, dass Netanjahu seine Amtszeit verlieren und das Ende seines Lebens in politischer Isolation oder im Gefängnis verbringen könnte. Das eigentliche existenzielle Risiko für den Staat liege jedoch in dessen politischer Nachfolge. Wilkerson warnte davor, dass die künftigen Machthaber in Jerusalem ideologisch noch radikaler agieren dürften und gleichzeitig über weitaus weniger diplomatisches Geschick im Umgang mit der US-Regierung in Washington verfügen würden.

Diese Nachfolgeregierung werde laut seiner Prognose letztlich die treibende Kraft sein, die das israelische System zum Zusammenbruch führe.

Die Rolle der USA als Katalysator für einen iranischen Schlag

Als konkreten militärischen Auslöser für diese Implosion benannte Wilkerson den zu erwartenden nächsten Gegenschlag des Iran.

Die Ursache hierfür liege laut der Analyse paradoxerweise in der massiven militärischen Unterstützung durch die Vereinigten Staaten. Indem Washington kontinuierlich Truppen, Kriegsschiffe und Tankflugzeuge direkt auf israelischem Boden und in dessen unmittelbarer Umgebung konzentriere, ziehe man einen verheerenden iranischen Großangriff regelrecht an.

Die von den USA aufgestellte militärische Schutzmauer wirke demnach wie ein strategischer Magnet für Angriffe, die das israelische Verteidigungssystem letztlich nicht mehr absorbieren könne.

Historische Wurzeln der Feindseligkeit in der Region

Diese geopolitische Feindseligkeit hat laut Wilkerson tiefe historische Wurzeln, die im Westen oft unvollständig dargestellt würden. Er verwies auf den historischen Kontext, wonach der anhaltende Konflikt maßgeblich auf die Islamische Revolution von 1979 gegen den US-gestützten Schah zurückgehe.

Als Reaktion darauf habe Washington in den darauffolgenden 1980er Jahren unter anderem durch den späteren Verteidigungsminister Donald Rumsfeld den irakischen Diktator Saddam Hussein im Ersten Golfkrieg mit chemischen Vorläuferstoffen ausgerüstet, um die junge islamische Republik im Iran militärisch zu zerschlagen.

Da der Iran diese existenzielle Bedrohung überstanden habe, richte sich der andauernde Hass Washingtons gegen Teheran primär gegen dessen schiere Weigerung, „sich zerstören zu lassen“. In der Gesamtbilanz besitze der Iran historisch weitaus mehr legitime Gründe für eine grundlegende Ablehnung der US-Politik, während die amerikanische Führung jedoch mit weitaus größerer Härte agiere

Lawrence Wilkerson war von August 2002 bis zum rücktrittsbedingten Ausscheiden des Außenministers im Januar 2005 Stabschef von US-Außenminister Colin Powell. Oberst Wilkerson ist Berufsoffizier, Vietnamkrieg-Veteran und ein „Pazifik-Experte“ der US-Armee, der unter dem damaligen General Powell diente.

Er hat umfassend über Militär- und nationale Sicherheitsangelegenheiten geschrieben und lehrt heute an der George Washington University. Er hat sich zu einem der schärfsten Kritiker der Bush-Regierung und ihrer nationalen Sicherheitspolitik entwickelt, einschließlich des geheimen Überstellungsprogramms der CIA (Secret Rendition Program).

 


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Schienenkrise
Schienen-Chaos in NRW: Wie die Politik die Lebensader unseres Landes kollabieren lässt

Ein Gastkommentar von Yusuf Duman

Der Schienenverkehr in Nordrhein Westfalen wirkt inzwischen wie das Ergebnis jahrzehntelanger politischer und infrastruktureller Vernachlässigung.

Was Bürgerinnen und Bürger täglich erleben, sind nicht vereinzelte Störungen , sondern die Quittung für Jahrzehnte des Investitionsstaus.

Es will mir persönlich nicht in den Sinn, wie man die Lebensader eines Industriestandorts von europäischem Rang derart verkommen lassen konnte.

Infrastruktur ist kein Prestigeprojekt, sondern staatliche Daseinsversorgung. Wo tagtäglich Hunderttausende Menschen befördert werden, darf die Frage niemals lauten, was Instandhaltung kostet , vielmehr was ihre Unterlassung die Gesellschaft kostet.

Kaum vergeht eine Woche ohne Hiobsbotschaften aus Köln, Bonn, Wuppertal oder anderen NRW Städten. Marode Brücken, verschlissene Gleisanlagen,Materialermüdung und Planungsfehler und weitere Einschränkungen- kein Ende in Sicht.

Aus Ausnahmen wurde Routine, aus Baustellen Dauerzustände und Fahrplänen oft unverbindliche Empfehlungen.

Die Schienenkrise entwickelt sich zunehmend zu einer Geduldsprobe, für Pendeler ebenso wie für die Politik. Wer das Deutschlandticket und den Schienenverkehr als Schlüssel zur Verkehrswende mantraartig propagiert, muss auch für den Ernstfall belastbare Lösungen bereithalten.

Grade beim Ersatzverkehr offenbaren sich organisatorische Schwächen und Defizite, aus den Kommunen ist vereinzelt berechtigter Unmut zu vernehmen.

Umso mehr erstaunt es mich, dass auf Landesebene bislang kaum der Eindruck entsteht, als würde diese Entwicklung zur Chefsache erklärt.

Eine funktionierende Verkehrswende lebt nicht von politischen Leitbildern allein , sondern von einer Infrastruktur,die auch dann verlässlich funktioniert , wenn sie unter Druck gerät.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


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Iran-Krieg
Kurden-Revolte im Iran: Türkei verhinderte US-israelische Pläne

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Teheran – Der iranische Außenminister Abbas Araghchi hat in einem exklusiven Interview weitreichende geostrategische Geheimdienstinformationen über die Spannungen im Nahen Osten offengelegt und dabei die Rolle der Türkei als regionaler Stabilitätsanker gewürdigt.

Den offiziellen Erklärungen aus Teheran zufolge soll die türkische Regierung im Hintergrund eine koordinierte und verdeckte Militäroperation der USA und Israels im Keim erstickt haben.

Der geheime Plan habe laut iranischen Angaben vorgesehen, die jüngsten Unruhen und eine bewaffnete kurdische Bodenoffensive im Nordwesten des Iran gezielt zu instrumentalisieren, um eine großflächige Revolte zu entfachen und das iranische Staatsgefüge systematisch zu destabilisieren.

Ein massives diplomatisches und militärisches Einschreiten Ankaras soll die Umsetzung dieses Vorhabens laut Araghchi im letzten Moment verhindert haben.

Geheimdienst-Plot zur Zerschlagung des Iran

Die von Araghchi angeführten Berichte beschreiben eine tiefe Verwicklung ausländischer Geheimdienste in den Grenzregionen des Iran. Demnach habe der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad in enger Abstimmung mit Militärplanern in Washington operiert, um bewaffnete kurdische Separatistengruppen – darunter radikale Ableger der Terrororganisation PKK wie die PJAK – logistisch und finanziell massiv aufzurüsten.

Ziel des Mossad-Chefs David Barnea sei es laut den iranischen Vorwürfen gewesen, eine koordinierte Offensive aus dem Nordirak und den iranischen Grenzprovinzen heraus zu starten, während der Iran durch den laufenden regionalen Konflikt militärisch gebunden war. Diese geplante Revolte hätte demnach als Katalysator dienen sollen, um das Teheraner Regime zu stürzen und das Land entlang ethnischer Bruchlinien zu zersplittern.

Militärisches und diplomatisches Machtwort aus Ankara

Dass diese Pläne scheiterten, ist nach Darstellung der iranischen Führung auf das konsequente Handeln der Türkei zurückzuführen.

Präsident Recep Tayyip Erdoğan und Außenminister Hakan Fidan hätten die existenzielle Gefahr dieser Operation für die eigene Region frühzeitig erkannt. Eine unkontrollierbare Zerschlagung des Iran und die damit einhergehende Entstehung eines autonomen, schwer bewbewaffneten PKK-Siedlungsgebietes an der türkischen Südostgrenze habe für Ankara eine rote Linie dargestellt.

Die türkische Führung habe daraufhin hinter verschlossenen Türen massiven diplomatischen Druck auf die US-Regierung ausgeübt und im Bedarfsfall mit einem direkten eigenen Militäreinsatz in den betroffenen Grenzgebieten gedroht, um ein Erstarken der Terrorgruppen zu unterbinden.

Angesichts dieser kompromisslosen Haltung Ankaras habe sich Washington laut den iranischen Berichten schließlich gezwungen gesehen, der israelischen Militärführung die Unterstützung für das Vorhaben zu entziehen.

„Kein großer Fan von Netanjahu und Israel‘

Flankiert werden diese iranischen Enthüllungen durch jüngste, viel beachtete Aussagen von US-Präsident Donald Trump. In Presseerklärungen – unter anderem im Vorfeld des NATO-Gipfels in Ankara – bestätigte Trump unumwunden, dass die Türkei kurz davor gestanden habe, aktiv in den regionalen Konflikt einzugreifen.

Laut Trumps Darstellung sei die Türkei, die er als ‚keinen großen Fan von Netanjahu und Israel‘ bezeichnete, ein ‚Hauptkandidat‘ für einen Kriegseintritt an der Seite Teherans gewesen.

Der US-Präsident reklamierte das Ausbleiben des türkischen Militäreinsatzes jedoch als persönlichen diplomatischen Erfolg für sich. Trump erklärte, er habe den türkischen Staatschef in einem persönlichen Telefonat explizit darum gebeten, sich aus den Kampfhandlungen herauszuhalten, woraufhin Erdoğan ihm diesen Gefallen getan und die Truppenbewegung gestoppt habe.

In Sicherheitskreisen werden diese Aussagen Trumps als indirekte Bestätigung dafür gewertet, wie real die türkische Drohkulisse zur Wahrung der regionalen Grenzen im Hintergrund tatsächlich war.

Strategische Partnerschaft trotz politischer Differenzen

Die offizielle Bestätigung aus Teheran unterstreicht die pragmatische Sicherheitsarchitektur zwischen Ankara und Teheran. Obwohl beide Nationen in regionalen Fragen wie dem Syrien-Konflikt oder der geopolitischen Zukunft des Kaukasus unterschiedliche und teils konkurrierende Positionen vertreten, eint sie das gemeinsame fundamentale Interesse an der Wahrung der territorialen Integrität ihrer Staaten.

Das mutmaßliche Verhindern der kurdischen Bodenoffensive durch die Türkei habe eine unkontrollierbare Eskalation im Nahen Osten abgewendet und zeige aus Sicht Teherans, dass regionale Stabilität ohne das geopolitische Gewicht Ankaras im globalen Süden nicht mehr zu organisieren sei.

 


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