Fahrzeugbau
TEMSA: 6.000 türkische Busse auf französischen Straßen

Adana – Der türkische Bushersteller ist in Deutschland kaum bekannt, jedoch sind die Fahrzeuge von TEMSA bereits auf zahlreichen europäischen Straßen unterwegs – auch in Deutschland. TEMSA setzt sein starkes Wachstum in Europa fort und hat mit der jüngsten Buslieferung nach Frankreich die Zahl seiner Fahrzeuge in diesem Land auf sechstausend erhöht. Ingesamt hat das türkische Unternehmen Busse in 70 Länder exportiert. Mit der Lieferung von Fahrzeugen des Modells LD SB Plus 13 an Tchizz Voyages – Cars Ferry, ein in den französischen Vogesen tätiges Unternehmen, erzielte TEMSA kürzlich einen historischen Erfolg auf ausländischen Märkten. Somit wurde Frankreich das Land mit der höchsten Anzahl an Fahrzeugen von TEMSA im Ausland. Evren Güzel, CEO von TEMSA, betonte, dass die globale Präsenz von TEMSA von Jahr zu Jahr zunimmt:
Wir haben unser Exportvolumen seit 2020 nachhaltig gesteigert. Im Jahr 2023 haben wir in den Exportmärkten von TEMSA Rekordwachstumsraten erzielt. Wir freuen uns, diese starke Leistung auch im Jahr 2024 fortzusetzen. In den ersten 9 Monaten dieses Jahres stiegen unsere Exporte um 32 Prozent an der Stückzahl und 68 Prozent  in Dollar gemessen am Umsatz im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres.
TEMSA-CEO Evren Güzel (Foto: TEMSA)
TEMSA TEMSA wurde 1968 in der Türkei gegründet und produziert in seiner 510.000 Quadratmeter großen Produktionsstätte in Adana seit 1987 jährlich über 10.000 Busse, Midibusse und leichte Lkw. Außerhalb der Türkei ist TEMSA mit führenden Marktanteilen in großen Volkswirtschaften wie den USA, Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Italien sowie weltweit in 70 Ländern tätig. Mit seiner breiten Produktpalette erfüllt TEMSA die einzigartigen Bedürfnisse der verschiedenen Regionen.

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Der in der Türkei entwickelte fahrerlose E-Bus, der Atak Electric, soll künftig zwischen dem niederländischen Flughafen Rotterdam und der Innenstadt pendeln.

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Gaza-Krieg
Gaza: Zahl getöteter Journalisten steigt auf 180

Gaza – Drei weitere Journalisten wurden am Sonntag bei israelischen Angriffen im Gazastreifen getötet, womit sich die Gesamtzahl der getöteten Journalisten seit letztem Jahr auf 180 erhöht hat, teilte die Zivilschutzbehörde des Gazastreifens mit. Nach Angaben der Behörde handelt es sich bei den getöteten Reportern um Saed Radwan vom lokalen Fernsehsender Al-Aqsa TV, Hamza Abu Salmiya von der Nachrichtenagentur Sanad und Haneen Baroud, die für die Al-Quds-Stiftung arbeitet, berichtet die Nachrichtenagentur Anadolu. In einer Erklärung vom Sonntag bestätigte das Büro, dass die Zahl der seit Beginn der israelischen Besatzungsangriffe auf den Gazastreifen getöteten Journalisten 180 erreicht hat. „Das israelische Militär hat seine Offensive auf den Gazastreifen den 387. Tag in Folge fortgesetzt und dabei verschiedene Lebensbereiche angegriffen und unvorstellbare Grausamkeiten begangen“, heißt es in der Erklärung weiter. Israel habe am Sonntag ein von den Vereinten Nationen betriebenes Schulgebäude, in dem vertriebene Palästinenser untergebracht sind, angegriffen und mindestens neun Menschen getötet. Bei dem Angriff auf die Asma-Schule im Al-Shati-Flüchtlingslager in Gaza-Stadt seien neun Menschen getötet und mehrere weitere verletzt worden, während Rettungskräfte unter den Trümmern nach weiteren Opfern suchten.

Gastkommentar
Yücel: Gülen-Ideologie wird mithilfe des Westens weiterleben

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel

Fethullah Gülen, der Führer der einst mächtigsten islamischen Bewegung in der Türkei, ist tot. Aber seine Ideologie, die Machtbesessenheit, dass Verdrängen von Schuld und Sühne, die Leugnung der Verbrechen, sie lebt weiter, und das mithilfe des Westens.

83 Jahre alt wurde der Führer der einst mächtigsten islamischen Bewegung in der Türkei. Seine Jünger bestatteten Fethullah Gülen in Salisbury-Pennsylvania jedoch als 86-jährigen. So steht es jedenfalls auf seiner Grabinschrift auf dem Anwesen der Gülen-Sekte in Salisbury: „1938 – 2024“

Das ist gewollt, steht es doch sinnbildlich für den „auserwählten Mehdi“, der im Jahr des Todes von Atatürk auf die Welt kam, um die Geschicke des Landes zu übernehmen, in seinem Sinne umzugestalten.

Tatsächlich baute Fethullah Gülen nach 1960 mit seiner Missionierung bis in die 1990er-Jahre hinein seine religiös-politische Autorität bis in die Staatsbürokratie aus, wurde von der Landeselite als Musterdemokrat ausgewiesen, stand bei Staatsbanketts an vorderster Reihe, während andere islamisch-politische Bewegungen mit Repressionen belegt wurden.

Erbittertster Gegner von Gülen und einer der Figuren der islamisch-politischen Bewegungen war seinerseits Necmettin Erbakan, aus dessen Reihen auch Recep Tayyip Erdoğan stammt. Am 28. Februar 1997 diktierte der Nationalen Sicherheitsrat ein Memorandum, das Erbakan zwang, sang und klanglos abzudanken, während Fethullah Gülen mit der berühmten Rahşan-Begnadigung vorerst unbehelligt davon kam.

Zwei Jahre später geriet Fethullah Gülen jedoch erneut in den Blickpunkt eines Skandals. Noch kurz vor der Ausstrahlung einer heimlich aufgenommenen Rede von Gülen im TV-Fernsehkanal ATV, in dem er seine Anhänger aufforderte, geduldig zu arbeiten, um die Kontrolle im Staat zu erlangen, verließ Gülen das Land und blieb bis zum Tode in Salisbury.

Bereits zu dieser Zeit gab es erste starke Hinweise einer Unterwanderung des Staates. Im Nationalen Sicherheitsrat warnte der türkische militärische Nachrichtendienst wie auch der türkische Nachrichtendienst vor der Unterwanderung staatlicher Strukturen. Die Politik winkte jedoch ab und beschwichtigte.

Als Erdoğan nach etlichen politischen Wiederanläufen von Erbakan und dessen Scheitern seine eigene Partei gründen wollte, suchte er im Jahre 2000 die Nähe zu Gülen und der mächtigen Bewegung. Was Erdoğan von Gülen hielt, erfuhr man bereits im Jahre 2016 in einer Rede u. a. von einem ZDF-Journalisten während eines TV-Interviews. Gülen über das Gespräch von Erdoğan mit einem seiner Komplizen im Aufzug nach der Unterredung mit ihm: „Mit dem müssen wir uns zuerst befassen.“

Während sich Erdoğan noch mit Fethullah Gülen Zeit ließ, überschatteten nach 2006 mehrere Morde an Journalisten, Politikern, Zivilisten und Autoren den türkischen Demokratisierungsprozess unter Ministerpräsident Erdoğan.

Mit der Verhaftung mehrerer pensionierter Generäle als vermeintliche Putschisten in der Türkei Anfang Juli 2008, begannen die ersten Mammutprozesse gegen Militärs, aber auch Politiker, Staatsanwälte, Richter, Akademiker und Journalisten, die als „Kemalisten“ verschrien wurden. Schnell war allen politischen kritischen Akteuren klar, dass die Gülen-Sekte dahintersteckt.

Bereits 2010 bezeichnete Politikwissenschaftler Soner Çağaptay in einem Beitrag für Foreign Policy die Gülen-Sekte als „ultrakonservativ“, berichtete über die aktuelle Entwicklung in der Türkei, in der die Macht der Militärs zurückgedrängt werde und vordergründig nur den Anschein einer Demokratisierung erwecke.

In Wirklichkeit habe sich das Machtgefälle derart vertauscht, dass nun die Gülen-Sekte an die Stelle der Militärs getreten sei und einen neuen „tiefen Staat“ bilde. Die Bewegung kontrolliere Polizei samt Justizapparat und gewinne immer mehr Einfluss in der Politik.

Trotz aller Unkenrufe und eindringlichen Warnungen, die Gülen-Sekte ging noch viel weiter und benutzte vor allem die von ihr kontrollierten Medien, die Polizei und Justiz, um Erdoğan unter Kontrolle oder unter Druck zu bringen.

Kurz nach dem gescheiterten Putschversuch erklärte der ehemalige Generalstabschef İlker Başbuğ während einer Forumsitzung des Rotary Clubs der Sekte den Kampf. Başbuğ zufolge habe Erdoğan den Kampf gegen die Gülen-Sekte ab 2012 allein aufgenommen; er sei ganz allein gewesen; er sei in manchen problematischen Fragen von der Politik und sogar von der eigenen Partei im Stich gelassen worden.

Tatsächlich brauchte es noch mehrere Jahre, bis dem Staat das Werkzeug in die Hand gegeben wurde, dem Staat im Staat das Handwerk zu legen. Der eigentliche Niedergang der Gülen-Sekte begann dann zwischen 2014-2015 mit Aktivitäten des Generalstabs, dem Hohen Rat der Richter und Staatsanwälte (HSYK), Geschädigten im Militär wie auch der Politik bzw. Personen des öffentlichen Lebens sowie zivilen Kreisen, die sich auf die Fahne geschrieben hatten, der jetzt als FETÖ/PYD bezeichneten Gülen-Sekte das Handwerk zu legen.

Die Regierung setzte sich innerhalb der HSYK durch, die Belegung der Posten entgegen den starken Gegenmeinungen neu zu besetzen. In den Streitkräften wurden die Sondereinsatzkräfte sowie der militärische Nachrichtendienst gestärkt. Das zwang das terroristische Spionagenetzwerk, unter dem vorherrschenden Druck sich aus der Deckung zu begeben, medial in Erscheinung zu treten, Fehler zu begehen.

Als es um die letzte und umfassendste Neustrukturierung des Militärs in den höheren Offiziersrängen ging, beging die Gülen-Sekte dann den entscheidenden Fehler und unternahm Hals über Kopf am Abend des 15. Juli 2016 einen Putschversuch. Damit war das Ende des Gülen-Sekte in der Türkei und in weiten Teilen der Welt vorprogrammiert.

Noch vor dem Scheitern des Putschversuchs und vor allem danach, suchten führende Köpfe der Gülen-Sekte das Heil im Westen. Sie wurden aufgenommen, teils von Sicherheitskreisen der Aufnahmeländer, auf Rattenlinien über mehrere Fluchtrouten über zig Länder in Schutz gebracht.

Mit Hilfe dieser Rattenlinien gelang es den wichtigsten Köpfen der Gülen-Sekte, sich der drohenden Strafe zu entziehen, im Westen eine neue Existenz aufzubauen, die bis heute von Mitgliedern der Sekte mitfinanziert werden. Unter den Flüchtigen befanden sich u. a. Adil Öksüz, der Blackbox der Gülen-Sekte zum gescheiterten Putschversuch schlechthin, der während der Flucht auch zeitweise in Berlin untertauchte und nach Aufdeckung seines Wohnorts in Berlin, vom LKA-Berlin rechtzeitig in Sicherheit gebracht wurde.

Im Juni 2018 hatten regierungsnahe Medien in der Türkei die Berliner Wohnanschrift eines mutmaßlichen Putschisten veröffentlicht und somit Erdogan-Anhänger indirekt zu Aktionen gegen den Mann aufgerufen. Der betroffene Adil Öksüz ist für Ankara Hauptverdächtiger des Putschversuchs in der Türkei vor zwei Jahren. Die Türkei hat ihn als Anhänger des islamischen Predigers Fethullah Gülen über Interpol zur Fahndung ausgeschrieben, die Bundesregierung lehnt eine Auslieferung in die Türkei ab. Das Landeskriminalamt Berlin hat Schutzmaßnahmen für Öksüz ergriffen.
[Tagesspiegel, 10.10.2018]

Bei der Bestattung von Fethullah Gülen konnte man Öksüz jedoch am Fuße des Grabes von Fethullah Gülen zweifelsfrei feststellen, wie auch viele Sekten-Mitglieder während der Trauerfeier in Salisbury vergeblich versuchten, ihre Identität unter Verwendung von Schutzmasken, Hüten und Sonnenbrillen zu verschleiern.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.

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Gastkommentar
Türkei: Kurdenkonflikt oder doch Interessenskonflikt?

Ein Gastbeitrag von Nabi Yücel

Die deutsche Bundeszentrale für politische Bildung, kurz bpb, hat aktuell wieder den sogenannten „Kurdenkonflikt“ bzw. die „kurdische Frage“ für sich entdeckt… just zu einer Zeit, in der der Bündnispartner des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, Devlet Bahçeli, eine mögliche kurzzeitige Freilassung des inhaftierten Anführers der Terrororganisation PKK, Abdullah Öcalan, zur Debatte stellt.

In einer Rede vor der Fraktion der MHP warf Devlet Bahçeli sprichwörtlich eine Granate in den Raum. Bahçeli erklärte, Abdullah Öcalan solle als Führer der PKK, die Terrororganisation in einer Rede vor der völkisch-kurdischen DEM-Fraktion im türkischen Parlament zu Gewalt- und Waffenverzicht auffordern und sich damit entscheiden, ob sie mit der Türkei oder mit anderen Mächten in die Zukunft blicken wollen. Die Reaktionen darauf waren in den ersten Stunden entsprechend kontrovers. Öcalan verbüßt auf der Gefängnisinsel İmralı eine lebenslange Haftstrafe. Eine Freilassung käme aufgrund der Gesetzeslage so nicht infrage. Jedoch wäre ein kurzer Landgang möglich, wenn per Gesetz die Isolationshaft aufgehoben wird. Dazu benötigt die Koalitionsregierung jedoch eine Mehrheit und die ist nur mithilfe der CHP und der DEM möglich. In den ersten Stunden nach dieser Hiobsbotschaft von Bahçeli, ging selbstverständlich ein unüberhörbares Raunen durch die Türkei, gar sprichwörtlich ein Erdbeben. Die MHP geriet unmittelbar danach unter besonderen Druck. Bahçeli, der im Februar 2015 noch ein kategorisches „Nein“ zum Friedensprozess mit der PKK bewarb und deshalb einer der vehementesten Gegner Erdoğans wurde, erklärt also fast ein Jahrzehnt später, dass der von der DEM als Führer der „Kurden“ und als Messias für Frieden gepriesene Öcalan, die PKK zum uneingeschränkten Gewalt- und Waffenverzicht auffordert; und zwar im türkischen Großen Nationalparlament. Wieso stellt sich ein Dinosaurier der türkischen Politik vor Fraktionsmitglieder und plädiert öffentlich, dass alle Mitglieder des Parlaments sich zusammenraffen und sich für diesen Weg entscheiden müssen, sprich ein Gesetz mittragen, der einen Freigang Öcalans ermöglicht, um im Parlament die PKK zur Aufgabe zu zwingen? Bahçeli, so meine Meinung, hat nicht nur eine Granate geworfen, sondern fordert die oppositionelle CHP und die völkisch-kurdische DEM auf, die Granate auch zu entsichern, wenn sie den Schneid dazu haben. Bahçeli weiß sehr wohl, dass die DEM wie die CHP damit in ein Interessenskonflikt geraten und das nicht ohne weiteres tun können, ohne sich kategorisch für das eine oder andere zu entscheiden: stehen sie für die „Türkei oder für andere Mächte“, betonte doch Bahçeli während seiner Rede. Der CHP-Parteivorsitzende Özgür Özel, der zuvor noch den inhaftierten ehemaligen Parteivorsitzenden der DEM, Selahattin Demirtaş, in Silivri besuchte, war just während der Rede Bahçelis drauf und dran zu einer Stippvisite durch die südöstlichen Regionen der Türkei unter dem Motto „es gibt eine Kurdenfrage“ aufzubrechen. Die CHP sucht nicht erst seit den letzten Wahlen, die Stimmen der kurdischstämmigen Wähler für sich zu gewinnen, um eine Regierung zu bilden. Die bescheidenen Ergebnisse führten jedoch dazu, dass die CHP immer mehr dazu überging, ihre Mandate an die ehemalige HDP zu verscherbeln, in der Hoffnung, in einer Koalition die Regierung zu bilden. Doch das Scheitern, zuletzt bei den Wahlen von Anfang 2024, hat die CHP offensichtlich nicht davon abgebracht, diesen Plan weiter zu verfolgen. Bahçeli stahl Özel jedoch mit seiner Aufforderung nicht nur die Politshow im Südosten, sondern spornte sogar an, noch weiterzugehen, als man bisher über die Lippen brachte und ständig darum eierte. Özel brach seine Reise durch den Südosten nach nur einem Tag ab – nach dem Terroranschlag der PKK in Kahramankazan. Und die DEM fordert ja seither (auch ihre Vorgängerparteien), dass ihr „Führer“ Öcalan aus der Haft entlassen wird, um dem „Frieden“ entsprechend ihrer weiteren Forderungen den sogenannten einen und einzigen Weg zu ebnen. Mit der Rede von Bahçeli steht nun auch die DEM in Zugzwang, sich für die eine oder andere Seite zu entscheiden. Wird die DEM zum Beispiel in der Lage sein, sich an die PKK zu wenden und zu sagen: „Lass die Waffen fallen, wir werden jetzt eine vereinte Nation“, weil Öcalan es im Parlament herausposaunt hat? Die Mutter aller Fragen lautet jedoch: wird die PKK überhaupt auf Abdullah Öcalan hören, der bei Überführung von Kenia in die Türkei im Charterjet noch sang, er werde dem türkischen Staat dienlich sein. Offensichtlich nicht, wie es jüngst aus Verlautbarungen der PKK-Führung zu hören war. Ist Öcalan etwa für die PKK wie auch die DEM längst verstorben, wird nur noch sein Erbe vor sich hergetragen? Die Antwort auf die Einlassung von Bahçeli ist banal wie genial zugleich: Wenn die Parteien der Aufforderung von Bahçeli mit „Nein“ kommen, wird es nicht funktionieren, weil sie ja den absoluten Frieden und die Einheit konterkarieren und damit die Wählerschicht mit kurdischen, laizistischen oder säkularen Hintergrund vor den Kopf stoßen – in der Frage, ob sie Öcalan folgen oder ausländischen Mächten! Wenn sie mit „Ja“ kommen, stünde das im Widerspruch zum Gründungsepos der DEM-Partei oder dem Parteibuch der CHP, auf der die Parteiführungen ja bislang einen Eiertanz hinlegt haben! Und weil Bahçeli diesen genialen Schachzug, zudem eine kurzfristig durchdachte Lösung anbot, der für niemanden Platz für kontroverse Debatten zulässt, steht jetzt nur noch im Raum, wer nun die Masken zuerst fallen lässt, die man Live verfolgen kann. Wer steht also für was ein, dass steht zur Debatte, und nicht, wer vertritt wessen Interessen? Interessant ist, dass die Bundeszentrale für politische Bildung, kurz bdp, über Günter Seufert just zu diesem Augenblick ebenfalls eine Antwort erarbeitet hat. In der „Kurdenfrage“, so lautet der Vorspann der Ausarbeitung, bleibe die „kurdische Frage virulent, solange, wie die „Türkei, Irak, Iran und Syrien die kollektive und individuelle Gleichberechtigung der auf ihrem Staatsgebiet siedelnden Kurden ablehnen, werden die Kurden für die Schaffung eines eigenen Staates kämpfen. Was die „kollektive und individuelle Gleichberechtigung“ bedeutet, wird zuletzt in drei Punkten erklärt, wobei der letzte Punkt anscheinend nicht favorisiert wird, obwohl es die Staatsräson der Türkei ist:
  • Gründung eines oder mehrerer kurdischer Staaten…
  • Gewährung regionaler Autonomie…
  • Gleichberechtigung, Rechtsstaatlichkeit und Demokratisierung…
Trotz der Fortschritte und vor allem wegen dieser Fortschritte seit den 2000er, nicht zuletzt zwischen Ende 2012 bis Mitte 2015, hat die PKK nie die gänzlich die Waffen niedergestreckt, hat die Vorgängerpartei der DEM, die HDP unter der Führung von Selahattin Demirtaş, einen bewaffneten Aufstand für eine kurdische Autonomie ausgerufen, die rasch und blutig endete. Das heißt in diesem Kontext für die gegenwärtige DEM wie der CHP, wofür sie sich entscheiden, wofür sie wirklich einstehen: einer vereinten Nation oder vereint unter einer fremden Knute!
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.

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– Wahlen in Nordirak – Kurden-Präsident Barzani: „Sehr gute Beziehungen zur Türkei“

Der Präsident der irakisch-kurdischen Regionalregierung (KRG) erklärte am Sonntag, man habe „sehr gute“ Beziehungen zur Türkei.

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Gastbeitrag
BRICS-Treffen: Deutschland lebt in einer Blase der Einbildung

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel Deutschland bewertet geradezu mit Schadenfreude, wie die Türkei beim BRICS-Gipfel ausgerechnet an Indien „krachend gescheitert“ sei, während US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump mit Drohgebärden gegenüber der BRICS wie auch ihren Anwärtern mit Strafzöllen droht und damit Wähler mobilisiert. Es ist ja schon beinahe amüsant zu beobachten, wie BILD, N-TV oder die Funke Mediengruppe die Lage im russischen Kasan in Zusammenhang mit der Einladung der Türkei zum BRICS-Gipfeltreffen bewerten. Von einem krachendem Scheitern bis hin zum Ausschluss der Türkei ist die Rede. Niemandem fiel dabei auf, dass die Staatschef Narendra Modi und Recep Tayyip Erdoğan auf dem „Familienfoto“ nebeneinander stehen. Im Ernst, Deutschland lebt in einer Blase der Einbildung, der Selbstüberschätzung und Selbstsicherheit. Selbstgefällig glaubt man, die Türkei müsse bei der BRICS einen Antrag stellen und scheitere damit zu Beginn an Indien. Richtig ist vielmehr, dass die BRICS keinen formellen Antrag kennt und erst recht keine Aufnahmekriterien hat wie z.B. die Europäische Union. Von daher ist schon ein großer Teil der Berichte der Klatsch- und Tratschpresse geradezu eine Farce. Es sei Ihnen gegönnt, zumal man damit offenlegt, dass man keine eigene Strategie hat, um der drohenden geopolitischen als auch wirtschaftlichen Dominanz etwas entgegenzusetzen, als die Schadenfrohe selbst. Indes, Donald Trump, favorisierter Kandidat der US-Präsidentschaftswahl, macht Nägel mit Köpfen. Der Vertreter der US-Oligarchie, will den US-Dollar verteidigen, wenn es sein muss auch gegen die gesamte Welt. Hauptgegner sind die BRICS-Staaten, die der US-Dollar-orientierten Nachkriegsordnung etwas entgegensetzen wollen. 159 von 195 Ländern, also mehr als drei Viertel der Welt, sind oder wollen in die BRICS und passen sich allmählich in mehreren Gipfel- und Staatstreffen dem BRICS-System an. Der BRICS-Kern hatte vor einiger Zeit die Schaffung einer Blockchain-basierten Zahlungsplattform angekündigt, der als Pendant zum SWIFT-Zahlungssystem dienen soll. Diese neue Zahlungsplattform soll die globale wirtschaftliche Stellung des Wirtschaftsbündnisses neu definieren und darüber hinaus mit einigen der größten Zahlungssysteme der Welt konkurrieren. Dazu gehört auch das westlich dominierte TARGET2-System. Was die BRICS geritten hat, ein alternatives Zahlungssystem aus dem Hut zu zaubern? Das liegt an den Drohgebärden der USA, die den US-Dollar als Waffe einsetzt. Es hat Länder mit Sanktionen belegt und ihnen u. a. die Nutzung des SWIFT-Zahlungssystems untersagt. Die BRICS-Staaten wollen ihre eigene Währungsunion und ihr eigenes System schaffen und werden damit in der Lage sein, dass Rohstoffgeschäfte in ihrer eigenen Währung abgewickelt werden. Die BRICS-Staaten sind, so eine Studie der US-amerikanischen Tufts Universität, durch gemeinsame Entwicklungsinteressen und das Streben nach einer multipolaren Weltordnung verbunden, in der keine einzelne Macht dominiert. Doch die Konsolidierung der BRICS-Staaten hat die Gruppe zu einer schlagkräftigen Verhandlungsmacht gemacht, die nun Washingtons geopolitische und wirtschaftliche Ziele in Frage stellt. Das ist auch dem Weißen Haus in Washington nicht entgangen. Donald Trump drohte schon in seiner ersten Amtsperiode und droht nun während seiner gegenwärtigen Wahlkampftour erneut, er würde einen hundertprozentigen Einfuhrzoll auf Länder erheben, die in die USA exportieren und sich mit den BRICS-Staaten zusammenschließen wollen. Das wären summa summarum 159 von 195 Ländern, die bereits Mitglied sind, Partnerstatus haben, ihren Beitrittswunsch bekundet haben oder offen Interesse zeigen. Was würde eigentlich passieren, wenn die BRICS zu einer Größe anwächst, die den US-Dollar als Weltwährung unter Druck setzt? Was wäre als nächstes vorstellbar? Diese Staaten drohen im Umkehrschluss den USA oder ihren Verbündeten! Das wäre eine wirtschaftliche Katastrophe für die USA, aber auch für die Verbündeten, die sich mit Gedeih und Verderb dem Atlantikpakt verschrieben haben. Insofern macht die Türkei alles richtig! Weder setzt sie voll auf die Europäische Union, bei der sie nach wie vor als „Bittsteller“ ansteht, noch auf die BRICS. Sie setzt noch auf ganz andere Wirtschaftsunionen, wie im südasiatischen Raum oder dem asiatisch-pazifischen Raum. Dafür nimmt man auch lächelnd in Kauf, die Deutschen auf dem hohen Ross amüsiert zu haben.
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.

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Die alte Ordnung, die sich nach Ost- und Westblock richtete, ist spätestens nach dem Zusammenbruch der UdSSR, der Russland folgte, längst Vergangenheit.

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FRA-Studie
Antimuslimischer Rassismus in Österreich am höchsten

Wien – Jeder zweite Muslim in der EU ist in seinem Alltag mit Rassismus und Diskriminierung konfrontiert – ein starker Anstieg seit 2016. Muslimische Frauen, Männer und Kinder werden nicht nur wegen ihrer Religion, sondern auch wegen ihrer Hautfarbe und ihrer Ethnie oder ihres Migrationshintergrundes angegriffen. Junge Muslime, die in der EU geboren sind, und Frauen, die religiöse Kleidung tragen, sind besonders betroffen. Dies sind einige der Ergebnisse des jüngsten Berichts der EU-Agentur für Grundrechte (FRA). Laut der Studie „Being Muslim in the EU“ ist in der EU Österreich das Land, in dem Menschen am häufigsten antimuslimischen Rassismus erleben. Deutschland liegt demnach auf Platz zwei und Finnland auf Platz drei. Spanien und Italien sind die Länder mit den niedrigsten Werten. Zitat der FRA-Direktorin Sirpa Rautio:
„Wir beobachten einen besorgniserregenden Anstieg von Rassismus und Diskriminierung gegen Muslime in Europa. Dies wird durch die Konflikte im Nahen Osten angeheizt und durch die entmenschlichende antimuslimische Rhetorik, die wir überall auf dem Kontinent erleben, noch verschlimmert. Anstatt Spaltung in unseren Gesellschaften zu säen, müssen wir dafür sorgen, dass sich jeder in der EU sicher, einbezogen und respektiert fühlt, unabhängig von seiner Hautfarbe, Herkunft oder Religion.“
Auf der Grundlage einer EU-weiten Erhebung unter Zuwanderern und ihren Kindern zeigt der Bericht einen Anstieg des antimuslimischen Rassismus seit der letzten Erhebung im Jahr 2016, vor allem auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt. Betrachtet man die fünf Jahre vor der Erhebung, so sind die wichtigsten Ergebnisse folgende:
  • Rassismus – fast einer von zwei Muslimen (47 %) wird rassistisch diskriminiert, gegenüber 39 % im Jahr 2016. Die höchsten Raten in den 13 untersuchten Ländern finden sich in Österreich (71 %), Deutschland (68 %) und Finnland (63 %).
  • Arbeit – Muslime werden am häufigsten bei der Arbeitssuche (39 %) oder am Arbeitsplatz (35 %) diskriminiert, gegenüber 31 % und 23 % im Jahr 2016. Dies wirkt sich auch auf andere Lebensbereiche wie Wohnen, Bildung oder Gesundheit aus. Darüber hinaus sind zwei von fünf (41 %) für ihren Job überqualifiziert, verglichen mit 22 % der Menschen allgemein.
  • Wohnen – ein Drittel (35 %) der Befragten konnte aufgrund von Diskriminierung kein Haus kaufen oder mieten, gegenüber 22 % im Jahr 2016. Muslimische Befragte mit Behinderungen sehen sich sogar noch mehr Hindernissen gegenüber; 46 % werden auf dem Wohnungsmarkt diskriminiert.
  • Religiöse Kleidung – Frauen, die religiöse Kleidung tragen, werden stärker diskriminiert als Frauen, die dies nicht tun, insbesondere bei der Arbeitssuche (45 % gegenüber 31 %). Bei jungen Frauen (16-24 Jahre), die religiöse Kleidung tragen, erhöht sich dieser Anteil auf 58 %.
  • Rassistische Belästigung – fast 1 von 3 (27 %) der befragten Muslime wurde in den fünf Jahren vor der Erhebung rassistisch belästigt; die meisten von ihnen mehr als einmal.
Die meisten Muslime melden keine Vorfälle von Diskriminierung oder Rassismus, weil sie nicht glauben, dass sich etwas ändern würde. – Nur 6 % der Opfer meldeten im Jahr vor der Erhebung Diskriminierung oder reichten eine Beschwerde ein, und nur sehr wenige meldeten die Vorfälle einer Gleichstellungsstelle (4 %). – Schweden verzeichnet mit 21 % die höchste Meldequote, Österreich und Italien mit 3 % bzw. 2 % die niedrigsten. Wie häufig ist rassistische Gewalt?  Rassistische Gewalt ist körperliche Gewalt, die durch die ethnische Herkunft oder den Migrationshintergrund einer Person motiviert ist. Dazu gehören Schlagen, Stoßen, Treten oder Grapschen. 5 – Muslime aus Ländern südlich der Sahara, die meist schwarz sind, sind am häufigsten von Gewalt betroffen. Junge muslimische Männer, die in Europa geboren wurden, und Menschen, die religiöse Kleidung tragen, sind häufiger von Gewalt betroffen.

Anschlag in Ankara
„Terroranschlag auf die TUSAŞ war von langer Hand geplant“

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel Bei einem Terroranschlag auf das staatliche türkische Luftfahrt- und Rüstungsunternehmen TUSAŞ (TAI) bei Ankara in Kahramankazan wurden fünf Menschen getötet. Zur selben Zeit nahm der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan im tatarischen Kasan am BRICS-Gipfel teil. Der Terroranschlag auf die TUSAŞ war von langer Hand geplant; das erkennt man bereits an der Wahl des Terror-Einfalltors ins Konzerngelände, von denen es zwar mehrere gibt, aber nur eine für die Terroristen offensichtlich eine Schwachstelle aufwies. Zudem kannten die zwei Terroristen den zeitlichen Ablauf, sprich, wann der Schichtwechsel der Sicherheitskräfte an den Eingangstoren stattfindet. H Hinzu kommt, dass die Experten befürchten, dass diese sensiblen Informationen auch aus dem Inneren des Betriebsgeländes stammen könnten, da die Terroristen sich zielgerichtet bewegten. Just zum günstigsten Zeitpunkt, stießen die zwei Terroristen mit einem zuvor gewaltsam an sich gebrachten Taxi bis zum anvisierten Eingang der TUSAŞ in Kahramankazan vor, stiegen aus dem PKW und eröffneten unmittelbar das Feuer auf alles, was sich bewegte. Kasan, Kahramankazan, Terror Zum selben Zeitpunkt, im 3.000 km entfernten tatarischen Kasan, nahm Erdoğan am BRICS-Gipfeltreffen teil. Kasan heißt im türkischen Kazan, was auch dem Umstand geschuldet ist, dass die Tataren ein Turkvolk sind. Nicht unbedeutend ist auch, dass Kahramankazan erst seit dem Putschversuch 2016 so heißt. Zuvor hieß die Stadt noch Kazan und wurde dann umbenannt. Und nicht unbedeutend ist auch, dass die türkische Kerntechnik, Luftfahrt- und Rüstungsindustrie erst in den jüngeren Geschichte von etlichen gewaltsamen Toden überschattet wurde. Seit den 2000er kamen auf „unerklärlicherweise“ sehr viele Ingenieure und Wissenschaftler ums Leben. Die bekannteste und wohl umstrittenste Verschwörungstheorie ist, dass die türkische Physikerin Prof. Engin Arık zusammen mit weiteren vier Wissenschaftlern beim Atlasjet-Flug 4203 im Jahre 2007 absichtlich getötet wurden. Genährt wird diese Theorie mit dem Tod von 8 Ingenieuren der ASELSAN, einem türkischen Rüstungskonzern in Mehrheitsbesitz der türkischen Streitkräfte. Von 2006 bis 2017 starben diese Ingenieure auf höchst ungewöhnliche Art, die bis heute juristisch nicht aufgeklärt sind. Nach dem Terroranschlag in Kahramankazan schaukelt sich die Verschwörungsszene wieder hoch. Nicht unbegründet, wenn man bedenkt, dass das Sykes-Picot-Abkommen von 1916 wie auch der Vertrag von Sèvres von 1920 für die Türkei nach wie vor ein Trauma bleibt und als Werk von „Kolonialherren“ bzw. „Imperialisten“ bezeichnet wird. Und in diesem Kontext ist es nicht verwunderlich, dass die türkischen Kommentatoren, allesamt Experten in ihrem Fach, darunter ehemalige Diplomaten, Stabsoffiziere, Politiker oder Wissenschaftler, von einem Wink mit dem Zaunpfahl sprechen, wenn sie darauf angesprochen werden, was sie vom Terroranschlag in Kahramankazan halten. Dabei wird stets der Eindruck erweckt, dass dieser Terroranschlag sich nicht mit den eigentlichen Zielen einer Terrororganisation deckt, vielmehr eine Machtdemonstration einer viel höheren Ebene ist und sich geschmeidig in den BRICS-Gipfel einfügt. Und, damit treffen diese Herrschaften bei den Menschen das Mark, weil diesen im selben Augenblick die Reaktionen im westlichen Ausland übermittelt werden, seit Jahren beobachten können, wie in den angrenzenden Ländern der Türkei Terrororganisationen getätschelt, verwöhnt und mit dem aller nötigsten versorgt werden. Nehmen wir z. B. die deutsche Medienlandschaft… man zeigte sich in Zusammenhang mit der Türkei vor dem BRICS-Gipfeltreffen geradezu nervös, irritiert, sprach von einem Interessenskonflikt seitens der Türkei mit der NATO und der EU, obwohl es nur ein wirtschaftliches Zweckbündnis ist. Nach dem Gipfeltreffen und der Erkenntnis, dass der Türkei bei der BRICS vorerst nur ein Partnerstatus eingeräumt werde, ist man sichtlich erfreut, zeigt sich geradezu amüsiert. Die einvernehmliche Meinung in der Türkei ist daher, dass ganz offensichtlich westliche Länder besorgt sind, dass ihnen die Türkei gänzlich entgleiten könnte, wo sie doch schon in ihrem Interesse nach dem gescheiterten Putschversuch unkontrollierbar geworden ist. Ein sichtbares Zeichen dafür ist auch, dass lange verweigerte Rüstungslieferungen aus den USA und Deutschland, die kurz vor diesem Treffen in Kasan in Teilen wieder aufgenommen wurden. Die Menschen in der Türkei scheinen sich jedoch von sichtbaren Zeichen nicht zu beeindrucken. Zu sehr wird die Bevölkerung mit anderen, viel dringenderen Fragen konfrontiert. So steht an erster Stelle die Frage im Raum, weshalb westliche Länder in der nahen Region noch immer als Steckenpferd eine Terrororganisation mit politischer wie militärischer Unterstützung hofieren. Nur unter dem Druck der Türkei ließ sich z. B. Schweden dazu überreden, sich von der PKK ausnahmslos loszusagen, bevor sie mit einem Wink der Türkei in die NATO aufgenommen werden konnte. Doch unabhängig dieser Lippenbekenntnisse, versorgt das Pentagon in Syrien die Demokratischen Kräfte Syriens, die für die Türkei kategorisch als Schwesterorganisation der PKK gilt. Keiner der europäischen Staaten hat jedoch auch nur ansatzweise ihre Kontakte zur PKK in Syrien oder Irak abgerissen. Noch immer besteht, wenn schon keine organische, eine anorganische Verbindung in Form von Zuwendungen an unmittelbar vor Ort wirkende NGO´s, die in europäischen Ländern beheimatet sind und von Regierungen entsprechend hofiert werden. Alles in allem und in diesem Lichte betrachtet, glauben sehr viele Menschen in der Türkei nach wie vor, dass die westliche Hemisphäre die Türkei seit der Grenzziehung der Herren Syke sowie Picot mit dem Bleistift und dem Knebelvertrag in Sèvres, als Sprungbrett in die nahöstliche, südasiatische Welt versteht und entsprechend auf ihre Interessen trimmt oder zu trimmen versucht. Was ja, und das kommt auch noch erschwerend hinzu, die türkische Republiksgeschichte eindrücklich unter Beweis stellt. Da kommt so ein Terroranschlag wie gerufen, so der O-Ton in den türkischen Medien, um die Ambitionen der türkischen Regierung, die laut dem Westen nicht gegensätzlicher sein können, zum Einlenken zu bewegen, sie zu warnen oder gar zu sabotieren. Ist das so verwunderlich?
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.

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Anschlag in Ankara
Staatschefs verurteilen Terrorangriff in der Türkei

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Ankara – Nach dem tödlichen Terroranschlag am gestrigen Mitwoch in Ankara, haben zahlreiche Staats- und Regierungschefs der Türkei ihr Beileid ausgesprochen. Bei dem Anschlag auf das Rüstungsunternehmen TAI (TUSAŞ) kamen fünf Menschen ums Leben und 22 wurden verletzt. „Die Vereinigten Staaten stehen an der Seite unseres Verbündeten Türkei und verurteilen den heutigen Terroranschlag aufs Schärfste. Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien“, schrieb US-Außenminister Antony Blinken auf X. Unterdessen sprach der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates des Weißen Hauses , John Kirby, den „Opfern des schrecklichen Terroranschlags in Ankara in der Türkei“ sein Mitgefühl aus. „Heute Morgen sind unsere Gebete mit allen Betroffenen und ihren Familien und natürlich auch mit dem türkischen Volk in dieser sehr schwierigen Zeit“, sagte er bei einem Briefing vor Reportern. Auch der russische Präsident Wladimir Putin verurteilte den Anschlag am Rande eines Gipfels der BRICS-Gruppe, an dem Erdogan als Gast teilnahm. „Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kollegen, wir freuen uns sehr, Sie in Kasan begrüßen zu dürfen. Doch bevor wir mit der Arbeit beginnen, möchte ich Ihnen mein Beileid im Zusammenhang mit dem Terroranschlag aussprechen. Es gibt Medienberichte über den Terroranschlag in der Türkei“, sagte Putin. Auch NATO-Generalsekretär Mark Rutte verurteilte den Anschlag. „Ich habe gerade mit (Präsident) Erdoğan über den Terroranschlag in Ankara gesprochen. Meine Botschaft war klar: Die NATO steht an der Seite der Türkei“, schrieb Rutte auf X. „Wir verurteilen den Terrorismus in all seinen Formen aufs Schärfste und verfolgen die Entwicklungen genau“, so Rutte weiter. Bundeskanzler Olaf Scholz sagte auf X: „Ich bin schockiert über die Berichte über die Toten und Verletzten in Ankara. Wir verurteilen Terrorismus in jeder Form aufs Schärfste und stehen an der Seite unseres Partners Türkei.“ Niederlande Der niederländische Ministerpräsident Dick Schoof übermittelte Präsident Erdogan ebenfalls sein Beileid und erklärte, die Niederlande „verurteilen alle Formen des Terrorismus. Wir haben Mitgefühl mit der Türkei und beobachten die Situation genau“. Innenminister Ali Yerlikaya sagte, dass zwei Angreifer, eine Frau und ein Mann, „neutralisiert“ worden seien, und fügte hinzu, dass an dem Anschlag wahrscheinlich die Terrororganisation PKK beteiligt gewesen sei. Keine Gruppe hat sich zu dem Anschlag bekannt. Auf verschiedenen Videos von dem Angriff am Mittwoch sind mindestens zwei Personen zu sehen, die vor dem Eingang des Unternehmens, das etwa 40 km außerhalb der Hauptstadt liegt, Schüsse abgeben. Der türkische Vizepräsident Cevdet Yilmaz sagte, vier der Opfer seien TAI-Angestellte, das fünfte sei ein Taxifahrer. Lokale Medien hatten zuvor berichtet, dass die Angreifer den Taxifahrer töteten, bevor sie sein Fahrzeug übernahmen, um den Anschlag zu verüben. Die Explosion ereignete sich während eines Schichtwechsels, und die Mitarbeiter mussten in Schutzräume gebracht werden, hieß es.Yerlikaya bestätigte auch, dass sich unter den 22 Verletzten sieben Angehörige von Spezialeinheiten befanden.

Gastbeitrag
Der Blender ist tot: Zum Tod von Fethullah Gülen

Ein Gastkommentar von Kemal Bölge In den meisten deutschen Medien galt Fethullah Gülen als „Prediger“ oder „islamischer Geistlicher“, der Schulen zum Wohle der Menschen eröffnete und mit seiner „Hizmet-Bewegung“ ein genialer Blender war. Wer es wagte, kritisch über ihn und sein Netzwerk zu schreiben, geriet ins Visier seiner extremistischen Anhänger. Journalisten und Wissenschaftler wie Haydar Meriç oder Necip Hablemitoğlu recherchierten über das Gülen-Netzwerk, bevor sie ihre Nachforschungen mit dem Leben bezahlen mussten. Die Aufklärung der Morde wurde jahrelang von Gülen-Anhängern in Justiz und Polizei behindert. Auch der türkisch-armenische Journalist Hrant Dink fiel dem Netzwerk zum Opfer. Das Ziel des selbsternannten „Imams“ war es, die Regierung mit Waffengewalt zu stürzen und eine Diktatur zu errichten. Die Struktur des Gülen-Netzwerkes weist Ähnlichkeiten mit anderen terroristischen Organisationen wie der PKK, Daesh (IS) oder der DHKP-C auf, strukturell und ideologisch bestehen jedoch Ähnlichkeiten mit der „Scientology-Organisation“, weshalb es sich beim Gülen-Netzwerk nicht um eine religiöse Bewegung im eigentlichen Sinne, sondern um eine geheim operierende, hierarchisch strukturierte, esoterisch-kultische Vereinigung handelt. Mit den sogenannten Ergenekon-Ermittlungen gegen Militärs, Politiker und Mitglieder zivilgesellschaftlicher Institutionen begann 2008 eine regelrechte Hexenjagd, die von Gülen-Anhängern in Militär, Polizei, Justiz und Geheimdiensten koordiniert und durchgeführt wurde. In Stasi-Manier wurden angebliche Gespräche von Militärs und Politikern an die Medien zugespielt und die Opfer anschließend in entwürdigender Weise öffentlich bloßgestellt. Viele unschuldige Opfer, die unter fadenscheinigen Gründen verhaftet und inhaftiert wurden, überlebten die unmenschlichen Bedingungen in den Gefängnissen nicht. Jahrelang saßen Journalisten, Intellektuelle, Soldaten, Offiziere und Generäle in den Kerkern von Silivri und anderswo, obwohl es sich offensichtlich um Schauprozesse handelte. Am 15. Juli 2016 initiierten Mitglieder des Gülen-Netzwerks einen Putschversuch gegen die gewählte türkische Regierung unter Präsident Erdoğan. Der Putschversuch, der mit Wissen der USA und anderer Verbündeter durchgeführt wurde, scheiterte, weil das türkische Volk auf die Straße ging. Auch acht Jahre nach dem gescheiterten Putschversuch kann von einer Entwarnung keine Rede sein, denn der politische Arm des terroristischen Gülen-Netzwerks ist nach wie vor sehr einflussreich und stark.
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Auftrag zur Ermordung des Akademikers kam von Gülen-Mitglied. Zum Mord am Akademiker Dr. Necip Hablemitoğlu gibt es nach Zeitungsberichten neue Erkenntnisse.

Ein Mordkomplott: Das Gülen-Netzwerk und das Attentat auf Dr. Hablemitoğlu

Bildung International
Lernen mal anders – Auslandserfahrungen für Schüler

In der Schule lernen alle dasselbe. Mathe, Bio, Deutsch, Geschichte – Ja, all das ist wichtig, wer sich aber Skills fürs Leben aneignen und dabei eine spannende interkulturelle Erfahrung haben möchte, der muss sich auch mal aus dem heimischen Klassenzimmer hinauswagen.

Austauschprogramme bieten Schülern die aufregende Möglichkeit, ihren Horizont zu erweitern, etwas über andere Lebensweisen zu erfahren und internationale Freundschaften zu schließen. Nebenbei verbessern sie ihre Sprachkenntnisse immens und lernen wichtige Fähigkeiten, wie das selbstständige Reisen, selbstbewusstes Auftreten und einen organisierten Alltag zu leben.

Welche Auslandsangebote gibt es für Schüler?

Vom klassischen Auslandssemester während des Studiums hat fast jeder schon mal gehört. Wer sich aber bereits in der Schulzeit nach einer Auslandserfahrung sehnt und die Schule mal anders erleben möchte, der hat ebenfalls zahlreiche Möglichkeiten.

Es gibt verschiedene Organisationen, die den Schülern dabei helfen, den perfekten Auslandsaufenthalt zu planen. Dabei variieren die Angebote vom klassischen Schüleraustausch bis hin zu Auslandsjahren und Internatsaufenthalten.

Diese verschiedenen Optionen unterscheiden sich in mehreren Aspekten:

  • Bei einem Schüleraustausch besucht man eine Familie in einem anderen Land, die ein Kind im gleichen Alter hat. Gemeinsam geht man dann in die Schule, unternimmt Ausflüge und gestaltet seine Freizeit. Im Gegenzug kommt der andere Schüler in die eigene Familie und erlebt so dieselbe Erfahrung.
  • Ein Auslandsjahr bedarf etwas mehr Einsatz. Hier reist der Schüler über ein halbes oder ein ganzes Jahr ins Ausland, lebt bei einer Gastfamilie und besucht die dortige Schule.
  • Wer keine Lust auf eine Gastfamilie hat, der kann auch ein Internat im Ausland wählen. Hier verbringt man im Durchschnitt deutlich mehr Zeit mit anderen Schülern desselben Alters und kann so intensiv Freundschaften schließen und das Internatsleben genießen.

Welche Art des Aufenthalts die richtige ist, ist sehr individuell und hängt immer von den Präferenzen des Schülers ab. Jede Erfahrung bietet einzigartige Möglichkeiten und Chancen, Neues zu lernen.

Wohin soll die Reise gehen? Das richtige Zielland wählen

Die angebotenen Zielländer sind zahlreich und unterscheiden sich in Sprache, Kultur, Schulsystem und Kontinent. Die wohl typischsten Ziele sind die USA, Kanada und Australien, es gibt aber auch noch viele andere Länder wie Südafrika, Neuseeland, Frankreich, Schottland, Finnland und Chile.

Viele Schüler entscheiden sich, in ein englischsprachiges Zielland zu gehen, um die Kenntnisse in der Weltsprache zu vertiefen. Ein Aufenthalt in einem nicht englischsprachigen Land kann aber auch wahnsinnig bereichernd sein und ermöglicht den Schülern eine Drittsprache zu erlernen.

Das perfekte Zielland hängt von den Präferenzen und individuellen Bedürfnissen des Schülers ab und sollte mit Bedacht gewählt werden. Um die richtige Entscheidung treffen zu können, gibt es Beratungsstellen, die einem bei der Auswahl helfen.

Kosten – Wie teuer ist ein Auslandsaufenthalt für Schüler

Je nach Land, Länge und Art des Aufenthalts variieren die Kosten für einen Auslandsaufenthalt natürlich stark.

Wenn man sich für einen Austausch entscheidet, trägt man in der Regel selbst die Flugkosten und die anfallenden Kosten vor Ort, die Gastfamilie bekommt aber in den meisten Fällen kein Geld. Als Gegenleistung erklärt man sich hier bereit, auch als Gastfamilie für den Austauschschüler zu fungieren.

Möchte man ein Auslandsjahr machen, sind die Kosten deutlich höher. Hier braucht man nicht nur ein Visum und eine Versicherung, sondern auch eine Organisation, die als Ansprechpartner dient. Für ein Auslandsjahr in den USA muss man mit einem Preis ab circa 10.000 Euro rechnen, Australien kostet ungefähr 8.000 Euro und Neuseeland 9.000. Diese Zahlen decken aber nicht alle Kosten, oft kommen hier Gebühren fürs Visum drauf sowie ein monatliches Taschengeld.

Ein Internatsaufenthalt ist dann meist noch mal teurer als ein Auslandsjahr mit einer Gastfamilie, da man die Schule für die Versorgung des Schülers zahlen muss. Auch hier sind die Preise unterschiedlich und variieren stark.

Wer gerne ein Auslandsjahr machen möchte, es sich aber nicht leisten kann, der kann mit etwas Glück ein Stipendium bekommen. Von Teilstipendien bis hin zu Vollstipendien oder einer monatlichen Unterstützung ist alles möglich. Um genauere Infos zu Stipendien zu erhalten, kann man sich an Organisationen, die Auslandsaufenthalte betreuen, wenden oder sich in zentralen Beratungsstellen informieren.

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