Berlin – Die muslimische Gemeinschaft in Deutschland trauert um eine ihrer prägendsten und engagiertesten Persönlichkeiten der vergangenen Jahrzehnte. Wie die Hilfsorganisation muslimehelfen offiziell bekannt gab, ist Gerhard Abdulqadir Schabel im Alter von 68 Jahren unerwartet verstorben.
Schabel, der als eines der geschätzten Gründungsmitglieder der Hilfsorganisation galt und über Jahrzehnte hinweg die Entwicklung des deutschsprachigen Islams maßgeblich mitgestaltete, hinterlässt eine tiefe Lücke. Bundesweit war er vor allem als einfühlsamer Referent, weitsichtiger Brückenbauer im interkulturellen Dialog und als feinsinniger Dichter bekannt, der religiöse und spirituelle Themen stets mit einer bemerkenswerten Leichtigkeit und tiefem Humanismus zu vermitteln wusste.
Vom Odenwald in die Bundespolitik
Geboren wurde Gerhard Schabel im Jahr 1958 im hessischen Birkenau, wo er in einem christlichen Umfeld aufwuchs. Nach seiner Konfirmation führten ihn ausgedehnte Reisen als jungen Mann unter anderem nach Marokko.
Die dortigen Begegnungen und intensiven Erfahrungen prägten seinen Lebensweg nachhaltig, sodass er sich im Jahr 1979 im Alter von 21 Jahren bewusst dazu entschied, zum Islam zu konvertieren und den Namen Abdulqadir anzunehmen.
Für Schabel war der Glaube zeitlebens keine starre Doktrin, sondern eine klare, im Alltag gelebte Verpflichtung zu Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und der unaufhörlichen Arbeit an einem guten Charakter.
Im Odenwald fand er seine Heimat und Wirkungsstätte. Eng verbunden war sein Name über viele Jahre mit dem bekannten „Haus des Islam“ im hessischen Lützelbach, welches als eines der ältesten und bedeutendsten Zentren für deutschsprachige Muslime in der Bundesrepublik gilt.
Aiman Mazyek würdigt das Lebenswerk
In einer bewegenden persönlichen Würdigung erinnerte auch der langjährige Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, an die gemeinsamen Anfänge und Schabels jahrzehntelanges Wirken an dieser Institution.
Mazyek betonte, dass er Schabel schon in jungen Jahren bei der Mitorganisation der Islamwochen in Darmstadt erlebt habe und ihn besonders eng mit dem „Haus des Islam“ verbinde, wo Schabel sich zunächst in der Jugendarbeit, später in der Erwachsenenbildung und schließlich viele Jahre als Vorsitzender engagiert habe.
Für unzählige Menschen sei er Lehrer, Ratgeber und Begleiter gewesen, der es verstanden habe, Vertrauen zu schenken und für den Dienst an der Gemeinschaft zu begeistern.Was Schabel laut den Worten Mazyeks jedoch besonders auszeichnete, war seine ruhige, besonnene und aufrichtige Art, bei der er stets erst zuhörte, bevor er sprach, und stets nach Lösungen statt nach Schuldigen suchte.
Er habe Konflikte mit Geduld, Weisheit und großem Respekt geschlichtet sowie dort Brücken gebaut, wo andere trennten. Neben dieser unermüdlichen Vortrags- und Vermittlungstätigkeit drückte der dreifache Familienvater, der mit einer gebürtigen Afghanin verheiratet war, seine Gedanken oft in eigenen Gedichten aus.
Sein plötzliches Ableben löste in den sozialen Netzwerken und Gemeinden eine landesweite Welle der Trauer und der dankbaren Anerkennung für sein Lebenswerk aus.
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