Flotilla-Skandal
Mattner über Ben Gvir: Wie ein beleidigter Türsteher vor einer Dorfdisco

Die „einzige Demokratie im Nahen Osten" hat wieder einen großen Auftritt hingelegt. Diesmal: Israels Polizeiminister Itamar Ben-Gvir.

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Ein Gastkommentar von Susanne Mattner

Die „einzige Demokratie im Nahen Osten“ hat wieder einen großen Auftritt hingelegt. Diesmal: Israels Polizeiminister Itamar Ben-Gvir.

Der Mann, der offenbar dachte: „Wie reagiert man staatsmännisch auf internationale Aktivisten, die auf eine humanitäre Katastrophe aufmerksam machen wollen?“ Vielleicht mit Diplomatie? Mit rechtsstaatlicher Souveränität? Mit irgendeiner Form von Würde?

Nein. Natürlich nicht.

Stattdessen filmt man sich lieber dabei, wie man gefesselte Aktivisten verhöhnt, triumphierend israelische Fahnen schwenkt und sinngemäß erklärt: „Wir sind hier die Hausherren.“ Ein Auftritt irgendwo zwischen Schulhof-Schläger, Fußball-Hooligan und autoritärem Provinzfürsten mit TikTok-Sucht.

Man muss sich das wirklich vorstellen: Menschen sitzen fest, Gaza verhungert, die Welt diskutiert über humanitäre Hilfe — und ein Minister einer angeblichen Vorzeige-Demokratie produziert ein Video, das wirkt, als hätte jemand die Kommentarspalte eines rechtsextremen Telegram-Kanals verfilmt. Aber keine Sorge: Das nennt man vermutlich „westliche Werte“.

Und genau das ist die eigentliche Farce: Wäre ein Minister eines anderen Landes grinsend durch die Gegend gelaufen, während Aktivisten gedemütigt werden, hätten dieselben Medien längst Sondersendungen über autoritäre Entgleisungen produziert. Aber hier? Da heißt es dann: „komplizierte Sicherheitslage.“ Das politische Äquivalent von: „Ja, der Mann hat das Haus angezündet, aber man muss auch seine Perspektive sehen.“

Besonders grotesk ist diese Mischung aus Daueropferrolle und Machtdemonstration. Ein Staat mit einer der stärksten Armeen der Welt benimmt sich gegenüber unbewaffneten Aktivisten wie ein beleidigter Türsteher vor einer Dorfdisco.

Und Ben-Gvir? Der wirkt dabei wie jemand, der Demokratie ausschließlich als die Freiheit versteht, andere öffentlich zu erniedrigen.

Das Beeindruckendste ist fast noch die völlige Abwesenheit jedes politischen Schamgefühls. Früher versuchten Regierungen wenigstens noch, autoritäres Verhalten zu verstecken. Heute wird es offenbar direkt als Social-Media-Content produziert. Mit Fahne. Mit Grinsen. Mit Likes. 

Aber klar: Das ist also die moralische Supermacht, die der Welt permanent erklärt, was Zivilisation bedeutet.

Eine Demokratie, die Aktivisten verspottet, humanitäre Kritik dämonisiert und jede Empathie sofort unter Terrorverdacht stellt — wie beruhigend, dass uns genau solche Leute ständig etwas über Werte erzählen wollen.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


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