USA
Die Märkte schätzen die Fed noch immer falsch ein

Auch wenn sich die US-Inflation verlangsamt, ist sie nach wie vor hoch bzw. beständig, was auch für die Arbeitsmarktdaten gilt.

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von Blerina Uruci

Eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte ist bei der Fed-Sitzung in dieser Woche so gut wie sicher. Die Meinung, dass dies die letzte Zinserhöhung ist und bald Zinssenkungen folgen werden, ist jedoch zu optimistisch. Auch wenn sich die Inflation verlangsamt, ist sie nach wie vor hoch bzw. beständig, was auch für die Arbeitsmarktdaten gilt. Warum sollte die Fed, die mit den schwersten Inflationsproblemen seit Jahrzehnten konfrontiert ist, bereit sein, das Ende der Straffung für diesen Zyklus zu verkünden und das Risiko einzugehen, dass die Daten sie zu einer Kehrtwende zwingen?

Punktdiagramm von März zeigt, warum Vorsicht geboten ist

Unmittelbar nach dem Ausfall der Silicon Valley Bank im März gingen 7 Mitglieder des FOMC davon aus, dass eine weitere Zinserhöhung nach der Mai-Sitzung gerechtfertigt sei. Die neuen Informationen, die wir seit März gewonnen haben, deuten darauf hin, dass: (1) die Kerninflation hartnäckig bleibt, auch wenn energiebezogene Effekte einen deutlichen Fortschritt bei der Gesamtinflation zeigen, (2) die Beschäftigung stark geblieben ist (das Lohnwachstum im ersten Quartal war mit 345.000 höher als im vierten Quartal 2022) und (3) der Druck auf die Banken und die Marktvolatilität im Vergleich zu ihrem hohen Niveau im März nachgelassen hat.

Es ist schwer, den Höchststand der Zinssätze genau zu bestimmen, doch in einigen Punkten können wir uns recht sicher sein: Erstens stehen wir kurz vor dem Ende der Zinserhöhung und zweitens wird die Fed die Zinssätze in diesem Jahr nicht signifikant senken können. Sie wird angesichts der schwächeren Wirtschaftsdaten nicht nachgeben, und der politische Schwenk wird spät erfolgen. 2022 war für mich das Jahr, in dem die Märkte eine zu frühe Zinspause der Fed angenommen hatten, und 2023 könnte sich als das Jahr erweisen, in dem die Märkte eine zu frühe Zinssenkung der Fed einpreisen.

Nach meiner Einschätzung wird die US-Notenbank auch weiterhin den Konjunkturdaten folgend handeln, und die Daten deuten auf eine Pause und nicht auf Zinssenkungen hin.

Die Belastung des Bankensektors ist ein Faktor, der in die Diskussion einfließen wird, aber aus den richtigen oder falschen Gründen wird die Fed wahrscheinlich zu dem Schluss kommen, dass eine Kombination aus den bisher angekündigten Marktmaßnahmen und einem gut kapitalisierten Bankensektor ihr den nötigen Spielraum verschafft, um die Inflation weiter auf das 2 %-Ziel zu senken.

Welche Daten werden nun die Entscheidung der Fed beeinflussen?

Betrachtet man beispielsweise den Verbraucherpreisindex (VPI) und die persönlichen Konsumausgaben (PCE), so zeigt sich, dass sich die Inflation aufgrund von Basiseffekten im Energiebereich deutlich verlangsamt.

Der Arbeitsmarkt beginnt sich zu entspannen. Dies lässt sich an der Zahl der offenen Stellen und der Neueinstellungen ablesen. Ein wichtiger Punkt ist jedoch, dass die Arbeitslosenquote mit etwa 3,5 Prozent immer noch niedrig ist und die wöchentlichen Anträge auf Arbeitslosenhilfe trotz des Anstiegs der Entlassungen niedrig sind.

Eine weitere Verschärfung der Kreditbedingungen wird allgemein erwartet. Die Daten der Senior Loan Officer Opinion Survey (SLOOS) werden nächste Woche veröffentlicht. Die Kreditvergabebedingungen und die Nachfrage nach Krediten haben sich bereits deutlich verlangsamt. Der FOMC wird dies bereits auf seiner Sitzung in dieser Woche erörtert haben, und Jerome Powell wird auf der Pressekonferenz wahrscheinlich Hinweise auf das Ergebnis geben.


Blerina Uruci, US-Chefvolkswirtin bei T. Rowe Price

 

 

 

 


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