Berlin-Anschlag
Deutsch-Armenier hatte Plakate mit „Türkei-Bezug“

In Berlin raste ein Deutsch-Armenier mit einem Auto in eine Menschenmenge. Im Auto des 29-Jährigen wurden Plakate mit Äußerungen „über die Türkei“ gefunden.

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Berlin –  In Berlin raste in den späten Vormittagsstunden ein Deutsch-Armenier mit einem Auto in eine Menschenmenge. Eine Lehrerin erliegt dabei ihren schweren Verletzungen, 14 Schüler werden zum Teil schwer verletzt. Polizeiangaben zufolge wurden  im Auto des 29-Jährigen Plakate mit Äußerungen „über die Türkei“ entdeckt. Medien berichteten zuerst zudem von einem Bekennerschreiben, dies wurde von Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) jedoch dementiert.

Die Lage in Berlin-Charlottenburg ist auch nach Stunden unklar. Ein 29-Jähriger Deutsch-Armenier namens Gor H. raste mit einem silbernen Renault Clio nahe der Gedächtniskirche und dem Ku’damm auf eine Menschenmenge zu. Passanten konnten den Fahrer festhalten, bis die Polizei kam. Er habe dabei einen wirren Eindruck hinterlassen.

Von einer Unfallstelle kann aber kaum die Rede sein. Es ist vielmehr eine Schneise der Verwüstung. Mehr als 200 m wurde der Clio an der Kreuzung zwischen Tauentzienstraße und Rankestraße im Stadtteil Charlottenburg zunächst auf einem Gehweg gelenkt, bevor es in ein Schaufenster eines Geschäfts raste.

Unter den Trümmern lagen danach Verletzte, vor allem eine Reisegruppe einer zehnten Klasse einer Realschule aus dem nordhessischen Bad Arolsen. Die Lehrerin (55) dieser Gruppe wurde dabei schwer verletzt, wie auch ein Lehrerkollege. Sie erlag aber später ihren schweren Verletzungen. 14 weitere Schüler der Gruppe wurden ebenfalls zum Teil schwer verletzt. Die Zahl der Verletzten könnte höher liegen. Viele verließen den Ort panisch.

Ob es sich dabei um einen Unfall oder eine vorsätzliche Tat handelt, dazu wollte die Berliner Polizei bis zur Stunde nichts sagen. Auch einige Stunden nach der Tat blieben die Hintergründe des Vorfalls noch im Unklaren. Ein Augenzeuge geht jedenfalls von einer kontrollierten Fahrt aus und erklärte gegenüber dem SPIEGEL: „Er wusste, was er tut. Er hat immer wieder Gas gegeben, erklärt ein Zeuge des Vorgangs.“

Nach dpa-Informationen wurden im Auto des 29-Jährigen Plakate mit Äußerungen „über die Türkei“ gefunden. Ob das Plakat in Zusammenhang mit dem Unfall steht, wollte weder die Polizei noch Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) kommentieren.

Der Unfallort wurde weiträumig abgesperrt. Die Polizei spricht dabei von Vorsichtsmaßnahmen. Ein SEK-Team verschaffte sich – ebenfalls aus Sicherheitsgründen – am frühen Abend Zutritt zur Wohnung von Gor. H. Die Polizei hat offensichtlich Hinweise darauf, dass die Tat politisch motiviert sein könnte. Sie wollen eine politische Motivation jedenfalls nicht ausschließen. Ein Ermittler sprach gar von einer vorsätzlichen Tat und erklärte gegenüber Reportern: „Auf keinen Fall ein Unfall – ein Amokläufer, ein eiskalter Killer.“

Der Deutsch-Armenier, der seit 10 Jahren in Berlin wohnhaft ist, war nach dpa-Informationen mit einem Auto unterwegs, das seiner älteren Schwester gehört. Er soll der Polizei bereits bekannt gewesen sein, allerdings nicht in Zusammenhang mit Extremismus. Gor H. soll als gewalttätig gelten und soll in der Vergangenheit psychisch auffällig gewesen sein, berichtete der „SPIEGEL“ weiter. Es gebe Hinweise auf eine mögliche Erkrankung.

Nabi Yücel/Berlin

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