Griechenland
NGO der Westthrakien-Türken kritisiert Athen wegen spalterischem Fragebogen für Rekruten

Zivilgesellschaftliche Institution der Westthrakien-Türken wirft griechischem Verteidigungsministerium wegen dem Fragebogen für Rekruten ein „abgekartetes Spiel“ vor. Der Begriff Pomake impliziert keine Religion.

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Von Kemal Bölge

Die Föderation der Westthrakien-Türken in Europa (ABTTF) hat den Online-Fragebogen des griechischen Verteidigungsministeriums für Rekruten scharf kritisiert.

Unter der Rubrik Religion wurde vom Ministerium der Zusatz „Pomakos“ (Pomaken) hinzugefügt, der allerdings keine Religion darstellt, sondern eine ethnische Minderheit ist. Der Präsident der Westthrakien-Türken in Europa, Halit Habiboğlu, bezeichnete die Vorgehensweise des griechischen Verteidigungsministeriums „als abgekartetes Spiel“, um innerhalb der türkischen Volksgruppe unterschiedliche Ethnien oktroyieren zu wollen.

Als Westthrakien-Türken werde man dieses Spiel jetzt und auch in Zukunft nicht mitmachen und nicht erlauben, dass die türkische Volksgruppe in Westthrakien gespalten wird. Das solle von den Regierenden auch so verstanden werden.

Heimtückisches Beispiel zur Leugnung der türkischen Identität

Die westthrakische Zeitung Gündem hatte in einem Beitrag auf den Online-Fragebogen des griechischen Verteidigungsministeriums hingewiesen. Obwohl unter der Rubrik Religion „Musulmanos“ (Moslems) ausgewählt werden kann, hätten die Verantwortlichen den Begriff Pomaken hinzugefügt, der jedoch keine Religion darstelle.

Nach Einschätzung von Habiboğlu ist der Online-Fragebogen ein erneutes heimtückisches Beispiel zur Leugnung der türkischen Identität der türkischen Community in Westthrakien. Während griechische Personalausweise keine Angaben über die Religion des Ausweisinhabers beinhalten, stehe hinter der Verpflichtung von Rekruten zur Religionsmitteilung ein deutliches Fragezeichen.

Der griechische Staat und stellvertretend die Regierung hätten mit dem hinzufügen des Begriffs Pomake, der keine Religion sei, ihre wahren Absichten offengelegt.

Nach der Definition des griechischen Staates gibt es in Griechenland keine türkische Volksgruppe, sondern Griechen muslimischer Herkunft. Schätzungen zufolge beläuft sich die Zahl der türkischen Minderheit in Westthrakien auf circa 150.000 Menschen.

Die Rechte der türkisch-muslimischen Minderheit waren im Lausanner Vertrag geregelt. Eines der größten Probleme der türkischen Minderheit ist die Weigerung Athens, deren ethnische Zugehörigkeit anzuerkennen und stattdessen den Begriff „muslimische Minderheit“ Verwendung findet.

In den 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als die griechisch-türkischen Beziehungen gut waren, verwendeten griechische Behörden die ethnische Titulierung „türkische Minderheit“, allerdings wurde diese Bezeichnung mit dem griechischen Militärputsch des Obristen-Regimes 1967 wieder abgeschafft.

Ab den 80er-Jahren wurden in Griechenland Vereine verboten, die in ihren Satzungen den Begriff „Türkisch“ enthielten, obwohl der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in einem Urteil 2008 diese Praxis untersagte, haben griechische Behörden das Urteil des EGMR) bis heute nicht umgesetzt. Griechenland argumentiert, der Lausanner Vertrag beinhalte lediglich die Bezeichnung „muslimische Minderheit“ und daher sei sie nicht verpflichtet, einen ethnischen Begriff zu verwenden.

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