Wirtschaft
Wirtschaftsaufschwung abgesagt? Deutsche Unternehmer bleiben pessimistisch

Die deutsche Wirtschaft bleibt nicht nur im Jahr 2025 angeschlagen - man geht derzeit auch davon aus, dass es im kommenden Jahr nicht unbedingt besser wird

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Die deutsche Wirtschaft bleibt nicht nur im Jahr 2025 angeschlagen – man geht derzeit auch davon aus, dass es im kommenden Jahr nicht unbedingt besser wird.

Die Wirtschaftsweisen rechnen inzwischen nur noch mit einem Wachstum von gerade einmal 0,9 Prozent. Dass hier dann gleichzeitig die Kritik an der Bundesregierung lauter wird, ist nicht überraschend. Denn viele Experten sehen die Regierung eher als Teil des Problems und nicht als Lösung.

Das Geschäftsklima hat sich verschlechtert

In den Führungsetagen deutscher Unternehmen hat sich die Stimmung im November unerwartet verschlechtert. So ist der Ifo-Geschäftsklimaindex von 88,4 Punkten auf 88,1 Punkte gesunken. Das hat das Münchner Ifo-Institut nach seiner monatlichen Befragung von rund 9000 Manager mitgeteilt.

Die Ökonomen sind im Vorfeld mit einem leichten Anstieg auf 88,5 Punkte ausgegangen. Zwar haben viele Unternehmen ihre aktuelle Lage etwas besser bewertet, doch gleichzeitig haben die Sorgen über die kommenden Monate erneut zugenommen. „Die deutsche Wirtschaft zweifelt an einer baldigen Erholung“, so der Ifo-Präsident Clemens Fuest.

Im Verarbeitenden Gewerbe ist die Entwicklung ebenfalls schwach geblieben. „Insbesondere die Erwartungen bekamen einen deutlichen Dämpfer“, betonte Fuest. Auch Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe fand klare Worte: „Die deutsche Wirtschaft kommt nicht vom Fleck.“ Viele Betriebe haben noch immer Probleme im Bereich der Planungssicherheit und der anhaltende Kostendruck belastet die Produktionsabläufe wie etwa Investitionen.

Ökonomen sparen nicht mit Kritik an der Regierung

Der LBBW-Ökonom Jens-Oliver Niklasch sprach angesichts der aktuellen Datenlage von einer weiteren Enttäuschung. Für ihn sei die leichte Verbesserung der Lageeinschätzung nahezu ohne Bedeutung: „Der Anstieg war minimal und das erreichte Niveau bleibt unterirdisch“, sagte er.

Vom politisch angekündigten „Herbst der Reformen“ sei so gut wie nichts geblieben. „Leider ist die Politik Teil des Problems. Es wäre besser, wenn sie Teil der Lösung werden würde“, so der Analyst.

Ähnlich kritisch äußerte sich Alexander Krüger, der Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank. Er warnte vor den Folgen eines unzureichenden fiskalischen Impulses: „Man möchte sich gar nicht ausmalen, was geschieht, wenn der Schub durch das Fiskalpaket weitgehend ausbleibt.“

Aus seiner Sicht sei es umso wichtiger, dass die Bundesregierung gegen die strukturellen Standortnachteile vorgeht. „Auf den ausgebliebenen Herbst der Reformen darf nicht ein Winter mit Tiefschlaf folgen.“

Viele Experten fordern bereits Maßnahmen, die von geringerer Bürokratie über steuerliche Anreize bis hin zu stabilen Energiekosten reichen. Doch noch hakt es bei der Umsetzung. Tatsächlich hat die Politik in den letzten Jahren mehrmals unter Beweis gestellt, dass auf das falsche Pferd gesetzt wurde. Ein gutes Beispiel mag der deutsche Glücksspielstaatsvertrag sein.

Anfangs war man überzeugt, das bundesweit regulierte Glücksspiel würde sich vorteilhaft für Spieler auswirken, mit der Zeit hat man erkannt, dass die Zahl der Deutschen, die nach Casinos suchen, in denen OASIS nicht aktiv ist, wächst. Denn der deutsche Glücksspielstaatsvertrag beinhaltet abseits von OASIS auch ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000 Euro (plattformübergreifend) sowie auch ein Verbot von Live Casino Spielen.

Unterschiedliche Entwicklung in den Branchen: Einzelhandel ist schwach, Tourismus zieht an

Im Dienstleistungssektor hat sich das Klima etwas gebessert, doch die Erholung verläuft nicht überall gleich. Vor allem im Bereich Transport und Logistik ist es laut Ifo zu einem spürbaren Rückschlag gekommen. Gleichzeitig hat der Tourismus erkennbar zugelegt und aufgezeigt, dass die Reiselust vieler Menschen klar gestiegen ist.

Im Handel hingegen hat sich der Abwärtstrend fortgesetzt. Das Ifo-Institut hat von einem enttäuschenden Start in das Weihnachtsgeschäft berichtet: „Insbesondere der Einzelhandel zeigte sich zu Beginn des Weihnachtsgeschäfts enttäuscht.“ Auch im Baugewerbe hat sich die Stimmung weiter verschlechtert. Die schwache Nachfrage sei dort „ein bestimmender Engpass“, was angesichts hoher Zinsen, teurer Materialien und anhaltender Unsicherheit auch nicht überraschend ist.

Leichte Bewegung, aber keine Trendwende

Nach einem Rückgang der Wirtschaftsleistung im Frühjahr und einer weitgehenden Stagnation im Sommer ist die Bundesbank der Meinung, dass die deutsche Wirtschaft im Schlussquartal 2025 wieder leicht wachsen könnte. Die Hoffnung liegt vor allem auf die staatlichen Mehrausgaben für Infrastrukturprojekte und Verteidigung, die im Jahr 2026 dann zusätzliche Impulse setzen sollen.

Ein kräftiger Aufschwung ist aber noch lange nicht in Sicht. Belastend wirken vor allem die neuen US Zölle, die wichtige Branchen wie Automobilbau und Maschinenbau treffen, sowie auch die zunehmenden Wettbewerbsnachteile im globalen Umfeld. Die exportorientierte Industrie kämpft mit einer schwächeren Nachfrage in vielen internationalen Märkten.

Für viele Ökonomen bleibt das Gesamtbild also unverändert: Die deutsche Wirtschaft steckt fest und eine nachhaltige Erholung ist erst möglich, wenn strukturelle Reformen, Investitionen und eine verlässliche Standortpolitik zusammenkommen. Bis dahin wird es für die Unternehmen und Beschäftigten ein Jahr der Unsicherheiten bleiben.

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