#hotpantsverbot
Hotpantsverbot in Deutschland

Schwarzwald: #hotpantsverbot an Realschule wird zum Twitter-Trendtopic

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Schwarzwald: #hotpantsverbot an Realschule wird zum Twitter-Trendtopic

Horb-Altheim (nex) – Woran lassen sich die heißesten Sommer in Deutschland ohne lange Recherche in Wetterdatenbanken erkennen? Vor allem an den Sommerlochdiskussionen über die Kleidungssitten im Umfeld deutscher Schulen.

Bereits im überdurchschnittlichen Frühsommer 2003 hatte die Leitung der Kooperativen Gesamtschule in Sehnde bundesweite Schlagzeilen gemacht, als sie vor allem Bauchfreitops und Hot Pants an ihrer Schule den Kampf ansagte. „Wegen der Hitze sind einige Schüler sehr offenherzig bekleidet zur Schule gekommen, mit Kleidung, die an allen Ecken und Enden zu kurz war“, hieß es damals in einem Schreiben der Schulleiterin Helga Akkermann an die Eltern der Schülerinnen – die offenbar nicht zu jenen 98 Prozent der NDR-Zuschauer gehörten, die in einem TV-Voting zum Thema für strengere Kleiderordnungen Partei ergriffen.

Ähnlich äußerte man sich nun auch in einem Elternbrief seitens der Schulleitung der Werkrealschule in Horb-Altheim im beschaulichen Schwarzwald, wo es heißt, man habe „gehäuft festgestellt, dass Mädchen der Werkrealschule sehr aufreizend gekleidet sind“. Diese Entwicklung stimme nachdenklich und deshalb habe man beschlossen, dass man fortan „keine aufreizende Kleidung dulden“ werde. Gleichzeitig wolle man eine verbindliche Kleiderordnung erarbeiten. Immerhin wird sichergestellt, dass sich besonders findige Mädels nicht durch besonders unpassende Kleidung zum Schulschluss die eine oder andere Freistunde erschleichen oder Zeit bis zum regulären Unterrichtsende schinden, indem sie sich zum Umziehen nach Hause schicken lassen. Denn: „Wer zu aufreizend gekleidet ist (zum Beispiel bauchfreies Shirt, Hotpants…), der bekommt von der Schule ein großes T-Shirt gestellt, das er/sie sich bis zum Schultagsende anziehen muss“, heißt es weiter in dem Schreiben. Immerhin: Es hätte ja auch ein Pullover sein können.

Im Unterschied zu 2003 sind mittlerweile auch soziale Netzwerke zentrale Elemente des täglichen Lebens und so kam es, wie es kommen musste, und nicht nur der Schwarzwald, sondern der gesamte deutsche Sprachraum hatte sein Aufregerthema – und das zu einem Zeitpunkt, da man ähnliche Aufrufe zur Verhüllung im niederbayerischen Pocking oder im brandenburgischen Michendorf noch gar nicht gänzlich verkraftet hatte. Immerhin verschanzten sich die schulischen Sittenwächter diesmal nicht hinter in Schulnähe einquartierten Flüchtlingen, auf deren Sensibilitäten man Rücksicht nehmen wolle, sondern gab unumwunden zu, dass man Hot Pants und Bauchfreitops selbst nicht sehen wolle. Unter dem Hashtag #hotpantsverbot entbrannte binnen kurzer Zeit eine so heftige Debatte, dass dieser es sogar neben #Varoufakis, #Weltkusstag und #Lufthansa in die Trending Topics schaffte.

Immerhin blieb man weitgehend beim Thema und schweifte nicht auf Nebenschauplätze wie das Abendland oder die Werte der Aufklärung ab. Diesmal trafen klammheimliche oder offene Befürworter des „Hotpantsverbotes“ und Anhänger von Schuluniformen auf Gegner einer solchen Regelung, die darin eine Diskriminierung sahen, da sie allein auf Mädchenkleidung abziele – was ja auch zutrifft: Immerhin ist Conchita Wurst ja nicht mehr schulpflichtig. Auch von „victimblaming“ ist die Rede, denn immerhin sei ja die Trägerin solcher Kleidung nicht für das verantwortlich, was andere darin hineininterpretierten. Und das wohl mit Fug und Recht: Immerhin könnte man halbnacktes Auftreten auch als Hinweis auf viele arme Menschen in der Welt deuten, die sich nichts Anständiges anzuziehen leisten können.

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