Kommentar
Türkei-Krise: Es geht um viel Geld

Frankreich kommt einem Land zu Hilfe, das an der Wand steht und glaubt, von der Türkei bedroht zu werden: Griechenland. Griechenland selbst hat 101 sowjetische BMP-1 Schützenpanzer, die sie von Deutschland erhalten hat, an den ägyptischen Diktator al-Sisi verkauft. Diese werden vermutlich in Libyen eingesetzt und damit auch das Embargo gebrochen; durch Deutschland selbst.

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Ein Gastbeitrag von Nabi YücelFrankreich kommt einem Land zu Hilfe, das an der Wand steht und glaubt, von der Türkei bedroht zu werden: Griechenland. Griechenland selbst hat 101 sowjetische BMP-1 Schützenpanzer, die sie von Deutschland erhalten hat, an den ägyptischen Diktator al-Sisi verkauft. Diese werden vermutlich in Libyen eingesetzt und damit auch das Embargo gebrochen; durch Deutschland selbst.Paris will Athen Fregatten aufschwatzen

Nun zu der ersten Frage, warum Paris, während sie ihre Fregatten in die Badewanne südlich von Europa einsetzt, mit Athen in erneute Verhandlungen um den Kauf von Fregatten der neuen BELH@RRA-Klasse getreten ist.

Offenbar bieten die Franzosen den Griechen diesmal zum „Schnäppchenpreis“ Fregatten an, die wiederum derzeit Streß mit den Türken in der Ägäis und im östlichen Mittelmeer haben. Die Griechen haben zudem eine viel kleinere und veraltete Flotte in der Ägäis, aber auch im östlichen Mittelmeer, während die Türken ihre Flotte erneuert und modernisiert und damit eine schlagkräftige Marine haben.

Das heißt, Paris hat alle Trümpfe in der Hand, um für viel Geld Waffen an Athen zu verkaufen, die erst in einigen Jahren ein griechisches Marinehafen anlaufen werden können. Um den Deal perfekt zu machen, bietet es sich für den Verkäufer an, auf den Nutzen des Kaufs hinzuweisen und dabei auch noch unverhofft Hilfe gegen den „Aggressor“ Türkei anzudeuten.

Das bedeutet, dass die anfängliche, von griechischen Medien gepflegte Euphorie, dass die Franzosen mit einer modernen Flotte Griechenland gegen die Türkei zur Hilfe eilen, bald der Nüchternheit weichen könnte, wenn die Preise weiterhin horrend sind oder der Vertrag ein Knebelvertrag wird und die Griechen diese Lunte riechen.

Doch, die griechischen Medien stimmen das Volk weiterhin ein, sich gegen die Türken zu wappnen und zu bewaffnen. Ob nun diplomatisch mit Hilfe der EU oder durch Kauf von modernen Waffen, um sich gegen die „Aggressoren“ zur Wehr zu setzen.

Es gibt aber ein Problem: Auch Washington will Athen Fregatten aufbinden. Nun stehen sich zwei mächtige Verkäufer gegenüber, die einen in bedrängnis geratenen Käufer zur Hilfe eilen, bzw. vorgeben das zu tun. Man kann sich schon jetzt ausmalen, wie dieses Geschäft am Ende ausgeht.

Deutsche BMP-1 brechen das EU-Waffenembargo

Ein anderes Geschäft bringt jetzt die Bundesregierung in Erklärungsnot. 1994, nach der Wiedervereinigung, erhielt Athen von Berlin insgesamt 501 robuste sowjetische BMP-1 Schützenpanzer aus dem Bestand der ehemaligen Nationalen Volksarmee der DDR.

Davon verkaufte Griechenland offenbar 101 an Ägypten weiter. In der Vergangenheit hatte die Athener Regierung bei ähnlichen Deals vorab in Deutschland um eine Genehmigung gebeten. Ob bei diesem Deal mit 101 BMP-1 Schützenpanzer ebenfalls eine deutsche Genehmigung eingeholt wurde, das steht nun im Raum. Man darf dahingehend gespannt sein, zumal die Bundesregierung behauptet, es wäre viel Zeit vergangenen.

Der Deal zwischen Griechenland und Ägypten ist aber nicht so lange her. September 2016 soll laut arabischen Quellen der Vertrag zwischen Athen und Diktator al-Sisi zustande gekommen sein. Mit diesem Vertrag wurde auch eine Modernisierung der Schützenpanzer vereinbart. Demnach soll im August 2019 eine weitere Vereinbarung getroffen worden sein, 92 BMP-1 Schützenpanzer innerhalb von 26 Monaten zu modernisieren und sie von Infanterie-Schützenpanzer auf Panzermörser umzurüsten.

Das ganze Prozedere fand offenbar auch öffentlich statt, denn das griechische Beschaffungsamt (GDDIA – General Directorate for Defense Investments and Armements) hatte diese Vereinbarung samt Ausfuhrgenehmigung Online veröffentlicht, dann aber aus dem Netz genommen, so die arabischsprachigen Medien. Die GDDIA bezeichnete diesen Vorgang laut dieser Meldung als irrtümliches veröffentlichen von internen Dokumenten.

Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, in welchen Krisenherden diese Kampfpanzer nun eingesetzt werden können oder gar schon eingesetzt werden: Libyen. Da trifft man sich wieder: Türkei.

Die Türkei hat sich offenbar zu einem Verkaufsmagneten entwickelt, wo viel Geld im Spiel ist.


Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.


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