Köln
Nach tödlichem Angriff: Melderegister soll Leben retten

Nachdem ein Mitarbeiter der Kölner Stadtverwaltung bei einem Außentermin getötet worden war, planten Oberbürgermeisterin Henriette Reker und die Stadtverwaltung ein neuartiges Melderegister, um solche Fälle künftig zu verhindern.

Teilen

Nachdem ein Mitarbeiter der Kölner Stadtverwaltung bei einem Außentermin getötet worden war, planten Oberbürgermeisterin Henriette Reker und die Stadtverwaltung ein neuartiges Melderegister, um solche Fälle künftig zu verhindern. Jetzt ist das Register einsatzbereit. Das berichtet der „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Es heißt „Zemag“ und soll Leben retten. Zumindest aber sollen städtische Mitarbeiter künftig vor Verletzungen und gefährlichen Situationen bewahrt werden. Das „Zentrale Melde- und Auskunftssystem bei Gefährdungen von Mitarbeitern“ ist nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ die Antwort der Stadt auf den tödlichen Messerangriff eines mutmaßlich psychisch kranken Mannes.

Der hatte vor vier Monaten in Dünnwald einen Mitarbeiter der Stadtkämmerei getötet, der ihn zuhause aufgesucht hatte, um Schulden bei ihm einzutreiben. Kurz nach der Tat hatte Reker angekündigt, ein internes und ämterübergreifendes Meldesystem einführen zu wollen, um solche Vorfälle künftig zu verhindern. „Zemag“ sei nun „eine weitere Maßnahme zur Erhöhung der Mitarbeitersicherheit“, sagte Reker.

Stadtdirektor Stephan Keller betont, das System ergänze bereits bestehende Vorkehrungen wie die Besuchersteuerung, Sicherheitsschulungen oder Abfragen bei der Polizei. Hätte es ein System wie „Zemag“ schon gegeben, hätte sich der getötete Außendienstler vor seinem Einsatz in Dünnwald informieren können, ob der betreffende Schuldner in der Vergangenheit bereits aggressiv oder handgreiflich gegenüber Mitarbeitern der Stadt geworden war.

In diesem Fall wäre der Kämmereimitarbeiter fündig geworden: Der mutmaßliche Täter aus Dünnwald hatte Monate vor der tödlichen Attacke mit einem Schraubendreher einen psychiatrischen Sachverständigen und eine Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes angegriffen. Der Außendienstler wäre gewarnt gewesen und hätte zum Beispiel die Polizei um Begleitung bei dem Hausbesuch bitten können. „Zemag“ ist eine Datenbank, in die sämtliche Mitarbeiter der Stadt Köln Informationen über gefährlich verlaufene Einsätze und mutmaßlich gefährliche Personen einspeisen können.

Erfasst werden sollen solche Ereignisse, bei denen das Gegenüber mindestens mit einer Sachbeschädigung, mit Bedrohung, körperlicher Gewalt oder Nötigung aufgefallen ist. Ausschließlich verbal aggressives Verhalten, eine Beleidigung etwa, oder schlicht distanzloses Verhalten wie Duzen liegen dagegen unterhalb der Eintragungsschwelle und werden somit nicht eigens erfasst. Vorgesetzte sollen die Eingaben ihrer Mitarbeiter prüfen, um einerseits informiert zu sein über die jeweiligen Vorfälle, um aber andererseits auch das Meldesystem vor leichtfertiger Nutzung zu schützen.

Das bei der Stadtverwaltung angesiedelte Zentrum für Kriminalprävention und Sicherheit ist für die Qualitätssicherung verantwortlich. Die Datenschutzrichtlinien würden streng beachtet, heißt es. Zugriff auf die „Zemag“-Daten haben alle Mitarbeiter von Ämtern mit Kundenkontakt.

Auch interessant

Israel verklagt New York Times wegen Vergewaltigungs-Bericht

New York/Jerusalem – Drei Tage nach Erscheinen eines erschütternden Berichts über systematische sexuelle Gewalt gegen palästinensische Gefangene in israelischen Hafteinrichtungen — darunter der dokumentierte...

Anzahl der Schutzsuchenden um fast die Hälfte gesunken

Berlin - Zum Jahresende 2025 waren in Deutschland rund 3,2 Millionen Menschen als Schutzsuchende im Ausländerzentralregister (AZR) erfasst. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, waren...

90. Geburtstag: Bürgermeisterin Westermann ehrt Osnabrücker Urgestein Ramazan Çığır

Von Yasin Baş Eine besondere Ehrung für ein besonderes Leben: Osnabrücks Bürgermeisterin Eva-Maria Westermann (CDU) besuchte als Vertreterin von Oberbürgermeisterin Katharina Pötter (Grüne) Ramazan Çığır...

Palästina: Zum Jahrestag der Erdmordung von Shireen Abu Akleh

Ramallah/Washington – Heute, am 11. Mai 2026, jährt sich die Ermordung der palästinensisch-amerikanischen Al-Jazeera-Journalistin Shireen Abu Akleh durch israelische Soldaten zum vierten Mal. Sie wurde...

Türkisches Bogenschießen: Neuer Verein für Duisburg geplant

Von Yasin Baş Der 45-jährige Mustafa Çığır, gebürtiger Duisburger mit familiären Wurzeln in der Türkei, ist weit mehr als ein erfahrener Automobilingenieur. Neben seiner 20-jährigen Karriere...

Headlines

Susanne Mattner zur Israel-Klage gegen die New York Times

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner Israel verklagt die New York Times. Der Grund: Der Pulitzer-Preisträger Nicholas Kristof hatte in einem...

Kuba an USA: Wenn wir sterben, dann sterben wir

Havanna/Washington – Die Spannungen zwischen den USA und Kuba haben ein neues Niveau erreicht. Lianys Torres Rivera, Kubas ranghöchste...

Sánchez zum ESC-Boykott: „Auf der richtigen Seite der Geschichte“

Madrid – „Este año no estaremos en Eurovisión" — dieses Jahr werden wir nicht bei Eurovision dabei sein. Mit...

Israel verklagt New York Times wegen Vergewaltigungs-Bericht

New York/Jerusalem – Drei Tage nach Erscheinen eines erschütternden Berichts über systematische sexuelle Gewalt gegen palästinensische Gefangene in israelischen...

Meinung

Susanne Mattner zur Israel-Klage gegen die New York Times

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner Israel verklagt die New York Times. Der Grund: Der Pulitzer-Preisträger Nicholas Kristof hatte in einem aufwendig recherchierten Artikel dokumentiert, wie...

Kuba an USA: Wenn wir sterben, dann sterben wir

Havanna/Washington – Die Spannungen zwischen den USA und Kuba haben ein neues Niveau erreicht. Lianys Torres Rivera, Kubas ranghöchste Diplomatin in Washington, hat in...

Geleceğin Cumhurbaşkanı: Hakan Fidan

Polat Karaburan Recep Tayyip Erdoğan, yarım asrı aşkın bir süredir Türkiye’nin siyasi hayatına yön veriyor. 1976 yılında merhum Necmettin Erbakan’ın siyasi hareketinde filizlenen bu yolculuk,...

Wall Street Journal: Türkiye’nin durdurulması gerekiyor

Konuk Yazar: Özgür Çelik Bradley Martin tarafından kaleme alınan ve 4 Mart 2026 tarihinde Wall Street Journal'da yayımlanan "Türkiye'yi Dizginlemek İçin Acil Bir İhtiyaç" (An...

The Economist: Erdoğan, Müslüman dünyasının en popüler politikacısı

Londra - Neredeyse iki milyar insandan oluşan devasa ve çeşitlilik arz eden bir topluluk olan küresel Müslüman topluluğu Umma/Ümmet içinde, birleştirici bir temsilci arayışı...