Meinung
Kommentar: „Meldungen über TRT Deutsch sorgen für Schwerstarbeit meiner Lachmuskeln“

"Der öffentlich-rechtliche türkische Rundfunk TRT Deutsch bekommt derzeit in deutschen Gefilden die ganze geballte Ladung an propagandistischem Mist ab. Die Meldungen sorgen für Schwerstarbeit meiner Lachmuskeln." Ein Kommentar.

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Ein Gastkommentar von Nabi Yücel

Deutschland und die moralische Enthemmung II.

  • Der öffentlich-rechtliche türkische Rundfunk TRT Deutsch bekommt derzeit in deutschen Gefilden die ganze geballte Ladung an propagandistischem Mist ab. Die Meldungen sorgen für Schwerstarbeit meiner Lachmuskeln.
  • In Afrin explodiert mitten in der nordsyrischen Stadt Afrin eine Autobombe. Ein deutscher Journalist quittiert die Meldung im sozialen Netzwerk Twitter mit Anerkennung. Ich weiß nicht wie ich das kommentieren soll.
  • Deutsche Medien warnen seit gefühlt 100 Jahren die Türken vor weiteren Zinssenkungen, die Erdogan angeblich aufgrund seiner Religiosität vorantreibe. Der Leitzins in der Türkei beträgt derzeit rund 11 Prozent, während die EZB und damit die Bundesbank mit einer 0 Prozent-Offerte die Inflationsgefahr bändigen will. Bin ich der einzige, der darin eine Unplausibilität erkennt?
  • Nur zwei Tage nachdem sich der FDP-Abgeordnete Thomas Kemmerich auch mit den Stimmen der AfD zum thüringischen Ministerpräsidenten wählen ließ und einen Tag nachdem der Ministerpräsident seinen Rücktritt erklärt hatte, traten bei der ARD-Sendung „Anne Will“ alle Parteien zusammen, darunter auch die AfD, vertreten durch Alice Weidel. Heuchelei ist das.

Die Propaganda eines TAZ-Redakteurs

In Deutschland gibt es gleich drei öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten, die die internationale Politik nach eigenem Gusto gestalten wollen: die ARD, das ZDF sowie die Deutsche Welle. Sie alle versuchen im offen propagandistischen Format die globale Meinung zu beeinflussen.

ARD und ZDF nehmen die Ausländer in Deutschland aufs Korn, während die DW im Ausland die deutsche Meinungshoheit etablieren soll. Selbstverständlich sind noch andere Blätter und Online-Portale beteiligt, darunter die TAZ mit taz.gazete, die die Türken im Land „informieren“ wollen. Alle wollen bei ihrem Wirken die globale Deutungshoheit zugunsten der eigenen Regierung, Gesellschaft oder Kultur erlangen.

Wenn nun ein Redakteur der TAZ namens Volkan Agar meint, der TRT Deutsch mit Seitenhieben beizukommen, dann ist er selbst ideologisch korrumpiert. Wenn man als Beispiel für das propagandistische Wirken der TRT die Wahl in der Türkei nimmt und dabei auf die geringe Sendezeiten der Oppositionsparteien verweist, ist er auf dem einem Auge blind, oder besser gesagt, er hat den Hirnschmalz nicht gründlich durchgerührt. Wenn die türkische Opposition während der Präsidentschaftswahlen 2018 in der TRT zu kurz kam, dann heißt das nicht automatisch, dass der Sender die Opposition aktiv behindert hat.

Vielmehr nutzte die Opposition die anderen TV- und Radiokanäle, um Wahlkampf zu betreiben und setzte nicht auf die wenig besuchte TRT. Das hat auch einen simplen Grund: während die TRT mit allen ihren Unterprogrammen einstellige Ratingraten erzielt, teilen sich die anderen privaten Sender den Rest der Zuschauerzahlen.

Die Hausaufgaben hatte die Opposition also gemacht und gleichzeitig mit dieser Methode die TRT und damit Erdogan in Misskredit gebracht. So funktioniert Wahlkampf auch. So ist es auch nicht verwunderlich, dass zu besten Sendezeiten die Oppositionsanwärter zur Sprache kamen, im kleinen TV-Sender TV8 sogar alle Oppositionelle während der TV-Sendezeiten zu „Survivor 2018“ in allen Werbeeinblendungen zu Wort kamen, bis man als Zuschauer die Flucht nur durch Wegzappen antreten konnte.

Wenn also Volkan Agar meint, die TRT habe „eine gewisse politische Befangenheit“ offenbart, dann kann man das mit gutem Gewissen als propagandistischen Mist bezeichnen.

Das Gewissen eines Aktivisten

Journalismus war mal ein ehrenwerter Beruf und wie jeder Beruf wird es von manchen schwarzen Schafen in Verruf gebracht. In Zeiten von ideologischen Grabenkämpfen findet man immer wieder Journalisten, die ihren Aktivismus zu kritischen Themen offenbaren.

Jüngst scrolle ich mich im sozialen Netzwerk Twitter durch die Meldungen durch und bleibe bei einem völkisch-kurdischen Aktivisten stehen, der die Szene einer explodierten Autobombe mitten in einer belebten Straße teilt und ein Kommentar dazu abgegeben hat.

Wie man weiß – sofern man die völkisch-kurdischen PKK-Meldungen und Verlautbarungen mitbekommen hat, wollte die PKK die Schmach von Afrin nicht auf sich sitzen lassen und hatte großkotzig angekündigt, die „Besatzer“ wie auch alle „Zivilisten“, die die „Besatzung“ sozusagen wohlwollend hingenommen haben, als Feind zu betrachten. Das heißt konkret, dass man Feinde „eliminiert.“

Das passiert des Öfteren derzeit mit Autobomben, Selbstmordanschlägen und Kidnapping, die in extralegalen Hinrichtungen durch PKK-Terrorzellen enden. Das ist zwar nach internationalem Recht oder humanitären Gesichtspunkten verwerflich, verbrecherisch oder terroristisch, aber was interessiert das einen deutschen Journalisten, der die Meldung anerkennend mit „Gefällt mir“ markiert.

Die völkisch-kurdischen Dreibuchstaben-Terrororganisationen YPG, SDF oder PKK vergießen für ihre linksdrehenden fünfzackigen roten Stern so lange Zivilistenblut, bis sie ihr Ziel erreicht haben. Und wem gefällt das? Frank Nordhausen, einer, der für seinen Aktivismus für den völkisch-kurdischen Separatismus bekannt ist. Diese Seite von Nordhausen wollte ich nicht kennenlernen.

Hier stinkt es nach Scheiße!

Gefühlt 100 Jahre, genauer gesagt, seit 2016, wird die türkische Regierung für ihre Niedrigzins-Politik kritisiert. War der Leitzins der türkischen Notenbank im Jahre 2002 bei rund 62 Prozent, lag sie im August 2013 bei 7,25 Prozent, Juni 2017 bei 16,5 Prozent und liegt heute bei rund 12 Prozent.

Ich kann mich aber nicht daran erinnern, dass die deutsche Presse sich nach 2002, also mit Regierungsantritt der AKP oder mit Amtserhebung von Erdogan zum Ministerpräsidenten, sich so rührend Sorgen um den türkischen Leitzins gemacht hat. Aber seit 2016 ist der türkische Leitzins in deutschen Grundschulen bekannter als die Bundeskanzlerin dieser Republik, nach Erdogan selbst.

Der türkische Leitzins war also 2013 auf einem noch niedrigeren Level als heute, aber damals wollte oder konnte man keine Inflation ausmachen, stattdessen wunderte man sich über die stetigen Zuwachsraten der Wirtschaftsleistung. Seit 2016 bis in die Gegenwart hat man in der deutschen Medienlandschaft die türkische Leitzinspolitik im Visier, als gehe es um die eigene Zinspolitik und um die eigene Zukunft.

Die eigene Zukunft der Leitzinsen ist an die Europäische Zentralbank gebunden, sprich, wenn die EZB demnächst sogar Kredite honoriert, Sparer abstraft, damit die Wirtschaft angekurbelt wird, dann kann man davon ausgehen, dass die EU-Wirtschaft demnächst kollabieren wird. Ich würde mir als Deutscher also eher sorgen um die heimische Wirtschaft und Geldpolitik, als um die der Türkei machen.

An Heuchelei kaum zu überbieten!

Nachdem sich der FDP-Abgeordnete Thomas Kemmerich auch mit den Stimmen der AfD zum thüringischen Ministerpräsidenten wählen ließ und einen Tag danach aufgrund der heftigen Schnappatmung der Linken, SPD, CDU und Grünen, seinen Rücktritt bekannt gab, trafen drei Tage später bei der ARD-Sendung „Anne Will“ alle Parteien zusammen, darunter auch die AfD.

Wir erinnern uns: Die Linke warf Thomas Kemmerich nach der Wahl im Thüringer Landtag den Glückwunschstrauß vor die Füße. Die Bundes-CDU ruderte wie wild zurück und forderte Neuwahlen, um sich von der AfD zu distanzieren. Die SPD und Grünen teilten als Berufsschnappatmer mächtig gegen die AfD und FDP sowie CDU aus. Aber nur Tage später sitzen als Vertreter dieser Parteien Peter Altmaier (CDU), Kevin Kühnert (SPD) und Sahra Wagenknecht (Die Linke) mit Alice Weidel (AfD) sowie Wolfgang Kubicki (FDP) in der ARD-Takshow „Anne Will“ an einem Tisch und tratschen über den Wahlausgang.

Etwas Gesicht wahren, mehr Anstand und Rückgrat würde jedem gut stehen. Jetzt verstehe ich die Politikverdrossenheit in Deutschland!


Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.


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