Katar-Krise
Nach Saudi-Blockade: Katar deckt mittlerweile Milch- und Geflügelbedarf selbst

Das kleine, aber wohlhabende Land steht seit Juni 2017 unter einem Handels- und Reiseboykott durch Saudi-Arabien und seinen Verbündeten. Dadurch wurde Katar gezwungen, seine Wirtschaft, die einst stark von den Golfstaaten abhängig war, umzugestalten.

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Doha – Die Vereinigten Arabischen Emirate, Ägypten und Bahrain hatten im Juni 2017 den Handel sowie Reisen nach Katar verboten und die Grenzen geschlossen, um Importe zu stoppen, auf die das Land angewiesen war. Das Land stärkte daraufhin seine Milch- und Tierproduktion und sein Programm zur Nahrungssicherung. Katar ist der weltweit führende Exporteur von Flüssiggas, aber ein Nettoimporteur von fast allen anderen Gütern. Das kleine, aber wohlhabende Land steht seit Juni 2017 unter einem Handels- und Reiseboykott durch Saudi-Arabien und seinen Verbündeten. Dadurch wurde Katar gezwungen, seine Wirtschaft, die einst stark von den Golfstaaten abhängig war, umzugestalten.„Was ist, wenn die Saudis und die Emiratis ihren Luftraum für uns schließen und wir daher keine Produkte mehr importieren können? Wir werden selber produzieren.

Schau dir das an“, so Polizist Nasir Ali gegenüber der Deutsche Welle. „Sie beschuldigen uns, Terroristen zu unterstützen. Was ist mit Khashoggi?“ Wer hat Khashoggi getötet? Die Saudis töten ihre eigenen Leute. Wir lieben unseren Emir“, sagt Ali weiter.

Kurz nach der Verhängung des Boykotts entwickelte Doha neue Handelsrouten, um seine ehemaligen Golfpartner zu ersetzen. Ende 2017 eröffnete sie einen 7,4 Milliarden Dollar teuren Hafen, der zu einem regionalen Verkehrsknotenpunkt werden soll.

Zwei Jahre nachdem der katarische Milchproduzent Baladna Tausende von Milchkühen unter anderem aus Deutschland importierte, um das Handelsembargo zu umgehen, hat das Unternehmen nun seine ersten Exporte getätigt. Baladna erhielt seine ersten Kühe einen Monat nach dem Boykott und richtete eine riesige Milchfarm ein. Das Unternehmen decke nun bereits mehr als die Hälfte des Milchbedarfs von Katar und exportiere nun sogar nach Afghanistan, Jemen und Oman und bald auch nach Libyen.

„Katar nach dem 5. Juni 2017 ist nicht wie Katar davor“, sagte Baladna-Kommunikationsdirektor Saba al-Fadala und bezog sich auf den Beginn des Boykotts. „Wir wollen und brauchen niemanden mehr.“ Im April 2019 brachte Baladna zudem eine Linie von Fruchtsäften auf den Markt. Die schnelle Expansion von Baladna zeige, dass das Embargo die Wirtschaft Katars gestärkt habe, so Katars Regierungsvertreter gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Das Ziel sei, lokale Produzenten zu fördern.

Die Gemüseproduktion steigt seit Mitte 2017 um rund 20 Prozent auf rund 66.000 Tonnen pro Jahr und wird voraussichtlich im nächsten Jahr um 20.000 bis 40.000 Tonnen steigen, wenn neue Betriebe ans Netz gehen, sagte Sheikh Faleh Bin Naser Al Thani, ein Agrarbeamter im Ministerium für Gemeinde und Umwelt, der Reuters. Vor der Blockade habe Katar noch 80 Prozent seines Milch- und 90 Prozent seines Geflügelbedarfs importieren müssen. Heute decke das Land seinen Bedarf selbst. In den Supermärkten Katars sind nun Marken wie Mazzraty, das im Januar die größte Geflügelfabrik des Landes eröffnete, neben „Qatar Farms“, das einheimisches Obst und Gemüse produziert, zu finden.

„Wir machen das großartig. Uns hätte nichts Besseres passieren können. Ich bin kein Händler mehr. Ich bin die Agentur für unsere Importe“, so Ibrahim al-Emadi, Mitglied der zweitreichsten Familie Katars und Cousin des Finanzministers des Landes, gegenüber der Deutsche Welle.

(DW, Reuters, AA)

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