Türkisch-israelische Beziehungen
Rom: Türkei und Israel einigen sich auf Normalisierung der Beziehungen

Entschädigung für Angehörige der Mavi-Marmara-Toten, stärkere humanitäre Präsenz der Türkei in Gaza: Das sind zwei wesentliche Punkte der Vereinbarung. Der türkische Premierminister Yıldırım will im Laufe des Tages noch weitere Details präsentieren.

Teilen

Rom (nex) – Die Türkei und Israel haben sich nach sechs Jahren offenbar endgültig auf eine Normalisierung ihrer Beziehungen geeinigt. Der türkische Premierminister Binali Yıldırım soll sich im Laufe des Montags im Rahmen einer Pressekonferenz noch genauer zu den Einzelheiten der Vereinbarung äußern. Am Mittwoch soll die Einigung auch vom israelischen Sicherheitskabinett abgesegnet werden. Derzeit soll sich auch der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu in Rom aufhalten.

Offiziell noch nicht bestätigten Angaben zufolge habe Israel sich bereiterklärt, türkische Bedingungen für eine Wiederaufnahme normaler diplomatischer Beziehungen zwischen den Ländern zu erfüllen. So soll es eine Entschädigung in Höhe von 20 Millionen US-Dollar für die Familien der Toten auf dem Mavi-Marmara-Schiff geben, das 2010 von israelischen Sicherheitskräften gestürmt worden war. Auch soll der Türkei eine stärkere humanitäre Präsenz im Gazastreifen ermöglicht werden, der seit 2007 einem Embargo durch die israelische Regierung unterliegt. Die Türkei soll künftig dazu ermächtigt sein, humanitäre Hilfe nach Gaza zu schicken und Infrastrukturprojekte inklusive der Errichtung von Wohnhäusern in Gaza umzusetzen. Einem höheren Offiziellen zufolge, der mit der Nachrichtenagentur Anadolu sprach, soll auch ein 200 Betten fassendes Türkisch-Palästinensisches Freundschaftshospital im Gazastreifen errichtet werden können. Zudem sollen die jeweiligen Botschafter wieder zurückkehren.

Die Vereinbarung ändere jedoch nichts am Status der Hamas, die 2006 im wenige Monate zuvor von Israel geräumten Gazastreifen die Macht ergriffen hatte und die von Israel als terroristische Organisation eingestuft wird. Die Türkei soll auch in einem gesonderten Abkommen zugesagt haben, sich für die Rückführung der Leichen zweier im Gazastreifen vermisster und wahrscheinlich getöteter israelischer Soldaten einzusetzen. Die Eltern der Betroffenen hatten zuvor gefordert, dieses Thema mit in das Versöhnungsabkommen aufzunehmen. Die Beziehungen zwischen der Türkei und Israel lagen seit 2010 auf Eis, nachdem neun türkische Staatsangehörige und ein US-Amerikaner bei Zusammenstößen zwischen Gaza-Aktivisten und israelischen Einsatzkräften auf dem Gaza-Solidaritätsschiff Mavi Marmara getötet worden waren.

Die Aktivisten auf dem Schiff hatten versucht, die Gaza-Blockade, die infolge der Machtergreifung durch die Hamas verhängt worden war, zu durchbrechen. Daraufhin hatten israelische Sicherheitskräfte das Schiff gestürmt. Nach Vermittlung durch US-Präsident Barack Obama hatte sich Israels Premierminister Benjamin Netanjahu im März 2013 beim damaligen türkischen Premierminister und heutigen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan für „Fehler“ entschuldigt, die zu den Todesfällen geführt hätten.

Auch interessant

Israel: Fake-Thinktank soll KI-Chatbots beeinflussen

Tel Aviv - Die Methode der KI-Beeinflussung: Wie ein fiktives Institut den Diskurs steuern sollte Eine mutmaßlich von der israelischen Regierung finanzierte Einflussoperation soll versucht...

Schauspieler Cem Yılmaz nach Herzinfarkt im Krankenhaus

Çanakkale - Der türkische Komiker und Schauspieler Cem Yılmaz ist nach einem Herzinfarkt in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Der 52-Jährige wurde nach Angaben des...

Mattner: „Ihr dürft eure Meinung sagen, wir dürfen sie scheiße finden“

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner Heute möchte ich mal etwas deutlicher werden. Ganz im Stil meiner Ruhrpott-Herkunft. Also ohne Samthandschuhe, ohne diplomatisches Geschwurbel und mit...

Susanne Mattner: Parallelen zwischen AfD und NSDAP

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner Ich habe mir gestern den Film „Nürnberg“ (2026) angeschaut. Und dieser Film bedrückt mich auf zwei ganz unterschiedliche Arten. Zum einen...

Ökonomin Schnitzer hält VW für „nicht mehr innovativ genug“

Osnabrück - Die Ökonomin Monika Schnitzer sieht den Abbau von Tausenden VW-Stellen in Deutschland als notwendigen Versuch, das Unternehmen neu aufzustellen. Der "Neuen Osnabrücker...

Headlines

Israels „Knochenbrecher-Politik“ von 1988 und das Erbe der Gewalt

Ein Gastkommentar von Michael Thomas Ein CBS-Video aus dem Jahr 1988, das zeigt, wie israelische Soldaten die palästinensischen Cousins Wael...

Israel: Fake-Thinktank soll KI-Chatbots beeinflussen

Tel Aviv - Die Methode der KI-Beeinflussung: Wie ein fiktives Institut den Diskurs steuern sollte Eine mutmaßlich von der israelischen...

Michael Thomas: „Wir brauchen Israel“

Ein Gastkommentar von Michael Thomas Die ganze Welt arbeitet sich derzeit an Israel ab. Es sind große Emotionen, Empörung, Wut,...

Präsident Al-Scharaa bezahlt erstmals mit Visa-Karte

Damaskus - In einem symbolträchtigen Akt hat Syriens Präsident Ahmad al-Scharaa in einem Café in der Altstadt von Damaskus...

Meinung

Israels „Knochenbrecher-Politik“ von 1988 und das Erbe der Gewalt

Ein Gastkommentar von Michael Thomas Ein CBS-Video aus dem Jahr 1988, das zeigt, wie israelische Soldaten die palästinensischen Cousins Wael und Osamah Joudeh schlagen, ist...

Schauspieler Cem Yılmaz nach Herzinfarkt im Krankenhaus

Çanakkale - Der türkische Komiker und Schauspieler Cem Yılmaz ist nach einem Herzinfarkt in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Der 52-Jährige wurde nach Angaben des...

The Economist: Erdoğan, Müslüman dünyasının en popüler politikacısı

Londra - Neredeyse iki milyar insandan oluşan devasa ve çeşitlilik arz eden bir topluluk olan küresel Müslüman topluluğu Umma/Ümmet içinde, birleştirici bir temsilci arayışı...

Geleceğin Cumhurbaşkanı: Hakan Fidan

Polat Karaburan Recep Tayyip Erdoğan, yarım asrı aşkın bir süredir Türkiye’nin siyasi hayatına yön veriyor. 1976 yılında merhum Necmettin Erbakan’ın siyasi hareketinde filizlenen bu yolculuk,...

Rapor: Afrika Gençliği Ruh Sağlığında Dünya Lideri

Londra - Maddi refah, ruh sağlığının garantisi değil. Şubat 2026 sonunda yayımlanan yeni bir küresel rapor, zihinsel esenlik haritasını temelden sarstı. İngiltere, Japonya ve Yeni...