Istanbul – Unter dem Radar der großen Medienlandschaft hat Präsident Recep Tayyip Erdoğan bereits im Oktober 2025 eine weitreichende Entscheidung getroffen. In den sozialen Netzwerken kursierten zuletzt viele Gerüchte und Halbwissen. Kritiker sprachen von „Fake News“, doch die Fakten sprechen eine andere Sprache.
Ein neues Dekret (Nr. 10476) sorgt für eine historische Wende auf dem türkischen Arbeitsmarkt. Bürger aus den Staaten der Türkischen Welt sollen künftig fast wie Einheimische behandelt werden – doch die Umsetzung sorgt noch für Verwirrung.
Eine Nation, viele Staaten: Türkei öffnet Arbeitsmarkt für die Türkische Welt
Was lange als kühne Vision galt, nimmt im Januar 2026 konkrete Formen an. Die Türkei macht Ernst mit der Idee einer „Türkischen Union“. Ein wegweisendes Dekret von Präsident Erdoğan und die strategische Neuausrichtung der Organisation der Türkischen Staaten (OTS) markieren den Beginn einer neuen Ära:
Bürger aus Aserbaidschan, Kasachstan und anderen Bruderstaaten rücken rechtlich näher an die türkische Staatsbürgerschaft als je zuvor.
Schluss mit dem „Henne-Ei-Problem“
Bisher standen Bürger aus Aserbaidschan, Kasachstan, Kirgisistan oder Usbekistan vor einer unüberwindbaren Mauer: Wer in der Türkei arbeiten wollte, brauchte eine Arbeitserlaubnis. Diese wurde aber meist nur erteilt, wenn man bereits ein festes Jobangebot hatte.
Gleichzeitig durften viele Arbeitgeber niemanden einstellen, der nicht bereits über Papiere verfügte. Zudem galt die „5-zu-1-Quote“: Pro Ausländer mussten fünf türkische Staatsbürger beschäftigt sein.
Das neue Dekret bricht dieses System auf. Die entscheidende Neuerung für 2026:
- Wegfall der Quoten: Für Personen, die offiziell als „Türk Soylu“ (türkischstämmig) anerkannt werden, greift die 5-zu-1-Regel nicht mehr. Arbeitgeber können sie nun ohne diese bürokratische Hürde einstellen.
- Priorisierte Bearbeitung: Das Arbeitsministerium und die Sozialversicherung (SGK) wurden angewiesen, die Verfahren für diesen Personenkreis zu radikalisieren und zu vereinfachen.
Wer gilt als „Türk Soylu“?
Hier liegt der Clou: Das Gesetz Nr. 2527 wurde so angepasst, dass nun der Präsident direkt per Dekret festlegen kann, welche Volksgruppen und Gemeinschaften unter diesen privilegierten Status fallen. Dies umfasst nicht nur Staatsbürger der TDT-Staaten (Organisation der Türkischen Staaten), sondern auch Gemeinschaften wie die Ahıska-Türken, Krimtataren oder Uiguren.
Behörden-Synchronisation im Gange
Warum wissen viele noch nichts davon? Obwohl das Gesetz seit Oktober 2025 in Kraft ist, findet aktuell (Januar 2026) die technische Synchronisation zwischen der Migrationsbehörde (Göç İdaresi) und dem Sozialversicherungs-System (SGK) statt.
Wichtig für die Praxis: Man benötigt weiterhin ein gültiges İkamet (Aufenthaltserlaubnis). Doch dieses İkamet ist nun für „Türk Soylu“ viel leichter zu bekommen, da die Arbeitssuche ausdrücklich als Grund anerkannt wird.
Die Vision der Türkischen Union
Die jüngsten Gesetzesänderungen sind kein Zufall, sondern Teil einer großangelegten Strategie. Die Türkei versteht sich zunehmend als Zentrum einer wachsenden geopolitischen Einheit. Diese „Türkische Union“ zeigt sich nicht nur in Militärkooperationen, sondern immer stärker im Alltag:
- Gemeinsames Alphabet: Der Beschluss, bis 2026 den Übergang zu einem gemeinsamen lateinischen Alphabet (wie in Kasachstan bereits weit fortgeschritten) zu forcieren, ist das kulturelle Fundament dieser Einigung.
- Wirtschaftliche Integration: Die Harmonisierung der Arbeitsmärkte ist der nächste logische Schritt, um den „Mittleren Korridor“ von Istanbul bis Zentralasien auch personell zu beleben.

Mehr als nur Arbeit: Ein loser Staatenbund entsteht
Die Integration geht über den Arbeitsmarkt hinaus. Experten sehen in den aktuellen Entwicklungen die Vorboten eines losen Staatenbundes, ähnlich dem frühen Modell der Europäischen Union.
In Kasachstan wird die Umstellung auf das lateinische Alphabet im Jahr 2026 zur tragenden Säule der nationalen Identität und der Annäherung an die Türkei.
Es wird erwartet, dass bis Ende des Jahres weitere Erleichterungen im Reiseverkehr und bei der gegenseitigen Anerkennung von Diplomen (Denklik) folgen werden.
Fakten statt Gerüchte
Während im Internet oft behauptet wurde, jeder könne nun einfach ohne Papiere arbeiten, zeigen unsere Recherchen: Die Regeln bleiben streng, aber sie werden für „Türk Soylu“ massiv vereinfacht. Man benötigt weiterhin ein İkamet (Aufenthalt), doch der Weg dorthin ist für Bürger der Turkstaaten nun eine „Fast Lane“.
Die Türkei sendet damit ein klares Signal: Die Türkische Welt wächst zusammen – rechtlich, wirtschaftlich und kulturell.
Details & Fakten
Offizielles Dokument: Cumhurbaşkanı Kararı (Präsidialdekret) Nr. 10476Veröffentlichung: Resmî Gazete (Amtsblatt) Nr. 33043 vom 10. Oktober 2025Rechtliche Basis. Änderung der Durchführungsverordnung zum Gesetz Nr. 2527 (Tätigkeit von Ausländern türkischer Abstammung)Zuständige Behörde: T.C. Çalışma ve Sosyal Güvenlik Bakanlığı (Arbeitsministerium) in Kooperation mit der OTSBegünstigte Staaten: Aserbaidschan, Kasachstan, Kirgisistan, Usbekistan, Turkmenistan (TDT-Mitglieder/Beobachter)Kern-Vorteil: Wegfall der „5-zu-1“-Quote (Arbeitgeber müssen keine 5 Türken mehr pro Ausländer einstellen)Gültigkeitsdauer: Arbeitserlaubnisse für „Türk Soylu“ können nun für bis zu 5 Jahre am Stück erteilt werden
ZUM TEHMA
– Astana –
Turkstaaten einigen sich auf gemeinsames Alphabet
Die Türkische Akademie und der Türkische Sprachverband dankten den Regierungen der Turkstaaten und den Mitgliedern der Kommission für ihre wertvollen Beiträge zu diesem Prozess



































































