Gaza-Konflikt
Historischer Umbruch in den USA: Sympathien für Palästinenser übersteigen erstmals die für Israel

Zäsur in der US-Meinung: Laut Gallup sympathisieren Amerikaner erstmals mehr mit Palästinensern als mit Israelis. Ein historischer Wendepunkt für Washington.

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Washington D.C. – Eine aktuelle Erhebung des renommierten Meinungsforschungsinstituts Gallup markiert einen Wendepunkt in der US-amerikanischen Außenpolitik: Erstmals seit Beginn der Datenerhebung vor über zwanzig Jahren sympathisieren mehr US-Bürger mit den Palästinensern als mit den Israelis. Dieser Trend spiegelt die tiefen Risse wider, die der anhaltende Konflikt in der amerikanischen Gesellschaft hinterlässt.

Die am Freitag veröffentlichten Zahlen verdeutlichen die Geschwindigkeit des Meinungswandels. Demnach geben 41 Prozent der Amerikaner an, ihre Sympathien lägen eher bei den Palästinensern, während 36 Prozent die israelische Seite favorisieren. Der Rest der Befragten zeigt sich unentschieden oder sympathisiert mit beiden Seiten gleichermaßen. Noch vor einem Jahr lag Israel mit 46 zu 33 Prozent deutlich in Führung. Es ist das erste Mal, dass Israel in dieser langfristigen Statistik nicht mehr an der Spitze steht, berichtet TRT World.

Partisanen-Graben: Demokraten und Unabhängige treiben den Wandel

Besonders deutlich zeigt sich die Verschiebung im politischen Lager der Demokraten und bei den politisch Unabhängigen. Bei den Anhängern von Präsident Joe Bidens Partei haben sich die Ansichten über Israel in den letzten zehn Jahren massiv verschlechtert. In der aktuellen Umfrage sympathisieren 65 Prozent der Demokraten mit den Palästinensern, während nur noch 17 Prozent die israelische Position stützen.

Dieser Prozess begann bereits während der Amtszeit von Barack Obama, als der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu offen gegen die US-Diplomatie im Iran-Konflikt opponierte. Die fortlaufende Rechtsverschiebung der israelischen Regierung sowie die Bilder des verheerenden Krieges in Gaza nach den Ereignissen vom 7. Oktober 2023 haben diese Entwicklung beschleunigt. Viele demokratische Wähler kritisieren die US-Regierung dafür, keinen stärkeren Druck auf Tel Aviv ausgeübt zu haben, um die humanitäre Katastrophe in Gaza zu begrenzen.

Republikaner bleiben loyal, aber mit Verlusten

Auch bei den Wählern der Republikaner von Donald Trump zeigt sich ein leichter Rückgang der Unterstützung, wenngleich das Lager weiterhin fest an der Seite Israels steht. 70 Prozent der Republikaner sympathisieren mit Israel – ein Wert, der jedoch im Vergleich zum letzten Jahrzehnt um etwa zehn Prozentpunkte gesunken ist.

Entscheidend für das Gesamtergebnis ist jedoch die Gruppe der Unabhängigen: Hier überwiegt die Sympathie für die palästinensische Bevölkerung mit einem Vorsprung von elf Prozentpunkten. Dies signalisiert, dass die Unterstützung für die israelische Politik in der Mitte der US-Gesellschaft keine Selbstverständlichkeit mehr ist.

Ein Signal an Washington

Diese Daten sind mehr als nur eine statistische Momentaufnahme; sie sind ein Signal an die politische Führung in Washington.

Die bedingungslose Unterstützung Israels, die über Jahrzehnte als unumstößliches Dogma der US-Außenpolitik galt, bröckelt an der Basis. Die langfristige Verschiebung der Sympathien deutet darauf hin, dass künftige US-Regierungen ihre Nahost-Politik stärker an den differenzierten Ansichten ihrer Wählerschaft ausrichten müssen, um den Rückhalt im eigenen Land nicht zu verlieren.

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