Gastbeitrag
Yücel: „Kılıçdaroğlus neuerlicher Griff ins Klo“

Yücel: "Für die Oppositionsanhänger ist die Wahl von Perinaz Mahpeyker Yaman ein neuerlicher Griff ins Klo, was für Verärgerung, ja sogar Ohnmacht sorgt."

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ein Gastkommentar von Nabi Yücel

Wieder einmal hat Kemal Kılıçdaroğlu, Vorsitzender der größten türkischen Oppositionspartei CHP, deutlich gemacht, was er unterm Führen versteht – mit einer skurrilen Benennung einer Parteikollegin in den Beraterstab. Für die Oppositionsanhänger ist die Wahl von Perinaz Mahpeyker Yaman ein neuerlicher Griff ins Klo, was für Verärgerung, ja sogar Ohnmacht sorgt.

Dass der Oppositionschef Kemal Kılıçdaroğlu exzentrisch und egoistisch ist, geradezu einen Caesarenwahn vorlegt, dürfte innerhalb der Oppositionsanhänger nun hinlänglich bekannt sein. Da reicht schon der Verweis darauf, mit welchen Parteien er ein Bündnis einging und dennoch verlor.

Auch sonst lässt der Vorsitzender der CHP nichts unversucht, um sich in die Regierung zu hieven – sei es mit einem kruden Wahlkampfmanöver, um sich in der zweiten entscheidenden Wahlrunde wieder ins Gespräch zu bringen, oder der reichlich chaotischen Aufteilung der Parlamentssitze zugunsten der Kleinstparteien im Bündnis.

Kemal Kılıçdaroğlu sendet gerne aus, aber mit dem Empfangen von Botschaften hat der 75-jährige so seine Schwierigkeiten. Vor allem mit dem Volk steht der selbst ernannte Erneuerer und Vorkämpfer für Freiheit und Rechte offensichtlich auf Kriegsfuß. Sein oftmals geäußerter Vorwurf, falsch verstanden oder von der Regierungskoalition falsch dargestellt zu werden, beruht tatsächlich auf sein eigenes enges Sichtfeld und auf den eigenen Handlungen.

Zwar hat sich Kılıçdaroğlu nach der Wahlniederlage später für die Schlappe klammheimlich entschuldigt, aber spätestens seit dem chaotischen Möbelrücken innerhalb der Parteizentrale braucht man sich nicht wundern, wenn vieles was Kemal Kılıçdaroğlu tut, stets ein Griff ins Klo ist.

Vor allem beim Empfangen von Botschaften scheint Oppositionschef Kılıçdaroğlu die Fühler längst eingezogen zu haben, oder wie oft hat man ihm schon deutlich nahegelegt, sich z. B. bei der Wahl des Beraterstabs endlich Hilfe zu holen? Noch deutlicher kann man als Oppositionsanhänger nicht mehr werden – wie der renommierte Journalist und Moderator Uğur Dündar es vormacht.

Seine Kritik endet aber nicht damit, erfasst es eigentlich doch die gesamte Parteiführung. Mitunter könnte man fasst meinen, Dündar rieche hier eine diktatorische Luft in den Gängen der Parteizentrale, in der niemand das Maul aufzureißen vermöge, um ein deutliches Machtwort zu sprechen. Klar, wenn Dündar hierbei sauer ist und entsprechend austeilt.

Dreh- und Angelpunkt der neuerlichen Aufregung ist diesmal die Ernennung einer Frauenbevollmächtigten im Beraterstab von Kılıçdaroğlu. Es handelt sich um Perinaz Mahpeyker Yaman, die am 26. Mai, also kurz vor dem zweiten Wahlgang, offiziell in den Beraterstab berufen wurde. Zuvor war Yaman Kandidatin der Provinz Batman in der amtierenden Regierungspartei AKP. Das ist an und für sich nicht das Problem, Gang und Gebe im Politzirkus. Das Problem sind ihre Äußerungen in sozialen Netzwerken, die bei den Oppositionsanhängern nach bekannt werden genauso exzentrisch rüberkommen, wie die politische Linie Kılıçdaroğlus.

(Screenshot/Twitter)

Wusste etwa die Parteiführung nicht, was Perinaz Mahpeyker Yaman lange Jahre von sich gab, die gegen den Strich sämtlicher Lager innerhalb der CHP gehen? Offensichtlich nicht!

Diese Oppositionspartei will aber nach der Regierung greifen, obwohl sie nicht einmal dazu fähig ist, die eigene Parteikader zu kennen und zu führen, Posten ideal zu besetzen, eine politische gemeinsame Linie zu pflegen. So etwas will ein Land führen, lästern die eigenen Parteigänger schon…

Und es kommt noch schlimmer: Während der jüngst ernannte Kommunikationschef der Partei Eren Erdem panisch abwiegelt, diese Stelle sei nicht mehr besetzt – Perinaz Mahpeyker Yaman wäre längst wieder entlassen worden, stellt sich zeitnah heraus, dass Kılıçdaroğlu selbst für den Posten Yaman gewünscht hat, während sie selbst in sozialen Medien Stolz von sich gibt, noch in Amt und Würden zu sein. Daraufhin ruft die ehemalige CHP-Abgeordnete Aylin Nazlıaka Vorsitzenden Kemal Kılıçdaroğlu an, um in Erfahrung zu bringen was da los ist und erhält die Antwort, die Dame wäre nicht mehr auf dem Posten, obwohl Yaman im dritten Stockwerk der Parteizentrale herumturnt und gerade ein Büro bezieht.

So ein Affentheater hat die Türkei schon lange nicht mehr erlebt, wie es die Oppositionspartei CHP vorführt. Für die Wähler des Oppositionsbündnisses war die Parlaments- und Präsidentschaftswahl bereits ein Griff ins Klo. Ob man sich erneut darauf einlässt, bei der Kommunalwahl in der Türkei am 31. März 2024 ins ungewisse zu greifen?

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