Zypernkrise
Türkei unbeeindruckt von EU-Drohungen: 4. Bohrschiff Richtung Zypern entsandt

Die türkische Regierung zeigt sich unbeeindruckt von den angekündigten Strafmaßnahmen der EU. Am Dienstag wurde ein viertes Bohrschiff Richtung Zypern entsandt. 

Teilen

Ankara (nex) – Die türkische Regierung zeigt sich unbeeindruckt von den angekündigten Strafmaßnahmen der EU. Am Dienstag wurde ein viertes Bohrschiff Richtung Zypern entsandt.

„Das seismische Forschungsschiff MTA Oruc Reis, das seit August 2017 seismische Untersuchungen im Schwarzen Meer und in Marmarameer durchführt, wird für seismische Untersuchungen im Mittelmeer eingesetzt“, sagte Fatih Donmez, Minister für Energie und natürliche Ressource, in einem Twitter-Post am Dienstag.

Dönmez sagte, die Türkei habe die Fähigkeit und auch die Ressourcen, in der Region nach Gas zu suchen und auf den internationalen Märkten anzubieten.

Der EU-Beschluss, die Türkei zu sanktionieren, würde die Spaltung auf Zypern „nur vertiefen“ und hätte keine Auswirkungen auf die Türkei, sagte der Sprecher der regierenden AKP, Ömer Celik, am Dienstag.

„Es ist klar, dass ihr Vorgehen nicht mehr bringen wird, als die Spaltung auf der Insel Zypern zu vertiefen. Diese Sanktionen haben keine Auswirkungen auf die Türkei“, sagte Celik vor Journalisten in Ankara. Die türkischen Bohrschiffe Fatih und Yavuz würden ihre Arbeit im östlichen Mittelmeer fortsetzen, so Celik.

Auch der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu zeigte sich unbeeindruckt:

„Wenn Sie [EU] solche Entscheidungen gegen die Türkei treffen, werden wir die Aktivitäten [im östlichen Mittelmeerraum] verstärken. Wir haben drei Schiffe im östlichen Mittelmeer. Wir werden ein viertes Schiff so schnell wie möglich entsenden. Sie sollten verstehen, dass sie mit der Türkei nicht so umgehen können. Wir entscheiden, was wir auf unserem eigenen Kontinentalschelf tun werden“, sagte Cavusoglu auf einer Pressekonferenz in Nordmazedonien am Dienstag.

Die Türkei hat die einseitigen Bohrungen der griechisch-zyprischen Regierung im östlichen Mittelmeerraum wiederholt angefochten und betont, dass auch die Türkische Republik Nordzypern (TRNC) Rechte an den Ressourcen in der Region hat.

Seit dem Frühjahr dieses Jahres hat Ankara zwei Bohrschiffe – Fatih und zuletzt Yavuz – in das östliche Mittelmeer geschickt, um das Recht der Türkei und der Türkischen Republik Nordzypern (TRNC) auf die Ressourcen der Region geltend zu machen.

Das erste seismische Schiff der Türkei, die Barbaros Hayrettin Pasa, die 2013 in Norwegen gekauft wurde, erkundet seit April 2017 das Mittelmeer.

Am gestrigen Montag haben die Außenminister der EU-Staaten in Reaktion auf die umstrittenen türkischen Erdgas-Erkundungen vor Zypern Strafmaßnahmen gegen die Türkei beschlossen. Unter anderem sollen EU-Gelder für Ankara gekürzt und die Verhandlungen über ein Luftverkehrsabkommen eingestellt werden.

Zypern wurde 1974 geteilt, nachdem Griechenland einen Militärputsch durchgeführt und die Türkei als Garantiemacht interveniert hatte.

Die türkische Regierung hatte unter Premierminister Bülent Ecevit entschieden, am 20. Juli 1974 türkische Truppen auf die Insel zu entsenden, um eine ethnische Säuberung durch die nationalistische Regierung zu verhindern, die infolge eines von Griechenland unterstützten Putsches gegen den zyprischen Präsidenten, Erzbischof Makarios, an die Macht gekommen war. Die Putschisten strebten damals den Anschluss der gesamten Insel an das ebenfalls von einer Militärjunta regierte Griechenland an.

Bereits in den Jahren vor dieser Entwicklung hatte es vielfach Übergriffe und Pogrome gegen die türkische Bevölkerung auf Zypern gegeben. Die unter dem Namen „Operation Atilla“ durchgeführte Militäraktion führte in weiterer Folge zum Ende der Militärdiktatur in Griechenland, die türkischen Truppen blieben dennoch auf Nordzypern stationiert und 1983 erklärte der dort entstandene De-facto-Staat unter dem bis 2005 regierenden Langzeitpräsidenten Rauf Denktaş seine Unabhängigkeit. In den letzten Jahren gab es mehrere Versuche, die Insel zu einigen, 2004 scheiterte jedoch ein Referendum zur Wiedervereinigung an einer „Nein“-Mehrheit im griechischen Teil.

Zum Thema

– Türkisch-griechische -Beziehungen –
Griechenland: Türkei hat Rechte auf Energieressourcen im östlichen Mittelmeer

Die Türkei hat Rechte in Bezug auf die reichlich vorhandenen Energieressourcen im östlichen Mittelmeerraum, sagte der griechische Außenminister.

Griechenland: Türkei hat Rechte auf Energieressourcen im östlichen Mittelmeer

 

 

Auch interessant

Rente: Bofinger warnt vor Einbeziehung von Beamten

Berlin - Peter Bofinger, Mitglied der Rentenkommission, warnt vor einer Einbeziehung von Beamten in die gesetzliche Rentenversicherung. "Das wäre eine massive Doppelbelastung für den...

„Qantara“ – und das Schmusemärchen vom Zionismus

Ein Gastkommentar von Michael Thomas Da meldet sich jetzt bei Qantara die israelische, selbstbekennende Zionistin und Historikerin Fania Oz-Salzberger zu Wort und unterbreitet uns eine...

Ab Juli: Neue Grundsicherung ersetzt das Bürgergeld

Berlin - Das Bürgergeldsystem soll zu einer neuen Grundsicherung umgestaltet werden: Wer arbeiten kann, soll künftig schneller in Arbeit vermittelt werden. Wer dabei nicht...

Nach fast 20 Jahren: IG Metall-Vorstand Urban tritt zurück

Frankfurt - Es ist ein Einschnitt für die Gewerkschaftsbewegung: Hans-Jürgen Urban, geschäftsführender Vorstand der IG Metall, zieht sich nach bald zwanzig Jahren von seinem...

Israel: Abgeordneter Gideon Sa’ar fordert Anerkennung des „Völkermords an den Armeniern“

Tel Aviv - Inmitten einer historischen Annäherung zwischen der Türkei und Armenien sorgt ein politischer Vorstoß aus Israel für erhebliche Diskussionen. Der israelische Abgeordnete...

Headlines

Smotrich: Wir werden 1 Million Siedler nach Westbank bringen

Westjordanland – Der israelische Finanzminister Bezalel Smotrich hat die strategischen Pläne der rechts-religiösen Koalitionsregierung zur vollständigen Integration des besetzten...

Aserbaidschan verurteilt Israels „Völkermord-Entscheidung“

Baku - Obwohl Israel Aserbaidschan im Bergkarabach-Krieg im Jahr 2020 entscheidend mit fortschrittlichen Waffen unterstützte, hat sich Baku nun...

Ab Juli: Neue Grundsicherung ersetzt das Bürgergeld

Berlin - Das Bürgergeldsystem soll zu einer neuen Grundsicherung umgestaltet werden: Wer arbeiten kann, soll künftig schneller in Arbeit...

Zweierlei Maß bei Menschenrechten: Warum die EU in Zypern ihre Glaubwürdigkeit verliert

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel   Das Berufungsgericht der international anerkannten Republik Zypern hat die Klage türkisch-zyprischer Eigentümer abgewiesen. Die Kläger...

Meinung

Smotrich: Wir werden 1 Million Siedler nach Westbank bringen

Westjordanland – Der israelische Finanzminister Bezalel Smotrich hat die strategischen Pläne der rechts-religiösen Koalitionsregierung zur vollständigen Integration des besetzten Westjordanlands (Judea und Samaria) bekräftigt. In...

Aserbaidschan verurteilt Israels „Völkermord-Entscheidung“

Baku - Obwohl Israel Aserbaidschan im Bergkarabach-Krieg im Jahr 2020 entscheidend mit fortschrittlichen Waffen unterstützte, hat sich Baku nun zu einer seltenen und scharfen...

Odadaki Son Yetişkin Olarak Türkiye

Konuk Yazar Nabi Yücel Mevcut durumda Türkiye, Orta Doğu'nun – ve çok daha ötesinin – jeopolitik manzarasında neredeyse nesli tükenmekte olan diplomatik bir tür; yani...

The Economist: Erdoğan, Müslüman dünyasının en popüler politikacısı

Londra - Neredeyse iki milyar insandan oluşan devasa ve çeşitlilik arz eden bir topluluk olan küresel Müslüman topluluğu Umma/Ümmet içinde, birleştirici bir temsilci arayışı...

Araştırma: ChatGPT kullanımı beyin aktivitesini önemli ölçüde azaltıyor

Cambridge – MIT Media Lab tarafından yapılan bir araştırma, ChatGPT ve diğer AI asistanlarının kullanımının beyin aktivitesini büyük ölçüde azalttığına dair ilk kanıtları sunuyor. Araştırma,...