Türkei
Streit um S-400-Kauf: Ankara könnte US-Radarsystem abschalten

Der Druck der NATO und USA auf die Türkei wegen des Erwerbs des russischen Raketenabwehrsystems S-400 wächst: Die US-Regierung droht damit, die Lieferung von F-35 Kampfflugzeugen an die Türkei zu stoppen.  

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Ankara (nex) – Der Druck der NATO und USA auf die Türkei wegen des Erwerbs des russischen Raketenabwehrsystems S-400 wächst: Die US-Regierung droht damit, die Lieferung von F-35 Kampfflugzeugen an die Türkei zu stoppen.

Bis zum Jahr 2030 sollten die türkischen Streitkräfte insgesamt 116 F-35-Kampfflugzeuge der fünften Generation erhalten, die zum Teil in der Türkei von TAI-TUSA hergestellt werden.

Wie türkische Medien unter Berufung auf namentlich nicht genannte Quellen aus Sicherheitskreisen berichten, könnte Ankara als Reaktion auf die amerikanischen Drohungen eigene Maßnahmen ergreifen – im Extremfall sogar die Demontage des mächtigen Malatya-Kürecik AN-TPY-2-Radars, das 2012 von den USA aufgestellt worden war. Das AN/TPY-2 ist ein bodengestütztes Radar zur Erfassung und Verfolgung von ballistischen Raketen.

Die Demontage des Radars würde Israel einer Bedrohung durch ballistische Raketen aussetzen. Dank des in Kürecik stationierten Systems sind die gesamten westlichen Territorien des Iran bis an die Grenzen von Teheran für die NATO sichtbar.

Ähnliche Radarsysteme befänden sich auch in Israel, Jordanien, Katar und den vereinten Arabischen Emiraten, jedoch erreiche etwa das System in Israel mit einer Reichweite von 1.300 Kilometer nur die Grenzen des Iran.

Die Systeme in Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten, die nicht zur NATO gehören, könnten nur die südlichen Regionen des Iran beobachten.

Im Rahmen ihres Abkommens mit der NATO erteilte die Türkei damals die Erlaubnis für den Einsatz des Radars auf ihrem Staatsgebiet, was zu Spannungen mit Russland und dem Iran führte, die sich heftig gegen einen solchen Schritt ausgesprochen hatten.

Dazu der politische Analyst Ömer Özkizilcik gegenüber NEX24:

„Die türkisch-amerikanischen Beziehungen sind angespannt, insbesondere seit dem Putschversuch vom 15. Juli 2016 und der Weigerung der USA, ein Justizverfahren gegen Fethullah Gülen, den Drahtzieher des Putsches, einzuleiten oder ihn an die Türkei auszuliefern. Mit der Unterstützung der YPG in Syrien seitens der USA fand sich die Türkei in einer gefährdeten Position. Der NATO-Allierte der Türkei unterstützt bzw. gewährt den zwei Hauptgefährdern der Türkei Schutz“.

In dieser misslichen Lage habe sich die Türkei Russland angenähert und versucht, eine geostrategische Balance zwischen den USA und Russland zu finden, so Özkizilcik weiter.

Die S-400 Luftabwehrsysteme aus Russland sollten mit den geplanten Luftabwehrsystemen aus gemeinsamer Produktion der Türkei mit Frankreich und Italien die Luftsicherheit gewährleisten. Somit habe die Türkei auch sicherheitspolitisch zwei verschiedene Systeme verwenden wollen, um die eigene Verteidigung zu maximieren, betont Özkizilcik und fügt hinzu:

„Die USA sahen lange Zeit in den Verhandlungen für den Kauf der S-400 Systeme ein Mittel, um für einen Preisnachlass für amerikanische Luftabwehrsysteme zu sorgen. Nachdem der Kauf des S-400 Luftabwehrsystems abgeschlossen wurde, versuchten die USA, mit Drohungen wie die Verwehren von F-35 Jets oder anderen Militärtechnologien die Türkei von ihrem Unternehmen abzubringen. Die Türkei selbst ist an der Produktion der F-35 Jets beteiligt und verzeichnet ein rasantes Wachstum in der Verteidigungsindustrie“

 

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