Aufmarsch der Hobbyhistoriker
Fatih Akin ruft Bundestag zur Anerkennung des „armenischen Genozids“ auf

In einem offenen Brief an Kanzlerin Angela Merkel und den Bundestag fordern Künstler die Anerkennung des so genannten „armenischen Genozids“. Im dazugehörigen Aufruf wird implizit der Holocaust relativiert und der Anti-Terror-Kampf der türkischen Regierung gegen die PKK delegitimiert.

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Berlin (nex) – Am 2. Juni soll wieder einmal mittels eines Parlamentsbeschlusses Geschichte geschrieben werden, und unter anderem haben diesmal nicht nur Politiker, sondern auch deutsch-türkische Künstler vorübergehend ins Fach der Historiker gewechselt.

So sind beispielsweise der Regisseur Fatih Akin, der Autor Dogan Akhanli und weitere Prominente unter den Unterzeichnern eines offenen Briefs, in dem sie Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Bundestag auffordern, „am 2. Juni klar Stellung zu beziehen und das Verbrechen an dem armenischen Volk als das zu bezeichnen, was es ist: ein Völkermord“.


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Fatih Akin gehört sogar zu den Erstunterzeichnern des Aufrufs, der kurzerhand auch schon einmal die Ereignisse im Umfeld der Kriegshandlungen 1915/16 mit dem geplanten und aus einer rassistischen Ausrottungsideologie heraus verübten Holocaust des Dritten Reiches an den europäischen Juden gleichsetzt, wenn es heißt:

„Stellen Sie sich vor, Sie lebten in Deutschland und der Holocaust würde geleugnet – wäre das nicht eine Fortsetzung der eigentlichen Tat?“ Den Initiatoren geht es jedoch nicht nur um eine „historische Einordnung“ der Ereignisse und darum, zu den „europäischen Grundwerten“ zu stehen. In dem Aufruf wird zudem der Anti-Terror-Kampf der türkischen Regierung gegen die terroristische PKK delegitimiert:

„1915 wurden die Armenier als Terroristen bezeichnet, ihr Besitz wurde enteignet. Allein 2015 wurden nun in der Türkei offiziell über 5000 Kurden getötet, weil sie angeblich Terroristen waren.“


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Dies sei nur möglich, „weil die Türkei sich systematisch weigert, sich ihrer Geschichte zu stellen und weder historisches noch gegenwärtiges Handeln im internationalen Umfeld wirkliche Konsequenzen hat“, heißt es weiter in der Erklärung.

Die Türkei lehnt eine Einstufung der Ereignisse von 1915 als „Genozid“ ab und schlägt seit Jahren vor, nicht Politiker oder Künstler, sondern stattdessen Wissenschaftler im Wege einer von türkischen und armenischen Historikern besetzten gemeinsamen Historikerkommission diese aufarbeiten zu lassen.

In diesem Zusammenhang sollen auch Umstände zur Sprache kommen, die den damaligen geschichtlichen Ablauf beeinflusst hatten, so etwa Interventionsversuche ausländischer Mächte oder die Taten armenischer Terrorgruppen wie der Huntschak-Partei, die sich gegen muslimische Mitbürger, aber auch anders denkende Armenier richteten und deren Aktivitäten zum Ziel hatten, Gebiete des Osmanischen Reiches abzutrennen.

https://youtu.be/1aJwUD9JpeE

Armenien hat bis dato jedoch alle türkischen Initiativen in dieser Richtung zurückgewiesen. Ebenfalls ist unbekannt, ob der Deutsche Bundestag auch über die historische Bewertung weiterer Ereignisse der Vergangenheit abstimmen wird, deren Anerkennung als Völkermord heute vielfach gefordert wird, beispielsweise die Massaker an Tscherkessen im russischen Zarenreich des 19. Jahrhunderts oder Gräueltaten europäischer Kolonialmächte im Kongo, in Namibia oder Algerien.

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