Iraker kehren zurück
Goodbye Deutschland: Flüchtlinge verkaufen ihr Hab und Gut für Rückflugtickets

Im Laufe der letzten vier Monate seien mehrere hundert irakische Flüchtlinge freiwillig in ihre Heimat zurückgekehrt, berichtet der Deutschlandfunk. Die meisten nennen erzwungene Untätigkeit, Unsicherheit bezüglich der Familienzusammenführung und fehlende Lebensqualität als Gründe.

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Berlin (nex) – Lieber zurück in den Bürgerkrieg als in Deutschland zu bleiben? Einige Flüchtlinge aus dem Irak scheinen bereits nach wenigen Monaten die Unsicherheit und die Probleme ihres Heimatlandes ihrem aktuellen Dasein im Zufluchtsland vorzuziehen. Der Deutschlandfunk (DLF) schreibt auf seinem Onlineportal davon, dass alleine in den letzten vier Monaten etwa 400 Flugtickets von Berlin-Tegel in den Irak verkauft worden wären. Das One-Way-Ticket koste derzeit 295 Euro, wobei die Tendenz eine steigende wäre, da auch die Nachfrage größer würde. Manche reisten auch ab, ohne mögliche Rückkehrhilfen in Höhe von bis zu 500 Euro in Anspruch zu nehmen. Der aus dem Libanon stammende Alaa Hadous, der ein kleines Reisebüro und einen daran angeschlossenen Schmuckladen betreibt, schildert gegenüber dem DLF unter anderem, dass einige Flüchtlinge, die aus dem Irak nach Deutschland gekommen waren, ihren Schmuck verkaufen würden, um sich das Rückflugsticket leisten zu können.

Die Hauptgründe, die Flüchtlinge für ihre Rückkehr nennen, sind unter anderem, das Gefühl zu haben, in Deutschland zur Untätigkeit verdammt zu sein, überfüllte Unterkünfte, keine Aussichten auf baldige Familienzusammenführung zu sehen und auch das Fehlen von Privatsphäre, Gemeinsinn und Respekt im zwischenmenschlichen Umgang. Unter den Rückkehrwilligen sind nicht etwa nur religiöse Muslime, die vielleicht Probleme hätten, sich an die westliche Lebensweise zu gewöhnen: Ein älterer Mann, der in Bagdad als Atheist von Unbekannten ein 72-Stunden-Ultimatum zum Verlassen des Landes erhalten hatte, widrigenfalls er getötet würde, will nur kurz dorthin zurück und anschließend in Istanbul zu seiner dort zurückgebliebenen Frau und seinen drei kleinen Kindern weiterreisen, um dort ein neues Leben zu beginnen.

Die irakische Botschaft in Berlin habe nach Angaben des Auswärtigen Amtes bisher 1400 Pässe für Rückkehrer ausgestellt, so der DLF. Ende Oktober seien es erst 150 gewesen. Für alle, die keine Pässe mehr hätten, gäbe es ein Behelfsdokument, mit dem man aber nur direkt in den Irak reisen könne. Allerdings sei diese Tendenz zur Rückkehr bislang nur bei irakischen Flüchtlingen zu beobachten. Syrer seien noch keine unter den Heimkehrwilligen. Der Grund dafür: In eine Heimat, die es nicht mehr gäbe, sei auch keine Rückkehr mehr möglich.

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