Markenpiraterie
DIHK: Handel mit gefälschten Produkten blüht

Osnabrück (ots) – Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hält Produkt- und Markenpiraterie für ein „ernstes Problem“ für die Wirtschaft. „Das Geschäft mit gefälschten Schnäppchen blüht“, sagte DIHK-Chefjustiziar Stephan Wernicke der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ mit Blick auf den „Tag des geistigen Eigentums“ an diesem Mittwoch. Markenpiraterie bei Arzneimitteln trotz Gesundheitsgefahr Besonders bedenklich sei die Tatsache, dass vom deutschen Zoll allein 2016 gefälschte Arzneimittel im Wert von 1,78 Millionen Euro sichergestellt worden seien. Selbst die Gesundheitsgefährdung, die viele dieser Erzeugnisse mit sich bringen, scheine die Käufer nicht abzuhalten. Die Unterstützung für das geistige Eigentum ist in der Bevölkerung weiterhin erfreulicherweise hoch, betonte Wernicke. Viele Fälschungen tauchten zudem in den sogenannten Rapex-Meldungen auf, dies sei ein europäisches Schnellwarnsystem für gefährliche Produkte. Dennoch würden gefälschte Waren teilweise sogar ganz bewusst gekauft. Dabei würden vor allem Sonnenbrillen, Textilien, Handtaschen, Körperpflegemittel oder Handys und -zubehör bestellt. Warnung vor organisierter Kriminalität Der DIHK warnte vor falschen Versprechungen der Fälscher. Diese böten keinerlei Gewährleistung und missachteten die Regeln, die die Originalhersteller unter anderem im Rahmen des Verbraucherschutzes einhalten müssten. Auch gehörten Fälscher häufig zu Netzwerken der organisierten Kriminalität. „Jeder kann durch sein eigenes Kaufverhalten dazu beitragen, diesen Netzwerken die finanzielle Basis zu nehmen“, erklärte Chefjustiziar Wernicke. Er verwies auf die Webseite des Aktionskreises gegen Produkt- und Markenpiraterie (APM e. V.), dessen Initiator der DIHK ist.

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Israel-Krise
Deutsch-Israelische Gesellschaft kritisiert Gabriel

Düsseldorf (nex) – Die Vize-Präsidentin der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und Vize-Fraktionschefin der Union im Bundestag, Gitta Connemann (CDU), hat das Auftreten von Außenminister Sigmar Gabriel in Israel kritisiert: „Ich hätte mir mehr Fingerspitzengefühl des Ministers gewünscht“, sagte Connemann der „Rheinischen Post“. Es sei Tradition, bei Besuchen im Ausland mit regierungskritischen Organisationen zu sprechen. Das sei auch gut so. „Aber hier vermisse ich Sorgfalt bei der Auswahl“, kritisierte Connemann. „Breaking the Silence prangert an, legt aber seine Quellen nicht offen. Damit können israelische Behörden die Vorwürfe und Anschuldigungen nicht überprüfen“, sagte Connemann. Die juristische Aufarbeitung der behaupteten Vorfälle werde damit unmöglich gemacht. „Diese NGO erhält nun durch das Gespräch mit dem Außenminister einen Ritterschlag. Deshalb verstehe ich die Kritik der israelischen Seite.“

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Türkei
Antalya: Erstes türkisch-afrikanisches Landwirtschafts-Treffen beginnt morgen

Antalya (nex) – Das 1. Türkisch-Afrikanische Treffen der Landwirtschaftsminister und Agribusiness Forum soll am morgigen Donnerstag in der türkischen Mittelmeerstadt Antalya beginnen.

An der vom Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Tierhaltung organisierten zweitägigen Veranstaltung werden über 300 Personen, darunter Landwirtschaftsminister afrikanischer Staaten, Botschafter, Vertreter internationaler Organisationen und aus dem privaten Sektor, teilnehmen.

Der Türkische Außenhandelsverband (DEIK),  der Zentralverband der Türkischen Genossenschaften für Agrarkredite (TTKK) sowie die Fluggesellschaft Turkish Airlines gehören zu den Hauptveranstaltern des Treffens.

Das Ministertreffen soll unter dem Motto „Türkisch-Afrikanische Partnerschaft in der Ländlichen Entwicklungspolitik für Ernährungssicherung“ stattfinden.

Das Forum soll eine Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch mit der Türkei in der Land- und Viehwirtschaft bieten. Des Weiteren soll das Treffen die aktuellen Kooperationen stärken.

Während der Veranstaltung sollen Meetings für Geschäftsbeziehungen zur Förderung der Handelsbeziehungen, Steigerung des Handelsvolumens im Agribusiness sowie der Investmentkapazitäten abgehalten werden.

Auf dem Forum solIen auch Nebenveranstaltungen über folgende Themen stattfinden: Agrarfinanzierung und -kredite, landwirtschaftliche Mechanisierungs- und Bewässerungssysteme, landwirtschaftliche Betriebsmittel, Agrarindustrie, Jugend- und Frauenbeschäftigung in der ländlichen Entwicklung sowie Nahrungsmittel- und Ernährungssicherheit.

1. Türkisch-Afrikanische Treffen der Landwirtschaftsminister und Agribusiness Forum.

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"Gentechnische Produkten durch Hintertür"
Umweltminister fordert scharfe Kartellprüfung des Bayer-Monsanto-Deals

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Düsseldorf (ots) – Zwei Tage vor der Bayer-Hauptversammlung warnt NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) vor der Monsanto-Übernahme. „Durch die Übernahme droht ein Mega-Agrochemie-Unternehmen, das den Weltmarkt dominieren wird und gegenüber Landwirten und Verbrauchern deutlich höhere Preise durchsetzen könnte“, sagte Remmel der „Rheinischen Post“. „Es droht die Einführung von unerwünschten gentechnischen Produkten durch die Hintertür.“ Remmel fordert nun eine scharfe Prüfung durch die Kartellbehörden. „Ich setze sehr darauf, dass die EU-Kartellbehörden die Übernahme mit Blick auf das Ziel einer nachhaltigen und vielfältigen Land- und Lebensmittelwirtschaft besonders kritisch prüfen.“ Bayer hat noch immer keinen Antrag bei den EU-Kartellbehörden eingereicht, wie der Bayer-Sprecher der Redaktion bestätigte. Der Konzern bleibt aber zuversichtlich. „Es bleibt dabei, was wir kommuniziert haben. Wir gehen weiter davon aus, die Transaktion bis Jahresende abschließen zu können“, sagte der Bayer-Sprecher.

Eklat in Israel
Volker Beck: Zahlungen an Palästinenser einstellen

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Bonn (ots) – Volker Beck, Vorsitzender der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe, hat sich dafür ausgesprochen, den Druck auf beide Konfliktparteien im Nahen Osten zu erhöhen. „Ich denke, man soll klar bei einem Nein zum weiteren Siedlungsbau bleiben, aber man sollte genau so klar gegenüber Ramallah und Mahmud Abbas sein bei der Ablehnung der Unterstützung des Terrorismus“, sagte der Grünen-Politiker am Mittwoch dem Sender phoenix nach dem jüngsten Eklat in Israel. „Ich möchte schon wissen, ob Herr Gabriel bei seinen Gesprächen mit Herrn Abbas deutlich gemacht hat, dass die Bundesregierung, die maßgebliche Teile des Haushaltes von Herrn Abbas finanziert, es einfach nicht hinnimmt, dass die PLO und die palästinensische Autorität Märtyrer-Renten an Terroristen und deren Hinterbliebene bezahlt. Das ist direkte Finanzierung des Terrorismus, übrigens auch ein direkter Verstoß gegen die UN-Sicherheitsresolution“, sagte Beck weiter und forderte: „Die 100 Millionen Euro, die im Jahr an Gefangene und Terroristen fließen, müssen unverzüglich eingestellt werden.“ Dies sei dann auch die Grundvoraussetzung dafür, dass beide Konfliktparteien wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren würden.

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Türkei
Kampf gegen Terror: Wiederaufbau der Südosttürkei schreitet voran

Sirnak (nex) – Die Bauarbeiten in vier Landkreisen der südosttürkischen Provinz Sirnak, die in den vergangenen zwei Jahren während der Auseinandersetzungen zwischen der Terrororganisation PKK und den türkischen Sicherheitskräften schwer beschädigt worden waren, haben die Endphase erreicht. So wurden Medienberichten zufolge die im Rahmen eines vom Ministerium für Umwelt und Urbanisierung sowie der staatlichen Wohnungsbaubehörde TOKI ins Leben gerufenen Projekts in Cizre neue Gebäude in der Nähe des Flusses Tigris errichtet. Auch in Silopi, Idil sowie in der Innenstadt von Sirnak befänden sich die Bauarbeiten in der Endphase. Das Projekt sehe vor, dass der Staat einen Ausgleich für die Kosten der beschädigten oder zerstörten Häuser und Geschäftsräume mit einer Größe von mehr als 45 Quadratmeter leisten werde. Wohnhilfen in Höhe von 39 Millionen Lira (10 Millionen Euro) seien an 3.660 Eigentümer gezahlt worden. Weitere 164 Millionen Lira (42 Millionen Euro) seien nach Schadensgutachten an 16.402 Eigentümer, sowie 60 Millionen Lira (15 Millionen Euro) als Eigentumshilfe an 2.605 Eigentümer gezahlt worden. Familien in Not hätten 46 Millionen Lira (12 Millionen Euro) erhalten.

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Israel-Krise
Kiesewetter: Handeln Netanjahus offenbart die Nervosität der Regierung

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Heilbronn (nex) – Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen kritisiert die israelische Regierung für die Absage des Treffens mit Außenminister Sigmar Gabriel. Röttgen sagte der „Heilbronner Stimme“:
„Dass Gespräche mit regierungskritischen, anerkannten Vertretern der Zivilgesellschaft unerwünscht und mit Gesprächsverweigerung sanktioniert werden, ist sehr außergewöhnlich und sehr bedauerlich. Ich hoffe, dass dies ein Ausrutscher ist und dann wieder Gespräche in der gesamten Bandbreite von Politik und Gesellschaft stattfinden. Nur dies entspricht der Tiefe und der Besonderheit der Beziehung unserer Länder und Gesellschaften.“
Roderich Kiesewetter (CDU), Unions-Obmann im Auswärtigen Ausschuss des Bundestages, lobt Außenminister Sigmar Gabriel (SPD). Kiesewetter sagte der „Heilbronner Stimme“: „Außenminister Gabriel hat völlig richtig gehandelt, sein Programm beizubehalten – leider eine verpasste Chance für den Regierungschef Netanjahu.“ Er fügte hinzu:
„Das Handeln Netanjahus offenbart die Nervosität der Regierung, die sich von der Siedlerpartei unter Druck gesetzt sieht. Deutschland sollte bei seiner klaren Haltung bleiben und das gesamte Spektrum der Gesellschaft in Israel ansprechen.“

Integration
Kommentar: Sowohl „Ja-“ als auch „Nein-Sager“ wollen eine demokratische Türkei

Wieso der Dauerwahlkampf und die Integrationsdebatte zu Spannungen führen Von Yasin Baş Am 14. Mai sind die Bürger in Nordrhein-Westfalen (NRW) aufgerufen zur Wahlurne zu gehen. Der Spitzenkandidat der CDU, Armin Laschet, trumpft vor allem mit dem Thema Sicherheit auf. Er hat den islamkritischen Dauertalkshowgast und CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach in sein Sicherheitsteam einberufen. Des Weiteren ist der OSZE-Sonderbeauftragter und Terrorismus-Experte Peter Neumann, der bei einem möglichen Wahlsieg der CDU als Innenminister gehandelt wird, in die Kommission einberufen worden. In den jüngsten Wahlprognosen liefern sich SPD und CDU mit jeweils 34 Prozent ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Dies hatten die Wahlforscher auch schon vor der Landtagswahl im Saarland vorausgesagt. Am Ende zeigte sich, dass Prognosen auch gewaltig falsch liegen können. SPD und CDU lagen elf Prozent auseinander. Als drittstärkste Kraft in NRW wird derzeit die FDP gehandelt. Sie kommt auf unrealistische zehn Prozent. Die AfD soll eine Zustimmung von acht Prozent haben. Die Grünen landen überraschend auf sechs Prozent. Bleibt abzuwarten, ob die Öko-Partei, die sich immer weiter von den eigenen Wurzeln entfernt, überhaupt in das Landesparlament einziehen kann. Die Linkspartei kämpft derzeit ebenfalls mit der Fünf-Prozent-Hürde. Es wäre ein Armutszeugnis für sie, falls diese beiden Parteien es nicht gleichzeitig in den NRW-Landtag schaffen. Möglich ist es allemal. Grüne und Linkspartei sprechen nur noch ihre „Fundis“ an Besonders türkischstämmige Wähler in NRW begegnen diesen Parteien mit immer mehr Skepsis. Es waren allen voran Funktionäre der Grünen und der Linken, die den türkischen Wahlkampf zur Abstimmung der neuen Verfassung in der Türkei nach Deutschland und nach NRW hineingetragen haben. Unter dem Deckmantel der „Demokratieverteidigung“ fand eine radikale Unterstützung eines bestimmten Lagers statt. Dieses war so „bunt“, dass in ihm auch separatistische und in Teilen terroristische Gruppierungen organisiert waren. Das aber führte zur Polarisierung und wurde in der türkischen Community genau registriert. Die übersteigerte Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines anderen Landes und die maßlose Parteilichkeit in einem fremden Wahlkampf könnte sich daher kontraproduktiv für die Grünen und Linken auswirken. Und das nicht nur in den Landtagswahlen in NRW, sondern auch bei den Bundestagswahlen im September. Die Grünen und Linken sprechen damit nur noch ihren harten Kern, ihre „Fundis“ an. Integrationsdebatte oder warum wir uns ständig im Kreis drehen Nach dem Referendum zur Verfassungsänderung in der Türkei entbrannte in Deutschland wieder die sogenannte Integrationsdebatte. Ein paternalistischer FDP-Politiker forderte „ein umfassendes Bildungsprogramm“ und eine „echte Wertevermittlung des Rechtsstaats“. Meinte er damit wie vielen Journalisten und Politiker es taten, die vermeintlich „ungebildeten und dummen Türken“, die bei dem Verfassungsreferendum mehrheitlich mit „Ja“ abstimmten? Meinte er, etwa die „unerzogenen Türken“, deren Vorfahren arme und bildungsferne Bauern waren und die endlich mal „so richtig nach den eigenen Wünschen erzogen“ werden sollten? Der koloniale Geist des 19. Jahrhunderts lässt grüßen. Meinte er vielleicht die türkischstämmigen Menschen, denen derzeit von vielen, auch Vorbildpersonen, eine, gelinde ausgedrückt, „gute Heimreise“ gewünscht wird, weil sie an einer Wahl teilgenommen haben und ihre Stimme nach ihrem freien Willen und Gewissen abgegeben haben? Oder sind damit die türkischstämmigen Bürger gemeint, denen unterstellt wird, „Reichsbürger“ zu sein, nicht mit beiden Beinen auf der freiheitlichen Verfassung zu stehen, die Demokratie zu missachten, einen bösen Diktator zu unterstützen? Sowohl „Ja-“ als auch „Nein-Sager“ wollen eine demokratische Türkei Ich bin davon überzeugt, dass die große Mehrheit der Menschen, die für die neue Verfassung in der Türkei gestimmt haben genauso wie die große Mehrheit derjenigen, die gegen sie gestimmt haben, eine demokratische, rechtstaatliche, stabile und fortschrittliche Türkei wünschen. Bei den Wahlen ging es den meisten Bürgern aber nicht um die Verfassung. Es ging vielmehr darum zu demonstrieren, ob man für oder gegen den amtierenden türkischen Staatspräsidenten ist. Es ging um die Anerkennung oder die Abneigung gegenüber einer Person. Mit den Details der neuen Verfassung haben sich die wenigsten beschäftigt. Fragen sie Ihre türkischstämmigen Kollegen, Freunde und Bekannte, die zur Wahl gegangen sind. Sie werden es Ihnen bestätigen. Mehr Respekt vor der Souveränität des Wählers Schlimm ist die Tatsache, dass sich Befürworter oder Gegner des Referendums sowohl in Deutschland wie auch in der Türkei stigmatisiert und ausgegrenzt fühlen. In Deutschland sind es mehrheitlich die „Ja-Sager“, die sich dämonisiert fühlen. In der Türkei dagegen die „Nein-Sager“. Beide Seiten beklagen eine respektlose und schikanöse Stimmung. Menschen aus beiden Lagern sprechen davon, mundtot gemacht worden zu sein, sprechen von „tendenziöser Gleichschaltung“ der Medien und entziehen sich den Fragen von Reportern, weil sie Angst haben. In beiden Staaten fühlt sich damit ein Teil der Menschen ausgegrenzt. Für beide Seiten ist dies kein gutes Zeichen, denn es zeigt, dass man damit am eigenen Ast sägt. Etwas mehr Neutralität bzw. weniger Polarisierung hätte beiden Ländern gut getan. Es wäre gut, nun verbal abzurüsten. Außerdem war es auch nicht die feine demokratische Art einiger europäischer Staaten, so massiv in den Wahlkampf eines anderen Landes eingegriffen zu haben. Ich habe nämlich noch nicht davon gehört, dass französischstämmige Le-Pen Wähler in Deutschland oder Belgien, Niederlande, Österreich oder Schweiz als „Feinde der Demokratie“ oder „Anhänger einer Diktatorin“ bezeichnet wurden und doch bitteschön das Land zu verlassen hätten. Ebenso wurde nicht davon gesprochen, wie gespalten Frankreich doch aufgrund des Wahlausgangs derzeit sei. Bei dem knappen Brexit-Urteil Großbritanniens (51,9 Prozent zu 48,1 Prozent) sprach auch kaum jemand von einer Zweiteilung der Gesellschaft. Volksentscheide haben nun mal diese Besonderheit. Diese Desinformationskampagne, die aufwiegelt, läuft daher wie viele andere polarisierende Versuche ins Leere. Nicht zuletzt ist es höchst entlarvend, wenn subversive Wortführer aus Presse, Politik und Zivilgesellschaft versuchen, eine Art „Gezi 2.0“ heraufzubeschwören. Kann man NPD-, AfD- und Linksparteiwähler ausweisen? In der derzeitigen Integrationsdebatte ist folgendes anzumerken: Wie wäre es vielleicht, sich an die eigene Nase zu fassen und zu fragen, woran man selber in all den Jahren gescheitert ist? Möglicherweise wäre es ein erster Schritt, dass diejenigen an Staatsbürgerkursen, Weiterbildungsmaßnahmen zur politischen Bildung und Demokratieseminaren teilnehmen, die dies gerade so laut von „den Türken“ fordern. Menschen, die eine souveräne Stimme und Meinung besitzen aus dem eigenen(!) Land ausweisen zu wollen, erinnert an unschöne Zeiten aus der deutschen Vergangenheit. Falls diese trügerische Logik konsequent vollzogen würde, müssten dann nicht auch NPD-, AfD-, Linkspartei- oder sogar manche CSU-Wähler ausgewiesen und ausgebürgert werden? Wer also immer noch nicht begriffen hat, dass die Menschen und deren Nachkommen, die vor mehr als einem halben Jahrhundert nach Deutschland eingewandert sind, als eigene Bürger anzusehen, kann noch weitere hundert Jahre über Integration diskutieren. Diejenigen in der Mehrheitsbevölkerung, die selbst in Parallelgesellschaften leben oder sich immer mehr von grundgesetzlichen Werten entfernen, sind aufgerufen, sich in die „Mitte der Gesellschaft“ einzugliedern. Grundgesetz als Basis der Diskussion Unsere Gesprächsgrundlage sollte sich eher hierum drehen: Alle Menschen, die sich innerhalb der Grenzen der Bundesrepublik Deutschland aufhalten, haben die Rechte, Pflichten, Freiheiten, Gesetze und Werte des Landes zu beachten und müssen danach leben. Das Grundgesetz stellt die Basis dar. Einwanderer aus der dritten, vierten und fünften Generation leben nun in Deutschland. Sie mögen vielleicht ausländische Wurzeln haben, aber sie sind faktisch Deutsche. Die überwältigende Mehrheit dieser Menschen steht nicht, wie der Grünen-Politiker Cem Özdemir es sagte, nur mit den Zehenspitzen auf der Verfassung, sondern ganz fest mit beiden Beinen darauf. Pluralismus, Rechtsstaatlichkeit und Freiheit ist das A und O. Kurz: Das Grundgesetz, das unter anderem Meinungs- und Religionsfreiheit garantiert, ist nicht verhandelbar. Wenn dies immer noch nicht erkannt wurde und die Bürger dieses Landes noch immer als „Andere“ oder „Fremde“ gesehen werden, erübrigt sich die Diskussion. Diese Erkenntnisverweigerung und „Befremdung“ des „Anderen“ ist es nämlich auch, die die deutsche Diskussion von den klassischen Einwanderungsstaaten wie USA, Kanada oder Australien unterscheidet. Und zwar mehrheitlich nachteilig unterscheidet. Die Eliten des Landes müssen endlich begreifen, dass wir ein modernes Einwanderungsland sind und Vielfalt und Verschiedenheit als Chance nutzen sollten. Ansonsten drehen wir uns wie seit Jahrzehnten im Kreis und führen alle Jahre wieder unsere Integrationsdebatten, die uns nicht voranbringen. Der Migrationsforscher Klaus J. Bade sagt genau deshalb: „Literaturkenntnis schützt vor Neuentdeckungen“. Das Rad muss also nicht neu erfunden werden. Es gibt genügend Beispiele und Praktiken, wie Einwanderungspolitik und Integration, also Teilhabe und Eingliederung, gelingen kann. Und wie aus ehemaligen Einwanderern gleichberechtigte Bürger werden. Dafür braucht es keine Sonderrechte, sondern nur das gleiche Recht für alle! Teilhabe nicht nur fordern, sondern auch aktiv fördern Die beste Integrationspolitik ist Teilhabe. Gleichberechtigte Teilhabe. Niemand soll wegen seiner politischen oder religiösen Meinung diskriminiert werden. Niemand soll wegen seines Namens, Haut- oder seiner Haarfarbe auf dem Bildungs-, Arbeits- und Wohnungsmarkt ausgeschlossen werden. Wer lautstark nach Integration ruft, muss sich mit den Ausgrenzungsmechanismen bewusst auseinander setzen. Dies darf nicht rein appelativ erfolgen. Denn Diskriminierung und Ausgrenzung ist laut internationalem Recht ein Straftatbestand. Manchen in Deutschland mag dies nicht immer bewusst sein, aber es gibt internationale Rechtsverordnungen, die unter der Überschrift hate-crimes geführt werden. Alle Aufforderungen der Antidiskriminierungsstellen haben hierzulande jedoch nur empfehlenden Charakter und keine rechtliche Relevanz. Wir können daher von einem „zahnlosen Tiger“ sprechen. Manche Rechtsprechungen haben nicht selten die Neigung, Diskriminierung zu legitimieren. Oft wird sogar als Meinungsfreiheit aufgefasst, was sich bewusst gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen oder Religionen von Minderheiten richtet. Doch wehe, die Mehrheitsbevölkerung fühlt sich dadurch angetastet, denn dann werden andere Maßstäbe gesetzt. Bereiche aus der Kunst und Presse, aber auch Urteile im Bereich des religiösen Lebens und Berufslebens dienen hier als Beispiele. In Großbritannien wird Verschiedenheit anders aufgefasst als im „Alten Europa“. Unterschiede können sehr wohl als Stärken genutzt werden. Die Kunst ist es, das zu schaffen. Manche Staaten versuchen jedoch, die Diversität zu unterbinden. Neutralität bedeutet aber nicht, dass etwas verboten wird, sondern dass der Staat neutral ist, also weder positiv, noch negativ. Es gibt sozusagen eine Dissonanz zwischen der Bewertung verschiedener Inhalte in Bezug auf Einwanderer und Alteingesessene. Denn auch die Einheimischen sind ehemalige Einwanderer, die es nur vergessen oder verdrängt haben. Auch hier ein anschauliches Zitat von Klaus J. Bade: „Die sogenannte Mehrheitsgesellschaften ohne Migrationshintergrund sind in Wahrheit Gesellschaften mit verlorener Erinnerung an die eigenen Migrationshintergründe.“ Vielfalt und Verschiedenheit als Stärke sehen Was uns als Gesellschaft voranbringen könnte, ist eine Kultur der Anerkennung von Vielfalt und Verschiedenheit wie in den USA. Dort ist fast jeder Einwanderer stolz darauf ein Amerikaner zu sein. Die Denkweise, die dies in Deutschland seit Jahrzehnten erfolgreich unterbindet, ist diejenige, die sich integrieren müsste. Diesen Damen und Herren wäre zu sagen: „Integriert euch doch mal!” Integration bedeutet Veränderung für beide, falls es mehr als zwei Seiten sind, für alle Seiten. Wenn eine Seite eine Veränderungsphobie hat bzw. sich dem verweigert, ist der Misserfolg vorprogrammiert. Wir müssen erkennen, dass sich neben den Migranten auch die ehemaligen Migranten, also die jetzige Mehrheitsbevölkerung, integrieren müssen. Ansonsten bekommt man genau die Sätze zu hören, die jetzt viele ungeniert und offen so aussprechen: „Geht doch zurück, wo ihr herkommt!”, „Wenn es euch hier nicht gefällt, dann verlasst doch Deutschland”, „Geht doch zu eurem Erdogan, wenn ihr ihn so toll findet”. Diese Aussagen sind die eigentliche Schande und geistige Bankrotterklärung für eine Einwanderungsgesellschaft.

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Yasin Baş ist Politologe, Historiker, Autor und freier Journalist. Zuletzt erschienen seine Bücher: „Islam in Deutschland – Deutscher Islam?” sowie „nach-richten: Muslime in den Medien”.

Türkei
„Propaganda-Methoden“: Türkisches Außenministerium verurteilt Trump-Rede

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Ankara (nex) – Das türkische Außenministerium hat die Erklärung von US-Präsident Donald Trump anlässlich der Ereignisse von 1915 scharf kritisiert, die „Fehlinformationen und falsche Definitionen enthält“.

In einer Erklärung des Ministeriums heißt es:

„Die schriftliche Erklärung des US-Präsidenten Trump vom 24. April 2017 über die Ereignisse von 1915 enthalten Fehlinformationen und falsche Definitionen und rühren von der über einige Jahre von armenischen Kreisen in den USA geschaffenen Informationsverschmutzung durch Propagandamethoden her. Wir möchten gerne die US-Regierung darauf aufmerksam machen, dass der osmanischen Armenier, die im Ersten Weltkrieg ihr Leben verloren, auch in diesem Jahr am 24. April im Rahmen einer vom Armenischen Patriarchat in Istanbul abgehaltenen Zeremonie mit dem ihnen gebührenden Respekt gedacht worden ist.“

Trump beging am gestrigen Montag den Gedenktag zu den Ereignissen von 1915, indem er die diesbezüglichen Äußerungen seiner Vorgänger wiederholte.

„Heute erinnern wir uns an jene, die während des Meds Yeghern (Große Katastrophe), einer der schlimmsten Massengtäueltaten des 20. Jahrhunderts, gelitten haben und erweisen ihnen unsere Ehre“, so Trump.

Die Türkei erkennt die Tragödie hinter den Todesfällen hunderttausender Menschen an, die von 1915 an im Zusammenhang mit den Ereignissen in Ostanatolien während des Ersten Weltkrieges ihr Leben verloren hatten. Allerdings verwahrt sich die Türkei gegen die Beurteilung der Ereignisse als „Völkermord“ und spricht von einer beiderseitigen Tragödie. Ankara hat wiederholt die Bildung einer gemeinsamen internationalen Historikerkommission angeregt, um die Ereignisse vom Grunde her aufzuarbeiten und historisch zu bewerten. Die Regierung des Osmanischen Reiches hatte 1915 die Deportation armenischer Bevölkerungsteile aus der Region beschlossen, nachdem sich armenische Terrormilizen und Teile der Bevölkerung mit der russischen Armee verbündet hatten, die im Osten an der Kaukasusfront in osmanische Gebiete vorrückte.

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Türkei: Börsenindex erreicht Allzeitrekord – US-Dollar fällt weiter

Istanbul (nex) – Der Vergleichsindex der Türkei hat am gestrigen Montagnachmittag 93,408.39 Punkte und somit ein neues Rekordhoch erreicht.

Das letzte Rekordhoch war am 22. Mai 2013 verzeichnet worden und lag bei 93,398.33 Punkten.

Der BIST 100 Index der Borsa Istanbul schloss in der vergangenen Woche mit 92,423.93 Punkten, was einen Anstieg um 2,62 Prozent in einer Woche bedeutet – am 14. April betrug er 90,063.69 Punkte.

Die türkischen Aktien eröffneten die Woche mit einem Anstieg um 0,54 Prozent, die Indizes des Banken- und Holdingsektors legten jeweils 0,27 und 0,72 Prozent zu.

Unter Berücksichtigung der Transaktionen von Montag legte der Vergleichsindex gegenüber dem Jahresschlusskurs 2016 fast 19,5 Prozent zu.

Unterdessen betrug der US-Dollar-Türkische Lira-Wechselkurs gestern um 15.30 Uhr Ortszeit etwa 3,59, was den niedrigsten Wert seit fast einem halben Jahr darstellt.

Um 09.30 Uhr Ortszeit – bei Eröffnung der Börse am Montagmorgen – war der Dollar mit 3,6060 Lira, am Freitag mit 3,6440 gehandelt worden.

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