Dating
Liebe im digitalen Zeitalter: wie sich Dating neu erfindet

Dating war noch nie einfach. Doch in der heutigen Zeit ist es nicht nur schwer, sondern auch unübersichtlich geworden. Zwischen Chats, Likes und Algorithmen verschwimmen die klassischen Regeln des Kennenlernens. Begegnungen entstehen oft digital, Beziehungen entwickeln sich in Echtzeit – manchmal aber auch gar nicht.

Während frühere Generationen sich über Freunde, auf Festen oder im Alltag begegneten, geschieht das erste „Treffen“ heute häufig über ein Profilbild und eine kurze Nachricht. Die Möglichkeiten sind größer geworden – aber auch die Fallstricke. Wer passt zu wem? Und wie erkennt man echte Verbindung in einer Welt, in der alles sofort verfügbar scheint?

Gleichzeitig wachsen die Ansprüche. Wer datet, möchte oft mehr als nur ein nettes Gespräch. Es geht um Gefühl, Tiefe, Spannung – und manchmal auch um die große Inszenierung. Zwischen Sehnsucht und Selbstschutz beginnt ein Spiel, das so vielschichtig ist wie nie zuvor.

Zwischen Wunschdenken und Wirklichkeit

Moderne Beziehungen beginnen oft mit großen Erwartungen. Viele Menschen sehnen sich nach Nähe, Vertrautheit und gemeinsamen Erlebnissen – doch gleichzeitig prägen Unverbindlichkeit und Auswahldruck die Partnersuche. Der Kontrast zwischen Wunsch und Realität könnte kaum größer sein.

Dating ist heute ein Markt. Und auf diesem Markt wird viel verglichen, abgewogen und analysiert. Was früher ein Bauchgefühl entschied, übernimmt heute oft ein Algorithmus. Dabei verschieben sich die Maßstäbe: Attraktivität, Lebensstil, Kommunikationsgeschick – all das zählt mehr denn je.

Ein besonderes Segment spiegelt diesen Wandel besonders deutlich wider: das traumhafte Luxus-Dating. Hier geht es nicht nur um romantische Verbindung, sondern um Erlebnisse auf höchstem Niveau. Exklusive Dinner, Reisen, Geschenke – ein Rahmen, der Emotion mit Status verbindet. Für manche ist das ein reizvoller Weg zu intensiven Begegnungen, für andere eine künstliche Fassade.

Doch auch abseits solcher Konzepte zeigen sich neue Beziehungsformen:

  • Offene Beziehungen
  • Living Apart Together
  • Freundschaft Plus mit klaren Regeln

Die Vielfalt nimmt zu – und mit ihr die Herausforderung, das Passende zu finden. Wer ehrlich sucht, muss heute mehr denn je wissen, was wirklich zählt.

Algorithmen, Oberflächen, Emotionen

Dating-Apps gehören heute zum Alltag. Sie versprechen schnelle Matches, unkomplizierte Gespräche und die große Liebe auf Fingertipp. Doch was leicht beginnt, endet oft im Frust. Hinter der freundlichen Oberfläche lauern unzählige Entscheidungen – und mit ihnen neue Unsicherheiten.

Viele Profile wirken austauschbar. Fotos werden optimiert, Texte glattgebügelt, Interessen angepasst. Authentizität bleibt dabei häufig auf der Strecke. Wer auffallen will, braucht Strategie – nicht Gefühl.

Zugleich beeinflussen Algorithmen, was gesehen und vorgeschlagen wird. Was zählt, ist nicht immer der Charakter, sondern die Klickrate. Dadurch entsteht ein paradoxer Effekt: Je mehr Auswahl, desto schwerer fällt die Entscheidung. Und wer zu viel sucht, findet oft gar nichts.

Die Technik verändert nicht nur, wie man sich kennenlernt – sondern auch was man dabei empfindet. Gespräche verlaufen im Chatfenster, emotionale Nähe entsteht mit Zeitverzögerung. Und während man mit einer Person schreibt, wartet die nächste schon im Posteingang.

Trotzdem – oder gerade deshalb – wünschen sich viele wieder mehr Tiefe. Der Wunsch nach echter Verbindung bleibt, auch wenn der Weg dorthin heute oft durch digitale Filter führt.

Neue Ehrlichkeit oder neue Masken?

In Zeiten ständiger Selbstdarstellung verschwimmt die Grenze zwischen Echtheit und Inszenierung. Dating-Profile gleichen oft kleinen Werbekampagnen: gut kuratierte Bilder, wohlüberlegte Texte, betonte Interessen. Der Wunsch, zu gefallen, dominiert das Auftreten – noch bevor ein echtes Kennenlernen stattgefunden hat.

Doch was passiert, wenn sich beide Seiten nur in ihrer besten Version zeigen? Dann wird das erste reale Treffen zur Nagelprobe. Der Übergang von digitaler Fassade zu echtem Verhalten kann überraschen – im Guten wie im Schlechten.

Gleichzeitig wächst der Trend zur „radikalen Ehrlichkeit“. Manche stellen sich bewusst ungeschönt dar, teilen Widersprüche, zeigen Ecken und Kanten. Ob das ein Zeichen von Reife oder ein neuer Stilmittel-Effekt ist, bleibt offen. Klar ist: Authentizität ist zur Währung geworden – und gleichzeitig schwer greifbar.

So stellt sich die Frage: Wird Dating heute ehrlicher, weil Offenheit gefordert ist? Oder entstehen einfach neue Masken, angepasst an die Logik des Spiels?

Tempo, Timing und Taktgefühl

Nie war es so leicht, in Kontakt zu treten – und nie so schwer, in Verbindung zu bleiben. Eine Nachricht genügt, um Interesse zu zeigen. Ein Schweigen reicht, um es wieder zu beenden. Das Dating der Gegenwart ist schnell, flüchtig und oft ohne feste Richtung.

„Ghosting“ – das plötzliche Abtauchen ohne Erklärung – ist zum Synonym dieser Zeit geworden. Was früher als unhöflich galt, wird heute stillschweigend akzeptiert. Die Gründe dafür sind vielschichtig: Überforderung, Bindungsangst, Überangebot.

Zugleich herrscht das Gefühl, ständig unter Zeitdruck zu stehen. Wer sich zu viel Zeit lässt, riskiert, dass das Gegenüber weitersucht. Wer zu schnell reagiert, wirkt bedürftig. Die Balance zwischen Interesse und Unabhängigkeit ist ein ständiger Drahtseilakt.

Verbindlichkeit gilt mancherorts als altmodisch – und wird doch immer wieder eingefordert. Denn echte Nähe braucht Zeit. Sie entsteht nicht im Schnelldurchlauf, sondern im gegenseitigen Zuhören, im Teilen von Gedanken, im Aushalten von Pausen.

Wer den Mut hat, sich auf diesen Prozess einzulassen, wird belohnt – mit Begegnungen, die mehr sind als nur ein Moment im Chatverlauf.

Dating 2.0 – zwischen Herausforderung und Chance

Die Welt des Datings hat sich grundlegend verändert. Technische Möglichkeiten, gesellschaftliche Entwicklungen und neue Erwartungen machen das Kennenlernen heute komplexer als je zuvor. Wer sich auf die Suche nach Nähe begibt, muss sich in einem Spannungsfeld aus Offenheit, Auswahl und Unsicherheit bewegen.

Gleichzeitig steckt in dieser Vielfalt auch Potenzial. Noch nie war es so einfach, Menschen mit ähnlichen Werten, Interessen oder Lebensentwürfen zu finden – zumindest theoretisch. Die Herausforderung besteht darin, inmitten all der Optionen die eigene Haltung zu klären.

Weniger Perfektion, mehr Echtheit. Weniger Tempo, mehr Tiefe. Wer diese Haltung bewusst lebt, schafft Raum für Verbindungen, die nicht nur auf dem Bildschirm funktionieren – sondern auch im echten Leben tragen.

Glücksspiel
Wo ist der Haken? Sind Freispielboni die Mühe wert?

Es gibt wohl kaum zwei unterschiedliche Meinungen bei der Frage: „Welche Branche hat in den vergangenen 10 Jahren am meisten zugelegt?“ Die Antwort darauf ist einfach. Denn die Welt der Online-Casinos boomt wie keine zweite und das Ende der Fahnenstange scheint noch lange nicht erreicht zu sein.

Das liegt auch daran, dass immer wieder jede Menge Werbeaktionen durchgeführt werden, die darauf abzielen, neue Spieler zu gewinnen und erfahrene Spieler zum Weiterspielen zu animieren.

Auf der Suche nach Freispielen ohne Einzahlung? Dann sollten Sie unbedingt einen Blick auf casinotopsonline.com werfen, dem Branchenführer, wenn es darum geht, die besten Anbieter im Netz auf Herz und Nieren zu testen. Hier findet man stets einen aktualisierten Überblick darüber, was aktuell heiß am Markt ist.

Sich in der Flut der Boni zurechtzufinden, ist manchmal gar nicht so leicht. Und besonders häufig hören wir vom ominösen „Freispielbonus“. Klingt fraglos spannend, denn wer hat kein Interesse daran, eine kostenfreie Chance auf echte Gewinne zu bekommen? Doch Vorsicht.

Bevor man sich kopfüber in ein solches Abenteuer stürzt, sollte man sich immer erst mal fragen: Wo ist der Haken? Sind Freispielboni wirklich die Mühe wert oder sind sie nur clevere Marketingtricks, verpackt in glänzender Grafik? Schauen wir uns das einmal genauer an und finden heraus, ob diese Boni eine einmalige Gelegenheit sind oder nur Schall und Rauch.

Der Reiz von Freispielen

Der Reiz von Freispielen liegt auf der Hand. Es klingt ja auch einfach sehr angenehm: einfach loszocken bei den Slots, ohne das eigene Geld anfassen zu müssen.

Mit ein wenig Glück sind auch Gewinne drin. Freispiele werden besonders gerne als Teil eines Willkommenspakets, eines Treueprogramms oder sogar als persönliche Belohnungen für aktive Spieler angeboten.

Und entweder gelten sie für die großen und bekannten Titel wie „Starburst“, „Book of Dead“ oder „Gonzo’s Quest“ – oder die Anbieter nutzen Freispiele, um brandneue Titel auf ihrer Seite zu bewerben. Sinnig sind beide Ansätze, besonders wenn man eine Seite im Netz erst einmal neu kennenlernen möchte.

Aber auch für bereits vertraute Zocker gibt es hier echte Vorteile. Für wiederkehrende Spieler kann es sich wie ein Dankeschön oder eine zusätzliche Chance auf den schwer zu erreichenden Jackpot anfühlen. Doch wie so vieles in der Welt des Glücksspiels sind auch Freispiele an Bedingungen geknüpft.

Das Kleingedruckte ist wichtig

Es ist verständlich, dass man beim Zocken im Netz erst mal so rein gar keine Lust hat, sich irgendwas durchzulesen. Das sollte man aber stets.

Denn fast alle Freispielboni unterliegen bestimmten Bedingungen. Es ist das Kleingedruckte, welches die Fantasie von der mitunter grauen Realität trennt. Einer der wichtigsten Aspekte liegt in den Umsatzbedingungen.

In den meisten Fällen können Sie sich Gewinne aus Freispielen gar nicht sofort auszahlen lassen. Stattdessen müssen Sie den Betrag mehrmals – manchmal sogar 40- oder 50-mal – „umsetzen“, bevor Sie Ihr Geld abheben können. Wenn Sie also 10 € mit Ihren Freispielen gewinnen und die Umsatzbedingungen 40x betragen, müssen Sie 400 € umsetzen, bevor Sie an die zehn Euro kommen.

Dazu kommen dann häufig noch die Gewinngrenzen – ein weiterer Punkt, den man beim Spielen leider viel zu oft übersieht. Hierbei werden die Summen mit einem Maximalbetrag belegt, den man sich auszahlen lassen kann. Und um da noch eins draufzusetzen, gibt es häufig auch noch zeitliche Beschränkungen. Sprich, man muss die Freispiele innerhalb von nur wenigen Stunden oder Tagen nutzen, sonst verfallen sie.

Diese Bedingungen können in der Tat entmutigend sein, insbesondere für Spieler, die neu in der Welt der Online-Casinos sind und noch nicht völlig verstehen, worauf sie sich einlassen. Aber es ist bei Weitem nicht alles schlecht. Schauen wir uns doch endlich mal die wirklichen Pluspunkte an.

Wann sich Freispiele lohnen können

Allerdings muss man für die Branche auch mal eine Lanze brechen. Denn nicht alles, was glänzt, muss immer gleich schlecht sein. Viele Anbieter, besonders jene, die etwas moderner und jünger sind, haben oft auch Freispiele ganz ohne Umsatzbedingungen im Angebot.

Zugegeben, diese sind zwar noch etwas selten, werden aber immer beliebter, da Casinos versuchen, sich in einem umkämpften Markt von der Konkurrenz abzuheben. Es handelt sich in der Regel um kleinere Angebote – zehn, manchmal 20 Freispiele – aber sie können ohne weitere Einschränkungen genutzt werden, die Spieler normalerweise doof finden.

Ein weiterer positiver Aspekt ist, dass Freispiele als risikofreie Möglichkeit dienen können, ein Casino oder ein Spiel auszuprobieren.

Anstatt umgehend das eigene Geld zu setzen, bietet sich so die Gelegenheit, sich zunächst mit der Benutzeroberfläche der Website vertraut zu machen, zu sehen, wie reaktionsschnell der Kundenservice ist, und dann zu entscheiden, ob Sie hier verweilen wollen, oder ob es bei einem kurzen Besuch bleibt. Sozusagen ein Probelauf ohne jedes Risiko.

Abschließende Gedanken

Wir sind nun bereits am Ende unserer Überlegungen angekommen. Und noch immer haben wir die Frage auf dem Herzen: Lohnen sich Freispielboni? Nun, die ehrliche Antwort lautet:

Es kommt darauf an. Wenn Sie mit realistischen Erwartungen an die Sache herangehen, die Bedingungen verstehen und die Freispiele strategisch einsetzen, können sie durchaus einen Mehrwert bieten. Mit ein paar Freispielen werden Sie zwar nicht zum Millionär, aber Sie können ein wenig Geld gewinnen, neue Spiele entdecken oder einfach nur ein Spiel ohne Druck genießen.

Es ist jedoch auch hier immer wichtig, auch wirklich das Kleingedruckte zu lesen. Denn wie so oft findet man dort alles Wissenswerte, um auch wirklich auf Nummer sicher zu gehen.

Letztlich sind Freispiele ein Marketinginstrument. Das bedeutet aber nicht, dass sie nutzlos sind. Denn wie jedes Werkzeug funktionieren sie am besten, wenn sie sinnvoll eingesetzt werden.

Nehmen Sie sich also die Zeit, die Regeln zu studieren, wählen Sie nur seriöse Casinos aus und schrauben Sie Ihre Erwartungen herunter – und vielleicht stellen Sie fest, dass das „kostenlos“ in Freispielen doch nicht so unrealistisch ist.

Liebe
Chatten zur Beziehung? Darum bringt digitales Dating wirklich etwas

Fast 38 Prozent aller neuen Beziehungen in Deutschland beginnen mittlerweile online. Das ergab eine repräsentative Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Deutschen Telekom im Jahr 2023.

Damit ist das Internet erstmals der häufigste Startpunkt für romantische Verbindungen – noch vor Arbeit, Freundeskreis oder Freizeit. Wie kommt es, dass digitale Kanäle so viele reale Liebesgeschichten hervorbringen?

Kann man tatsächlich online Gefühle aufbauen, die über Emojis und Selfies hinausgehen? Dieser Text zeigt, warum viele Menschen heute lieber zuerst chatten wollen, bevor sie jemanden wirklich in ihr Leben lassen.

Gespräche mit Tiefe statt Druck

Moderne Beziehungen beginnen heute oft an einem Ort, der früher Distanz bedeutete: dem Bildschirm. Wer digital in Kontakt tritt, erlebt einen Einstieg ohne Körpersprache, ohne Blickkontakt, ohne spontane Gestik.

Anstelle visueller Eindrücke stehen Worte, Emojis, Pausen und Tonalität im Zentrum. Was zunächst reduziert erscheint, fördert in vielen Fällen genau das, was beim schnellen Kennenlernen offline oft fehlt: Konzentration auf Inhalte. Ohne äußeren Druck fällt es leichter, sich auf das zu fokussieren, was jemand sagt – nicht darauf, wie er wirkt.

Gerade in den ersten Tagen, wenn aus losen Gesprächen Interesse wird, zeigt sich die Stärke der digitalen Kommunikation. Wer schreibt, denkt nach. Wer antwortet, wählt aus. Gespräche verlaufen nicht impulsiv, sondern oft sorgfältig. Viele Nutzerinnen und Nutzer berichten, dass sie in den ersten Phasen mehr über Werte, Ansichten und Erwartungen gesprochen haben als je bei analogen Dates.

Diese Beobachtung stützt auch eine Langzeitstudie der Stanford University aus dem Jahr 2022. Darin gaben 61 Prozent der befragten Online-Paare an, bereits vor dem ersten Treffen über Kinderwunsch, Zukunftspläne oder persönliche Ängste gesprochen zu haben. Bei offline entstandenen Beziehungen waren es nur 38 Prozent.

Warum digitales Tempo neue Nähe zulässt

Digitale Kommunikation erlaubt es, die eigene Geschwindigkeit zu bestimmen. Kein Gespräch muss sofort geführt, keine Antwort sofort abgeschickt werden. Diese Form des Austauschs reduziert Druck – und lässt Spielraum.

Besonders introvertierte Menschen oder jene mit belastenden Beziehungserfahrungen finden in dieser Unverbindlichkeit einen geschützten Einstieg. Die Plattform wird zum emotionalen Sicherheitsnetz. Der Bildschirm schafft Distanz, die Nähe zulässt.

Worte erhalten in diesem Rahmen eine neue Bedeutung. Zwischen Fragen nach dem Alltag und Gedanken zur eigenen Vergangenheit entstehen Gespräche, die mehr Tiefe zulassen als Small Talk beim ersten Kaffee.

Wer bewusst mit jemandem chatten möchte, ohne sofort eine Entscheidung treffen zu müssen, findet heute digitale Räume, in denen genau das möglich ist. Diese Form des Kennenlernens wirkt für viele ehrlicher, weil sie frei ist von der sozialen Choreografie des analogen Datings.

Digitale Distanz fördert Offenheit in Tabuthemen

In digitalen Gesprächen werden Themen angesprochen, die offline oft vermieden werden. Schuldgefühle aus früheren Beziehungen, familiäre Belastungen, psychische Erkrankungen – vieles fällt über Text leichter.

Das liegt nicht an mangelnder Ernsthaftigkeit, sondern an der kontrollierten Form des Ausdrucks. Wer schreibt, kann Gedanken ordnen. Wer liest, hat Zeit zum Verstehen. Gerade bei sensiblen Themen entsteht so ein Dialog, der im persönlichen Gespräch häufig zu schnell oder zu konfrontativ verlaufen würde.

Eine empirische Erhebung des Leibniz-Instituts für Sozialwissenschaften aus dem Jahr 2021 ergab, dass bei digital angebahnten Beziehungen in 43 Prozent der Fälle bereits vor dem ersten Treffen über psychische oder gesundheitliche Themen gesprochen wurde. Bei offline gestarteten Kontakten lag dieser Wert nur bei 19 Prozent. Das zeigt: Chat-basierte Kommunikation bietet eine Form von Schutz, die ehrliche Inhalte nicht verhindert, sondern fördert.

Mut zur Verletzlichkeit beginnt oft mit Text

Der Bildschirm erlaubt es, auch Schwächen preiszugeben, ohne das Gesicht zu verlieren. Für viele Menschen mit Bindungsangst, sozialen Ängsten oder negativen Beziehungserfahrungen ist das ein entscheidender Unterschied.

Sie finden über das Schreiben einen Weg zur Nähe, der im echten Leben oft zu steil erscheint. Genau darin liegt ein unterschätzter Wert digitaler Annäherung: Sie kann emotionale Prozesse in Gang setzen, die offline gar nicht möglich wären.

Digitale Beziehungspflege stabilisiert bestehende Partnerschaften

Nicht nur neue Beziehungen entstehen online. Auch bestehende Partnerschaften profitieren zunehmend von digitaler Kommunikation. Paare, die durch berufliche Pendelmodelle,

Fernbeziehungen oder familiäre Verpflichtungen getrennt sind, halten über Chats, Sprachnachrichten und geteilte Inhalte Kontakt – und damit emotionale Nähe. Wer gelernt hat, digital zu kommunizieren, verliert sich seltener in Schweigen, selbst wenn räumliche Trennung besteht.

Das Deutsche Jugendinstitut untersuchte 2023 in einer qualitativen Befragung, wie digitale Routinen bestehende Partnerschaften beeinflussen. 74 Prozent der befragten Paare gaben an, dass regelmäßiges Schreiben oder der Austausch über digitale Kanäle das „Beziehungsgefühl“ aufrechterhalte.

Dabei spielte nicht die Länge der Nachrichten eine Rolle, sondern deren Alltagsnähe. Kleine Updates, gemeinsame Erinnerungen, spontane „Ich denk an dich“-Momente stärken das emotionale Band zwischen zwei Menschen.

Gerade in Lebensphasen mit hoher Belastung – etwa durch Jobstress, Care-Arbeit oder räumliche Trennung – wird digitale Kommunikation zum Beziehungskitt. Sie ersetzt keine Umarmung, aber sie verhindert Entfremdung.

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Nahost
Türkei: Israel sieht Bedrohung durch Atomprojekt

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel Weil die Türkei ihr Kernkraftwerk-Programm im Land beschleunigt, sieht Israel darin eine Bedrohung und kommuniziert das inzwischen als Atomprojekt, mit dem unabhängigen Uran angereichert werden soll. Aber waren es nicht Israel und der Iran, die diesen Dominoeffekt vorantrieben? Im Dezember 2024 stürzten syrische Rebellen der Haiʾat Tahrir asch-Scham (HTS) die Regierung von Baschar al-Assad. Höchstwahrscheinlich hatte die Türkei hier die Finger im Spiel. Assads Sturz schwächte auch den Iran, das durch schwere militärische Schläge Israels geschwächt ist. Teheran ist angesichts Ankaras Vorgehen in Syrien sowohl verärgert als auch brüskiert, zeigt sich dennoch reserviert, da es den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan seit längeren verdächtigt, die Türkei als dominierende Macht in der Region positionieren zu wollen. Aus Angst vor weiteren israelischen Angriffen und türkischen Ambitionen auf eine regionale Hegemonie, könnte Teheran seine Urananreicherung zur Abschreckung auf waffenfähiges Niveau jetzt erst recht erhöhen. Ankara, dass die Zukunft Syriens weiterhin dominieren und das entstandene Machtvakuum füllen will, könnte und müsste angesichts der Lage – einerseits der Atommacht Israel, anderseits die Atommacht Iran – zur eigenen Absicherung, ebenfalls die unabhängige nukleare Abschreckung anstreben. Doch Ankara unterzeichnete auch das erweiterte IAEA-Inspektionsabkommen, das Zusatzprotokoll (AP), mit der die IAEA besser in die Lage versetzt wurde, Aktivitäten wie Gaszentrifugenanlagen (Anlagen zur Herstellung von angereichertem Uran) aufzudecken, die der Unterzeichnerstaat nicht angegeben hat. Die Erzeugung von Atomstrom bietet Ankara die Möglichkeit, grundlegende nukleare Infrastruktur, Know-how und Wissen zu erwerben. Atomenergieprogramme dienten Staaten wie dem Iran bereits als Deckmantel für den Import benötigter Ausrüstung für Atomwaffen. Als Mitglied der Gruppe der Nuklearlieferanten (NSG) ist die Türkei rechtlich nicht verpflichtet, die NSG über direkte Importe und Exporte von Atomwaffen zu informieren. Zudem kann Ankara auch vom Atomwaffensperrvertrag abrupt aussteigen. Ein Indiz dafür, dass die Türkei Urananreicherung anstrebt, könnte der Deal im Oktober 2024 mit dem afrikanischen Staat Niger sein, der sich bereist im Juli 2024 angekündigt hatte. Der türkische Außenminister Hakan Fidan und der Nachrichtendienstdirektor Ibrahim Kalin hatten ein Bergbauabkommen unterzeichnet. Niger ist ein bedeutender Uranproduzent und liegt an dritter Stelle weltweit in Bezug auf die Uranförderung. Ein weiteres Indiz: Am 4. September 2019 erklärte Erdoğan, es sei inakzeptabel, dass Atommächte Ankara den Erwerb eigener Atomwaffen verbieten. Diese Aussage warf zahlreiche Fragen zu den Beweggründen der Türkei für ein mögliches Atomwaffenprogramm auf. Ankara setzt sich seit dem gescheiterten Putschversuch für die Förderung seiner sogenannten „strategischen Autonomie“ ein. Die Türkei legt großen Wert auf den Aufbau einer nationalen Verteidigungsindustrie, um die Abhängigkeit von ausländischen Rüstungsgütern – insbesondere von den USA und Europa – zu verringern, wenn nicht gar zu beseitigen. Ausserdem sichert und stärkt es auch die Handelswege mit den Partnerstaaten entlang der nordafrikanischen Küste. Um dies zu erreichen, investiert das Land in hochwertige inländische Rüstungskonzerne, um Panzer, Raketen, Radartechnologie, U-Boote, Kampfschiffe und Drohnen zu entwickeln und bauen zu lassen. Um diese Politik auch nachhaltig zu schützen, insbesondere in Zusammenhang mit Israel und dem Iran, bräuchte es auch zwangsläufig Atomwaffen. Der meistgelesenen kostenlosen Zeitung Israels, der „Israel HaYom“, ist diese Strategie Ankaras ebenfalls nicht entgangen. In einem Artikel zeichnet der israelische Analyst Shay Gal, die Türkei als Bedrohung, nicht nur konventioneller, sondern auch atomarer Natur. Gal geht jedoch weiter und zeichnet eine Türkei, die der „neue Iran“ sei. Während Ankara Israel seit längerem vorwirft, die regionale Stabilität zu riskieren, bezeichnet Gal die Türkei als destabilisierende Macht und Bedrohung für Israel selbst. So werde die Weiterentwicklung der türkischen ballistischen Rakete „Typhoon“ vorangetrieben. Inzwischen habe diese Rakete eine Reichweite von bis zu 560 km – Tendenz steigend. Zudem arbeite Ankara am Tarnkappen-Kampfjet „Kaan“, deren Indienststellung noch vor 2028 vorgesehen ist. Gal weist insbesondere auf die türkische Ausbreitung in der Region hin. In Niger, Somalia, Pakistan und Libyen, habe Ankara weitreichende politische, militärische und wirtschaftliche Kooperationen gesichert, darunter auch nukleare Rohstoffe, aber auch militärische Stützpunkte, die fernab westlicher Kontrolle operieren würden und dazu dienen könnten, atomare Technologien zu erforschen oder zu entwickeln. Angesicht dieser Ambitionen betrachtet Gal die widersprüchliche Haltung der Europäischen Union wie auch der USA mit Sorge, zumal die Türkei als NATO-Mitglied nicht nur gegen Griechenland feindlich gestimmt sein soll, sondern auch mit Zypern und den Anrainerstaaten des östlichen Mittelmeers erhebliche Probleme hat. Diese inkonsistente Politik der USA und Europas erfordere eine unabhängige strategische Reaktion Israels, so Shay Gal. Der „türkische Militäraufmarsch“ in Nordsyrien biete zudem eine zusätzliche Plattform für Drohungen gegen Israel.  
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.
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EU-China-Gipfel
EU und China: Menschenrechte dürfen nicht unter den Tisch fallen

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Bonn – Wenn sich am 24. Juli die EU-Spitzen mit der chinesischen Regierung in Peking treffen, richtet sich ein Großteil der medialen Aufmerksamkeit auf die zunehmenden Spannungen im Handel und in der Geopolitik. Eines droht erneut ausgeklammert zu werden: die systematischen Menschenrechtsverletzungen in China. In China werden weiterhin grundlegende Rechte missachtet – insbesondere die von Arbeitnehmer*innen und ethnischen Minderheiten. „Wer Handelsbeziehungen mit China führt, darf nicht wegsehen, wenn Menschen unter Zwang arbeiten, Gewerkschaften verboten sind und Arbeitszeiten ausufern. Die EU muss bei diesem Gipfel klare menschenrechtliche Erwartungen formulieren – nicht als Randnotiz, sondern als zentrale Bedingung für wirtschaftliche Zusammenarbeit“, fordert Dr. Sabine Ferenschild vom Bonner SÜDWIND-Institut. Die menschenrechtliche Lage in China ist seit Jahren besorgniserregend:
  • Zwangsarbeit in der Uigurischen Autonomen Region ist weiterhin dokumentiert,
  • Gewerkschaftsfreiheit existiert faktisch nicht,
  • Arbeitsrechte werden in vielen Sektoren systematisch untergraben.
Diese Missstände wirken bis in europäische Lieferketten hinein: In vielen Produkten, die täglich in Europa gekauft und genutzt werden, stecken genau jene Risiken. Trotz dieser Faktenlage ist nicht zu erwarten, dass die EU-Führung beim Gipfel das Thema aktiv anspricht. „Menschenrechte sind kein diplomatischer Luxus – sie müssen das Fundament jeder internationalen Beziehung sein. Wer sich auf faire Handelsregeln beruft, muss zuerst die Menschen achten, die in den Produktionsprozessen arbeiten“, so SÜDWIND-Expertin Sabine Ferenschild.
Menschenrechtliche Risiken in der Solarindustrie
Hintergrund Solarmodule sind ein Schlüssel zur Energiewende, bergen jedoch erhebliche menschenrechtliche Risiken – vor allem beim Rohstoffabbau und der Polysiliziumproduktion in der chinesischen Region Xinjiang. Berichte der Vereinten Nationen dokumentieren Zwangsarbeit von Uigur*innen und anderen Minderheiten. Über 80 Prozent der weltweit genutzten Solarmodule kommen aus China und rund 40 Prozent des globalen Polysiliziums stammen aus Xinjiang. Lieferkettenproblematik Viele Solarfirmen sind indirekt über Zwischenhändler involviert und haben kaum Kontrolle über vorgelagerte Produktionsstufen, in denen die gravierendsten Menschenrechtsverletzungen stattfinden. EU-Gesetzesinitiativen Die geplante EU-Zwangsarbeitsverordnung zielt unter anderem auf die Solarbranche: Betroffen sein könnte der Import von Solarmodulen und Komponenten, die unter Einsatz von Zwangsarbeit hergestellt wurden – etwa Polysilizium aus der Region Xinjiang. Ergänzend würde das geplante EU-Lieferkettengesetz Unternehmen verpflichten, ihre gesamte Lieferkette – vom Rohstoffabbau bis zur Endfertigung – systematisch auf Menschenrechtsverletzungen, Umweltverstöße und unfaire Arbeitsbedingungen zu prüfen. Gerade in der stark globalisierten Solarindustrie mit komplexen, oft intransparenter Lieferstruktur wäre dies ein zentraler Schritt zu mehr Transparenz und Verantwortung. Abschwächung des Lieferkettengesetzes Das Lieferkettengesetz soll jedoch stark abgeschwächt werden: Viele deutsche Solarunternehmen fallen dann wegen hoher Umsatzschwellen aus der Verantwortung. Dadurch bleiben schwerwiegende Risiken weiterhin meist unkontrolliert. Ausblick Das EU-Parlament verhandelt die Gesetzesvorhaben im Herbst 2025, mit geplanter Abstimmung im Oktober 2025.
Turksprachige Uiguren

Bei den Uiguren handelt es sich um eine turksprachige muslimische Minderheit, die überwiegend in der autonomen Region Xinjiang auf dem Territorium der Volksrepublik China lebt.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International wirft China schwere Menschenrechtsverletzungen gegenüber den Uiguren vor und beschuldigt die chinesischen Behörden seit 1980er-Jahren, diese systematisch zu verfolgen. Mitglieder dieser Volksgruppe würden aufgrund ihrer Herkunft und muslimischen Religion willkürlich festgenommen und inhaftiert sowie in Internierungslager gesteckt.

In der Haft hätten diese Menschen keinen „Kontakt zur Außenwelt“ und seien „starken Einschränkungen ihrer Religionsfreiheit sowie ihrer sozialen und kulturellen Rechte“ ausgesetzt.

Chinas Verfolgung der uigurischen Minderheit in Xinjiang ist in den letzten Jahren eskaliert und kommt nach Ansicht von Experten einem Völkermord gleich. Man geht davon aus, dass mehr als eine Million Menschen in Internierungslagern festgehalten werden, und es gibt immer mehr Beweise für Umerziehungsprogramme, Einschränkungen religiöser und kultureller Überzeugungen, Zwangsarbeitsprogramme, Massenüberwachung und Zwangssterilisation von Frauen. Auch Zwangsarbeit gehört zu den Vorwürfen. Trotzdem lassen Konzerne dort produzieren. China streitet die Vorwürfe vehement ab

China streitet die Vorwürfe vehement ab und sagt, die Politik diene dazu, den Terrorismus zu bekämpfen und die Armut zu lindern. Offizielle Stellen weisen regelmäßig alle Berichte über Missstände als Erfindungen zurück.

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Um das Bevölkerungswachstum der unerwünschten muslimischen Uiguren zu beschränken, habe Chinas kommunistische Regierung angeordnet, dass Babys kurz vor oder nach der Geburt getötet werden.

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Griechenland
Dr. Sadık Ahmet: Furchtloser Kämpfer für Menschenrechte

Ein Gastbeitrag von Kemal Bölge

Am 24. Juli 1995 – vor fast 30 Jahren – starb Dr. Sadık Ahmet bei einem bis heute ungeklärten Verkehrsunfall im Dorf Susurköy (griechisch: Sostis) in Nordostgriechenland.

Der Chirurg, Politiker und Menschenrechtsaktivist war eine zentrale Stimme der türkisch-muslimischen Minderheit in der griechischen Region Westthrakien. Sein Engagement für Minderheitenrechte machte ihn zu einer Symbolfigur – und zum politischen Stachel für das griechische Establishment.

Geboren wurde Sadık Ahmet am 7. Januar 1947 im Dorf Küçük Sirkeli (türkisch: Ağra) bei Gümülcine (Komotini). Sein Vater, ein Landwirt mit einer kleinen Werkstatt zur Reparatur von Pferdewagenrädern, benannte ihn nach seinem Großvater, der in der Region als Müller bekannt war – daher der Familienname „Değirmenci“, auf Deutsch: Müller. Die Schulzeit absolvierte Ahmet an der Celal-Bayar-Gesamtschule in Gümülcine, wo er auch sein Abitur machte.

Ein Arzt mit politischer Mission

Nach dem Schulabschluss führte ihn sein Bildungsweg zunächst nach Ankara, später auch nach Thessaloniki. Dort studierte er Medizin und schloss 1974 erfolgreich sein Studium ab.

Seit 1984 arbeitete er als Chirurg – doch seine wahre Berufung fand er in der Politik. Früh engagierte sich Ahmet für die Rechte der türkischen Minderheit in Westthrakien, die seit Jahrzehnten von der griechischen Regierung nicht als „türkisch“, sondern lediglich als „muslimisch“ bezeichnet wird. Diese Verweigerung der ethnischen Selbstdefinition sorgte über Jahre hinweg für gesellschaftliche Spannungen.

1985 organisierte Ahmet eine Unterschriftenkampagne, mit der er die internationale Öffentlichkeit auf die Diskriminierung der türkischen Minderheit aufmerksam machen wollte. Rund 15.000 Menschen unterstützten seine Forderungen. Die griechischen Behörden reagierten jedoch nicht mit Dialog – sondern mit Repression. Wegen seiner politischen Aktivitäten wurde Ahmet angeklagt und zu 30 Monaten Haft verurteilt.

Parlamentseinzug und politische Repression

1989 wurde Sadık Ahmet zum ersten unabhängigen Abgeordneten der türkischen Minderheit ins griechische Parlament gewählt – ein historischer Erfolg. Doch die Wahl wurde später annulliert. Ein Jahr später, am 26. Januar 1990, hielt er eine Rede, in der er den Begriff „Türken“ für die Minderheit in Westthrakien verwendete. Dies führte erneut zu einer Verurteilung – diesmal zu mehreren Monaten Freiheitsstrafe.

In einer mutigen Stellungnahme vor seinem Haftantritt sagte er: „Nur weil ich Türke bin, muss ich ins Gefängnis. Wenn es strafbar ist, Türke zu sein, sage ich noch einmal, dass ich Türke bin und es auch bleiben werde.“

Seine Worte wurden zum Symbol für den Kampf um ethnische Selbstbestimmung und Meinungsfreiheit.

Gezielte Hürden gegen Minderheiten

1993 änderte das griechische Parlament das Wahlrecht – unter anderem durch die Einführung einer Drei-Prozent-Hürde. Diese Änderung hatte weitreichende Folgen: Unabhängige Kandidaten wie Sadık Ahmet konnten dadurch kaum noch ins Parlament einziehen. Kritiker warfen der Regierung vor, gezielt gegen politische Repräsentanten der türkischen Minderheit vorzugehen.

Trotz aller Rückschläge blieb Ahmet seiner Mission treu. Er kämpfte für den muttersprachlichen Unterricht, für Religionsfreiheit und für die Anerkennung der kulturellen Identität der türkischen Minderheit. Seine Entschlossenheit und Furchtlosigkeit machten ihn für viele zur Stimme einer entrechteten Gemeinschaft – und für die politischen Eliten Griechenlands zu einer unbequemen Figur.

Ein ungeklärter Tod

Am 24. Juli 1995 endete das Leben von Dr. Sadık Ahmet bei einem mysteriösen Autounfall in Susurköy. Die genauen Umstände seines Todes wurden nie vollständig aufgeklärt, was bis heute Spekulationen und Zweifel nährt. Für viele blieb die Frage bestehen: War es wirklich ein Unfall – oder das Schweigen über einen politischen Mord?

Erinnerung an ein Vermächtnis

Drei Jahrzehnte nach seinem Tod ist das Vermächtnis von Sadık Ahmet lebendiger denn je. In der Türkei und bei der türkischen Minderheit in Griechenland wird seiner regelmäßig gedacht. Er gilt als Symbol für Mut, Gerechtigkeit und das unermüdliche Streben nach Gleichberechtigung.

Dr. Sadık Ahmet hat der türkischen Minderheit eine politische Stimme verliehen – und der Welt gezeigt, dass selbst ein Einzelner die Kraft haben kann, gegen systematische Diskriminierung aufzustehen. Sein Lebenswerk bleibt Mahnung und Inspiration zugleich.

 
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.
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Gastbeitrag
Es begann mit „One Minute“, endete im Putschversuch

Ein Gastbeitrag von Nabi Yücel Es sind bereits neun Jahre her, dass der brutale Putschversuch in der Türkei aus der Warte des Volkes betrachtet, zum Scheitern verurteilt war. Hunderttausende im Land, hatten sich den Putschisten der Fethullah Gülen -Sekte in den Weg gestellt, noch ehe Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan sich an das Volk wendete. Hat sie auch die Kraft und den Mut, sich vereint in das nächste Jahrhundert aufzumachen? Wie gefährlich der gescheiterte Putschversuch vom 15. auf den 16. Juli 2016 für die türkische Republik war, ist kaum zu erfassen. Dieser Putschversuch war tiefer und komplexer, und wird noch Jahrzehnte nachhallen. Denn, die Aufarbeitung der Verbrechen, die Verfolgung der Verbrecher, der Mut zu Veränderungen, diese sollten nicht bei loser Rhetorik bleiben… Man sollte beispielsweise nicht vergessen, dass İsmet İnönüs Erklärungen von 1964 und 1974, „Eine neue Welt wird entstehen, die Türkei wird ihren Platz einnehmen“, und Bülent Ecevits „Sprung über die Mauer“, alle während des Kalten Krieges erfolgten. Die Umsetzung dieser Erklärungen gestaltete sich unter den geltenden Umständen jedoch schwierig, schlussendlich wurden auch keine nachhaltigen Anstrengungen in diese Richtung unternommen.

Entscheidungen erfordern Mut und Rückgrat gegenüber der Bevölkerung

Die Ereignisse nach dem „Nein“ zum parlamentarischen Mandatsantrag in Zusammenhang mit dem Einsatz im Irak sowie der Stationierung von ausländischen Militärs vom 1. März 2003, fielen in eine Phase der Unsicherheit in den internationalen Beziehungen zusammen. Diese Zeit der Unsicherheit minderte jedoch nicht die geopolitische Bedeutung der Türkei; im Gegenteil, die Entwicklungen im Nahen Osten stärkten sie weiter. An diesem Punkt ist entscheidend, dass die Bedeutung der Geografie, in der sich die Türkei befindet, immanent ist. Diese Geografie, in ihrer klassischsten Definition, umfasst direkt den Balkan, das Schwarze Meer, den Kaukasus, den Nahen Osten und das östliche Mittelmeer. Geopolitik ist in ihrer prägnantesten Definition die Entwicklung und Umsetzung politischer Entscheidungen, die in einer bestimmten geografischen Region für die Sicherheit dieser Region und das Wohlergehen der dort lebenden Völker erforderlich sind. In der Ära der republikanischen Politik war das Prinzip „Friede im Inland, Frieden in der Welt“ bis zu einem gewissen Punkt der geeignetste politische Rahmen für die kleinasiatische Region. Dieses Prinzip manifestierte sich in der Entwicklung von Partnerschaften mit allen Staaten, insbesondere den Nachbarländern, der Nichteinmischung in deren innere Angelegenheiten und der Weigerung, auch nur annähernd imperiale Ambitionen der Vergangenheit zu verfolgen. Die Türkei wurde Mitglied des Westens, nachdem sie nach 1946 den Übergang zur Mehrparteiendemokratie vollzogen und Mitglied der Vereinten Nationen geworden war, Gründungsmitglied des Europarats wurde und 1952 der NATO beitrat. Trotz der Krisen, die sie erlebte, diskutierte die Türkei diese Zugehörigkeit über bloße Rhetorik hinaus nie ernsthaft. Diese Einschätzung galt bis zuletzt auch für die Ära der AKP unter Recep Tayyip Erdoğan.

Proteste auf dem Gezi-Park von 2013

Ab den Protesten im Gezi-Park von 2013, änderte sich diese Haltung schlagartig. Ein zunehmendes Misstrauen breitete sich nicht nur in der Politik, sondern in der Gesellschaft aus. Nach diesem Ereignis waren die Beziehungen zur westlichen Welt nie mehr dieselbe, es wurde sogar immer mehr vergiftet; mit dem anhaltenden Syrien-Konflikt (2011-2024) und der in Nordsyrien ausbreitenden Terrororganisation PKK; mit dem Scheitern des Friedensprozesses der PKK im Juli 2015; und mit der Operation „Schützengräben“ zwischen August 2015 und März 2016 gegen die PKK im Inland. Insbesondere diese Umstände führten dazu, dass die türkische Regierung zu einer anderen Interpretation der Doktrin „Friede im Inland, Frieden in der Welt“ kam. Später vertieften weitere Krisen und mutmaßliche Affären, vor allem aber der Putschversuch der FETÖ vom 15. Juli 2016 dieses Misstrauen gegenüber dem Westen und den Vereinigten Staaten immens. Parallel dazu betrat Russland den Nahen Osten nach der Georgien-Krise, der Annexion der Krim und der Ukraine-Krise. Die strategische Verlagerung Russlands in den Beziehungen zur Türkei, wurde sichtbar und erhöhte zugleich den Druck auf das kleinasiatische Kernland. Die Veränderungen, die den Nahen Osten und insbesondere die Türkei betreffen, vor allem aber die Entwicklungen nach der US-amerikanischen Invasion im Irak ohne die türkische Beteiligung, die unterschiedlichen Herangehensweisen in Zusammenhang mit dem syrischen Bürgerkrieg, das Ende der Friedensinitiative mit der Terrororganisation PKK und die Rhetorik der türkischen Regierung allgemein, zeigen deutlich, wie das Gesamtklima in Ankara gegenüber Washington und den europäischen Hauptstädten war und bis heute so geblieben ist. Die Lage ist derart komplex geworden, dass die Beziehungen der Türkei zum Westen nur noch als Zweckbündnis zu deuten sind. Zwischen der Normalisierung der Türkei und den USA stehen vor allem nach dem gescheiterten Putschversuch die Führer der Fethullah Gülen-Bewegung und der engste Kreis dessen im Wege. Aus Sicht Washingtons war bis zum Ableben von Fethullah Gülen, dieser ein hoch angesehener Sektenanführer, und sein engster Kreis sind weiterhin US-Staatsbürger. Aus der Warte der Türkei betrachtet, handelt es sich allesamt um Landesverräter, um Terroristen und Verbrecher. Der Fall Metin Topuz und einem weiteren Staatsbürger, die für das US-Konsulat arbeiteten, rundeten das Gesamtbild ab, das Ankara von Washington gewonnen hatte und zu Gegenmaßnahmen bewegte. Obwohl Topuz, ein türkischer Staatsbürger, für eine diplomatische Mission tätig war, stand seiner Verhaftung nach nationalem wie internationalem Recht nichts im Wege. Die US-Seite gab jedoch laufend Erklärungen ab, die darauf hindeuteten, dass Topuz seiner gesetzlichen Rechte beraubt worden sei. Auch die Generalstaatsanwaltschaft in Ankara schaltete sich schließlich hierzu ein und erklärte: „Es gibt keinen Anspruch auf Familienbesuchsrecht.“ Da fand sprichwörtlich ein psychologischer Krieg zwischen zwei Staaten statt. Was auch immer der Grund sein mag, diese beispiellosen Maßnahmen, die türkische Bürger direkt betraf, hatte zweifellos einen neuen Riss in den Beziehungen verursacht.

Der Platz der Türkei in der Neuen Welt

Die alte Weltordnung ist zweifellos vorbei. Mit Henry Kissingers Worten: „wir befinden uns in einer chaotischen Zeit.“ Obwohl derzeit noch nicht bekannt ist, wie die neue Ordnung aussehen wird, gibt es einige wichtige Hinweise. Anzeichen dafür gab es bereits unter US-Präsident Obama, aber unter Trump wurde es noch deutlicher. Der Kern der Strategie ist folgender: Die USA scheinen freiwillig globale Verantwortung und Führung abgeben zu wollen. Sie wollen keine dauerhaften Allianzen mehr. Tritt eine Bedrohung auf, versuchen sie, diese – aufgrund des Traumas der Irak-Invasion – ohne eigenes militärisches Engagement zu bekämpfen, indem sie lediglich einem oder wenigen vorübergehenden Verbündeten, die sich vor Ort freiwillig melden, Waffen und Ausbildung zur Verfügung stellen. In den kommenden Jahrzehnten wird sich China mit seinem „One Belt, One Road“-Projekt von Shanghai über Eurasien bis nach Europa erstrecken. Diesen Entwicklungen steht die Russische Föderation gegenüber, die durch Petrodiplomatie und der hybriden Kriegsfähigkeiten sich neue strategische Vorteile zu verschaffen sucht. Und die EU, die diesen Entwicklungen vorerst nur zusieht und nicht wirklich eine Zukunftsstrategie vorzuweisen hat, ist seinen einzigen Mitglied mit globaler Vision, Großbritannien, los. Zudem werden bedeutende Regionalmächte unterschiedlicher Größe, wie beispielsweise die Türkei, zwangsläufig mit im Spiel sein. Es gibt noch keine Anzeichen dafür, wie eine solche Weltordnung aussieht und funktionieren wird. Wir befinden uns aber auch in einer Übergangsphase. Solche Übergangsphasen, in denen Stabilität verloren geht und Bündnisverpflichtungen in Frage gestellt werden, sind zweifellos voller Stolpersteine und mit entsprechenden Gefahren verbunden. Aus dieser Perspektive betrachtet sind drei Punkte für die Türkei entscheidend: die ideologischen, konfessionellen und ethnischen Bruchlinien im Inneren müssen minimiert, wenn nicht gar vollständig beseitigt werden; neue Freundschaften und Allianzen sind zu knüpfen und gleichzeitig bestehende Allianzen zu stärken; und letztlich ist zu verhindern, dass die Türkei zu einer Kampfarena um Einfluss zwischen Großmächten verkommt. Der letzte Punkt ist besonders wichtig: man muss die Allianzen auf den Prüfstand bringen, jedoch nicht um jeden Preis verlassen, gepaart mit unvorhergesehenen Entwicklungen, die einen solchen Kampf entfachen könnten. Es gibt zwei Schlüsselelemente, die die Türkei in dieser gefährlichen Zeit als Leuchtfeuer dienen und leiten werden: Erstens, die über 75 Jahre hart erkämpften pluralistischen demokratischen Errungenschaften; und zweitens, die Zahl der Freunde in der Region, bei denen man die traditionellen diplomatischen Ressourcen in vollem Umfang pflegt.

Freund oder Feind?

Eine übermäßige Schwächung, z. B. der Barzanis im Nordirak, hätte der PKK genutzt. Heute wissen wir, dass die Beziehungen zu Barzani mit ein Schlüssel zum Erfolg war, die PKK zur Aufgabe zu zwingen. Derzeit scheint die Türkei auf der Seite Teherans und Bagdads zu stehen. Vergessen wir aber nicht, dass Bagdad unter der Kontrolle Teherans steht. Die Revolutionsgarde, die Hisbollah und die schiitischen Kräfte der Hashd al-Shaabi wüten nicht nur im Irak, sondern wüteten bis vor kurzem in ganz Syrien. Der Iran hingegen hatte bekanntermaßen mit der PJAK (PKK) eine Vereinbarung zur Einstellung terroristischer Aktivitäten getroffen. Im Gegenzug sollten die Revolutionsgarde und die Hashd al-Shaabi die PYD, insbesondere in Syrien, in Ruhe lassen. Irans traditionelle Kurdenpolitik basiert darauf, gleichzeitig Freund und Feind aller kurdischen Organisationen zu sein. Gegenwärtig wird die PJAK von Teheran jedoch wieder verfolgt. Die extreme Schwächung Barzanis im Nordirak hätte der PKK direkt in die Hände gespielt. Ihre Ideologie, die eher auf Klassen- als auf Stammeszugehörigkeit basiert, hätte sich mit der Zeit – einhergehend mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten – weiter durchgesetzt. Die Kirkuk-Frage ist noch problematischer. Die vollständige Kontrolle durch Bagdad würde indirekt eine Kontrolle durch den Iran bedeuten. Ein multiethnischer Autonomiestatus war und ist für die Türkei daher von entscheidender Bedeutung. Diese Frage erforderte eine langfristige Perspektive, nicht nur eine gegenwärtige. Die nächstgrößere Herausforderung für die türkisch-amerikanischen Beziehungen bleibt weiterhin die Zukunft Syriens, die Rolle der PYD in dieser Zukunft und ihrer mutmaßlich 60.000 Mann starken Organisation namens SDF bzw. YPG. Diese Situation sollte als Realität betrachtet werden, die im schlimmsten Fall nicht rückgängig gemacht werden kann. Die Türkei muss weiterhin alle zukünftigen Überlegungen und Entscheidungen zwangsläufig unter Berücksichtigung dieser Realitäten treffen. In seiner drastischsten Form scheint der Türkei zwei Wege offenzustehen: entweder eine blutige Auseinandersetzung oder eine friedliche Lösung, bei der die Vernunft siegt. Eine blutige Auseinandersetzung würde die Zukunft der Türkei beeinträchtigen, und ihre verheerenden Folgen wären unvorhersehbar. Die Grenzen und die territoriale Integrität der Türkei sind heilig. Die Türkei hat kürzlich die mutigsten und wichtigsten Schritte in ihrer Geschichte zur Lösung der PKK-Frage unternommen, was einer friedlichen Lösung gleichkommt. Angelegenheiten außerhalb der türkischen Grenze sollten nach dem gegenwärtigen und beendetem Regulierungsprozess das Problem der Nachbarländer bleiben. Die historische Einheit der Türkei sollte heilig bleiben. Während der Republik gab es noch das „Passavant“-System. Damals bestellten Landbesitzer tagsüber ihre Felder und überquerten nachts mit einem Passavant die Grenze, um nach Hause zu gelangen. Man kann sich durchaus ein Szenario vorstellen, in dem Anziehungspunkte entlang der türkischen Grenze, kombiniert mit dem Öl des Südens und dem Geschäftssinn der Türkei, den Menschen auf beiden Seiten Wohlstand bringen würde. Es liegt jedoch in der Verantwortung aller in der Türkei, den Horizont der Türkei zu erweitern und ihre angesammelte Energie in positive Bahnen zu lenken. Das wichtigste Ziel sollte sein, Feindseligkeiten mit den Menschen unmittelbar hinter den Grenzen zu vermeiden, sie nicht dem Einfluss ausländischer Mächte auszusetzen und die Kräfte nicht zu vergeuden. Die Türkei von 2025 hat nach dem gescheiterten Putschversuch die Möglichkeit, die dafür notwendigen Strategien zu entwickeln, und sie verfügt über die Fähigkeit dazu, es auch umzusetzen.  
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.
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Zusätzlich zu ihren Siegen in Mathematik sicherten sich beide Schülerinnen und Schüler Goldmedaillen in der Kategorie Naturwissenschaften

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Türkei
Umfrage: Mehrheit der Türken für Atomwaffen

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel 70 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Türkei sich in naher Zukunft nur mit der atomaren Abschreckung schützen kann. In der türkischen Öffentlichkeit ist man seit den israelischen Angriffen auf Gaza, den Iran, Libanon und Syrien verunsichert und befürwortet als Reaktion darauf die Entwicklung oder Erwerb von Atomwaffen. Laut einer vom 1. bis 5. Juli von Research Istanbul durchgeführten Meinungsumfrage antworteten 71 Prozent der Befragten auf die Frage „sollte die Türkei mit der Entwicklung von Atomwaffen beginnen?“ mit „Ja“, während nur 18 Prozent mit „Nein“ antworteten. Weitere 11 Prozent waren unentschlossen oder hatten keine Meinung dazu. Denselben Umfrageergebnissen zufolge glauben auch mehr als 70 Prozent (72 Prozent) der Bevölkerung nicht daran, dass die NATO die Türkei im Falle eines Angriffs schützen würde. Der Anteil derjenigen, die glauben, dass die Türkei über ein ausreichendes Luftabwehrsystem verfügt, liegt mit 48 Prozent weiterhin unter 50 Prozent. Die zunehmende Kriegs-, Konflikt- und Spannungsatmosphäre in unmittelbarer Nähe zur Türkei ist laut Experten ein Ergebnis dieses Meinungsumschwungs. Die Ergebnisse von Research Istanbul zeigen, dass die Wahrnehmung externer Bedrohungen auch die Frage aufwirft, ob die gegenwärtige türkische Sicherheitsarchitektur genügt oder um eine Abschreckungswirkung erweitert werden muss. Diese Sorge hat auch die öffentliche Diskussion angestoßen und wird derzeit kontrovers geführt. Bemerkenswert daran ist, dass viele Kommentatoren in der jüngsten Vergangenheit die gesellschaftliche Sicht darauf übergangen und übersehen hatten: Die Gesellschaft hatte jedoch nicht erst mit den geopolitischen Krisen begonnen, neue Reflexe zu entwickeln, um potenziellen externen Bedrohungen zu begegnen, sondern nach dem gescheiterten Putschversuch vom 15. Juli 2016. Viele Bürger sind längst der Meinung, dass sich die Türkei stärker auf ihre eigenen militärischen Fähigkeiten verlassen, Unabhängigkeit erreichen muss.
Diese Ergebnisse spiegeln die wachsende Besorgnis der Öffentlichkeit angesichts der eskalierenden regionalen Konflikte im Nahen Osten, auf dem Balkan und im Kaukasus wider. Das allgegenwärtige Gefühl einer Bedrohung von außen veranlasst die türkische Gesellschaft dazu, Sicherheitsmaßnahmen in Betracht zu ziehen, die bislang tabu waren, darunter auch das Streben nach nuklearer Abschreckung – Erdi Ozturk, Professor an der London Metropolitan University
Alle Krisen im Nahen Osten, auf dem Balkan und im Kaukasus betreffen die Türkei direkt oder indirekt. Als ob das nicht schon den diplomatischen Spagat ausgereizt und die Türkei inzwischen auf einen schmalen Grat herangeführt hat, war die Türkei in den letzten Jahren gezwungen, sich den geopolitischen Akteuren wie Russland anzupassen und gleichzeitig ihre eigene Sicherheit im Nahen Osten zu schützen. Einer Region, die von Machtkämpfen zwischen China und den USA geprägt ist. Gleichzeitig erlebt sie Spannungen im Mittelmeerraum und der Ägäis, selbst mit europäischen Ländern, mit denen sie über die NATO verbündet ist. Kurz gesagt: Die Türkei ist heute auf drei Seiten vom Meer und auf vier Seiten von Konflikten und Bedrohungen umgeben. Unter diesen Umständen muss sich die Türkei schützen und neu positionieren, so die Devise innerhalb der türkischen Gesellschaft. Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan betonte während des jüngsten NATO-Gipfels in Den Haag in Zusammenhang mit Artikel 5 des Nordatlantikvertrags (NATO-Vertrag), dass dieser Artikel im Grundprinzip nie wirklich auf die Probe gestellt worden sei – eine Anspielung darauf, dass die Türkei womöglich stehen allein gelassen wird? Erdoğan hatte bereits 2019 in einer Rede seinen Missmut darüber bekundet, dass die Türkei keine Atomwaffen haben soll. „Einige Länder haben Raketen mit nuklearen Sprengköpfen. Nicht nur eine oder zwei.“ Der Türkei würde man jedoch sagen, sie solle keine Atomraketen haben. „Das akzeptiere ich nicht“, sagte Erdoğan auf einem Wirtschaftsforum in der zentraltürkischen Stadt Sivas. In der Öffentlichkeit herrscht seit längerem die Meinung, dass die westlichen Verbündeten bei Ausrufung des Artikel 5, das Land im Falle eines Angriffs nicht schützen werden.  
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STEM Olympiads
Zwei türkische Schüler werden Weltmeister in Mathe

Barcelona – Zwei junge türkische Schüler, Atlas Haser und Sidar Cem Kılagöz, haben ihr Land stolz gemacht, indem sie sich bei der 5. Internationalen MINT-Olympiade, die vom 9. bis 15. Juli 2025 in Barcelona stattfand, den Weltmeistertitel in der Kategorie Mathematik sicherten. Die Veranstaltung, an der 980 Schülerinnen und Schüler aus 36 Ländern teilnahmen, zeigte die bemerkenswerten Talente dieser jungen Wunderkinder, die auch in der Kategorie Naturwissenschaften Medaillen gewannen. Atlas Haser, ein Schüler der 6. Klasse, und Sidar Cem Kılagöz, ein Schüler der 4. Klasse, traten in ihren jeweiligen Alterskategorien an und erwiesen sich als weltweit führende Mathematiker. Ihre herausragenden Leistungen in der hart umkämpften Olympiade, die sich auf Naturwissenschaften, Technologie, Ingenieurwesen und Mathematik konzentriert, unterstreichen ihr Engagement und ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten. Zusätzlich zu ihren Siegen in Mathematik sicherten sich beide Schülerinnen und Schüler Goldmedaillen in der Kategorie Naturwissenschaften, was ihren Status als aufstrebende Stars in der akademischen Welt weiter festigt. Sidar Cem Kılagöz, 10 Jahre alt, hat eine beeindruckende Erfolgsbilanz vorzuweisen. Er hat bereits eine Bronzemedaille bei der Asiatischen Mathematikolympiade (AIMO) gewonnen und sich beim amerikanischen Mathematikwettbewerb platziert, was seine konstant guten Leistungen bei internationalen Wettbewerben unterstreicht. In diesem Jahr belegte er außerdem den ersten Platz bei der nationalen Mathematikmeisterschaft der Türkei und gewann bei der FISO-Olympiade Goldmedaillen in den Kategorien Mathematik und IQ. Beide Schüler können auf eine lange Erfolgsgeschichte bei nationalen und internationalen Wettbewerben zurückblicken, und ihre Erfolge in Barcelona werden als Beweis für ihre harte Arbeit und ihre Leidenschaft für Mathematik gewertet. Ihre Familien führen ihren Erfolg auf eine starke Arbeitsmoral und eine tiefe Liebe zu diesem Fach zurück. „Die Disziplin und der Enthusiasmus, mit denen diese jungen Schüler ihre Studien betreiben, sind wirklich inspirierend“, sagte ein Vertreter des Fatih İslam Seçen Science and Art Center, an dem Sidar Cem eingeschrieben ist. Es wird erwartet, dass die Siege des Duos andere junge Schülerinnen und Schüler in der Türkei inspirieren werden, sich für MINT-Fächer zu entscheiden. Ihre Erfolge kommen zu einer Zeit, in der die Türkei durch Programme wie die TÜBİTAK-Wissenschaftsolympiaden, die bereits Medaillengewinner bei internationalen Wettbewerben hervorgebracht haben, weiterhin Fortschritte bei der Förderung junger Talente macht. Atlas und Sidar Cem ruhen sich nicht auf ihren Lorbeeren aus. Sie werden noch in diesem Monat an internationalen Mathematikwettbewerben in Thailand und Japan teilnehmen, wo sie ihre Siegesserie fortsetzen wollen. Ihr Erfolg hat in den sozialen Medien große Aufmerksamkeit erregt: In Posts auf X wurden ihre Leistungen gefeiert und Sidar Cem wegen seines historischen Sieges als „türkisches Wunderkind“ bezeichnet. Die türkische Bildungsgemeinschaft, darunter Institutionen wie TED Atakent und die Istanbuler Provinzdirektion für nationale Bildung, zeigten sich sehr stolz auf die Leistungen der Schüler. Die Internationale MINT-Olympiade dient jungen Menschen als Plattform, um ihre Fähigkeiten in einer globalen Arena zu präsentieren, und Atlas Haser und Sidar Cem Kılagöz haben bewiesen, dass die Zukunft der Türkei in Wissenschaft und Technologie rosig ist. Ihr Engagement und ihre Erfolge sind eine Quelle des nationalen Stolzes und eine Erinnerung daran, wie wichtig es ist, junge Talente in MINT-Disziplinen zu fördern.
(Screenshot/X)

Gastkommentar
Superman und das braune Volk – Wenn ein Film den rassistischen Spiegel unserer Zeit zeigt

Ein Gastbeitrag von Gazmend Gashi Der neue Superman-Film wurde zur politischen Waffe – nicht, weil er agitatorisch ist, sondern weil er unbequeme Wahrheiten sichtbar macht.
Pro-israelische und zionistische Akteure starteten eine koordinierte Kampagne: Boykottaufrufe, Schmierkampagnen, und schließlich die vollständige Veröffentlichung des Films auf YouTube – ein gezielter Versuch, dem Werk finanziellen Schaden zuzufügen. Doch diese Reaktionen verraten mehr über den Zustand der westlichen Mehrheitsgesellschaft als über das Werk selbst. Sie entlarven eine rassistische Selbstwahrnehmung, die tief in kolonialen Denkmustern verankert ist.
Allegorie auf koloniale Gewalt
Im Zentrum des Films steht ein fiktives, braunes indigenes Volk, das sich einer übermächtigen, weißen Siedlermacht gegenübersieht – technologisch überlegen, organisiert, brutal. Das Bild ist klar: Eine Allegorie auf koloniale Gewalt, Unterdrückung und Widerstand. Und genau hier beginnt das Unbehagen derjenigen, die sich mit der unterdrückenden Macht identifizieren. Es ist nicht nur die Angst, als Täter entlarvt zu werden – es ist die tiefe Weigerung, sich überhaupt mit dem „Braunen“ zu assoziieren. Denn in der rassistischen Logik des Westens – und vieler Pro-Israel-Kreise – ist „braun“ nicht nur eine Hautfarbe, sondern ein Code: für Rückständigkeit, Bedrohung, Terror, Chaos. Braun ist das Andere. Das, was man nicht sein will. Das, was bekämpft, entmenschlicht und ausgelöscht werden darf.
„Verbunden mit weißer Siedlermacht“
Deshalb identifizieren sich viele Pro-Israel-Stimmen nicht etwa mit dem unterdrückten Volk im Film, obwohl sie sich in der öffentlichen Erzählung ständig als „indigene Minderheit“ präsentieren. Stattdessen fühlen sie sich der weißen Siedlermacht verbunden – nicht trotz, sondern wegen ihres rassistisch-privilegierten Status. Das vermeintlich indigene Selbstbild Israels zerbricht in dem Moment, wo eine fiktive indigene Bevölkerung filmisch in Szene gesetzt wird – und man sich weigert, zu ihr zu gehören. Hier wird deutlich: Der Bezug auf „Indigenität“ dient rein taktischen Zwecken. In Wahrheit zählt das Weißsein. Der Zugang zur westlichen Vorherrschaft. Zur Macht. Zur Gewalt. Zum rassistischen Selbstverständnis, das die braunen Völker dieser Welt bestenfalls als Bedrohung betrachtet. Als jemand, der selbst aus einem durch Genozid gezeichneten Volk stammt – als Kosovo-Albaner, dessen Geschichte von serbischem, christlich-nationalistischem Völkermord geprägt ist – war es für mich selbstverständlich, mich in diesem Film mit dem braunen indigenen Volk zu identifizieren. Ich sah in ihrem Leid, in ihrem Widerstand, in ihrem Überleben Parallelen zu dem, was palästinensische Familien seit Jahrzehnten erfahren. Die Bombardierung, die Enteignung, die Propaganda, die völlige Umkehrung von Täter und Opfer – all das ist real, nicht fiktiv. Und darum wirkt dieser Film wie ein Spiegel, in den viele nicht blicken wollen. Die Gewalt, mit der der Film öffentlich diskreditiert wird, zeigt eine tiefe Unruhe. Denn er erlaubt keine moralische Ausflucht. Wer ihn sieht, erkennt die strukturelle Logik des Rassismus: Weiß ist überlegen, braun ist gefährlich. Weiß darf Siedler sein, darf Grenzen verschieben, darf sich „verteidigen“ – selbst dann, wenn es in Wahrheit angreift. Braun darf nur Opfer sein – wenn überhaupt. Und wenn es sich wehrt, wird es sofort kriminalisiert.
„Mehr als eine fiktionale Figur“
In diesem Kontext ist der neue Superman mehr als eine fiktionale Figur. Er ist ein moralisches Korrektiv. Er steht nicht mehr auf der Seite jener, die sich selbst zu Helden stilisieren, obwohl sie in Wahrheit Unterdrücker sind. Er ist auf der Seite der Schwachen – nicht als Retter, sondern als Zeuge. Als jemand, der das koloniale Narrativ nicht länger mitträgt. Und genau das macht ihn gefährlich für jene, die vom alten Bild leben: Superman als weißer, westlicher Held, der die Welt „in Ordnung“ hält. Doch was ist diese Ordnung anderes als ein System rassistischer Gewalt? Dass dieser Film in voller Länge auf YouTube gestellt wurde – nicht aus Fanliebe, sondern aus Kalkül –, ist ein Akt der Zensur. Kein juristischer, sondern ein ideologischer. Wer die Produktion wirtschaftlich sabotieren will, bekämpft nicht Kunst, sondern ihre politische Wirkung. Es ist ein Racheakt gegen eine Geschichte, die den Spiegel zu klar hält. Gegen eine Erzählung, in der die „Braunen“ nicht länger schweigen. Und gegen ein Publikum, das beginnt, sich nicht mit Macht, sondern mit Menschlichkeit zu identifizieren. Die Maske der westlichen Moral ist gefallen. Und Superman war es, der sie abgenommen hat – nicht durch Gewalt, sondern durch Klarheit. Er hat gezeigt, dass „Heldentum“ nicht in Kraft, sondern in Haltung besteht. Dass wahres Heldentum darin liegt, sich dem Rassismus entgegenzustellen – nicht indem man davon redet, sondern indem man sich klar positioniert. Danke, Superman. Du warst ein Held meiner Jugend – und bist es heute mehr denn je.

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Zum Autor

Gazmend Gashi ist Kind der ersten Migrantengeneration, Hadith-Wissenschaftler, Diplom-Wirtschaftler, leidenschaftlicher Handwerker, R’n’B/Soul-Sänger und politischer Analyst. Unabhängig von seiner islamischen Gelehrsamkeit widmet er sich soziologischen Analysen kollektiven Verhaltens – mit Schwerpunkt auf Antirassismus, Antimuslimismus und Antisemitismus.
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