„Berateraffäre“
Kommentar: Regierung wird Ermittlungen gegen von der Leyen nicht zulassen

Ein Gastkommentar von Kemal Bölge – kboelge@web.de In den letzten Wochen und Monaten gab es immer wieder Meldungen zur sogenannten „Berateraffäre“ von Ex-Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen im Bundesverteidigungsministerium. Es geht dabei um die Beschäftigung von Unternehmensberatern, die im Verteidigungsministerium gearbeitet haben sollen. Die „Berateraffäre“ hatte sich dann weiter ausgeweitet, weil Mitarbeiter des Bundesverteidigungsministeriums wichtige Akten gelöscht haben sollen. Gegen zwei Mitarbeiter im Ministerium werde wegen „Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung von Leistungen“ im Zusammenhang mit zwei zentralen IT-Projekten der Bundeswehr ermittelt. Vor kurzem gab es Meldungen über die Löschung von Daten aus dem Dienst-Smartphone von Ex-Verteidigungsministerin von der Leyen, die als wichtiges Beweismittel eingestuft wurden. Die Ex-Ministerin sollte eigentlich vor einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss aussagen, aber um gegen mögliche Vorteilsnahme, Korruption oder Vetternwirtschaft zu ermitteln, sollte ein Gericht in dieser Sache ermitteln und kein parlamentarischer Untersuchungsausschuss. Als Bürger fragt man sich zu Recht, warum die deutsche Justiz nicht gegen die jetzige EU-Kommissionspräsidentin ermittelt, zumal die Anschuldigungen nicht von der Hand zu weisen sind. Der Grund, warum gegen Frau von der Leyen nicht ermittelt wird, liegt an § 146 des Gerichtsverfassungsgesetzes. Dieses Gesetz besagt, dass Staatsanwälte ihren Vorgesetzten gegenüber, also der Bundesjustizminister oder die Justizminister der Länder, Weisungsgebunden sind. Die Staatsanwälte dürfen nur ermitteln, wenn die Vorgesetzten der Staatsanwälte, die Justizminister, das ausdrücklich erlauben. Um eines klarzustellen: Es geht hier nicht um Fälle von Mord, Totschlag oder anderen schweren Straftaten. In diesem Fall dürfen Staatsanwälte natürlich ermitteln und tun das auch. Richter sind davon ausgenommen und müssen sich vor einem Minister nicht verantworten. Die Richter in Deutschland sind in ihren Entscheidungen unabhängig, aber das gilt nicht für Staatsanwälte. Was will ich damit sagen? Deutschland wird von einer Koalition aus CDU/CSU und SPD regiert und die Mitglieder der Regierung werden es nicht zulassen, dass gegen die ehemalige Verteidigungsministerin gerichtlich ermittelt wird. Das steht natürlich in keinem Gesetz und es gibt dazu auch keine offizielle Weisung. Das wird es auch nicht geben. Es gibt viele Beispiele für die Behinderung der Justiz durch die Politik bzw. die jeweiligen Bundes- und Länderregierungen. Es gab einmal die Barschel-Affäre in Schleswig-Holstein. Nach Bekanntwerden des Skandals trat der damalige Ministerpräsident Dr. Uwe Barschel zurück und wurde neun Tage später Tod in der Badewanne eines Genfer Hotels aufgefunden. Die Umstände seines Todes sind bis heute nicht vollständig aufgeklärt, aber die ermittelnden Staatsanwälte wurden in ihrer Arbeit eingeschränkt oder durften in dem Fall nicht mehr ermitteln, weil die Regierenden an keiner ernsthaften Aufklärung interessiert waren. Ein weiteres Beispiel für die politische Einflussnahme in die Arbeit der Justiz sind die rassistisch motivierten NSU-Morde an acht Türken, einem Griechen und einer Polizistin. Abgesehen davon, dass die Ermittlungsbehörden jahrelang in die falsche Richtung ermittelt haben, sprich von organisierter Kriminalität ausgingen, war die Entdeckung der Terroristen des NSU eher dem Zufall geschuldet. Die parlamentarischen Untersuchungsausschüsse auf Bundes- und Länderebene sollten zur Aufklärung des NSU-Terrors beitragen, aber es gab danach mehr Fragen als Antworten. Auch der jahrelange Gerichtsprozess in München brachte letztendlich keine neuen Erkenntnisse, da einige Verfassungsschutzämter ihre Erkenntnisse entweder rechtswidrig dem Reißwolf übergaben oder aber sich weigerten Auskunft über Informanten und den Rechtsterrorismus preiszugeben. Ich könnte noch einige Beispiele für die politische Einflussnahme in die Justiz benennen, aber es geht mir darum, aufzuzeigen, dass Parteien und Regierungsverantwortliche das Gerichtsverfassungsgesetz § 146 für ihre eigenen Zwecke nutzen können.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

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– NSU-Zeugensterben – Neunter Todesfall im NSU-Komplex: Das große Sterben geht weiter

Das Zeugensterben im Zusammenhang mit der NSU-Terrorzelle geht weiter. Ein weiterer vermeintlicher Selbstmord wird aus Karlsruhe gemeldet. Es handelt sich dabei um den Ex-Verlobten einer bereits 2015 verstorbenen Zeugin, deren vorheriger Freund im September 2013 in einem Auto verbrannte, bevor er zum Mord an der Polizeibeamtin Michèle Kiesewetter aussagen sollte.

Neunter Todesfall im NSU-Komplex: Das große Sterben geht weiter
 

Flugverkehr
Deutsche Piloten warnen vor Flugzeugzusammenstößen: Frage der Zeit

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Osnabrück – Die deutschen Piloten warnen vor Zusammenstößen zwischen Passagier- und Kleinflugzeugen über Deutschland. Die Gefahr wachse. Gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) erklärte Cockpit-Präsident Markus Wahl: „Wir beobachten jedes Jahr eine Handvoll Fälle, bei denen sich große Verkehrsflugzeuge und kleinere Maschinen oder Segelflugzeuge nur durch Glück verfehlt haben. Es ist eine Frage der Zeit, bis es zu einem Zusammenstoß kommt.“ Der Berufsverband fordert, dass Verkehrsflugzeuge in Deutschland grundsätzlich nur im besonders stark überwachten Luftraum D unterwegs sind. Mindestens müsse aber in Bereichen, in denen auch Privatflieger unterwegs sind, gelten, dass alle Flugzeuge auf dem Radar erfasst und Piloten per Funk erreichbar sind. „Das Risiko wäre vermeidbar“, so Wahl. Cockpit kritisiert zudem, dass das Meldewesen für gefährliche Zwischenfälle nicht alle relevanten Fälle erfasse. Beinahe-Zusammenstöße würden von unterschiedlichen Stellen oder auch gar nicht erfasst. „Es gibt eine hohe Dunkelziffer“, erklärte Wahl.

Türkisch-pakistanische Beziehungen
Türkei und Pakistan planen doppelte Staatsbürgerschaft

Karachi – Die Türkei und Pakistan erwägen einen Plan, der es einfacher machen soll den Bürgern beider Länder die doppelte Staatsbürgerschaft zuzuerkennen, was eine erhebliche Ausweitung der bisherigen Beziehungen bedeuten würde. Dies sei während eines Treffens zwischen dem pakistanischen Innenminister Ijaz Ahmad Shah und dem türkischen Botschafter in Islamabad Ihsan Mustafa Yurdakul erörtert worden, so eine Erklärung des pakistanischen Innenministeriums am Donnerstag. Der türkische Botschafter habe im Namen seiner Regierung diesen Schritt vorgeschlagen. Der Entwurf werde derzeit geprüft und man hoffe, schon bald zu einer gemeinsamen Entscheidung zu kommen. Shah bewertete auch die bilateralen Ausbildungsprogramme sowie die Ausrüstungsmodernisierung der Strafverfolgungsbehörden mit der Türkei positiv. Anfang dieses Monats verlängerte Pakistan auch die Frist für die Lieferung der in der Türkei hergestellten Kampfhubschraubers T129-ATAK, die sich aufgrund der von den USA gegen die Türkei verhängten Sanktionen verzögerte.

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– Rüstungsdeal – Pakistan kauft 30 türkische ATAK-Kampfhubschauber im Wert von 1,5 Milliarden

Ankara und Islamabad haben kürzlich einen Vertrag über den Verkauf von 30 türkischen Hubschraubern im Wert von 1,5 Milliarden Dollar abgeschlossen.

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Krimkrise
Russland: Teilen nicht die Ansichten der Türkei zur Krim

Moskau – Kreml-Sprecher Dimitriy Peskow äußerte sich am Montag zu den Äußerungen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan bezüglich der Krim-Tataren und deren Status. Peskow sagte, dass Russland die Ansichten der Türkei über die Volksgruppe nicht teile. Der russische Präsident Wladimir Putin habe seinen Amtskollegen daher auf die Halbinsel eingeladen, damit der türkische Präsident sich selbst ein Bild von der dortigen Situation machen könne. Die Einladung sei noch immer aktuell. Erdogan hatte zuvor gesagt, dass die Türkei die Annexion der Krim nicht anerkenne und auch nicht zukünftig anerkennen werde. Der türkische Präsident erklärte: „Wir beobachten die Situation und die Probleme der Türken auf der Krim sehr genau“. Kreml-Sprecher Peskov äußerte sich vor Journalisten zu den Worten Erdogans und sagte: „In dem Punkt stimmen wir mit unseren türkischen Partnern überhaupt nicht überein und finden auch die gewählten Worte unpassend.“ Die Bedenken bezüglich der Krim-Tataren seien unbegründet, was man auch schon oftmals zur Sprache gebracht habe, so Peskov. Putin habe bei mehreren Treffen und Gesprächen mit Erdogan die „wahre Situation“ auf der Krim erörtert. Peskov sagte ferner, dass Putin seinen türkischen Amtskollegen auf die Halbinsel eingeladen habe, „damit er alles sieht“. Diese Einladung gelte nach wie vor. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte gesagt, dass die Türkei die Situation der Krim-Türken sehr genau beobachte und sich dazu auch im ständigen Austausch mit den ukrainischen Behörden befinde. „Die Situation unserer Geschwister auf der Krim sind fortwährend von höchster Priorität und Gegenstand unserer Gespräche mit Kiev“, so Erdogan. Erdogan befindet sich seit Montag bei einem Staatsbesuch in der Ukraine.

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Nachdem syrische Regierungstruppen türkische Beobachtungspunkte in der Sicherheitszone angegriffen haben und mindestens fünf Soldaten und ein Zivilist getötet wurden,  schlugen die türkischen Streitkräfte mit voller Wucht zurück.

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Menschenrechtsverletzungen in China
Nach Özil: Neuseeländischer Rugby-Spieler Sonny Bill Williams verurteilt China wegen Uiguren

Wellington – Nachdem der ehemalige deutsche Nationalspieler Mesut Özil in einem Tweet die Unterdrückung und Verfolgung der muslimischen Minderheit der Uiguren in China scharf verurteilte, hat nun auch der neuseeländische Rugby-Spieler und Boxer Sonny Bill Williams China für die Verfolgung stark kritisiert. „Ich schäme mich, dass ich mich nicht öfter dagegen ausspreche“, so der Sportler in einem Interview mit dem britischen Nachrichtensender Sky News. „Sie sind in den Gefangenenlagern dort drüben und sehen sich ekelhaften Ungerechtigkeiten gegenüber“, so Williams. Bereits im Dezember veröffentlichte er in den sozialen Medien das Bild einer Hand mit der chinesischen Flagge, die sich an einem blutigen Arm festhält, der Ostturkestan, den früheren Namen der chinesischen Provinz Xinjiang, darstellt. Es war eine offene Verurteilung der Inhaftierung von mehr als einer Million uigurischer Muslime in der Provinz Xinjiang in, wie China sagt, „anti-extremistischen Umerziehungszentren“. Williams auf Twitter:
„Es ist eine traurige Zeit, in der wir wirtschaftlichen Nutzen der Menschlichkeit vorziehen.“
(Foto: Screenshot)
Über eine Million Gefangene Laut Menschenrechtsorganisationen halte China eine unglaublich große Zahl von Personen der weitgehend muslimischen Minderheit in über den ganzen Nordosten verstreuten sogenannten Umerziehungslagern gefangen. Über eine Million, mehr als sieben Prozent der muslimischen Bevölkerung in der chinesischen Region Xinjiang, sind nach Experten der Vereinten Nationen jetzt in einem sich erweiternden Netzwerk von „politischen Umerziehungslagern“ eingesperrt. Der volle Umfang des Internierungssystems war lange Zeit deswegen im Dunkel, weil viele Uiguren sich fürchteten auszusagen, so die Tageszeitung Wallstreet Journal. Jetzt erzählen mehr von ihren Erfahrungen, einschließlich von sechs früheren Häftlingen, die das Journal interviewt hat; sie beschrieben, wie sie oder andere Gefangene an Stühle gebunden wurden oder kein adäquates Essen erhielten.

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– China – Uiguren-Verfolgung: Mesut Özil verurteilt muslimische Medien und Staaten für ihr Schweigen

Der ehemalige deutsche Nationalspieler Mesut Özil hat in einem Tweet muslimische Medien und Staaten für ihr Schweigen zur Unterdrückung und Verfolgung der muslimischen Minderheit der Uiguren in China scharf verurteilt.

Uiguren-Verfolgung: Mesut Özil verurteilt muslimische Medien und Staaten für ihr Schweigen
 

Syrienkrise
Erdogan an Russland: Ihr solltet uns nicht im Weg stehen

Ankara – Nachdem syrische Regierungstruppen türkische Beobachtungspunkte in der Sicherheitszone angegriffen haben und mindestens fünf Soldaten und ein Zivilist getötet wurden,  schlugen die türkischen Streitkräfte mit voller Wucht zurück. Türkische Kampfjets hätten nach dem Angriff in der nordwestlichen syrischen Provinz Dutzende der Ziele zerstört und 30 bis 35 syrische Soldaten “außer Gefecht gesetzt“, sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan vor einer Reise in die Ukraine. Die Türkei werde weiter Rechenschaft für den Angriff verlangen. Es sei nicht möglich, einen solchen Angriff unbeantwortet zu lassen. An Russland gerichtet sagte Erdogan, dass syrische Truppen das Ziel seien und sie „nicht im Weg stehen“ sollten. Die von Russland unterstützen Soldaten des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad hätten angegriffen, obwohl sie zuvor auf die Stellungen der türkischen Kräfte hingewiesen worden seien. Die Assad-Truppen rücken mit Unterstützung der russischen Luftwaffe vor und haben bereits Dutzende Ortschaften eingenommen, darunter die wichtige Stadt Maarat al-Numan. Die jüngste Offensive der Regierungstruppen treibt Hunderttausende Menschen in die Flucht. Die Türkei, die bereits 3,6 Millionen Syrer aufgenommen hat, fürchtet einen weiteren Zustrom von Flüchtlingen aus dem Nachbarland im Süden, berichtet die Welt am Montag.

Erdogan: Russland hält sich nicht an Vereinbarungen

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat Russland vorgeworfen, sich nicht an die Vereinbarungen zu Syrien zu halten. Moskau sei den Abmachungen von Astana und Sotschi „nicht treu“, zitiert am Mittwoch die Kommunikationsbehörde des Präsidialamts Erdogan. Den Astana-Prozess gebe es nicht mehr und die Türkei, Russland und der Iran sollten „schauen was sie tun können, um ihn wiederzubeleben“, so Erdogan. Angesichts der russischen Bombardierungen in Idlib habe „die Türkei bald keine Geduld mehr und werde von nun an tun, was nötig ist“. „Wenn Russland sich an Vereinbarungen [zu Syrien] hält, werden wir das auch tun, aber im Moment hält Russland weder an Astana noch an Sotschi [Vereinbarungen] fest“.

Obwohl Putin und Erdogan sich bei einem Treffen im russischen Sotschi im September 2018 darauf einigten, in der syrischen Provinz Idlib eine entmilitarisierte Zone zu schaffen, in der Aggressionen ausdrücklich verboten sind, gehen russische und syrische Streitkräfte in diesem Gebiet seit Monaten verstärkt gegen Oppositionelle vor. Seitdem seien bei Angriffen des Regimes und der russischen Streitkräfte mehr als 1.300 Zivilisten getötet worden.

Justiz
Fast 900 Ermittlungsverfahren gegen Clans in NRW

Düsseldorf – Die nordrhein-westfälischen Justizbehörden greifen im Kampf gegen kriminelle Familienclans zunehmend hart durch. So führen spezielle „Staatsanwälte vor Ort“ in den Clan-Hochburgen Duisburg und Essen mittlerweile 883 Ermittlungsverfahren gegen derartige Familienverbände, wie die beiden Anklagebehörden der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ (Montag) mitteilten. Demnach werden allein in Duisburg 662 solcher Verfahren geführt (Stand Mitte November), in Essen sind es 221 (Stand Mitte Dezember). Vor einem Jahr lag die Zahl der Verfahren in Duisburg noch bei lediglich 258. Für Essen lagen damals noch keine Ergebnisse vor, weil die „Staatsanwälte vor Ort“ dort gerade erst ihre Tätigkeit aufgenommen hatten. „Unsere Arbeit macht sich bezahlt. Durch die Bündelung und Konzentration unserer Ressourcen können wir sehr effektiv gegen diese Strukturen vorgehen“, sagte der Duisburger Abteilungsleiter der Clan-Ermittler, Oberstaatsanwalt Peter Müller. Die Polizei ist überrascht von der hohen Zahl der Ermittlungsverfahren gegen Clans. „Fast 900 Verfahren in diesem Zeitraum sind schon ein dickes Brett. Das zeigt, dass wirklich etwas getan wird, um die Strukturen einzudämmen“, sagte der NRW-Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft Erich Rettinghaus der Zeitung.

Kriminalität
Ermittlungen: Sexueller Missbrauch schon im Babyalter

Köln – Bei den Ermittlungen der Ermittlungsgruppe (EG) „Berg“ gegen ein Netzwerk von Sexualstraftätern verfolgen die Fahnder der Polizei Köln Hinweise, wonach die Täter in Privathäusern Zusammenkünfte organisiert haben sollen, um sich gegenseitig an ihren Kindern zu vergehen. Das berichtet der „Kölner Stadt-Anzeiger“. Weiteren Ermittlungen zufolge sollen manche Sexualstraftäter ihre Opfer regelrecht so erzogen haben, dass die Jungen und Mädchen den Missbrauch vom Babyalter an als normal empfinden mussten. Es sei erschreckend, dass diese Erwachsenen die Gedanken der Kinder manipulierten, um sie zu missbrauchen, sagte Polizeisprecher Wolfgang Baldes der Zeitung. Die Jungen und Mädchen hätten das Unrecht gar nicht erfassen können. „Andere Kinder gucken zu Hause Sandmännchen“, sagt Baldes, einige der Opfer hingegen seien mit Pornos konfrontiert worden. Die Ermittlungen der „EG Berg“ nahmen ihren Anfang im Oktober 2019 in Bergisch Gladbach. Inzwischen haben Polizei und Staatsanwaltschaft bundesweit 56 Beschuldigte und 21 minderjährige Opfer identifiziert. Erstmals bei Ermittlungen gegen Kindesmissbrauch in Deutschland setzt die Polizei in diesem Verfahren auch Anthropologen ein. Die Wissenschaftler, die sich mit dem Menschen und seiner Evolution beschäftigen, helfen der Polizei Köln dabei, anhand von Körpermerkmalen Täter zu identifizieren und Tatzusammenhänge herzustellen. Außerdem haben die Ermittler in mindestens zwei Fällen bereits auf die sogenannte Schulfahndung gesetzt. Um zwei mutmaßlich noch andauernde Fälle von Kindesmissbrauch zu stoppen, stellte die Polizei in zwei Bundesländern Lehrern in Frage kommender Schulen Fotos der Opfer zur Verfügung. Allerdings verlief der Fahndungsversuch erfolglos.

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– Sexueller Missbrauch von Kindern – Missbrauchsbeauftragter: „Kleinkinder werden vor laufender Kamera getötet“

Kriminelle Netzwerke kauften etwa in Tschechien Babys für 4000 Euro, die dann einzig zum Zweck der sexuellen Ausbeutung großgezogen würden.

Missbrauchsbeauftragter: „Kleinkinder werden vor laufender Kamera getötet“

Gesundheit
Deutsche Krebshilfe fordert bundesweites Verbot von Solarien

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Nach der Präsentation von „Spectrum. The most dangerous artwork“, einer eindrucksvollen UV-Lichtinstallation, die am 22. und 23. Januar in den Berliner Reinbeckhallen gezeigt wurde, fordert die Deutsche Krebshilfe nun gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) ein bundesweites Verbot von Solarien. Denn: Künstliche UV-Strahlung ist ein Krebsrisikofaktor. Jährlich verursacht der Gebrauch dieser Geräte europaweit bei etwa 3.400 Menschen den gefährlichen schwarzen Hautkrebs. In etwa 800 Fällen führt dies zum Tod. Impressionen des Kunstwerks „Spectrum. The most dangerous artwork“ sowie des flankierenden Experten-Talks in den Berliner Reinbeckhallen werden derzeit von vielen Interessierten in den Sozialen Medien und im Internet unter www.krebshilfe.de aufgerufen. Die gefährliche Lichtinstallation des Berliner Künstler-Duos „LOW BROS“ bestand aus 65 handelsüblichen UV-Röhren, wie sie auch in Solariengeräten eingesetzt werden. Es verdeutlicht das von vielen unterschätzte Hautkrebsrisiko, dass durch UV-Strahlen ausgelöst wird. Im Rahmen der Ausstellung erhielten die Besucherinnen und Besucher nur in Schutzkleidung für maximal fünf Minuten Zutritt. In direkter Nähe der überdimensionalen Konstruktion entsprach die Strahlung der, der Äquatorsonne zur Mittagszeit – einer für Solarien typischen Bestrahlungsstärke. „Seit einem Jahrzehnt sind Solarien als eindeutig krebserregend eingestuft. Das Nutzungsverbot für Minderjährige wird jedoch völlig unzureichend eingehalten“, erläutert Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe die Forderung nach einem generellen Solarienverbot. Das Nutzungsverbot für Kinder und Jugendliche existiert seit 2009. Doch allein im Jahr 2018 gelang es schätzungsweise 140.000 Minderjährigen, Zugang zu Solariengeräten zu erhalten. Tendenz steigend, wie Zahlen der repräsentativen, bundesweiten Beobachtungsstudie „Nationales Krebshilfe-Monitoring zur Solariennutzung (NCAM)“ belegen. Professor Dr. Eckhard Breitbart, Dermatologe und Vorsitzender der ADP ergänzt: „Welch ein wahnwitziger Trugschluss, dass gebräunte Haut immer noch als gesund und schön gilt. Der Bräunungsprozess ist immer ein Hilfeschrei der Haut. Jede Solariennutzung führt zu gesundheitlichen Schäden.“ Jährlich erkranken etwa 37.000 Menschen in Deutschland an einem malignen Melanom, dem gefährlichen schwarzen Hautkrebs. Die internationale Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft sowohl die natürliche UV-Strahlung der Sonne als auch die künstlich erzeugte in Solarien in die höchste Risikogruppe der krebsauslösenden Faktoren ein. Die WHO und andere wissenschaftliche Gremien raten daher dringend von jeglicher Solariennutzung ab. Denn UV-Strahlung verursacht neben der gewünschten Bräunung binnen Sekunden Schäden im Erbgut der Hautzelle. Aus Zellen mit solch geschädigtem Erbgut kann sich auch Jahrzehnte später noch Hautkrebs entwickeln. Die Hautbräune stellt lediglich eine Schutzreaktion der Haut dar und ist kein Zeichen von Gesundheit. Besonders die Haut von Kindern und Jugendlichen ist empfindlich gegenüber UV-Strahlung und das Risiko einer Hautkrebserkrankung ungleich höher als bei Erwachsenen. „Trotz gewisser gesetzlicher Vorgaben ist die Nutzung von Sonnenbänken niemals unbedenklich. Denn laut der IARC gibt es keinen Schwellenwert für ungefährliche künstliche UV-Bestrahlung, wodurch kein Solarium als gesundheitlich sicher betrachtet werden kann“, untermauert Nettekoven die Verbotsforderung, die von der ADP unterstützt wird, so Breitbart. Mit der eindrucksvollen Installation „Spectrum“ in den Berliner Reinbeckhallen wurden die gesundheitlichen Gefahren von Solariengeräten veranschaulicht und Aufmerksamkeit für das gesellschaftliche Problem der Solariennutzung geschaffen. „Ein Sonnenstudio ist in unseren Augen eine Kultstätte, in dem sich ein wiederkehrendes Ritual vollzieht. In unserer Installation „Spectrum“ heben wir den Aspekt der Sonnenanbetung heraus und legen den Fokus auf das Objekt der Anbetung: Eine Sonne aus echten UV-Röhren, von der eine reale Bedrohung ausgeht“, erklären die LOW BROS ihr Werk. Weitere Informationen zu „Spectrum. The most dangerous artwork“ sowie das Thema UV-Strahlung und Hautkrebs erhalten Interessierte im Internet unter www.unserehaut.de und www.krebshilfe.de. Film über Vernissage und Experten-Talk:https://youtu.be/7jPmFwg9kis

Türkei
Coronavirus: Länder danken Türkei für Rettung

Ankara – Aserbaidschan, Georgien und Albanien dankten am Samstag der Türkei, nachdem ein türkisches Militär-Frachtflugzeug in die vom Coronavirus befallene chinesische Stadt Wuhan gereist war, um sowohl die eigenen als auch die Staatsangehörigen dieser Länder zu evakuieren. Albaniens Außenministerium auf Twitter:
„Herzlichen Dank an die Türkei für die Hilfe bei der Evakuierung des albanischen Staatsbürgers, der in Wuhan studiert, und für die Unterstützung bei der obligatorischen Kontroll- und Überwachungszeit. Große Wertschätzung für unsere Kollegen beim türkischen Außenministerium“.
(Screenshot/Twitter)
Das Frachtflugzeug vom Typ A400M der türkischen Streitkräfte evakuierte am Samstag insgesamt 42 Personen aus der chinesischen Stadt Wuhan, darunter 32 türkische Staatsbürger, sechs Aserbaidschaner, drei Georgier und ein Albaner. Auch Georgien und Aserbaidschan bedankten sich bei der Türkei. „Vielen Dank an die Türkei, dass sie den Evakuierungsflug georgischer Bürger aus Wuhan, China, inmitten eines Ausbruchs des Coronavirus arrangiert hat. Solche Unterstützungsaktionen bekräftigen die starke Partnerschaft und Solidarität zwischen unseren beiden Ländern“, sagte der georgische Außenminister David Zalkaliani auf Twitter. Das aserbaidschanische Außenministerium dankte der Türkei für die Evakuierung ihrer Bürger und fügte hinzu, dass dieser Schritt beispielhaft für die „Brüderlichkeit“ zwischen den beiden Ländern sei.
„Die aserbaidschanischen Bürger wurden zusammen mit den türkischen Bürgern aus der chinesischen Stadt Wuhan in einem türkischen Flugzeug evakuiert. Dies ist ein weiteres großartiges Beispiel für die aserbaidschanisch-türkische Brüderlichkeit! Danke, brüderliche Türkei“.
Das Coronavirus breitet sich auch außerhalb Asiens immer weiter aus und hat mittlerweile auch Deutschland erreicht. Sieben Infizierte gibt es mittlerweile. In mehreren Bundesländern gibt es inszwischen immer mehr Verdachtsfälle. Hierzu das Bundesgesundheitsministerium: 
Am 31. Dezember 2019 wurde das WHO-Landesbüro in China über eine Häufung von Patienten mit einer Pneumonie (Lungenentzündung) unbekannter Ursache in Wuhan, einer Stadt mit 19 Millionen Einwohnern in der Provinz Hubei, China, informiert.
Wo liegt der Ursprung? Nach Angaben der chinesischen Behörden in Wuhan waren einige Patienten als Händler oder Verkäufer auf dem Huanan-Seafood-Markt in Wuhan tätig. Es ist der größte Seafood-Markt in Wuhan mit über 600 Ständen und 1.500 Arbeitern. Es wird berichtet, dass auch Wildtiere bzw. Organe von anderen Tieren und Reptilien auf dem Markt angeboten wurden.
Gab es ähnliche Fälle bereits? Bei dem neuen Virus handelt es sich um einen Erreger aus der Familie der Coronaviren, also aus derselben Familie wie das SARS (severe acute respiratory syndrome) und das MERS-CoVirus (Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus). In Deutschland gab es im Jahr 2003 neun wahrscheinliche SARS-Fälle, wovon letztlich vier Patientenproben negativ waren. Eine Weiterverbreitung der Erkrankung innerhalb Deutschlands ist nicht aufgetreten.
Wie erfolgt die Übertragung? Aktuell wissen wir hierüber noch zu wenig. Die Mensch-zu-Mensch-Übertragung von SARS erfolgt(e) hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion (selten auch Schmierinfektion). Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Ansteckung und Erkrankungsbeginn, beträgt ca. zwei bis sieben, maximal aber bis zehn Tage.
Wie äußert sich die Krankheit? Die klinischen Anzeichen und Symptome der Erkrankung sind hauptsächlich Fieber, wobei einige Patienten Schwierigkeiten beim Atmen haben. Die möglichen Symptome bei SARS waren Fieber über 38°C, in Kombination mit Husten, Myalgien (Muskelschmerzen), Atemnot oder Kurzatmigkeit.