Festnahme in Izmir
Türkei: Mutmaßliches Mitglied des Gülen-Netzwerks blieb in der Armee unentdeckt

Ein Gastbeitrag von Kemal Bölge – kboelge@web.de Der Einsatz war akribisch vorbereitet, es sollte nichts schieflaufen. Dem Ganzen vorausgegangen waren monatelange Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft in Izmir. Schwer bewaffnete Einheiten der türkischen Polizei stürmten in der westtürkischen Metropole Izmir am 28. Mai die Wohnung eines Mannes, der bis zu jenem Tag als Adjutant des Kommandeurs der türkischen Ägäis-Armee seinen Dienst verrichtete. Es geht um den Major F.Ö., der bis zum Putschversuch vom 15. Juli 2016 niemandem sonderlich auffiel. Er wurde wegen der Mitgliedschaft in der Terrororganisation Fetö festgenommen. Aber wie kamen die Ermittler auf seine Spur, wenn er keinerlei Auffälligkeiten zeigte und auch nicht durch das Raster des Messenger-Programms Bylock oder Ähnlichem fiel? Nach dem Putschversuch vom 15. Juli 2016 wurden Tausende von Fetö-Mitgliedern festgenommen, aus der türkischen Armee unehrenhaft entlassen und mussten sich vor Gericht verantworten. Es geht hier um das Gülen-Netzwerk, das schon seit über 40 Jahren Institutionen des türkischen Staates systematisch unterwandert hat. Die türkische Armee ist hier keine Ausnahme, denn das Ziel der Gülen-Mitglieder war die Machtübernahme in der Türkei, notfalls mit Waffengewalt, wie der Putschversuch gezeigt hat. Selbst Zulassungsprüfungen für ein Studium an einer Hochschule wurden durch Mitglieder von Fetö manipuliert, damit eigene Anhänger an der Universität studieren konnten. Die Prüfungen für die Streitkräfte und die Polizei waren ebenfalls im Focus der Gülen-Anhänger, denn auch in diesem Fall wurde den Kandidaten des Netzwerks die Prüfungsfragen zugespielt. Man muss bedenken, dass es beim Aufbau des Gülen-Netzwerks Ähnlichkeiten mit anderen Terrororganisationen wie der PKK, Daesh (IS) oder DHKP-C gibt, allerdings existieren in struktureller und ideologischer Hinsicht Ähnlichkeiten mit der „Scientology-Organisation“ und aus diesem Grund handelt es sich beim Gülen-Netzwerk um keine religiöse Bewegung im eigentlichen Sinne, sondern um eine geheim operierende hierarchisch strukturierte esoterisch-kultartige Vereinigung. Zu dieser Einschätzung gelangte ich in meinem Beitrag vom 9. Januar 2020, in dem ich unter anderem auch auf die Gefährlichkeit der Terrororganisation von Gülen hingewiesen hatte. Journalisten und Wissenschaftler hatten über Fetullah Gülen und seine Anhänger recherchiert und mussten dafür mit ihrem Leben bezahlen. Exemplarisch sei hier an den Wissenschaftler Dr. Necip Hablemitoğlu erinnert, der bei einem Attentat eines mutmaßlichen Mitglieds des Gülen-Netzwerks 2002 in Ankara ermordet wurde sowie an den Journalisten Haydar Meriç, der über das Leben von Gülen recherchierte und nach Informationen des Zentrums für Terrorismus- und Sicherheitsforschung (UTGAM) von Anhängern des in die USA geflüchteten Terrorchefs getötet wurde. Daneben gibt es auch Journalisten wie Nedim Şener, die aufgrund ihrer kritischen Berichterstattung über Gülen auf Betreiben von Gülen-Mitgliedern bei den Strafverfolgungsbehörden verhaftet und jahrelang unschuldig im Gefängnis gesessen haben. Nach dem gescheiterten Putschversuch durch Mitglieder des terroristischen Gülen-Netzwerks in der türkischen Armee, wurden bei der Polizei und den Staatsanwaltschaften spezielle Ermittlungsteams gebildet, die sich mit Fetö-Mitgliedern in der Armee und anderen Institutionen beschäftigen. Es geht dabei um Mitglieder des Netzwerks, die bisher unentdeckt geblieben sind. Was den Ermittlern bei ihren Nachforschungen zunächst auffiel, waren Anrufe aus einer mit Prepaidkarten funktionierenden Telefonzelle in der Umgebung von Verkaufsständen. Aber allein dieser Umstand machte die Ermittlungsgruppe nicht sonderlich misstrauisch, denn es gab Fetö-Mitglieder in der Armee, die aus einer Telefonzelle ihre Verbindungsleute angerufen hatten und durch die Auswertung der Telefonverbindungsdaten aufgedeckt wurden. Hier ging es darum wer aus den verschiedenen Telefonzellen angerufen wurde. Die Person, um den es hier geht, heißt L.Ç. und ist ein Verbindungsmann der Gülen-Organisation (Türkisch Mahrem Imam), der als Verantwortlicher des Terrornetzwerks mit Haftbefehl gesucht wird. Laut türkischen Medienberichten hat sich L.Ç. 2016 in die USA abgesetzt. Der festgenommene Major rief den Verbindungsmann zu unterschiedlichen Zeiten aus Telefonzellen an, die sich an Verkaufsständen, Lebensmittelläden und anderen Plätzen befanden. Jetzt komme ich auf die sicherheitsrelevante Brisanz der Festnahme. Die türkischen Streifkräfte unterteilen sich in das Heer (Landstreitkräfte), Luftwaffe, Marine und die Gendarmerie. Als Nato-Mitglied untersteht die türkische Armee dem Oberbefehl der Nato in Brüssel. Ferner unterhalten die türkischen Streifkräfte in Izmir die Ägäische-Armee, die jedoch nicht dem Nato-Oberbefehl untersteht und in den 70er Jahren gegründet wurde. Was dabei auffällt: Das mutmaßliche Mitglied des Gülen-Netzwerks diente als Adjutant des Kommandeurs der ägäischen Streitkräfte, also ausgerechnet in der Armee, die keinem Nato-Oberbefehl untersteht.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

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– „Geopolitischer Komplott“ – Aktivist im russischen TV: FETÖ steht hinter Abschuss des Su-24-Kampfjets

Die Netzwerk des Predigers Fethullah Gülen steht hinter dem Abschuss der russischen Su-24-Maschine im November 2015. Auf diese Weise sollten die bilateralen Beziehungen unterminiert werden. Diese Ansicht verbreiten mittlerweile auch mehrere russische Akademiker.

Aktivist im russischen TV: FETÖ steht hinter Abschuss des Su-24-Kampfjets

Corona-Krise
Turkish Airlines kündigt Hygienebeauftragten für Flüge an

Istanbul – Die türkische Fluggesellschaft Turkish Airlines hat angekündigt auf Flügen einen Hygienebeauftragten einzusetzen.  Dieser soll die Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen an Bord überwachen. Wie Turkish Airlines mitteilte, werde künftig jede Crew einen Hygienebeauftragter haben, der ausschließlich für die Einhaltung der Richtlinien verantwortlich ist. Er soll etwa sicherstellen, dass die Maskenpflicht während des gesamten Fluges befolgt wird, und Passagiere ihre Bewegungen in der Kabine auf ein Minimum beschränken, berichtet das Travelportal Reisetopia weiter. Demnach muss der Beauftragte außerdem darauf achten, dass während der Getränke- und Essensausgabe nicht alle Passagiere gleichzeitig ihre Masken abnehmen. Zudem soll der Hygienebeauftragte auf die Einhaltung des vorgeschriebenen Sicherheitsabstands von 1,5 m. beim Boarding und beim Aussteigen der Fluggäste garantiert wird, so Reisetopia. Vor Flügen sollen Passagiere ein Hygiene-Kit mit Maske, Desinfektionsmittel und -tücher erhalten. Nach jedem Gast werde das Crewmitglied die Toiletten desinfizieren.  

Libyen-Krieg
Mit türkischer Hilfe: Libysche Truppen erobern weiteren Rebellenstützpunkt

Tripolis  (nex) – Nachdem die von der Türkei unterstützten Regierungstruppen bereits am Donnerstag nach vielen Monaten die Milizen aus den Randbezirken der Hauptstadt verdrängten, eroberten sie am Freitag die Stadt Terhouna –  den letzten Stützpunkt des Rebellengenerals Chalifa Haftar im Großraum Tripolis. Terhouna ist deshalb besonders wichtig, weil es als Haftars Logistikzentrale galt. Der aufständische General Chalifa Haftar hatte vor mehr als einem Jahr eine Militäroffensive gegen Al-Sarradsch und Tripolis begonnen. „Die gesamte Hauptstadt und die Vororte seien nach mehr als einem Jahr der „Belagerung durch terroristische Söldner“ befreit worden“, sagte Libyens Regierungschef Fajis al-Sarradsch am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in der Türkei. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan sagte, dass man sich auf eine Vertiefung der Zusammenarbeit geeinigt habe. Die Türkei werde Libyen nicht den „Putschverschwörern“ überlassen. Vertreter aus Haftars Libyscher Nationalarmee (LNA) erklärten am Freitag, sie zögen sich in Richtung der Hafenstadt Sirte zurück.  Somit haben die Truppen der international anerkannten Regierung Libyens fast alle Geländegewinne Haftars im vergangenen Jahr rückgängig gemacht. Während die Türkei die Regierung unterstützt, sind Russland, die Vereinigten Arabischen Emirate und Ägypten Verbündete Haftars. Noch vor einigen Monaten sah Haftar im Libyen-Konflikt bereits wie der sichere Sieger aus. Doch dann schloss die Regierung von al-Sarradsch im November einen Pakt mit der Türkei, in dem sie anerkannte, dass die türkischen Hoheitsrechte im Mittelmeer bis an die libysche Seegrenze reichten. Ankara lieferte türkische Kampfdrohnen, gegen die von Russland produzierten und von den VAE finanzierten Flugabwehrsysteme Pantsir-S1 sich als nicht effektiv erwiesen. Nun sind seine Truppen und die russischen Söldner auf dem Rückzug.        

USA
Trump will 9.500 US-Soldaten aus Deutschland abziehen

Washington – Wie die in New York ansässige Tageszeitung Wall Street Journal unter Berufung auf einen Regierungsvertreter am Freitag berichtet, will US-Präsident Donald Trump 9.500 amerikanische Soldaten aus Deutschland abziehen. Welche Regionen betroffen sein könnten, sei noch unklar. Laut der Nachrichtenagentur AFP wollte ein Sprecher der Bundesregierung den Artikel des Wall Street Journal nicht kommentieren. Auch das Weiße Haus habe eine Stellungnahme zunächst abgelehnt. Eine Begründung für den Abzug sei noch nicht genannt worden. Bereits im vergangenen Jahr drohte Trump mit der Verlegung von US-Truppen von Deutschland nach Polen. Deutschland komme seinen NATO-Verpflichtungen nicht nach, nannte er damals als Grund. Demnach müssen zwei Prozent der Wirtschaftsleistung für die Verteidigung ausgegeben werden. Auch der damalige US-Botschafter Richard Grenell kritisierte die Bundesregierung:
Es ist wirklich beleidigend zu erwarten, dass der US-Steuerzahler weiter mehr als 50 .000 Amerikaner in Deutschland bezahlt, aber die Deutschen ihren Handelsüberschuss für heimische Zwecke verwenden.
Nach Japan ist Deutschland mit etwa 34.500 Soldaten und rund 17.000 Zivilisten der weltweit zweitgrößte Auslandsstandort der amerikanischen Streitkräfte.

Zum Thema

– New York – Trump und Duda unterzeichnen Abkommen für mehr US-Truppen in Polen

US-Präsident Donald Trump und sein polnischer Amtskollege Andrzej Duda haben ein Abkommen zur Verstärkung der US-Truppen in Polen um 1000 Soldaten unterzeichnet.

Trump und Duda unterzeichnen Abkommen für mehr US-Truppen in Polen

Finanzierungskonferenz
Impfallianz: Zusagen der Bundesregierung reichen nicht aus

Berlin  – Bei der gestrigen Finanzierungskonferenz der Impfallianz Gavi hat Bundeskanzlerin Angela Merkel 600 Millionen Euro für die Arbeit der Impfallianz von 2021 bis 2025 bestätigt, die schon im Januar von der Bundeskanzlerin zugesagt wurden. Darüber hinaus wiederholte sie ihre Zusage vom 4. Mai für weitere 100 Millionen Euro, die explizit für die Corona-Bekämpfung vorgesehen waren. Damit blieb die Bundesregierung hinter den Erwartungen von Nichtregierungsorganisationen zurück. Diese hatten 700 Millionen Euro für Gavis Kernaufgaben gefordert: Routineimpfungen und die Stärkung von Gesundheitssystemen. In einer gemeinsamen Reaktion erklären die Entwicklungsorganisationen Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW), Global Citizen, ONE, Plan International Deutschland, Save the Children und World Vision Deutschland: 
„Die heute von der Bundesregierung zugesagten Mittel für die Impfallianz Gavi bleiben hinter unseren Erwartungen zurück. Eine Erhöhung der Mittel für Gavis Kernaufgaben um weitere 100 Millionen Euro wäre wichtig gewesen – denn aufgrund der aktuellen Pandemie bleiben in vielen Ländern lebensrettende Impfungen gegen Masern oder Polio aus.“
Zu Gavis Einsatz gegen Corona sagen die Entwicklungsorganisationen:
„Wenn wir das Coronavirus aufhalten wollen, geht das nur global. Gavi hat das nötige Know-how, um die Menschen schnell zu erreichen, die sonst kaum Zugang zu Impfungen haben. Daher begrüßen wir Deutschlands Unterstützung für Gavis Einsatz, für die Herstellung eines Corona-Impfstoffs und dafür, die Bereitstellung des Impfstoffs für die am stärksten von Armut betroffenen Menschen zu beschleunigen. Niemand ist sicher, wenn nicht alle geschützt sind.“
  Über Gavi Die Impfallianz Gavi wurde vor 20 Jahren mit dem Ziel gegründet, allen Menschen in ärmeren Ländern gerechten Zugang zu Impfungen zu ermöglichen. Sie ist eine starke und zuverlässige Partnerin bei der Bekämpfung vermeidbarer Krankheiten und unterstützt derzeit Impfprogramme in 73 Ländern. Seit ihrem Bestehen hat Gavi ihre Partnerländer dabei unterstützt, über 760 Millionen Kinder zu impfen. Damit konnten mehr als 13 Millionen Leben gerettet werden.

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– Impfallianz – Bill & Melinda Gates Stiftung sagt der Impfallianz Gavi 1,6 Milliarden US-Dollar zu

Entscheidungsträger aus der ganzen Welt bündeln Kräfte, um zusätzlich 300 Millionen Kinder vor Krankheiten zu schützen und die Folgen der Covid-19-Krise zu begrenzen.

Bill & Melinda Gates Stiftung sagt der Impfallianz Gavi 1,6 Milliarden US-Dollar zu

Bergisch Gladbach
Mutmaßlicher Haupttäter soll seine Tochter fast täglich missbraucht haben

Einer der mutmaßlichen Haupttäter im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach, Jörg L., soll sich schon als Jugendlicher an Kindern vergangen haben. Das geht nach Informationen der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ aus der mehr als 100-seitigen Anklageschrift hervor. Der 43-jährige Familienvater soll seit Jahren ein Doppelleben geführt und seine Tochter ab dem dritten Lebensmonat sexuell missbraucht haben, zuletzt fast täglich. Er soll sich auch während des Familienurlaubs in Spanien und in den Niederlanden an dem inzwischen drei Jahre alten Mädchen vergangen haben. Familie und Freunde sollen bis zuletzt nichts von dem Missbrauch gewusst haben. Jörg L. soll schon über den sexuellen Missbrauch seines eigenen Kindes nachgedacht haben, als es noch nicht einmal geboren war. Der Prozess gegen Jörg L. soll am 6. Juli vor dem Kölner Landgericht eröffnet werden, wie die Zeitung erfuhr. 60 Zeugen und zwei Sachverständige sollen gehört werden. Die Staatsanwaltschaft legt Jörg L. 79 Straftaten zur Last. Es geht vor allem um den schweren sexuellen Missbrauch von Kindern, aber auch die Herstellung und Verbreitung kinderpornographischer Schriften, um Vergewaltigung und die Verabredung zu einem Verbrechen. Jörg L. war im Oktober 2019 in Bergisch Gladbach verhaftet worden. Er hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Das Landgericht Kleve verkündete am 26. Mai das erste Urteil in dem bundesweiten Kindesmissbrauchsfall: Ein 27-jähriger Bundeswehrsoldat aus Kamp-Lintfort wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt. Vor dem Mönchengladbacher Landgericht läuft seit Ende April ein Prozess gegen zwei weitere Angeklagte.

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– Sexueller Missbrauch von Kindern – Missbrauchsbeauftragter: „Kleinkinder werden vor laufender Kamera getötet“ Kriminelle Netzwerke kauften etwa in Tschechien Babys für 4000 Euro, die dann einzig zum Zweck der sexuellen Ausbeutung großgezogen würden.
Missbrauchsbeauftragter: „Kleinkinder werden vor laufender Kamera getötet“

Meinung
Kommentar: Man will die Türkischstämmigen und türkischen Staatsbürger einschüchtern

ARD wie ZDF und der Wink mit dem Zaunpfahl Ein Gastbeitrag von Nabi Yücel Seit geraumer Zeit fahren nicht nur private Medien ihre Geschütze gegen Türkischstämmige und türkische Staatsbürger aus, sondern vor allem die zwei öffentlich-rechtlichen Medienanstalten ARD und ZDF. Offenbar wird hier nicht nur versucht, einen gesellschaftlichen Konsens zu etablieren, man will vielmehr die Türkischstämmigen und türkischen Staatsbürger einschüchtern, zur Räson und auf politische Linie bringen. Offenbar hat man keine andere rechtliche Handhabe gegen Türkischstämmige und türkische Staatsbürger, da sich die bisherigen Schuldzuweisungen, Verdachtsmomente, Beschuldigungen oder Mutmaßungen nicht bewahrheitet haben, ins Leere gingen oder nur vereinzelte Individualstraftaten festgestellt werden konnten, die auf die türkische Gemeinde oder Gemeinschaft an sich nicht umgemünzt werden kann. Mit zwei TV-Beiträgen, die seit kurzem hintereinander ausgestrahlt werden, wird dieser Konsens geschaffen und werden Türkischstämmige und türkische Staatsbürger generell unter Tatverdacht gestellt, kriminalisiert und ins Rampenlicht gezerrt. Diese Politik dient nur dazu, die Türkischstämmigen und türkischen Staatsbürger systematisch auszugrenzen, ihnen die selbstgesteckten politischen Grenzen aufzuzeigen, mit einem Wink unter dem Deckmantel der Demokratie und Gesellschaftskritik zu drohen: ZDF-Film von Simone Müller und Susana Santina: „Im Dienste Erdogans – Türkische Spitzel in Deutschland“ ARD Sportschau-Film von Matthias Wolf: „Wie die Grauen Wölfe junge Fußballer rekrutieren.“ Zuerst einmal leben in Deutschland „3 Millionen“ Türkischstämmige, darunter sehr viele türkische Staatsbürger mit Rechten und Pflichten; nicht nur gegenüber der Bundesrepublik Deutschland, sondern auch gegenüber dem Herkunftsland Türkei, deren Staatsbürger sie sind. Diesem sind sich die loyalen rechtsstaatlichen und rechtschaffenen Bürger bewusst. Deshalb „denunzieren“ Imame, Mitglieder und Besucher der DITIB oder anderer Moscheegemeinden im Bundesgebiet im Auftrag der Bundesregierung „Gefährder“ bei der Polizei. „Gefährder“ sind im Sinne der Bundesregierung jene Personen, die weder Handlungs- noch Zustandsstörer sind, bei denen aber bestimmte Tatsachen die Annahme des Rechtssystems rechtfertigen, dass sie Straftaten von erheblicher Bedeutung begehen und daher verfolgt, für unbestimmte Zeit festgesetzt werden können. Bewegen sich diese Türkischstämmigen „Denunzianten“ nun im rechtsfreien Raum, wenn sie nach Überzeugung der Filmemacher und all der dort interviewten „Kritiker“ und „Opfer“ für die deutsche Polizei als „Spitzel“ fungieren? Warum dann diese Schnappatmung, wenn Bürger in ihren Heimatländern Straftaten melden; sei es über E-Mail, Fax, Telefonat oder Smartphone-App? Die Bundesrepublik Deutschland ist nach dem Grundgesetz verpflichtet, alle Bürger im Bundesgebiet zu schützen, darunter auch alle religiösen Objekte, Einrichtungen und Personen. Aber bereits da hapert es gewaltig und genau darauf geht der TV-Beitrag nicht ein einziges Mal ein, weil damit auf der anderen Seite, die hier erwähnten sogenannten „Opfer“ ihrer zugewiesenen Rolle nicht gerecht wären, sie als Täter dastehen würden. Diese „Opfer“ sind es eigentlich, die ihre Probleme aus der Türkei mit nach Deutschland tragen, hier weiter austragen wollen und dabei mitunter Straftaten nach türkischer wie deutscher Rechtsprechung begehen. Es versteht sich von selbst, dass die Straftaten in diesem Zusammenhang auf ganzer Linie vor allem von diesen „Opfern“ begangen werden; was aus zahllosen Beispielen an Medienberichten über Verurteilungen oder Straftaten hervorgeht. Wenn dann nach Jahrzehnten der Druck auf die Türkischstämmigen dermaßen angestiegen ist, weil die hiesige Aufklärungsquote von Straftaten gegen null tendiert, wundert man sich über eine Generation, die sich in sehr geringem und ausgeprägtem Teil zur Wehr setzt? Aber man gerät nicht in Schnappatmung, angesichts der schier endlosen Zahl von Straftaten der Sympathisanten der PKK, DHKP-C oder anderer linksextremistischer Organisationen? Ich gehe auch jede Wette ein, dass die hier im Bundesgebiet begangenen politisch- wie religiös-motivierten Straftaten, ob aufgeklärt oder nicht, eine deutliche Sprache sprechen. Aber dennoch stilisiert man die Täter zu Opfern und die Opfer jetzt zu Tätern? „3 Millionen“ Bürger im Bundesgebiet, die einen türkischen Migrationshintergrund haben, sind Opfer von Sympathisanten einer Terrororganisation, die sich seit den 80-er Jahren in Europa frei bewegen können. Nun kommt eine weitere Terrororganisation hinzu, die sich mit der Verfolgung durch die türkische Justiz, vermehrt seit 2016 in Deutschland niederlässt: die FETÖ, bzw. die Terrororganisation des Predigers Fethullah Gülen. Können sich die „3 Millionen“ Bürger in Deutschland nun sicherer fühlen, angesichts der immer noch anhaltenden und immer weiter verstärkenden Angriffe auf türkischstämmige Moscheen, Vereine, Einrichtungen oder Personen? Nein! Sie haben Angst! Angst, genauso wie in der Türkei von einem Netzwerk infiltriert und durchsetzt zu werden, die letztendlich in der Türkei zu einem Putschversuch mit vielen Opfern geführt hat. Dieser Angst wird in diesem TV-Bericht kein einziges Mal Platz eingeräumt. Es geht einzig und alleine darum, die Täter zu Opfern zu machen und in der deutschen Gesellschaft zu rehabilitieren. Unter diesem Aspekt betrachtet, verfolgt die ARD und das ZDF hier ganz klar eine andere Agenda. Die ARD und das ZDF winken im Einklang mit dem Zaunpfahl in Richtung jener, die bislang Opfer waren und nun zu Tätern stilisiert werden. So nicht! Das türkische Rechtssystem funktioniert auf Grundlage türkischen Rechts; da können sich die hiesigen sogenannten „Regierungskritiker“ der Türkei auf bundesdeutschem Gebiet auf den Kopf stellen, es ändert daran nichts. Wer in der Türkei eine Straftat nach türkischem Recht begeht, wird von der türkischen Justiz verfolgt. Wer sich wie der „Alevite“ Turgut Öker, der „armenischstämmige“ Hayko Bagdat oder der „Gülen-Anhänger“ Alinay Özalp und der „Kurde“ Erdal Kuzu zu Unrecht verfolgt fühlt, hat die Tragweite ihres eigenen Tuns nicht verstanden und lebt in einem selbstgeschaffenem Vakuum. Turgut Öker hat, wie z.B. Erdal Kuzu, den türkischen Präsidenten beleidigt, verleumdet oder in seiner Ehre verletzt. Nach türkischen Strafrecht sind das Straftaten, die geahndet werden können. Alle diese Straftaten haben mit Kritik an sich nichts zu tun und werden auch so behandelt. Beide bzw. alle können sich rechtlich verteidigen, ja sogar bis vor das türkische Verfassungsgericht ziehen und ihre Unschuld feststellen lassen oder aber sich diesem entziehen und im Exil leben. Wenn sie auch hier keinen Erfolg haben, können sie alle vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Beschwerde einlegen und ihr Recht einfordern; somit feststellen lassen, ob ihre Beleidigungen, Ehrverletzungen oder Verleumdungen als Kritik durchgehen oder nicht. Bislang blieben aber solche rechtlichen Schritte trotz großartiger Solidaritätsbekundungen in Deutschland von diesen Personen bislang aus. Wieso eigentlich? Es wird keiner in Abrede stellen können, dass das türkische Rechtswesen sich an das europäische Rechtssystem hält; auch durch mehrmalige Wiederholungen nicht. Wer etwas anderes behauptet, muss sich auch der Tragweite dieser Behauptung bewusst werden. Wenn denn dem so wäre, müsste also ein Regierungswechsel in der Türkei auch das türkische Rechtssystem von Grund auf umkrempeln, um dieser Behauptung gerecht zu werden. Ist das angesichts des Fortschritts im türkischen Rechtssystem glaubhaft? Wohl kaum! Wieso lügt man dann so dreist – wie das deutsche Auswärtige Amt oder die niederländische Politikerin und Türkei-Berichterstatterin des EU-Ausschusses Kati Piri in Zusammenhang mit dem Mäzen Osman Kavala? Übrigens können die Filmemacher des ZDF auch sehr gerne mal versuchen, neben der völkisch-kurdischen ANF News auch den Nachrichtenticker der Halsabschneider des Islamischen Staates einzublenden. Mal schauen, wie lange das gut geht. Apropos Erdal Kuzu: Das ZDF sollte das nächste Mal einen Facebook-Post eines sogenannten Erdogan-Opfers vor dem Einblenden im Film lesen und verstehen lernen, um danach nicht unter dem Verdacht zu stehen, Antisemitismus und Rassismus unter dem Deckmantel der Erdogan-Kritik zu verbreiten oder etablieren zu wollen. Übrigens wurde das von einer „sozialistischen“ Seite geteilt, was dem ganzen die Krone aufsetzt. Erdal Kuzu in Facebook, am 18. Februar 2020:
„Der größte Terrorist und Scharlatan ist der georgische Bastard Kerdoğan [Verbalhornung des Namens Erdogan] mit einer jüdischen Auszeichnung für überlegene Tapferkeit.“
Also, was ist dann das Problem der „Opfer“ bzw. der Filmemacher, die von ARD und ZDF seit geraumer Zeit hofiert werden? Das Problem ist nicht das türkische Recht, sondern die türkische Regierung unter Recep Tayyip Erdogan. Haben die „Opfer“, Filmemacher, der ARD und das ZDF also ein Problem mit dem Wahlvolk? Schließlich hat das Volk in seiner Mehrheit die Regierung aufgeboten; Erdogan ist also nicht an die Macht geputscht worden! Wer aber mit dem Volk ein Problem hat, der hat auch ein Problem mit den Türkischstämmigen im Bundesgebiet und da wären wir bei der Frage angelangt, weshalb ARD und ZDF derzeit dermaßen viele Filme über sogenannte Probleme mit Türkischstämmigen ausstrahlt? Generell gab es unter den Türkischstämmigen immer schon den Eindruck, dass man im Bundesgebiet als Menschen zweiter Klasse angesehen wird, mit denen man nach Belieben umspringen, ausgrenzen oder als „Täter hinstellen“ kann. Jetzt verstärkt sich aber der Eindruck, dass die Bundesregierung diesen Menschen mit dem Zaunpfahl auch noch über öffentlich-rechtliche Sender zuwinkt und droht.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

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Corona-Krise
Lauterbach: NRW geht mit Grundschulöffnung hohes Risiko ein

Düsseldorf – Der SPD-Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach hat die geplante Öffnung der nordrhein-westfälischen Grundschulen als riskant kritisiert und vor einer „zweiten Infektionswelle“ gewarnt. „Auch Grundschüler können ansteckend sein. Wenn wir auf diese Art und Weise öffnen, gehen wir ein hohes Risiko ein und gefährden damit Lehrer, Eltern und Kinder“, sagte Lauterbach dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Er sei für die Grundschulöffnung, „allerdings scheinen die Vorbereitungen alles andere als optimal zu sein“. In NRW sollen ab dem 15. Juni wieder alle Kinder zur Grundschule gehen. Ein Abstandsgebot oder eine Maskenpflicht soll es nicht geben. Stattdessen sollen die Schüler strikt unter sich im festen Klassenverband bleiben. Lauterbach forderte, es dürfe „nur in ausgedünnten Klassen“ unterrichtet werden. Zudem müsse weiterhin Abstand gehalten und viel gelüftet werden. „Außerdem müssten Lehrer und Eltern die Möglichkeit bekommen, sich jederzeit ohne bürokratischen Aufwand testen zu lassen. Wir müssen verhindern, dass es zu einer zweiten Infektionswelle kommt.“

Impfallianz
Bill & Melinda Gates Stiftung sagt der Impfallianz Gavi 1,6 Milliarden US-Dollar zu

Entscheidungsträger aus der ganzen Welt bündeln Kräfte, um zusätzlich 300 Millionen Kinder vor Krankheiten zu schützen und die Folgen der Covid-19-Krise zu begrenzen Die Bill & Melinda Gates Stiftung hat heute der Impfallianz Gavi 1,6 Milliarden US-Dollar für die kommenden fünf Jahre zugesagt, damit die weltweit ärmsten Länder mit lebenswichtigen Impfstoffen versorgt werden können. Angekündigt wurde dieses finanzielle Engagement beim Globalen Impfgipfel 2020, der vom Premierminister des Vereinigten Königreichs, Boris Johnson, ausgerichtet wurde. Mit den heutigen Zusagen für die nächste Finanzierungsperiode kann die Allianz zusätzlich 300 Millionen Kinder in den weltweit gefährdetsten Bevölkerungsgruppen erreichen und so bis zu acht Millionen Menschenleben retten. Die Gesamtzahl der Kinder, die mit Unterstützung der Gavi-Allianz seit dem Start der Initiative im Jahr 2002 immunisiert wurden, wird somit die Milliarden-Marke überschreiten. Gavi setzt sich dafür ein, dass Routineimpfungen trotz der aktuellen Covid-19-Krise auch weiterhin durchgeführt werden. Darüber hinaus nimmt die Allianz aber auch eine entscheidende Rolle bei der Krisenbewältigung selbst ein: Sobald Covid-19-Impfungen bereitstehen, wird Gavi mit ihrer jahrzehntelangen Erfahrung dafür sorgen, dass sie in Niedriglohnländern verfügbar werden. „Außerhalb des weltweiten Gesundheitssektors kennen wenige Menschen Gavi. Doch in den letzten zwanzig Jahren hat die Allianz verändert, wie die Welt die Gesundheit von Kindern schützt und sich dafür finanziell engagiert“, so Melinda Gates, Co-Vorsitzende der Bill & Melinda Gates Stiftung. „Wenn uns die aktuelle Pandemie eines gelehrt hat, ist das die Bedeutung von Schutzimpfungen gegen tödliche Krankheiten. Mit den heutigen finanziellen Beiträgen unterstützen die Geldgeber Gavi, noch mehr Leben zu retten.“ In enger Zusammenarbeit mit den Regierungen von Entwicklungsländern, Impfstoffherstellern, Geldgebern und anderen Partnern weltweit hat die Allianz beeindruckende Fortschritte erzielt. Trotz der außergewöhnlichen Ergebnisse hatten 2018 ein Zehntel aller Kinder jedoch keine Grundimmunisierung. Hinzu kommt, dass Covid-19 Gesundheitssysteme überlastet, Lieferketten unterbricht und medizinische Fachkräfte davon abhält, auf sichere Weise Schutzimpfungen gegen vermeidbare Krankheiten durchzuführen – ein Risiko für Millionen Menschen. „Um die Covid-19-Pandemie zu bewältigen, braucht die Welt mehr als bahnbrechende Forschung. Sie braucht eine wahrhaft bahnbrechende Großzügigkeit. Und genau das nehmen wir aktuell auch wahr: Entscheidungsträger des öffentlichen und privaten Sektors machen sich für Gavi stark – insbesondere Premierminister Johnson“, so Bill Gates, Co-Vorsitzender der Bill & Melinda Gates Stiftung. „Wenn Covid-19-Impfungen bereitstehen, wird dieses finanzielle Engagement und die weltweite Koordination dafür sorgen, dass die Menschen überall Zugang haben.“ Seit ihrer Gründung vor mehr als zwei Jahrzehnten wird die Impfallianz von der Gates Stiftung unterstützt. So konnten eine dreiviertel Milliarde Kinder immunisiert, 13 Millionen Leben gerettet und die Kindersterblichkeit in den Gavi-Partnerländern halbiert werden.
Ein Baby wird im Umoja Heath Centre in Nairobi
geimpft. 16. Mai 2019. (Foto: Gates Archiv)
„In einer der schwersten Zeiten, die wir jemals durchlebt haben, in der die Covid-19-Pandemie überall weltweit Impfprogramme schwächt und immense wirtschaftliche Schäden verursacht, kommt diesem finanziellen Engagement eine tragende Rolle zu. Mit diesem Beitrag können Länder dabei unterstützt werden, das Wiederauftreten von anderen tödlichen und durch Impfungen vermeidbaren Krankheiten zu verhindern“, so Dr. Ngozi Okonjo-Iweala, Vorstandsvorsitzende von Gavi. Außerdem stellt die Gates Stiftung Gavi 100 Millionen US-Dollar zur Verfügung, um Covid-19-Impfungen für Niedriglohnländer zu kaufen. Dafür wird ein neues „COVID-19 Vaccine Advance Market Commitment“ genutzt, also eine Verpflichtung zur vorgezogenen Markteinführung. Neben den heute zugesagten 50 Millionen US-Dollar an neuen Mitteln beinhaltet dieser Beitrag die bei der internationalen Geberkonferenz „Global Response“-Initiative im Mai angekündigten 50 Millionen US-Dollar. Das heutige finanzielle Engagement der Stiftung umfasst auch die im Januar 2020 angekündigten 75 Millionen US-Dollar für den Gavi Matching Fund. Über die Bill & Melinda Gates Stiftung Geleitet von der Überzeugung, dass jedes Leben gleichen Wert hat, setzt sich die Bill & Melinda Gates Stiftung dafür ein, dass alle Menschen ein gesundes, selbstbestimmtes Leben führen können. Ziel in den Entwicklungsländern ist, die Gesundheit der Menschen zu verbessern und ihnen die Möglichkeit zu verschaffen, sich selbst von Hunger und extremer Armut zu befreien. In den USA wiederum soll allen -insbesondere aber jenen mit den geringsten Ressourcen – die Chance auf Bildung und ein erfolgreiches Leben zukommen. Der Stiftung mit Sitz in Seattle (Bundesstaat Washington) stehen unter der Leitung von Bill und Melinda Gates sowie Warren Buffett der CEO Mark Suzman und der Co-Vorsitzende William H. Gates Sr. vor.

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Literatur
Das Leben und Wirken des Ömer Seyfettin

Ein Gastkommentar von Isa Ak – ak-isa@gmx.de Das Osmanische Reich befand sich durch die Aufstände der christlichen Minoritäten, den stetigen Kriegen mit Russland und den Einmischungen der europäischen Großmächte im Zerfall. In dieser Zeit wurde Ömer Seyfettin 1884 in Gönen (Balıkesir) geboren. Sein Vater stammte aus dem Kaukasus und seine Mutter aus Istanbul. Bis zum heutigen Tag gilt Ömer Seyfettin als einer der produktivsten und einflussreichsten Schriftsteller der Türkei. Mit Ziya Gökalp hatte er einen wichtigen Anteil an der Verbreitung der Idee des türkischen Nationalismus. Beide publizierten in der Zeitschrift „Genç Kalemler“, wobei Gökalp die theoretische Grundlage für den türkischen Nationalismus schuf und Ömer Seyfettin seine Thesen literarisch untermauerte. Seyfettins schreiberische Tätigkeiten zielten darauf ab, die türkische Volkssprache zu benutzen, um ihr mehr Bedeutung beizumessen. Dafür sollten so wenig arabische und persische Begriffe wie möglich verwendet werden. Ideologisch war er ein ethnoreligiöser Kulturpatriot, der die panturkistische Idee unterstützte und jede Form von Rassismus ablehnte. Seine Werke Als Seyfettin 1920 starb, hinterließ er über hundert Kurzgeschichten. Diese Erzählungen spielten zwischen 1908 – 1920 und geben einen wichtigen Einblick in diese historische Epoche. Seine Geschichten handeln von der Suche nach Identität, den Kampf zwischen Tradition und Moderne, dem Verlust der Heimat, der Liebe zur Nation und die Bereitschaft sich für sie zu Opfern. Im Folgenden möchte ich drei seiner Werke kurz vorstellen: Aleko (Manzara Verlag/5,90€) ISBN: 978-3939795278 Die Geschichte spielt in Gallipoli zur Zeit der Dardanellen-Schlacht 1915. Es handelt von einem Jungen, der im Chaos des Ersten Weltkriegs versucht zu überleben und behandelt die Frage nach der Aufopferung der Jugend für die Nation. Das Tagebuch eines jungen Armeniers (Manzara Verlag/5,90€) ISBN: 978-3939795735 Das Buch behandelt den sogenannten „Osmanismus“ in der sich alle Elemente des Osmanischen Staates als Staatsnation wiederfinden konnten. Dadurch sollte der ethnische Nationalismus der christlichen Minderheiten zurückgedrängt und eine alternative Ideologie zur Verfügung gestellt werden. Seyfettin setzt sich in diesem Buch kritisch mit der genannten Thematik auseinander. Primo, der türkische Junge (Manzara Verlag/9,90€) ISBN: 978-3939795025 Primo ist der Sohn eines türkischen Vaters und einer italienischen Mutter. Die Geschichte illustriert einen kurzen Abschnitt des Lebens von Primo vom Angriffskrieg Italiens 1911 auf die osmanische Provinz Tripolitannien (Libyen) bis zum Verlust Salonikis in den Balkankriegen 1912/1913. In dieser Zeit stellt sich ihm die Frage nach seiner Identität. Wer bin ich? Wohin gehöre ich? Die Beschäftigung mit Ömer Seyfettin lässt dem geneigten Leser die damaligen historischen Erlebnisse Revue passieren und ermöglicht auch literarisch in diese überaus spannende Zeit einzutauchen.

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