»… so beschloss Seine Majestät, sich einer allgemeinen Not der Armen, die in diesem trockenen, heißen Jahre besonders hervorgetreten war, des Mangels an gutem Trinkwasser, anzunehmen und in der Stadt einen öffentlichen, immerfließenden Brunnen in romanisch-byzantinischem Stile errichten zu lassen. Am 22. Oktober früh zeichnete der Kaiser selbst auf der Dampferfahrt nach Therapia den Entwurf, ließ ihn von Professor Knackfuß etwas ausführen und überreichte die Skizze vor seiner Abfahrt dem Sultan.«Die Planungen für die Errichtung des Brunnens begannen im März 1899. Der Kirchenbaumeister Max Spitta (1842-1902) wurde mit der Ausführung des endgültigen Entwurfes beauftragt. Die dekorativen Mosaiken entwarf der Oldenburger Maler August Oetken (1868-1951), deren Fertigung lag in den Händen der Berliner Firma Puhl & Wagner, die auch an der künstlerischen Ausgestaltung der im Bau befindlichen Jerusalemer Erlöserkirche beteiligt war. Die osmanischen Inschriften für das Kuppelmosaik verfasste der Dichter Ahmed Muhtar Efendi (1848-1910) und betonte in ihnen die Bedeutung des Wassers und dessen Hervorhebung im Koran; während Mehmed İzzet Efendi (1841-1903) – einer der bedeutenden Lehrer für Kalligraphie in Konstantinopel, damals am Galatasaray Lisesi tätig – die kunstvolle Kalligraphie ausführte. In der Kuppel sind auf Goldgrund neben diesen Versen viermal das Monogramm Kaiser Wilhelms II. sowie viermal die Tuğra Sultan Abdül Hamids II. als unmittelbare Hinweise auf den Stifter und den Herrscher über das Osmanische Reich in Mosaik ausgeführt. In Berlin legte Kaiser Wilhelm II. die Einzelheiten des Baues fest, bestimmte die Inschrift der bronzenen Weihetafel und die weiteren Einzelheiten der Ausschmückung, während der Sultan indes über den Bauplatz entscheiden sollte. Abdül Hamid II. favorisierte offenbar zunächst einen Platz im damals eher entlegenen, bis heute aber sehr europäisch geprägten Nişantaşı mit eleganten Wohnquartieren im Jugendstil, die einen Vergleich mit Brüssel oder Wien nicht zu scheuen brauchen. Die Wahl fiel jedoch schließlich nach Einwänden sowohl des deutschen Botschafters als auch des Großwesirs auf den zentralen Platz zwischen der Hagia Sophia und der Sultan Ahmed-Moschee in der Altstadt. Die zum Bau benötigten Materialien, hauptsächlich weißer Marmor für das Brunnenhaus und dunkelgrüner Granit für die acht Säulen, wurden allesamt aus Deutschland per Schiff nach Konstantinopel transportiert. Außenminister Tewfik Pascha wurde bei einem Besuch in Berlin im Januar 1900 durch den Kaiser selbst über den Stand der Planungen unterrichtet und berichtete darüber ausführlich an den Hof des Großherrn. Am 31. August 1900, dem offiziell zum 25. Jahrestag der Thronbesteigung Abdül Hamids II. erklärten Datum, sollte der Brunnen dem Sultan zur Freude und vor allem der ärmeren Bevölkerung zum Nutzen eingeweiht werden. Der vorgesehene Termin konnte jedoch nicht eingehalten werden, und so wurde schließlich der 27. Januar 1901, der 42. Geburtstag des deutschen Kaisers, als Tag der festlichen Einweihung festgelegt. Am 11. Januar ging der Brunnen der Vollendung entgegen, die Stadtverwaltung wurde darüber informiert, dass »der Kanaldeckel, welcher für die Öffnung [bestimmt ist], die zu dem Wasserfluss des Brunnens führen würde, noch nicht aus Berlin eingetroffen sei…«.

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