NEX24-Exklusivinterview
DEB-Parteichefin Asafoğlu: Griechenland hält sich seit 100 Jahren nicht an den Lausanner Vertrag

Im Interview mit NEX24 kritisiert die Vorsitzende der DEB-Partei, Çiğdem Asafoğlu, die Dreiprozentklausel zum Einzug ins griechische Parlament, die sie für antidemokratisch hält. Den griechischen Regierungen wirft Asafoğlu eine „kontinuierliche Unterdrückung“ der türkisch-muslimischen Minderheit vor.

Çiğdem Asafoğlu wurde am 17. November 1987 geboren. Nach dem Besuch der Grundschule im Dorf Kireççiler (Xrysa) bei İskeçe/Xanthi, machte Asafoğlu später Abitur an einem Gymnasium in İskeçe. Sie studierte Philosophie und Pädagogik an der Aristotelio-Universität in Thessaloniki (Selanik).

Ihre politische Karriere begann in der DEB-Partei, die vom Arzt und Menschenrechtsaktivisten Dr. Sadık Ahmet 1991 gegründet wurde und sich für die Rechte der türkisch-muslimischen Minderheit im Nordosten Griechenlands einsetzt. Auf dem Parteitag der DEB-Partei wurde Çiğdem Asafoğlu am 5. Januar 2019 zur neuen Parteichefin gewählt.

Frau Asafoğlu, die türkische Community in Westthrakien macht schwere Zeiten durch. Was sind die wesentlichen Probleme der türkischen Minderheit in Westthrakien?

Die Schwierigkeiten in der Welt haben auch ihre Spuren bei der türkischen Community in Westthrakien hinterlassen. Hinzu kommt, dass die bestehenden Probleme der türkischen Minderheit in Westthrakien nicht gelöst sind, was den Schwierigkeitsgrad noch erhöht.

Wie Sie wissen, wurde die türkisch- muslimische Minderheit in Westthrakien mit dem am 24. Juli 1923 unterzeichneten internationalen Vertrag von Lausanne unter die Obhut des griechischen Staates gestellt, wobei die Menschenrechte und Freiheiten, insbesondere das Recht auf Religionsausübung und Bildung garantiert wurden.

In den vergangenen 100 Jahren hat sich Griechenland nicht an den Vertrag gehalten. Sie hat die türkisch-muslimische Minderheit in Westthrakien auf wirtschaftlichem, bildungspolitischem, religiösem, identitätsstiftendem, sozialem und politischem Gebiet kontinuierlich unterdrückt und die bestehenden Rechte der Minderheit beraubt.

Es sind die Angehörigen der Minderheit, die am meisten von der Wirtschaftskrise in unserem Land betroffen sind. Daher ist es wichtig, Hochschulabsolventen im öffentlichen Sektor zu beschäftigen, dafür zu sorgen, dass unsere Landwirte angemessen von den EU-Mitteln profitieren und wirtschaftlich in Westthrakien, die als der rückständigsten Region Griechenlands gilt, zu investieren.

Was die politische Vertretung anbelangt, so gibt es eine antidemokratische nationale Dreiprozentklausel, die ein großes Hindernis für das Recht der Minderheit darstellt, zu wählen, [aktives Wahlrecht] und gewählt zu werden [passives Wahlrecht].

Die Tatsache, dass das Minderheitenschulwesen nicht im Einklang mit den durch den Vertrag von Lausanne gewährten Rechten im Bildungsbereich und den Wünschen der Minderheit behandelt wird, dass die erforderlichen Minderheiten-Mittelschulen und Gymnasien nicht realisiert werden und dass Kindergärten, die zweisprachigen türkisch-griechischen Unterricht anbieten, nicht eröffnet werden, sind ernsthafte Probleme, die unsere Minderheit im Bildungsbereich erfährt. Leider gehören auch andere wichtige Themen wie die Probleme des Muftiamtes und der Stiftungen zu den derzeit ungelösten Problemen.

Was schlägt ihre Partei konkret vor, um die Probleme zu lösen und welche Anstrengungen hat die DEB-Partei unternommen?

Die DEB-Partei ist eine legale politische Partei in diesem Land. In diesem Sinne hat sie das Recht, ihre Tätigkeit frei auszuüben und die Rechte, die nicht gewährt werden, zu äußern. Als Partei versuchen wir, die Probleme zum Ausdruck zu bringen und nach Lösungen zu suchen, indem wir Pressemitteilungen zu den auf der Tagesordnung stehenden Themen veröffentlichen und vor allem, indem wir über die Europäische Freie Allianz EFA parlamentarische Anfragen im Europäischen Parlament einreichen.

Der verstorbene Führer der türkischen Minderheit in Westthrakien, Dr. Sadık Ahmet, gründete die DEB-Partei in einer Zeit, in der die Rechtsverletzungen sehr stark waren. Daher wird die DEB-Partei, deren Ziel es ist, die Rechtsverletzungen zu beseitigen und dafür zu sorgen, dass die Menschen in einer Demokratie leben, seit ihrer Gründung sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene weiter tätig sein.

Sie wird sich weiterhin um Rechte an Plattformen bemühen. Die DEB-Partei ist der wichtigste politische Vertreter der Türken in Westthrakien und hat dies sowohl bei den Wahlen zum Europäischen Parlament 2014 als auch 2019 bewiesen. Sie wurde die erste Partei in den Provinzen Rodopi und İskeçe. Dies zeigt uns, dass die DEB-Partei der wichtigste politische Vertreter des Volkes ist.

Nächstes Jahr finden in Griechenland Parlamentswahlen statt. Welche Ziele verfolgt ihre Partei?

Wie jede politische Partei ist eines der wichtigsten Ziele der DEB-Partei der Einzug in das Parlament. Ich glaube, dass dies in naher Zukunft realisiert werden kann. Wenn dieses Ziel erreicht ist, wird es vielleicht eher möglich sein, direkte Lösungen vorzuschlagen. Die Lösung der aktuellen Probleme muss jedoch zunächst mit dem Abbau von Vorurteilen und der Einstellung gegenüber den westthrakischen Türken beginnen.

Der wichtigste Lösungsvorschlag der DEB-Partei ist der Dialog. Wir sind der Meinung, dass jede Entscheidung, die mit der Minderheit in Westthrakien getroffen werden muss, im Dialog mit der Minderheit in Westthrakien getroffen werden sollte, mit anderen Worten, wir glauben, dass die Probleme mit der Demokratie sich auflösen werden.

Bei den Wahlen 2023 wollen wir auf die Wünsche und Erwartungen unserer Bürger eingehen. Wie Sie wissen, gibt es in unserem Land eine Sperrklausel von 3 Prozent. Das macht es uns unmöglich, allein ins Parlament einzuziehen. Wir haben jedoch die Möglichkeit, durch eine Koalition [Allianz] mit einer Partei oder Personen, die ähnlich wie wir denken, in das Parlament einzuziehen. Wir arbeiten an diesen Möglichkeiten.

In Griechenland wurde 1993 das Wahlgesetz geändert und eine 3-Prozent-Hürde für den Einzug ins Parlament eingeführt. Was haben Sie als DEB-Partei für die Abschaffung dieses antidemokratischen Gesetzes getan oder planen Sie zu tun? Die EU beabsichtigt Minderheitenprobleme in Zusammenhang mit parlamentarischen Sperrklauseln abzuschaffen. Wie ist dazu der aktuelle Stand?

Bei den Wahlen zum Europäischen Parlament ist es unserer Partei gelungen, in Gümülcine/Komotini und İskeç/Xanthi mit 42.000 Stimmen den ersten Platz zu belegen. Diese in Griechenland erhaltenen Stimmen entsprechen prozentual 0,75 Prozent. Was bedeutet das? Das bedeutet, dass es unmöglich ist, mit diesem Prozentsatz innerhalb der Grenzen Griechenlands ins Parlament zu gelangen.

Ich möchte hier eine eigene Klammer aufmachen: Die Türken in Westthrakien haben nicht das Recht, im griechischen Parlament im Verhältnis zu ihrer Bevölkerung vertreten zu sein. Die Sperrklausel von 3 Prozent ist eine der Praktiken, die die Vertretung der Türken aus Westthrakien im griechischen Parlament einschränken.

Die türkische Minderheit in Westthrakien, die zwischen den Wahlen von 1927 und 1989 durch den Beitritt zu einer Partei zwei Abgeordnete stellen konnte, nahm an den Wahlen von 1989 zum ersten Mal unabhängig teil und erhielt einen Abgeordneten. Das System der Länderhürden, das unmittelbar nach diesen Wahlen eingeführt wurde, wurde bei den Wahlen von 1993 auch auf unabhängige Kandidaten angewandt, und es wurde für die Minderheit unmöglich, einen unabhängigen Abgeordneten zu stellen.

Denn um 3 Prozent der Stimmen im Land zu erhalten, sind etwa 200.000 Wählerstimmen erforderlich. Die Bevölkerungszahl der Minderheit bleibt unter dieser Zahl. Am 18. Juni 1989 wurde der verstorbene Sadik Ahmet zum ersten unabhängigen Abgeordneten der westthrakischen Türken ohne Schwellenwert gewählt. Damit wurde die Verpflichtung, einen Abgeordneten der griechischen Parteien zu stellen, verletzt.

Bei den Wahlen 1993, als Sadık Ahmet an der neu eingeführten Sperrklausel scheiterte, wurde die Partei für Freundschaft, Gleichheit und Frieden (DEB) gegründet. Die DEB-Partei scheiterte jedoch auch an der Hürde, da die türkische Minderheit mit ihren 150.000 Einwohnern keine 200.000 Stimmen auf sich vereinigen konnte. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass sie dazu in Zukunft nicht in der Lage sein wird. Wie ich bereits erwähnt habe, könnte es durchaus sein, diese Schwelle durch eine Koalition mit gleichgesinnten Parteien zu überwinden.

Es gibt eine starke Auswanderung aus Griechenland in andere EU-Mitgliedsstaaten. Gibt es Anzeichen dafür, dass diese Auswanderung im Allgemeinen zu einer Stärkung der DEB-Partei als politische Kraft beiträgt? Fall ja, in welcher Phase ist es derzeit?

Die Abwanderung ist auf sehr offensichtliche Weise zu einer blutenden Wunde unserer Minderheit geworden. Zunächst müssen die Faktoren ermittelt werden, die die Migration verursachen, und es müssen ernsthafte Studien in der Region durchgeführt werden. Besonders der Unterschied in der Abwanderungsrate unserer Landsleute, die der türkischen Minderheit in Westthrakien angehören, im Vergleich zur Mehrheit ist beunruhigend.

Wir haben nicht feststellen können, dass die zu diesem Zweck eingerichtete Kommission für die Entwicklung von Thrakien in der Lage war, einen konkreten Schritt zu unternehmen, um die Abwanderung zu stoppen. Immer mehr Gewerbetreibende schließen ihre Läden, die Landwirte erhalten nicht die notwendige Unterstützung, das Gewerbegebiet wird nicht entwickelt, und infolgedessen ist die Abwanderung unvermeidlich. Als Partei bringen wir dies stets zum Ausdruck und leiten unsere Forderungen an die notwendigen Stellen weiter. Die wirklichen Probleme werden jedoch ignoriert und ohne Dialog vor vollendete Tatsachen gestellt.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führten die Redakteure Kemal Bölge und Mehmet Küçük.

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Im einem Gespräch mit NEX24 bemängelt der Sprecher der griechischen Menschenrechtsorganisation Greek Helsinki Monitor das Fehlen einer strafrechtlichen Verfolgung rassistischer Verbrechen, die in seinem Land fast gänzlich fehle.

NEX24-Interview mit Menschenrechtler Dr. Panayote Dimitras

Solingen
Straße soll nach Mevlüde Genc benannt werden

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Solingen – Am heutigen Dienstag wurde in Solingen unter reger Teilnahme das Totengebet für die am Sonntag verstorbene Mevlüde Genc gemeinsam verrichtet. Die Beerdigung werde am morgigen Mittwoch in der türkischen Stadt Amasya stattfinden. In Solingen soll nun eine Straße nach ihr benannt werden. Mevlüde Genc verlor ihre Familie bei einem rechtsextremistischen Anschlag 1993. Ihre besonnenen Botschaften gegen den Hass machten sie zu einem Symbol für Toleranz und Antirassismus in ganz Deutschland. Im Gespräch mit NEX24 erklärte Tolga Özgül von Merhaba & Mahlzeit, Köln, dass die türkische Community in Zusammenarbeit mit der Stadt Solingen eine Straße nach Mevlüde Genc benennen möchte. Die Gespräche mit dem Oberbürgermeister sollen in Kürze beginnen.
Tolga Özgül (r.) mit Helge Lindh (Wuppertal/SPD)
Zum Gedenken an die Überlebende des Brandanschlags von 1993 in Solingen trafen sich fast 1000 Trauernde, auch viele Deutsche aus verschiedenen Bundesländern, direkt vor dem Grundstück, auf dem dieser Anschlag stattfand. Sogar Teilnehmer aus Bayern seien extra den weiten Weg angereist, erzählte Tolga Özgül, der gemeinsam mit allen Anwesenden das Totengebet verrichtete. Das würde zeigen, dass Mevlüde Genc geliebt und geschätzt wurde, so Özgül.
(Foto: Özen
Im Solinger Haus der türkischen Familie Genc legten vier deutsche Rechtsradikale Feuer im Flur, nachdem sie in der Nacht gewaltsam in das Haus eingedrungen waren. Fünf Familienmitglieder kamen bei diesem verabscheuungswürdigen Brandanschlag um. Das jüngste Opfer war vier Jahre alt, das älteste 27 Jahre. Weitere 14 Familienmitglieder erlitten teilweise lebensgefährliche Verletzungen. Die 80 Jahre alte Bundesverdienstkreuzträgerin Mevlüde Genc verstarb am 30. Oktober 2022. Ihr Sarg wurde in der Unteren Werderstraße unter freiem Himmel aufgebahrt. Unter den hunderten von Gästen, die ihre Anteilnahme ausdrückten, befanden sich der NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach, der türkische Botschafter Ahmet Başar Şen und Thomas Kutschaty von der NRW-SPD.
(Foto: Özgül)
Der deutsche Politiker Joachim Stamp nahm ebenfalls an der Zeremonie teil. Er war von Juni 2017 bis Juni 2022 Minister für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration sowie stellvertretender Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen in der schwarz-gelben Landesregierung. Alle erschienen aufgrund einer Einladung der Ditib-Gemeinde Solingen. Auch ein Abgeordneter aus dem türkischen Samsun, Akif Cagatay, ehemaliger türkischer Sportminister, war anwesend.
Özgül (r.) mit r Joachim Stamp, ehemaliger Minister für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration sowie stellvertretender Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen in der schwarz-gelben Landesregierung.
Özgül sagte im Gespräch mit NEX24, Mevlüde Genc sei ein sehr bemerkenswerter Mensch gewesen, die nicht nur von den türkischen, sondern auch von den Bürgern in ganz Deutschland verehrt und geschätzt wurde. Beim Totengebet hatte er die Gelegenheit, mit Herrn Kurzbach, dem Oberbürgermeister der Stadt Solingen zu sprechen. „Ich habe direkt angesprochen, dass wir uns wünschen, dass eine Straße nach Mevlüde Genc benannt wird. Er hat das sofort positiv begrüßt. Ich habe ihn auch darum gebeten, das Projekt Mevlüde-Genc-Straße in kürzester Zeit umzusetzen. Wie ich noch erfahren habe, hat die Stadt Solingen auch vor, eine Gedenktafel für Mevlüde Genc aufzustellen. Ich habe Herrn Kurzbach um einen Termin gebeten, um auch das Projekt Mevlüde-Genc-Straße durchzusetzen“, so Tolga Özgül zu NEX24.
(Foto: Özen)
Im Gespräch mit NEX24 äußerte Özgül auch, dass sich der Oberbürgermeister von Solingen demnächst mit ihm zusammensetzen werde. Özgül möchte natürlich dafür das Einverständnis der Familie Genc einholen. Aktuell sei die Familie in Trauer und er wolle sie nicht stören und ein wenig mehr Zeit vergehen lassen und dann erst das Gespräch mit der Familie Genc suchen, damit die Straßenumbenennung in Mevlüde-Genc-Straße auch mit Erlaubnis der Familie stattfinden könne. Die Stadt Solingen hätte ein sehr positives Zeichen gegeben. Auszeichnungen für Bemühungen zur Versöhnung Für ihre Bemühungen um Versöhnung wurde ihr 1996 das Bundesverdienstkreuz verliehen. Im Jahre 2003 wurde sie bei den Deutsch-Türkischen Kulturwochen der Friedrich-Ebert-Stiftung zudem mit dem Freundschaftspreis ausgezeichnet. Die Begründung der Jury:
„Mevlüde Genc hat ihrer Heimatstadt Solingen trotz allem die Treue gehalten und kämpft seither gegen Rassismus. Sie gründete u. a. einen Kindergarten und unterstützt vor allem das Bewusstsein, das bereits bei kleinen Kindern von Anfang an geschult werden sollte – nämlich dass Rassismus in Deutschland keine Chance haben darf. Für dieses Engagement und den Mut, trotz allem weiterzumachen, aufzustehen und etwas zu tun, verleiht die DTF seinen diesjährigen Preis in der Kategorie ‚Solidarität‘ an Mevlüde Genc.“
Aufgrund ihrer versöhnlichen Haltung wurde zudem die in NRW seit 2018 verliehene „Mevlüde-Genç-Medaille“ nach ihr benannt.
Bundeskanzlerin Angela Merkel bewundert Haltung von Mevlüde Genc „Auf eine unmenschliche Tat haben Sie mit menschlicher Größe reagiert. Dafür bewundern wir Sie“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrer Rede zum 25. Jahrestag.

Fußball-WM 2022
Innenministerin Faeser empfiehlt Homosexuellen Katar-Reise

Berlin – Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hat im Rahmen ihrer aktuellen Katarreise angekündigt, zum Eröffnungsspiel der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft reisen zu wollen. Sie habe sich dazu entschieden, den Reformprozess im Land „auch während der WM weiter zu begleiten. Deswegen reise ich zum Eröffnungsspiel der deutschen Mannschaft gegen Japan“, sagte Faeser im ARD-Mittagsmagazin. Es sei wichtig, das Land Katar bei den begonnen Reformen zu unterstützen, sagte Faeser. Auf ihrem Besuch habe sie gesehen, „dass wertvolle Reformen, gerade auch für die Wanderarbeiterinnen und -arbeiter auf den Weg gebracht wurden.“ Beispielsweise gebe es nun einen Staatsfonds, der Gehälter von Wanderarbeitern ersetzt, wenn sie nicht gezahlt werden. Zudem gebe es nun Gerichte, die sich jetzt ausdrücklich um Arbeitnehmerfragen kümmern. Während ihres Besuchs habe sie auch mit Arbeitnehmervertretern gesprochen. Der katarische Premierminister habe ihr außerdem Sicherheitsgarantien für alle Menschen zugesagt, die zur WM reisen wollen. „Das war mir als Bundesinnenministerin das wichtigste, das bei dieser Reise zu erreichen“, sagte Faeser im Mittagsmagazin. „Denn jeder soll, egal wo er herkommt, an wen er glaubt oder wen er liebt sicher bei der WM auch dieses Fest mitfeiern können. Und das wurde mir heute garantiert.“ Sie könne homosexuellen Menschen deswegen guten Gewissens empfehlen, zur WM zu reisen.  

Energiekrise
Hohe Energiekosten sorgen für Betriebsschließungen von Pflegeeinrichtungen

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Berlin- Vor der Sitzung der Ministerpräsidenten mit dem Bundeskanzler drängt der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) auf eine schnelle Umsetzung eines Energiefonds, der auch von der Expertenkommission vorgeschlagen wurde, um Pflegeeinrichtungen und soziale Einrichtungen vor den dramatisch gestiegenen Energiekosten zu schützen. „Ein Pflegedienst in Leipzig, der den Betrieb aufgibt, ein Pflegeheim in Flensburg, das wegen der hohen Kosten Insolvenz anmelden muss – allein in den letzten Tagen gab es mehrere Beispiele für Betriebsschließungen aufgrund der galoppierenden Kostenentwicklung“, warnt bpa-Präsident Bernd Meurer. „Bund und Länder müssen verhindern, dass daraus eine Kettenreaktion wird, die die pflegerische Versorgung in Deutschland gefährdet.“ Der bpa fordert deshalb eine Direkterstattung der Energiekosten zum Beispiel bei Gas, Strom und Kraftstoff. Inzwischen haben sich weitere Teile der Politik und nahezu alle großen Verbände der Pflegebranche hinter diesen Vorschlag gestellt. Auch die Expertenkommission der Bundesregierung zur Gaspreisbremse hat einen Hilfsfonds zur Direkterstattung der Kosten vorgeschlagen. Meurer weist aber auch auf Belastungen bei anderen Energiekosten sowie weitere hohe Sachkostensteigerungen, beispielsweise bei Lebensmitteln, hin. „Die Einrichtungen brauchen Hilfe und sie brauchen sie jetzt“, macht Meurer deutlich. „Die Gesellschaft kann nicht warten, bis der Winter vorbei ist. Bis dahin wird es weitere Insolvenzen und Betriebsaufgaben geben. Hauptsächliche Leidtragende sind dann immer die hilfsbedürftigen Menschen und ihre Familien.“ Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa) bildet mit mehr als 13.000 aktiven Mitgliedseinrichtungen die größte Interessenvertretung privater Anbieter sozialer Dienstleistungen in Deutschland. Einrichtungen der ambulanten und (teil-)stationären Pflege, der Behindertenhilfe sowie der Kinder- und Jugendhilfe in privater Trägerschaft sind systemrelevanter Teil der Daseinsvorsorge. Als gutes Beispiel für Public-private-Partnership tragen die Mitglieder des bpa die Verantwortung für rund 395.000 Arbeitsplätze und circa 29.000 Ausbildungsplätze (siehe www.youngpropflege.de oder auch www.facebook.com/Youngpropflege). Die Investitionen in die soziale Infrastruktur liegen bei etwa 31 Milliarden Euro.

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– Afrika-Politik der Türkei – Türkisches Unternehmen landet Milliarden-Deal in Sierra Leone

Das türkische Unternehmen Emirates Petroleum hat in dem westafrikanischen Staat Sierra Leone die weltweiten Vermarktungsrechte für die Goldreserven erworben.

Türkisches Unternehmen landet Milliarden-Deal in Sierra Leone

Afrika-Politik der Türkei
Türkisches Unternehmen landet Milliarden-Deal in Sierra Leone

Freetown – Im Rahmen der Annäherungspolitik der Türkei mit Afrika, hat ein türkisches Unternehmen in dem westafrikanischen Staat Sierra Leone einen Milliarden-Deal gelandet. Das in der westtürkischen Millionenmetropole Izmir ansässige Unternehmen Emirates Petroleum konnte nach langwierigen Verhandlungen die weltweiten Vermarktungsrechte für die Goldreserven sichern. Dem Unternehmen zufolge liegt die jährliche Fördermenge Sierra Leones aktuell bei über 20 Milliarden Dollar. Die neue Afrika-Politik der Türkei In der Erwartung, eine aktivere Rolle auf der Weltbühne zu spielen, sieht die Türkei ein großes Potenzial und große Chancen für die Zusammenarbeit mit Afrika. Aus diesem Grund verfolgt die Türkei seit 2005 eine gezielte Afrikapolitik, und in den letzten zehn Jahren ist ihre Präsenz auf dem Kontinent deutlicher denn je geworden. Um die Handelsbeziehungen zwischen der Türkei und den afrikanischen Ländern zu fördern, organisiert die Türkei in Zusammenarbeit mit der Afrikanischen Union regelmäßig türkisch-afrikanische Wirtschafts- und Geschäftsforen, um die Handelsbeziehungen zwischen der Türkei und dem Kontinent zu regeln und auszubauen. Im Oktober 2021 unternahm der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan eine viertägige Reise in drei afrikanische Länder: Angola, Nigeria und Togo. Zwei Monate später, im Dezember, war Istanbul Gastgeber des dritten Türkei-Afrika-Partnerschaftsgipfels, an dem 16 afrikanische Staatschefs teilnahmen.  Das erste Forum, an dem Handels- und Wirtschaftsminister aus 42 afrikanischen Ländern und über 2000 Geschäftsleute teilnahmen, fand 2016 in Istanbul statt. Das zweite Forum fand 2018 unter dem Motto „Gemeinsam in eine nachhaltige Zukunft investieren“ statt. Im selben Jahr gründete die Türkei auf regionaler Ebene zur Vertiefung der Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zwischen der Türkei und den westafrikanischen Ländern das Geschäfts- und Wirtschaftsforum Türkei-ECOWAS.

Goldhandel

Im Rahmen dieser Annäherungspolitik der Türkei mit Afrika, konnte nun auch das in der westtürkischen Wirtschaftsmetropole Izmir ansässige Unternehmen Emirates Petroleum nach langwierigen Verhandlungen die weltweiten Vermarktungsrechte für die Goldreserven des westafrikanischen Staates Sierra Leone sichern. „Wir sind glücklich, dass wir nun endlich ein für beide Seiten zufriedenstellendes Ergebnis erzielen konnten“, so Markus Fürst von Sayn-Wittgenstein, ein Vorstandsmitglied des Unternehmens gegenüber NEX24.
Emirates Petroleum Vorstandsvorsitzender Markus Fürst von Sayn-Wittgenstein
Sayn-Wittgenstein betonte, dass Sierra Leone zu den wichtigsten goldproduzierenden Ländern weltweit gehört und dieser Deal sowohl der Türkei als auch der Wirtschaft des westafrikanischen Staates zugute kommen werde. Er erinnerte weiter daran, dass es in dieser Branche viele schwarze Schafe gebe und man einen Goldhandel ausschließlich mit lizenzierten Händlern durchführen solle und „nicht mit dubiosen Prinzen aus dem Internet“.
„Emirates Petroleum ist das erste akkreditierte türkische Unternehmen mit einer Lizenz der örtlichen Behörden und internationalen Sicherheitsorganisationen für die weltweite Vermarktung des Goldes. Käufer können sich der Echtheit also sicher sein.“

 „All-in-one-Lösungen“

Der Manager erklärte, dass sie ernsthafte Vorbereitungen träfen, um diese Werte in die türkische Wirtschaft einzubringen. „In Zusammenarbeit mit nationalen und lokalen Partnern als auch mit internationalen Behörden sind wir jetzt in der Lage, All-in-one-Lösungen anzubieten“. Von Sayn-Wittgenstein fügte des Weiteren hinzu, dass diese Investition einen ernsthaften Beitrag zur Wirtschaft und Beschäftigung in der Region und den afrikanischen Staaten leisten werde.

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Interview mit Prof. Brendon J. Cannon über die türkisch-afrikanischen Beziehungen.

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Türkei-Wahlen
Kilicdaroglu: Erdogan fürchtet sich vor meiner Kandidatur

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Ankara – Der türkische Oppositionspolitiker Kemal Kilicdaroglu sagte in einem Interview, dass sich Präsident Recep Tayyip Erdogan vor einer Ankündigung seiner Kandidatur fürchte. „Präsident Erdogan nennt ständig Ihren Namen bei jeder Gelegenheit. Hat Präsident Erdogan Angst davor, dass Sie kandidieren? Hat er Angst?“, fragte der Moderator Yilmaz Polat von TELE 1 Kilicdaroglu in einem Interview. „Ja, er hat große Angst“, antwortete der CHP-Chef. Laut Kilicdaroglu werde Erdogan die Wahlen im kommenden Jahr verlieren. „Viele Male habe ich ihn eingeladen, in einem TV-Sender seiner Wahl eine zivilisierte Fernsehdebatte zu führen, aber er rennt immer wieder davon. Ich sage es noch einmal. Lassen Sie uns das öffentlich diskutieren“, fügte er hinzu. Auf die Frage nach dem Präsidentschaftskandidaten des Oppositionsbündnisses wiederholte Kilicdaroglu, dass die Entscheidung darüber, wer für das Präsidentenamt kandidieren wird, von den Mitgliedern des Oppositionsbündnisses, der Nationalen Allianz, bestehend aus der CHP, der İYİ (Gute) Parti, der Demokrat Partisi (DP) und der Saadet Partisi (Partei der Glückseligkeit), getroffen werde. Im Jahr 2023 sollen in der Türkei landesweite Wahlen stattfinden, bei denen die Bürgerinnen und Bürger den Präsidenten sowie alle 600 Abgeordneten des Parlaments wählen werden.

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„Mehr als sechs Millionen unserer jungen Menschen werden bei den Wahlen 2023 zum ersten Mal wählen“, so Recep Tayyip Erdogan.

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Mindestens 100 Tote bei Autobombenanschlägen in Mogadischu

Mogadischu – Mindestens 100 Tote und 300 Verletzte bei „abscheulichen“ Autobombenanschlägen in Mogadischu.

Der somalische Präsident teilte mit, dass die Zahl der Todesopfer nach den Doppel-Bombenanschlägen vom Samstag, die auf das Bildungsministerium gerichtet waren, weiter steigen wird. Die bewaffnete Gruppe al-Shabab wird für die Anschläge verantwortlich gemacht. Die pro-dschihadistische Website Somali Memo berichtete, die Gruppe habe sich zu den Anschlägen bekannt. Die Al-Shabab, die der Al-Qaida angehört, befindet sich seit langem in einem Konflikt mit der somalischen Zentralregierung.

Unter den Opfern, „die massakriert wurden, [waren] Mütter mit ihren Kindern auf dem Arm“, zitiert die Nachrichtenagentur AFP den Präsidenten. Er rief zu internationaler medizinischer Hilfe auf, um die 300 Verletzten zu versorgen. „Der heutige grausame und feige Terroranschlag der moralisch bankrotten und kriminellen Gruppe al-Shabaab auf unschuldige Menschen kann uns nicht entmutigen, sondern wird unsere Entschlossenheit, sie ein für alle Mal zu besiegen, noch verstärken“, schrieb Mohamud auf Twitter. Präsident Mohamud, der seit fünf Monaten an der Macht ist, sagte der Terrorgruppe den „totalen Krieg“ zu, nachdem sie im August ein beliebtes Hotel in Mogadischu angegriffen hatten, wobei mindestens 21 Menschen getötet wurden. Die Explosionen vom Samstag ereigneten sich innerhalb weniger Minuten und zerstörten Gebäude und Fahrzeuge in der Umgebung. Die beiden Autobomben explodierten in der Nähe einer belebten Kreuzung in der Hauptstadt und in der Nähe des Bildungsministeriums, wie ein Beamter des Präsidentenbüros mitteilte. Die Kreuzung, die Zobe-Kreuzung, war derselbe Ort, an dem am 14. Oktober 2017 ein tödlicher Bombenanschlag verübt wurde, bei dem mehr als 500 Menschen getötet und rund 300 weitere verletzt wurden.

Twin car bomb blasts kill 100 in Somalia https://t.co/rjirtgGznB

— BBC News (World) (@BBCWorld) October 30, 2022

Brandanschlag von Solingen
Trauer in NRW: Mevlüde Genç im Alter von 80 Jahren gestorben

Solingen – Mevlüde Genç, Überlebende des rassistischen Brandanschlags von Solingen 1993, ist am Sonntag (30. Oktober 2022) im Alter von 80 Jahren gestorben. Vor fast 30 Jahren verlor sie bei einem feigen rechtsradikalen Brandanschlag in Solingen zwei Töchter, zwei Enkelinnen und eine Nichte. In der Nacht zum 29. Mai 1993 drangen vier deutsche Rechtsradikale in das Haus der türkischen Großfamilie Genc ein und legten im Flur das Feuer, welches zum Tod von fünf unschuldigen Menschen im Alter von vier bis 27 Jahren führen sollte. 14 weitere Familienmitglieder wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt. Mevlüde Genc, damals 40 Jahre alt, hatte allen Grund, wütend zu sein; wütend auf die Täter, wütend auf Deutschland, wütend auf die Politik. Dennoch trägt sie keinen Funken Hass in ihrem Herzen und entschied sich trotz der schmerzlichen Erfahrung für den Weg der Versöhnung. Sie engagiert sich seitdem für ein friedliches Miteinander.
„Ich spüre keinen Hass. Es waren Einzeltäter, nicht die Deutschen“, sagte sie in einem Gespräch mit dem Kölner Stadtanzeiger. Sie empfinde niemandem gegenüber Hass.
„Nur den vier jungen Männern gegenüber, die damals meinen Kindern den Tod gebracht haben, empfinde ich in meinem Innersten eine Abneigung. Sonst nicht. Dieses Land gehört auch uns“, so Genc in einem Interview mit der freien Journalistin Ayten Hedia.

„Nach 1993 ist meine Welt zusammengebrochen, ich habe meine Kinder verloren. Es ist nicht einfach gewesen, den Schmerz zu ertragen. Mit dem Älterwerden ist der Schmerz sogar schwerer geworden. Ich kann ihn nicht mehr tragen. Ich habe fünf meiner Kinder an einem Tag verloren und am selben Tag in Särge gelegt. So etwas ist nicht einfach. Ich habe nachts geweint und mich tagsüber um meine anderen Kinder gekümmert. Ich habe meine Tränen nicht gezeigt“, sagte Genc im Gespräch mit Hedia weiter. Sie danke dem deutschen Staat, er sei immer für sie da gewesen.

Sie habe sich immer nur gewünscht, dass ihre Kinder in Deutschland aufwachsen wie alle anderen und dass „der Hass nicht Eingang findet in ihre Herzen“.
„Ich bete dafür, dass wir alle gute Menschen sind, verzeihen können und tolerant sind“, so Genc gegenüber dem Kölner Stadtanzeiger.
In ihrer Rede zum 25. Jahrestag des Anschlags in Solingen sagte sie: „Lasst uns zum Guten nach vorne schauen. Dem Hass muss Einhalt geboten werden.“
Auszeichnungen für Bemühungen zur Versöhnung Für ihre Bemühungen um Versöhnung wurde ihr 1996 das Bundesverdienstkreuz verliehen. Im Jahre 2003 wurde sie bei den Deutsch-Türkischen Kulturwochen der Friedrich-Ebert-Stiftung zudem mit dem Freundschaftspreis ausgezeichnet. Die Begründung der Jury:
„Mevlüde Genc hat ihrer Heimatstadt Solingen trotz allem die Treue gehalten und kämpft seither gegen Rassismus. Sie gründete u. a. einen Kindergarten und unterstützt vor allem das Bewusstsein, das bereits bei kleinen Kindern von Anfang an geschult werden sollte – nämlich dass Rassismus in Deutschland keine Chance haben darf. Für dieses Engagement und den Mut, trotz allem weiterzumachen, aufzustehen und etwas zu tun, verleiht die DTF seinen diesjährigen Preis in der Kategorie ‚Solidarität‘ an Mevlüde Genc.“
Aufgrund ihrer versöhnlichen Haltung wurde zudem die in NRW seit 2018 verliehene „Mevlüde-Genç-Medaille“ nach ihr benannt.
Bundeskanzlerin Angela Merkel bewundert Haltung von Mevlüde Genc „Auf eine unmenschliche Tat haben Sie mit menschlicher Größe reagiert. Dafür bewundern wir Sie“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrer Rede zum 25. Jahrestag.      

Energiekrise
Gaspreisbremse: Energieexpertin Pittel sieht „großen Anreiz, Gas einzusparen“

Osnabrück – Die Energieökonomin Karen Pittel, Mitglied der Gas-Kommission der Bundesregierung, rechnet damit, dass die geplante Gaspreisbremse einen großen Anreiz setzt, weniger Gas zu verbrauchen. Der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) sagte Pittel: „Die Menschen können mit der Bremse genauso viel sparen wie ohne die Bremse. Es wird gemessen am Vorjahresverbrauch entlastet. Aber: Je weniger sie verbrauchen, desto weniger müssen sie zahlen – erhalten aber trotzdem die komplette Entlastung. Deshalb gibt es also weiter einen großen Anreiz, Gas einzusparen.“ Wenn wegen der Entlastungen dennoch die Nachfrage steigt, würden die Preise steigen, warnte Pittel, Leiterin des Zentrums für Energie, Klima und Ressourcen am Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung. Pittel verwies auf die Herausforderungen für 2023: „Wenn wir im gesamten nächsten Jahr kein russisches Gas bekommen, um die Speicher zu füllen, die sich in diesem Winter leeren werden, ist die Frage: Woher bekommen wir das Gas?“ Es bestehe die Gefahr, „dass wir nicht genug sparen und die Speicher so leer sind, dass wir sie bis zum nächsten Winter nicht gefüllt bekommen“. Pittel stellte klar: „Wie wir über den nächsten Winter kommen, hängt davon ab, wie wir uns in diesem Winter verhalten.“ Die Expertin rechnet mit höheren Energiepreisen für die nächsten Jahre. Die Rückkehr zu den Preisen vor der Krise sei „unwahrscheinlich und in gewissem Umfang auch nicht gewollt“. „Das neue Normal sehen wir aktuell bei ungefähr 70 Euro pro Megawattstunde Gas. Das ist natürlich eine zweischneidige Angelegenheit: Einerseits büßen wir dadurch international an Wettbewerbsfähigkeit ein, gerade im Vergleich zu den USA und Asien. Andererseits haben wir das Ziel, bis 2045 klimaneutral zu werden. Dafür sind hohe Preise für fossile Energieträger natürlich wichtig.“

Israelisch-türkische Beziehungen
Israel lobt Türkei als „wichtigen globalen Akteur“

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Ankara – Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan empfing am Donnerstag den israelischen Verteidigungsminister in Ankara. Dies ist der erste Besuch eines israelischen Verteidigungsministers seit 2010. Bei dem Treffen dankte Benny Gantz Erdogan für die Maßnahmen Ankaras zum Schutz israelischer Bürger vor Anschlägen, die der Iran in der Türkei geplant haben soll. Gantz kam in Ankara auch mit seinem türkischen Amtskollegen Hulusi Akar zusammen. „In diesem Zusammenhang möchte ich Präsident Erdogan, Minister Akar und den beteiligten Sicherheitsbehörden für die lebensrettende Zusammenarbeit bei der Bekämpfung terroristischer Bedrohungen gegen israelische Bürger in der örtlichen jüdischen Gemeinde danken“, fügte er hinzu und bezog sich dabei auf einen Vorfall im Juni dieses Jahres, als zehn iranische Verdächtige, die Anschläge auf israelische Touristen in Istanbul geplant haben sollen, in einer gemeinsamen Operation des türkischen Geheimdienst MIT und der Polizei festgenommen wurden. „Diese Aktion gegen den Terrorismus ist von großer Bedeutung für die Stärkung der Zusammenarbeit und die Erneuerung der offiziellen Sicherheitsbeziehungen zwischen unseren beiden Ländern“, sagte Gantz nach dem Treffen mit Erdogan. Die Türkei und Israel seien zwei Länder „mit einem reichen historischen Hintergrund und einer vielversprechenden Zukunft“, sagte der israelische Verteidigungsminister und fügte hinzu, dass sein Land die Türkei als „einen wichtigen globalen Akteur“ betrachte. Vor seiner Abreise aus Ankara am späten Donnerstag drückte Benny Gantz gegenüber Reportern seine Zufriedenheit über seinen Besuch in der Türkei aus und dankte dem türkischen Präsidenten und Verteidigungsminister Hulusi Akar für den „herzlichen Empfang“, den er erhalten habe. Die Türkei und Israel haben „viele sicherheitspolitische Herausforderungen zu bewältigen“, sagte er. „Die Wiederherstellung der Verteidigungsbeziehungen zwischen unseren Ländern trägt zur Sicherheit und Stabilität im Nahen Osten bei und ergänzt die positiven Trends, die wir bereits als Ergebnis des Abraham-Abkommens sehen“, sagte Gantz und bezog sich dabei auf die Normalisierungsabkommen zwischen Israel und mehreren arabischen Staaten seit Herbst 2020. Gantz sagte, er habe seinen Stab gebeten, den Prozess der Wiederaufnahme der Arbeitsbeziehungen mit der Türkei einzuleiten. „Wie bei unseren Treffen vereinbart, habe ich meinen Stab angewiesen, die für die Wiederaufnahme der Arbeitsbeziehungen erforderlichen Verfahren einzuleiten“, sagte Gantz auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Akar. „Wir begrüßen die Wiederaufnahme der Verteidigungsbeziehungen zwischen unseren Ländern als wichtigen Schritt zur Zusammenarbeit bei der Förderung von Frieden und Stabilität in der Region“, twitterte Gantz nach dem Treffen.

Türkei und Israel wollen gemeinsam Frieden schaffen

Im März dieses Jahres traf Staatspräsident Isaac Herzog mit Erdogan zusammen, dem ersten Besuch eines israelischen Staatsoberhaupts in der Türkei seit 2008. „Als Politiker sind wir nicht dazu da, um zu kämpfen, sondern um Frieden zu schaffen“, so Erdogan damals.

Herzog nannte das Treffen einen „Wendepunkt in den israelisch-türkischen Beziehungen“. Man werde nicht immer einer Meinung sein, aber er erwarte, dass sich Israel und die Türkei zum Wohle aller Völker gemeinsam für die „Stabilität, den Wohlstand, den Frieden und die Sicherheit“ in der Region einsetzen. „Gute nachbarschaftliche Beziehungen im östlichen Mittelmeerraum sind für uns alle wichtig“, erklärte Herzog.

„Ich danke Präsident Erdogan für diesen herzlichen Empfang im Präsidialkomplex. Ich bin der festen Überzeugung, dass alle Völker, Religionen und Staaten in unserer Region in Frieden leben können und sollten, und dass Partnerschaften Segen und Wohlstand für uns alle bringen werden“, so der israelische Staatschef in einem Tweet. Erdogan erklärte, dass das gemeinsame Ziel der Türkei und Israels die Wiederbelebung des bilateralen politischen Dialogs auf der Grundlage gemeinsamer Interessen sei. Der historische Besuch werde einen „neuen Wendepunkt“ in den Beziehungen darstellen, sagte Erdogan auf einer gemeinsamen Pressekonferenz. „Unser gemeinsames Ziel mit Israel ist die Wiederbelebung des politischen Dialogs zwischen unseren Ländern auf der Grundlage gemeinsamer Interessen und der Achtung der gegenseitigen Empfindlichkeiten“, sagte er. Erdogan:
„Es liegt in unserer Hand, in unserer Region eine Friedenskultur, Wohlstand und ein gemeinsames Zusammenleben zu schaffen“.

Es liege an beiden Seiten, damit in der Region eine Friedenskultur, Wohlstand und ein gemeinsames Zusammenleben gelinge. Erdogan bedankte sich für den Besuch seines israelischen Amtskollegen in der Türkei und erklärte, die Stärkung der Beziehungen zu Israel sei von großer Bedeutung für die regionale Stabilität und den Frieden sowie für die beiden Länder. Der türkische Staatschef wies seinen israelischen Amtskollegen auch darauf hin, wie wichtig es ist, die Spannungen in der Region abzubauen und die Vision einer Zwei-Staaten-Lösung zu bewahren.

Wiedereinsetzung der Botschafter Im August vereinbarten der israelische Premierminister Yair Lapid und Erdogan die Wiedereinsetzung ihrer jeweiligen Botschafter und Generalkonsuln und damit die Wiederherstellung uneingeschränkter diplomatischer Beziehungen, nachdem sie diese nach der Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt durch die USA im Jahr 2018 abgezogen hatten.

Die Beziehungen zwischen der Türkei und Israel erreichten 2010 ihren Tiefpunkt, als die israelische Marine ein türkisches Hilfsschiff, die Mavi Marmara, überfiel, das auf dem Weg war, humanitäre Hilfe in den blockierten Gaza-Streifen zu liefern. Bei dem Überfall wurden 10 Aktivisten getötet. Das Ereignis löste eine beispiellose Krise in den türkisch-israelischen Beziehungen aus, die seit Jahrzehnten friedlich verlaufen waren. Beide Länder riefen nach dem Vorfall sogar ihre diplomatischen Gesandten zurück.

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