Aktienmarkt
Gesundheitssektor gehört dieses Jahr zu den Top-Branchen

Von Rune Sand-Holm

Healthcare-Aktien wie Novo Nordisk und Eli Lilly haben den breiten Aktienmarkt im bisherigen Jahresverlauf deutlich hinter sich gelassen. Gesundheit dürfte auch zukünftig ein vielversprechendes Thema bleiben

Bei Aktien des Gesundheitssektors liegen Höhen und Tiefen dicht beieinander. Während 2023 in Bezug auf die relative Performance das schlechteste Jahr seit 1999 war, gehört der Sektor in diesem Jahr mit einem Plus von rund 18 % gemessen am MSCI World Health Care Index (in USD) zu den Spitzenreitern. Bemerkenswert ist auch, dass die europäischen Unternehmen des Gesundheitswesens im Durchschnitt besser abgeschnitten haben als ihre amerikanischen Pendants.

Viele europäische Unternehmen verfügen über interessante Pipelines. Zu den Titeln, die sich seit Jahresbeginn am besten entwickelt haben, zählen das biopharmazeutische Unternehmen UCB und der Schweizer Medikamenten-Auftragsfertiger Lonza Group, der unter anderem über große Kapazitäten für biologische Arzneimittel verfügt.

Das schwedisch-britische Pharmaunternehmen AstraZeneca hatte in diesem Jahr ebenfalls einen sehr guten Lauf und erscheint nach wie vor sehr vielversprechend, insbesondere im Hinblick auf sein Onkologieportfolio.

Alzheimer – ein Markt der Zukunft

Einer der nächsten großen Märkte ist wahrscheinlich die Behandlung von neurologischen Erkrankungen. In den USA sind bereits zwei Medikamente für die Behandlung der Alzheimer-Krankheit auf dem Markt.

Auch wenn die Wirksamkeit nicht bahnbrechend ist, bieten diese Medikamente den Patienten eine Behandlungsmöglichkeit, für die es früher nur eine symptomatische Behandlung gab. Es besteht also ein enormer ungedeckter Bedarf bei dieser verheerenden Krankheit. Und wir glauben, dass hier noch mehr kommen wird, denn die Industrie konzentriert sich sehr stark auf diesen Bereich und investiert kräftig in ihn.

In den kommenden Jahren bzw. in der nächsten Dekade könnte es Behandlungsmöglichkeiten für viele andere neurologische Erkrankungen geben, die das gesamte Spektrum des ungedeckten medizinischen Bedarfs bei neurologischen Erkrankungen wie Alzheimer, Psychosen, Parkinson und Depression abdecken.

Der Schweizer Pharmariese Roche erlebt derzeit mit seinem Mix aus niedriger Bewertung und einem vielversprechenden Produktportfolio eine Renaissance. Ein Beispiel ist die Entwicklung eines Medikaments gegen die Alzheimer-Krankheit auf der Grundlage der Brain-Shuttle-Technologie, mit der einige der Probleme im Zusammenhang mit der Übertragung des Medikaments über die Blut-Hirn-Schranke überwunden werden könnten, die bei ähnlichen, in den USA bereits zugelassenen Medikamenten auftreten.

Diese Barriere zwischen dem Blutkreislauf und dem zentralen Nervensystem schützt das Gehirn vor schädlichen Substanzen – aber auch vor großmolekularen Arzneimitteln wie Antikörpern. Zudem will Roche die Entwicklung seiner Arzneimittelkandidaten gegen Diabetes und Fettleibigkeit beschleunigen und hat damit das Potenzial, einen der attraktivsten Pharmamärkte der Gegenwart zu bedienen.

Diabetes – der derzeit attraktivste Biopharmamarkt

Novo Nordisk und Eliy Lilly beherrschen mit ihren beliebten Medikamenten Ozempic, Wegovy, Mounjaro und Zepbound den Markt für Diabetes und Medikamente gegen Fettleibigkeit. Eli Lilly hat die Erwartungen für das zweite Quartal deutlich übertroffen, während Novo Nordisk ein eher durchwachsenes Quartal hatte, aber dennoch sehr beeindruckende Wachstumszahlen lieferte.

Die Börse ließ den Aktienkurs von Eli Lilly um etwa 20 % steigen, während Novo Nordisk zurückblieb. Wir gehen jedoch nicht davon aus, dass sich für den dänischen Branchenführer viel zum Schlechten ändern wird, denn es steht außer Frage, dass die Nachfrage nach diesen Medikamenten zur Gewichtsreduktion das Angebot in den kommenden Quartalen und möglicherweise sogar Jahren übersteigen wird.

Schmerzen behandeln ohne Opioide

Vertex Pharmaceuticals aus den USA bedient als Weltmarktführer für Mukoviszidose-Arzneimittel einen lukrativen Markt. In ihrer vielversprechenden Pipeline besticht derzeit zudem ein Medikament für die Schmerzbehandlung, das nicht opioidhaltig ist und somit nicht süchtig macht.

Es durchläuft gerade die letzte Phase vor der Zulassung. Wir glauben, dass dies eine große Chance für das Unternehmen sein könnte, da Opioid-Abhängigkeit heute ein großes Problem in den USA und die durchschnittliche Lebenserwartung aufgrund des übermäßigen Konsums von Opioiden um etwa fünf Jahre gesunken ist.


Rune Sand-Holm, Portfoliomanager DNB Fund Health Care bei DNB Asset Management

Reisen
Wie eine Fernreise nach Südkorea der Seele guttut

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Die Planung einer Fernreise nach Südkorea kann anspruchsvoll sein, doch die Reise bietet weit mehr als nur eine neue Umgebung. Neben der Erkundung des Landes und dem Kennenlernen der koreanischen Kosmetik ermöglicht der Aufenthalt im Fernen Osten eine umfassende Erholung von Körper und Geist. Verschiedene Wellness-Angebote und kulturelle Aktivitäten schaffen Gelegenheiten zur tiefen Ruhe und inneren Balance. Diese Erfahrungen fördern nicht nur die physische Erholung, sondern helfen auch, neue Perspektiven zu gewinnen und dem Alltagsstress zu entkommen. Seoul – Die Hauptstadt der koreanischen Kosmetik Sobald man in Seoul, der pulsierenden Hauptstadt Südkoreas, angekommen ist, beginnt das Abenteuer. Seoul ist nicht nur für seine beeindruckende Architektur und seine lebhaften Straßenmärkte bekannt, sondern auch für seine führende Rolle in der Welt der koreanischen Kosmetik. Hier findet man eine Vielzahl von Kosmetikläden, die innovative Produkte anbieten, die weltweit geschätzt werden. Als ein beliebtes Beispiel gilt die Marke Beauty of Joseon. Sie ist bekannt für ihre Verwendung traditioneller koreanischer Inhaltsstoffe wie Reismilch, grüne Pflaumen und Hanbang-Seren – pflanzliche Extrakte aus der traditionellen koreanischen Medizin. Diese Inhaltsstoffe bieten nicht nur eine intensive Feuchtigkeitsversorgung, sondern auch eine beruhigende Wirkung auf die Haut, wodurch sie zart und strahlend wird. Die koreanische Kosmetik unterscheidet sich wesentlich von herkömmlicher Kosmetik. Während traditionelle Produkte oft auf schnelle Ergebnisse abzielen, setzt K-Beauty auf einen mehrstufigen Ansatz. Dieser umfasst mehrere Reinigungs- und Pflegephasen, um die Haut gründlich zu reinigen, zu nähren und zu schützen. Zudem legt K-Beauty großen Wert auf präventive Hautpflege, um Hautprobleme zu vermeiden, anstatt nur bestehende zu behandeln. Diese ganzheitliche Methode fördert nicht nur kurzfristige Schönheit, sondern langfristige Hautgesundheit. Entspannung und Erholung durch traditionelle koreanische Wellness Eine Reise nach Südkorea bietet nicht nur die Möglichkeit, in die Welt der Hautpflege einzutauchen, sondern auch tiefgreifende Entspannung und Erholung für die Seele zu erfahren. Traditionelle koreanische Wellness-Rituale, wie das entspannende „Jjimjilbang“, ein öffentlicher Bade- und Saunakomplex, sind ein Highlight. Diese Einrichtungen bieten eine Vielzahl von Bädern, Saunen und Erholungsbereichen, die dazu beitragen, Stress abzubauen und Körper und Geist zu regenerieren. Die Kombination aus warmem Wasser, beruhigender Atmosphäre und oft auch speziellen Behandlungen wie Salz- oder Kräuterbädern kann eine tiefgreifende Entspannung fördern und das allgemeine Wohlbefinden steigern. Solche Erlebnisse ermöglichen es Reisenden, sich vom hektischen Alltag zu lösen und neue Energie zu tanken. Kulturelle Erlebnisse zur Förderung des inneren Gleichgewichts Neben den körperlichen Entspannungsmöglichkeiten bietet Südkorea auch eine Fülle von kulturellen Erlebnissen, die das innere Gleichgewicht stärken können. Das Land ist reich an traditioneller Kultur, von Zen-Meditationen in alten Tempeln bis hin zu beruhigenden Spaziergängen in den historischen Palästen und Gärten. Diese kulturellen Aktivitäten bieten nicht nur einen Einblick in die koreanische Geschichte und Tradition, sondern auch die Gelegenheit zur inneren Reflexion und Achtsamkeit.Der Kontakt mit der koreanischen Kultur und Geschichte kann inspirierend und beruhigend wirken, indem er die Seele nährt und eine tiefere Verbindung zu sich selbst und der Welt um einen herum fördert. Solche Erfahrungen tragen dazu bei, den Geist zu entspannen und die eigene Perspektive zu erweitern.

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Auto-Krise
Jens Spahn will Verbrennerverbot zurücknehmen

Osnmabrück – CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn hat früheren VW-Chefs die Schuld an der Krise der deutschen Autoindustrie gegeben und den Ruf nach einer Rücknahme des EU-Verbrennerverbotes bekräftigt. „Leider haben einige ehemalige VW-Lenker – womöglich als Ablenkung von ihrem Diesel-Skandal – plötzlich alles auf die Elektroauto-Karte gesetzt. Ich wage die These: Ohne den ein oder anderen früheren VW-Chef wäre Deutschlands Autoindustrie nicht in der Misere, in der sie gerade steckt“, sagte Spahn im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ). BMW sei „deutlich klüger“ gewesen, habe auf neue Verbrenner, Wasserstoff und E-Autos gesetzt, und stehe davor, mehr E-Autos in Europa zu verkaufen als Tesla, so Spahn weiter. „Ich setze weiterhin darauf, dass wir in der EU die Kurve noch nehmen und uns vom desaströsen E-Auto-Zwang verabschieden. Hunderttausende Arbeitsplätze hängen an der Verbrenner-Industrie. Das Verbrennerverbot war eine falsche Entscheidung der EU und wir wollen sie zurücknehmen.“ Das Ziel laute Klimaneutralität und nicht Elektromobilität als Selbstzweck, sagte Spahn der „NOZ“. Die Deutschen Autobauer hätten einen 100-jährigen Vorsprung beim Verbrenner. „Statt uns über den E-Auto-Vorsprung der Chinesen zu grämen, könnten wir ja erstmal unseren Vorsprung bei Diesel und Benzinern nutzen. Wir können Verbrenner-Autos ohne eine Schraube aus China bauen, aber Elektroautos können wir ohne Vorprodukte aus China nicht herstellen.“

Gaza-War
Germany: Journalists for freedom of the press in the Gaza war

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Berlin – The situation for journalists in Gaza is more dangerous than anywhere else in the world. As “Reporters Without Borders” announced, 140 media professionals have already been killed by the Israeli military offensive during the war. At least 31 of them were killed in the course of their work, some of them deliberately. Attacks on members of the press are war crimes. “Nevertheless, the Israeli military repeatedly kills colleagues who were clearly recognizable as press representatives due to the inscriptions on their vests and helmets. At the beginning of August, for example, the army shot 27-year-old Al-Jazeera reporter Ismail al-Ghoul and his cameraman Rami al-Refee. Both were killed,” the statement reads. Journalists in Germany have now signed a petition condemning what they see as one-sided reporting on the Gaza war. The signatories include employees of the Süddeutsche Zeitung, Der Spiegel, public broadcaster RTL and Die Zeit. On the new Website Protect Gaza Journalists, they demand, among other things, a lifting of the Israeli ban on independent international reporters entering the war zone and protection for journalists in Gaza. German media are called upon not to simply take over Israel’s representations and reproduce them unchecked. Instead, they demand a “diversity of sources, embedding in the historical and political context, cooperation on an equal footing with Palestinian journalists”. Large sections of the German journalism industry are not taking a stance on these dangerous developments. No German media was involved in an open letter from over 70 international media organizations calling for international journalists to be given access to Gaza. At the end of August, several European organizations called on the Vice President of the European Commission, Josep Borrell, in an open letter to protect journalists in Gaza.
Overall, however, the German media have reacted cautiously to the killing of journalists and the restriction of press freedom in Gaza. Instead, some German editorial offices seem to simply accept the blatant restrictions on press freedom as a given.

Gaza-Krieg
Deutschland: Journalisten für Pressefreiheit im Gaza-Krieg

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Berlin – Für die Journalisten ist es in Gaza so gefährlich wie nirgendwo sonst auf der Welt. Wie „Reporter ohne Grenzen“ bekannt gab, wurden während des Krieges bereits 140 Medienschaffende durch die israelische Militäroffensive getötet. Mindestens 31 von ihnen wurden bei der Ausübung ihrer Arbeit getötet, einige von ihnen gezielt. Angriffe auf Pressevertreter sind Kriegsverbrechen. „Dennoch tötet das israelische Militär immer wieder Kolleg:innen, die durch Aufschriften an Westen und Helmen unmissverständlich als Pressevertreter:innen erkennbar waren. Anfang August etwa schoss die Armee auf den 27-jährigen Al-Jazeera-Reporter Ismail al-Ghoul und seinen Kameramann Rami al-Refee. Beide wurden dabei getötet“, heißt es in der Mitteilung. Mit einer Unterschriftenaktion haben nun Journalisten in Deutschland eine ihrer Meinung nach vorherrschende einseitige Berichterstattung zum Gaza-Krieg verurteilt. Zu den Unterzeichnern gehören Mitarbeiter der Süddeutschen Zeitung, des Spiegels, des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, von RTL und der Zeit. Auf der neuen Seite Gaza Journalisten schützen, fordern sie unter anderem eine Aufhebung des israelischen Einreiseverbots für unabhängige internationale Berichterstatter ins Kriegsgebiet und einen Schutz für Journalisten in Gaza. Deutsche Medien werden dazu aufgerufen nicht nur die Darstellungen Israels zu übernehmen und diese ungeprüft wiederzugeben. Stattdessen fodern sie eine „Quellenvielfalt, Einbettung in den historischen und politischen Kontext, Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit palästinensischen Journalist:innen“. Große Teile der deutschen Journalismus-Branche beziehen zu diesen gefährlichen Entwicklungen keine Stellung. An einem offenen Brief von über 70 internationalen Medienorganisationen, der fordert, internationalen Journalisten Zugang zu Gaza zu geben, war kein deutsches Medium beteiligt. Ende August riefen mehrere europäische Organisationen den Vizepräsidenten der Europäischen Kommission, Josep Borrell, in einem offenen Brief dazu auf, die Journalist:innen in Gaza zu schützen.
Insgesamt reagieren deutsche Medien jedoch zurückhaltend auf die Tötung von Journalist:innen und die Einschränkung der Pressefreiheit in Gaza. Stattdessen scheinen einige deutsche Redaktionen die eklatanten Einschränkungen der Pressefreiheit schlicht als gegeben hinzunehmen.

Buchvorstellung
Marina Bütün: KI ersetzt keinen Texter oder Autor

Das neueste Buch von Marina Bütün wurde am 10. September 2024 veröffentlicht. Es trägt den etwas wissenschaftlich anmutenden Titel „Human Design“ – übersetzt „die menschliche Struktur“ oder der „menschlicher (Bau)Plan“.

Das Buch Cover wirkt auf den ersten Blick sehr „futuristisch“ und erinnert vielleicht manchen Betrachter an künstliche Intelligenz (KI). In diesem Zusammenhang wird die Autorin diesmal auf zwei Themen eingehen: Was ist der Inhalt ihres neuen Buches und – kann Künstliche Intelligenz einen Buchautor völlig ersetzen?

NEX24: Mit dem Buch „Human Design“ haben Sie eine völlig andere Sparte gewählt wie in der Vergangenheit. Das Thema „Human Design“ spricht vermutlich einen völlig anderen Leserkreis als Ihre bisher veröffentlichten Bücher mit dem Thema Türkei und Auswandern an (Ratgeber Auswandern Türkei und die Auswandern-Tagebücher Teil 1 bis 3 „Weißwurst mit türkischem Tee). Was hat Sie dazu bewegt?

Bütün: Mich interessieren unzählige Themen, über die ich in der Zukunft gerne noch schreiben möchte. Deswegen habe ich mich diesmal einem Inhalt zugewandt, den ich bis vor einigen Jahren selbst noch nicht kannte, der jedoch sehr interessant, aber auch wissenschaftlich umstritten ist. Die Sicht der Wissenschaft habe ich selbstverständlich in meinem Buch ausführlich erwähnt.

Harte Realisten würden das Buch sofort der Esoterik zuordnen, allerdings bin ich damit nur sehr bedingt einverstanden, auch wenn mein Buch unter diesem Genre gelistet ist – es gibt leider diesbezüglich kein „Grau“ in den Büchersparten, leider nur Schwarz oder Weiß.

Als immer erst skeptischer Mensch bin ich jedoch immer neugierig geblieben und versuche dann, viele Informationen zu sammeln und diese eingehend zu recherchieren und fand einiges im System von Human Design, was überhaupt nichts mit Esoterik zu tun hat.

NEX24: Ihr Empfinden, Human Design eher in eine Grauzone und nicht direkt in die esoterische Ecke zu „verbannen“, liegt sicherlich daran, dass dieses System Energie, die – im Zusammenhang mit Menschen und Gegenständen – aus der Quantenphysik und sehr viel aus der Genetik verwendet?

Bütün: Ja, das ist richtig, das ist der Grund! Die Quantenphysik und ihre Zusammenhänge mit menschlicher Energie haben mich schon immer brennend interessiert. Als ich auf den Begriff „Human Design“ vor ungefähr drei Jahren aufmerksam wurde, wusste ich damit gar nichts anzufangen.

Bestimmt geht es vielen so. Viele kennen den Begriff überhaupt nicht und haben keine Ahnung, was sich dahinter verbirgt. Deshalb habe ich für mich privat erst lange recherchiert, viele Informationen zusammengetragen und mich danach entschlossen, ein Buch daraus zu machen.

NEX24: Wie bereits am Anfang erwähnt, handelt es sich bei „Human Design“ um den menschlichen Bauplan, seine Struktur. Dieser menschliche Bauplan inklusive seiner Energien spielt eine wichtige Rolle in einem System. Wie könnte der Leser das System von Human Design für sich selbst nutzen?

Bütün: Human Design wurde von einem Mann aus Kanada in den 1980er Jahren entwickelt. Der Zweck von Human Design ist es, die eigene Persönlichkeit in die richtigen Bahnen zu lenken, zu verstehen, warum man ausgerechnet so ist, wie man ist und wie man diese Stärken auf dem Weg zur Selbsterkenntnis nutzen kann, um ein befriedigenderes Leben zu führen. Es geht dabei zum Teil auch um begleitende Ernährung.

NEX24: Human Design nutzt dabei neben der Quantenphysik sehr viel aus der menschlichen Genetik und verbindet alles mit uralten Weisheitsleeren, die im Gegensatz zu den beiden ersten Elementen, wissenschaftlich nicht wirklich belegt werden können. Ist das richtig?

Bütün: Das ist richtig. Aber das macht die Sache noch spannender. Es existieren auch viele Gerüchte über eine dieser Weisheitslehren, die tatsächlich in verschiedenen esoterischen Kreisen als satanisch angesehen wird. Die Gründe werde ich in wenigen Sätzen im Buch verständlich erklären.

Auch die Kritik der Wissenschaft kommt bei allen verwendeten, traditionellen Weisheitslehren nicht zu kurz, sowie die Debatten unter den Human Design-Anhängern und vieles mehr. Alles wird ausführlich von mir beleuchtet – Pro und Contra, auch die psychologische Sicht.

NEX24: Haben Sie Bedenken, aufgrund des doch auch enthaltenen esoterischen Inhaltes, als Autorin ebenfalls in eine bestimmte „Ecke“ geschoben zu werden?

Bütün: Nein, diese Angst habe ich nicht! Mein Buch soll letztendlich nur über das System „Human Design“ aufklären – sowohl positiv als negativ. Es stellt eine umfassende Informationsquelle für einen möglichen Weg zur Selbsterkenntnis dar, den jeder Mensch für sich selbst wählen kann und auch muss. Es gibt Menschen, die das Thema lieben werden, die anderen werden es strikt ablehnen. Wir sind nicht alle gleich „gestrickt“. Das wissen wir alle, das ist auch die Aussage von Human Design.

Es ist jedem selbst überlassen, was er sich aus meinem Buch mitnimmt, denn es ist keine Werbung für das System Human Design, auch keine Anleitung dazu, sondern eine umfassende Entscheidungshilfe dafür oder dagegen.

NEX24: Kann künstliche Intelligenz einen menschlichen Buchautor komplett ersetzen?

Bütün: Die allgemeine Vorstellung von Menschen, die noch nie geschrieben haben, aber auch die von manchen jungen, unerfahrenen Textern, ist die, dass die Arbeit von Autoren neuerdings durch KI Schreibprogramme „einfach so“ übernommen werden kann.

Natürlich wäre es einerseits der absolute Traum von Arbeitserleichterung, wenn ein Buchautor mit einem einzigen Befehl an die KI auf so einen fleißigen Helfer zurückgreifen und dieser seine komplette Arbeit in Minuten erledigen könnte, die normalerweise – je nach Seitenzahl und Recherche – bei einem Buch drei bis vier Monate dauern würde. Leider – oder für mich persönlich auch zum Glück – funktioniert das aber doch nicht.

Die KI mag vielleicht für Recherche, Studium, wissenschaftliche Texte oder sachbezogene Artikel als „Hilfe“ für einzelne Passagen gut sein, aber mit Sicherheit nicht, wenn jemand einen romantischen Roman, persönliche Tagebücher wie etwa meine „Weißwurst mit türkischem Tee“ Bände oder ähnliche ganz spezifische Texte wie in meinen Immobilienratgebern schreiben möchte.

Solche Inhalte sind viel zu spezifisch, personenbezogen, emotional oder müssen in einer bestimmten Form dem Leser aus eigenen Erfahrungen erklärt werden, die man per Befehl einer künstlichen Intelligenz nicht erklären kann. Daher ist es für eine KI zu schwierig, es so wiedergeben zu können, wie der Autor es letztendlich haben will.

NEX24: Haben Sie schon einmal mit KI Schreibprogrammen gearbeitet?

Bütün: Ich war, weil ich seit 1998 beruflich PC Arbeit mache, natürlich auch neugierig auf diese Schreibprogramme. Doch ich war mir nach einem Test, was die KI wirklich kann, sofort im Klaren, dass eine künstliche Intelligenz niemals das, was ein Mensch erlebt und dabei gefühlt hat, wiedergeben kann.

Denn KI ist nun einmal eine Maschine und erledigt nur das, was es an klaren Befehlen vom Menschen erhält, doch fühlen kann sie nicht. Dafür müsste die KI (meine Meinung) das Gehirn des Autors mit seinen Gedanken direkt anzapfen können. Aber vielleicht kommt das dann noch irgendwann in der Zukunft, wer weiß das schon“

NEX24: Ihre Erfahrung macht uns deutlich: Das Schreiben von Büchern mit Künstlicher Intelligenz (KI) bringt aktuell noch verschiedene Nachteile mit sich, die sowohl für Autoren als auch für die Literatur an sich problematisch sein können. Wie empfinden Sie das?

Bütün: Erstens kann KI zu einer Verflachung der Kreativität führen. Während Maschinen auf riesige Datenmengen zugreifen und diese kombinieren können, fehlt ihnen die Fähigkeit zu echter Innovation und emotionaler Tiefe. Bücher, die von KI geschrieben werden, basieren auf Mustern und Algorithmen, die durch vorherige Daten und menschliche Werke geprägt sind. Diese Modelle neigen dazu, nur bestehende Trends zu reproduzieren, ohne dabei echte Kreativität oder neue Ideen zu entwickeln. Dadurch könnte die literarische Landschaft monoton werden.

NEX24: Existieren dabei auch ethische Bedenken bezüglich von Buchrechten?

Bütün: Wenn KI den Schreibprozess übernimmt, stellt sich die Frage nach Urheberrecht und Autorenschaft. Wer ist der eigentliche Autor eines Buches, das von einer Maschine verfasst wurde? Dies könnte zu rechtlichen Herausforderungen führen, insbesondere in Bezug auf Verlage und Tantiemen. Zudem könnte das Schreiben mit KI dazu führen, dass menschliche Autoren, insbesondere junge oder aufstrebende Talente, verdrängt werden.

NEX24: Was sehen sie beim Schreiben mit künstlicher Existenz noch für Nachteile?

Bütün: Wie bereits erwähnt – ein weiterer Nachteil ist der Verlust des menschlichen Ausdrucks und der emotionalen Tiefe. Bücher, die von Menschen geschrieben werden, sind oft geprägt von persönlichen Erfahrungen, Gefühlen und einzigartigen Perspektiven.

Einer KI fehlt die Fähigkeit, emotionale Intelligenz und Empathie in Texte einfließen zu lassen. Dies kann dazu führen, dass KI-generierte Bücher eine gewisse Kälte und Distanz aufweisen, die es für Leser schwieriger macht, sich mit den Charakteren oder der Handlung zu identifizieren.

Zudem besteht die Gefahr, dass durch den Einsatz von KI im Literaturbereich ein Überangebot an generischen Büchern entsteht. Dies könnte den Wert von Büchern insgesamt mindern und die Literaturszene übersättigen, was es für hochwertige Werke schwerer macht, sich durchzusetzen.

Die Künstliche Intelligenz (KI) ist mit Sicherheit eine der einflussreichsten technologischen Entwicklungen unserer Zeit und revolutioniert zahlreiche Bereiche unseres Lebens. Von der Automatisierung von Arbeitsprozessen über die Verbesserung von Entscheidungsfindungen bis hin zur Bereitstellung von personalisierten Dienstleistungen bietet KI eine Vielzahl von Vorteilen.

Aber ganze Bücher schreiben kann KI wirklich nicht – es ist und bleibt eine Maschine ohne Emotionen.

 

Astana
Turkstaaten einigen sich auf gemeinsames Alphabet

Astana – Die von der Organisation der Turkstaaten (TDT) eingesetzte Kommission für das Gemeinsame Türkische Weltalphabet einigte sich auf einen Vorschlag für ein aus 34 Buchstaben bestehendes Gemeinsames Alphabet. In einer Erklärung der Türkischen Akademie mit Sitz in Astana, der Hauptstadt Kasachstans, heißt es, dass die dritte Sitzung der Kommission für das Gemeinsame Türkische Weltalphabet vom 9. bis 11. September in Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans, in Zusammenarbeit mit der Türkischen Akademie und dem Türkischen Sprachverband abgehalten wurde. „Der Hauptzweck der Sitzung bestand darin, die Arbeit am Projekt für ein gemeinsames Alphabet für die Turksprachen abzuschließen, indem die in diesem Bereich gewonnenen Erkenntnisse und die zweijährige Erfahrung der Kommission genutzt wurden.“ „Fördert das gegenseitige Verständnis und die Zusammenarbeit zwischen den Turkvölkern“ „Die Entwicklung des Gemeinsamen Türkischen Alphabets fördert das gegenseitige Verständnis und die Zusammenarbeit zwischen den Turkvölkern und bewahrt gleichzeitig ihr sprachliches Erbe“, heißt es in der Erklärung, in der darauf hingewiesen wird, dass der erfolgreiche Abschluss des Treffens von historischer Bedeutung ist. Die Türkische Akademie und der Türkische Sprachverband dankten den Regierungen der Turkstaaten und den Mitgliedern der Kommission für ihre wertvollen Beiträge zu diesem Prozess und fügten hinzu: „Alle relevanten Institutionen sind aufgefordert, die Umsetzung des vorgeschlagenen Gemeinsamen Türkischen Alphabets aktiv zu unterstützen.“ Dem Türkei-türkischen Alphabet würden fünf neue Buchstaben hinzugefügt. So nahmen auch die Buchstaben „Ä, Ň, Ŭ, Q, X“ ihren Platz im neuen Alphabet“ ein. Professor Dr. Develi sagte:
„Es ist jedoch nicht richtig, dies als eine Änderung des Alphabets zu betrachten. Wir werden in der Türkei weiterhin das 29-Buchstaben-Alphabet verwenden. Nur die Entsprechungen einiger verschiedener Laute werden bekannt sein. Dadurch wird es für uns einfacher, die Texte des anderen zu lesen. Unsere gemeinsamen kulturellen Werte werden sich leichter erklären lassen; die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen werden sich verbessern. Langfristig kann diese Situation dazu führen, dass wir durch den Austausch von Wörtern zu einer gemeinsamen Sprache finden.“
Geschichte Im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch der UdSSR wurden in den neu gegründeten Republiken, in denen die Turksprachen die wichtigsten Sprachen waren, die Ideen des Panturkismus wieder populär, und infolgedessen auch die Bewegung für die Wiedereinführung des lateinischen Alphabets. Zur Vereinheitlichung wurde auf Initiative der Türkei im November 1991 in Istanbul ein internationales wissenschaftliches Symposium über die Entwicklung eines einheitlichen Alphabets für die Turksprachen abgehalten. Es basierte vollständig auf dem türkischen Alphabet, wobei jedoch einige fehlende Buchstaben hinzugefügt wurden: ä, ñ, q, w, x. Somit bestand das Alphabet aus 34 Buchstaben, von denen 29 aus dem Türkischen übernommen wurden. Aserbaidschan war das erste Land, das dieses Alphabet im Dezember 1991 einführte, und Usbekistan schlug seine Einführung im September 1993 vor, während es weiterhin das kyrillische Alphabet verwendete. Im September 1993 gaben die Vertreter Aserbaidschans, Turkmenistans und Usbekistans auf einer regulären Konferenz in Ankara offiziell den Übergang zum neuen Alphabet bekannt. Aserbaidschan hatte jedoch bereits 1992 sein Alphabet reformiert und den Buchstaben ä durch ə ersetzt, der aus dem alten Kyrillischen und dem Yañalif übernommen wurde. Ab dem Jahr 2000 ordnete die Regierung an, dass aserbaidschanische Publikationen und Medien nur noch die lateinische Schrift verwenden dürfen, womit das kyrillische Alphabet in Aserbaidschan offiziell abgeschafft wurde.

Gastkommentar
Westdeutscher Transatlantizismus nach dem Zweiten Weltkrieg

Ein Gastkommentar von Klaus Jürgens

Um die Schlüsselpositionen der heutigen deutschen Regierung gegenüber den Vereinigten Staaten von Amerika besser zu verstehen – sie unterstützt Washington in den meisten Fällen in jeder Hinsicht – und da wieder einmal ein sozialdemokratischer Politiker die Geschicke des Landes lenkt, ist eine Reise in die Geschichte bzw. in die politische Erinnerung sinnvoll.

Beginnen wir in den 1970er Jahren: Die Bundesrepublik war fest in der Hand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD). Nach Bundeskanzler Willy Brandt war es Helmut Schmidt, der die Führung des Landes übernahm. Zugegeben, es gab einen beträchtlichen Einfluss von und durch die Freien Demokraten (FDP, Freie Demokratische Partei), der ironischerweise aber letztlich zum Niedergang von Schmidts Amtszeit führte – manche sagen, zum Verrat an Schmidt; außerdem, und das ist von hoher Relevanz für diese Meinungsseitenanalyse, hat die SPD, obwohl sie an der Wahlurne leicht gewonnen hat, nie über 50 Prozent erreicht.

Daher war ein Koalitionspartner das Gebot der Stunde. In den 70er Jahren begünstigte die FDP die SPD, und da die Grünen noch nicht auf der politischen Bühne standen, war eine stabile Regierung garantiert. Wie macht man seinen zukünftigen Koalitionspartner politisch glücklich? Indem man ihnen das Amt des Außenministers zuweist, zunächst Walter Scheel, dann Hans-Dietrich Genscher. Genscher wurde zum Synonym für ein aufstrebendes, modernes Westdeutschland.

Man könnte argumentieren, dass wir in dieser Periode der deutschen Geschichte eine klare Aufgabenteilung erkennen – die Außenpolitik sollte dem Außenamt bzw. dem Außenminister überlassen werden und alle anderen oder die meisten anderen innenpolitischen Bereiche dem Bundeskanzler und seinen anderen ‚nicht-außenpolitischen‘ Kabinettsmitgliedern.

Dies wiederum kann zu vielen Konflikten und Missverständnissen führen – und hat es auch getan -, vor allem, wenn einer der Koalitionspartner, in diesem Fall die SPD, in der Frage, wie die internationalen Angelegenheiten und Beziehungen zu regeln sind, tief gespalten ist. Lassen Sie uns also kurz darauf zurückblicken, warum Westdeutschland sich den Vereinigten Staaten überhaupt so stark angenähert hat.

Hier müssen wir die ‚Atlantik-Brücke‘ untersuchen. Die Atlantik-Brücke wurde 1952 gegründet. In den Worten der Organisation, die Bundesrepublik Deutschland war jung und es fehlte an zivilgesellschaftlichen Kräften, um die Beziehungen zum Westen nachhaltig und langfristig zu stärken. Sie wollten den Grundstein für ein gutes transatlantisches Verhältnis legen. Zur gleichen Zeit wie die Atlantik-Brücke wurde in den USA der American Council on Germany (ACG) als amerikanische Schwesterorganisation gegründet, die sich für die Verständigung und den Austausch mit Deutschland einsetzte.

Seit ihrer Gründung hat sich die Atlantik-Brücke auf die Förderung persönlicher Begegnungen zwischen deutschen und amerikanischen Führungskräften konzentriert. Zunächst bemühte sich die Atlantik-Brücke besonders darum, die amerikanische Öffentlichkeit über Deutschland zu informieren und so das Interesse an Land und Leuten zu wecken.

Die Zusammenarbeit mit den amerikanischen Streitkräften in Deutschland war der Atlantik-Brücke stets ein wichtiges Anliegen. Von 1957 bis 1970 gab die Organisation ein englischsprachiges Informationsblatt für die in Deutschland stationierten amerikanischen Soldaten heraus. Darüber hinaus wurden politische Bildungsseminare für amerikanische Offiziere angeboten.

Neugierig? Wie würde sich eine so starke transatlantische Verbindung auf die sozialistischen und sozialdemokratischen Stimmen im Nachkriegsdeutschland auswirken? Alles perfekt oder gab es Bedenken, sich zu sehr auf den Westen zu stützen?

Wir werden versuchen, besser zu verstehen, warum die SPD als führender Koalitionspartner in den 1970er Jahren über diese engen Beziehungen eher gespalten war.

Die SPD wollte sich als eine Volkspartei darstellen. Meik Woyke schrieb am 24. Oktober 2020 einen fantastischen Aufsatz über die transatlantische Partnerschaft, ‚Helmut Schmidt und die Vereinigten Staaten von Amerika‘ Zitat: ‚schon als junger Bundestagsabgeordneter in den 1950er Jahren besuchte Helmut Schmidt mehrfach die Vereinigten Staaten, auch um seine Expertise und sein Profil in der Verteidigungs- und Sicherheitspolitik zu schärfen. 1957 traf Schmidt zum ersten Mal Henry Kissinger, der an der Ostküste der USA in Harvard lehrte (…) Schmidt war von seinem Gesprächspartner sehr angetan.

Die beiden wurden Freunde und blieben bis zum Schluss politische Verbündete. Kissingers Amtszeiten als Nationaler Sicherheitsberater (1969-1973) und als Außenminister (1973-1977) unter den US-Präsidenten Richard Nixon und Gerald Ford fielen teilweise mit Schmidts Tätigkeit als Bundesminister und den folgenden Jahren als Bundeskanzler zusammen. Ihr Dialog war in dieser Zeit besonders intensiv.‘

Seit Oktober 1969 an der Spitze des Verteidigungsministeriums, verknüpfte Schmidt sein erstes Bundesministeramt eng mit seinem sicherheitspolitischen Konzept einer Strategie des Gleichgewichts zwischen den USA und der Sowjetunion, das er mehr als ein Jahrzehnt zuvor formuliert hatte. Damals wies er der Europäischen Gemeinschaft noch keine verteidigungspolitische Rolle zu, betonte aber die wachsende Verantwortung der europäischen NATO-Staaten.

Schmidt stand der NATO-Strategie der nuklearen Vergeltung gegen die UdSSR äußerst kritisch gegenüber, da sie im Ernstfall beide Teile Deutschlands in ein nukleares Schlachtfeld verwandelt hätte. Gemeinsam mit seinem Freund, dem französischen Staatspräsidenten Valéry Giscard d’Estaing, karikierte Schmidt den US-Präsidenten deshalb als unzuverlässigen ‚Erdnussfarmer‘, dem es an sicherheitspolitischer Erfahrung für sein mächtiges Amt fehle.

Vor diesem Hintergrund ist es auch bemerkenswert, dass es Helmut Schmidt als Vertreter des im Zweiten Weltkrieg besiegten Deutschlands gelang, den NATO-Doppelbeschluss vom 12. Dezember 1979 herbeizuführen.

Angesichts der Blockkonfrontation im Kalten Krieg war Schmidt besorgt über die fehlende Parität bei den nuklearen Mittelstreckenwaffen. Wenn die Sowjetunion nicht bereit sei, über die Reduzierung ihrer SS-20-Raketen zu verhandeln, müssten die USA nach dem NATO-Doppelbeschluss ausreichend Pershing-II-Raketen in Westeuropa, nicht zuletzt in der Bundesrepublik Deutschland, stationieren. Diese Haltung brachte Schmidt viel Kritik aus der eigenen Partei ein. Neben der SPD sprach sich auch die wachsende Friedensbewegung dagegen aus.

Und nun zurück ins Jahr 2024

Viele internationale Beobachter stellen mit Erstaunen fest, dass der heutige sozialdemokratische Bundeskanzler Olaf Scholz unbeirrbar auf der Seite Washingtons steht, und die unvorstellbare menschliche Katastrophe, die sich in Palästina abspielt, ist das schockierende und traurige Beispiel dafür. Es gibt noch viele andere Themen, die auf dem Spiel stehen, allen voran der Krieg in der Ukraine. Die Beteiligung an der NATO-Osterweiterung steht ebenso ganz klar an dritter Stelle.

Also: Hat die SPD ihre innere Zerrissenheit überwunden und den Transatlantizismus 2.0 entwickelt? Ist Moskau für Berlin nicht mehr existent? Oder werden kritische Stimmen zum eingeschlagenen Kurs der SPD einfach nicht mehr geduldet? Was ist mit dem ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder, der vor einiger Zeit seine Bedenken äußerte, indem er sagte, dass die Angst, die Russen kämen absurd sei wenn andere von einem bevorstehendem Angriff Russlands auf die NATO sprachen?

In diesem Artikel wird erklärt, wie der Transatlantizismus in Westdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg begann. Dazwischen gab es vielversprechende Jahre, in denen Bonn und später Berlin proaktive paneuropäische Gespräche mit Moskau führten und Investitionen in beide Richtungen florierten, die Menschen beider Länder sich kennenlernten. In jüngster Zeit und aufgrund der politischen Umstände scheint es aber als ob Deutschland es vorzieht, wieder nur nach Westen zu schauen, anstatt nach Westen und Osten.

In einer Zeit, in der der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan zu Recht argumentiert, dass die Welt größer ist als fünf und damit impliziert, dass keine einzelne Supermacht, oder besser gesagt fünf, der Welt diktieren sollten, was sie zu tun und zu lassen hat, wäre Deutschland vielleicht gut beraten, Ankara sozusagen über die politische Schulter zu schauen und eine neue 360-Grad-Außenpolitik zu entwickeln, genau wie die Republik Türkiye. Nicht antiamerikanisch sein, sondern dafür sorgen, dass Amerika seine Verbündeten auch auf Augenhöhe behandelt.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


Klaus Jurgens MSc. (LSE)
Media Relations Expert and Communications Strategist
Economyfirst Limited London
Telephone UK +44 7473 467 339
Telephone Türkiye +90 531 8348 703

Rassismus
USA: Muslimfeindliche Vorfälle um 70 Prozent gestiegen

Washington – Inmitten des scheinbar endlosen Krieges zwischen Israel und der Hamas im palästinensischen Gazastreifen wurde in den USA eine erhebliche Zunahme antimuslimischer Vorfälle gemeldet. Nach Angaben des Council on American-Islamic Relations (CAIR) ist die Zahl der antimuslimischen und antipalästinensischen Vorfälle in den USA in der ersten Hälfte des Jahres 2024 um 70 % gestiegen. CAIR berichtete, dass in den ersten sechs Monaten des Jahres 2024 4.951 Beschwerden über antimuslimische und antipalästinensische Vorfälle eingegangen sind, was einem Anstieg von fast 70 % gegenüber dem gleichen Zeitraum im Jahr 2023 entspricht. Die meisten Beschwerden wurden in den Kategorien Einwanderung und Asyl, Diskriminierung am Arbeitsplatz, Diskriminierung im Bildungswesen und Hassverbrechen registriert. Zu den jüngsten alarmierenden Vorfällen in den USA in den letzten neun Monaten gehören die tödlichen Messerangriffe auf ein sechsjähriges palästinensisch-amerikanisches Kind in Illinois im Oktober sowie auf einen palästinensisch-amerikanischen Mann in Texas im Februar. Zudem die Erschießung von drei palästinensischstämmigen Studenten in Vermont im November und das versuchte Ertränken eines dreijährigen palästinensisch-amerikanischen Mädchens im Mai.

Geschichte
Nofretete – lasst die Königin gehen!

Ein Gastbeitrag von Michael Thomas Vor vielen Jahren traf ich im südägyptischen Assuan eines Abends zufällig einen jungen Mann, der offenbar von meiner Leidenschaft für seine Heimat völlig fasziniert war. Er selbst hatte viele Jahre im Kreise der Familie in Deutschland verbracht und wie diese auch keine allzu große Meinung von Ägypten. Ich berichtete ihm bei Tee und Shisha bis tief in die Nacht von dem Zauber, den die Geschichte seiner Heimat auf mich ausübte und hochinteressiert fragte er mich, ob er mich auf meinen Exkursionen begleiten dürfe. Gern sagte ich zu. Er nahm mir die Mühe, ein Taxi zur Anlegestelle für die Überfahrt zur Tempelinsel Philae zu besorgen, ab und am nächsten Morgen bereits ging es los. Auf der Insel angekommen, verwendete ich mit ausnahmsweise missionarischem Eifer mein gesamtes Fachwissen auf ihn und erläuterte ihm, was er dort entdeckte. Mit wachsender Begeisterung trat er von einer Wandinschrift zur anderen, setzte um, was ich ihm erklärt und gezeigt hatte und berührt stellte ich fest, dass sich ihm eine völlig neue Welt erschloss. Er konnte nicht genug bekommen; seine Augen glänzten und sein Blick auf den Tempel war ein ganz anderer geworden. Mich bewegte es sehr, als er bei unserem Abschied meine Hand in seine beiden nahm und sich wortreich dafür bedankte, dass ich ihm die Geschichte seiner Heimat geschenkt hätte. Dass er Dinge erfahren und durch mich erleben und empfinden durfte, die ihm sonst verschlossen geblieben wären. Karim steht für mich für das allgemeine Erwachen des ägyptischen Volkes. Mich haben viele Reisen an den Nil geführt, ich habe die gewaltigen Umbrüche miterlebt und über all die vielen Jahre bemerkte ich eines ganz deutlich: die Menschen dort bemühen sich heute um ihre eigene Geschichte. Ein neues Gefühl, ein neuer Blick findet sich in ihren Augen wieder. Wenn sie heute vor den gewaltigen Pyramiden Gizehs stehen, dann fühlen sie, dass es die Hände, die Herzen und die Träume ihres Volkes, ihrer eigenen Vorfahren waren, die das erschaffen hatten. Gerade jetzt, wo die Zeiten besonders schwer für die Ägypter sind, brauchen sie diesen Stolz ganz besonders. Das war nicht immer so. Mir war auf meinen ersten Reisen tatsächlich aufgefallen, dass Ausländer den weitaus größten Teil der Besucher von Museen, Monumenten und Ausgrabungen stellten. Das hat sich deutlich wahrnehmbar verändert. Und jetzt kommt der gedankliche Sprung vom Nil nach Berlin. Dort dämmert eine altägyptische Ikone, die Büste der Königin Nofretete in einem riesigen, kalten, steingrauen Saal in gedämmtem Licht. Sie gehört dort nicht hin, sie ist fremd dort und kaum jemand versteht sie, auch wenn jeder von ihrer beinahe überirdischen Schönheit bezaubert ist. Ich will mich an dem Streit, ob ihr Erwerb, ihre Entührung vor hundert Jahren rechtmäßig geschah oder ein Betrug unter Lügen war, nicht beteiligen, denn das ist letztlich unerheblich. Auf diese Weise kann man um einen Diamanten, eine Amphore, einen Tierknochen streiten, aber nicht um einen Gegenstand wie diesen. Diese Büste ist nämlich keineswegs irgendein Gegenstand. Diese Büste entfaltet ihren ganzen Wert nur dem, der sie versteht. Und wer sie verstehen will, der wird an den Nil reisen und sich mit der Zeit befassen müssen, für die sie steht und in der sie geschaffen worden ist. Ihre Schönheit beruht auf der vollendeten Harmonie ihrer Züge, auf dem Schwung ihrer Konturen, die mit großer Wahrscheinlichkeit direkt ihrem lebendigen Vorbild Nofretetes selbst gleichen und faszinierenderweise dadurch mit einer jahrtausendealten Tradition in der altägyptischen Kunst brechen. Der Bildhauer Thutmosis vollendete in dieser Büste das Revolutionäre, dass ihr Ehemann, der König Ankh-Aton, genannt Echnaton, in Szene gesetzt hatte und was als „Amarna-Kunst“ Bekanntheit erlangte. Im Fieber dieser kurzen Periode entwickelte sich in Ägypten ein ganz neuer, künstlerischer Stil eines gewissen Realismus, der mit allem brach, was jahrtausendelang vorher streng beachtet und bewacht worden war. Darstellungen des Königs selbst wirken geradezu verstörend unschmeichelhaft; sie zeigen einen Mann mit dickem Bauch, breiten Hüften und einem langgezogen Gesicht. So, wie er realistisch dargestellt worden war und wohl auch tatsächlich aussah, so wird die Büste der Nofretete mit hoher Wahrscheinlichkeit recht genau ihrer realen, äußeren Erscheinung gerecht. Nicht umsonst bedeutet ihr Name übersetzt: „Die Schöne ist gekommen!“. Man kann diese Büste nicht verstehen, wenn man ihre Zeit und ihr Land weder kennt, noch verstehen lernt. Man muss mit einem Schiff, am besten mit einer kleineren Feluke, den Nil befahren, den Kindern am Ufer beim Bad und Fußballspiel zusehen, die Wasserbüffel beim Trinken betrachten und das Süße des Abenwindes wittern, der spätabends über den Fluss geht. Erst, wenn man über Märkte geht, fröhlich um eine Ledertasche vielleicht feilscht, mit Ägyptern zusammen isst und plaudert, findet man überhaupt erst einen Zugang zur ägyptischen Kunst. Denn all diese Dinge haben sich in den letzten sechstausend Jahren nicht verändert. Das Toben der Kinder in den Straßen ebensowenig wie das Schimpfen der Mütter, der Staub, den der Wind mit sich trägt, die heiße Sonne oder der geheimnisvolle Fluss. Wer das einmal erlebt hat, fühlt und versteht richtig, was er in altägyptischer Kunst dargestellt sieht. Auf einer meiner Reisen begegnete ich tatsächlich einem deutschen Studenten der Ägyptologie, der das Land noch nie zuvor bereist hatte. Trotz mehrfacher, vorsichtiger Nachfrage, wie man sich speziell für dies Fach entscheiden könne, wenn man vorher buchstäblich nichts darüber wusste, verstand ich seine Beweggründe nicht. Aber ich beobachtete, wie ihn die Magie Ägyptens „vor Ort“ vollends in den Bann schlug und wie er mich, den Laien, in meiner Begeisterung verstehen lernte und dies Gefühl teilte. Wir erhielten Gelegenheit, die prächtigen Wandmalereien eines kurz zuvor entdeckten Königsgrabes exklusiv bewundern zu dürfen, das bis heute nur Forschenden zur Verfügung steht und für die Öffentlichkeit gesperrt ist. Da sah ich in seinen Augen, dass das Fieber vollständig von ihm Besitz ergriffen hatte. Jahre später schickte er mir seine Doktorarbeit. Es heißt nicht umsonst in einem altägyptischen Sprichwort: „Wer einmal von den Wassern des Nils trank, kann seinen Durst nie wieder woanders stillen.“ Erst, wenn man sich den titanenhaften Pyramiden gegenüberstellt und in ihre tiefen Gänge kriecht, kann man darauf hoffen verstehen zu lernen, was man im Gesicht der Büste der Nofretete finden kann. Die Kunst der Alten Ägypter ist eine abstrahierende Symmetrie in Form einer entrückten Sprache, die man lesen lernen muss. Verwirrenderweise äußert sie sich in einer Reduktion auf Wesentliches, während sie gleichzeitig die Weite einer Idee darstellt. Und dann fühlt man das Tragische im jetzigen Aufenthaltsort der Nofretete. Sofort wird einem klar, dass sie dort nicht hingehört und mit diesem Wissen und diesem Herz wird man erst die Träne sehen, die ihr unsichtbar über die Wange läuft. Es ist nicht wichtig, ob sie dort in Berlin rechtmäßig oder unrechtmäßig steht. Wenn man in Ägypten das moderne Land besucht und die Monumente aus tiefer Vergangenheit betrachtet, dann weiß man, dass Nofretete zurück nach Hause reisen muss. Ihre Umgebung stößt ihre Prinzipien ab, sie korrespondiert in keinster Weise mit ihr und missachtet ihre Herkunft vollständig. Sie ist kein Diamant, sie ist weit mehr als das. Kein Gold, kein Gips, kein Stein, nicht Farbe und überhaupt kein Gegenstand. Sie ist mehr als nur eine Darstellung einer Königin und sie ist auch keine „Botschafterin“, wie sie Prof. Dr. Wildung nannte, um ihr Verbleiben in Berlin zu rechtfertigen. Sie ist ein Stück Ägypten selbst, sie hat einen festen Platz im Herzen ihres Volkes – und sie gehört dorthin. Nicht in einen kalten, dämmerigen und steingrauen Raum im fernen Norden. Wenn sich eine Ente mit einer Pfauenfeder schmückt, wird aus ihr kein Pfau. Wenn Deutschland eine kultivierte und kultursensible Nation sein will, so wird man Nofretete zurück in ihre Heimat lassen. Dorthin, wo sie eben weit mehr ist als nur ein Stück hübsch geformten und angemalten Gipses und ihr Zauber weit mehr strahlt als nur ihre Schönheit. Denn wenn es den Verweigerern ihrer Rückkehr nur um ihre Schönheit geht, dann bietet die moderne Technik exzellente Möglichkeiten, sie auf das Genaueste zu kopieren. Deutschland hat keinen einzigen, triftigen Grund, unbedingt das Original besitzen zu müssen. Es wurde von deutscher Seite aus argumentiert, angeblich sei die Büste nicht transportfähig, aber das halte ich persönlich für einen vorgeschobenen Vorwand. Wenn man selbst die Mumie des Ramses des Großen mit einem Flugzeug zur Strahlenbehandlung nach Paris bringen konnte und sogar allen Ernstes zum Zwecke der Einreise eigens einen Reisepass für ihn erstellte, ihm bei der Landung in Form des Großen Protokolls mit militärischem Salut die Ehre eines Monarchen gewährte und Seine Majestät wohlbehalten zurück nach Ägypten brachte, dann sollte der Transport einer Büste kein Problem darstellen. Prof. Dr. Zahi Hawass mag als Mensch nicht unumstritten sein, seine Sachkompetenz als ägyptischer Archäologe, der über viele Jahre überaus erfolgreich gearbeitet hat, ist es nicht. Ebensowenig wie seine Leidenschaft dafür, außer Landes gebrachte Artefakte heim zu holen, was ihm tausendfach gelang. Ihm und seinem Herz für die Geschichte seiner Heimat ist es zu verdanken, dass viele Fundstücke heute wieder zurück in Ägypten sind. Sein Bestreben, natürlich auch die großartige Nofretete wieder zurück in ihre Heimat zu führen, ist daher nur zu unterstützen. Der Blick der Nofretete gleitet heute über ein Land, das sie nicht kennt, mit dem sie nichts verbindet, in dem sie keine Geschichte hat. Nur die wenigsten ihrer Betrachter verstehen sie und ihre umfassende, tiefe Bedeutung. Sie hat in Deutschland nichts zu suchen, dort ist sie zum Wert einer Beute, einem eifersüchtig wie starrsinnig bewachten Schatz herabgesunken. Wenn sich eine Ente mit einer Pfauenfeder schmückt, wird aus ihr keine Ente. Lasst die Königin heim reisen! Ich würde darauf Wetten abschließen, dass Hunderttausende ihren Weg ins neue Museum bei Kairo säumen, Fahnen schwenken, singen und vor Glück weinen würden. Niemand außerhalb Ägyptens braucht diese Büste dieser ebenso schillernden wie rätselhaften und bedeutungsschweren Königin Nofretete. Ägypten braucht sie. Und Deutschland wäre eine Kulturnation.
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.

Zum Autor 

Michael Thomas ist Privatier, Fotograf, leidenschaftlich an Ägyptologie und Literatur interessiert, mit der er vor vielen Jahren als Autor regional einige Beachtung fand. Er verfolgt interessiert das Weltgeschehen durch Beobachtung internationaler Presse. Seinen Fokus legt er insbesondere auf die Palästinafrage und auf die islamische Welt.