Gaza-Krieg
Genozid-Vorwurf: IGH weist Anträge gegen Deutschland zurück

Den Haag – Der Internationale Gerichtshof hat an diesem Dienstag in dem Verfahren um die Klage Nicaraguas gegen Deutschland wegen Beihilfe zum Genozid im Gazastreifen die Eilanträge Nicaraguas zurückgewiesen. Deutschland müsse die Rüstungsexporte nach Israel nicht stoppen, entschieden die Richter. Nicaragua hatte während der zweitägigen Anhörungen in diesem Monat argumentiert, dass Berlin durch die Lieferung von Waffen an Israel gegen die Völkermordkonvention von 1948 und das Völkerrecht verstößt und beschuldigt, sich der Gefahr eines Völkermordes bewusst zu sein. Das Gericht erklärte jedoch, es sei weiterhin „zutiefst besorgt über die katastrophalen Lebensbedingungen der Palästinenser im Gazastreifen“ und lehnte einen Antrag Deutschlands ab, das Verfahren vollständig einzustellen. Deutschland hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. Die Anwälte argumentierten, Nicaraguas Klage sei übereilt, basiere auf fadenscheinigen Beweisen und sollte wegen fehlender Zuständigkeit abgewiesen werden. Deutschland ist einer der größten Militärlieferanten Israels und hat nach Angaben des Wirtschaftsministeriums im Jahr 2023 Ausrüstungen und Waffen im Wert von 326,5 Millionen Euro (353,7 Millionen Dollar) an Israel geliefert, berichtet Al Jazeera. Das Gericht wies darauf hin, dass Deutschland seit Beginn des Konflikts nur vier Ausfuhrgenehmigungen für Kriegswaffen an Israel erteilt hat, zwei für Übungsmunition und eine für Testzwecke, sowie eine Lieferung von „3.000 tragbaren Panzerabwehrwaffen“.

Korruption
Bericht: SPD-Politiker erhält 300.000 Euro von Schleuser-Bande

Köln – Eine Bande aus dem Rheinland, die 350 überwiegend vermögende chinesische Staatsangehörige mit falschen Papieren nach Deutschland schleuste, soll einen ehemals führenden SPD-Politiker und Leiter der Stabsstelle Innovation und Wende im Landkreis Düren mit 300.000 Euro in bar geschmiert haben, berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger. Im Gegenzug, so der Düsseldorfer Staatsanwalt Julius Sterzel gegenüber dem Kölner Stadt-Anzeiger, soll der Beschuldigte seinen Einfluss bei den Behörden des Kreises geltend gemacht haben, wenn Sachbearbeiter Aufenthaltstitel für chinesische Kunden der mutmaßlichen Schleuser-Bande versagen wollten. 2015 sollen zwei Anwälte aus Köln und Frechen die Schleuser-Organisation gegründet haben. Nach und nach erweiterte sich der Kreis der Bande. Wie Sterzel weiter bestätigte, sollen die angeworbenen Migranten aus Fernost insgesamt 9,2 Millionen Euro auf Anderkonten der Kanzleien eingezahlt haben, um ihre Aufenthaltserlaubnis zu erlangen. So sollen die mutmaßlichen Schleuser-Bosse üppige Gewinne eingestrichen haben. Den Angaben zufolge stehen auch weitere Mitarbeiter von Ausländerämtern unter Korruptionsverdacht. Auf Anfrage wollten sich weder die Verteidiger der inhaftierten Anwälte noch des Dürener SPD-Politikers äußern.

Miss-Universe-Wahlen
Alejandra Rodriguez (60) wird Miss Universe Buenos Aires

Buenos Aires – Alejandra Rodriguez – eine 60-jährige Anwältin und Journalistin aus der argentinischen Stadt La Plata – wurde zur Miss Universe Buenos Aires gekrönt, ein Sieg für ältere Frauen weltweit. Seit diesem Jahr wurde die obere Altersgrenze von 28 Jahren aufgehoben. Bei der Miss-Universe-Wahl 2024 wird es zum ersten Mal in ihrer Geschichte keine Altersobergrenze für die Teilnehmerinnen geben. Rodriguez, Anwältin und Journalistin, erklärte ein „neues Paradigma“ für die Schönheitsstandards bei Schönheitswettbewerben zu repräsentieren. Die Anwältin setzte sich gegen 34 andere Frauen im Alter von 18 bis 73 Jahren durch und gewann den Titel. Rodriguez plant nun, sich am 25. Mai um den Titel der argentinischen Miss Universe zu bewerben. Wenn sie erfolgreich ist, könnte sie später in diesem Jahr an der 73. weltweiten Miss-Universe-Wahl in Mexiko-Stadt, Mexiko, teilnehmen, berichtet die Buenos Aires Times. Rodríguez‘ Sieg kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt in der Geschichte der Schönheitswettbewerbe, wo traditionelle Kriterien neu bewertet und definiert werden. Mit ihrem vielfältigen Hintergrund und ihrer lebhaften Persönlichkeit verkörpert sie ein neues Paradigma der Schönheit – eines, das über die physische Erscheinung hinausgeht und Individualität, Leidenschaft und Widerstandsfähigkeit umfasst. „Ich bin begeistert, dieses neue Paradigma bei den Schönheitswettbewerben zu repräsentieren, denn wir eröffnen eine neue Phase, in der Frauen nicht nur körperliche Schönheit, sondern auch andere Werte verkörpern“, sagte Rodríguez nach ihrem Sieg in Buenos Aires zu den Medienvertretern. „Ich bin die erste dieser Generation, die damit anfängt.“

Reisen
Türkei: Einnahmen im Tourismus brechen Allzeitrekord

Istanbul – Der Tourismus in der Türkei hat in den ersten drei Monaten bereits einen guten Start hingelegt. Wie der Tourismusminister am Dienstag mitteilte, stiegen die Einnahmen im ersten Quartal um 5,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal und erreichten 8,784 Milliarden Dollar. „Wir haben im ersten Quartal die höchsten Tourismuseinnahmen in unserer Geschichte erzielt und sind auf dem besten Weg, das Jahresendziel von 60 Millionen Besuchern zu erreichen“, so Mehmet Nuri Ersoy in seiner Bewertung der Daten. In diesem Zeitraum kamen die meisten Besucher aus dem Iran (748 Tausend), Deutschland (688 Tausend) und Russland (682 Tausend). Nach Angaben des türkischen Statistikamtes (TurkStat) wurden 21 Prozent der Einnahmen von im Ausland lebenden türkischen Staatsbürgern erzielt.

Auch die Auslandsreisen nahmen zu

Die Tourismusausgaben, die sich aus den Ausgaben der türkischen Bürger für Auslandsreisen zusammensetzen, stiegen im Vergleich zum gleichen Quartal des Vorjahres um 11,3 Prozent und erreichten 1,778 Milliarden Dollar. In diesem Quartal stieg die Zahl der Bürger, die ins Ausland reisten, um 18,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal und erreichte 2,45 Millionen Personen. Ihre durchschnittlichen Ausgaben pro Person betrugen laut den veröffentlichten Angaben 727 Dollar.

Glücksspiel
So werden Online-Casinos und Wetten weltweit reguliert

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Die Verlagerung des Geschäftsmodells von Casinos ins Netz hat die internationale Politik vor große Herausforderungen gestellt. Einerseits wollten viele Staaten auf die zu erwartenden zusätzlichen Einnahmen nicht verzichten, andererseits waren sie gleichzeitig gefordert, die bestehenden Spielbanken zu schützen. Immerhin befanden sich diese wie in Deutschland auch unter staatlicher Kontrolle.

Die Verantwortlichen mussten also wirtschaftliche Interessen und jene der Kunden unter einen Hut bringen. Schließlich galt es auch, den Spielerschutz im Internet zu definieren. Die Spieler sollten ein Umfeld vorfinden, das fair und sicher ist. Daneben wollte man Betrug und Geldwäsche minimieren sowie die möglichen sozialen Schäden minimieren. Unter diesen Voraussetzungen haben sich weltweit die unterschiedlichsten Formen von Regulierung entwickelt.

Europäische Union

Derzeit gibt es für die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union keine einheitliche Regulierung für den Bereich Glücksspiel. Stattdessen verfolgen die Länder jeweils eigene Ansätze, um den Bereich in ein juristisches Regelwerk zu gießen. Ein anschauliches Beispiel für das lange Gezerre um eine befriedigende Lösung lieferte in der Vergangenheit Deutschland. Hierzulande waren ausländische Anbieter von Spielautomaten, Roulette, Sportwetten und Blackjack im Internet lange vom Markt ausgesperrt. Diese argumentierten mit der geltenden Handels- und Dienstleistungsfreiheit der EU, während Deutschland seine Casinos gesetzlich zu schützen versuchte.

Die alten Regelungen wurden jedoch immer wieder von der EU beeinsprucht, die Folge war schließlich ein mehrfach überarbeiteter Deutscher Glücksspielstaatsvertrag. Dieser gilt seit dem 1. Juli 2021 im ganzen Land und hat einerseits eine Liberalisierung der Märkte und andererseits einen strengeren Spielerschutz gebracht. Eine eigene Behörde, die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder, vergibt die Lizenzen und überwacht deren Einhaltung.

In Österreich sind die zuvor in Deutschland gültigen Hürden immer noch in Kraft. Hier wurden Lizenzen lediglich an den ehemals staatlichen Anbieter Casinos Austria vergeben. Dieses Unternehmen befindet sich zwar zwischenzeitlich in privater Hand, doch andere Anbieter aus dem Ausland sind weiterhin nicht zugelassen. Das könnte sich nach einer lange geplanten Reform des Glücksspielrechts zwar ändern, doch in welcher Form ist völlig offen. Vorerst steht die nächste Ausschreibung der Lizenzen bevor, die ab 2027 wirksam werden soll. Online-Glücksspiel ist derzeit lediglich bei einem einzigen Anbieter möglich.

(Foto: pixabay/temprebO)

USA

Die Vereinigten Staaten gingen in der Vergangenheit ebenfalls sehr restriktiv gegen das Online-Glücksspiel vor. Besonders bekannt wurde in diesem Zusammenhang der sogenannte „Unlawful Internet Gambling Enforcement Act“ aus dem Jahr 2006. Er brachte das Online-Glücksspiel in den USA zum Erliegen. Mittlerweile haben jedoch einzelne Bundesstaaten von ihrem Recht Gebrauch gemacht, eigene Gesetze zu erlassen.

Damit wurde das Online-Glücksspiel in einzelnen Staaten unter umfassenden rechtlichen Rahmenbedingungen erlaubt. Dazu zählen etwa New Jersey, Pennsylvania und Nevada. Seit dem Jahr 2022 haben rund die Hälfte aller US-Bundesstaaten Online-Glücksspiel reguliert und erlaubt. Technische Hürden, wie VPN-Detektoren oder Geotargeting, sorgen dafür, dass die Spieler diese gesetzlichen Vorschriften nicht umgehen können.

(Foto: pixa)

Schweiz

Ähnlich restriktiv geht auch die Schweiz vor. Sie hat ihre Glücksspielgesetzgebung erst vor einigen Jahren reformiert und Online-Glücksspiele ermöglicht. Diese sind jedoch an staatliche Lizenzen gebunden, die ausschließlich an die staatlichen Casinos der Schweizer Kantone vergeben werden. Ausländische Anbieter werden mittels IP-Sperren ferngehalten und dürfen nicht innerhalb der Schweiz tätig werden. Gewinne aus Glücksspielen sind bis zu einer Grenze von 1 Million Franken steuerfrei, darüber müssen sie in der Steuererklärung angegeben werden. Die Gewinne aus der Industrie werden bis zu einer Höhe von 80 Prozent abgeschöpft und kommen der Allgemeinheit zugute.

Asien

Asiatische Länder haben seit jeher völlig unterschiedliche gesetzliche Vorschriften, wenn es um die Legalität von Online-Glücksspielen und Wetten geht. Während es in einigen Ländern erlaubt ist, haben andere strenge Bestimmungen und Verbote. Ein anschauliches Beispiel für diese unterschiedliche Herangehensweise ist China. Dort ist Glücksspiel grundsätzlich verboten, Ausnahmen bilden jedoch die Sonderverwaltungszonen in Macau und Hongkong. Dort blüht die Branche.

Australien und Neuseeland

In Australien können die Bewohner online Wetten abgeben oder an Lotteriespielen teilnehmen. Die Gesetzgebung untersagt jedoch interaktive Glücksspiele. Diese sind in Neuseeland hingegen erlaubt, die Anbieter müssen allerdings aus dem Ausland stammen und sich den strengen Verbraucherschutzgesetzen unterwerfen.

Dieser Vergleich zeigt, dass es nach wie vor keinen einheitlichen Ansatz gibt, um Online-Glücksspiel gesetzlich zu regeln. Je nach Standort der Industrie geben sich die Länder entweder liberal oder streng und untersagen das Anbieten von Online-Glücksspielen und Sportwetten im Netz. Dabei befinden sich die Gesetzgeber immer im Zwiespalt zwischen einem strengen Spielerschutz und neuen Steuereinnahmen, auf die Regierungen ungern verzichten.

Gleichzeitig fordern immer liberalere Handelsverträge eine Liberalisierung und Öffnung der Märkte. Dies fördert die Konkurrenz und sorgt damit auf Umwege für bessere und seriösere Angebote. Dieses gesetzliche Flickwerk zeigt, wie wichtig die internationale Zusammenarbeit und der Erfahrungsaustausch sind, um einheitliche Standards und den Schutz der Spieler zu gewährleisten.

In Deutschland und Österreich sind Spieler unterdessen dazu übergegangen, Sammelklagen, mit rechtlicher Unterstützung von Prozessfinanzierern, anzustrengen. Sie fordern Verluste bei Anbietern zurück, die nicht über eine Lizenz des jeweiligen Landes verfügen, sondern mit der Lizenz anderer europäischer Staaten operieren. Beobachter warten gespannt auf ein anstehendes Höchstgerichtsurteil in Deutschland und auf die Entscheidung der Verantwortlichen in der EU. Sie könnten Ausgangspunkt für neue gesetzliche Regeln im Bereich Online-Casinos und Wetten werden.

E-Autos
China: Feststoffbatterie soll 2.000 km Reichweite ermöglichen

Peking – Ein Entwickler von Feststoffbatterien in China hat eine neue Zelle vorgestellt, die die Elektromobilität verändern könnte. Das chinesische Start-up Talent New Energy hat eine Feststoffbatterie mit einer extrem hohen Energiedichte entwickelt. Elektroautos können damit 2.000 Kilometer ohne Ladestopp fahren, berichtet Forschung und Wissen (FW). Wie das Fachportal weiter berichtet, ist die hohe Reichweite durch eine höhere Energiedichte der neuen Feststoffbatterie möglich, nämlich 720 Wh/kg. Diese höhere Energiedichte hat erhebliche Auswirkungen: Mit kleineren, leichteren Batterien könnten Elektroautos doppelt so weit fahren wie heute. Feststoffakkus haben schon jetzt mehrere Vorteile: Im Falle eines Unfalls sind sie nicht brennbar und sie lassen sich schneller laden. Die neue, dritte Generation von Talent New Energy soll dank ultradünner Verbundoxidschichten keine flüssigen Anteile mehr im Elektrolyt enthalten und somit temperatursicher und extrem schnellladefähig sein. Bisher haben die Batterien von Elektroautos, bei denen fast immer Lithium-Ionen-Akkus mit einem flüssigen Elektrolyt verwendet werden, deutlich geringere Energiedichten. Tesla kommt laut neutralen Messdaten etwa auf 240 bis 300 Wh/kg, so FW weiter.

EM in Serbien
Box-EM: Weitere türkische Boxerin gewinnt Gold

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Belgrad – Bei der Box-EM in Serbien hat eine weitere türkische Boxerin Gold gewonnen. Die Weltmeisterin und Olympiasiegerin Busenaz Sürmeneli besiegte im Finale der Box-Europameisterschaften der Frauen bis 66 kg die russische Kämpferin Albina Moldazhanova und gewann die erste Europameisterschaft ihrer Karriere. Sürmeneli errang bereits bei der Box-WM 2019 in Russland und 2022 in der Türkei, sowie bei den Olympischen Spielen 2021 in Tokio Gold. Zudem gewann die 26-Jährige 2023 die Europaspiele in Krakau. Beim gestrigen Finale holte auch ihre Namensvetterin und Teamkollegin Buse Naz Cakiroglu eine Goldmedaile für die Türkei.

Im Finale bis 52 kg bezwang die 27-Jährige gestern Anastasia Kool aus Russland und wurde somit nach 2019 und 2022 zum dritten Mal Europameisterin.

Zum Thema

– Box-EM in Serbien – Türkische Boxerin Buse Naz Cakiroglu erneut Europameisterin

Bei der Veranstaltung in der Hauptstadt Belgrad stand die 27-Jährige im Finale der Frauen bis 52 kg Anastasia Kool aus Russland gegenüber.

Türkische Boxerin Buse Naz Cakiroglu erneut Europameisterin
 

Boxen-EM in Serbien
Türkische Boxerin Buse Naz Cakiroglu erneut Europameisterin

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Belgrad – Bei den Box-Europameisterschaften in Serbien gewann die türkische Athletin Buse Naz Çakıroğlu die Goldmedaille und wurde somit zum dritten Mal Europameisterin. Bei der Veranstaltung in der Hauptstadt Belgrad stand die 27-Jährige im Finale der Frauen bis 52 kg Anastasia Kool aus Russland gegenüber. Die türkische Athletin wurde bereits 2019 und 2022 Europameisterin und gewann 2021 eine Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Tokyo. Bei den Weltmeisterschaften 2019 in Russland gewann sie ebenfalls eine Silbermedaille. Bei der Weltmeisterschaft 2022 in Istanbul gewann sie mit einem Finalsieg gegen die Kolumbianerin Íngrit Valencia zudem die Goldmedaille. .

Gaza-Krieg
Boykott-Bewegung: No Thanks App warnt vor Israel-Produkten

Berlin – Die „No Thanks“-App ruft dazu auf, keine Produkte von Unternehmen zu kaufen, die Israel „unterstützen“. Die App hat Aufmerksamkeit erregt, nachdem ein Video, das ihre Fähigkeiten demonstriert, auf verschiedenen Social-Media-Plattformen viral ging. Daraufhin berichteten auch deutsche Medien darüber, darunter etwa die Deutsche Welle. Die „No Thanks“-Boykottliste umfasst auch Lebensmittelmarken und Supermärkte. Die Nutzung der App scheint simpel: Die Nutzer können den Barcode eines Produkts scannen oder seinen Namen eingeben, und innerhalb von Sekunden wird ihnen mitgeteilt, in welchem Umfang der Hersteller „Israel unterstützt“. Dann wird „No Thanks“ angezeigt – ein Appell, bestimmte Produkte nicht zu kaufen. Videos auf TikTok und X zeigen, dass unter anderem Unternehmen wie Coca-Cola und Nescafé aufgelistet sind. Die App wurde am 13. November eingeführt und bisher über eine Millionen Mal heruntergeladen. Kommentare in den sozialen Medien lassen darauf schließen, dass Menschen auf der ganzen Welt an der App interessiert sind.

SWR trennt sich von Helen Fares wegen No Thanks App

Der SWR trennte sich vor einigen Wochen von der Moderatorin Helen Fares weil sie auf Instagram die App empfohlen hatte. Der SWR schreibt in einer Pressemitteilung, Fares habe mehrfach auf ihrem privaten Social-Media-Account „extreme politische Positionen“ geäußert. Damit sieht der SWR die „Pflicht zur Neutralität“ verletzt. Für den SWR moderierte Fares das digitale Dialog-Format „MixTalk“. Fares wies in einem Video auf ihrem Instagram-Account den Vorwurf, ein Boykott Israels sei antisemitisch, zurück. Sie kritisierte den Sender scharf – weil er nicht standhaft sei gegen „Rechts“. Sie habe ihren Job nicht wegen dem verloren, was sie sagte, sondern „weil der SWR nicht damit umgehen konnte, dass Hunderte von Rechten in Briefen meine Entlassung gefordert haben“, sagt sie in dem kurzen Clip auf Englisch. Dabei sollte der SWR doch die Meinungsfreiheit schützen.

Die BDS Bewegung

Vor bereits fast 20 Jahren wurde die BDS Kampagne (Boycott, Divestment and Sanctions) ins Leben gerufen. Die BDS Bewegung ist eine transnationale politische Kampagne, die den Staat Israel wirtschaftlich, kulturell und politisch isolieren will, um ihre im Jahr 2005 beschlossenen Ziele durchzusetzen: Israel müsse die „Okkupation und Kolonisierung allen arabischen Landes“ beenden, das „Grundrecht seiner arabisch-palästinensischen Bürger auf volle Gleichheit“ anerkennen und „das Recht der palästinensischen Flüchtlinge auf eine Rückkehr in ihre Heimat und zu ihrem Eigentum gemäß UN-Resolution 194 schützen und fördern.“ 171 palästinensische Organisationen unterzeichneten diesen Aufruf; viele Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Prominente unterstützen ihn. BDS ist heute eine lebendige globale Bewegung, die sich aus Gewerkschaften, akademischen Vereinigungen, Kirchen und Basisbewegungen in aller Welt zusammensetzt. Seit ihrem Start im Jahr 2005 hat BDS eine große Wirkung und fordert die internationale Unterstützung für die israelische Apartheid und den Siedlerkolonialismus wirksam heraus. Auf ihrer Webseite schreibt die Bewegung: „Seit 1948 hat Israel den Palästinensern ihre Grundrechte verweigert und sich geweigert, das Völkerrecht einzuhalten. Israel hält ein Regime von Siedlerkolonialismus, Apartheid und Besatzung über das palästinensische Volk aufrecht. Dies ist nur möglich, weil es international unterstützt wird. Die Regierungen versäumen es, Israel zur Rechenschaft zu ziehen, während Unternehmen und Institutionen in aller Welt Israel bei der Unterdrückung der Palästinenser helfen. Da die Machthaber sich weigern, etwas gegen dieses Unrecht zu unternehmen, hat die palästinensische Zivilgesellschaft zu einer weltweiten Solidaritätsaktion mit dem palästinensischen Kampf für Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit aufgerufen.“ Der Konflikt zwischen Israel und der Hamas ist drastisch eskaliert, seit die Hamas am 7. Oktober Israel angriff und dabei 1 200 Menschen ums Leben kamen. Nach Angaben des von der Hamas geführten Gesundheitsministeriums wurden auf palästinensischer Seite seit dem 7. Oktober über 35.000 Menschen, meist Frauen und Kinder, durch den israelischen Beschuss von Zielen im Gaza-Streifen getötet.      

Gaza-Krieg
Helfer getötet: Belgien beruft israelischen Botschafter ein

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Brüssel – Abdallah Nabhan und Mitglieder seiner Familie starben in der Nacht nach einem israelischen Luftangriff in der Stadt Rafah im südlichen Gazastreifen, wie die belgische Entwicklungsagentur Enabel am Donnerstag mitteilte. Die belgische Außenministerin Hadja Lahbib hat nach dem Tod von Nabhan den israelischen Botschafter einbestellt. „Die Bombardierung ziviler Gebiete und der Bevölkerung verstößt gegen das Völkerrecht. Ich lade den israelischen Botschafter ein, um diesen inakzeptablen Akt zu verurteilen und Erklärungen zu verlangen“, sagte sie in einem Beitrag auf X. Enabel sagte, dass Nabhan, dessen Vater, Bruder, Nichte und Sohn ebenfalls bei dem Angriff getötet wurden, auf der Liste der Personen stand, die den Gazastreifen verlassen dürfen. Enabel:
Abdallah Nabhan war ein sehr engagierter und geschätzter Kollege. Er kam im April 2020 zu Enabel als Referent für Unternehmensentwicklung im Rahmen eines europäischen Projekts, das Kleinunternehmen im Gazastreifen dabei unterstützt, umweltfreundlich zu produzieren, und das mit einem Projekt der belgischen Entwicklungszusammenarbeit verknüpft ist, das jungen Menschen bei der Arbeitssuche hilft.
  „Was wir seit langem befürchtet haben, ist nun Realität geworden. Dies ist eine schreckliche Nachricht“, sagte die belgische Ministerin für Entwicklungszusammenarbeit Caroline Gennez in einer Erklärung.
„Ich möchte der Familie und den Freunden von Abdallah, seinem Sohn Jamal, seinem Papa, seinem Bruder und seiner Nichte sowie allen Mitarbeitern von Enabel mein tiefstes Beileid aussprechen. Unsere Herzen sind heute wieder einmal gebrochen“.
„Der Anschlag gestern Abend hat mindestens sieben Menschen das Leben gekostet und viele andere wurden verletzt“, fügte sie hinzu. Jean Van Wetter, CEO von Enabel, sagte in einer Erklärung: „Dies ist ein weiterer eklatanter Verstoß Israels gegen das humanitäre Völkerrecht. Als Direktor einer belgischen Agentur und ehemaliger humanitärer Helfer kann ich nicht akzeptieren, dass dies so lange ungestraft weitergeht.“ Er fügte hinzu: „Es ist tragisch, dass unschuldige Zivilisten diesem Konflikt zum Opfer fallen. Wir müssen alles tun, was wir können, um die Gewalt zu beenden“. Anfang dieses Monats gab Israel zu, dass seine Armee sieben Mitarbeiter der in den USA ansässigen Lebensmittelhilfsorganisation World Central Kitchen getötet hat. Dieser Angriff löste einen weltweiten Aufschrei über die Kriegstaktik der israelischen Streitkräfte aus, der nach Angaben der Gesundheitsbehörden im Gazastreifen mehr als 34.000 Menschen zum Opfer gefallen sind. Israel hat bisher weder geleugnet noch die Verantwortung für den Anschlag übernommen. Das israelische Presseamt lehnte eine sofortige Stellungnahme ab.

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Der Sender bestätigte, dass Netanjahu den britischen und den deutschen Außenminister während ihres Besuchs in Israel gebeten hat, zu intervenieren.

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