Wirtschaft
Türkei: Einkaufszentren erreichen Rekordumsatz von 59 Mrd. Dollar

Ankara – Der Einzelhandelssektor in der Türkei bleibt eine der wichtigsten Säulen der nationalen Wirtschaft und ein Motor für städtische Entwicklung sowie Beschäftigung. In einem wirtschaftlich herausfordernden Umfeld fungieren Einkaufszentren (AVMs) nicht nur als Handelsplätze, sondern als soziale Knotenpunkte, die maßgeblich zum Bruttoinlandsprodukt beitragen. Der Shopping-Center-Sektor in der Türkei hat das Jahr 2025 mit Rekordwerten abgeschlossen, berichtet Bloomberg. Laut dem aktuellen Jahresbericht der Shopping Centers and Investors Association (AYD) erwirtschafteten die landesweit 445 Einkaufszentren (AVMs) einen Gesamtumsatz von 59 Milliarden Dollar. Während im Jahr 2025 vier neue Zentren eröffnet wurden, ist für das Jahr 2026 die Eröffnung von fünf weiteren Standorten geplant.

Effizienzsteigerung und wirtschaftliche Einordnung

Ein zentrales Merkmal der aktuellen Entwicklung ist der drastische Anstieg der Flächenproduktivität. Der durchschnittliche Umsatz pro Quadratmeter stieg in der Türkei um 30 % auf 191.803 TL ($4.849,63). Branchenvertreter, darunter AYD-Präsident Nuri Şapkacı, wiesen darauf hin, dass sich die Umsatzeffizienz seit dem Jahr 2020 damit etwa um das 17-fache erhöht hat. Das stärkste Wachstum verzeichnete dabei die Kategorie Bekleidung mit einem Plus von 35 %, gefolgt vom Technologiesektor mit 31 %. Um diese massiven Umsatzsprünge einzuordnen, muss die spezifische ökonomische Lage der Türkei berücksichtigt werden. Die anhaltende Inflation und die Volatilität der Türkischen Lira gegenüber dem US-Dollar haben dazu geführt, dass die nominalen Preise für Konsumgüter stark gestiegen sind. Dies spiegelt sich unmittelbar in den Indexwerten wider. Dennoch zeigt der Umsatz von 59 Milliarden Dollar auf Dollar-Basis, dass der Sektor trotz der Währungsentwicklung eine beachtliche reale Kaufkraft bündelt und seine Resilienz unter Beweis stellt.

Besucherrückgang und verändertes Konsumverhalten

Trotz des massiven Umsatzwachstums verzeichnete der Sektor einen Rückgang des Besucherindex um 3 %. Dies deutet auf ein verändertes Konsumentenverhalten hin: Besucher kommen zwar seltener in die Einkaufszentren, geben jedoch pro Besuch deutlich mehr Geld aus. Experten beobachten hierbei den Trend zum „gezielten Einkauf“ (Purpose Shopping). Anstatt die Zentren lediglich zum Bummeln aufzusuchen, steuern Konsumenten die AVMs mit einer festen Kaufabsicht an, was die Konversionsrate innerhalb der Geschäfte trotz geringerer Frequenz erhöht.

Regionales Gefälle: Warum Anatolien Istanbul überholt

Die Daten zeigen zudem ein deutliches regionales Gefälle bei der Wachstumsdynamik. Während der Umsatzindex in Istanbul um 25 % zulegte, verzeichnete Anatolien mit einem Zuwachs von 35,3 % ein deutlich stärkeres Marktwachstum. Diese Entwicklung lässt sich durch mehrere Faktoren erklären. In den anatolischen Provinzen findet derzeit eine nachholende Urbanisierung statt. Während der Markt in der Metropole Istanbul weitgehend gesättigt ist, bieten anatolische Städte noch erhebliches Potenzial für neue Einzelhandelskonzepte. Zudem sorgt die Dezentralisierung der Industrie dafür, dass die Kaufkraft in Städten wie Ankara, Izmir, Bursa oder Gaziantep überproportional ansteigt.

Ausblick: Expansion im Jahr 2026

Trotz der Verschiebung hin zum E-Commerce bleibt der physische Handel in der Türkei ein Wachstumsmarkt. Die Branche blickt optimistisch auf das laufende Jahr. Die geplanten fünf Neueröffnungen für 2026 konzentrieren sich strategisch auf aufstrebende Regionen, um die lokale Nachfrage zu bedienen und die Marke von 450 Standorten landesweit zu überschreiten. Diese Investitionen unterstreichen das Vertrauen der Investoren in die langfristige Stabilität des türkischen Einzelhandels.
AUCH INTERESSANT

– Wirtschaft – Türkei: Exporte erreichen 2025 einen Allzeitrekord

Die Türkei hat im Jahr 2025 einen neuen Exportrekord aufgestellt: Mit einem Volumen von 396 Milliarden US-Dollar übertrafen die Ausfuhren alle bisherigen Werte.

Türkei: Exporte erreichen 2025 einen Allzeitrekord

Iran-Krieg
Abbas Araghchi: „Wir haben diesen Krieg nicht begonnen“

0
Teheran – Der iranische Außenminister Abbas Araghchi erklärte in einem Interview, dass die jüngsten US-israelischen Luftangriffe auf die Inseln Kharg und Abu Musa vom Territorium der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) aus durchgeführt wurden. Laut Araghchi wurden für die Angriffe HIMARS-Raketensysteme mit geringer Reichweite eingesetzt.

Details zu den Abschussorten

Die Angriffe wurden laut iranischen Erkenntnissen von zwei Standorten in den VAE aus gestartet: aus Ras Al Khaimah sowie von einem Ort in unmittelbarer Nähe der Stadt Dubai. Araghchi bezeichnete es als „äußerst gefährlich“, dass dicht besiedelte Gebiete für den Abschuss von Raketen genutzt werden. Er kündigte Vergeltung an, betonte jedoch, dass der Iran vorsichtig agieren werde, um seinerseits keine bevölkerten Gebiete anzugreifen.

Drohungen gegen US-Unternehmen

Gegenüber der Nachrichtenagentur Tasnim präzisierte Araghchi die Art der Vergeltung: Sollten iranische Energieanlagen ins Visier genommen werden, werde der Iran Einrichtungen amerikanischer Unternehmen in der Region oder Unternehmen, an denen die USA Anteile halten, angreifen. Die Insel Kharg ist für den Iran von strategischer Bedeutung, da schätzungsweise 90 % der iranischen Ölexporte über diese Insel abgewickelt werden. Laut US-Angaben galten die Angriffe der Luftverteidigung, einem Marinestützpunkt, einem Flughafenturm und einem Hubschrauberhangar; die Ölinfrastruktur sei nicht beschädigt worden.

Lage in der Straße von Hormus und weitere Gefechte

Zur Situation in der Straße von Hormus erklärte Araghchi, dass diese lediglich für Tanker und Schiffe der „Feinde Irans“ und deren Verbündete gesperrt sei. Andere Schiffe könnten die Meerenge weiterhin frei passieren. Unterdessen halten die Kämpfe in mehreren iranischen Städten an: Isfahan: Berichten von Al Jazeera zufolge wurden bei Angriffen mindestens 15 Personen getötet. Teheran: Die Revolutionsgarden (IRGC) gaben an, eine Drohne über der Hauptstadt abgeschossen zu haben. Trotz US-Behauptungen betont das IRGC, dass die iranische Marine voll einsatzbereit bleibe.

Hintergrund und Reaktionen

Araghchi bezeichnete den am 28. Februar begonnenen Krieg als eine dem Iran aufgezwungene, unprovozierte und illegale Aggression. Seit Beginn der Offensive seien mehr als 1.400 Zivilisten getötet worden. „Wir haben diesen Krieg nicht angefangen“, sagte er gegenüber Medien. Militärexperten wie Seth Krummrich äußerten sich überrascht über die iranische Verteidigungsfähigkeit und die effektive Nutzung von Geheimdienstinformationen und Satellitenbildern gegen US-Stützpunkte.

Warnungen vor nuklearer Eskalation in den USA

Innerhalb der Trump-Administration mehren sich kritische Stimmen. David Sacks, Trumps Berater für KI und Krypto, forderte im All-In-Podcast einen schnellen Ausstieg („Off-Ramp“) aus dem Konflikt. Er warnte eindringlich vor den Konsequenzen weiterer Angriffe auf die Infrastruktur und nannte dabei explizit die Gefahr eines Atomkrieges. Sacks kritisierte zudem eine Fraktion innerhalb der Politik: „Man sieht eine Gruppe von Menschen, ich würde sagen größtenteils, aber nicht ausschließlich in der Republikanischen Partei, die den Krieg eskalieren wollen“, so Sacks. Er warnte, dass weitere Treffer an iranischer Energieinfrastruktur dazu führen könnten, dass der Iran seinerseits die Öl- und Gasinfrastruktur in den Golfstaaten angreift, was ein weitaus schlimmeres Ergebnis wäre.

Türkei
Staatsakt in Istanbul: Details zur Beisetzung von Prof. Dr. İlber Ortaylı veröffentlicht

0
Istanbul – Nach der Nachricht über den Tod von Prof. Dr. İlber Ortaylı, der am Freitag im Alter von 78 Jahren in einem Istanbuler Krankenhaus verstarb, hat die Familie nun die Details zu den Abschiedszeremonien bekannt gegeben. Die Türkei bereitet sich darauf vor, einen ihrer größten Historiker mit einem Staatsakt zu ehren.

Trauerfeier in Istanbul

Der Tag beginnt um 11:00 Uhr mit einer Gedenkfeier an der Galatasaray-Universität. Das anschließende Totengebet wird nach dem Nachmittagsgebet in der Fatih-Moschee abgehalten. Die Wahl dieses geschichtsträchtigen Ortes unterstreicht Ortaylıs lebenslanges Engagement für die Erforschung und Vermittlung der osmanischen und Weltgeschichte. Er galt als Brückenbauer zwischen den Kulturen und als einer der profiliertesten Experten für Diplomatie- und Kulturgeschichte.

Letzte Ruhe neben seinem Mentor

Im Anschluss an das Gebet wird der Leichnam zum Friedhof der Fatih-Moschee (Fatih Camii Haziresi) überführt. Dort wird Ortaylı auf dem Ehrenfriedhof beigesetzt – in unmittelbarer Nähe seines Lehrers und Mentors Halil İnalcık, dem „Sheikh der Historiker“. Es wird erwartet, dass neben der türkischen Staatsspitze auch zahlreiche internationale Delegationen, Historiker aus aller Welt sowie tausende seiner ehemaligen Studenten an der Zeremonie teilnehmen werden.

Ein Leben für die Wissenschaft

Prof. Dr. İlber Ortaylı wurde am 21. Mai 1947 in Bregenz, Österreich, geboren und kam im Alter von zwei Jahren in die Türkei. Er war ein Universalgelehrter, der nach seinem Studium in Ankara, Wien und Chicago weltweit lehrte – von Paris über Oxford bis Princeton. Neben seiner akademischen Laufbahn, die ihn unter anderem an die Spitze des Topkapı-Palast-Museums führte, erreichte er durch seine zahlreichen Bücher und Medienpräsenz Millionen von Menschen und prägte das Geschichtsverständnis ganzer Generationen nachhaltig. Sein Tod am 13. März 2026 markiert das Ende einer Ära. Wie seine Familie in einer ersten Stellungnahme betonte, blieb sein Wissensdurst und sein Wunsch, mit Menschen zusammen zu sein, trotz seiner schweren Krankheit bis zuletzt ungebrochen.  

Gastkommentar
Dr. Heß warnt vor Befürwortung gezielter Tötungen im Spiegel

Ein Gastkommentar von Dr. Michael Reinhard Heß Spiegel-Chefredakteur Dirk Kurbjuweit feiert den „gezielten Krieg“, durch den „einer wie Khamenei für seine ruchlose Politik bezahlen muss“, als „Fortschritt“. Denn es gehe den „Angreifenden“ „nicht mehr um viele Opfer“, „wie noch bei den Bombardierungen des Zweiten Weltkriegs, sondern um die richtigen“. Dank der modernen Technik hätten Bösewichte wie Khamenei keine sicheren Rückzugsorte mehr. Das klingt wunderbar. Der moderne Krieg, wie ihn Benjamin Netanjahu und sein Verbündeter Donald Trump vorführen, wird quasi zu einer chirurgisch präzisen Operation, leider noch, wie auch Kurbjuweit einräumt, mit ein paar Kollateralschäden unter „Unschuldigen“.

Das gefährliche Schweigen zum Völkerrecht

Die Menschheit ist vorangekommen. Wir leben einem neuen, glanzvollen Zeitalter der fast reibungs- und geräuschlosen Diktatorenbeseitigung. Man mag es zynisch finden, die nach einer Schätzung bereits am 4. März 2026 etwa 1000 durch die kombinierten Angriffe Israels und der USA getöteten iranischen Zivilisten als „nicht mehr viele“ zu klassifizieren, aber das ist nicht der fraglichste Aspekt von Kurbjuweits Zwischenruf. Ich habe Herrn Kurbjuweits Kommentar dreimal durchgelesen. Die Begriffe „Recht“ oder „Völkerrecht“ kommen darin nicht vor. Stattdessen untermauert er seine genussvolle Revue rezenter Völkerrechtsbrüche wie den Angriff auf Venezuela oder Iran mit historischen Aperçus zu Alexander dem Großen, den alten Römern, Gustav II. Adolf, Friedrich dem Großen (ein bisschen Glanz tut der Auflage gut), Napoleon, Wilhelm II. und, nationalité allemande oblige, Hitler. Alles aus Zeiten, zu denen es unser modernes Völkerrecht, die Genfer Konvention, die Erklärung der Menschenrechte und andere Errungenschaften noch nicht gab. Da besteht auch keine Gefahr, sich an den modernen Standards der Zivilisation messen lassen zu müssen.

Wenn Macht über Gerechtigkeit steht

Es geht mir nicht darum, Verbrecher wie Maduro oder Khamenei und ihre Komplizen zu verteidigen. Khamenei und seine Spießgesellen sind nichts anderes als erbärmliche und korrupte Mörder. Aber selbst für den Umgang mit Mördern gibt es – oder gab es bisher – Regeln, und zwar sowohl auf der nationalen wie auf der internationalen Ebene. Dass jemand ein psychopathischer, pädophiler Serienkiller, ein religiöser Soziopath, ein raffgieriger Raubmörder ist – ist dies allein soll schon Grund genug sein, ihn zu töten? Kurbjuweit weist im Zusammenhang mit Maduros Gefangennahme darauf hin, dass diese „zwar nicht in einem echten Krieg, aber in einer kriegerischen Situation“ erfolgt sei. Aha. Es fehlt dabei der Hinweis, dass diese „kriegerische Situation“ nicht von Maduro und den Seinen herbeigeführt wurde, sondern auf völkerrechtswidrige Weise von den USA. Kraft bricht Recht. Macht steht über Fragen. Gewalt enthebt der Verantwortung. Das ist die neue Weltkriegsordnung à la Kurbjuweit.

Die Erosion des Rechtssystems

Auch der Angriff auf Iran hat keine Grundlage im Völkerrecht, das zwar Krieg als Mittel zur Verteidigung, aber nicht zum Angriff vorsieht. Aber das spielt für Herrn Kurbjuweit auch keine Rolle, solange es um die Bekämpfung von Trägern „ruchloser Politik“ geht. Übertragen auf das deutsche Rechtssystem würde sich aus Kurbjuweits Denken eine sehr praktische und kostensparende Konsequenz für die Sicherheitsorgane ergeben. Statt Schwerstverbrecher zu verhaften, in langen Gerichtsverfahren zu verurteilen und dann lange und teuer zu inhaftieren, könnte man sie – die moderne Präzisionstechnik macht es möglich – doch kostensparend einfach „zum Ziel machen“ (das unfeine Wort „töten“ vermeidet Kurbjuweit auch in Bezug auf Khamenei).

Rückfall in die Barbarei

Das mächtige Medium Spiegel befeuert also kräftig den Abschied von der Kategorie des (internationalen) Rechts. Das ist ein populäres und populistisches Manöver, das sicher im Sinne vieler Zeitgenossen ist, vor allem auch vieler Iraner, die die elende Mullahkratie verständlicherweise einfach nur loswerden wollen, um jeden Preis. Aber dieser Populismus ist kurzsichtig und verderblich. Denn er setzt die Axt an das Einzige, was zivilisierte, freie und demokratische Gesellschaften von Autokratie und Barbarei trennt, nämlich das Recht. Wenn das Herbeiführen „kriegerischer Situationen“ und die Diagnose „ruchloser Politik“ schon ausreichen, um sich über Tötungsverbote und staatliche Souveränitätsgrenzen hinwegzusetzen, wo soll das enden? Zur Erinnerung: Donald J. Trump ist während seiner Amtszeit schon vor dem jetzigen Krieg zum Verantwortlichen zahlloser illegaler Tötungen geworden, indem er mutmaßliche Drogenhändler auf offener See einfach pulverisieren ließ. Was nun, wenn jemand auf den Gedanken käme, dies als Ausdruck „ruchloser Politik“ zu deuten, sodass man Trump der entsprechenden Behandlung zuführen könne, weil er ja zu den „richtigen“ gehörte? „Kriegerische Situationen“ hätte man ja auch schon.

Ein Plädoyer für die Rückkehr zum Recht

Da es in der Phantasiewelt von durch den „fortschrittlichen“ Krieg trunkenen Kommentatoren wie Herrn Kurbjuweit ja offensichtlich keine rechtlichen Hindernisse geben kann, was sollte denn noch daran hindern, den Chef des US-amerikanischen Regimes zum „Ziel“ „fortschrittlicher“ „Behandlung“ zu machen und ihn seinem „Schicksal“ zuzufügen? Der Weg, den Herr Kurbjuweit hier einschlägt, führt geradewegs ins Verderben, in die bellum omnia contra omnes-Höllen der voraufklärerischen Moderne oder zumindest in die Zeit, als die Welt noch nicht zum Ziehen von Konsequenzen aus dem deutschen Nationalsozialismus bereit war. Wir sollten diesen Weg auf keinen Fall weiter beschreiten, sondern, auch wenn es viel schwieriger ist, auf den Pfad des Rechts zurückkehren. Nicht um der Diktatoren willen, sondern unserer selbst willen, um der ganzen Menschheit willen.  
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.
ZUM AUTOR
PD Dr. Michael Reinhard Heß, geboren in Offenbach am Main, ist ein renommierter Turkologe, der an der Universität Frankfurt am Main Geschichte, Turkologie, Islamkunde und Griechische Philologie studierte. Nach seiner Promotion und Habilitation wirkt er seit 2005 als Privatdozent für Turkologie an der Freien Universität Berlin und hat über 130 wissenschaftliche Arbeiten verfasst, darunter Beiträge zur türkischen Literatur und Kulturgeschichte. Als Übersetzer und Gründer des Verlags Gulandot widmet er sich der Förderung türkischer Literatur in deutscher Sprache, etwa durch Werke zu Imadeddin Nasimi oder der kulturellen Bedeutung von Schuscha.
 

İlber Ortaylı died
Turkey Mourns Prof. Dr. İlber Ortaylı: Legendary Historian Passes Away at Age 78

0
Istanbul – Turkey has lost one of its most significant intellectuals. The renowned historian and author Prof. Dr. İlber Ortaylı passed away on Friday, March 13, 2026. He had been receiving medical treatment at Koç University Hospital for the past eight days. After his condition became critical on Sunday, he was transferred to the intensive care unit and intubated.

Background on Medical History

Details regarding his health condition became public shortly before his passing. His daughter, Tuna Ortaylı, shared information about the course of his illness on March 12, 2026. According to her, Ortaylı underwent prostate surgery in January. Following his discharge, however, complications related to this procedure emerged. Ortaylı also suffered from diabetes and kidney disease, which required him to undergo dialysis three times a week. Due to a weakened immune system, he was also receiving immunotherapy. Eight days ago, his condition flared up again, making inpatient admission necessary. Despite intensive medical efforts, the 78-year-old passed away on Friday morning.

Statements from the Family and Politicians

The family confirmed the loss via Ortaylı’s social media channel. The statement read:
„We lost İlber Ortaylı on March 13, 2026. Despite his long-lasting and increasingly complex health problems, his curiosity about life and his desire to be with people never diminished. He lived as he knew how, as much as his strength allowed. His readers, students, and loved ones surrounded him with a level of love and respect that few academics are ever granted. We feel a deep sense of gratitude on his behalf.“
Information regarding the funeral will be shared at a later date. Health Minister Kemal Memişoğlu also expressed his condolences, describing Ortaylı as a „historical genius“ and one of the country’s most exceptional values. He extended his sympathies to the family, his students, and the Turkish nation.

A Life Dedicated to Science: Who was İlber Ortaylı?

İlber Ortaylı was considered one of the most prominent experts in Ottoman history, diplomatic history, and cultural history. He was born on May 21, 1947, in Bregenz, Austria, as a child of a Crimean Tatar family. At the age of two, he emigrated to Türkiye with his family. He completed his primary and secondary education at the St. George’s Austrian High School in Istanbul and graduated from Ankara Atatürk High School in 1965. He completed his undergraduate studies in history at Ankara University in 1970. He was a student of great scholars such as Halil İnalcık and Şerif Mardin. His academic training took him to the University of Vienna, where he studied Slavic and Eastern European languages, as well as the University of Chicago, where he completed his Master’s degree under Halil İnalcık.

Academic Milestones and Political Engagement

Ortaylı earned his doctorate in 1974 at Ankara University’s Faculty of Political Sciences and attained the status of associate professor in 1979. In 1982, he resigned from his post in protest against political sanctions imposed on universities. During the following period, he taught and lectured worldwide, including in Vienna, Berlin, Paris, Princeton, Moscow, Rome, Oxford, and Cambridge. In 1989, he returned to Turkey, was appointed professor, and served as the head of the Department of Administrative History at Ankara University until 2002. Later, he taught at Galatasaray University, Bilkent University, and MEF University. From 2005 to 2012, he served as the director of the Topkapı Palace Museum before retiring due to age. In 2018, he became a consultant for the Ministry of Culture and Tourism. Alongside his academic career, he reached a broad audience through numerous books and media appearances, shaping the historical understanding of entire generations.
ALSO INTERESTING

– Guest Commentary – WSJ: „An Urgent Need to Contain Turkey

A guest commentary by Özgür Çelik on the debate in the Wall Street Journal about the strategic “containment” of Turkey and its new role in the Middle East.

WSJ: „An Urgent Need to Contain Turkey“

HISTORIKER ORTAYLI
Türkei trauert um Prof. Dr. İlber Ortaylı: Legendärer Historiker im Alter von 78 Jahren verstorben

Istanbul – Die Türkei hat einen ihrer bedeutendsten Intellektuellen verloren. Der renommierte Historiker und Autor Prof. Dr. İlber Ortaylı ist am heutigen Freitag verstorben. Er befand sich seit acht Tagen in ärztlicher Behandlung im Koç-Universitätskrankenhaus. Nachdem sein Zustand am Sonntag kritisch wurde, war er auf die Intensivstation verlegt und intubiert worden.

Hintergründe zur Krankheitsgeschichte

Details zu seinem Gesundheitszustand wurden kurz vor seinem Ableben bekannt. Seine Tochter, Tuna Ortaylı, hatte am 12. März 2026 Informationen über den Krankheitsverlauf geteilt. Demnach unterzog sich Ortaylı bereits im Januar einer Prostata-Operation. Nach seiner Entlassung traten jedoch Komplikationen auf, die mit diesem Eingriff im Zusammenhang standen. Ortaylı litt zudem an Diabetes und einer Nierenerkrankung, weshalb er dreimal wöchentlich zur Dialyse musste. Aufgrund einer Schwächung seines Immunsystems erhielt er zudem eine Immuntherapie. Vor acht Tagen verschlechterte sich sein Zustand erneut, was die stationäre Aufnahme notwendig machte. Trotz der intensiven medizinischen Bemühungen verstarb der 78-Jährige am Freitagmorgen.

Stellungnahmen der Familie und der Politik

Die Familie bestätigte den Verlust über Ortaylıs sozialen Medienkanal. In der Erklärung hieß es:
„Wir haben İlber Ortaylı am 13. März 2026 verloren. Trotz seiner lang anhaltenden und zunehmend komplexen gesundheitlichen Probleme verloren seine Neugier auf das Leben und sein Wunsch, mit Menschen zusammen zu sein, nie an Kraft. Er lebte, so gut er konnte, nach seinen eigenen Vorstellungen. Seine Leser, Studenten und Fans haben ihn mit einer Liebe und einem Respekt umgeben, wie sie kaum einem anderen Akademiker zuteilwerden.“
Informationen zur Beisetzung sollen zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben werden. Auch Gesundheitsminister Kemal Memişoğlu drückte sein Beileid aus und bezeichnete Ortaylı als „historisches Genie“ und einen der außergewöhnlichsten Werte des Landes. Er sprach der Familie, den Studenten und dem türkischen Volk sein Mitgefühl aus.

Ein Leben für die Wissenschaft: Wer war İlber Ortaylı?

İlber Ortaylı galt als einer der profiliertesten Experten für osmanische Geschichte, Diplomatiegeschichte und Kulturgeschichte. Er wurde am 21. Mai 1947 in Bregenz, Österreich, als Kind einer krimtatarischen Familie geboren. Im Alter von zwei Jahren emigrierte er mit seiner Familie in die Türkei. Seine schulische Laufbahn schloss er am Ankara Atatürk Gymnasium ab, nachdem er zuvor das Österreichische Gymnasium in Istanbul besucht hatte. Sein Studium der Geschichte an der Universität Ankara schloss er 1970 ab. Er war Schüler bedeutender Gelehrter wie Halil İnalcık und Şerif Mardin. Seine akademische Ausbildung führte ihn unter anderem an die Universität Wien, wo er slawische und osteuropäische Sprachen studierte, sowie an die University of Chicago, wo er seinen Master unter Halil İnalcık absolvierte.

Akademische Stationen und politisches Engagement

Ortaylı promovierte 1974 an der Fakultät für Politikwissenschaften der Universität Ankara und erlangte 1979 den Status des Dozenten. 1982 trat er aus Protest gegen politische Restriktionen an den Universitäten von seinem Amt zurück. In der folgenden Zeit lehrte und referierte er weltweit, unter anderem in Wien, Berlin, Paris, Princeton, Moskau, Rom, Oxford und Cambridge. 1989 kehrte er in die Türkei zurück, wurde zum Professor ernannt und leitete bis 2002 die Abteilung für Verwaltungsgeschichte an der Universität Ankara. Später unterrichtete er an der Galatasaray-Universität, der Bilkent-Universität und der MEF-Universität. Von 2005 bis 2012 leitete er das Topkapı-Palast-Museum, bevor er altersbedingt in den Ruhestand trat. 2018 wurde er Berater des Ministeriums für Kultur und Tourismus. Neben seiner akademischen Karriere erreichte er durch zahlreiche Bücher und Medienauftritte ein breites Publikum und prägte das Geschichtsverständnis ganzer Generationen.  
AUCH INTERESSANT

– Kommentar – Wall Street Journal: Die Türkei muss eingedämmt werden

Ein Gastkommentar von Özgür Çelik über die Debatte im Wall Street Journal zur strategischen „Eindämmung“ der Türkei und deren neue Rolle im Nahen Osten.

Wall Street Journal: Die Türkei muss eingedämmt werden

Iran-War
Comment: Israel Underestimated Hezbollah’s Striking Power

0
A Guest Commentary by Nabi Yücel How arrogant was the almost joyful proclamation of Israeli Prime Minister Benjamin Netanyahu: „We have lured Hezbollah into a strategic ambush and will now quickly crush them.“ However, Hezbollah in Lebanon is in better condition than expected by Israel, and there are no signs of a reduction in their striking power. On the contrary, Israel’s „enemies“ are now setting the pace and gaining the upper hand in the narrative. Compared to what happened last year and this evening in southern Lebanon and northern Israel; Hezbollah is in better condition than actually expected by Israel. There are no signs that Hezbollah has possessed a diminished striking power since the beginning of the Gaza war from 2023 to 2025. Even worse, the rocket arsenal is likely intact and, according to recent reports, comprises more than 10,000 rockets. It seems as if the leadership of Hezbollah, after the assassination of Iranian Ayatollah Ali Khamenei, deliberately decided to go to war against Israel. It is almost tragicomic that the Iranians and Hezbollah are now determining the pace of the war of aggression started by Israel and the USA themselves, and have threatened further escalations yesterday as well as this evening, while US President Donald Trump continues to speak of a ceasefire and Netanyahu nods along like a lapdog. The Israeli censorship regarding the extent of the destruction in Haifa, Tel Aviv, or the surroundings of Jerusalem, and the effectively ignored worldwide warning of an expansion of the escalation in the entire Middle East – with the exception of Friedrich Merz – only underline that the supposed „enemy“ now not only possesses the sovereignty of interpretation but also determines the tempo. No wonder, when they have a party in front of them that acts like clowns: A defense minister like the Israeli Israel Katz, who claims that this latest war of aggression is „unlimited in time,“ thereby actually reveals that he hasn’t got a clue about anything; that he possesses neither an understanding of security nor diplomatic skill or a strategy at hand. Anyone familiar with security knows that the constant mandate of war actually means conducting short campaigns that culminate in a victorious political step, which consolidates military successes and brings long-term security. War, therefore, needs no time limit; it rather needs an exit strategy and, above all, a defense minister for this purpose who does not act like a clown. But for two and a half years, this Israeli government has distinguished itself in only one thing: opening fronts – and getting stuck in them, only to open further fronts. Meanwhile, Israeli citizens live between alarm apps and shelters, and then even wonder why it doesn’t come to an end. Yet they have only received exactly what they ordered. Given this discrepancy, I now wonder how the Israeli population, which recently in a survey was still on the side of the government, now stands regarding these wars of occupation and aggression. How many more wars do Israel and the USA actually want to „win“ by K.O.? How many more „complete victories“ do they want to achieve and claim for themselves? By how many more decades do they want to throw the „enemy“ back, bomb them into the Stone Age, kill all their leaders and their successors, destroy their infrastructure piece by piece, amputate them from the waist down, and rob them of any motivation to even make a peep. I wonder how many more times this will happen before these morons realize that they have actually been defeated de facto.  
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.
 

Iran-Krieg
Kommentar: Israel hat die Hisbollah unterschätzt

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel Es wirkte überaus überheblich, wie der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu fast schon in Siegerpose verkündete: „Wir haben die Hisbollah in eine strategische Falle manövriert und werden sie nun in kurzer Zeit vernichten“. Doch die Hisbollah im Libanon präsentiert sich in einer weitaus stabileren Verfassung, als es von israelischer Seite kalkuliert worden war, und es existieren keinerlei Belege für eine Reduzierung ihrer militärischen Durchschlagskraft. Ganz im Gegenteil: Die Gegenspieler Israels geben mittlerweile den Rhythmus vor und erlangen die Kontrolle über das öffentliche Narrativ. Zieht man den Vergleich zu den Ereignissen des vergangenen Jahres sowie den Vorfällen am gestrigen Abend im Südlibanon und im Norden Israels, so zeigt sich die Hisbollah in einer deutlich robusteren Form, als Israel es tatsächlich angenommen hatte. Es gibt keine Indizien, die darauf hindeuten würden, dass die Hisbollah seit dem Ausbruch des Gaza-Konflikts im Zeitraum von 2023 bis 2025 an operativer Stärke eingebüßt hat. Erschwerend kommt hinzu, dass ihr Raketenvorrat wohl unangetastet geblieben ist und nach neuesten Berichten über 10.000 Geschosse umfasst. Es macht den Anschein, als hätte die Führung der Hisbollah nach der Tötung des iranischen Ayatollah Ali Chamenei die bewusste Entscheidung getroffen, einen offenen Krieg gegen Israel zu führen. Es entbehrt nicht einer gewissen Tragikomik, dass die Iraner und die Hisbollah nun die Geschwindigkeit jenes Angriffskrieges diktieren, der ursprünglich von Israel und den USA initiiert wurde. Während sie Dienstag und am Mittwochabend mit weiteren Eskalationsstufen drohten, spricht US-Präsident Donald Trump beharrlich von einer Waffenruhe, was von Netanjahu wie von einem folgsamen Schoßhund durch Kopfnicken quittiert wird. Die israelische Informationskontrolle bezüglich der Zerstörungen in Haifa, Tel Aviv oder in der Umgebung von Jerusalem sowie die faktisch unbeachtete globale Mahnung vor einer Ausweitung der Spannungen im gesamten Nahen Osten – mit der Ausnahme von Friedrich Merz – verdeutlichen lediglich, dass der vermeintliche „Widersacher“ nun nicht nur die Meinungshoheit innehat, sondern auch das Tempo der Ereignisse bestimmt. Dies ist kaum verwunderlich, wenn man es mit Akteuren zu tun hat, die sich wie Marionetten in einer Manege präsentieren: Ein Verteidigungsminister wie der israelische Israel Katz, welcher behauptet, dieser aktuelle Angriffskrieg sei „zeitlich unbegrenzt“, macht damit im Grunde deutlich, dass er von der Materie überhaupt nichts versteht; dass ihm sowohl das Verständnis für Sicherheitsfragen als auch diplomatisches Feingefühl oder ein strategischer Plan fehlen. Jeder, der über Expertise im Bereich Sicherheit verfügt, weiß, dass das Prinzip der beständigen Kriegsführung eigentlich darauf abzielt, kurze militärische Operationen durchzuführen, die in einem erfolgreichen politischen Resultat enden, welches die militärischen Gewinne absichert und für dauerhafte Stabilität sorgt. Krieg benötigt demnach keine zeitliche Entgrenzung, sondern vielmehr eine Strategie für den Ausstieg und vor allem einen Verteidigungsminister für diesen Zweck, der sich nicht wie ein Clown gebärdet. Doch seit nunmehr zweieinhalb Jahren glänzt diese israelische Administration lediglich in einem Bereich: Neue Konfliktlinien zu ziehen – und darin stecken zu bleiben, nur um direkt die nächsten Fronten zu eröffnen. In der Zwischenzeit verbringen die israelischen Staatsbürger ihr Leben zwischen Warn-Apps und Bunkern und zeigen sich dann auch noch irritiert darüber, warum kein Ende der Gewalt in Sicht ist. Dabei haben sie exakt das erhalten, was sie durch ihr Handeln eingefordert haben. Ich stelle mir angesichts dieser enormen Kluft nun die Frage, wie die israelische Bevölkerung, die laut einer aktuellen Erhebung noch hinter der Regierung stand, gegenwärtig zu diesen Besatzungs- und Angriffskriegen eingestellt ist. Wie viele Konflikte beabsichtigen Israel und die USA eigentlich noch durch einen K.O.-Sieg „für sich zu entscheiden“? Wie viele „totale Siege“ wollen sie noch forcieren und als Erfolg verbuchen? Um wie viele Jahrzehnte soll der „Feind“ noch in der Entwicklung aufgehalten werden, wie oft will man ihn in die Steinzeit zurückbomben, sämtliche Anführer und deren Nachfolger liquidieren, ihre Infrastruktur schrittweise dem Erdboden gleichmachen, sie quasi von der Hüfte abwärts verstümmeln und ihnen jede Motivation nehmen, auch nur den geringsten Laut von sich zu geben. Ich frage mich ernsthaft, wie oft sich dieses Szenario noch wiederholen muss, bis diese Unfähigen begreifen, dass sie in der Realität bereits eine Niederlage erlitten haben.  
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.
AUCH INTERESSANT

– Kommentar – Wall Street Journal: Die Türkei muss eingedämmt werden

Ein Gastkommentar von Özgür Çelik über die Debatte im Wall Street Journal zur strategischen „Eindämmung“ der Türkei und deren neue Rolle im Nahen Osten.

Wall Street Journal: Die Türkei muss eingedämmt werden

Zero Waste Strategy
Turkey to Ban Single-Use Plastics by the End of the Year

0
Ankara – Turkey is preparing to ban a range of single-use plastic products. This move aims to reduce plastic pollution and support the country’s environmental sustainability goals. The regulation is being prepared by the Ministry of Environment, Urbanization and Climate Change and is expected to come into force by the end of this year. The draft regulation seeks to prohibit the sale and distribution of several commonly used single-use plastic items that contribute significantly to environmental pollution. Last year, the Ministry published the „2025-2028 National Circular Economy Strategy and Action Plan“ and the „Single-Use Plastics, Marine Litter and Microplastics Roadmap.“ In this context, preparations for the regulation—aimed at reducing the negative effects of single-use plastics, marine litter, and microplastics on the environment and ensuring compliance with the „EU Single-Use Plastics Directive“—have reached the final stage.

Scope of the Ban and Alternatives

The ban includes plastic forks, knives, spoons, chopsticks, plates, straws, beverage cups, stirrers, and cotton swabs with plastic stems. The proposal also targets food containers and beverage cups made from expanded polystyrene (EPS), commonly known as foam packaging. Authorities plan to encourage the use of environmentally friendly alternatives such as glass, porcelain, wood, and cardboard products in place of plastic items. In the future, measures such as restrictions and marking are also aimed to be implemented to reduce the consumption of beverage cups and food containers made partially of plastic, cargo bags regardless of size and weight, wet wipes, and wet surface cleaning towels.

Environmental Goals and Expected Impact

This initiative forms part of Türkiye’s broader environmental strategy under the Zero Waste Movement (Sıfır Atık), which focuses on reducing waste generation and increasing recycling rates across the country. The government has already introduced a deposit return system to promote the recycling of beverage packaging. Officials estimate that eliminating these single-use plastics from the market could prevent approximately 1.5 million tons of carbon dioxide equivalent emissions annually. At the same time, nearly 1.5 billion Turkish lira could be saved in waste management costs. Statistics on Plastic Consumption Data from the Turkish Statistical Institute (TÜİK) show that Türkiye consumed 709,348 tons of single-use plastic products in 2022. The detailed breakdown for 2022 includes:
  • 2,858 tons of cotton swab sticks
  • 32,406 tons of cutlery (forks, spoons)
  • 25,584 tons of plates
  • 10,234 tons of straws
  • 5,117 tons of plastic stirrers
  • 63,000 tons of food containers
  • 120,000 tons of plastic cups
  • 155,935 tons of plastic beverage bottles
Consumption has continued to increase in subsequent years.

Alignment with European Regulations

The regulation is intended to align Türkiye’s environmental policies with the European Union’s Single-Use Plastics Directive adopted in 2019. Several European countries have already implemented similar restrictions: France: Has banned many single-use plastic products nationwide and achieved comprehensive bans and high recycling targets that go beyond the EU directive. Germany: Transferred the directive’s provisions almost one-to-one into national law, requests reporting from producers, and supports environmental projects through financial mechanisms such as the „Single-Use Plastics Fund.“ Spain: Implemented sales bans on single-use plastics and encourages sustainable materials through incentives like a tax of 0.45 euros per kilogram on plastic packaging. Netherlands: Started charging for certain single-use products in 2023 and has been phasing out the sale of some items since 2024. Ireland: Plans to go beyond the directive by banning wet wipes and single-use service products, as well as a consumption tax on cups („latte levy“). Italy: Applies the basic bans but creates alternative solutions for food packaging through exemptions for compostable plastics (EN 13432). Greece: Banned single-use products in the public sector. Estonia, Latvia, Poland, Slovenia, and Finland: Are working to fully transpose the directive into national laws or implement remaining points.

Public Opinion and Survey Results

A survey conducted during the preparation of the regulation by TÜİK and the Ministry indicates strong public support:
  • 77.65% of respondents support reducing the use of single-use plastics in daily life (9.99% do not support).
  • 72.52% support buying fewer single-use plastic products (11.68% did not agree).
  • 76.40% find it useful to restrict the use of certain products such as straws, plates, cutlery, and cups.
  • 60.02% support banning these products altogether.
  • 78.71% support the use of alternative products like paper, cardboard, and wood if single-use plastics are restricted or banned.
  • 80.12% support moving toward durable products such as metal, porcelain, and ceramics.
The draft regulation is expected to be opened for consultation with public institutions, civil society organizations, and industry representatives in the coming days. After incorporating feedback, authorities plan to finalize the regulation and implement it by the end of the year.

„Zero Waste“-Strategie
Türkei: Einwegplastik soll verboten werden

0

Ankara – Die Türkei bereitet ein umfassendes Verbot zahlreicher Einweg-Plastikprodukte vor, um die Umweltverschmutzung zu reduzieren und Nachhaltigkeitsziele zu unterstützen.

Die entsprechende Verordnung des Ministeriums für Umwelt, Urbanisierung und Klimawandel soll bis Ende 2026 in Kraft treten. Grundlage hierfür sind die im vergangenen Jahr veröffentlichte „Nationale Strategie und der Aktionsplan für die kreislauforientierte Wirtschaft 2025-2028“ sowie die Roadmap für Einwegkunststoffe, Meeresabfälle und Mikroplastik.

Das Verbot umfasst den Verkauf und Vertrieb häufig genutzter Artikel wie Gabeln, Messer, Löffel, Essstäbchen, Teller, Strohhalme, Getränkebecher, Rührstäbchen und Wattestäbchen mit Kunststoffschaft.

Ebenfalls betroffen sind Lebensmittelbehälter und Getränkebecher aus expandiertem Polystyrol (EPS), bekannt als Styropor. Als Ersatz werden umweltfreundliche Alternativen aus Glas, Porzellan, Holz und Karton gefördert.

Wirtschaftliche und ökologische Auswirkungen

Die Maßnahme ist Teil der nationalen „Zero Waste“-Strategie unter dem Depozito-Managementsystem. Schätzungen zufolge können durch das Verbot jährlich Emissionen von rund 1,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalent vermieden werden. Zudem sollen etwa 1,5 Milliarden Türkische Lira an Abfallmanagementkosten eingespart werden.

Daten des Türkischen Statistikinstituts (TÜİK) belegen die Dringlichkeit: Im Jahr 2022 wurden in der Türkei insgesamt 709.348 Tonnen Einweg-Plastikprodukte verbraucht. Darunter befanden sich 155.935 Tonnen Plastikflaschen, 120.000 Tonnen Becher, 63.000 Tonnen Lebensmittelbehälter, 32.406 Tonnen Besteck, 25.584 Tonnen Teller, 10.234 Tonnen Strohhalme, 5.117 Tonnen Rührstäbchen und 2.858 Tonnen Wattestäbchen. Der Verbrauch stieg in den Folgejahren weiter an.

Anpassung an internationale Standards

Die Neuregelung orientiert sich an der EU-Richtlinie über Einwegkunststoffe von 2019. Damit gleicht die Türkei ihre Umweltpolitik an europäische Standards an.

Länder wie Frankreich, Deutschland und Spanien haben bereits ähnliche Restriktionen umgesetzt. Während Deutschland die Vorgaben fast vollständig in nationales Recht überführte, fordern sie Berichte von Herstellern und unterstützen Projekte über einen Einwegkunststofffonds. Spanien führte zusätzlich eine Steuer auf Kunststoffverpackungen pro Kilogramm ein.

Die Niederlande begannen 2023 mit Gebühren und schafften Produkte 2024 schrittweise ab. Irland plant Steuern auf Becher („Latte Levy“) und Verbote für Feuchttücher. Italien setzt auf Ausnahmen für kompostierbare Kunststoffe nach EN 13432, und Griechenland verbot Einwegprodukte bereits im öffentlichen Dienst. Estland, Lettland, Polen, Slowenien und Finnland befinden sich im Umsetzungsprozess.

In einem weiteren Schritt plant das Ministerium in der Türkei Maßnahmen zur Reduzierung von Bechern und Behältern, die teilweise aus Kunststoff bestehen, sowie Einschränkungen für größen- und gewichtsunabhängige Versandtaschen, Feuchttücher und Reinigungstücher.

Breite Unterstützung in der Bevölkerung

Eine Untersuchung des Ministeriums und TÜİK zeigt einen starken Rückhalt. 77,65 % der Befragten befürworten eine Reduzierung von Einwegkunststoffen im Alltag (9,99 % lehnen dies ab). 72,52 % unterstützen den Kauf von weniger Einwegplastik (11,68 % lehnen dies ab).

Während 76,40 % die Einschränkung von Produkten wie Strohhalmen und Besteck als nützlich empfinden, unterstützen 60,02 % ein vollständiges Verbot. Zudem gaben 78,71 % an, bei Verboten auf Papier oder Holz auszuweichen, während 80,12 % die Nutzung von Mehrwegoptionen wie Metall oder Keramik befürworten. Der Verordnungsentwurf wird in den kommenden Wochen mit zivilgesellschaftlichen Organisationen und Branchenvertretern final abgestimmt.

AUCH INTERESSANT

– Umweltschutz – Neues Tüten-Gesetz der Türkei: „Jeder hat seine eigene Tasche dabei“

Schon in den ersten Tage nach Inkrafttreten der neuen Tüten-Gebühr, zeigt sich ein deutlicher Rückgang bei der Nutzung von Plastiktüten. Wie das Umweltministerium bekannt gab, sei der Verbrauch von Plastiktüten in manchen Supermärkten um bis zu 70 Prozent zurückgegangen.

Neues Tüten-Gesetz der Türkei: „Jeder hat seine eigene Tasche dabei“