Exodus 2.0
Immer mehr Israelis verlassen ihr Heimatland

Ein Gastkommentar von Michael Thomas Im Mittelalter war vieles einfacher. Da bestand die Welt aus „gut“ und „böse“, faktisch im Volk nicht vorhandener Bildung und den Machthabenden fiel es deshalb sehr leicht, ebenso Gutes zu Bösem zu erklären wie auch umgekehrt Böses zu Gutem. So konnte es etwa trotz der Zehn Gebote gelingen, Tausende von Frauen und sonstigen Missliebigen zu „Ketzern“ zu erklären und es als religiös erstrebenswert erscheinen zu lassen, sie auf Scheiterhaufen zu schleppen, wie auch Tausende von Frauen und Kindern in Jerusalem auf den Kreuzzügen, wie auch im eigenen Land im Dreißigjährigen Krieg abzuschlachten. Böse war gut. Ganz einfach. Manchmal funktioniert die Indoktrination nicht konsequent genug, und dann scheint plötzlich in Einzelnen ein Funke der Erinnerung auf, der die Realität wieder so erkennen lässt, wie sie tatsächlich ist. Da bemerken auf einmal Soldaten der israelischen Armee völlig entsetzt, dass sie sich selbst aufführen wie damals die Nazis und Menschen abschlachten, als seien diese die Juden des Holocaust. Ein genauso zutreffender wie faszinierender Gedanke. Die Matrix hat Löcher. (1) Nun bedarf es generell größerer Anstrengung, aus einem Menschen einen Mörder machen zu wollen. Jedes Militär kennt das Problem. Zumeist unterzieht man diese Menschen zunächst einer massiven Hirnwäsche, bei welcher das zu tötende Opfer jedes Menschsein verliert und auf die Stufe eines brutalen und gefährlichen Schädlings absenkt.
Israels Zionismus ist im Mittelalter angekommen
Das fällt in Israel durch den dort grassierenden Zionismus, der wie im Mittelalter die auch für Juden verbindlichen Zehn Gebote im Judentum umdenkt und das Tötungsverbot eliminiert, noch vergleichsweise leicht. Kinder werden mit einer Mischung aus Rassismus und Faschismus in einer Gesellschaft eingebettet erzogen, die aus Arabern „Schädlinge“, „Ungeziefer“, „Untermenschen“ und „Terroristen“ macht. Gerade das Wort „Terrorist“ steht in Israel als Synonym für Palästinenser und ist Alltags- und Umgangssprache. Aus diesem Grunde ist in Israel mit Mehrheiten von über 80 Prozent Konsens, dass man Gaza und Westjordanland gewissermaßen vom Befall ihrer rechtmäßigen Eigentümer reinigen müsse. Aber unter dem anwachsenden Druck, den immer mehr Nationen, immer mehr Presse und Menschen auf der Straße erzeugen, bedingt durch die herbe Niederlage im Krieg gegen Iran, beginnen diese Denkmuster Risse zu bekommen. Zwar wird, wie zu vermuten steht, das rassistisch-faschistische Narrativ nicht grundsätzlich in Zweifel gezogen, wohl aber seine Zukunftstauglichkeit und sein Heilsversprechen. Die vorgebliche Sehnsucht nach einem gereinigten Großisrael, in welchem nur sehr wenige, aber glückliche Palästinensersklaven dienen, ist den Umfragen zufolge ungebrochen zu finden und macht die Leute mehr oder weniger dazu bereit, für dies zum religiös angeblich gesegnet erklärten Ziel mit Grausamkeit und Brutalität vorzugehen. Man hat ihnen erfolgreich erklärt, dass sie anders kein Glück erfahren könnten, weil ihr Gott dies angeblich so verlange. Manchem von ihnen fehlt jedoch, ich meine dies jetzt völlig unironisch, die letztendliche Bereitschaft zur Aufopferung des eigenen Lebens, wenn aus dieser Sehnsucht aktiver Kampf und Krieg werden soll. Gerade die iranischen Raketen erweckten in ihnen die Idee, dass ihr eigenes Zuhause, ihre eigene Familie darin umkommen könnten. Israel hatte es bisher immer verstanden, im eigenen Land jedes Gefühl von Unsicherheit, Angst und Zweifel, jedes Bild von Zerstörung und Leid, brennenden Ruinen und getöteten Kindern zu verhindern. Krieg, das fand für Israelis immer irgendwo, weit entfernt und gewissermaßen als unwirklich wahrgenommene Realität statt. Das immer „gerechtfertigte“ Feuer traf ja immer nur „Terroristen“. Nur so ist auch zu erklären, dass das berühmte „Nova“-Musikfestival, von dem viele Besucher am 7. Oktober infolge des Hamasangriffs ums Leben kamen, dicht an der Blockadegrenze zu Gaza stattfinden konnte. Man blendete Gaza einfach aus. Das war nur ein grauer Fleck, auf den man manchmal Bomben warf. Bis die iranischen Raketen einzuschlagen begannen. Schon seit vielen Jahren gibt es die für Israel unangenehmen Bestrebungen vieler Staatsbürger, unter Vorwänden oder auch ganz offen das Land zu verlassen. (2) Einigen dämmerte es schon lange, dass der politische und militärische Kurs ihres Landes ein Tanz auf Messers Schneide und es nicht unmöglich sei, dass es eines Tages auch im eigenen Land dadurch zu Zusammenbrüchen, Zerstörungen, Mangelsituationen und Versorgungsengpässen kommen könne. Diverse Länder registrieren massive Zuzüge israelischer Bürger. Es soll, wie ich hörte, in Italien bereits ein Dorf geben, in dem man zweisprachig, italienisch/hebräisch eben, Läden beschildert. (3) Der Trend entwickelt sich für die israelische Demografie zum Fiasko. Schon seit Jahrzehnten registriert man argwöhnisch, dass die Geburtenrate jenseits der weiß-jüdischen Bevölkerung erheblich höher liegt und damit den mehrheitlichen Machtanspruch dieser „Rasse“ gefährdet. Es ist so, der amtierende Sportminister Israels, Miki Zohar, faselt tatsächlich öffentlich von der angeblichen Rasse. (4) Wenn jedoch nun ein Zionist den Kampfplatz Israel verlässt und sich irgendwo auf der Welt ansiedelt, hat er zugunsten seines Lebens den Zionismus aufgegeben. Er verstärkt die zu erwartende, demografische Niederlage. Tatsächlich muss sich der „jüdische Staat“ Israel selbst die Existenzfrage stellen, wenn irgendwann nur noch eine kleine Minderheit seiner Bürger dem jüdischen Glauben folgt. Niemand würde Israel auflösen, wohl aber dessen augenblickliches Selbstverständnis. Die Lage, in der eine verschwindend kleine, übriggebliebene Minderheit über eine überwältigende Mehrheit in jedem Fall würde herrschen wollen, wäre völlig absurd und abwegig. Der Trend zur Abwanderung ist weder marginal, noch für die Selbstidentifikation dieses Israels unbedeutend. Immerhin reagierte die Regierung gewissermaßen panisch, als sie im Krieg gegen Iran Zehntausende von Ausreiseanträgen auf den Tisch bekam. Sie schloss die Grenzen. Trotz diverser Anwerbeprogramme, die Israel in den letzten Jahrzehnten auflegte, konnte von einer Ausweitung der Bevölkerung keine Rede sein. Jeder dritte Franzose, der nach Israel zog, ging wieder zurück. In Kanada wandeln sich große Farmen zu Kibbuzen um, die ausgewanderte Israelis aufnehmen. Natürlich kann sich die Ausreise nur leisten, wer Geld hat. Und wer Geld hat, hat Bildung. Und wenn nur genug bedeutende Bildungsträger das Land verlassen, kann man von einem brain-drain sprechen. Unternehmen werden schließen müssen, die Wirtschaftskraft geht zurück. Schon jetzt registriert man an der zunehmend aggressiven, rassistischen und faschistischen Schreierei in der Knesset und auf den Straßen, siehe „Jerusalem-Tag“, eine breitflächig anwachsende Nervosität. Auch Göbbels schaltete damals rhetorisch einen Gang höher, als der Peak überschritten und das nahende Ende bereits sichtbar war. Da dieser aggressive und imperialistische Zionismus ohne das Geld und die Waffen seiner „Freunde“ nicht existieren kann, werden seine Tage gezählt sein. Europa und USA verbrauchen und ermüden sich längst an anderen, aufwendigen und zermürbenden Fronten, beide werden ihre extrem hohen Zuwendungen zurückfahren müssen. Allein in den USA gestaltet sich die Wirtschaftslage in diesem Augenblick ruinös und katastrophal. Niemand kann sagen, wie schnell sich die Entwicklung abspielen wird und wieviele Menschen dafür noch sterben müssen. Israel steht am Scheideweg zweier Möglichkeiten; es kann durch Gewalt, Krieg und Auszehrung zugrundegehen, oder einen radikalen Kurswechsel vornehmen. Es gibt eine Chance dafür, dass sich die israelischen und weltweiten Juden für ein neues Israel entscheiden und ein Land neu jenseits allen bewiesenen Irrsinns aufbauen könnten, das einmal darstellt, was es immer schon hätte sein können: ein sicherer Hafen, der eingedenk der sehr erfolgreichen und friedvollen Vergangenheit im Zusammenleben mit Muslimen eine neue Zukunft jenseits eines übergeschnappten Machtanspruchs darstellt. Und bestehen kann.
  1. https://www.facebook.com/share/p/19WAaXgVDh/
  2. https://www.middleeasteye.net/opinion/palestinians-are-massacred-staying-israelis-are-desperate-flee
  3. https://taz.de/Israelis-wandern-nach-Italien-aus/!6046819/
  4. https://www.timesofisrael.com/jewish-mk-to-arab-mk-the-jews-are-a-special-race/amp/

Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.

Zum Autor 

Michael Thomas ist Privatier, Fotograf, leidenschaftlich an Ägyptologie und Literatur interessiert, mit der er vor vielen Jahren als Autor regional einige Beachtung fand. Er verfolgt interessiert das Weltgeschehen durch Beobachtung internationaler Presse. Seinen Fokus legt er insbesondere auf die Palästinafrage und auf die islamische Welt.

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Glücksspiel
Woran erkennt man gute Online-Casinos?

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Online-Casinos sind längst fester Bestandteil der Freizeitgestaltung vieler Menschen. Doch die Auswahl an Anbietern ist riesig und nicht jeder hält, was er verspricht. Wer sich vor Betrug und Enttäuschungen schützen will, sollte wissen, woran man einen vertrauenswürdigen Anbieter erkennt. Dieser Artikel beleuchtet daher die wichtigsten Merkmale, die ein gutes Online-Casino auszeichnen.

Lizenzierung als Grundvoraussetzung

Seriöse Online-Casinos verfügen über eine gültige Lizenz einer anerkannten Glücksspielbehörde. Diese Lizenzen werden beispielsweise von Behörden in Malta, Gibraltar oder Schleswig-Holstein vergeben. Eine gültige Lizenz signalisiert, dass der Anbieter regelmäßige Kontrollen durchläuft und sich an strenge Vorgaben halten muss. Fehlt eine solche Lizenz oder ist sie schwer auffindbar, ist Vorsicht geboten. Transparenz in Bezug auf die Lizenzierung schafft Vertrauen und ist ein erstes Indiz für Seriosität. Diese aktuelle Woo Casino Bewertung beispielsweise verweist auf eine Lizenz aus Curacao.

Sicherheit und Datenschutz

Ein gutes Online-Casino legt großen Wert auf den Schutz persönlicher Daten. Verschlüsselungstechnologien wie SSL sorgen dafür, dass sensible Informationen nicht in falsche Hände geraten. Auch die Speicherung der Daten erfolgt unter hohen Sicherheitsstandards. Wer sichergehen möchte, sollte darauf achten, dass das Casino klare Angaben zum Datenschutz macht und diese leicht auffindbar sind. Zusätzlich bieten viele Anbieter die Möglichkeit, Limits für Einzahlungen oder Spielzeiten festzulegen, um verantwortungsvolles Spielen zu fördern.

Faire Spiele und geprüfte Zufallsgeneratoren

Ein weiteres Merkmal für ein gutes Online-Casino ist die Fairness der angebotenen Spiele. Diese wird durch unabhängige Prüforganisationen wie eCOGRA oder iTech Labs sichergestellt. Sie testen die Zufallsgeneratoren, die für die Ergebnisse der Spiele verantwortlich sind. Nur wenn diese Prüfstellen die Spiele als fair einstufen, kann man davon ausgehen, dass die Gewinnchancen nicht manipuliert werden. Transparente Angaben zu den Auszahlungsquoten, auch RTP (Return to Player) genannt, geben zusätzlich Aufschluss darüber, wie viel Prozent der Einsätze im Schnitt wieder an die Spieler ausgezahlt werden.

Breite Spielauswahl und namhafte Softwareanbieter

Ein gutes Online-Casino überzeugt durch eine abwechslungsreiche Auswahl an Spielen. Dazu gehören nicht nur klassische Automaten, sondern auch Tischspiele wie Roulette, Blackjack oder Poker. Die Zusammenarbeit mit bekannten Softwareentwicklern wie NetEnt, Microgaming oder Play’n GO spricht für Qualität. Diese Entwickler stehen für innovative Spiele mit ansprechender Grafik und fairen Gewinnchancen. Wer auf Vielfalt Wert legt, sollte darauf achten, dass regelmäßig neue Spiele hinzugefügt werden und auch Live-Casino-Angebote zur Verfügung stehen.

Transparente und schnelle Auszahlungen

Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Auszahlungspraxis. Gute Online-Casinos informieren offen über die Bedingungen für Auszahlungen und die Dauer der Bearbeitung. Lange Wartezeiten oder undurchsichtige Gebührenstrukturen sind ein Warnsignal. Viele Anbieter setzen auf moderne Zahlungsmethoden wie E-Wallets, Kreditkarten oder Sofortüberweisungen, um schnelle und unkomplizierte Transaktionen zu ermöglichen. Auch die Identitätsprüfung sollte klar geregelt sein, um Geldwäsche und Betrug vorzubeugen.

Kundenservice als Qualitätsmerkmal

Ein kompetenter und gut erreichbarer Kundenservice ist ein weiteres Zeichen für einen vertrauenswürdigen Anbieter. Gute Online-Casinos bieten verschiedene Kontaktmöglichkeiten wie E-Mail, Live-Chat oder eine telefonische Hotline. Die Reaktionszeit sollte möglichst kurz sein, damit bei Problemen oder Fragen schnell geholfen wird. Auch ein umfangreicher FAQ-Bereich zeugt davon, dass der Anbieter Wert auf Kundenzufriedenheit legt.

Nutzerfreundlichkeit und mobiles Spielen

Die Bedienbarkeit der Webseite spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Übersichtliche Menüs, eine intuitive Navigation und kurze Ladezeiten sorgen für ein angenehmes Spielerlebnis. Viele Anbieter haben inzwischen auch Apps oder optimierte Webseiten für mobile Endgeräte im Programm. So kann man auch unterwegs problemlos spielen, ohne auf Komfort verzichten zu müssen.

Seriosität durch positive Erfahrungsberichte

Nicht zuletzt lohnt sich ein Blick auf Bewertungen und Erfahrungsberichte anderer Nutzer. Plattformen und Foren bieten einen guten Überblick darüber, wie zufrieden andere Spieler mit dem jeweiligen Anbieter sind. Häufen sich Beschwerden über nicht ausgezahlte Gewinne oder schlechten Service, sollte man lieber Abstand nehmen. Positive Rückmeldungen zu schnellen Auszahlungen, freundlichem Support und fairen Bedingungen sprechen hingegen für ein gutes Online-Casino.

Fazit

Wer ein gutes Online-Casino sucht, sollte auf mehrere Faktoren achten: Eine gültige Lizenz, hohe Sicherheitsstandards, faire Spiele, eine breite Auswahl, transparente Auszahlungsbedingungen und ein zuverlässiger Kundenservice sind entscheidend. Erfahrungsberichte anderer Nutzer bieten zusätzliche Orientierung. So lässt sich das Risiko minimieren und das Spielvergnügen steht im Vordergrund.

Energie
Die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen wird weiter steigen

Von Craig Cameron

Nachdem Aktien aus der gesamten Lieferkette für Elektrofahrzeuge in den Jahren 2021 und 2022 stark in der Gunst der Anleger standen, haben sie sich in den letzten Jahren schwer getan, da die zuvor unfehlbare Umstellung auf Elektrofahrzeuge die Erwartungen nicht erfüllt hat.

Rückblickend betrachtet, führte ein günstiges Umfeld für Aktien aus dem gesamten Ökosystem der Elektrofahrzeuge zu hohen Bewertungen, die häufig auf überhöhte Preise in der Lieferkette zurückzuführen waren.

In den letzten zwei Jahren sind die Bewertungen deutlich gesunken. Die Zinssätze sind gestiegen, Margen und Preise sind unter Druck geraten, die Wachstumserwartungen wurden reduziert und die Gewinnschätzungen entsprechend nach unten korrigiert.

Die Nachrichtenlage in den letzten zwei Jahren war für Elektrofahrzeuge eher düster. In den USA wurde gleich am ersten Tag der Amtszeit von Präsident Trump die Streichung von Anreizen für Elektroautos verkündet. In Asien brachte das Jahr 2024 Bilder von riesigen Feldern unverkaufter Elektroautos in den Außenbezirken von Hangzhou und anderen chinesischen Städten.

In Europa gab es unterdessen öffentlichkeitswirksame politische Schritte zur Abschwächung von Anreizen, wie die Entscheidung der britischen Regierung, ihr Ziel, den Verkauf neuer Benzinautos zu verbieten, um fünf Jahre zu verschieben, und die Entscheidung der EU, den Automobilherstellern „Flexibilität“ in Bezug auf ihre Kohlenstoffemissionsziele für 2025 anzubieten.

Vielleicht ist dies keine Überraschung, nachdem Europa im Jahr 2024 die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen überhaupt nicht steigern konnte. Die Realität blieb hinter den Erwartungen zurück, und das weltweite Wachstum der E-Fahrzeuge verlangsamte sich von 33 % auf 24 %.

Durch die Hinwendung zu Hybridfahrzeugen und nicht zu reinen Elektroautos war dieses Wachstum auch weniger wirksam, sowohl im Hinblick auf die Emissionsreduzierung als auch auf die Auswirkungen auf Angebot und Nachfrage in der Wertschöpfungskette.

Die Nachfrage nach Batterien fiel schnell unter das Angebot, und die Lithiumpreise brachen von ihren Höchstständen im Jahr 2022 um mehr als 80 % ein. Die Anpassung der Investitionsausgaben hat einige Zeit in Anspruch genommen, und die laufende Umstellung war für die gesamte Wertschöpfungskette schwierig.

Die Entwicklung der Aktienkurse von Unternehmen, die an der Umstellung auf Elektrofahrzeuge beteiligt sind, ist eine deutliche Erinnerung daran, dass das Wachstum im Allgemeinen die Erwartungen übertreffen oder erfüllen muss, damit eine Investitionsthese funktioniert, insbesondere in eher standardisierten Märkten.

Darüber hinaus kann die Nachfrage in die Höhe schießen, ohne einen großen Shareholder-Value zu schaffen – eine Lektion, die auch die Solarbranche jedem Interessierten gerne erteilt. Selbst bei hohen Wachstumsraten kann ein Nachfragewachstum, das nicht mit dem Angebot Schritt hält, zu starkem Preisdruck und sinkenden Margen führen.

Mit Blick auf die Zukunft sind wir der festen Überzeugung, dass die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen weiter steigen wird.  Bei der Bewertung der damit verbundenen Anlagemöglichkeiten müssen wir uns jedoch darauf konzentrieren, wo die aktuellen Erwartungen liegen und was wir für diese Aktien bezahlen. Wir sind der Meinung, dass die derzeitige Situation attraktiv ist – die Erwartungen wurden zurückgeschraubt, und wir glauben, dass die Bewertungen das begrenzte Wachstum nicht berücksichtigen.

Verlangsamtes Wachstum außerhalb Chinas schafft Chancen für die Lieferkette

Der Automobilsektor entwickelt sich in zwei verschiedenen Regionen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten – China, dem mittlerweile weltweit größten Markt für Elektrofahrzeuge, und der Welt außerhalb Chinas. China ist weiterhin auf dem besten Weg, bis 2030 die 70%-Marke für Elektroautos zu überschreiten, nachdem es im 4. Quartal 2024 bereits 49% erreicht hat.

Der Absatz von Elektroautos, einschließlich voll batteriebetriebener Fahrzeuge und Hybride, stieg 2024 um 39% gegenüber 2023. Dies ist weitgehend auf die Verbraucher zurückzuführen, da der chinesische Markt von einer breiten Palette erschwinglicher Produkte profitiert.

Das Narrativ einer nachlassenden Nachfrage nach Elektrofahrzeugen spiegelt daher eher die Trends in Europa und den Vereinigten Staaten wider. Technologische Anlaufschwierigkeiten, sinkende Subventionen, Inflation und relativ unerschwingliche Preise für E-Fahrzeuge im Vergleich zu herkömmlichen Verbrennungsmotoren haben zu einem düsteren Bild einer schwächelnden Nachfrage nach E-Fahrzeugen außerhalb Chinas geführt.

Auch politische Veränderungen haben die Branche unter Druck gesetzt. Die Entscheidung Deutschlands, sein Förderprogramm für E-Fahrzeuge Ende 2023 zu beenden, war ein wichtiger Grund für die jüngste Verlangsamung, gefolgt von Kürzungen der Förderprogramme in Frankreich und Großbritannien. Damit bleiben Regulierung und Wettbewerbsfähigkeit die wichtigsten Hebel, um die Einführung von E-Fahrzeugen zu fördern.

Obwohl einige wenige Länder in Asien eindeutig den größten Einfluss auf die Produktion von Elektrofahrzeugen haben, ist die Lieferkette für Elektrofahrzeuge wirklich global. Sie unterscheidet sich in mehrfacher Hinsicht von den Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor.

E-Fahrzeuge mögen mechanisch einfacher sein und weniger Teile enthalten, aber die Art der Technologie macht die Massenproduktion recht schwierig. Die Batterieproduktion, die teuerste Komponente dieser Fahrzeuge, ist überwiegend in Ostasien angesiedelt.

Die für die Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien verwendeten Rohstoffe sind jedoch weltweit verstreut. Lithium wird vor allem in Australien und Südamerika abgebaut, Nickel in Indonesien und auf den Philippinen, und Kobalt in Zentralafrika. Nach dem Abbau und der Produktion werden diese Materialien nach China, Südkorea oder Japan geschickt, wo sie veredelt, verarbeitet und zur Herstellung von Kathoden und Zellen verwendet werden, bevor sie an die Hersteller von Elektrofahrzeugen weitergegeben werden.

Leistungshalbleiter werden hauptsächlich in Ostasien und in den Vereinigten Staaten hergestellt. Bei der Herstellung von Elektrofahrzeugen ist China nach wie vor führend, aber auch in Europa und den Vereinigten Staaten gibt es einige führende Hersteller.

Batteriehersteller drängen auf niedrigere Kosten

Innovationen zur Senkung der Batteriekosten sind von entscheidender Bedeutung für die Erschwinglichkeit von E-Fahrzeugen, da die Batterien der Hauptgrund für die Kostendifferenzierung sind. E-Auto-Batterien tragen erheblich zum Gesamtpreis des Fahrzeugs bei, auch wenn die Kosten gesunken sind.

Da viele der führenden Automobilhersteller Pläne zur Einführung neuer, kostengünstiger Modelle verfolgen, erwarten wir, dass die Batteriekosten weiter sinken werden. Dies dürfte sich erheblich auf die Rentabilität und Erschwinglichkeit von E-Fahrzeugen im Allgemeinen auswirken und die Akzeptanz fördern.

Damit E-Fahrzeuge die Kostenparität mit Verbrennungsmotoren erreichen können, ist es wichtig, die Energiedichte der Batterien zu erhöhen und den Herstellungsprozess zu optimieren, und hier sind die Hersteller von Batterien hervorragende Partner für die Automobilhersteller.

Während einige chinesische Batteriehersteller in Bezug auf Größe und Kosten führend sind, glauben wir, dass ein führender südkoreanischer Batteriehersteller erfolgreich Wettbewerbsvorteile in der Batteriechemie, der Großserienfertigung und der Integration der Lieferkette entwickelt hat.

Wir sehen auch vielversprechende erste Anzeichen eines indischen Batterieherstellers, der von der staatlich geförderten Nachfrage nach Elektrofahrzeugen profitiert und sich mit Automobilherstellern zusammengetan hat. Jüngste Ankündigungen von Großstädten, ihre öffentlichen Verkehrsmittel vollständig auf E-Fahrzeuge umzustellen, dürften dazu beitragen, die entstehende Batterieindustrie in einem Land anzukurbeln, das wahrscheinlich nicht auf importierte Produkte angewiesen ist.

Halbleiter entscheidend für die Elektrifizierung

Ein weiterer Faktor, der die Einführung von Elektroautos vorantreiben wird, sind Leistungshalbleiter, die dazu beitragen, Batteriestrom in Motoren im Fahrzeug umzuwandeln.

Ein führender Halbleiterhersteller, der davon möglicherweise profitieren könnte, erwirtschaftet inzwischen mehr als die Hälfte seines Umsatzes mit Leistungshalbleitern und ist damit besonders von der Einführung von Elektrofahrzeugen und industriellen Anwendungen betroffen.

Halbleiter und Sensoren in Elektrofahrzeugen werden eingesetzt, um den Stromverbrauch zu senken und die Effizienz und Sicherheit zu verbessern. Der Halbleiteranteil in Elektrofahrzeugen und Hybridfahrzeugen ist ähnlich, so dass die Nachfrageverschiebungen unserer Meinung nach neutral sein dürften. Die Produkte werden auch in industriellen Anwendungen, in Solar- und Windkraftanlagen sowie in Konsumgütern in großem Umfang eingesetzt.

Rohstoff Lithium

Weiter oben in der Lieferkette sind einige Rohstoffe besonders wichtig für die Energiewende und die Elektrifizierung von Fahrzeugen.

Lithium ist eine der wichtigsten Triebfedern für die Dekarbonisierung der Transportindustrie, da das Metall ein Hauptbestandteil aller EV-Batterien ist, unabhängig von der Kathodenchemie. Mehr als 90 % der Lithiumnachfrage kommt heute aus der Batterieindustrie, und Elektrofahrzeuge bleiben auch in Zukunft die Hauptquelle des Nachfragewachstums.

Die hohen Lagerbestände an E-Auto-Batterien und die nachlassenden Erwartungen in Bezug auf Verkäufe führten zu einer Kursschwäche in den Jahren 2023 und 2024, was eine überzeugende langfristige Wertmöglichkeit im Lithiumsektor darstellen dürfte.

Seit 2023 sind die Spotpreise für Lithiumcarbonat mit einer Konzentration von 99,5 % (Lithiumcarbonat-Äquivalent oder LCE) von über 75 US$/kg auf weniger als 10 US$/kg gefallen.

Auch wenn wir anerkennen, dass die Lithiumpreise kurzfristig weiterhin volatil sein könnten, glauben wir, dass der Markt den aktuell niedrigen Lithiumpreis für die Ewigkeit einpreist, ein Szenario, in dem wir eine erhebliche Angebotsverknappung bei wachsender EV-Nachfrage sehen.

Heute können bedeutende Mengen Lithium zu geringen Kosten aus Solen im „Lithiumdreieck“ von Chile, Argentinien und Bolivien oder durch eine Reihe relativ neuer Technologien, die als direkte Lithiumextraktion (DLE) bekannt sind, gewonnen werden.

Eine marginale Versorgungsquelle ist jedoch nach wie vor der nicht integrierte Hartgesteinabbau eines Produkts, das als Spodumen bekannt ist. Dieser Vorläufer von Lithiumhydroxid und Lithiumkarbonat wird in Elektroautobatterien verwendet, nachdem er an Umwandlungsanlagen zur Herstellung dieser Lithiumprodukte verkauft wurde.

Wir sehen Spodumen als eine wichtige Quelle für zusätzliches Angebot, da der Markt für Elektrofahrzeuge wächst. Unseren Schätzungen zufolge sind die Preise derzeit um etwa 40 % zu niedrig, um Anreize für neue Spodumenlieferungen zu schaffen, und dieser Abschlag ist noch größer, wenn alternative Gesteine wie Lepidolith benötigt werden.

Sogar das größte Spodumenprojekt der Welt, die Greenbushes-Mine in Australien, plant als Reaktion auf die schwachen Preise eine Produktionskürzung. Unserer Meinung nach ist das Wachstum des Angebots jedoch nach wie vor entscheidend für einen Markt, für den bis zum Ende des Jahrzehnts ein Nachfragewachstum von mehr als 10 % erwartet wird.

Wir gehen insbesondere davon aus, dass die Nachfrage aus China und Europa, wo Regulierung und Subventionen weiterhin unterstützend wirken, dieses Wachstum vorantreiben wird.

Da die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen weiter steigt und die hohen Lagerbestände abgebaut werden, erwarten wir, dass sich die Lithiumpreise zumindest auf das Niveau der Anreizpreise erholen werden. Aufgrund der anhaltenden Preisvolatilität halten wir mittelfristige Preisspitzen, ähnlich wie im Jahr 2022, für durchaus möglich. In einem solchen Umfeld erwarten wir, dass sich Lithium-Aktien angesichts der gesenkten Erwartungen gut entwickeln werden.

Rohstoff Aluminium

Mit einem Anteil von etwa 30 % an der Gesamtnachfrage ist der Transportsektor auch der größte Endmarkt für Aluminium weltweit. Das Streben nach leichteren Fahrzeugen hat zu einer erhöhten Nachfrage nach Aluminium geführt, wobei das silbrig-weiße Metall in herkömmlichen Verbrennerfahrzeugen bereits bis zu einem gewissen Grad den Stahl ersetzt.

Der Leichtbauprozess kann die Verkehrsemissionen erheblich reduzieren, da ein leichteres Fahrzeug weniger Energie und damit weniger Kraftstoff benötigt.

Batteriebetriebene Elektrofahrzeuge sind in der Regel 10-15 % schwerer als ihre verbrennungsmotorischen Pendants, was auf das Gewicht des Batteriepakets und die zusätzliche Verstärkung der Hauptstruktur zurückzuführen ist, um die erhöhten Aufpralllasten aufzufangen.

Daher ist der Bedarf an Leichtbau mit dem Übergang zu Elektrofahrzeugen größer. Bernstein Research schätzt, dass Elektrofahrzeuge im Durchschnitt 250 kg Aluminium verbrauchen, verglichen mit 172 kg bei Verbrennungsmotoren, wobei der Anstieg auf die Notwendigkeit zurückzuführen ist, das Gewicht großer Batterien und Batteriegehäuse auszugleichen.

Die Rolle von Aluminium bei der Gewichtsreduzierung des Fahrzeugs kann auch zu Kosteneinsparungen führen, die sich aus der Möglichkeit ergeben, das Batteriepaket und die Komponenten des Antriebsstrangs zu verkleinern, während die Reichweite des Fahrzeugs erhalten bleibt.

Angesichts verschärfter Vorschriften wird der CO2-Fußabdruck eines Fahrzeugs nicht nur während der Nutzungsphase, sondern auch aus der Perspektive einer Gesamtzyklusbewertung verstärkt in den Blick genommen. In diesem Zusammenhang haben sowohl die Regulierungsbehörden als auch die Fahrzeughersteller ihren Blick auf den CO2-Fußabdruck der bei der Fahrzeugherstellung verwendeten Rohstoffe geschärft.

Tatsache ist, dass ein durchschnittliches Kilogramm Aluminium, das heute weltweit hergestellt wird, einen höheren CO2-Fußabdruck aufweist als ein durchschnittliches Kilogramm Stahl. Da Aluminium jedoch dreimal so leicht ist, wird der Vergleich weniger relevant, da die Gewichtseinsparung den Großteil des Unterschieds ausgleicht.

Die Argumente für kohlenstoffarmes Aluminium als überlegener alternativer Rohstoff für BEVs sind sogar noch überzeugender, da es eine Emissionsreduzierung sowohl in der Produktions- als auch in der Nutzungsphase des Fahrzeugs ermöglicht.

Dieser Vorteil beginnt bereits beim ersten Produktionsschritt. Das Automobilforschungsunternehmen fka berichtet von geschätzten durchschnittlichen CO2-Einsparungen von rund 15 % im Vergleich zu Stahl durch die Verwendung von kohlenstoffarmem Aluminium, wo immer dies im Produktionsprozess praktisch möglich ist.

Ausblick

Auch wenn die jüngste Situation für die EV-Lieferkette eindeutig eine Herausforderung war, dürften viele der längerfristigen strukturellen Rückenwinde für das Thema intakt bleiben.

Langsameres Wachstum, politische Veränderungen und überhöhte Lagerbestände haben den anfänglichen Enthusiasmus gedämpft, aber sie haben auch die Bewertungen und Erwartungen auf ein realistischeres Niveau zurückgesetzt.

Anstatt sich auf die Verkaufszahlen von Elektroautos zu konzentrieren, sind wir der Meinung, dass der größte Wert in den Unternehmen liegt, die die Elektrifizierung ermöglichen, wie z. B. Batteriehersteller, Halbleiterproduzenten und Rohstofflieferanten, bei denen technologische Innovation und strategische Positionierung immer noch zu attraktiven Renditen führen können.

 

Craig Cameron, CFA Portfolio Manager/ Research Analyst Templeton Global Equity Group

Berlin
Aserbaidschanisches Modell der religiösen Toleranz stößt in Berlin auf großes Interesse

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Unter dem Titel „Einheit in Vielfalt: Interreligiöse Stimmen aus Aserbaidschan im Gespräch“ fand am 25. Juni 2025 im Aserbaidschanischen Kulturzentrum in Berlin eine bedeutende Veranstaltung statt, die ein starkes Zeichen für religiöse Toleranz, kulturelle Vielfalt und interreligiöses Miteinander setzte. Veranstalter waren die Botschaft der Republik Aserbaidschan in Deutschland und das Staatliche Komitee für religiöse Vereinigungen.

Hochrangige Vertreter des Auswärtigen Amts und anderer Bundesministerien, ausländische Botschafter, Religionsführer, Journalisten sowie Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Kultur waren anwesend – ein breites Spektrum der deutschen Gesellschaft, das die Wichtigkeit und Aktualität des Themas widerspiegelt.

Aserbaidschans Botschafter in Berlin, Nasimi Aghayev, eröffnete die Veranstaltung mit eindringlichen Worten: „Diese Veranstaltung verkörpert genau das, was unsere Zeit so dringend braucht: Dialog, gegenseitiger Respekt und ein echtes Miteinander über Grenzen hinweg.“

Er hob hervor, dass Aserbaidschan ein Land sei, in dem „Vielfalt nicht verwaltet, sondern gelebt wird. Wo Schiiten und Sunniten gemeinsam beten. Wo jüdische Gemeinden geschützt und geachtet sind. Wo Christen Teil des gesellschaftlichen Lebens sind – nicht am Rand, sondern mittendrin.“

Ramin Mammadov, Vorsitzender des Staatlichen Komitees, unterstrich in seiner Rede die aktive Rolle des Staates beim Schutz religiöser Freiheiten und der Förderung eines gelebten Multikulturalismus – ein Ansatz, der durch konkrete politische Maßnahmen und gesellschaftliches Engagement gestützt wird.

Der bekannte Rabbiner Abraham Cooper, stellvertretender Dekan des Simon Wiesenthal Centers (USA), sprach von Aserbaidschan als einem „Modell für religiöse Toleranz“ und betonte die Wichtigkeit, diese Realität auch international bekannter zu machen.

In einem anschließenden Podiumsgespräch berichteten führende Vertreter der muslimischen, jüdischen und christlichen Gemeinschaften aus Aserbaidschan über das friedliche Zusammenleben und das gegenseitige Vertrauen in ihrer Heimat. Sie alle bestätigten: Aserbaidschans Modell religiöser Koexistenz ist kein Ideal – es ist Alltag.

Ein kultureller Höhepunkt war das Konzert des AJAM-Quartetts – ein Ensemble aus muslimischen, jüdischen und christlichen Musikern –, das den Geist der Einheit musikalisch zum Ausdruck brachte.

Auch im politischen Berlin setzte die Delegation starke Impulse: In Gesprächen mit Armin Laschet, dem Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages, weiteren Mitgliedern des Bundestages sowie mit dem Beauftragten der Bundesregierung für Religions- und Weltanschauungsfreiheit, Thomas Rachel, wurde das Thema interreligiöser Dialog auf höchster Ebene diskutiert.

Im Rahmen ihres Besuchs besuchte die Delegation das Haus der Wannsee-Konferenz sowie das Denkmal für die ermordeten Juden Europas im Herzen Berlins. Darüber hinaus traf sie mit Daniel Botmann, dem Exekutivdirektor des Zentralrats der Juden in Deutschland, und Abdassamad El-Yazidi, dem Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland, zusammen.

Die Delegation führte auch Gespräche mit Vertretern der Syrisch-Orthodoxen Kirche, besuchte die Şehitlik-Moschee sowie die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Diese Begegnungen unterstrichen das gemeinsame Engagement für religiösen Dialog, gegenseitigen Respekt und ein friedliches Miteinander der Glaubensgemeinschaften.

Die Veranstaltung und der Besuch in Berlin waren ein klares Bekenntnis zur Kraft des Miteinanders in einer Zeit wachsender Spaltung. Aserbaidschan hat gezeigt, dass religiöse und ethnische Vielfalt keine Schwäche, sondern eine Stärke ist – wenn sie auf Vertrauen, Respekt und gemeinsamen Werten beruht. Wie Botschafter Aghayev es ausdrückte:

„Interreligiöse Harmonie ist keine Utopie – sie kann gelebte Realität sein. In Baku, in Berlin und überall dort, wo Menschen sich entscheiden, Brücken zu bauen statt Mauern.“

Ende von USAID
Globale Versorgung mit therapeutischer Nahrung für Kinder vor dem Kollaps

Mit dem offiziellen Ende der US-Entwicklungsagentur USAID droht die weltweite Versorgung mit gebrauchsfertiger therapeutischer Nahrung zu kollabieren. Millionen unterernährter Kinder weltweit könnten bald keine lebensrettende Behandlung mehr erhalten, warnt die Hilfsorganisation Aktion gegen den Hunger. Bereits in 18 Ländern werden drohende Engpässe gemeldet. Gebrauchsfertige therapeutische Nahrung (RUTF) ist seit über 20 Jahren ein zentraler Baustein in der Behandlung schwerer akuter Mangelernährung. Die Therapie erzielt Genesungsraten von über 90 Prozent und kann ein Kind in nur 6 Wochen aus einer lebensbedrohlichen Krise retten. Aktuell sind jedoch rund 18 Länder weltweit von akutem RUTF-Mangel betroffen. Seit USAID die Finanzierung stoppte, wurden rund 90 Prozent aller damit verbundenen Verträge beendet. Produktionsaufträge bleiben aus, Lieferketten stocken. „Wir erleben den Zusammenbruch eines Systems, das über Jahrzehnte Millionen Kinderleben gerettet hat“, sagt Jan Sebastian Friedrich-Rust, Geschäftsführer von Aktion gegen den Hunger.
„Heute steht all dies auf dem Spiel. Unsere Welt hat enorme Fortschritte bei der Reduzierung der Kindersterblichkeit erzielt. Wenn die politischen Akteure jetzt nicht rasch handeln und die Mittelkürzungen rückgängig machen, droht quasi über Nacht ein Rückschritt um 30 Jahre.“
Versorgungsengpässe treffen zuerst die Schwächsten
Länder wie Südsudan, Äthiopien und Nigeria – ohnehin belastet durch Konflikte, Vertreibung und Klimaschocks – zählen zu den ersten, die von ausbleibenden RUTF-Lieferungen betroffen sind. Bereits jetzt sind Vorräte erschöpft oder stehen kurz vor dem Ende. Aufgrund der mehrmonatigen Vorlaufzeit in Produktion und Transport ist eine kurzfristige Erholung kaum möglich. Ohne rechtzeitige Nachschubplanung droht eine massive Versorgungslücke, mit fatalen Folgen für die am stärksten gefährdeten Kinder. Eine am Montag im Fachmagazin The Lancet veröffentlichte Untersuchung warnt vor dramatischen Folgen der US-Kürzungen: Sollte der umfassende Rückzug aus der Entwicklungszusammenarbeit bestehen bleiben, könnten weltweit bis zu 14 Millionen zusätzliche Todesfälle auftreten, darunter etwa 4,5 Millionen Kinder unter fünf Jahren. Da Programme wie die Versorgung mit therapeutischer Nahrung (RUTF) direkt von den Streichungen betroffen sind, gerät auch die Behandlung lebensbedrohlicher Mangelernährung massiv unter Druck.
Erfolge in Gefahr: Jahrzehnte des Fortschritts stehen auf dem Spiel
Dabei zeigen bisherige Fortschritte das enorme Potenzial gezielter Interventionen: Seit der Einführung von RUTF in den 1990er Jahren ist die Überlebensrate betroffener Kinder weltweit dramatisch gestiegen. Parallel ging die jährliche Zahl an Todesfällen von Kindern von 12,9 Millionen (1990) auf 4,8 Millionen (2023) zurück – nicht zuletzt durch verstärkte Investitionen in Ernährung, Prävention und Gesundheitssysteme. Die Engpässe treffen auf ohnehin fragile Gesundheitssysteme. Ernährung und medizinische Versorgung sind eng miteinander verknüpft: Ein unterernährtes Kind mit geschwächtem Immunsystem hat ein bis zu elfmal höheres Sterberisiko. Kürzungen im Gesundheitssektor, etwa bei der Behandlung von Malaria, Tuberkulose oder HIV, verstärken die Wirkungslücke zusätzlich. So entsteht ein tödlicher Kreislauf, in dem vermeidbare Krankheiten wieder zu Todesursachen werden.

Gastkommentar
Gaza: Deutschland hat alle roten Linien überschritten

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel

Der inflationäre Gebrauch des Wortes „Antisemitismus“ in Deutschland ist unerträglich geworden und banalisiert zugleich das alltägliche Grauen des Vernichtungskrieges in Gaza. Wo Euphemismen mehr Beachtung geschenkt wird als der andauernden Gewalt selbst, da findet nicht nur Meinungslenkung statt, sondern werden klammheimlich humanitäre, völkerrechtliche Prinzipien über Bord geworfen.

Wer zudem ständig einen gestandenen Staat wie Israel mit einer unter Besatzung stehendem Staat Palästina vergleicht, gibt ein unfreiwillig gutes Bild dafür ab, wie man beim Nahost-Konflikt zunehmend jegliche Aufrichtigkeit im Diskurs erstickt.

Und noch etwas viel mir in den Wochen und Monaten auf: die Kriegsgeilheit, die in Schrift, Bild und Ton (immer noch) etabliert wird, und die vorgegaukelte Faszination darüber, welche Macht und Gewalt der Krieg (noch immer) innehat, um angebliche Sicherheit, Frieden und Demokratie zu schaffen.

Zuletzt konnte man das eindrucksvoll während des Angriffskriegs Israels gegen den Iran beobachten. Deutsche Medien Hand in Hand mit gestandenen Politikern und Politikerinnen sowie Meinungs- und Stimmungsmachern, waren einzig und allein damit beschäftigt, Nebelkerzen zu zünden: eigentlich doch nur Prachtexemplare vom Schlag eines Netanjahus. Von einer Eskalation zwischen Erzfeinden, mangelnder Kooperationsbereitschaft des Iran mit der internationalen Atomenergiebehörde IAEA oder angeblicher Provokation seitens des Irans, davon war ständig die Rede.

Das hatte auch einen ganz bestimmten Grund, zumal die „Begeisterung“ zu Kriegen und Konflikten im Deutschen Lande doch nicht so recht aufkommen wollte, wie man es sich erhofft hatte, um das genozidiale Treiben in Gaza zu decken. Gleich nach dem Angriffskrieg auf den Iran kam z. B. die Bundespressekonferenz zu dem Schluss, dass die kriegerischen Angriffe Israels allen Ernstes als Selbstverteidigung zu bewerten seien. Man stellte einen Zusammenhang zu einer vorherigen Erklärung der IAEA her, in der dem Iran eine mangelhafte Zusammenarbeit mit der Behörde attestiert wurde.

Und jetzt kommst: Selbst wenn der Iran den Atomwaffensperrvertrag komplett aufkündigt hätte, das kann keinen, absolut keinen Einfluss auf die völkerrechtlichen Mechanismen haben, die über Krieg und Frieden entscheiden.

Etwaige Verletzungen des Atomwaffensperrvertrages und den damit verbundenen Verpflichtungen eröffnen in keiner Weise irgendwelchen Drittstaaten das Recht auf unmittelbare kriegerische Intervention. Das Gewaltmonopol liegt einzig und ausschließlich beim UN-Sicherheitsrat – außer im Falle des Rechts auf Selbstverteidigung nach Art. 51 der UN-Charta. Und dieses liegt hier eindeutig auf der Seite des Iran. Israel hatte einen illegalen Angriffskrieg begonnen. Man kann über diese surreale, geradezu absurde Täter-Opfer-Umkehr nur noch den Kopf schütteln.

Weite Teile der Welt sind geprägt von einem historisch gewachsenem Gerechtigkeitsempfinden und Nationalstolz. Erstere hatte doch bis zuletzt Deutschland in die Welt getragen, in dem sie z. B. der Türkei die Prinzipien des humanitären Völkerrechts einhämmerte, von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit faselte. Und nun? Jetzt schwingt die Türkei den Finger gen Berlin und ruft die Bundesregierung dazu auf, sich an das Völkerrecht zu halten – und nicht nur sie, sondern der gesamte globale Süden sowie vereinzelte EU-Staaten.

Letzterer, der Nationalstolz, ist ebenfalls historisch begründet. So wie der Iran oder die Türkei, die aus sich heraus gewachsen sind. Anders als hierzulande zu erwarten wäre oder von Meinungsmachern euphorisch prophezeit wurde, wird eine direkte Einmischung in innere Angelegenheiten, ob diplomatisch, aus dem Untergrund oder kriegerisch, von der Bevölkerung vollumfänglich anders interpretiert, als man gemeinhin annimmt. Diese Einmischung trifft sie über Konfessionen, Abstammung und Status hinweg in ihrem Nationalstolz und führt dazu, dass sie sich trotz aller demokratischen oder ökonomischen Defizite reflexartig in den Verteidigungsmodus versetzen.

Der Schah-Sohn Reza Pahlavi, die vielen Exil-Iraner, die während ihrer Independence-Aufmärsche auf New Yorker oder Berliner Straßen die heimischen Iraner in ihrer Erwartungshaltung voller Vorfreude aufforderten, sich doch gegen die Mullahs zu erheben, konnten von mir daher nur ein müdes Lächeln entlocken. Hat man denn von der Geschichte überhaupt nichts gelernt?

Aber kommen wir zum eigentlichen Krieg, dem Vernichtungskrieg in Gaza. Krieg ist manchmal gerechtfertigt, vor allem wenn man sich auf das Recht der Selbstverteidigung beruft. Das heißt aber vereinfacht gesagt nicht, dass ich einem Menschen das Leben aushauchen darf, ihm eine anständige Bestattung verwehre, danach in sein Haus steige, es bis auf die Grundmauern niederbrenne, sein Hab und Gut zerstöre und dabei seine ganze Sippschaft samt Nachbarn und Getier durch die Manage treibe und einzeln töte. Genau das passiert in Gaza, und es soll noch weiter gegangen werden, was die Menschheit nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr für möglich gehalten hätte. Aber das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange…

Im israelischen Fernsehen – genauer beim regierungsnahen Sender „Channel 14“ – forderte der Moderator Elad Barashi wortwörtlich den Einsatz von Gaskammern und rief dazu auf, in Gaza eine „Shoa“, einen „Holocaust“ zu verüben. Und das in einer Zeit, in der der Gaza-Krieg in Israel weiterhin eine überwältigende Zustimmung findet. Es ist beileibe nicht die einzige Stimme in Israel, sondern eines von sehr vielen Stimmen, die Gaza entvölkert sehen, den Iran in die Steinzeit gebombt und als nächstes anvisieren, die Türkei als größte Gefahr für Großirael, ausschalten wollen, weil es so in der Tanach prophezeit werde.  Aber zunächst widmet man sich den Palästinensern, weil die gewaltig stören.

Gegenwärtig werden die ausgehungerten Palästinenser aus einem Gaza-Ghetto über die Trümmerberge in die nächste beordert, damit sie nach stundenlangem Warten in Metallkäfigen dann wieder herausgetrieben und niedergeschossen werden. Diese Gut-Böse Einordnung hat also fatale Ausmaße angenommen, vor allem weil uns die Mainstream-Medien bislang ständig versichert haben, dass unter jedem einzelnen getroffenen Haus, Krankenhaus, Zeltlazarett, Moschee, Kirche, Flüchtlingslager oder Latrine im Gazastreifen ein Hauptquartier der Hamas untergebracht sei.

Was man angesichts der apokalyptischen Zerstörung im Gazastreifen seit langem befürchtet hat – nämlich dass die Todeszahlen deutlich höher sein dürften, als die bislang namentlich erfassten 60.000, scheint uns jedoch eines Besseren zu belehren. Eine via Harvard Dataverse veröffentlichte Studie eines israelischen Professors (Yaakov Garb), die u. a. auf der Analyse von Daten der IDF basiert, kommt auf aktuell 1,85 Millionen Menschen im Gazastreifen – 377.000 weniger, als vor dem „Krieg“. Sprich, eine Bevölkerung in der Größenordnung der Stadt Wuppertal wurde pulverisiert, eingeäschert, in Stücke gerissen oder unter Trümmerbergen lebendig begraben.

Hierzulande schreien die hiesigen Kriegstreiber, die gleichgesinnte Kameraden um sich scharen wollen, um in einer Fankurve den Krieg zwischen Gut und Böse gemeinsam zu bejubeln, immer noch „Hamas… Hamas!“. Da schimmert bei diesem Typhus von Mensch wohl ein bisschen der postrheumatische „saubere Wehrmachtssoldat“ durch, der sich nach Heldentum sehnt.

Die eigentlichen Helden, die werden erschossen, weggebombt oder während einer Cafepause getötet, weil sie über diese vorherrschenden Zustände berichten wollten. Wie jüngst, als das Al-Baqa Café in Gaza bombardiert wurde, in der 24 Palästinenser, darunter Journalisten und Aktivisten, eine Pause eingelegt hatten. Laut Reporter ohne Grenzen (RSF) beklagt man seit dem 7. Oktober 2023 allein in Gaza fast 200 getötete Medienschaffende. Die meisten von ihnen kamen bei Angriffen des israelischen Militärs ums Leben. 45 von ihnen wurden im Zusammenhang mit ihrer Arbeit gezielt getötet. Kein anderes Land seit der Gründung der Vereinten Nationen, kann so viele Strichmännchen aufweisen.

Israel hat alle roten Linien überschritten, Deutschland hat dafür auch ihre eigenen roten Linien geopfert. Sollte sich in Deutschland jemals ein Politiker oder Politiker, ein Experte oder Expertin sich auch nur abfällig über die mutmaßlichen Zustände in der Türkei äußern, sollte jeder Türkischstämmiger entgegnen, dass man sich jegliche demokratisch-rechtstaatlichen und moralischen Belehrungen verbittet, weil man ja der Komplizenschaft und Beihilfe bei einem mutmaßlichen Genozid, ethnischer Säuberung und der Aufrechterhaltung eines Apartheidsregimes schuldig gemacht hat.

 
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.

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Imamoğlu-Verhaftung
Türkei: Immer mehr Kronzeugen aus den Reihen der CHP

Ein Gastbeitrag von Nabi Yücel Die Delegierten der größten türkischen Oppositionspartei CHP, Umut Şenol und Berat Çağrı Kapki, die im Rahmen der Korruptions- und Bestechungsermittlungen gegen den ehemaligen Oberbürgermeister von Istanbul und Präsidentschaftskandidaten Ekrem İmamoğlu festgenommen wurden, haben ebenfalls von der Kronzeugenregelung gebrauch gemacht. Damit steigt die Anzahl der „Genossen“ oder „Freunde“, die im Rahmen der Ermittlungen gegen İmamoğlu und der „kriminellen Organisation“ festgenommen wurden und von dieser rechtlichen Bestimmung Strafmilderung erhoffen, auf rund 40. Ihre vollumfänglichen Aussagen zu den gegen ihnen erhobenen Vorwürfen, belasten Ekrem İmamoğlu schwer.

Gefangen im Netz betrügerischer Machenschaften

Mit Beginn der Razzia gegen den ehemaligen OB von Istanbul, Ekrem İmamoğlu, am 19. März, verstärkt sich nicht nur der Druck auf den „Kopf“ der „kriminellen Organisation“, sondern auch auf die Oppositionspartei CHP selbst, die bislang stoisch İmamoğlu in Schutz nimmt. Der Vorwurf, die Spitze der größten Oppositionspartei tue nicht genug für ihren Präsidentschaftskandidaten, beginnt mit der halbgarenen Verteidigung. Man staunt u. a. darüber, dass kein einziger der bisherigen Kronzeugen von der Partei wegen Verleumdung angezeigt wurde. Auch İmamoğlu selbst, hat laut Medienberichten davon bislang abstand genommen. Das führt sichtlich zur Erosion der eigenen Glaubwürdigkeit, nicht nur innerhalb der Partei, sondern vor allem gegenüber der eigenen Wählerschaft. Kritiker erklären hingegen, damit werde der Spitzenpolitiker vom politischen Prozess ausgeschlossen und ihren Wählern letztlich das Stimmrecht genommen. İmamoğlu und sein Parteivorsitzender Özgür Özel sprechen von einer politischen Verfolgung, das man eher in einem autoritären Regime erwarte. Das Ziel sei einzig und allein, ihn von der Präsidentschaft auszuschließen. Die nächste Präsidentschaftswahl findet spätestens 2028 statt.

Star-Generalstaatsanwalt Akin Gürlek

Der Istanbuler Generalstaatsanwalt Akin Gürlek lässt sich davon nicht beirren und weitet die Ermittlungen ständig aus, auch aufgrund der knapp 40 Kronzeugen von insgesamt und bislang 130 in Untersuchungshaft genommenen Personen aus dem Umkreis des ehemaligen Istanbuler OB´s. Dabei sind inzwischen auch Personen aus dem unmittelbaren Umfeld von Imanoğlu selbst, die sich aus Delegierten, Beamten aus Gemeinde- wie Stadtämtern und Unternehmern zusammensetzen. Sollten die Vorwürfe in der noch nicht verfassten Anklageschrift vom Strafgericht angenommen werden, drohen den Inhaftierten wegen der Veruntreuung öffentlicher Gelder, Korruption, Bestechung und Drohung im Amt nicht nur mehrjährige Haftstrafen, sondern ihnen wird auch für Jahre das passive Wahlrecht entzogen. Bliebe es dabei, könnte İmamoğlu bei der Präsidentschaftswahl auch wegen seinem aberkannten akademischen Grad nicht antreten. Experten zufolge werden die Ermittlungen noch Monate dauern, die Gerichte noch Jahre damit beschäftigt sein, bis ein unanfechtbares Urteil gefällt ist.

CHP steht vor der Zerreißprobe

Derweil steht die größte Oppositionspartei vor einer weiteren großen Herausforderung: Gegen die Partei selbst läuft seit einigen Monaten ein brisanter Prozess. Am 30. Juni 2025 wird ein zuständiges Verwaltungsgericht in Ankara wahrscheinlich die Entscheidung darüber fällen, ob die Wahl des aktuellen Parteivorstandes unter dem Vorsitz von Özgür Özel vom 38. Parteikongress im November 2023 nichtig zu erklären ist oder nicht. Der Vorwurf, dass die Wahl des Parteivorstands nicht mit rechten Dingen zu tun hatte, Delegierte bei der Stichwahl mit Geldern, Zuwendungen, Reisen und Immobilien bestochen worden sein sollen, wurde aus den eigenen Reihen, vor allem durch den damals abgesetzten Vorsitzenden Kemal Kılıçdaroğlu in den Raum geworfen. Kurz nach der Wahl des neuen Parteivorstands, sprach Kemal Kılıçdaroğlu von einem Dolchstoß aus unmittelbarer Nähe. Daraufhin stellten mehrere Mitglieder der Partei Strafanzeige gegen die Partei selbst. Gegenwärtig herrscht daher innerhalb der Oppositionspartei Chaos. Nach der Ankündigung Kemal Kılıçdaroğlus, bei Nichtigerklärung des Gerichts den Vorsitz wieder übernehmen zu wollen, um einer bis zur nächsten Wahl des Parteivorstands der treuhänderischen Regelung zuvorzukommen, rief der OB von Ankara Mansur Yavas (CHP) die Partei dazu auf, diesen Schritt zu beherzigen, bis die „Wogen geglättet“ sind. Damit ist das Chaos perfekt: İmamoğlu ließ aus der Untersuchungshaft kurz darauf verlauten, man solle Zusammenhalten und zum gegenwärtigen Vorsitzenden Özgür Özel stehen. Damit zeichnet sich ein Kampf innerhalb der Flügeln in der Partei ab, der in den sozialen Medien bereits voll entbrannt ist. Bis zur Wahl des Parteivorsitzenden Özgür Özel im Gespann mit İmamoğlu unternahm man alles, um sicherzustellen, dass Muharrem İnce und Kemal Kılıçdaroğlu dieses Land von Erdogan übernehmen. Betrachtet man die Lage jetzt, scheint man nun gänzlich einer anderen Meinung zu sein. Das zeigt sich in den sozialen Medien, in der jetzt derart unter die Gürtellinie geschlagen wird, dass man sich schon fremd schämen kann.  
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.

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Offshore-Öl
Libyen will Seerechtsabkommen mit Türkei ratifizieren

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Von Nabi Yücel Das libysche Parlament strebt nächste Woche eine einstimmige Ratifizierung des Seeabkommens zwischen Libyen und der Türkei aus dem Jahr 2019 an, erklärte ein libyscher Abgeordneter gegenüber dem „The Libya Observer“. „Das Abkommen könnte diese Woche in einer offiziellen Sitzung darüber abgestimmt und ratifiziert werden“, heißt in dem Kurzbericht der „The Libya Oberserver“ weiter. Libyen und die Türkei unterzeichneten erst am vergangenen Mittwoch eine Absichtserklärung über eine Offshore- Öl- und Gasexploration in libyschen Gewässern. Das Abkommen fällt in eine Zeit, in der nun neben der Türkei auch zwischen Libyen und Griechenland ein Streit um Seerechte entbrannt ist. Libyen ist wie die Türkei kein Unterzeichnerstaat des Seerechtsübereinkommens der Vereinten Nationen (SRÜ). Das bedeutet, dass Libyen oder die Türkei rechtlich nicht an die Bestimmungen des SRÜ gebunden sind, sondern sich lediglich den Genfer Seerechtskonventionen der Vereinten Nationen von 1958 untergeordnet haben. Das Seeabkommen zwischen der Türkei und Libyen aus dem Jahr 2019, dass die Festlegung der Seegrenzen zum Ziel hat, wird in der EU abgestritten. Kritiker, darunter Griechenland und Zypern, argumentieren, dass es gegen das SRÜ verstößt, indem es ihre Seerechte ignoriert, während die Türkei behauptet, ihre Souveränitätsrechte auf Grundlage der Prinzipien des Festlandsockels nach der Genfer Seerechtskonvention zu schützen. Die Rechtsgültigkeit des einen oder anderen Abkommens bleibt daher umstritten, und bis Juni 2025 gab es keine Verhandlungen zu einer einvernehmlichen Lösung. Die diplomatischen Spannungen im östlichen Mittelmeerraum haben daher erneut zugenommen. Libyen und die Türkei stehen auf der einen, die Europäische Union mit Zypern und Griechenland auf der anderen Seite. Im Mittelpunkt des Streits steht vor allem das 2019 zwischen Tripolis und Ankara unterzeichnete Übereinkommen, dass die Souveränität und Rechte zur Rohstoffexploration in den Mittelpunkt rücken. Jüngste Äußerungen und Maßnahmen haben dieses komplexe und sensible Thema auch innerhalb der EU neu entfacht. Das libysche Parlament wie auch die Regierung in Ankara hatten zuletzt die Schlussfolgerungen des Europäischen Rates vom 26. Juni 2025 zum libysch-türkischen Seeabkommen scharf zurückgewiesen. Beide Seiten betonten, dass die Legitimität, der von Libyen und der Türkei unterzeichnete internationale Abkommen ausschließlich in der Zuständigkeit der jeweiligen Verfassungsorgane liege, und verurteilten jegliche Versuche von außen, sich in die inneren Angelegenheiten oder in bilaterale Beziehungen einzumischen. Der Sprecher des Außenministeriums, Öncü Keçeli, sagte in seiner ersten Reaktion auf die am Freitag veröffentlichten Schlussfolgerungen des EU-Rates, dass die Ergebnisse des Gipfeltreffens der EU-Staats- und Regierungschefs zeigten, dass Griechenland und die griechische Insel Zypern weiterhin bestrebt seien, „ihre Maximalansprüche durchzusetzen“. Der Deal sei nach internationalem Recht ein „völlig legitimes Abkommen“, schrieb der Sprecher des türkischen Außenministeriums, Öncü Keçeli, auf X. „Anstatt rechtlich ungültige Forderungen zu unterstützen, sollte die EU in diesem Zusammenhang alle ihre Mitglieder dazu aufrufen, das Völkerrecht einzuhalten“, sagte er.

Gastkommentar
Bericht: Kirchen-Anschlag in Syrien geht auf das Konto der SDF

Ein Gastbeitrag von Nabi Yücel Die kurdische Syrische Demokratische Kräfte (SDF) griff offensichtlich zu einer „False Flag“-Taktik mit IS-Gefangenen zurück, um die Stabilität und Sicherheit in der Region Damaskus zu stören und die neue syrische Übergangsregierung unter Druck zu setzen. Darauf deuten Hinweise aus dem Büro der US-amerikanischen Hilfsorganisation Blumont im syrischen al-Hol.

Viele Tote nach Selbstmordanschlag in Kirche

Am 23. Juni hatte ein mutmaßlicher Anhänger der Terrormiliz des sogenannten Islamischen Staats (IS) in einer Kirche in der syrischen Hauptstadt Damaskus ein Selbstmordanschlag verübt. Nach Angaben des syrischen Gesundheitsministeriums wurden dabei 25 Menschen getötet, die an einer Messe teilgenommen hatten. Weitere 63 Menschen erlitten demnach bei der Explosion in der Mar-Elias-Kirche Verletzungen. Es war der erste Anschlag dieser Art seit Jahren in Syrien. Zunächst bekannte sich keine Gruppe zu der Tat. Danach erklärte das Innenministerium, der Täter habe der Terrormiliz des sogenannten Islamischen Staats (IS) angehört, die früher Teile Syriens und des Iraks kontrolliert hätten. Der Angreifer habe die Kirche mit zwei weiteren Personen aufgesucht, dann allein betreten, auf die Gläubigen geschossen und schließlich seinen Sprengsatz gezündet, teilte das Innenministerium mit.

Täter stammt aus IS-Zelle und dem Lager al-Hol

Am darauffolgenden Tag verbreitete sich über soziale Medien eine Meldung über eine wenig bekannte syrische sunnitische Extremistengruppe – Saraya Ansar al-Sunna, was übersetzt „Schwadronen der Anhänger der Sunna“ bedeutet – die sich zu dem Anschlag bekannt habe. Die Gruppe bestritt demnach jegliche formelle Verbindung zum IS, widerlegte die Behauptung der syrischen Übergangsregierung, der IS sei verantwortlich, und drohte mit weiteren Anschlägen. Kurz darauf veröffentlichte die Gruppe selbst über ihr Social-Media Kanal eine Erklärung und bestritt eine Verbindung zum Terroranschlag. Drei Tage nach der schrecklichen Tat gab das syrische Innenministerium an, einen der flüchtigen Personen im Raum Damaskus festgenommen zu haben. Dabei handle es sich um einen irakischen Staatsbürger, der ebenfalls ein Mitglied einer IS-Zelle sein soll. Der Name des Festgenommenen sei ebenfalls in einer Datenbank der internationalen Hilfsorganisation aufgetaucht. Demnach sei der Mann ab November 2024 im Lager al-Hol als Lieferant von Heizmaterial tätig gewesen, der Täter stamme jedoch aus dem Internierungslager selbst. Das Lager al-Hol liegt im syrischen Gouvernement al-Hasaka im nordöstlichen Syrien, rund 650 km von Damaskus entfernt. Das Lager ist ein Internierungslager am südlichen Stadtrand von al-Hol, die seit 2019 vor allem die Familien dschihadistischer Kämpfer des Islamischen Staats beherbergt. Das Gebiet wird von der syrisch-kurdischen SDF unter dem Dach der Task-Force einer internationalen Allianz gegen den Islamischen Staat, insbesondere der USA kontrolliert. Obwohl die SDF – eine der mächtigsten bewaffneten Formationen Syriens und langjähriger Feind aller syrischen Oppositionsmilizen – im März ein Abkommen mit Übergangspräsidenten Al-Scharaa unterzeichneten, in der sie sich verpflichteten, sich der Kontrolle von Damaskus zu integrieren, bleiben die Spannungen zwischen beiden Seiten bestehen. Der SDF gelang es nie, das Lager al-Hol vollständig zu sichern, die genaue Namenliste der dort Inhaftierten zu ermitteln oder IS-Kommandeure daran zu hindern, das Lager heimlich zu betreten und zu verlassen oder Schmuggel zu betreiben, veröffentlichten sie dennoch eine Gegenerklärung, in der sie die Behauptungen des Innenministeriums zurückwiesen. Laut dem Innenministerium zeigte man sich dagegen erstaunt darüber, dass der Selbstmordattentäter in Begleitung von zwei Personen die Strecke zwischen al-Hol und Damaskus unbehelligt passieren konnte. Der Sprecher des Innenministeriums stellte zudem fest, dass das unbemerkte Verlassen der Personen aus dem Lager al-Hol sehr verdächtig sei.

Verhaftungen und Drohungen gegen Hilfsorganisation

Am vergangenen Freitag sickerte dann die Nachricht durch, dass die syrisch-kurdische SDF das Büro der Blumont in al-Hol durchsucht, 34 Mitarbeiter mitsamt einem Medienvertreter festgenommen und die Arbeit der Hilfsorganisation für beendet erklärt habe. Die Nah-Ost-Zentrale der Blumont in Jordanien sei zudem unter Druck gesetzt worden, die Echtheit des Daten-Leaks zu leugnen, mit der eine Verbindung zwischen dem Selbstmordattentäter und dem Lager al-Hol bewiesen wird. Die syrisch-kurdische SDF gilt als syrischer Arm der Terrororganisation PKK in Syrien. Laut Experten sieht sich die SDF zunehmend existenziell bedroht, vor allem wegen der Drohung des US-Präsidenten Donald Trump, das US-Kontingent aus Syrien abzuziehen. Zudem wird der Druck der syrischen Übergangsregierung, sich in die syrische Armee einzugliedern und aufzulösen, immer höher. Laut dem schwedischen Analysten Michael Arizante, scheint die SDF immer verzweifelter zu werden, was sie deshalb außerordentlich gefährlich macht. Arizante fordert deshalb die USA auf, die SDF dazu zu zwingen, sich in der nationalen Struktur Syriens einzugliedern oder mit der gewaltsamen Entwaffnung zu beginnen.

Gastkommentar
Israel: Die deutsche Unfähigkeit zur Objektivität

Ein Gastbeitrag von Gazmend Gashi Die deutsche Schauspielerin Andrea Sawatzki hat sich auf Facebook öffentlich zu Israel, Palästina und zur Hamas geäußert – und mit ihrer Erklärung ein Paradebeispiel dafür geliefert, wie sich der deutsche Schuldkomplex, verkleidet als Moral, in rassistische Täter-Opfer-Umkehr verwandelt. In einem Beitrag, der sich als persönliche Meinungsäußerung tarnt, betreibt sie politische Stimmungsmache gegen jede Form palästinensischer Selbstbehauptung – und verwechselt gezielte Ausblendung mit Humanismus.
Dass Sawatzki die Hamas ablehnt, ist legitim. Aber dass sie aus dieser Ablehnung ein pauschales Urteil über jede Form palästinensischen Widerstands ableitet, ist ideologisch durchtränkt. Wer heute auf Pro-Palästina-Demos geht – und dabei ausdrücklich gegen Kollektivbestrafung, ethnische Säuberungen und militärisch exekutierte Apartheid protestiert – wird von ihr in einen Topf mit Islamisten, Terroristen und Massenmördern geworfen. Sie schreibt von „Hamas-Dreiecken“, „blutigen Händen“, „Fahnen“ und moralisiert sich gleichzeitig in die Rolle der bedrohten Unschuld: Sie wolle doch nur ihre Meinung äußern. Was dabei entsteht, ist kein demokratischer Diskurs, sondern eine durch Schuldreflexe aufgeheizte Dämonisierung jeglicher israel-kritischer Position. Was sie formuliert, hat SS-Propaganda-Qualitäten. Die antisemitische Gleichsetzung von einst – „alle Juden sind Kommunisten“ – wird heute umgedreht in „alle Palästina-Demonstranten sind Hamas“. Dieser entmenschlichende Kollektivverdacht ist nicht zufällig, sondern politisch gewollt. Auch CDU-Chef Friedrich Merz bediente sich kürzlich exakt dieser Logik, als er öffentlich sagte: „Israel macht die Drecksarbeit für uns.“ Wer solche Sätze sagt, verabschiedet sich nicht nur von Menschenrechten, sondern auch von jeglicher zivilisatorischen Erinnerung an das, was deutsche „Drecksarbeit“ im 20. Jahrhundert bedeutete. Sawatzki reiht sich nahtlos ein in dieses Bündnis aus Schuldabwehr und rassistischer Entlastungsprojektion. Denn die deutsche Debattenkultur ist längst verformt: Kritik an Israel = Antisemitismus. Diese Gleichsetzung ist nicht nur analytisch falsch, sondern politisch verheerend. Sie relativiert den Holocaust, indem sie ihn zur moralischen Deckungskarte für koloniale Gewalt umdeutet. Wenn Israel Kinder bombardiert, Krankenhäuser zerstört, UN-Schulen attackiert, Zivilisten in Gaza gezielt abschlachtet – dann darf das in Deutschland nicht als das benannt werden, was es ist: Staatsterror. Stattdessen wird es als legitime Selbstverteidigung beschönigt. Sawatzki geht noch weiter: Wer das kritisiert, steht für sie moralisch bereits auf der Seite der Täter. Dabei ist genau diese Haltung der Grund für das moralische Versagen Deutschlands im Nahostdiskurs. Der eurozentrische weiße Mensch spricht wieder. Er liebt Israel – nicht aus Solidarität, sondern weil es ihn erlöst. Er hasst die Palästinenser – nicht weil sie bedrohlich wären, sondern weil sie erinnern: an Kolonialismus, an Apartheid, an das eigene historische Schweigen. Sawatzki schreibt, sie habe Freunde „in Israel, Gaza, Iran“ – ein pseudohumanistisches Accessoire, mit dem sie ihre selektive Empathie rhetorisch verbrämt. Dass sie in ihrem gesamten Text kein einziges Mal die Besatzung, die Blockade, die täglichen Verbrechen an der palästinensischen Bevölkerung benennt – das spricht Bände. Sie spricht von „Frieden“, schweigt aber zu Israels rechtsradikaler Regierung. Sie spricht von „Leid“, blendet aber systematisch aus, dass dieses Leid durch eine rassistisch motivierte Militärpolitik erzeugt wird. Stattdessen erklärt sie – mit der Selbstgewissheit des deutschen Schuldgestus – die Kritik an dieser Realität zur moralischen Bedrohung. Dass sie dafür auf ihrer Facebook-Seite die Kommentarfunktion deaktiviert hat, ist bezeichnend: Kritik wird nicht ertragen, sondern blockiert. Genau wie Israels Kritik an der Besatzung nicht erträgt, sondern bombardiert. Und was ist das Ziel all dessen? Die deutsche Seele sucht Erlösung. Der Holocaust war ein Menschheitsverbrechen – aber aus ihm wurde im kollektiven Gedächtnis kein echter Antifaschismus, sondern eine Schulderbsenzählerei. Man liebt das jüdische Opfer, solange es tot ist – und man liebt Israel, solange es die Palästinenser bombardiert. Sawatzkis Pathos ist nicht etwa Humanität, sondern ein Symptom: Sie steht exemplarisch für jene Generation deutscher Kulturschaffender, die ihre Bedeutungslosigkeit über die israelische Gewaltverklärung kompensieren will. Wer „Nie wieder“ ernst meint, muss jede Form von Faschismus ablehnen – auch den zionistischen. Wer Humanität beansprucht, muss jeder Form von Terror entgegentreten – auch dem staatlich sanktionierten. Und wer sich auf die Seite der Gerechtigkeit stellt, darf nicht den Kolonisator bejubeln und das Kolonisierte entmenschlichen. Alles andere ist keine Meinung – sondern Mittäterschaft!

Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.
 

Zum Autor

Gazmend Gashi ist Kind der ersten Migrantengeneration, Hadith-Wissenschaftler, Diplom-Wirtschaftler, leidenschaftlicher Handwerker, R’n’B/Soul-Sänger und politischer Analyst. Unabhängig von seiner islamischen Gelehrsamkeit widmet er sich soziologischen Analysen kollektiven Verhaltens – mit Schwerpunkt auf Antirassismus, Antimuslimismus und Antisemitismus.