Kommentar
Prof. Dr. Hans-Christian Günther zur „Spitzel-App“ der türkischen Polizei

Von Prof. Dr. Hans-Christian Günther Als es zum letzten Programmpunkt des Erdoganbesuches in Deutschland kam, der Eröffnung der DITIB-Moschee, wurde ein alter Vorwurf wieder in den deutschen Medien laut: Erdogan lasse über seine Anhänger und über DITIB-Imane ganz offiziell in Deutschland lebende Türken bespitzeln und Regimegegner dann beim Türkeiurlaub sogar verhaften. Nur wegen kleiner Facebookbeleidigungen im türkischen Stil (d.h. Böhmermann ohne Reim), in Deutschland ,Kritik‘ genannt. Dazu kamen jetzt noch härtere Vorwürfe: die Rede war von einer neuen App der türkischen Polizei, die jeder kostenlos herunterladen könne. Erdogantreue Türken seien dazu aufgefordert, auf dieser App Erdogans Kritiker systematisch zu denunzieren. Nun, ich hab mich in der Türkei erkundigt. Die ominöse App gibt’s seit 2016. Die ist eine App der türkischen Polizei zur Meldung von Internetkriminalität, etwa in sozialen Netzwerken, genau so wie es das in Deutschland und überall gibt, ob als App oder in anderer Form. Da kann man auch keine anonymen Anzeigen machen: man muss seine Identität vollständig offenlegen. Selbstverständlich geht’s dabei besonders um Terrorismus. Niemand wird also so etwas berechtigterweise kritisieren können. Aber trotzdem: schon da gibt’s, so wie es heute zwischen Türkei und Deutschland steht Probleme. So äußert sich in einem empörten Report der ARD ein ,Geheimdienstexperte‘ Erich Schmidt-Eenboom dahingehend, dass Erdogan den Begriff Terrorismus ungebührlich ausweite. Man könne ihn für die PKK gelten lassen, nicht aber für Gülenisten und andere. Nun ist die Gülenbewegung in Deutschland nicht als Terrororganisation eingestuft, in der Türkei schon. Kein ungewöhnlicher Vorgang; da gibt es Unterschiede zwischen Staaten. Dass Erdogan Gülenanhänger als Terroristen betrachtet, ist aber sicher verständlich. Noch verständlicher ist es, dass er die in Deutschland ausspähen lassen will, da die dort frei ihr Unwesen treiben können. Nun wird freilich behauptet, Erdogan lasse die App benutzen, um gewöhnliche Türken in Deutschland, die ihn nicht mögen, auch ausspähen und sie so einschüchtern. Wer auf Facebook etwas Erdoganfeindliches postet, muss Angst haben, ein Erdogananhänger meldet das der türkischen Polizei; sobald er die Türkei betritt, wird er verhaftet. Zwei derartige Fälle mit Aussagen der Betroffenen wurden kurz nach Erdogans Besuch in der Presse gemeldet. Eine derartige Bespitzelung von Normalbürgern ist peinlich und wäre unangemessen. Medien berichten nur von einer allgemeinen Sorge. „Report Mainz“ etwa berichtet von einem „kurdischen Flüchtling Murat Ü“, der einen Anwalt aufsuchte, da er aufgrund seiner Erdogan beleidigenden Äußerungen eine Nachricht erhielt, er sei angezeigt worden, und sich jetzt fürchtet in die Türkei zurückzukehren. Dies sieht gewiss eher nach der Drohung einer übereifrigen Erdoganfans aus. Dass die türkische Polizei einer derartigen Anzeige, wenn sie denn erfolgte, auch nachgehen würde, ist zumindest völlig unbewiesen. Man würde sich wünschen, die türkische Polizei hat Besseres zu tun, als Facebookposts von irgendwelchen völlig harmlosen Türken in Deutschland zu verfolgen. Erdogan täte sich mit derartigen Kleinlichkeiten auch keinen Gefallen. Nun, ob es wahr ist, dass diese App zur Verhaftung in der Türkei nur aufgrund von deftig-türkisch formulierter Erdoganschelte führt, bleibe zunächst einmal dahin gestellt. Es bleibe auch dahingestellt: kommt es zu derartigen Denunzierungen einfach durch übereifrige Erdoganfans oder wird es systematisch gefördert? Die aber Fragen, die sich eigentlich aufdrängen, sind aber vor allem die: 1) warum ist die Situation zwischen Türken in Deutschland so polarisiert, dass gegebenenfalls selbst einfache türkische Bürger ohne jede Terrorismusaffiliation vielleicht tatsächlich denunziert werden? 2) warum ist die Situation zwischen Deutschland und der Türkei so gespannt, dass man über den Standpunkt der Gegenseite nur noch mit Anfeindungen und Hass reden kann? Und da muss ich sagen, daran ist glasklar Deutschland schuld, nicht die Türkei. Was erwartet man von in Deutschland lebenden Türken, die Erdogan wählen, wenn hier in Deutschland Themen des türkischen Wahlkampfes die gesamte öffentliche Diskussion beherrschen? Wenn deutsche Politiker sich anmaßen, Türken vorzuschreiben, was sie wählen müssen, um in Deutschland noch willkommen zu sein? Wenn deutsche Politiker für eine türkische Kleinpartei emphatisch werben und fordern, dass auch in der Türkei tun zu dürfen? Dem gewählten Präsidenten der Türkei und seiner Partei wird dagegen verboten, hier in Deutschland Wahlkampf zu machen. Ist es nicht selbstverständlich, dass das die Türken, die Erdogan verehren, wütend macht – auf Deutschland und auf Türken, die sich – in ihrer Sicht – auf die Seite der Deutschen stellen, die ihnen ihre Meinung verbieten und – jedenfalls in ihren Augen – ihr ganzes Land grob beleidigen? Und wie permanent und grob Erdogan in Deutschland systematisch beleidigt wird, brauche ich wohl nicht zu erklären. Und wenn das so ist: ist es dann noch möglich, dass sich Deutschland und die Türkei sachlich darüber unterhalten, was die Türkei legitimerweise an polizeilicher Aufklärung in Deutschland tun darf und was nicht? Was immer man über die Gülenbewegung denkt, hier bestehen Unterschiede zwischen der Rechtslage in Deutschland und der Türkei. Zivilisierte Staaten reden über solche Dinge sachlich und höflich hinter verschlossener Tür. Wenn aber Deutschland sich in unverschämter Weise in den türkischen Wahlkampf einmischt, ist das nicht mehr möglich. Dasselbe gilt für Bespitzelung von harmlosen Privatpersonen. Wären die Verhältnisse zwischen der Türkei und Deutschland nicht aufgrund deutschen Verhaltens vergiftet, könnte man sachlich darüber reden oder eher: es gäbe so etwas nicht. Zudem: wie unangenehm und unangebracht es auch sein mag, wenn es solche Bespitzelung geben sollte – auch in Deutschland kann ich nicht über jeden Politiker öffentlich sagen oder gar schreiben, was ich will: ich muss mich immer fragen, ob das, was ich sage, geg. justiziabel ist oder nicht. Wenn es justiziabel ist, kann ich leicht Ärger kriegen. Türken hier in Deutschland müssen sich im Klaren darüber sein, was in der Türkei justiziabel ist, bevor sie ihrer politischen Meinung in der Sprache Böhmermanns formulieren. Und jetzt noch was zu Überwachung durch die türkische Polizei und die deutsche. Was ist eigentlich mit dem bayerischen Polizeigesetz, wo man in der Theorie jedenfalls auf unbeschränkte Zeit in Untersuchungshaft kommen kann? Was ist mit der Tatsache, dass die Polizei ohne konkreten Tatverdacht meine Internetaktivitäten und mein Handy abhören darf? Und außerdem: es gibt in Deutschland nicht nur eine Seite zur Meldung von Internetkriminalität, es gibt auch ein Telefon und eine Mailadresse des Verfassungsschutzes speziell zur Meldung islamistischen Terrors: Hinweistelefon Verfassungsschutz . Der Text ist so formuliert, dass es hier wirklich nur um Terrorismus geht. Das ist legitim, wie die türkische App legitim ist, wenn sie von der türkischen Polizei korrekt benutzt wird. Deutsche Medien bezweifeln, dass das so ist. Am legitimen Umgang des Verfassungsschutzes mit Bespitzelung darf sicher auch gezweifelt werden, nicht nur seit der neuerlichen Affäre Maaßen, auch wegen der NSU-Akten, der Amri-Affäre etc. Und das muslimische Gemeinden rund um die Uhr bespitzelt werden und das unangenehme Folgen haben kann, dazu eine Geschichte, die wohl kaum jemand noch kennt: 2010 musste der Imam der Frankfurter Hazrat-Fatima Gemeinde, Sabahattin Türkyilmaz, zurücktreten nur weil er in einer Predigt gesagt hatte, er bete für die Befreiung Palästinas aus den Händen der Zionisten und weil er an einer legalen, polizeilich genehmigten friedlichen Demonstration, dem Al-Quds-Tag in Berlin, teilgenommen hatte. Sabahattin Türkyilmaz, in Qom ausgebildet, ist einer der intelligentesten und integersten Imane, die es in Deutschland gibt. Seine Predigten waren es wert, dass ich sie auf der Internetseite der Moschee regelmäßig gelesen habe (https://freitagskanzel.wordpress.com). Er hat viel für die Integration von Muslimen geleistet, und sich z.B. energisch dafür eingesetzt, Muslimen unmissverständlich klarzumachen, dass Zwangsehen und Ehrenmorde Ausdruck einer primitiven Mentalität und mit dem Islam unvereinbar sind. Aber Meinungsfreiheit für Muslime, die gibt es eben in Deutschland – oder besser Europa – nicht. Und dann beschwert man sich über Erdogan.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

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Prof. Dr. Hans-Christian Günther
Lebenslauf Geb. am 28.4.1957 in Müllheim / Baden Professor für klassische Philologie an der Albert-Ludwigs-Universität. Zahlreiche Publikationen und Gastprofessoren. Lange Aufenthalte in der VR China. Im Bereich der Altertumswissenschaft besonderer Schwerpunkt auf der politischen Dichtung der Augusteer und allgemein der Reflexion antiker Autoren auf ihre gesellschaftliche Stellung und Verantwortung Seit 2004 Tätigkeit im Bereich des Dialogs der Religionen und Kulturen mit zahlreichen Veröffentlichungen.

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Türkei: Irischer Dieb muss verschluckten 40.000-Dollar-Diamantring zurückgeben

Marmaris (nex) – Ein irischer Tourist ist im Krankenhaus gelandet, nachdem er versucht hat, einen Diamantring im Wert von 40.000 Dollar zu stehlen. Er hatte ihn einfach verschluckt. Ian Campbell, der seinen Urlaub in Marmaris an der türkischen Riviera verbrachte, betrat am Donnerstag ein Juweliergeschäft in der Stadt. Türkischen Medienberichten zufolge schnappte sich der 54-jährige Tourist einen teuren Ring und versteckte ihn in seiner Hand. Als der Juwelier misstrauisch wurde und die Tür abschloss, steckte Campbell schnell den Ring in seinen Mund und schluckte ihn. Der Juwelier rief die Polizei an, aber Campbell wies die Schuld von sich. Kameraaufnahmen zeigten jedoch, dass der Tourist den Ring verschluckt hatte. Der zuständige Staatsanwalt wies die Polizei an, den Touristen zur Operation ins Marmaris State Hospital zu bringen, um den Ring zu entfernen, wenn er ihn nicht „auf natürliche Weise“ zurückgeben könne. Ein Röntgenbild im Krankenhaus zeigte, dass sich der 2,5-Karat-Ring noch in Campbells Darm befand. Türkische Medien verfolgten die „Reise“ des Rings am Donnerstag fast in Echtzeit. Dem Mann wurden im Krankenhaus Abführmittel verabreicht und der Ring war am Abend nur 15 Zentimeter vom Darmausgang entfernt, so türkische Medien. Der Juwelier wartet seit mehr als 11 Stunden mit dem Mann. „Ich warte darauf, meinen Ring zurückzubekommen. Ich habe eine Strafanzeige gestellt. Ich kann nicht glauben, wie ruhig er ist“, sagte der Juwelier gegenüber der Nachrichtenagentur Demirören im Krankenhaus und protestierte gegen den Iren.  

Mersin
Miyav Park Türkei: Ein Städtchen nur für Katzen

Mersin (nex) – Dieser Ort wird die Herzen jedes Katzen-Fans höher schlagen lassen: In der südtürkischen Stadt Mersin gibt es seit etwa einem Jahr ein kleines Städtchen nur für Straßenkatzen, in denen die Samtpfoten sicher und geborgen leben können.
Beherbergte der Platz früher ein antikes Theater, hat die Stadt Mersin genau dort ihren Katzen im vergangenen Jahr ein Zuhause gebaut. “Miyav Park” (türkisch für Miau) nennt sich der neue Spiel- und Wohnplatz, in dem die kleinen Streuner eine neue Heimat finden können.
 
Kleine Häuser, Essen- und Wasserschalen, Spielgeräte, eine weiche Rasenfläche und eine Beleuchtungsanlage, die mit Sonnenenergie gespeist wird, sorgen dafür, dass die Samtpfoten der Stadt einen komfortablen Aufenthaltsort ihr eigen nennen können.
Eine entsprechende Umzäunung aus Metall sorgt dafür, dass die Katzen sicher vor jeglicher Bedrohung leben können.
Damit sollen sie vor gefährlichen Hunden ebenso geschützt werden, wie vor Menschen, die es nicht gut mit Tieren meinen.
Überwachungskameras ermöglichen es der Stadt Mersin, dass sie die kleinen Vierbeiner ständig im Auge haben. So kann verletzten oder kranken Tieren sofort geholfen werden.
Ein Veterinärteam sorgt dafür, dass die Kätzchen medizinisch betreut werden. Für größere Eingriffe und Kastrationen werden die kleinen Samtpfoten in die städtische Veterinärklinik gebracht.
Die Stadt wünscht sich, dass durch diesen Katzenpark ein reges Miteinander von Mensch und Tier stattfindet. Besonders Kinder sollen dabei den Umgang mit den kleinen Kätzchen lernen.

Wichtig ist allerdings, dass die Streuner nicht mehr hungern müssen, eine medizinische Versorgung auch für Straßenkatzen immer gegeben ist und keine Katze im Winter mehr frieren muss.

Besucher vom “Miyav Park” wünschen sich, dass dies erst der Anfang in der Fürsorge für die kleinen Kätzchen ist. Sie fordern die Stadt auf, noch mehrere solche Anlagen für diese Tiere zu bauen. Die Stadt Mersin ist nicht die einzige Stadt in der Türkei, die sich fürsorglich um Katzen kümmert.
Auch in der Schwarzmeerstadt Samsun gibt es bereits seit 2015 eine kleine Katzenstadt, deren Ambiente an ein Sterne-Hotel erinnert. Es gibt dort die unterschiedlichsten Schlafhäuser, damit die Kätzchen sich um eine warme Unterkunft nicht mehr sorgen müssen. In beiden Fällen werden für die leisen Pfötchen alles getan, was sie für ein gesundes und freies Leben benötigen.

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Terrorismus
Mindestens sieben Tote bei Terroranschlag in der Südosttürkei

Batman (nex) – Wie das Büro des Gouverneurs der südosttürkischen Provinz Batman am Donnerstag mitteilte, sind bei einem Bombenanschlag mindestens sieben Soldaten ums Leben gekommen. Eine von „Terroristen gelegte Bombe“ sei explodiert, als ein Militärfahrzeug durch den Bezirk Gercüs fuhr, so die Mitteilung. Die türkischen Offiziellen haben die Terrororganisation PKK für den Anschlag verantwortlich gemacht. Der selbstgebaute Sprengsatz sei gezündet worden, als das Fahrzeug mit mehreren Soldaten an Bord vorbeifuhr, berichtet die Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf den Gouverneur der Provinz. Der kurdischen Nachrichtenagentur Rudaw zufolge habe die PKK zum Anschlag noch nicht Stellung genommen. Es sei eine großangelegte Suche nach den Attentätern im Gang. In ihrer mehr als 30-jährigen Terrorkampagne gegen die Türkei war die PKK – von der Türkei, den USA und der EU als terroristische Organisation geführt – für den Tod von rund 40.000 Menschen, darunter Frauen und Kinder, verantwortlich.

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Erdbeben in Indonesien
Knapp 50.000 Kinder auf Sulawesi benötigen dringend mehr Schutz und Hilfe

Nach Angaben der indonesischen Katastrophenschutzbehörde benötigen knapp 50.000 Kinder dringend humanitäre Hilfe. Besonders Kinder, die von ihren Angehörigen getrennt wurden oder diese verloren haben, sind nach der verheerenden Naturkatastrophe extrem schutzbedürftig. „Überall sieht man Zerstörung: Häuser, die nur noch aus Schutt bestehen, Straßen, die es einfach nicht mehr gibt. Ich mache mir besonders um die Kinder Sorgen. Unzählige Mädchen und Jungen haben durch diese schreckliche Tragödie ihre Eltern verloren, andere wurden von ihren Familien getrennt. Die Kinder sind bisher komplett allein gelassen. Viele schlafen auf der Straße, weil sie einfach nirgends hingehen können. Viele sind voller Furcht und auch schwer traumatisiert. Diese Art von Erfahrungen sollte kein Kind je durchleben müssen“, sagt Zubedy Koteng, Kinderschutz-Experte von Save the Children in Palu. Dennoch gibt es neben all der Tragik auch Geschichten mit einem glücklichen Ende. Eine dieser berichtete Dimas* lokalen Kollegen von Save the Children. Seine neunjährige Schwester Puri* konnte lebend aus den Trümmern geborgen werden. Sie lag direkt neben einer Leiche und war zum Zeitpunkt ihrer Rettung kaum bei Bewusstsein. Zum Glück war eine ihrer Hände zu sehen, sodass die Menschen sofort begannen, den Schutt zu beseitigen. „Puri* wurde unter den Trümmer unseres Hauses begraben und fünfzig Meter vom eigentlichen Standort entfernt gefunden. Nur ganz wenige Häuser sind noch intakt. Als wir Puri* retteten, habe ich nicht damit gerechnet, dass überhaupt noch jemand überleben konnte. Es ist einfach ein Wunder“, sagt Dimas*. Save the Children arbeitet mit seinem lokalen Partner Yayasan Sayangi Tunas Cilik (YSTC) in Palu. Die Hilfsorganisation verteilt Nothilfe-Pakete, darunter Planen und Decken, Hygienesets und richtet Spiel- und Schutzräume ein. Besonderes Augenmerk der Organisation liegt dabei auf der Familienzusammenführung. „Kinder müssen so schnell es geht, wieder mit ihren Angehörigen zusammenkommen. Das hat höchste Priorität und erfordert eine sorgfältige Koordination zwischen anderen Hilfsorganisationen, Behörden und der Regierung. Für verwaiste Kinder werden wir versuchen, andere Verwandte zu finden, die für sie Sorge tragen können“, betont Zubedy Koteng. „Eine weitere große Herausforderung ist die Erreichbarkeit der Gemeinden auf Sulawesi. Viele liegen sehr abgeschieden und durch die Naturkatastrophe sind die Verkehrsverbindungen unterbrochen oder gestört. Das ist eine große Hürde, nicht nur für die Familienzusammenführung.“ Save the Children arbeitet seit 1976 in Indonesien und hat lange Erfahrung in der Katastrophenhilfe (Lombok 2018, Tsunami 2004).  

Kommentar
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Professor Dr. Hans-Christian Günther kommentierte in einem vorherigen Beitrag den Deutschland-Besuch des Türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. In diesem sagte er auch, dass er ihn wählen würde. Viele Leser fragten uns nach seinen Gründen. Dazu hat sich Prof. Günther nun in einem Kommentar geäußert. Von Prof. Dr. Hans-Christian Günther

Also ich fang mal ganz vorn an. Ich hatte schon immer, seit Kindheit, eine Sympathie für die Türkei und ihre Kultur. Da war natürlich erst mal Karl May, den ich auch heute noch für einen der großen deutschen Erzähler halte. Nicht viel später kam dann etwas, was mich bis heute geradezu prägt: ich las schon als Kind europäische Klassiker.

Einer davon war Rückert mit seiner genialen Nachdichtung der Gedichte Mevlanas. Nicht nur Rückert ist bis heute ein Dichter, den ich liebe, Mevlana wurde über mein ganzes Leben hin für mich eine der Gestalten der Weltkultur, die für mich immer eine der größten Quellen der Weisheit bleiben werden, ein Mann, ohne den ich mir mein Leben nicht vorstellen könnte. 

Später entdeckte ich dann, dass auf dem Gebiet der heutigen Türkei viele große Kulturen ihre Spuren hinterließen: Griechenland, noch früher die Hethiter, manche einheimische Kulturen. Als Professor für klassische Philologie war manches mein Forschungsgebiet, auch die hethitische Kultur und Sprache habe ich in meinem Studium der Indogermanistik intensiv studiert. Auch Byzanz gehört zu meinen Forschungsgebieten, mein Interesse für das osmanische Reich, für den Islam kamen später dazu. 

Zudem fühle ich mich aufgrund meines privaten Lebenslaufes, den ich hier nicht ausbreiten will, der türkischen Mentalität sehr nah und verstehe mich im allgemeinen mit Türken prima. Trotz alledem bin ich aber bisher nicht in die Türkei gereist. Das ist kein Zufall. In meiner Jugend zwischen 1975 und 1997 bin ich in Europa viel gereist, habe in manchen Ländern sogar lange gelebt. In die Türkei bin ich nicht gefahren. Trotz meiner guten Beziehungen zu Türken in Deutschland (das sind natürlich fast alles Leute, die Taxi fahren oder die berüchtigten Gemüsehändler) dachte ich, in der Türkei würde ich mich nicht wirklich wohlfühlen. Um das zu erklären, muss ich nochmal von vorn anfangen. 

Der moderne Staat Türkei, den Atatürk nach dem Zusammenbruch des osmanischen Reiches gegründet hat, hatte mit dem, was ich als den historisch-kulturellen Reichtum des Gebiets der heutigen Türkei ansah, nie etwas zu tun. Atatürk hatte gewiss eine Qualität: er hat es geschafft, aus den Trümmern eines zerstörten Weltreiches einen neuen Staat herauszuschneiden, der funktionierte und bis heute funktioniert. Das ist etwas Großes; aber das war’s dann auch. Was Atatürk geschaffen hat, war ein Nationalstaat nach westlichem Muster.

Die Kultur des osmanischen Reiches hatte da keinen Platz mehr. Sie wurde ersetzt durch stupiden Nationalismus und Militarismus. Selbst der Islam, die Seele der osmanischen Kultur und der Menschen, die bis heute auf dem Gebiet des türkischen Nationalstaates leben, wurde zum Instrument türkischen Nationalismus‘ entwürdigt. Die Türkei war unter Atatürk und all seinen Nachfolgern eine geist- und kulturlose,  offene oder verdeckte, faschistoide Militärdiktatur. 

Atatürk hatte die Kurden um ihren Staat betrogen; dann hat er damit begonnen, kurdische Kultur und Sprache auszurotten, die Mehrzahl der Christen zu vertreiben. Seine Nachfolger haben es fortgesetzt. Die Mehrzahl der Christen haben unter den Kemalisten das Land verlassen, die Kurden wurden in einem schleichenden Genozid entwürdigt. Das war genau der Nationalstaat französischen Musters, ein Staat europäischen und damit kolonialen, rassistischen Zuschnitts, ein Verrat an der toleranten Kultur des osmanischen Reiches. Und deswegen gefiel dieser Staat Europa und den USA auch. Dieser säkulare, westlich orientierte Staat war einer, dem man die Waffen zum Genozid an den Kurden lieferte. Den Exodus der Christen hat man ignoriert. 

Das osmanische Reich war abgesehen von einzelnen Entgleisungen tolerant, es gab kein Problem mit dem Zusammenleben ethnischer Gruppen, es war kein türkischer Staat, es war ein Staat der Muslime; jeder, der Muslim war, war gleich, was immer seine ethnische Herkunft. Was diese Gesellschaft zusammenhielt, waren die Werte des Islam. Und das alles hat der türkische Nationalstaat zerstört und auf perverse Art instrumentalisiert. 

Und so habe ich auch so manche Türken erlebt, die einen unangenehm Nationalismus an den Tag legten, sofern nur das Wort Kurde oder Armenier fiel, und das war immer der Fall, wenn mal ein Türke der bürgerlichen Schicht aus der Türkei zu Besuch war oder wenn es Studenten waren. Was sich da als gebildet aufspielte, waren halbgebildete verbohrte Hanswurste. 

Was mich aber vor allem abhielt, in die Türkei zu fahren, war etwas anderes. Ich hatte mir immer vorgenommen, wenn ich in die Türkei fahre, dann wird der erste Ort, den ich besuche, Konja und das Haus Mevlanas sein. Aber in einer Türkei, wo dieses Haus zur Touristenattraktion herabgewürdigt wird, wo Derwische sich nur auf dem Niveau von Bauchtänzern betätigen durften, in dieser Türkei wollte ich Mevlana nicht besuchen. Da wollte ich noch nicht einmal die Natur sehen, von Gedichte von Yunus Emre sprechen. Nein danke! 

Es gab zuweilen Versuche, das stupide Militärregime der Türkei aufzuweichen. Und schließlich ist die Mehrheit der Türken gegen die kemalistische Barbarei des halbgebildeten Bürgertums aufgestanden. Zuerst konnte Erbakan zumindest eine Koalitionsregierung führen, aber Erbakan war kein Machtpolitiker. Die Militärs haben ihn beseitigt. 

Erdogan war an diesem Umschwung unter Erbakan beteiligt. 1998 hat er dafür mit zehn Monaten Gefängnis bezahlt, und das ist schon ein Punkt, warum ich Erdogan respektiere: er hat für seine politische Überzeugung das Gefängnis der türkischen Militärs in Kauf genommen. Wenn man das häufiger mal im Hinterkopf behielte, dann würde man diesen Mann besser verstehen. 

Und dazu: er hatte beides, das Rückgrat und das politische Geschick weiterzumachen. Er hat es gelernt, die Macht zu gebrauchen. Und nur deshalb, weil er mit Macht umgehen kann, hat er Erfolg gehabt (das soll man auch im Hinterkopf haben), den von Grund auf verkorksten Staat Türkei umzubauen. Er hat ihn umgebaut zu einem anderen Land, er hat es aus einer kulturamputierten Militärdiktatur zu einem Land gemacht, auf das Türken heute zu Recht stolz sein können. 

Der Umbau der Türkei zu einem anderen Land stützte sich auf die breite Masse der türkischen Bevölkerung, die sich zum ersten Mal gegen das bürgerliche, kemalistische Establishment durchsetzte. Selbstverständlich gelang es Erdogan, diese Menschen dauerhaft für sich zu gewinnen auch ganz wesentlich durch seine Wirtschaftspolitik, die der Türkei nicht nur insgesamt ein kräftiges Wachstum bescherte, sondern auch der breiten Bevölkerung durch höhere Einkommen und bessere staatliche Dienstleistungen zugute kam. Das ist alleine schon ein großes Verdienst. 

Ebenso führte Erdogan eine kluge Außenpolitik, die sich auf die Formel reduzieren ließ: null Probleme mit den Nachbarn. 

Die Türkei war als Nachfolgestaat des osmanischen Reiches mit der Hypothek der Kolonisation der arabischen Welt und somit dem Ressentiment der arabischen Nachbarn belastet; ebenso mit der historischen Feindschaft zu dem auch  konfessionell getrennten Iran. Auch zu Russland bestand eine historische Feindschaft. Erdogan hat die Türkei zum privilegierten Handelspartner Russlands gemacht, das Verhältnis zum Iran geglättet, in der arabischen Welt wurde er zum Volkshelden. Er wurde das, weil er den Türken wieder zurückgegeben hat, was sie als ein Kulturvolk immer besaßen: den Islam. 

Und das ist es, was ich an Erdogan immer bewundert habe, und was ich auch heute an ihm bewundere. Er hat der Türkei ihren höchsten Wert zurückgeben: den Respekt vor den Werten des Islam. Dadurch hat er ihr zugleich die Kultur der Menschlichkeit zurückgegeben und  das Ansehen der Türkei in der Welt, der muslimischen insbesondere, unendlich gemehrt. Erdogan hat auch zu Europa gute Beziehungen gepflegt, soweit es an ihm lag. Europa hat seine Leistung nie anerkannt. Europas Hass auf den Islam ist größer als jedes Gefühl von Anstand und Fairness. Ich glaube, Erdogan wusste das immer. Europa war für ihn ein Stein im Brett, sich die Militärs vom Leibe zu halten – ebenso wie die Gülenisten. 

Wenn ich nun sage, Erdogans größte Leistung ist, der Türkei ihre geistigen Werte zurückgegeben zu haben, klingt das ziemlich abgehoben. Und es scheint zu Erdogan gar nicht zu passen: der ist doch kein Intellektueller, eher ein Fußballer. Aber die Werte einer großen Religion, die sind etwas ganz anderes als das, was sich Leute im politischen, auch Leute im akademischen Betrieb darunter vorstellen. Der Islam hat Weltreiche getragen. Er prägt bis heute die gesamte Welt in der ein oder anderen Weise. Erdogan hat Probleme der Türkei gelöst, weil er sich an den Werten des Islam orientiert hat.

Er hat den Kurden ihre Sprache und Kultur zurückgegeben, weil der Islam keinen Chauvinismus kennt. Erdogan hat das Armenierthema enttabuisiert und ist auf Armenien zugegangen. Er hat die richtigen Worte des Beileids und der Menschlichkeit gefunden; er – nicht andere Wichtigtuer- hat sich der türkischen Vergangenheit gestellt und Armenien eine internationale Historikerkommission angeboten. Die mächtige Türkei und das unbedeutende Armenien. Das ist mehr als eine Geste. Wenn Armenien das ausschlägt, dann ist das deren Sache. 

Erdogan hat aber immerhin vom armenischen Patriarchen bescheinigt bekommen, dass er armenische Christen in der Türkei besser behandelt als die Kemalisten. Wenn Erdogan das große kulturelle Erbe des armenischen Christentums in der Türkei mit seinen wertvollen Kirchen überhaupt einmal zur Kenntnis nimmt, dann tut er das, weil der Islam Respekt vor der christlichen Religion fordert. 

Die Kemalisten hatten ihn weder vor Christen noch vor Kurden, das war Europa egal: aber Erdogan wirft man vor, Kurden und Christen zu verfolgen. Ihm wirft man den unangenehmen türkischen Nationalismus vor – das schlimme Erbe des Kemalismus. Erdogan muss in der realen Welt Politik machen. Er muss – leider – auch niederen Instinkten Rechnung tragen, um die Bevölkerung auf seine Seite zu bringen. Aber diese unangenehmen Seiten der Türkei sind das Erbe Atatürks, nicht die Agenda Erdogans. Mehr sage ich hier nicht, sonst platzt mir der Kragen. 

Auch die Außenpolitik der Aussöhnung mit den Nachbarn gelang Erdogan, weil sie den Werten des Islam entspricht. Es entspricht diesen Werten, Muslime als Muslime anzuerkennen, auch wenn sie einer anderen Konfession angehören. Wer ein Muslim ist, entscheidet Gott, nicht ein Mensch. Was shiitischen Muslimen heilig ist, das respektiert auch ein Sunnit und umgekehrt. Erdogan hat den shiitischen Iran verteidigt, er hat seine Versöhnung mit der arabischen Welt mit seinem Bruder, dem Alaviten, Assad begonnen. Er hat sich für Palästina eingesetzt, er hat China seinen Genozid an dem Uighuren vorgehalten. So wurde er zum stillschweigenden Symbol für die Einheit der Muslime der Welt. 

Und wenn ich bei dem Thema bin, kann ich nicht umhin auf einen Punkt hinzuweisen: der Islam braucht nichts mehr als die politische Einheit der Muslime. Der heute im Westen so beschimpfe politische Islam begann mit der iranischen Revolution. Die war das wichtigste Ereignis in der modernen Geschichte des Islam. Ihr Initiator, Imam Khoumeini, war der größte Muslim der Nachkriegszeit. Die Befreiung der muslimischen Welt vom Kolonialismus führte in der Regel zu westlich orientierten Nationalstaaten und Militärdiktaturen oder Monarchien mit den ehemaligen Handlangern der Kolonialmächte.

An diesen Krebsgeschwüren leidet die islamische Welt bis heute. Mit der iranischen Revolution hat ein Volk, wie Imam Khoumeini sagte, den Islam gewählt. Der islamische Staat des Iran hat alle Bedrohungen überlebt; von ihm ging eine Kraft aus die Muslimen ein neues Selbstvertrauen geschenkt hat. Überall, wo Muslime wählen durften, haben sie den Islam gewählt: in Algerien, in Ägypten, im Gazastreifen – und in der Türkei.

Algerien und Ägypten hat der Westen die vom Volk legitimierte Regierung genommen. Die Hamas hat man nicht anerkannt und so die Chance zum Frieden in Palästina verspielt. Neben dem Iran hat nur Erdogan gesiegt; er ist der vom türkischen Volk mit eindeutiger Mehrheit gewählte und respektierte Präsident. Der Westen mag ihn hassen, aber die Welt ist größer. Erdogan ist einer der weltweit am höchsten geschätzten Staatsmänner. 

Der Iran vertritt eine Minderheitenkonfession des Islam. Trotz der geistigen Kraft, die bis heute von dem Erbe Khoumeinis ausgeht, kann der Iran die muslimische Welt nicht einen. Erdogan ist der einzige Staatsmann, der zumindest seine Stimme erheben kann und zur Einheit der Muslime aufrufen und den man hören wird. Und ich erwarte von ihm, dass er dies wieder mit größerer Emphase tut – allen Schwierigkeiten zum Trotz. 

Erdogan ist ein Mann mit einer großartigen Leistung hinter sich, er ist ein großer Staatsmann, unfehlbar ist er nicht. Als er 2011 auf den Zug des Westens zur Zerstörung Syriens aufsprang, hat er einen schweren Fehler begangen. Er hat sich mit den Feinden des Islam verbündet. Das war auch nicht im realpolitischen Interesse der Türkei: weder Assad, noch der Iran werden einen Kurdenstaat erlauben wollen, das will allenfalls der Westen und Israel. Die Probleme der Türkei heute sind eine Folge dieses Fehlers. Erdogan hat das längst eingesehen und den Kurs gewechselt. Er hat sogar mit großem Erfolg und Geschick seinen Hut in den Ring geworfen und für Ildib eine blutige Lösung verhindert. Die Türkei ist wieder auf dem richtigen Weg. 

Ich erhoffe mir, das Erdogan in Zukunft konsequent den alten Kurs fortführt: Aussöhnung mit den Nachbarn. Vor allem hoffe ich, die Türkei wird sich zu einer Allianz mit dem Iran durchringen. Die Türkei und der Iran gemeinsam wären eine kolossale Macht, die den nahen und mittleren Osten dominieren und stabilisieren könnten. Diese Allianz wäre ein erster Schritt zu einer größeren Einheit muslimischer Staaten. 

Heute werden Muslime weltweit diffamiert, verfolgt, gefoltert und getötet. Zum guten Teil sind es Muslime, die dies tun: Muslime, die das schmutzige Spiel des Westens mitspielen, die Muslime zu spalten und zu vernichten. Und inzwischen hat der Westen dabei einen noch gefährlicheren Partner: China. China will den Islam in China ausrotten. China verbreitet weltweit Hass auf Muslime, haargenau im Stil der europäischen Antiislamfaschisten, nur erfolgreicher. Es wird Zeit, das Muslime dagegen aufstehen. Ich erhoffe mir, dass Erdogan wieder das Rückgrat hat, dazu das Seine beizutragen. 

Bleibt zum Schluss die oben gestellte Frage, wie ein Mann wie Erdogan einem Land seine Kultur zurückgeben kann: nun, Khoumeini war ein Mensch, wie es ihn kein zweites Mal gibt, ein Mann Gottes, ein Mann des Geistes und der Spiritualität, der zu politischer Macht gekommen ist. Wie aber kann ein geschickter Machtpolitiker wie Erdogan, so ungefähr das Gegenteil von einen Intellektuellen, einem Land und seiner Politik seine geistigen Werte zurückgeben? Die Antwort ist einfach: echte geistige Werte, echte Menschlichkeit sind nicht das Privileg der Bildung, sie sind eine Gabe Gottes. Und genau deswegen sind diese Werte auch alles andere als weltfremder Idealismus.

Ihre Heimat ist nicht der Verstand, ihre Heimat ist das Herz. Ihre Stimme wird oft übertönt von anderen Stimmen, zumal wenn man ein Politiker ist und mit der Welt der Realpolitik umgehen muss. Aber ich hoffe und glaube, dass diese Stimme letztlich doch den Präsidenten der Türkei mit all seinen nur allzu menschlichen Schwächen auf seinem Weg zu einer besseren Zukunft begleiten wird. 

Seit Erdogan die Türkei regiert, habe ich noch nicht die Zeit gefunden, mir meinen Wunsch zu erfüllen, die Türkei zu besuchen. Aber jetzt kann und werde ich tun, was ich mir immer vorgenommen habe: ich werde eines Tages nach Konya fahren, denn heute werde ich dort nicht nur viele Türken finden, die das Andenken Mevlanas bewahren, sondern auch einen türkischen Staat, der dieses großen Mannes der Weltkultur würdig ist und seinem Geist den gebührenden Respekt zollt. 

Und zum Schluss eine weitere ganz persönliche Bemerkung: echte Menschlichkeit und geistige Kultur ist der Dienst am anderen Menschen, besonders an dem, der der Zuwendung bedarf, dem Schwachen und Leidenden. In der Welt heute sind Muslime die Schwachen. Wenn ich auf meine innere Stimme höre, dann sagt sie mir, dass es meine Pflicht ist, mich auf die Seite dieser Menschen zu stellen. Ich bin fest überzeugt, diese Stimme spricht in Inneren jedes Menschen. Aber es kommt darauf an, ob von außen an seine niederen Instinkte oder an sein Gewissen appelliert wird.

Ich würde mir wünschen, es gäbe in Deutschland mehr Menschen, die auf ihr Gewissen hören dürfen. Dann würden auch wir soziale und Probleme der Integration lösen. Wenn wir Deutsche eine Kultur der Menschlichkeit leben würden, dann müssten wir Migranten nicht Assimilation an eine zweifelhafte Leitkultur abverlangen. Wenn wir jedem mit Menschlichkeit und dem Schwachen mit Zuwendung und Offenheit begegnen, dann wird man den nicht zwingen müssen dazuzugehören, er wird dazugehören wollen. In der harten Realität des Alltags ist das kein leichter Weg, es ist ein schwieriger Weg. Aber er ist der einzige Weg, und jedes noch so kleine Stück, das wir auf diesem Weg gehen, trägt uns weiter voran, als wir denken. 


Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.
Prof. Dr. Hans-Christian Günther
Lebenslauf geb. am 28.4.1957 in Müllheim / Baden Professor für klassische Philologie an der Albert-Ludwigs-Universität. Zahlreiche Publikationen und Gastprofessoren. Lange Aufenthalte in der VR China. Im Bereich der Altertumswissenschaft besonderer Schwerpunkt auf der politischen Dichtung der Augusteer und allgemein der Reflexion antiker Autoren auf ihre gesellschaftliche Stellung und Verantwortung Seit 2004 Tätigkeit im Bereich des Dialogs der Religionen und Kulturen mit zahlreichen Veröffentlichungen.  

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„Das war’s nun also! Der schwierige, fast scheint’s so, unwillkommene Staatsgast ist wieder weg. Was da von deutscher Seite so ablief, war nichts, was nicht zu erwarten gewesen wäre; kaum wert, ein Wort drüber zu verlieren“. Ein Kommentar.

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Erdogan-Besuch
Türkischer Regierungssprecher: Türkei-Hass wird unter Hass auf Erdogan versteckt

Ankara (nex) – Der Sprecher der regierenden Partei der Türkei sagte, dass „einige Kreise“ in Deutschland versucht hätten, ein negatives Bild vom jüngsten Besuch von Präsident Recep Tayyip Erdogan in Deutschland zu vermitteln. „Rechte Gruppen verwenden ein Matrjoschka-puppenartiges System“, sagte der Sprecher der AK-Partei, Ömer Celik, auf einer Pressekonferenz nach der Sitzung des Zentralausschusses der Partei. „Sie verbergen ihren Hass auf die Türkei, indem sie unseren Präsidenten hassen. Wenn man diese Puppe anhebt, wird man den Hass auf den Islam sehen. Wenn man die Puppe weiter anhebt, wirst man auch Antisemitismus sehen.“ Erdogans mit Spannung erwarteter dreitägiger Besuch in Deutschland begann am 27. September mit einer regen Agenda zu hauptsächlich bilateralen politischen und wirtschaftlichen Themen, die darauf abzielten, die einst schwer beschädigten Beziehungen zu normalisie Celik bezeichnete auch die Entscheidung des Europäischen Parlaments, die Finanzierung zur Unterstützung der Türkei bei Flüchtlingen aufzuheben, als „nicht demokratisch, sondern ideologisch“. Am vergangenen Dienstag hat der Haushaltsausschuss des Europäischen Parlaments erklärt, dass er 70 Millionen Euro (82,4 Millionen Dollar) Mittel für die Türkei streicht. Celik verglich in seiner Rede zudem rechtsextreme Gruppen in Europa mit der Terrorgruppe IS. „Europas Daesch sind seine rechtsextremen Gruppe“, sagte der Sprecher der AK-Partei, Omer Celik, auf einer Pressekonferenz nach der Sitzung des Zentralausschusses der Partei und benutze das arabische Akronym für die Terrorgruppe. „Die Aktivitäten von Politikern aus rechtsextremen Gruppen in Europa geben Daesh Raum zur Verbreitung“, sagte er und fügte hinzu, dass gleichzeitig die Aktivitäten von Daesh-Terroristen der Nährboden für rechtsextreme Gruppen sind. „Was Daesh für den Nahen Osten ist, ist dasselbe wie die rechtsextremen Gruppen für Europa“, sagte er.

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Internationaler Gerichtshof
USA müssen Sanktionen gegen Iran aufheben

Den Haag (nex) – Seit August gelten neue US-Sanktionen gegen den Iran. Nach einem Beschluss des Internationalen Gerichtshofs muss Washington einige der Sanktionen nun bis auf weiteres aufheben. Das Gericht gab damit einer Klage des Iran statt, der eine einstweilige Verfügung gegen die Maßnahmen gefordert hatte. Der Entscheidung der Richter beweise, dass die Sanktionen „grausam und illegal“ seien, so Teheran in einer ersten Stellungnahme. Vor allem Strafmaßnahmen, die die humanitäre Hilfe und die Sicherheit des Flugverkehrs bedrohten, müssten sofort beendet werden, so das Gerichtsurteil. Die Entscheidung der Richter ist zwar bindend, das Gericht kann die Umsetzung aber nicht erzwingen. US-Präsident Trump hat bereits erklärt, dass er den Gerichtsentscheid nicht anerkennen wird.