Kommentar
Was steckt hinter der griechischen Aufrüstung von Inseln im Ägäischen Meer?

Ein Gastbeitrag von Kemal Bölge

Immer wieder kommt es in der Ägäis (Adalar Denizi) zu Spannungen zwischen Griechenland und Türkiye über 23 Inseln, die nach dem Vertrag von Lausanne (1923) und Paris (1947) unter der Auflage eines Militarisierungsverbots Athen überlassen wurden. Darüber hinaus geht es um Hoheitsansprüche zur See, in der Luft und um den Festlandssockel, aus dem sich Ansprüche zur Erforschung und Ausbeutung des Meeresbodens (Ausschließliche Wirtschaftszone) ergeben, die sich außerhalb der nationalen Gewässer beider Staaten befindet.

Athen tritt internationales Recht mit Füßen

Diesmal sorgte die Lieferung von 40 taktisch gepanzerten Radfahrzeugen auf die griechischen Inseln Lesbos (Midilli) und Samos (Sisam) für Wirbel. Aufnahmen von Aufklärungsdrohnen der türkischen Marine zeigen, wie die erwähnten Militärfahrzeuge an den Häfen ausgeschifft wurden. Mit der Stationierung von gepanzerten Fahrzeugen, militärischen Gerätschaften und größeren Truppenkontingenten auf diesen Inseln tritt die griechische Regierung seit Jahrzehnten internationales Recht mit Füßen.

Wegen Aufrüstung griechischen und amerikanischen Botschafter einbestellt

Die Vereinigten Staaten haben nach Medienberichten die Militärfahrzeuge der griechischen Armee kostenlos überlassen. Das türkische Außenministerium hatte wegen der Vorkommnisse den Botschafter Griechenlands und der USA einbestellt und übergab diesen eine Protestnote, in dem Athen aufgefordert wird, sich an die Verpflichtungen aus dem Vertrag von Lausanne und Paris zu halten. Der Regierung des US-Botschafters wurde aufgefordert, „Waffen nicht unter Verletzung“ des vereinbarten Status der Inseln zu liefern.

Die Remilitarisierung dieser Inseln begann bereits in den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, aber Athen ignoriert konsequent beide internationalen Verträge und weigert sich seinen rechtlichen Verpflichtungen sowie Verantwortung nachzukommen. An Ausreden scheint es Griechenland nicht zu fehlen, denn es argumentiert, dass die zu demilitarisierenden Inseln aus „Selbstverteidigung“ aufgerüstet würden, und verweist auf angebliche Landungsflotten der türkischen Marine.

Der Lausanner Vertrag von 1923 schuf zwischen beiden Ländern ein politisches Gleichgewicht, das allerdings am 17. September 1936 mit der einseitigen Ausweitung der Territorialgewässer Athens von 3 auf 6 Seemeilen aus dem Lot geraten ist. Vor der Ausweitung auf 6 Seemeilen betrug der Anteil des Mare Liberum (Offene See) im Ägäischen Meer 71 Prozent und mit der Extension konnte die griechische Regierung die nationalen Gewässer um 25 Prozent steigern. Türkiye hatte zunächst auf eine Ausweitung der nationalen Gewässer verzichtet, aber 1964 ebenfalls nachgezogen.

In Anlehnung an die internationale Seerechtskonvention, dem Türkiye nicht beigetreten ist, hat Griechenland angekündigt seine nationalen Gewässer auf 12 Seemeilen auszudehnen. Tatsächlich erlaubt Artikel 3 der Konvention die eigenen Territorialgewässer auf maximal 12 Seemeilen auszudehnen, allerdings schreibt Artikel 123 eine „Zusammenarbeit der Anliegerstaaten von umschlossenen und halbumschlossenen Meeren bei der Ausübung ihrer Rechte und der Erfüllung ihrer Pflichten aus dieser Konvention“ vor.

Die Bezeichnung halbumschlossenes Meer trifft auf das Ägäische Meer zu. Anders ausgedrückt benötigt Athen die Zustimmung von Türkiye, wenn es, wie in der Seerechtskonvention hinsichtlich der Kooperation der Anliegerstaaten vorgeschrieben, seine Gewässer ausweiten möchte. Der griechische Außenminister Dendias bezeichnete den Anspruch Griechenlands auf 12 Seemeilen als „souveränes Recht“ Athens und man sei nicht verpflichtet, darüber mit irgendeinem Staat Verhandlungen zu führen.

Genau hier liegt das eigentliche Problem der Thematik, weil Athen mit der Ankündigung zur Ausweitung versucht die geltenden Grenzen der territorialen Hoheitszonen zu verschieben. In einer Entscheidung des griechischen Parlaments hatte diese am 1. Juni 1995 die Ausweitung der Hoheitsgewässer auf 12 Seemeilen beschlossen, das Recht zur Anwendung jedoch offengelassen. Das türkische Parlament hatte ebenfalls 1995 im Falle einer Ausweitung der griechischen Hoheitsgewässer in der Ägäis auf 12 Seemeilen die türkische Regierung dazu ermächtigt, alle notwendigen Maßnahmen einschließlich militärischer Art zu ergreifen.

Ausweitung griechischer Hoheitsgewässer in der Ägäis hätte weitreichende Folgen

Der Anteil der internationalen Gewässer in der Ägäis beträgt zurzeit 48,4 Prozent, der griechische 39,3 Prozent, der türkische 7,4 Prozent und 0,5 Prozent sind unbewohnte Eilande und Felsen, die Griechenland in den Verträgen von Lausanne und Paris nicht überlassen wurden, aber von Athen zum Teil besetzt hat. Wenn Griechenland seine Hoheitsgewässer in der Ägäis auf 12 Seemeilen ausweitet, würde der griechische Anteil der nationalen Gewässer auf 70 Prozent steigen und der Anteil der freien Gewässer auf unter 20 Prozent fallen.

Internationale Seerechtskonvention: Recht darf nicht zum Nachteil eines anderen Staates angewandt werden

Im Januar 2021 hatte das griechische Parlament die Ausweitung seiner nationalen Gewässer im ionischen Meer von 6 auf 12 Seemeilen beschlossen und nach den Worten von Ministerpräsident Mitsotakis die Ausweitung auch in anderen Regionen angekündigt. Nach Artikel 300 der internationalen Seerechtskonvention dürfen Staaten die durch die „Konvention hergeleiteten Rechte, Hoheitsbefugnisse und Freiheiten nicht in einer Weise ausüben, die einen Rechtsmissbrauch“ darstellt.

Hier geht es vor allem um die Anwendbarkeit der Seerechtsübereinkunft in der Ägäis, die aus mehr als 3.000 großen und kleinen Inseln besteht und vor der türkischen Festlandsküste vorgelagert sind. Aus der Seerechtskonvention geht nicht hervor, dass Griechenland seine Hoheitsgewässer in der Ägäis per se auf 12 Seemeilen ausdehnen darf, da es nach Artikel 123 verpflichtet ist, mit den Anliegerstaaten – in diesem Fall Türkiye – in Verhandlungen zu treten. Ferner darf es die Rechte aus dem Vertrag nicht in der Weise interpretieren, die zum Nachteil eines Nachbarstaates werden kann.

Türkische Position zum nationalen Luftraum stimmt mit der Chicagoer Konvention überein

Ein weiterer Streitpunkt zwischen beiden Ländern ist der nationale Luftraum, wobei Griechenland durch einen 1931 erlassenes Präsidialdekret für sich einen Luftraum mit einer Breite von 16 Kilometern (10 Seemeilen) jenseits der eigenen Küstenlinien beansprucht. Ankara erkennt einen Luftraum mit einer Breite von 10 Kilometern (6 Seemeilen) an, was der Breite des nationalen Seegebiets entspricht.

Nach dem Chicagoer Abkommen über die Zivilluftfahrt von 1944 hat der Luftraum die gleiche Längsausdehnung wie die Summe des Land- und Seeraums, das staatlicher Souveränität unterliegt. Immer wieder beschuldigt Athen Ankara, türkische Kampfflugzeuge hätten griechischen Luftraum überflogen, was von türkischer Seite dementiert wird, weil Türkiye nur 10 Kilometer Luftraum als Hoheitsgebiet anerkennt. Die türkische Position hinsichtlich des Luftraums orientiert sich an dem Chicagoer Abkommen über die Zivilluftfahrt.

Aufgerüstete Inseln stellen für die Türkiye eine militärische Bedrohung dar

Mit der Remilitarisierung der ostägäischen Inseln begeht Griechenland eindeutig Rechtsbruch, weil es die Souveränität über die zu entmilitarisierenden Inseln unter diesem Vorbehalt erhalten hatte. Diese aufgerüsteten 23 Inseln stellen für die Türkei eine militärische Bedrohung dar. Eine durch Griechenland einseitig vorgenommene Ausweitung der Territorialgewässer versteht die Türkei als einen Angriff in ihre Souveränitätsrechte. Athen beansprucht für seinen Luftraum 10 Seemeilen, obwohl in der Ägäis die nationalen Gewässer 6 Seemeilen betragen. Die Diskrepanz zwischen Luftraum und Territorialgewässern ist ein Novum und als griechisches Paradoxon zu betrachten.

Ausdehnung der griechischen Territorialgewässer im Ägäischen Meer hätte schwere Folgen für die unbeschränkte internationale Schifffahrtsfreiheit

Eine Ausweitung der griechischen Hoheitsgewässer auf 12 Seemeilen hätte für die internationale Schifffahrt dramatische Folgen, denn mit einer Ausweitung wäre die unbeschränkte internationale Schifffahrtsfreiheit auf hoher See („Freiheiten der Hohen See“), wie in der Seerechtskonvention geregelt, nicht mehr gewährleistet.

Ein Schiff müsste beispielsweise bei den griechischen Behörden eine Erlaubnis einholen, bevor es durch griechische Gewässer fahren dürfte. Die Position Türkiyes zu den Hoheitsgewässern in der Ägäis setzt sich für eine unbeschränkte internationale Nutzung der Schifffahrtsfreiheit aus, das es als Transportroute für den internationalen Handel genutzt wird.

Hinter der Ankündigung von Ministerpräsident Mitsotakis, die eigenen Hoheitsgewässer in der Ägäis zu gegebener Zeit auf 12 Seemeilen ausweiten zu wollten, steckt das Kalkül, Türkiye in einer Ausnahmesituation – zum Beispiel in einem Zweifrontenkrieg – vor vollendete Tatsachen zu stellen. Die Äußerung des griechischen Ministerpräsidenten Mitsotakis stimmen mit der von Ex-Außenminister Nikos Kotzias überein, der während seiner Amtszeit von einer Ausweitung in drei Schritten sprach.

Parteinahme der EU für Griechenland und amerikanische Waffenlieferungen an Athen tragen zur Verschärfung der Spannungen bei

Aus historischer Perspektive betrachtet gelang es Griechenland seit seiner Gründung 1830 mit Unterstützung der damaligen Großmächte Großbritannien, Russland und Frankreich sein Hoheitsgebiet um ein Vielfaches, zum Nachteil des Osmanischen Reiches, zu erweitern. Während der Fokus von EU und der Vereinigten Staaten zurzeit auf dem Russland-Ukraine-Krieg liegt, tragen Äußerungen von EU-Verantwortlichen, die zugunsten Griechenlands Partei ergreifen, nicht zu einer Deeskalation der Spannungen zwischen beiden Nachbarstaaten bei, und auch der Ausbau von amerikanischen Militärstützpunkten Griechenland sowie die Lieferung von modernen Waffensystemen an Athen haben den Effekt, die Krise weiter zu verschärfen.

Die derzeitigen Spannungen haben nicht nur mit dem Anspruch Griechenlands zu tun, seine nationalen Gewässer in der Ägäis auf 12 Seemeilen ausweiten zu wollen, sondern auch mit Öl- und Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer, um die es seit einigen Jahren Streit unter den Anrainerstaaten gibt. Durch Provokationen im Ägäischen Meer versucht Athen die Aufmerksamkeit der Türkei von der Levante zu nehmen.

Eine kriegerische Auseinandersetzung an der Südostflanke der NATO hätte weitreichende Folgen. Es käme wahrscheinlich zu einer Schwächung des nordatlantischen Verteidigungsbündnisses, die sich auch in der Eskalation von regionalen Konflikten niederschlagen könnte. Es kann nicht im Interesse der EU und seiner Mitgliedsstaaten sein, wenn Griechenland ankündigt seine Gewässer auf 12 Seemeilen auszudehnen und dabei die Freiheit der Meere, also die internationale Schifffahrt, massiv beeinträchtigt wird. Hinter der Ankündigung der griechischen Regierung zur Ausweitung der nationalen Gewässer im Ägäischen Meer stecken expansionistische Pläne zur Erweiterung des eigenen Territoriums.

Erschienen auf TRT Deutsch


Kemal Bölge, studierter Politologe und Historiker. Ressortleiter Balkan bei der Forschungseinrichtung für Mezalim. Er schreibt zudem als freier Autor für verschiedene Online-Publikationen. Seine Schwerpunkte sind die Außen- und Sicherheitspolitik, insbesondere die Beziehungen EU-Türkei, die zukünftige Struktur der NATO und die Außen- und Sicherheitspolitik der Türkei.

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Dubai
Ex-Kickbox-Weltmeister Andrew Tate zum Islam konvertiert

Dubai – Der vierfache Kickbox-Weltmeister und internationale Influencer Andrew Tate ist zum Islam konvertiert. Der ehemalige Kickboxer und umstrittene Influencer Andrew Tate hat seinen Übertritt zum Islam bekannt gegeben. Der Influencer hatte zuvor den Islam als die letzte wahre Religion der Welt bezeichnet und hat nun bestätigt, dass er selbst Muslim ist. Tate ermutigte Christen, die „an das Gute glauben“, ebenfalls zum Islam zu konvertieren. „Der Islam ist die Zukunft“, sagte Tate bereits im März in einem Interview auf Youtube.
„Deshalb bin ich Muslim. Jeder Christ, der an das Gute glaubt und den wahren Kampf gegen das Böse versteht, muss konvertieren.“
Kürzlich wurde Tate angeblich in Dubai mit dem ehemaligen MMA-Kämpfer Tam Khan gesichtet. In einem Video, das in den sozialen Medien aufgetaucht ist, scheint Khan Tate über Salah oder das Gebet, eine der fünf Hauptsäulen des Islam, zu unterrichten. Das Video wurde von Tam Khan, einem verifizierten Facebook-Nutzer, geteilt, der in der Bildunterschrift angab, dass er das Video gefilmt habe und anscheinend bestätigte, dass Tate die Schahada – den Eid, der für die Annahme des Islam erforderlich ist – abgelegt habe. „Wir waren uns einig, dass seine Schahada nicht in einem Podcast oder ähnlichem gezeigt werden sollte, weil die Leute behaupten würden, es ginge um Einfluss oder um eine falsche Anhängerschaft. Niemand ist perfekt, aber Alhamdhulillah, der Typ hat ein gutes Herz und reine Absichten“, schrieb Khan. Am Montag teilte auch Tate das Video auf Twitter.  
„Ich denke, es ist die letzte Religion… Sie ist die letzte, denn keine andere Religion hat Grenzen, die sie durchsetzt. Wenn man alles toleriert, dann steht man für nichts… 99% der Christen ignorieren jede einzelne Regel der Bibel, jeden Tag. Sie werden versuchen zu sagen, dass sie sie anders auslegen… Nur die Muslime halten sich an ihr Buch, also sind sie die letzte Religion.“
Die Popularität von Andrew Tate, einem ehemaligen Kickboxer und Big-Brother-Kandidaten aus Luton, Großbritannien, explodierte im Jahr 2022 in den sozialen Medien. Seitdem wurde er wegen seiner Äußerungen über Frauen weithin als Frauenfeind bezeichnet, was dazu führte, dass er von den meisten großen Social-Media-Plattformen, darunter Facebook, Instagram, YouTube und Twitch, verbannt wurde. Vor seinem Verbot hatten Tates Videos im Internet Millionen von Aufrufen verzeichnet. Mehrere Nutzer haben behauptet, dass seine Konvertierung zum Islam lediglich ein Werbegag sei und betonten, dass Tate kein Vorbild für Muslime sei. Ein User mit dem Namen Nameless, twitterte: „Andrew Tate versucht aktiv und aus Unwissenheit, Probleme zwischen Islam und Christentum zu schüren. Diese Religionen haben Frieden miteinander gefunden. Lasst uns nicht von einem Typen, der sich selbst gerne reden hört, rückwärts gehen“. Auch der Journalist Tarek Bae äußerte sich wenig lobend über die Neuigkeit:
„Tate verbreitete – auf angeblich witzig – billigste Ansichten über Frauen. Er propagierte ein Verhalten, das für Muslime bis ins letzte Detail abzulehnen ist. Und der ganze Quatsch, mit dem er Geld machte, wurde irgendwann von allen Sozialen Medien verbannt. Gut. Und danach?“
Im Jahr 2016 geriet Tate während seiner Teilnahme an der siebzehnten Staffel von Big Brother wegen seiner homophoben und rassistischen Äußerungen auf Twitter in die Kritik. Nach der Veröffentlichung eines Videos, in dem Tate eine Frau mit einem Gürtel zu schlagen scheint, wurde er nach nur sechs Tagen aus der Show entfernt. Sowohl Tate als auch die Frau sagten, dass sie befreundet waren und dass die Handlungen in dem Video einvernehmlich waren. Auf seiner Website bietet Tate Schulungskurse über die Anhäufung von Reichtum und „männlich-weibliche Interaktionen“ an. Laut der Website betreibt er auch ein Webcam-Studio, in dem er Freundinnen als Angestellte einsetzt. Tate und sein Bruder gründeten das Webcam-Geschäft und beschäftigten bis zu 75 Webcam-Modelle, die männlichen Anrufern „gefälschte rührselige Geschichten“ verkauften, und behaupteten, damit Millionen von Dollar verdient zu haben. Tate erklärte, das Geschäftsmodell sei ein „totaler Betrug“. Am 11. April 2022 führte die rumänische Polizei eine Razzia in Tates Haus durch, nachdem die US-Botschaft sie darüber informiert hatte, dass eine Amerikanerin dort festgehalten werden könnte. Die Ermittlungen wurden später von der rumänischen Direktion für die Untersuchung von organisierter Kriminalität und Terrorismus übernommen und auf den Vorwurf des Menschenhandels und der Vergewaltigung ausgeweitet. Am 27. April teilte die rumänische Polizei mit, dass in diesem Fall keine Person angeklagt oder verhaftet worden sei. Die Ermittlungen dauern seit Mitte 2022 an. Tate hat jegliches Fehlverhalten bestritten.

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Türkei
Yusuf Islam dankt Erdogan für seine Bemühungen

Ankara – Der griechischstämmige britische Sänger Yusuf Islam, auch bekannt als Cat Stevens, gab am Montag im Präsidentschaftskomplex in der türkischen Hauptstadt Ankara ein Konzert. An dem Konzert nahmen auch die First Lady Emine Erdogan, Vizepräsident Fuat Oktay und Mitglieder des Kabinetts teil. Islams Frau Fauzia Mubarak Ali und sein Sohn Mohammed Islam waren ebenfalls im Publikum. Bevor er das Lied „Peace Train“ sang, dankte Yusuf dem türkischen Präsidenten für seine Bemühungen, die Blockaden zwischen Russland und der Ukraine zu lösen, und plädierte dafür, die Suche nach einer friedlichen Lösung für sein Vaterland Zypern nicht aufzugeben und den Frieden für alle im Heiligen Land zu unterstützen. Islam dankte dem türkischen Präsidenten zudem für dessen Unterstützung britischer Muslime.
„Ich möchte Ihnen nochmals für Ihre fantastische und großzügige Unterstützung für die britischen Muslime und den Bau der Cambridge Moschee im Vereinigten Königreich danken“
Auch Emine Erdogan hat das Konzert des Musikers herzlich begrüßt. „Wir freuen uns sehr, den weltberühmten Musiker Yusuf Islam und seine Familie in unserem Land zu Gast zu haben. Er hat unsere Herzen mit seinem Kunstwerk berührt, das sich in der universellen Sprache der Musik widerspiegelt“, erklärte Emine Erdogan auf Twitter. Sie sagte auch, sie seien fasziniert von Islams Lied, das von dem türkischen Volksdichter Yunus Emre inspiriert wurde Islam ging mit den Konzerten in der Türkei, die letzte Woche in Istanbul und diese Woche in Ankara stattfinden, wieder auf Tournee. Es waren die ersten Konzerte nach fünf Jahren. Unter dem Künstlernamen Cat Stevens hinterließ Islam in den 1960er und 70er Jahren mit einer Reihe von Hits einen unauslöschlichen Eindruck in der Musik. Nachdem er 1977 zum Islam konvertierte, änderte er seinen Namen in Yusuf Islam. Islam – mit bürgerlichem Namen Steven Demetre Georgiou – wurde am 21. Juli 1948 im Londoner Stadtteil Marylebone als jüngstes Kind eines zypriotischen Vaters, Stavros Georgiou (1900-1978), und einer schwedischen Mutter, Ingrid Wickman (1915-1989), geboren. Er hat eine ältere Schwester, Anita (geb. 1937), und einen Bruder, David Gordon.

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Energiekrise
SPD will auch Betreiber von Öl- und Pelletheizungen entlasten

Köln – Die SPD will auch die Entlastungen bei den Energiepreisen ausweiten. „Wir müssen parallel zum parlamentarischen Verfahren für die Gaspreisbremse auch eine Lösung für diejenigen finden, die mit Pellets und Öl heizen und von ähnlich extremen Preissteigerungen betroffen sind“, sagte die parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Fraktion im Bundestag, Katja Mast, dem „Kölner Stadt-Anzeiger„. Es gehe darum, Härten abzufedern, unter denen gerade Menschen im ländlichen Raum litten. Da Pellet- und Ölkunden ihre Lager auf Vorrat füllen, müsse es einen anderen Mechanismus für den Preisausgleich geben als beim Gas, erläuterte Mast. Die Finanzierung solle aus dem 200-Milliarden-Paket erfolgen, das die Koalition auf den Weg gebracht hat. Die Bürgerinnen und Bürger sollten noch vor Weihnachten wissen, womit sie ab Januar rechnen können, betonte die SPD-Politikerin. Neben den Hilfen bei den Energiekosten verwies Mast auch auf das neue Bürgergeld, das zum 1. Januar kommen soll. „Unser Plan zielt neben einem um 50 Euro erhöhten Regelsatz vor allem auf eine bessere Vermittlung in dauerhafte, gut bezahlte Arbeit“, sagte Mast. Das Bürgergeld sei „eine der größten Weiterbildungsreformen, die diese Republik jemals gesehen hat. Der Vorrang einer abschlussorientierten Weiterbildung vor der Vermittlung in Arbeit stellt sicher, dass Menschen für eine zukunftssichere Beschäftigung qualifiziert werden und nicht nach einer befristeten Anstellung in einem schlechter qualifizierten Job wieder ins Arbeitslosengeld II rutschen.“ Nach ersten Beratungen im Bundestag würden die zweite und dritte Lesung gerade zwischen den Koalitionspartnern verhandelt, so Mast weiter. „Ich gehe davon aus, dass wir die Schlussabstimmung bereits im November haben werden, so dass die Neuregelung zum 1. Januar in Kraft treten kann.“

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Am Montag unterzeichneten die Türkei und Libyen eine Absichtserklärung, die es beiden Ländern erlaubt, in der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) im Mittelmeer nach Erdgasvorkommen zu suchen.

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Türkisches E-Auto
TOGG: Nur noch wenige Tage bis zur Fabrik-Eröffnung

Bursa – In weniger als einer Woche feiert die Türkei die Eröffnung des langerwarteten Mega-Produktionswerks in der die erste einheimische Automarke des Landes gebaut werden soll. Bei der Eröffnungsfeier in der nordwestlichen Provinz Bursa am 29. Oktober, die mit dem 99. Jahrestag der türkischen Republik zusammenfällt, wird voraussichtlich auch der erste vollelektrische SUV von TOGG vom Band laufen und die auf zunächst 125.000 Autos im Jahr ausgelegte Produktion beginnen. Der Bau der Konstruktions-, Design- und Produktionsanlagen von TOGG begann Mitte 2020, nachdem Präsident Erdoğan das Konsortium, das vom ehemaligen Geschäftsführer des Technologieriesen Bosch, Mehmet Gürcan Karakaş, geleitet wird, vorgestellt hatte. Türkisches E-Auto Am 27. Dezember 2019 stellte die Türkei ihren ersten einheimischen Automobilprototypen vor, der innerhalb von 18 Monaten von der türkischen Automobil-Joint-Venture-Gruppe (TOGG), einem Konglomerat von Industriegiganten wie der Anadolu-Gruppe, BMC, Kök-Gruppe, Turkcell und Zorlu Holding sowie einer Dachorganisation, der Union der Kammern und Warenbörsen der Türkei, entworfen und hergestellt wurde. TOGG-Fabrik Im Juli 2020 legte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan  den Grundstein für das erste einheimische Autowerk des Landes.

„Wir planen, den [Bau des] Werks in 18 Monaten abzuschließen und unser [erstes] Fahrzeug im letzten Quartal 2022 vom Band laufen zu lassen“, sagte Erdogan bei der Grundsteinlegung in der nordwestlichen Provinz Bursa.

Insgesamt sollen drei verschiedene Modelle entstehen, die fünf unterschiedliche Plattformen umfassen: Sedan (Limousine), Hatchback (Kombilimousine), Station Wagon (Kombi), Sports (Roadster) und Crossover (SUV). Der elektrische Antriebsstrang soll rund 400 PS leisten und je nach Version Heck- oder Allradantrieb ermöglichen, berichtet Focus. 

TOGG gewinnt internationalen Designpreis

Für ihr C-SUV-Modell erhielt die türkische Automarke im April vergangenen Jahres einen der weltweit renommiertesten Designpreise, den iF Design Award. Der C-SUV, der das Ergebnis von 150.000 Arbeitsstunden des TOGG-Designteams in Zusammenarbeit mit Pininfarina als strategischem Partner und unter der Leitung des weltbekannten Designers Murat Günak ist, wurde laut einer Mitteilung von TOGG in der Kategorie „Professional Concept“ ausgezeichnet. „TOGG ist die erste türkische Marke, die eine solche Auszeichnung erhält und hat mit seinem C-SUV-Modell bei den iF Design Awards 2021 einen bedeutenden Erfolg im Bereich Mobilität erzielt“, heißt es in der Mitteilung weiter.

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Ukraine-Krieg
Hofreiter fordert Luftabwehrwaffen für Ukraine

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Bonn – Der Grünen-Politiker und Vorsitzende des Europaausschusses im Bundestag Anton Hofreiter hat Forderungen nach einer Wiederaufnahme russischer Gaslieferungen als „populistisch und unverantwortlich“ zurückgewiesen. Hofreiter sagte im Interview mit dem Fernsehsender phoenix, wer dies fordere, müsse dann auch sagen, dass er „Lust habe, Russland Geld zu geben, damit es noch mehr Drohnen im Iran einkaufen kann, um noch mehr in der Ukraine zu zerstören“ und dass der Westen in dem Land dann noch mehr wieder aufbauen müsse. „Ich halte diese Vorschläge für populistisch und unverantwortlich“, so Hofreiter. Wenn die Union es ernst meine, dass sie an der Seite der Ukraine stehe, müsse der CDU-Partei- und Fraktionschef Friedrich Merz den sächsischen Ministerpräsidenten „zur Verantwortung rufen“ und ihn auffordern, mit seinen unverantwortlichen Äußerungen Schluss zu machen. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hatte sich am Wochenende für neuerliche Gaslieferungen durch Russland nach Ende des Krieges ausgesprochen. Hofreiter forderte erneut, der Ukraine mehr Luftabwehrwaffen zu liefern und das Land „verteidigungsfähiger“ zu machen. Das heute in Berlin beginnende Deutsch-Ukrainische Wirtschaftsforum, das sich mit dem Wiederaufbau der Ukraine befassen wird, nannte der Grünen-Außenpolitiker ein wichtiges „Signal, um den Menschen Hoffnung zu geben“. Die Ukraine habe in den letzten Jahren viel gegen die Korruption getan. Dies sehe man unter anderem daran, wie viel besser die ukrainische Armee geworden sei. 2014 sei das Land extrem korrupt gewesen und „die Armee hat überhaupt nicht funktioniert“, so dass Russland die Krim habe einfach besetzen und viel Unfrieden im Osten der Ukraine stiften können. „Jetzt ist die Ukraine in der Lage, sich erfolgreich zu wehren. Dies ist auch ein guter Indikator dafür, dass die Korruption teilweise erfolgreich bekämpft worden ist“, so Hofreiter. Es sei aber immer noch sehr viel zu tun, um die Gesetze anzupassen und zu verschärfen, insbesondere bei der ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft müsse sich noch viel tun.

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NATO-Beitritt
PKK: Schweden will gegen „kurdische Militante“ vorgehen

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Stockholm – Schweden hat „konkrete Maßnahmen“ ergriffen, um den Bedenken der Türkei bezüglich ihres NATO-Beitrittsantrags Rechnung zu tragen. Dazu gehört auch die „Verstärkung der Terrorismusbekämpfung gegen kurdische Militante“, teilte Stockholm Ankara in einem Schreiben mit, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters am Freitag. In dem zweiseitigen Schreiben werden 14 Beispiele für Maßnahmen genannt, mit denen Schweden zeigen will, dass es sich „voll und ganz der Umsetzung“ eines im Juni mit der Türkei und Finnland unterzeichneten Memorandums verschrieben hat, das dazu führte, dass das NATO-Mitglied Türkei sein Veto gegen die Beitrittsanträge dieser Länder zum transatlantischen Sicherheitsbündnis aufhob. Schweden und Finnland haben im Mai als Reaktion auf die russische Invasion in der Ukraine den Beitritt zur NATO beantragt, stießen jedoch auf die Einwände der Türkei, die die beiden nordischen Länder beschuldigt, Kämpfer der Terrororganisation PKK und anderer Gruppen zu beherbergen. Stockholm und Helsinki bestreiten, Terroristen zu beherbergen, haben aber zugesagt, mit Ankara zusammenzuarbeiten, um dessen Sicherheitsbedenken umfassend zu zerstreuen, und Waffenembargos aufzuheben. Bereits Ende September hatte Schweden angekündigt, die Embargos aufgehoben zu haben. In seinem Schreiben an die Türkei erklärte Schweden, dass „in Bezug auf alle Kernelemente des trilateralen Abkommens konkrete Maßnahmen ergriffen worden sind“. Die schwedische Sicherheits- und Anti-Terror-Polizei Sapo habe „ihre Arbeit gegen die PKK intensiviert“ und sei im September zu einem „hochrangigen Besuch“ in die Türkei gereist, um sich mit dem türkischen Geheimdienst MIT zu treffen, heißt es in dem Schreiben. Dem Schreiben zufolge haben die schwedischen Behörden „neue Analysen über die Rolle der PKK bei der Bedrohung der nationalen Sicherheit Schwedens und der organisierten Kriminalität durchgeführt (und) dies wird wahrscheinlich zu konkreten Ergebnissen führen“. Die PKK, die 1984 gegen den türkischen Staat zu den Waffen griff, wird von der Türkei, der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten als terroristische Vereinigung betrachtet. Im Rahmen der Gespräche über das Memorandum vom Juni hat die Türkei die Auslieferung von 73 Personen aus Schweden und einem Dutzend weiterer Personen aus Finnland beantragt. In dem Schreiben heißt es, dass Stockholm am 31. August auf Antrag Ankaras einen türkischen Staatsbürger ausgeliefert hat, nachdem am 11. August eine Entscheidung getroffen wurde, und dass seit 2019 insgesamt vier Auslieferungen an die Türkei erfolgt sind. Erdogan kündigt ein mögliches Treffen mit Ulf Kristersson Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan will bei einem Besuch des neuen schwedischen Regierungschefs Ulf Kristersson in der Türkei über den NATO-Beitritt Schwedens und Finnlands sprechen. Der schwedische Außenminister Tobias Billstrom begrüßte am Freitag diese Entscheidung des türkischen Präsidenten. „Diese Nachricht ist sehr, sehr positiv. Wir glauben, dass der enge Dialog und die engen Konsultationen mit allen drei Parteien seines trilateralen Memorandums der Weg nach vorne ist, und natürlich ist ein Treffen mit unseren Partnern und ein Gespräch zwischen unserem Premierminister und Präsident (Recep Tayyip Erdogan) ein natürlicher Teil davon“, sagte Billstrom auf einer Pressekonferenz mit seinem finnischen Amtskollegen Pekka Haavisto in Helsinki. Erdogan sagte am Donnerstag: „In der Zwischenzeit hat der neue schwedische Premierminister um einen Termin gebeten. Ich habe unseren Freunden gesagt: ‚Gebt ihm einen Termin.‘ Wir werden diese Fragen auch in unserem Land mit ihm besprechen. Unsere Haltung in diesem Punkt hat sich nicht geändert. Sie müssen die verurteilten Terroristen fangen und an uns ausliefern.“

Türkisch-israelische Beziehungen
Türkei und Israel wollen Beziehungen weiter stärken

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Ankara – Israel will seine Beziehungen zur Türkei intensivieren und die beiden führenden Länder der Region wieder auf den Platz bringen, der ihnen gebührt, sagte die israelische Wirtschaftsministerin Orna Barbivai der türkischen Tageszeitung Milliyet. „In einer Zeit, in der die Lieferketten aus dem Osten eingeschränkt sind und in Europa ein Krieg ausbricht, kann die Kombination der israelischen und türkischen Fähigkeiten das Potenzial für Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit maximieren“, zitiert Hürriyet Daily News die israelische Ministerin. Langfristig würde die strategische und wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Ländern die Klimakrise, die Bekämpfung von Krankheiten und Lösungen für die medizinischen Probleme der Zukunft, die Effizienz und die Steigerung der Produktivität in der Industrie betreffen, so Barbivai weiter. „Die aktuellen globalen Herausforderungen, die regionalen und globalen Veränderungen und die derzeitige Situation der Türkei und Israels in der Region bieten eine Gelegenheit, die komplementären Fähigkeiten der beiden Länder in der Praxis zu demonstrieren“, so die israelische Ministerin. Israel möchte die Forschungs- und Entwicklungspraktiken und die technologische Zusammenarbeit stärken, um auf künftige industrielle Herausforderungen zu reagieren, da es sich der Industrie- und Produktionskapazitäten der Türkei in verschiedenen Bereichen bewusst ist, fügte sie hinzu. „Die Tatsache, dass die Türkei in vielen Bereichen wie Industrie und Produktion eine regionale Wirtschaftsmacht ist, dass Israel ein Innovations-, Technologie- und Informationszentrum ist und dass die kulturelle Nähe und die herzlichen Beziehungen, die sich im Laufe der Jahre zwischen den Bürgern entwickelt haben, eine starke Wirtschaftsinfrastruktur geschaffen haben, die ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber vergangenen Krisen bewiesen hat.“ Politische und wirtschaftliche Beziehungen seien zwar miteinander verflochten, aber nicht voneinander abhängig, so Barbivai. „Da die Wirtschaft eine Brücke für die Entwicklung der politischen Beziehungen ist, sollte die eine nicht der anderen vorgezogen werden. Israel möchte seine Beziehungen zur Türkei intensivieren und die beiden führenden Länder der Region wieder auf den Platz in der Region bringen, der ihnen gebührt“. „Die Wirtschaftsbeziehungen sind zweifellos ein wichtiger Pfeiler unserer Beziehungen“, fügte sie hinzu. Auf die Frage, ob die Dynamik in den Beziehungen auf die Politik der Regierung oder des Staates zurückzuführen sei und ob sich diese Politik bei einem Regierungswechsel ändern werde, sagte Barbivai: „Ich bin sicher, dass die bilateralen Beziehungen, die für beide Länder von strategischer Bedeutung sind, unabhängig von den Regierungen fortbestehen werden. Wir beabsichtigen, die Beziehungen weiterhin zu stärken, egal welche Regierung an der Macht ist, da nationale Interessen auf dem Spiel stehen.“

Türkei und Israel wollen gemeinsam Frieden schaffen

Im März dieses Jahres traf Staatspräsident Isaac Herzog mit Erdogan zusammen, dem ersten Besuch eines israelischen Staatsoberhaupts in der Türkei seit 2008. „Als Politiker sind wir nicht dazu da, um zu kämpfen, sondern um Frieden zu schaffen“, so Erdogan damals.

Herzog nannte das Treffen einen „Wendepunkt in den israelisch-türkischen Beziehungen“. Man werde nicht immer einer Meinung sein, aber er erwarte, dass sich Israel und die Türkei zum Wohle aller Völker gemeinsam für die „Stabilität, den Wohlstand, den Frieden und die Sicherheit“ in der Region einsetzen. „Gute nachbarschaftliche Beziehungen im östlichen Mittelmeerraum sind für uns alle wichtig“, erklärte Herzog.

„Ich danke Präsident Erdogan für diesen herzlichen Empfang im Präsidialkomplex. Ich bin der festen Überzeugung, dass alle Völker, Religionen und Staaten in unserer Region in Frieden leben können und sollten, und dass Partnerschaften Segen und Wohlstand für uns alle bringen werden“, so der israelische Staatschef in einem Tweet. Erdogan erklärte, dass das gemeinsame Ziel der Türkei und Israels die Wiederbelebung des bilateralen politischen Dialogs auf der Grundlage gemeinsamer Interessen sei. Der historische Besuch werde einen „neuen Wendepunkt“ in den Beziehungen darstellen, sagte Erdogan auf einer gemeinsamen Pressekonferenz. „Unser gemeinsames Ziel mit Israel ist die Wiederbelebung des politischen Dialogs zwischen unseren Ländern auf der Grundlage gemeinsamer Interessen und der Achtung der gegenseitigen Empfindlichkeiten“, sagte er. Erdogan:
„Es liegt in unserer Hand, in unserer Region eine Friedenskultur, Wohlstand und ein gemeinsames Zusammenleben zu schaffen“.

Es liege an beiden Seiten, damit in der Region eine Friedenskultur, Wohlstand und ein gemeinsames Zusammenleben gelinge. Erdogan bedankte sich für den Besuch seines israelischen Amtskollegen in der Türkei und erklärte, die Stärkung der Beziehungen zu Israel sei von großer Bedeutung für die regionale Stabilität und den Frieden sowie für die beiden Länder. Der türkische Staatschef wies seinen israelischen Amtskollegen auch darauf hin, wie wichtig es ist, die Spannungen in der Region abzubauen und die Vision einer Zwei-Staaten-Lösung zu bewahren.

Wiedereinsetzung der Botschafter Im August vereinbarten der israelische Premierminister Yair Lapid und Erdogan die Wiedereinsetzung ihrer jeweiligen Botschafter und Generalkonsuln und damit die Wiederherstellung uneingeschränkter diplomatischer Beziehungen, nachdem sie diese nach der Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt durch die USA im Jahr 2018 abgezogen hatten.

Die Beziehungen zwischen der Türkei und Israel erreichten 2010 ihren Tiefpunkt, als die israelische Marine ein türkisches Hilfsschiff, die Mavi Marmara, überfiel, das auf dem Weg war, humanitäre Hilfe in den blockierten Gaza-Streifen zu liefern. Bei dem Überfall wurden 10 Aktivisten getötet. Das Ereignis löste eine beispiellose Krise in den türkisch-israelischen Beziehungen aus, die seit Jahrzehnten friedlich verlaufen waren. Beide Länder riefen nach dem Vorfall sogar ihre diplomatischen Gesandten zurück.

"Ukraine-Appell"
SPD-Abgeordnete lehnen zusätzliche Waffenlieferungen an Ukraine ab

Bielefeld – SPD-Bundestagsabgeordnete haben Forderungen aus den Fraktionen von FDP und Grünen nach zusätzlichen Waffenlieferungen an die Ukraine abgelehnt. „Als Mitglied des Deutschen Bundestags sollte man nicht außerparlamentarische Opposition spielen“, sagte die SPD-Haushaltspolitikerin Wiebke Esdar der in Bielefeld ansässigen Neuen Westfälischen. „Ich finde, das ist eine Stilfrage.“ Verfasst hatte den Aufruf nach einer deutschen Führungsrolle bei weiteren Waffenlieferungen an die Ukraine der Grünen-Außenpolitiker Robin Wagener. Insgesamt appellieren rund zwei Dutzend grüne und liberale Abgeordnete „an die Bundesregierung und unsere Partner in der Europäischen Union und NATO, gemeinsam und im Verbund die jeweiligen nationalen militärischen Fähigkeiten und Planungen zu evaluieren und gegebenenfalls zu restrukturieren, um der Ukraine qualitativ weitergehende Ausrüstungs- und Waffenlieferungen zur Befreiung der durch Russland völkerrechtswidrig besetzten Gebiet zu ermöglichen“. Der Aufruf trägt den Titel „Gemeinsam für den Frieden in der Ukraine und Europa“ und stehe allen Abgeordneten der Ampelregierung offen, sagte Wagener. Abgeordnete der SPD suche man unter dem Appell allerdings auch deshalb vergeblich, weil „es doch unsere Verantwortung ist, dass wir gemeinsam diskutieren und gemeinsam Lösungen finden“, sagte Esdar, Sprecherin der Parlamentarischen Linken in der SPD-Fraktion. Der SPD-Fraktionsvize und Außenpolitiker Achim Post verwies gegenüber der Neuen Westfälischen auf den Beschluss des Bundestags „Frieden und Freiheit in Europa verteidigen – Umfassende Unterstützung für die Ukraine“, der bereits eine „entscheidende und umfassende parlamentarische Grundlage für die praktischen Unterstützungsmaßnahmen für die Ukraine“ liefere. Darin seien – in einem auch überparteilichen Konsens – die „Grundlinien des deutschen Engagements festgehalten“, erklärte der SPD-Politiker. „Darüber hinaus Appelle an die eigene Bundesregierung zu unterzeichnen oder eben nicht, ist die persönliche Entscheidung der Abgeordneten des Bundestags.“

Geschichte
Die griechische Besetzung Westanatoliens 1919-1922

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von Kemal Bölge

An jenem Donnerstagmorgen des 15. Mai 1919 zogen über dem Himmel der Hafenstadt Izmir dunkle Wolken auf. Unter dem Geleitschutz von Kriegsschiffen Großbritanniens, Frankreichs, der USA und Italiens landeten 12.000 Soldaten der griechischen Okkupationsarmee am Hafen der westtürkischen Handelsmetropole. In den Landungsschiffen befanden sich nicht nur Soldaten Griechenlands, sondern auch britische, französische und amerikanische Einheiten.

Vor allem die griechischstämmigen Einwohner Izmirs waren gekommen, um die griechische Streitmacht willkommen zu heißen. Der frühere griechisch-orthodoxe Erzbischof von Izmir, Chrysostomos Kalafatis, der für seine Türkenfeindlichkeit bekannt war, sprach vor einer fahnenschwingenden Menschenmenge in Richtung der griechischen Soldaten. Er sagte: „Seid herzlich willkommen! Oh, die Eroberer Anatoliens! Als ihr mit euren heiligen Kampfstiefeln einen Fuß auf Smyrna gesetzt habt, hat die dreitausend Jahre andauernde Sehnsucht des griechischen Volkes ein Ende gefunden.“ 1

Was der umtriebige Chrysostomos mit diesem Satz aussprach, hatte für die türkisch-muslimische Bevölkerung traumatische Folgen, die bis heute andauern. Die Besetzung Izmirs war nach der Niederlage des Osmanischen Reiches während des Ersten Weltkriegs und dem Waffenstillstandsabkommen von Mudros am 30. Oktober 1918 2 das Fanal zur Invasion Westanatoliens, bei der das griechische Heer ganze Landstriche, Städte und Dörfer niederbrannte sowie durch breit angelegte Massaker an der türkisch-muslimischen Zivilbevölkerung ethnische Säuberungen durchführte.

Bereits am 13. November 1918 hatten Kriegsschiffe der Sieger des Ersten Weltkriegs die frühere Hauptstadt Istanbul besetzt. In den schriftlichen Zeugnissen türkisch-muslimischer Zivilisten, die die Massaker von griechischen Freischärlern und regulären Truppen im 19. und 20. Jahrhundert überlebt hatten, findet sich oft der Ausdruck „Yunan bzw. Rum Mezalimi“ („Griechische Gräueltaten“). In der türkischen und aserbaidschanischen Geschichtswissenschaft hat sich der Terminus technicus Mezalim für massenhafte Gewaltverbrechen an der muslimischen Zivilbevölkerung etabliert.

Ungereimtheiten bei den Bevölkerungszahlen der Griechen in Izmir

Der britische Premierminister und Philhellene David Lloyd George3 hatte im Februar 1919 den Alliierten den Vorschlag unterbreitet, Izmir von den Griechen besetzen zu lassen, was von US-Präsident Woodrow Wilson 4 zunächst abgelehnt wurde. Insbesondere der britische Premierminister war es, der den amerikanischen Präsidenten unter Druck setzte, damit dieser seine Zustimmung zur Besetzung erteilte. Um die Okkupation Izmirs zu legitimieren, hatte der griechische Ministerpräsident Venizelos den Alliierten auf der Pariser Friedenskonferenz 1919 übertrieben hohe Zahlen zur demografischen Entwicklung der griechischstämmigen Bevölkerung in Izmir vorgelegt. Die griechische Delegation stützte sich dabei auf Zahlenangaben des griechisch-orthodoxen Patriarchats in Istanbul.5

Die Ungereimtheiten bei der Bevölkerungszahl von Izmir fielen auch dem damaligen italienischen Journalisten Ernesto Vassalo auf, der sich seit April 1919 dort aufhielt und seine Eindrücke in der italienischen Tageszeitung „Il Tempo“ veröffentlichte. Der Historiker Mevlüt Çelebi weist in seinem Aufsatz „Die Besetzung Izmirs aus der Feder eines italienischen Journalisten“ (Titel des türkischen Ausgangstextes: „Bir İtalyan Gazetecinin Kaleminden İzmir’in İşgali“) in der Zeitschrift Journal Of Modern Turkish History Studies auf die Inkonsistenz der griechischen Statistiken hin.

Nach griechischen Angaben hatte Izmir eine Gesamtbevölkerungszahl von 416.494, wovon 243.879 Griechen, 96.250 Türken und die übrigen 76.365 waren demzufolge Juden, Armenier und andere ethnische Gruppen. Wegen seiner Zweifel an der Richtigkeit der griechischen Statistik stellte Vassalo diese mit der türkischen Statistik gegenüber.

Nach einem türkischen Zensus von 1917 hatte Izmir eine Gesamtbevölkerung von 238.179 Personen. Davon waren 111.486 Muslime, 87.497 Griechen, 24.403 Juden, 12.857 Armenier und die übrigen 1.936 Katholiken und Protestanten. Vassalo hegte auch Zweifel an der Richtigkeit türkischer Statistiken. Nach seiner Auffassung waren in Izmir die türkischen Bewohner in der Mehrzahl. In der damaligen Provinz Aydın bilden Vassalos Informationen zufolge die Türken gegenüber den Griechen die Bevölkerungsmehrheit, was auch griechische Statistiken bestätigen würden. Der italienische Journalist ermittelte in der Provinz Aydın eine Bevölkerungszahl von 586.000 Griechen und 827.000 Türken.6

Türkische Statistiken weisen für die gesamte Provinz 1.293.000 türkische und 234.000 griechische Einwohner aus. Der Wirtschaftswissenschaftler und Statistiker Servet Mutlu gibt die Bevölkerungszahlen des Sandschaks Izmir (einschließlich der Stadt Izmir) von 1914 wie folgt an: 378.883 Muslime, 214.686 Griechen, 14.273 Armenier und andere 32.915. Der griechische Historiker George Soteriadis ermittelte in seinem 1918 veröffentlichten Buch „An Ethnological Map Illustrating Hellenism in the Balkan Peninsula and Asia Minor“ im Sandschak Izmir 219.494 Muslime, 449.044 Griechen, 11.395 Armenier und 74.113 Andere.

Die osmanische Bevölkerungsstatistik von 1914 hat nach Erkan Serçe für den Sandschak Izmir eine Einwohnerzahl von 639.657 errechnet, während die französischsprachige Gesellschaft „Annuaire Oriental Limited“ von 500.000 Einwohnern ausgeht. Serçe verweist auch auf die Unterschiede bei den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen, wo es Abweichungen gibt.

Offizielle osmanische Bevölkerungsstatistiken geben die muslimisch-türkische Bevölkerungszahl des Sandschaks Izmir mit 378.894 Einwohnern und die Zahl der griechischen Bewohner mit 217.686 wieder. „Annuire Oriental“ zählte 120.000 türkisch-muslimische Zivilisten sowie 320.000 griechische Einwohner. Das US-Konsulat in Izmir ging von einer Gesamtbevölkerungszahl Izmirs von 400.000 Einwohnern aus, wovon 165.000 Türken und 155.000 Griechen seien. Von 155.000 Griechen in Izmir hatten Erkan Serçe zufolge 40.000 die griechische Staatsangehörigkeit. (Serçe S. 163).

Hinter Ernesto Vassalos Skepsis gegenüber griechischen Statistiken steckten politische und wirtschaftliche Interessen Italiens in Anatolien. Der Journalist befand sich im Auftrag der italienischen Regierung in Izmir, denn Italien hatte selbst die Absicht, Izmir und die umliegende Region zu besetzen. Als Italien während des Ersten Weltkriegs an der Seite Großbritanniens und Frankreichs in den Krieg zog, vereinbarte Rom mit den Verbündeten am 26. April 1915 (London) und am 8. August 1917 (San Giovanni di Moriana) in zwei geheimen Verträgen nach dem Ende des Krieges die heutige kroatische Stadt Rijeka und die türkische Stadt Izmir zu besetzen.

Zumindest wurde es von London und Paris in Aussicht gestellt (Çelebi S. 132), aber nach der amerikanisch-britisch-französischen Übereinkunft über die griechische Besetzung von Izmir konnte Italien seine Pläne nicht umsetzen und verließ aus Protest die Versailler Konferenz. Die Alliierten erhofften sich mit diesem Schritt, die Landgewinne Italiens bei der Besetzung Anatoliens in gewissem Maße zu begrenzen.

Die griechischstämmige Bevölkerung Anatoliens lebte vor allem an den Küstengebieten, insbesondere in Izmir. Während des Ersten Weltkriegs wurden Griechen, die in den Küstengebieten und in Izmir lebten, als Vorsichtsmaßnahme von den Behörden ins Landesinnere umgesiedelt. Nach der Unterzeichnung der Vereinbarung von Mudros kehrten die einheimischen Griechen zurück in ihre Siedlungsgebiete an der Küste.

Griechischer Irredentismus und der Plan zur Besiedlung Westanatoliens

Im 19. und 20. Jahrhundert propagierte die Ideologie des griechischen Nationalismus die „Megali Idea“ („Die große Idee“), die die Vereinigung aller von Griechen besiedelten Gebiete vorsah und als „griechischer Irredentismus“ bezeichnet wird. Dieser Plan sah die Besetzung von Teilen Anatoliens zulasten des früheren Osmanischen Reiches vor.

Mit der Niederlage des Osmanischen Reiches während des Ersten Weltkriegs sah die griechische Regierung unter Ministerpräsident Eleftherios Venizelos, der als „größter Verfechter“ des irredentistischen Plans zu Beginn des 20. Jahrhunderts galt, die Gelegenheit gekommen, um die „Megali Idea“ zu verwirklichen. Mit der Realisierung der „Megali Idea“ sollte das alte „Byzanz“ wiederauferstehen, Kleinasien hellenisiert und die türkische Herrschaft über den Balkan und in Anatolien beendet werden.

Unabhängig von den Aussagen des italienischen Journalisten Ernesto Vassalo über widersprüchliche griechische Angaben zur Bevölkerungszahl der griechischstämmigen Einwohner in Izmir hatte die griechische Seite Gründe, die Zahlen zur griechischen Population in Izmir während der Verhandlungen in Versailles als unverhältnismäßig hoch darzustellen, um ein Argument zur gewaltsamen Inbesitznahme Anatoliens in der Hand zu haben. Die „Megali Idea“ war Bestandteil der griechischen Außenpolitik, die einen Zusammenschluss aller griechischen Einwohner auf dem Balkan und in Anatolien vorsah.

Eine der ersten Maßnahmen Athens bei der Okkupation Westanatoliens bestand darin, die demografischen Strukturen zugunsten der griechischen Bevölkerung zu ändern. Die Zielsetzung zur Ansiedlung von Griechen in Kleinasien begann bereits vor der Besetzung Westanatoliens. Griechen, die während der Balkankriege und des Ersten Weltkriegs aus Izmir und der Region wegzogen und sich in anderen Regionen niederließen, kehrten nach der Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens von Mudros wieder zurück. Die griechische Regierung warb für die Ansiedlung von Griechen nach Anatolien und verabschiedete dazu ein Programm, das finanzielle Anreize für eine Rückkehr vorsah.

Über eine Niederlassung der griechischen Zentralbank in Izmir wurde hierfür pro Person ein Kredit in Höhe von 20 Millionen griechischen Drachmen bei einer Laufzeit von drei Jahren mit einem jährlichen Zinssatz von 6 Prozent angekündigt. Ferner wurden für die griechische Besiedlung Grundstücke und Landgüter in Aussicht gestellt. Mit dem Subventionsprogramm der griechischen Regierung ließen sich zwischen 20. Oktober 1919 und 31. Dezember 1920 insgesamt 126.000 griechische Aussiedler in Westanatolien nieder.

Die osmanische Regierung unter Ministerpräsident Damat Ferit Pascha versuchte zwar durch Appelle, Parlamentsbeschlüsse und Weisungen an das Innen- und Kriegsministerium die Abwanderung der türkischen Bevölkerung in Westanatolien zu verhindern, da aber die Hoheitsgewalt des besetzten Gebietes unter alliierter Kontrolle stand, waren diese Schritte von geringem Wert.

Massaker und Kriegsverbrechen an türkischer Zivilbevölkerung

Nachdem die griechische Armee Izmir und die Umgebung besetzte, wurden in den darauffolgenden Wochen auch Manisa, Turgutlu, Aydın, Nazilli, Ayvalık und weitere Städte Westanatoliens eingenommen. Die griechische Armee ging dabei mit grausamer Härte gegen die türkisch-muslimische Zivilbevölkerung vor. Unter den in Anatolien lebenden Griechen wurden örtliche Milizverbände rekrutiert, die gemeinsam mit der griechischen Armee blutige Massaker an Muslimen verübten.

Die Vertreibungen, Folterungen und massenhaften Gewaltverbrechen der griechischen Okkupationsarmee gegen die muslimische Zivilbevölkerung hatten System. Einen Tag nach der Besetzung Izmirs begannen einheimische Griechen in Westanatolien Milizverbände zu gründen, insbesondere in der Region Söke und Kuşadası.

Meldungen über die Besetzung Izmirs und die von den griechischen Streitkräften begangenen Massaker an türkischen Zivilisten hatten die Bevölkerung im Umland verängstigt und zur Flucht veranlasst. Einige Tage vor Ankunft der Invasionstruppen in Izmir herrschte unter der türkischen Bevölkerung der Region Izmir Unruhe, weil ortsansässige und fremde, bewaffnete griechische Milizionäre, die zuvor wegen verschiedener Straftaten von den türkischen Behörden ausgewiesen oder geflohen waren, die Gegend unsicher machten. Diese griechischen Milizen kamen ab Januar 1919 von den Inseln Lesbos (Midilli), Chios (Sakız) und Samos (Sisam).

Nach einem Bericht des Gendarmerie-Regimentskommandos von Izmir beläuft sich die Zahl der am 15. Mai 1919 in Izmir und in den Dörfern der Halbinsel Urla durch die griechische Armee getöteten türkischen Zivilisten auf über 2.000. Das Regimentskommando in Izmir übermittelte der Generalkommandantur nach Istanbul einen Lagebericht über die massenhaften Gewaltverbrechen der griechischen Truppen gegen die türkisch-muslimische Zivilbevölkerung. Hier ein Auszug aus dem Gendarmeriebericht:

„Während der Besetzung der Stadt Izmir durch griechische Soldaten am 15. Mai wurden beispiellose Morde an der türkisch-islamischen [muslimischen] Bevölkerung begangen. Hunderte von Einwohnern, Offiziere, Polizisten, Frauen und Kinder wurden getötet sowie das Eigentum der meisten geplündert und zerstört. Die Regierungsgebäude und Kasernen wurden belagert und lagen stundenlang unter Gewehr- und Maschinengewehrfeuer.

Nach Einstellung des Feuers wurden alle Regierungsbeamten und Gendarmerie-Delegationen, die sich in Anwesenheit des Gouverneurs versammelt hatten, mit aufgepflanztem Bajonett heruntergebracht und von den grausamen griechischen Soldaten sowie der einheimischen griechischen Bevölkerung, bei der sogar die Kinder bewaffnet waren, unter Beleidigungen, Drohungen, Schlägen und Flüchen gezwungen ʻZito Venizelosʼ [ʻLang lebe Venizelosʼ], zu rufen. Die griechischen Soldaten und bewaffnete Milizen zwangen die Menschen der Reihe nach sich zu entkleiden, raubten ihnen das Bargeld und sogar die schmutzigen Taschentücher. Vielen wurden die Jacken und Schuhe abgenommen […].“7

Soldaten des griechischen Heeres verhöhnten in der Stadt Aydın Muezzine, die vom Minarett der Moschee zum Gebet aufriefen, von denen einige willkürlich getötet wurden. Der Muezzin des Cuma-Viertels, Mehmet Efendi, wurde am 23. Juni 1919 von einer griechischen Armee-Patrouille während der Ausrufung des Gebets mit Waffengewalt vom Minarett geholt und mit einem Bajonett erstochen. Das gleiche Schicksal ereilte auch den Muezzin der Ramazan-Pascha-Moschee, der während der Gebetsausrufung erschossen wurde.

Ferner wurden die Moscheen und die Minarette der muslimischen Gebetshäuser mit Artilleriegranaten und Maschinengewehrfeuer beschossen. Während des heiligen Fastenmonats Ramadan, setzte die griechische Armee Gewalt gegen Muslime ein, um den Zugang zur Moschee bzw. zum traditionellen Gebet zu verhindern. Wer ins Gebetshaus wollte, wurde von Soldaten bedroht und zusammengeschlagen.

Am 29. Juni 1919 attackierte die griechische Armee in der westtürkischen Stadt Aydın das Viertel Cuma. Ein Bewohner des Viertels, Hafız Mustafa Ağa, schildert, wie griechische Soldaten begannen, an mehreren Stellen des Stadtbezirks Feuer zu legten. Die hilflosen Einwohner versuchten aus ihren brennenden Häusern zu fliehen und wurden dabei von den an den Straßen- und Gasseneinmündungen postierten Soldaten der Besatzungsarmee erschossen. Während das Flammen-Inferno wütete, wurde das Viertel mit Artilleriefeuer der griechischen Armee beschossen. Die Zeitzeugenaussage von Hafız Mustafa Ağa ist vom 1. August 1919:

„In unserem Viertel wurden an der Çavuş-Brücke, der Seifenfabrik des Kreters İbrahim Badorakin, an der Teestube und im Stall von Yalabukoğlu Ahmet, am Haus des Canbazoğlu Ali Efendi, vor der Moschee Dükkânönü Cami-i Şerifi, am Haus von Hacı Yahya Efendi und am Haus von Hacı Ibrahim Petroleum ausgegossen, sie warfen Brandbeschleuniger, wodurch Brände an fünf Stellen des Bezirks ausbrachen.

An den Straßeneinmündungen warteten griechische Soldaten. Die Gebäude waren von den Flammen umschlossen, während die um ihr Leben kämpfenden Menschen sich auf die Straße warfen, eröffneten die griechischen Soldaten ohne Rücksicht das Feuer auf Kind und Kegel. Manche kamen dabei um, wiederum manche wurden verletzt und andere überlebten.

Andere Bewohner sahen das Gewehrfeuer in den Straßen, konnten aber aus Angst nicht nach draußen fliehen und verbrannten in den Häusern. Unser Viertel bestand aus 580 Häusern und 30 Geschäften. Davon blieben nur 35 Häuser (Haushalte) übrig. Wir wissen von mehr als 50 Opfern, aber es gibt noch Hunderte Weitere, von denen wir nicht wissen, ob sie tot oder am Leben sind. Da die Bewohner unserer Nachbarschaft in den Dörfern und an anderen Unglücksorten verstreut sind, ist es derzeit nicht möglich, die tatsächliche Zahl der Opfer zu ermitteln. Während das Feuer-Inferno mit voller Kraft wütete, feuerten die Griechen mit Artilleriegranaten auf unser Viertel.

Die griechischen Soldaten zerstörten einerseits die Häuser, schlugen die hilflosen Menschen in den Häusern und verschleppten einige junge Mädchen. Wir haben keine Kenntnis über ihr Schicksal. Diejenigen, die überlebten, flohen in die Städte und Ortschaften wie Nazilli, Çine, Yenipazar und Denizli sowie in Ortschaften und Dörfer, wo sie sich in einem erbärmlichen Zustand befanden.“ 8

Die Vertriebenen flohen in Gebiete, die noch nicht von den Invasoren besetzt waren. Die Gesamtzahl der Geflohenen, die ihre angestammte Heimat wegen der skrupellosen Vorgehensweise des griechischen Heeres gegen die türkische Zivilbevölkerung verließen, wird auf zirka 1,5 Millionen Menschen geschätzt. Zivilisten, denen es nicht gelang zu fliehen, wurden Informationen des Historikers Erol Kaya zufolge von den Besatzern entweder getötet oder gefangen genommen und in Internierungslager gesteckt. Die Gefangenenlager befanden sich entweder in den okkupierten Gebieten in Westanatolien oder in Griechenland selbst.

Für Kaya hatte die Gefangennahme und Internierung von türkisch-muslimischen Zivilisten mehrere Gründe:

  1. Die demografischen Strukturen zugunsten der griechischen Bevölkerung zu ändern. Kaya untermauert seine These mit einem Zensus zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914. Demzufolge zählte die Provinz Aydın eine Gesamtbevölkerung von 1.608.742 Einwohnern. Davon waren 1.248.067 Einwohner Muslime, 299.096 Griechen, 19.395 Armenier und 35.041 Juden.
  2. Als weiteren Grund führt Kaya die Internierung von türkischen Intellektuellen und Menschen, die in der Lage sind, Widerstand gegen die griechische Besatzung zu organisieren. Mit der Verschickung sollte der Widerstand gebrochen werden.
  3. Nach Kaya gab es für die griechischen Besatzer ein weiteres Argument zur Inhaftierung von türkisch-muslimischen Zivilisten, denn nach der griechischen Besetzung am 15. Mai 1919 hatte sich eine türkische Unabhängigkeitsbewegung formiert, die weiteren Zulauf erhielt. 9

Weitere Gewaltverbrechen der griechischen Armee in Westanatolien

Während der Besetzung der westtürkischen Stadt Manisa verübten griechische Verbände in den Dörfern und Kleinstädten Massaker, Vergewaltigungen und Plünderungen gegen die muslimische Zivilbevölkerung. In den Dörfern Hacı Rahmanlı und Kapaklı sowie weiteren Gemeinden, die sich an der Eisenbahntrasse Manisa-Akhisar befanden, begingen griechische Soldaten Gewalttaten gegen die muslimischen Einwohner, bei denen sämtliche Bewohner getötet und das Eigentum geplündert wurde.

Hunderte von Zivilisten wurden in ihren Obstgärten von griechischen Einheiten festgenommen und über Izmir nach Athen verschleppt. Etwa 160 muslimische Kriegsgefangene, die von den Briten zuvor in Ägypten freigelassen wurden, gerieten in erneute Gefangenschaft und mussten unter schweren Bedingungen Zwangsarbeit verrichten.

Laut des örtlichen Polizeiberichts überlebten die meisten Gefangenen die Internierungsbedingungen nicht: sie starben überwiegend wegen Nahrungsmangels oder an der Folter. Die griechische Armee beschlagnahmte Reit- und Tragetiere der Landbevölkerung und wenn die Gräueltaten (Mezalim) nicht aufhörten, so der Bericht, würden alle Muslime vernichtet, falls keine Vorkehrungen getroffen werden sollten.

Griechische Armee setzte bei ihrem Rückzug auf die Politik der verbrannten Erde

In der Schlacht von Sakarya (22. August – 13. September 1922) gelang es der türkischen Armee unter Oberbefehlshaber General Mustafa Kemal Pascha (der spätere Atatürk) den Vormarsch der griechischen Armee aufzuhalten und diese in einem Stellungskrieg zu besiegen. Bei ihrem erzwungenen Rückzug setzte die griechische Armee auf die Taktik der verbrannten Erde. Dabei wurden ganze Städte, Dörfer, Gemeinden, Gebäude, Häuser, Lager, landwirtschaftlich genutzte Flächen und die Infrastruktur niedergebrannt und die Bewohner getötet.

Auch die westanatolische Stadt Afyonkarahisar war davon betroffen, bei dem diese in Schutt und Asche gelegt wurde. Bei der Evakuierung der Stadt Eskişehir legten Soldaten der griechischen Invasionsarmee Brände. Laut einem Bericht eines Aufklärungsfliegers wurden in Eskişehir am Bahnhof drei, auf dem Markt eines und im Süden der Stadt ein weiterer Brand gelegt. Zu Beginn erfolgten dort Plünderungen und im Anschluss wurde die Stadt am Porsuk-Fluss in Brand gesteckt. Wer sich aus dem Feuer retten wollte, wurde erschossen. Die Zahl der getöteten Zivilisten beläuft sich auf etwa 250.

Die meisten Viertel der Stadt, Gebäude, Kaufhäuser, Geschäfte, Schulen, Hamams, Moscheen wurden ein vollständiger Raub der Flammen. Während des Dumlupınar-Stellungskriegs zerstörten griechische Armee-Einheiten die Dörfer Hamurköy und Çal. Eine weitere Stadt, die vollkommen zerstört wurde, ist Uşak, die ebenfalls durch Brände dem Erdboden gleichgemacht wurde. Bevor die türkische Armee in Uşak einrückte, legten griechische Soldaten in der Stadt und in der Umgebung Feuer, verübten Grausamkeiten an der Bevölkerung, bei denen 322 muslimische Opfer durch Feuer ums Leben kamen.

Resümee

Im Zuge der Pariser Friedenskonferenzen bestimmten die Siegermächte des Ersten Weltkriegs, dass Griechenland Izmir und die umliegende Region annektieren sollte. Nach der Einnahme von Manisa am 25. Mai 1919, besetzten griechische Streitkräfte entgegen den Pariser Bestimmungen am 27. Mai 1919 Aydın und danach weitere Städte in Westanatolien. Die griechische Regierung unter Ministerpräsident Venizelos verfolgte im Kontext des griechischen Nationalismus einen irredentistischen Plan, Megali Idea genannt, der die Besiedlung Westanatoliens durch griechische Aussiedler vorsah, zu Lasten der türkisch-muslimischen Mehrheitsbevölkerung.

Um die demografischen Strukturen Westanatoliens zu ändern, führten die griechischen Streitkräfte einen rücksichtslosen Feldzug gegen die muslimische Zivilbevölkerung. Der US-Amerikanische Historiker Justin McCarthy beziffert in seinem Buch „Death and Exile“ die Zahl der durch die griechische Armee während der Okkupation Westanatoliens getöteten Muslime auf 640.000 Menschen, die der Überlebenden auf 860.000 Flüchtlinge sowie 1,2 Millionen türkisch-muslimische Vertriebene.10

Hinter der Landung alliierter Kriegsschiffe und der anschließenden Besetzung Izmirs am 15. Mai 1919 sowie weiterer Städte und Ortschaften Westanatoliens steckte ein konkreter Plan der Siegermächte des Ersten Weltkriegs zur Aufteilung Anatoliens. Die griechische Regierung unter dem damaligen Ministerpräsidenten Venizelos verfolgte ein expansionistisches Ziel zur Erweiterung des eigenen Territoriums, um die irredentistische „Megali Idea“ umzusetzen. Die gegen die türkisch-muslimische Bevölkerung gerichteten ethnischen Säuberungen, Zwangsvertreibungen, Internierungen, sexuellen Gewaltverbrechen, Plünderungen, Unterdrückungen und Verfolgungen in der Zeit der griechischen Besetzung Westanatoliens (1919-1922) haben sich tief im kollektiven Gedächtnis der türkischen Gesellschaft eingeprägt, und sind noch heute präsent.

Erschienen auf Forschungseinrichtung für Mezalim


Kemal Bölge, studierter Politologe und Historiker. Ressortleiter Balkan bei der Forschungseinrichtung für Mezalim. Er schreibt zudem als freier Autor für verschiedene Online-Publikationen. Seine Schwerpunkte sind die Außen- und Sicherheitspolitik, insbesondere die Beziehungen EU-Türkei, die zukünftige Struktur der NATO und die Außen- und Sicherheitspolitik der Türkei.    

1 Vgl. Burhan, Sabahattin, Ege´nin Kurtuluş Destanı: Yörük Ali Efe, Yeni Asya Yayınları, Istanbul 1998, S. 276, Übersetzung des Verfassers.

2 Aus dem Blickwinkel der Siegermächte des Ersten Weltkriegs war die Vereinbarung von Mudros ein Triumph, weil die Alliierten dem Osmanischen Reich die Kapitulation diktiert hatten, aber aus türkischer Sicht stellte dieser Vertrag neben dem Abkommen von Sèvres eine schwere Demütigung dar und wie es der türkische Historiker Ilber Ortaylı in seiner exzellenten Atatürk-Biografie konstatiert als „Todesurteil gegen die Türkei“ aufgefasst. Vgl. hierzu Ortaylı, Ilber: Gazi Mustafa Kemal Atatürk, Kronik Kitap, Istanbul 2018, S. 140.

3 David Lloyd George war von 1916-1922 britischer Premierminister und zuvor Abgeordneter, Handelsminister, Schatzkanzler und Kriegsminister.
4 Thomas Woodrow Wilson gehörte der Demokratischen Partei an und war in seiner Amtszeit von 1913-1921 der 28. Präsident der Vereinigten Staaten.
5 Wie die Historikerin Emine Pancar in ihrer Dissertation erläutert, waren die manipulierten Statistiken des griechisch-orthodoxen Patriarchats zur Bevölkerungszahl der griechischstämmigen Bevölkerung in Anatolien entscheidend bei der Zustimmung der Alliierten zur Besetzung Westanatoliens. Nach den Statistiken des griechisch-orthodoxen Patriarchats betrug die griechischstämmige Gesamtbevölkerung in Anatolien 1,7 Millionen, während hingegen in Aydın und Bursa 1.080.000 Griechen lebten. Mit der griechischen Bevölkerung auf den Inseln waren es demnach zusammen 1.450.000 Einwohner. Beim Zensus der muslimischen Bevölkerung in Anatolien errechnete das Patriarchat 943.000 Personen, vgl. Pancar, Emine: Aydın ve Muğla Kuva-yi Milliyesi, Doktora Tezi, 9 Eylül Üniversitesi, Izmir 2010, S. 82.
6 Die ehemalige Provinz Aydın setzte sich aus den osmanischen Sandschaks Izmir, Aydın, Saruhan und Denizli zusammen, dessen Zentrum Izmir war.
7 Vgl. Askeri Tarih Belgeleri Dergisi, Umum Jandarma Komutanlığı’na, Belge No: 2365 (20. Mai 1919), Erscheinungsjahr 1992, Heft 93, Genelkurmay Basımevi, Ankara 1992, S. 12, Übersetzung des Verfassers.
8 Vgl. ebd., Belge No: 2375, S. 48-49, Übersetzung des Verfassers.
9 Vgl. Kaya, Erol: Milli Mücadele Döneminde Hilal-i Ahmer Cemiyetiˈnin Anadolu ve Yunanistan`daki Türk ve Yunan Esirlerine Yaptığı Yardımlar, Turkish Studies, Skopje/Ankara, Volume 3/2 Winter 2008, S. 469-472.
10 McCarthy, Justin: Death and Exile, The Ethnic Cleansing of Ottoman Muslims 1821-1922, Princeton 1995, S. 304.