Den Haag
Ausschreitungen bei PKK-Protestkundgebung

Den Haag – Die niederländische Polizei beendete am Dienstag nach Ausschreitungen eine Demonstration auf dem Malieveld in Den Haag. Der Protest richtete sich gegen den angeblichen Einsatz von Chemiewaffen durch die Türkei gegen die Terrororganisation PKK. Laut der Polizei von Den Haag wurden bei den Ausschreitungen mehrere Personen mit Kopf-, Arm- oder Beinverletzungen ins Krankenhaus gebracht. Zwei Demonstranten wurden ebenfalls ins Krankenhaus gebracht, nach dem die Polizei die berittene Polizei einsetzen musste, um die Demonstration aufzulösen. 12 Demonstranten wurden festgenommen. Die Protestaktion, die von PKK-nahen Vereinen und Verbänden in den Niederlanden organisiert und auf dem Malieveld, einer Grünfläche im Stadtzentrum von Den Haag, stattfinden sollte, geriet außer Kontrolle, nach dem die Demonstranten in Richtung der türkischen Botschaft marschierten. Polizeikräfte stoppten den Vormarsch, dabei kam es zu den Ausschreitungen, bei der Demonstranten mit Fahnenstangen auf Polizeipferde schlugen und die Bereitschaftspolizei angriffen. Immer wieder wirft die Terrororganisation PKK der Türkei vor, in Nordsyrien chemische Waffen einzusetzen. Der jüngste Vorwurf wurde über das PKK-nahe Online-Portal Firat News am 18. Oktober erhoben. Die türkische Armee bestreitet jedoch, Chemiewaffen zu besitzen oder einzusetzen. Die Türkei ratifizierte das Chemiewaffenübereinkommen (CWÜ) im Jahre 1997. Mit der Überwachung zur Einhaltung der Konvention ist seit ihrem Inkrafttreten 1997 die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OVCW) mit Sitz in Den Haag verantwortlich. Nabi Yücel

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Die deutsche Polizei geht weiterhin mit voller Härte gegen mutmaßliche Mitglieder der verbotenen Terrororganisation PKK vor.

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Berlin
Bütikofer: China-Reise von Scholz bringt „nichts“

Berlin – Der außenpolitische Sprecher der Grünen, Reinhardt Bütikofer, hat die Reise von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) nach China als sinnlos kritisiert. Er nannte den Besuch am Donnerstag im rbb24 Inforadio „zu diesem Zeitpunkt, in diesem Format und mit dieser Unklarheit in der Strategie des Kanzlers […] nicht richtig“. Mit Blick auf die Forderung von Scholz an China, deutschen Unternehmen zu erlauben, in chinesische einzusteigen, sprach Bütikofer von „kaltem Kaffee“. „Das haben wir jetzt ungefähr 25 Jahre lang von China gefordert. Als China in die WTO aufgenommen wurde, hat China versprochen, dass es ein Beschaffungsrecht schaffen würde, das für ausländische Unternehmen dieselben Rechte schafft wir für chinesische. Das haben sie, glaube ich, 17 Mal wiederholt das Versprechen, aber nie realisiert. Also wer heute noch mit dem Versprechen hantiert, vielleicht könne man China gut zureden, der will den Leuten ein X für ein U vormachen. … China verfolgt keine Wirtschaftspolitik der Partnerschaft, sondern eine Wirtschaftspolitik der Abhängigkeiten, und China ist bereit, Abhängigkeiten, wenn sie dann existieren, auch zur politischen Waffe zu machen.“ Bütkofer kritisierte in diesem Zusammenhang ausdrücklich den Kurs eines Teils der Wirtschaft sowie der Bundesregierung. „Von den ganzen europäischen Investitionen, die im letzten Jahr nach China flossen, waren über 80 Prozent von nur zehn Unternehmen, von zehn Großkonzernen. Das heißt, die anderen, die sind schon zum Management der Diversifizierung übergegangen. Da gibt es zwei Realitäten in unserer Wirtschaft: Die einen, die sich so abhängig gemacht haben, dass sie nur die Chance sehen, noch abhängiger zu werden – und die anderen, die versuchen, nicht in die Falle zu gehen. Die Frage ist jetzt: Wen unterstützt die Politik, und da ist der Bundeskanzler eindeutig. Von den zwölf Unternehmen, die er mitnimmt, sind neun die Chefs von Großkonzernen.“ Der Grünen-Europapolitiker zeigte sich außerdem empört darüber, dass Scholz den Bundesverband der Deutschen Industrie, BDI, bei der China-Reise ausgeladen hat. „Das hat es noch nie gegeben, dass der BDI als Repräsentant der deutschen Wirtschaft nicht mitgenommen wurde, aber offensichtlich hat sich der BDI zu kritisch geäußert. Der Herr Russwurm wurde von der chinesischen Botschaft angefratzt, weil er was von Menschenrechten gesagt hatte – und dann nimmt ihn der Bundeskanzler daraufhin nicht mit, aber er verspricht dann, er sagt irgendetwas über Menschenrechte.“

Glücksspiel
Spieleentwickler und ihre beliebtesten Slots

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Ohne die Softwareentwickler, deren Spiele man in Online Casinos findet, gäbe es kein Glücksspiel im Internet. Sie sind es, die immer neue spannende Games entwickeln und damit zu einer tollen Spielerfahrung beitragen. Es gibt viele Softwareentwickler, deren Spiele alle eine einmalige Handschrift haben. Wir haben die bekanntesten einmal ausgewählt und stellen sie unseren Lesern vor. Merkur Merkur gehört zur deutschen Gauselmann-Gruppe, die bereits seit 1957 im stationären Glücksspiel unterwegs ist. In Delmenhorst wurde 1974 die erste Merkur-Spielothek eröffnet. Der Hersteller ist für seine Früchteslots bekannt, die es sowohl in den Spielhallen als auch online gibt. Spiele wie Blazing Star, Fruitinator oder Multi Wild sind den meisten Kennern bekannt. Der Hersteller mit dem Logo einer lachenden Sonne veröffentlicht aber auch weiterhin spannende Titel. Dazu gehören Snow Wolf Supreme oder Gold Cup. Pragmatic Play Bei Pragmatic Play handelt es sich um einen Spielehersteller, den es erst seit 2015 gibt. Trotzdem ist er eines der am schnellsten wachsenden Unternehmen der Casino-Branche. Diesen Erfolg des maltesischen Unternehmens verdankt es seinen Spielautomaten. Die Softwarelösungen der Firma erhielten bereits Auszeichnungen der Glücksspielbranche. Bisher wurden über 400 Pragmatic Play Slots veröffentlicht und diese sind bei den Spielern sehr populär. Zu den beliebtesten davon gehören Wolf Gold, Gates of Olympus und Sweet Bonanza. NetEnt NetEnt hat skandinavische Wurzeln und ist einer der populärsten Hersteller von Online Slots. Gegründet im Jahr 1996, erfolgte die Börsennotierung in Stockholm im Jahr 2007. Die Idee von NetEnt-Spielen ist, dass jedes einzelne Game über unverwechselbare Merkmale verfügen soll. Dieser Umstand ist es auch, der NetEnt so erfolgreich macht. Um die Marktpräsenz weiter auszubauen, schloss sich das Unternehmen im Jahr 2021 Evolution an, die die Marktführer bei Live Casino Spielen sind. So kann man die bekanntesten NetEnt-Slots wie Starburst, Gonzo’s Quest oder Dead or Alive II in noch mehr Online Casinos finden. Gamomat Die Berliner Softwareschmiede Gamomat gibt es bereits seit 2008. Bis 2013 versorgten sie aber landbasierte Spielotheken mit ihren Games und entwickelten Video-Spiele. Seit 2013 sind sie auch im Bereich Online Slots unterwegs und vor allem in deutschen Online Casinos sehr erfolgreich. Die Themen sind sehr vielfältig und reichen von Früchte-Slots über Fantasy-Themen bis zum Altertum. Am bekanntesten sind Ramses Book, Fancy Fruits und Roman Legion. Play’n GO Den Softwarehersteller Play’n GO verbinden wir natürlich mit dem Kult-Slot Book of Dead. Er war es, der die Bücherslots zu einem eigenen Genre in Online Casinos machte und viele Nachahmer fand. Aber es wäre falsch, den in 1997 gegründeten Softwareentwickler auf dieses eine Spiel zu reduzieren. Das Portfolio umfasst mittlerweile 340 Games und deckt alle Themen ab. Die einzigartige Grafik und die spannenden Funktionen sind es, die Spiele wie Fire Joker, Rise of Merlin und viele andere so erfolgreich machen. Fazit Nicht nur die genannten Softwareentwickler sorgen für Spannung in den Online Casinos. Es gibt viele weitere innovative Studios, die Spieler immer wieder mit tollen Games überraschen. Das betrifft nicht nur die Themen, die grafische Umsetzung oder die Features, sondern auch die Technologie und die Spielweise. Man darf wirklich gespannt sein, welche spannenden Online-Slots mit VR-Brille oder sogar im Metaverse in Zukunft an den Start gehen werden.

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Die Gaming-Industrie der Türkei wird zu einem immer wichtigeren Wirtschaftsfaktor. Das Land will ihren Anteil an der weltweit 150 Milliarden Dollar schweren Industrie von derzeit einer Milliarde Dollar auf 10 Milliarden erhöhen.

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Getreidelieferungen
Erdogan überredet Putin zu Fortführung des Getreide-Deals

Ankara – Moskau hatte nach einem Drohnenangriff auf seine Schwarzmeerflotte am Samstag seine Teilnahme am Abkommen zum Export von ukrainischen Getreide ausgesetzt. Nach Angaben des russischen Militärs wurde der Angriff, den Moskau der Ukraine unter Beteiligung britischer Spezialisten anlastet, teilweise von dem für den Getreidetransport genutzten Schiffskorridor aus durchgeführt. Ziel der Drohnenangriffe waren nach Angaben Moskaus auch Schiffe, die beim Schutz der Getreide-Konvois im Einsatz gewesen seien, berichtet die Welt. Kiew hatte keine Verantwortung übernommen und bestreitet, den Sicherheitskorridor des Getreideprogramms für militärische Zwecke zu nutzen. Das Exportabkommen wurde von Russland und der Ukraine vereinbart und von der Türkei und den Vereinten Nationen im Juli vermittelt, um die weltweite Hungerkrise zu lindern, die zum Teil durch Moskaus Einmarsch in der Ukraine, einem wichtigen Getreideproduzenten, und eine frühere Blockade der dortigen Häfen verursacht wurde. Es soll am 19. November auslaufen. Dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ist nach einem Telefonat mit seinem russischen Amtskollegen am Dienstag nun eine Fortführung der Getreidelieferungen gelungen. Erdogan sagte, der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu habe seinen türkischen Amtskollegen Hulusi Akar angerufen und ihm mitgeteilt, dass das Getreidekorridor-Abkommen ab Mittwoch fortgesetzt werde. „Nach dem Gespräch, das wir gestern mit Herrn Putin geführt haben, werden die Getreidelieferungen ab heute um 12 Uhr wie geplant fortgesetzt“, so Erdogan vor der Fraktionssitzung der regierenden AKP. Auf die Frage, wie es ihm gelungen ist den russischen Präsidenten zu überreden, sagte Erdogan: „Überlassen Sie das mir. Zuerst werde ich es Ihnen erklären, dann Biden“. Kurz nach Erdoğans Äußerungen erklärte auch das russische Verteidigungsministerium, das Land werde seine Beteiligung an dem Schwarzmeer-Kornabkommen wieder aufnehmen. „Die Russische Föderation ist der Ansicht, dass die derzeit erhaltenen Garantien ausreichend sind, und nimmt die Umsetzung des Abkommens wieder auf“, so das Verteidigungsministerium in einer Erklärung. Das Ministerium erklärte, dass es dank der Beteiligung der Vereinten Nationen und der Türkei möglich gewesen sei, von der Ukraine schriftliche Garantien zu erhalten, dass sie den humanitären Korridor und die ukrainischen Häfen nicht für militärische Operationen gegen Russland nutzen werde. Die Erklärung stellte eine Kehrtwende Moskaus dar, das zuvor erklärt hatte, es sei riskant und inakzeptabel, dass Schiffe weiterhin durch den humanitären Korridor fahren, der im Rahmen einer von der Türkei und den Vereinten Nationen im Juli vermittelten Vereinbarung eingerichtet wurde. Erdogan sagte am Mittwoch, dass die Vereinbarung den Lieferungen an afrikanische Staaten, darunter Somalia, Dschibuti und Sudan, Vorrang einräumen würde. Dies entspreche den Bedenken Russlands, dass der Großteil des Getreides in reicheren Ländern lande.      

NEX24-Exklusivinterview
DEB-Parteichefin Asafoğlu: Griechenland hält sich seit 100 Jahren nicht an den Lausanner Vertrag

Im Interview mit NEX24 kritisiert die Vorsitzende der DEB-Partei, Çiğdem Asafoğlu, die Dreiprozentklausel zum Einzug ins griechische Parlament, die sie für antidemokratisch hält. Den griechischen Regierungen wirft Asafoğlu eine „kontinuierliche Unterdrückung“ der türkisch-muslimischen Minderheit vor.

Çiğdem Asafoğlu wurde am 17. November 1987 geboren. Nach dem Besuch der Grundschule im Dorf Kireççiler (Xrysa) bei İskeçe/Xanthi, machte Asafoğlu später Abitur an einem Gymnasium in İskeçe. Sie studierte Philosophie und Pädagogik an der Aristotelio-Universität in Thessaloniki (Selanik).

Ihre politische Karriere begann in der DEB-Partei, die vom Arzt und Menschenrechtsaktivisten Dr. Sadık Ahmet 1991 gegründet wurde und sich für die Rechte der türkisch-muslimischen Minderheit im Nordosten Griechenlands einsetzt. Auf dem Parteitag der DEB-Partei wurde Çiğdem Asafoğlu am 5. Januar 2019 zur neuen Parteichefin gewählt.

Frau Asafoğlu, die türkische Community in Westthrakien macht schwere Zeiten durch. Was sind die wesentlichen Probleme der türkischen Minderheit in Westthrakien?

Die Schwierigkeiten in der Welt haben auch ihre Spuren bei der türkischen Community in Westthrakien hinterlassen. Hinzu kommt, dass die bestehenden Probleme der türkischen Minderheit in Westthrakien nicht gelöst sind, was den Schwierigkeitsgrad noch erhöht.

Wie Sie wissen, wurde die türkisch- muslimische Minderheit in Westthrakien mit dem am 24. Juli 1923 unterzeichneten internationalen Vertrag von Lausanne unter die Obhut des griechischen Staates gestellt, wobei die Menschenrechte und Freiheiten, insbesondere das Recht auf Religionsausübung und Bildung garantiert wurden.

In den vergangenen 100 Jahren hat sich Griechenland nicht an den Vertrag gehalten. Sie hat die türkisch-muslimische Minderheit in Westthrakien auf wirtschaftlichem, bildungspolitischem, religiösem, identitätsstiftendem, sozialem und politischem Gebiet kontinuierlich unterdrückt und die bestehenden Rechte der Minderheit beraubt.

Es sind die Angehörigen der Minderheit, die am meisten von der Wirtschaftskrise in unserem Land betroffen sind. Daher ist es wichtig, Hochschulabsolventen im öffentlichen Sektor zu beschäftigen, dafür zu sorgen, dass unsere Landwirte angemessen von den EU-Mitteln profitieren und wirtschaftlich in Westthrakien, die als der rückständigsten Region Griechenlands gilt, zu investieren.

Was die politische Vertretung anbelangt, so gibt es eine antidemokratische nationale Dreiprozentklausel, die ein großes Hindernis für das Recht der Minderheit darstellt, zu wählen, [aktives Wahlrecht] und gewählt zu werden [passives Wahlrecht].

Die Tatsache, dass das Minderheitenschulwesen nicht im Einklang mit den durch den Vertrag von Lausanne gewährten Rechten im Bildungsbereich und den Wünschen der Minderheit behandelt wird, dass die erforderlichen Minderheiten-Mittelschulen und Gymnasien nicht realisiert werden und dass Kindergärten, die zweisprachigen türkisch-griechischen Unterricht anbieten, nicht eröffnet werden, sind ernsthafte Probleme, die unsere Minderheit im Bildungsbereich erfährt. Leider gehören auch andere wichtige Themen wie die Probleme des Muftiamtes und der Stiftungen zu den derzeit ungelösten Problemen.

Was schlägt ihre Partei konkret vor, um die Probleme zu lösen und welche Anstrengungen hat die DEB-Partei unternommen?

Die DEB-Partei ist eine legale politische Partei in diesem Land. In diesem Sinne hat sie das Recht, ihre Tätigkeit frei auszuüben und die Rechte, die nicht gewährt werden, zu äußern. Als Partei versuchen wir, die Probleme zum Ausdruck zu bringen und nach Lösungen zu suchen, indem wir Pressemitteilungen zu den auf der Tagesordnung stehenden Themen veröffentlichen und vor allem, indem wir über die Europäische Freie Allianz EFA parlamentarische Anfragen im Europäischen Parlament einreichen.

Der verstorbene Führer der türkischen Minderheit in Westthrakien, Dr. Sadık Ahmet, gründete die DEB-Partei in einer Zeit, in der die Rechtsverletzungen sehr stark waren. Daher wird die DEB-Partei, deren Ziel es ist, die Rechtsverletzungen zu beseitigen und dafür zu sorgen, dass die Menschen in einer Demokratie leben, seit ihrer Gründung sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene weiter tätig sein.

Sie wird sich weiterhin um Rechte an Plattformen bemühen. Die DEB-Partei ist der wichtigste politische Vertreter der Türken in Westthrakien und hat dies sowohl bei den Wahlen zum Europäischen Parlament 2014 als auch 2019 bewiesen. Sie wurde die erste Partei in den Provinzen Rodopi und İskeçe. Dies zeigt uns, dass die DEB-Partei der wichtigste politische Vertreter des Volkes ist.

Nächstes Jahr finden in Griechenland Parlamentswahlen statt. Welche Ziele verfolgt ihre Partei?

Wie jede politische Partei ist eines der wichtigsten Ziele der DEB-Partei der Einzug in das Parlament. Ich glaube, dass dies in naher Zukunft realisiert werden kann. Wenn dieses Ziel erreicht ist, wird es vielleicht eher möglich sein, direkte Lösungen vorzuschlagen. Die Lösung der aktuellen Probleme muss jedoch zunächst mit dem Abbau von Vorurteilen und der Einstellung gegenüber den westthrakischen Türken beginnen.

Der wichtigste Lösungsvorschlag der DEB-Partei ist der Dialog. Wir sind der Meinung, dass jede Entscheidung, die mit der Minderheit in Westthrakien getroffen werden muss, im Dialog mit der Minderheit in Westthrakien getroffen werden sollte, mit anderen Worten, wir glauben, dass die Probleme mit der Demokratie sich auflösen werden.

Bei den Wahlen 2023 wollen wir auf die Wünsche und Erwartungen unserer Bürger eingehen. Wie Sie wissen, gibt es in unserem Land eine Sperrklausel von 3 Prozent. Das macht es uns unmöglich, allein ins Parlament einzuziehen. Wir haben jedoch die Möglichkeit, durch eine Koalition [Allianz] mit einer Partei oder Personen, die ähnlich wie wir denken, in das Parlament einzuziehen. Wir arbeiten an diesen Möglichkeiten.

In Griechenland wurde 1993 das Wahlgesetz geändert und eine 3-Prozent-Hürde für den Einzug ins Parlament eingeführt. Was haben Sie als DEB-Partei für die Abschaffung dieses antidemokratischen Gesetzes getan oder planen Sie zu tun? Die EU beabsichtigt Minderheitenprobleme in Zusammenhang mit parlamentarischen Sperrklauseln abzuschaffen. Wie ist dazu der aktuelle Stand?

Bei den Wahlen zum Europäischen Parlament ist es unserer Partei gelungen, in Gümülcine/Komotini und İskeç/Xanthi mit 42.000 Stimmen den ersten Platz zu belegen. Diese in Griechenland erhaltenen Stimmen entsprechen prozentual 0,75 Prozent. Was bedeutet das? Das bedeutet, dass es unmöglich ist, mit diesem Prozentsatz innerhalb der Grenzen Griechenlands ins Parlament zu gelangen.

Ich möchte hier eine eigene Klammer aufmachen: Die Türken in Westthrakien haben nicht das Recht, im griechischen Parlament im Verhältnis zu ihrer Bevölkerung vertreten zu sein. Die Sperrklausel von 3 Prozent ist eine der Praktiken, die die Vertretung der Türken aus Westthrakien im griechischen Parlament einschränken.

Die türkische Minderheit in Westthrakien, die zwischen den Wahlen von 1927 und 1989 durch den Beitritt zu einer Partei zwei Abgeordnete stellen konnte, nahm an den Wahlen von 1989 zum ersten Mal unabhängig teil und erhielt einen Abgeordneten. Das System der Länderhürden, das unmittelbar nach diesen Wahlen eingeführt wurde, wurde bei den Wahlen von 1993 auch auf unabhängige Kandidaten angewandt, und es wurde für die Minderheit unmöglich, einen unabhängigen Abgeordneten zu stellen.

Denn um 3 Prozent der Stimmen im Land zu erhalten, sind etwa 200.000 Wählerstimmen erforderlich. Die Bevölkerungszahl der Minderheit bleibt unter dieser Zahl. Am 18. Juni 1989 wurde der verstorbene Sadik Ahmet zum ersten unabhängigen Abgeordneten der westthrakischen Türken ohne Schwellenwert gewählt. Damit wurde die Verpflichtung, einen Abgeordneten der griechischen Parteien zu stellen, verletzt.

Bei den Wahlen 1993, als Sadık Ahmet an der neu eingeführten Sperrklausel scheiterte, wurde die Partei für Freundschaft, Gleichheit und Frieden (DEB) gegründet. Die DEB-Partei scheiterte jedoch auch an der Hürde, da die türkische Minderheit mit ihren 150.000 Einwohnern keine 200.000 Stimmen auf sich vereinigen konnte. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass sie dazu in Zukunft nicht in der Lage sein wird. Wie ich bereits erwähnt habe, könnte es durchaus sein, diese Schwelle durch eine Koalition mit gleichgesinnten Parteien zu überwinden.

Es gibt eine starke Auswanderung aus Griechenland in andere EU-Mitgliedsstaaten. Gibt es Anzeichen dafür, dass diese Auswanderung im Allgemeinen zu einer Stärkung der DEB-Partei als politische Kraft beiträgt? Fall ja, in welcher Phase ist es derzeit?

Die Abwanderung ist auf sehr offensichtliche Weise zu einer blutenden Wunde unserer Minderheit geworden. Zunächst müssen die Faktoren ermittelt werden, die die Migration verursachen, und es müssen ernsthafte Studien in der Region durchgeführt werden. Besonders der Unterschied in der Abwanderungsrate unserer Landsleute, die der türkischen Minderheit in Westthrakien angehören, im Vergleich zur Mehrheit ist beunruhigend.

Wir haben nicht feststellen können, dass die zu diesem Zweck eingerichtete Kommission für die Entwicklung von Thrakien in der Lage war, einen konkreten Schritt zu unternehmen, um die Abwanderung zu stoppen. Immer mehr Gewerbetreibende schließen ihre Läden, die Landwirte erhalten nicht die notwendige Unterstützung, das Gewerbegebiet wird nicht entwickelt, und infolgedessen ist die Abwanderung unvermeidlich. Als Partei bringen wir dies stets zum Ausdruck und leiten unsere Forderungen an die notwendigen Stellen weiter. Die wirklichen Probleme werden jedoch ignoriert und ohne Dialog vor vollendete Tatsachen gestellt.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führten die Redakteure Kemal Bölge und Mehmet Küçük.

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Im einem Gespräch mit NEX24 bemängelt der Sprecher der griechischen Menschenrechtsorganisation Greek Helsinki Monitor das Fehlen einer strafrechtlichen Verfolgung rassistischer Verbrechen, die in seinem Land fast gänzlich fehle.

NEX24-Interview mit Menschenrechtler Dr. Panayote Dimitras

Solingen
Straße soll nach Mevlüde Genc benannt werden

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Solingen – Am heutigen Dienstag wurde in Solingen unter reger Teilnahme das Totengebet für die am Sonntag verstorbene Mevlüde Genc gemeinsam verrichtet. Die Beerdigung werde am morgigen Mittwoch in der türkischen Stadt Amasya stattfinden. In Solingen soll nun eine Straße nach ihr benannt werden. Mevlüde Genc verlor ihre Familie bei einem rechtsextremistischen Anschlag 1993. Ihre besonnenen Botschaften gegen den Hass machten sie zu einem Symbol für Toleranz und Antirassismus in ganz Deutschland. Im Gespräch mit NEX24 erklärte Tolga Özgül von Merhaba & Mahlzeit, Köln, dass die türkische Community in Zusammenarbeit mit der Stadt Solingen eine Straße nach Mevlüde Genc benennen möchte. Die Gespräche mit dem Oberbürgermeister sollen in Kürze beginnen.
Tolga Özgül (r.) mit Helge Lindh (Wuppertal/SPD)
Zum Gedenken an die Überlebende des Brandanschlags von 1993 in Solingen trafen sich fast 1000 Trauernde, auch viele Deutsche aus verschiedenen Bundesländern, direkt vor dem Grundstück, auf dem dieser Anschlag stattfand. Sogar Teilnehmer aus Bayern seien extra den weiten Weg angereist, erzählte Tolga Özgül, der gemeinsam mit allen Anwesenden das Totengebet verrichtete. Das würde zeigen, dass Mevlüde Genc geliebt und geschätzt wurde, so Özgül.
(Foto: Özen
Im Solinger Haus der türkischen Familie Genc legten vier deutsche Rechtsradikale Feuer im Flur, nachdem sie in der Nacht gewaltsam in das Haus eingedrungen waren. Fünf Familienmitglieder kamen bei diesem verabscheuungswürdigen Brandanschlag um. Das jüngste Opfer war vier Jahre alt, das älteste 27 Jahre. Weitere 14 Familienmitglieder erlitten teilweise lebensgefährliche Verletzungen. Die 80 Jahre alte Bundesverdienstkreuzträgerin Mevlüde Genc verstarb am 30. Oktober 2022. Ihr Sarg wurde in der Unteren Werderstraße unter freiem Himmel aufgebahrt. Unter den hunderten von Gästen, die ihre Anteilnahme ausdrückten, befanden sich der NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach, der türkische Botschafter Ahmet Başar Şen und Thomas Kutschaty von der NRW-SPD.
(Foto: Özgül)
Der deutsche Politiker Joachim Stamp nahm ebenfalls an der Zeremonie teil. Er war von Juni 2017 bis Juni 2022 Minister für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration sowie stellvertretender Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen in der schwarz-gelben Landesregierung. Alle erschienen aufgrund einer Einladung der Ditib-Gemeinde Solingen. Auch ein Abgeordneter aus dem türkischen Samsun, Akif Cagatay, ehemaliger türkischer Sportminister, war anwesend.
Özgül (r.) mit r Joachim Stamp, ehemaliger Minister für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration sowie stellvertretender Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen in der schwarz-gelben Landesregierung.
Özgül sagte im Gespräch mit NEX24, Mevlüde Genc sei ein sehr bemerkenswerter Mensch gewesen, die nicht nur von den türkischen, sondern auch von den Bürgern in ganz Deutschland verehrt und geschätzt wurde. Beim Totengebet hatte er die Gelegenheit, mit Herrn Kurzbach, dem Oberbürgermeister der Stadt Solingen zu sprechen. „Ich habe direkt angesprochen, dass wir uns wünschen, dass eine Straße nach Mevlüde Genc benannt wird. Er hat das sofort positiv begrüßt. Ich habe ihn auch darum gebeten, das Projekt Mevlüde-Genc-Straße in kürzester Zeit umzusetzen. Wie ich noch erfahren habe, hat die Stadt Solingen auch vor, eine Gedenktafel für Mevlüde Genc aufzustellen. Ich habe Herrn Kurzbach um einen Termin gebeten, um auch das Projekt Mevlüde-Genc-Straße durchzusetzen“, so Tolga Özgül zu NEX24.
(Foto: Özen)
Im Gespräch mit NEX24 äußerte Özgül auch, dass sich der Oberbürgermeister von Solingen demnächst mit ihm zusammensetzen werde. Özgül möchte natürlich dafür das Einverständnis der Familie Genc einholen. Aktuell sei die Familie in Trauer und er wolle sie nicht stören und ein wenig mehr Zeit vergehen lassen und dann erst das Gespräch mit der Familie Genc suchen, damit die Straßenumbenennung in Mevlüde-Genc-Straße auch mit Erlaubnis der Familie stattfinden könne. Die Stadt Solingen hätte ein sehr positives Zeichen gegeben. Auszeichnungen für Bemühungen zur Versöhnung Für ihre Bemühungen um Versöhnung wurde ihr 1996 das Bundesverdienstkreuz verliehen. Im Jahre 2003 wurde sie bei den Deutsch-Türkischen Kulturwochen der Friedrich-Ebert-Stiftung zudem mit dem Freundschaftspreis ausgezeichnet. Die Begründung der Jury:
„Mevlüde Genc hat ihrer Heimatstadt Solingen trotz allem die Treue gehalten und kämpft seither gegen Rassismus. Sie gründete u. a. einen Kindergarten und unterstützt vor allem das Bewusstsein, das bereits bei kleinen Kindern von Anfang an geschult werden sollte – nämlich dass Rassismus in Deutschland keine Chance haben darf. Für dieses Engagement und den Mut, trotz allem weiterzumachen, aufzustehen und etwas zu tun, verleiht die DTF seinen diesjährigen Preis in der Kategorie ‚Solidarität‘ an Mevlüde Genc.“
Aufgrund ihrer versöhnlichen Haltung wurde zudem die in NRW seit 2018 verliehene „Mevlüde-Genç-Medaille“ nach ihr benannt.
Bundeskanzlerin Angela Merkel bewundert Haltung von Mevlüde Genc „Auf eine unmenschliche Tat haben Sie mit menschlicher Größe reagiert. Dafür bewundern wir Sie“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrer Rede zum 25. Jahrestag.

Fußball-WM 2022
Innenministerin Faeser empfiehlt Homosexuellen Katar-Reise

Berlin – Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hat im Rahmen ihrer aktuellen Katarreise angekündigt, zum Eröffnungsspiel der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft reisen zu wollen. Sie habe sich dazu entschieden, den Reformprozess im Land „auch während der WM weiter zu begleiten. Deswegen reise ich zum Eröffnungsspiel der deutschen Mannschaft gegen Japan“, sagte Faeser im ARD-Mittagsmagazin. Es sei wichtig, das Land Katar bei den begonnen Reformen zu unterstützen, sagte Faeser. Auf ihrem Besuch habe sie gesehen, „dass wertvolle Reformen, gerade auch für die Wanderarbeiterinnen und -arbeiter auf den Weg gebracht wurden.“ Beispielsweise gebe es nun einen Staatsfonds, der Gehälter von Wanderarbeitern ersetzt, wenn sie nicht gezahlt werden. Zudem gebe es nun Gerichte, die sich jetzt ausdrücklich um Arbeitnehmerfragen kümmern. Während ihres Besuchs habe sie auch mit Arbeitnehmervertretern gesprochen. Der katarische Premierminister habe ihr außerdem Sicherheitsgarantien für alle Menschen zugesagt, die zur WM reisen wollen. „Das war mir als Bundesinnenministerin das wichtigste, das bei dieser Reise zu erreichen“, sagte Faeser im Mittagsmagazin. „Denn jeder soll, egal wo er herkommt, an wen er glaubt oder wen er liebt sicher bei der WM auch dieses Fest mitfeiern können. Und das wurde mir heute garantiert.“ Sie könne homosexuellen Menschen deswegen guten Gewissens empfehlen, zur WM zu reisen.  

Energiekrise
Hohe Energiekosten sorgen für Betriebsschließungen von Pflegeeinrichtungen

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Berlin- Vor der Sitzung der Ministerpräsidenten mit dem Bundeskanzler drängt der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) auf eine schnelle Umsetzung eines Energiefonds, der auch von der Expertenkommission vorgeschlagen wurde, um Pflegeeinrichtungen und soziale Einrichtungen vor den dramatisch gestiegenen Energiekosten zu schützen. „Ein Pflegedienst in Leipzig, der den Betrieb aufgibt, ein Pflegeheim in Flensburg, das wegen der hohen Kosten Insolvenz anmelden muss – allein in den letzten Tagen gab es mehrere Beispiele für Betriebsschließungen aufgrund der galoppierenden Kostenentwicklung“, warnt bpa-Präsident Bernd Meurer. „Bund und Länder müssen verhindern, dass daraus eine Kettenreaktion wird, die die pflegerische Versorgung in Deutschland gefährdet.“ Der bpa fordert deshalb eine Direkterstattung der Energiekosten zum Beispiel bei Gas, Strom und Kraftstoff. Inzwischen haben sich weitere Teile der Politik und nahezu alle großen Verbände der Pflegebranche hinter diesen Vorschlag gestellt. Auch die Expertenkommission der Bundesregierung zur Gaspreisbremse hat einen Hilfsfonds zur Direkterstattung der Kosten vorgeschlagen. Meurer weist aber auch auf Belastungen bei anderen Energiekosten sowie weitere hohe Sachkostensteigerungen, beispielsweise bei Lebensmitteln, hin. „Die Einrichtungen brauchen Hilfe und sie brauchen sie jetzt“, macht Meurer deutlich. „Die Gesellschaft kann nicht warten, bis der Winter vorbei ist. Bis dahin wird es weitere Insolvenzen und Betriebsaufgaben geben. Hauptsächliche Leidtragende sind dann immer die hilfsbedürftigen Menschen und ihre Familien.“ Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa) bildet mit mehr als 13.000 aktiven Mitgliedseinrichtungen die größte Interessenvertretung privater Anbieter sozialer Dienstleistungen in Deutschland. Einrichtungen der ambulanten und (teil-)stationären Pflege, der Behindertenhilfe sowie der Kinder- und Jugendhilfe in privater Trägerschaft sind systemrelevanter Teil der Daseinsvorsorge. Als gutes Beispiel für Public-private-Partnership tragen die Mitglieder des bpa die Verantwortung für rund 395.000 Arbeitsplätze und circa 29.000 Ausbildungsplätze (siehe www.youngpropflege.de oder auch www.facebook.com/Youngpropflege). Die Investitionen in die soziale Infrastruktur liegen bei etwa 31 Milliarden Euro.

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Das türkische Unternehmen Emirates Petroleum hat in dem westafrikanischen Staat Sierra Leone die weltweiten Vermarktungsrechte für die Goldreserven erworben.

Türkisches Unternehmen landet Milliarden-Deal in Sierra Leone

Afrika-Politik der Türkei
Türkisches Unternehmen landet Milliarden-Deal in Sierra Leone

Freetown – Im Rahmen der Annäherungspolitik der Türkei mit Afrika, hat ein türkisches Unternehmen in dem westafrikanischen Staat Sierra Leone einen Milliarden-Deal gelandet. Das in der westtürkischen Millionenmetropole Izmir ansässige Unternehmen Emirates Petroleum konnte nach langwierigen Verhandlungen die weltweiten Vermarktungsrechte für die Goldreserven sichern. Dem Unternehmen zufolge liegt die jährliche Fördermenge Sierra Leones aktuell bei über 20 Milliarden Dollar. Die neue Afrika-Politik der Türkei In der Erwartung, eine aktivere Rolle auf der Weltbühne zu spielen, sieht die Türkei ein großes Potenzial und große Chancen für die Zusammenarbeit mit Afrika. Aus diesem Grund verfolgt die Türkei seit 2005 eine gezielte Afrikapolitik, und in den letzten zehn Jahren ist ihre Präsenz auf dem Kontinent deutlicher denn je geworden. Um die Handelsbeziehungen zwischen der Türkei und den afrikanischen Ländern zu fördern, organisiert die Türkei in Zusammenarbeit mit der Afrikanischen Union regelmäßig türkisch-afrikanische Wirtschafts- und Geschäftsforen, um die Handelsbeziehungen zwischen der Türkei und dem Kontinent zu regeln und auszubauen. Im Oktober 2021 unternahm der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan eine viertägige Reise in drei afrikanische Länder: Angola, Nigeria und Togo. Zwei Monate später, im Dezember, war Istanbul Gastgeber des dritten Türkei-Afrika-Partnerschaftsgipfels, an dem 16 afrikanische Staatschefs teilnahmen.  Das erste Forum, an dem Handels- und Wirtschaftsminister aus 42 afrikanischen Ländern und über 2000 Geschäftsleute teilnahmen, fand 2016 in Istanbul statt. Das zweite Forum fand 2018 unter dem Motto „Gemeinsam in eine nachhaltige Zukunft investieren“ statt. Im selben Jahr gründete die Türkei auf regionaler Ebene zur Vertiefung der Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zwischen der Türkei und den westafrikanischen Ländern das Geschäfts- und Wirtschaftsforum Türkei-ECOWAS.

Goldhandel

Im Rahmen dieser Annäherungspolitik der Türkei mit Afrika, konnte nun auch das in der westtürkischen Wirtschaftsmetropole Izmir ansässige Unternehmen Emirates Petroleum nach langwierigen Verhandlungen die weltweiten Vermarktungsrechte für die Goldreserven des westafrikanischen Staates Sierra Leone sichern. „Wir sind glücklich, dass wir nun endlich ein für beide Seiten zufriedenstellendes Ergebnis erzielen konnten“, so Markus Fürst von Sayn-Wittgenstein, ein Vorstandsmitglied des Unternehmens gegenüber NEX24.
Emirates Petroleum Vorstandsvorsitzender Markus Fürst von Sayn-Wittgenstein
Sayn-Wittgenstein betonte, dass Sierra Leone zu den wichtigsten goldproduzierenden Ländern weltweit gehört und dieser Deal sowohl der Türkei als auch der Wirtschaft des westafrikanischen Staates zugute kommen werde. Er erinnerte weiter daran, dass es in dieser Branche viele schwarze Schafe gebe und man einen Goldhandel ausschließlich mit lizenzierten Händlern durchführen solle und „nicht mit dubiosen Prinzen aus dem Internet“.
„Emirates Petroleum ist das erste akkreditierte türkische Unternehmen mit einer Lizenz der örtlichen Behörden und internationalen Sicherheitsorganisationen für die weltweite Vermarktung des Goldes. Käufer können sich der Echtheit also sicher sein.“

 „All-in-one-Lösungen“

Der Manager erklärte, dass sie ernsthafte Vorbereitungen träfen, um diese Werte in die türkische Wirtschaft einzubringen. „In Zusammenarbeit mit nationalen und lokalen Partnern als auch mit internationalen Behörden sind wir jetzt in der Lage, All-in-one-Lösungen anzubieten“. Von Sayn-Wittgenstein fügte des Weiteren hinzu, dass diese Investition einen ernsthaften Beitrag zur Wirtschaft und Beschäftigung in der Region und den afrikanischen Staaten leisten werde.

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US-Politologe Cannon: „Die Türkei ist ein Land, das Afrika versteht“

Türkei-Wahlen
Kilicdaroglu: Erdogan fürchtet sich vor meiner Kandidatur

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Ankara – Der türkische Oppositionspolitiker Kemal Kilicdaroglu sagte in einem Interview, dass sich Präsident Recep Tayyip Erdogan vor einer Ankündigung seiner Kandidatur fürchte. „Präsident Erdogan nennt ständig Ihren Namen bei jeder Gelegenheit. Hat Präsident Erdogan Angst davor, dass Sie kandidieren? Hat er Angst?“, fragte der Moderator Yilmaz Polat von TELE 1 Kilicdaroglu in einem Interview. „Ja, er hat große Angst“, antwortete der CHP-Chef. Laut Kilicdaroglu werde Erdogan die Wahlen im kommenden Jahr verlieren. „Viele Male habe ich ihn eingeladen, in einem TV-Sender seiner Wahl eine zivilisierte Fernsehdebatte zu führen, aber er rennt immer wieder davon. Ich sage es noch einmal. Lassen Sie uns das öffentlich diskutieren“, fügte er hinzu. Auf die Frage nach dem Präsidentschaftskandidaten des Oppositionsbündnisses wiederholte Kilicdaroglu, dass die Entscheidung darüber, wer für das Präsidentenamt kandidieren wird, von den Mitgliedern des Oppositionsbündnisses, der Nationalen Allianz, bestehend aus der CHP, der İYİ (Gute) Parti, der Demokrat Partisi (DP) und der Saadet Partisi (Partei der Glückseligkeit), getroffen werde. Im Jahr 2023 sollen in der Türkei landesweite Wahlen stattfinden, bei denen die Bürgerinnen und Bürger den Präsidenten sowie alle 600 Abgeordneten des Parlaments wählen werden.

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