Hafis – die Stimme des Herzens
Hafis lebte im 14. Jahrhundert in Schiras. Seine Dichtung ist voller Gegensätze: Wein und Weisheit, Sinnlichkeit und Gott, Zweifel und Vertrauen. In der Form des Ghasels verband er Mystik mit Lebensfreude. Seine Verse sind Ausdruck einer Welt, in der Liebe nicht nur privat, sondern auch spirituell ist – eine Kraft, die Menschen über sich hinausführt.Goethe – die Antwort aus Weimar
Goethe war schon ein erfahrener Schriftsteller. Doch die Begegnung mit Hafis öffnete in ihm etwas neues. Im West-östlichen Divan reagierte Goethe auf Hafis. Es entstand ein Dialog – zwischen Orient und Okzident, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen zwei Seelen, die einander nie begegneten, aber doch verwandt schienen. Goethe näherte sich dem Orient nicht oberflächlich. Er las den Koran, beschäftigte sich mit islamischer Philosophie und schätzte die Persönlichkeit des Propheten Mohammed. Sein Interesse war ernsthaft. Für ihn war Religion keine Grenze, sondern eine Möglichkeit, das Gemeinsame zu erkennen. Liebe, so verstand er, sei eine universelle Sprache – sie verbinde das Menschliche mit dem Göttlichen, das Ich mit dem Anderen.Hammer-Purgstall – der Vermittler
Ohne Joseph von Hammer-Purgstall wäre diese Begegnung nicht möglich gewesen. Der Orientalist machte mit seinen Übersetzungen erstmals die persische Dichtung systematisch für den deutschen Sprachraum zugänglich. Er war kein Lehrer Goethes, aber ein Wegbereiter. Er übersetzte nicht nur Worte, sondern auch Denkweisen. Damit schuf er die Voraussetzung für einen literarischen Austausch, der bis heute wirkt.Wirkung und Gegenwart
Goethes West-östlicher Divan wurde ein Symbol für Verständigung durch Poesie. Er prägte das Ideal der Weltliteratur. Viele Autoren griffen dieses Erbe auf – in Europa wie in der islamischen Welt. Auch das Goethe-Institut trägt diese Haltung weiter. Es fördert weltweit Projekte, die den kulturellen Dialog stärken. In vielen islamisch geprägten Ländern ist Goethes Divan fester Bestandteil von Bildungsprogrammen, Lesungen und Übersetzungsprojekten.Drei Menschen aus drei Epochen
Drei Menschen aus drei Epochen, verbunden durch Worte. Hafis gab den Ton vor, Hammer-Purgstall öffnete das Tor, Goethe antwortete. Was sie verband, war nicht Herkunft, Sprache oder Religion. Es war die Liebe zur Wahrheit, zur Schönheit, zur Menschlichkeit. Und diese Liebe – das zeigt ihr Werk – ist stärker als alle Grenzen. Sie verbindet. Bis heute. „Du bist deine eigene Grenze, erhebe dich darüber.“ Hafis
Zum Autor
Çağıl Çayır studierte Geschichte und Philosophie an der Universität zu Köln und ist als freier Forscher tätig. Çayır ist Autor von „Runen in Eurasien. Über die apokalyptische Spirale zum Vergleich der alttürkischen und ‚germanischen‘ Schrift‘“ und ist Gründer der Kultur-Akademie Çayır auf YouTube. Seine Arbeiten wurden international in verschiedenen Fach- und Massenmedien veröffentlicht.AUCH INTERESSANT
– Geschichtswissenschaft – Ibn Rushd: Der Philosoph, der Islam und Wissenschaft vereinte
In einer Zeit, in der religiöse Dogmen oft als Feinde der Wissenschaft dargestellt werden, wirkt der andalusisch-muslimische Philosoph Ibn Rushd wie eine leuchtende Ausnahmefigur.
Ibn Rushd: Der Philosoph, der Islam und Wissenschaft vereinte


Im Zentrum der Ausstellung steht die Frage: „Wenn Vollständigkeit unerreichbar bleibt – können wir dennoch eine Struktur im Fragment entdecken?“ Die gezeigten Werke reflektieren diesen Gedanken durch vielfältige künstlerische Ansätze, die sich mit Erinnerung, Identität, Raum, Zeit und Geschichtsschreibung auseinandersetzen – Themen, die sich ständig im Wandel befinden.
Die Ausstellung präsentiert Arbeiten folgender internationaler Künstler: innen:Chunhan Chen, Jialin Wu, Jing Wang, Jing Zhou, Lexiong Ying, Lin (Ruki) Li, Riccardo Matlakas, Mo Cheng, Peiyao (Heather) Tang, Shuqi Zhang, Xiaosu Jing, Yiyang Shi, Yongkang Yu, Yuchu Zhao, Yixuan Yang, Zhaoqi Wang und Ziya Lin.
Ihre Werke – in unterschiedlichen Medien und künstlerischen Sprachen – oszillieren zwischen Dekonstruktion und Rekontextualisierung, zwischen Erinnerungsspuren und imaginären Zukünften.
Die Ausstellung schafft einen Raum, in dem Fragmente nicht als Bruchstücke, sondern als Ausgangspunkte neuer Bedeutungszusammenhänge erlebt werden können. Besucher:innen sind eingeladen, sich durch dieses fein gewobene Netz aus visuellen Lücken und konzeptuellen Andeutungen zu bewegen und darin eine neue Form von Ganzheit zu imaginieren.
Kuratiert wird die Ausstellung unter anderem von zwei international anerkannten Fachpersönlichkeiten:Yuan Zhuang, preisgekrönte Bildhauerin und Wissenschaftlerin, bekannt für ihre monumentale Skulptur zur China Open 2024, die dauerhaft im Olympiapark in Peking zu sehen ist; sowieJiaxing (Sean) Guo, multidisziplinärer Künstler und Designer aus Los Angeles, Mitbegründer von Mackerel Design, dessen Arbeit sich an den Schnittstellen von Technologie, Mode und Kunst positioniert.


