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200 Millionen €: Estland kauft türkische Panzerfahrzeuge

Angesichts der sicherheitspolitischen Herausforderungen, vor denen Estland steht, betonte Pevkur die Notwendigkeit einer raschen militärischen Verstärkung.

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Tallinn – Nach EU-Ländern wie Ungarn und Rumänien, gehört nun auch Estland zu den stolzen Besitzern türkischer Panzerfahrzeuge.

Die beiden türkischen Fahrzeughersteller Otokar und Nurol Makina hatten bereits im Oktober 2023 Verträge mit Estland über die Lieferung von 230 gepanzerten Fahrzeugen im Wert von rund 200 Millionen Euro (etwa 211 Millionen Dollar) unterzeichnet.

„Neue gepanzerte Fahrzeuge aus türkischer Produktion für die estnischen Verteidigungsstreitkräfte! Estland baut seine Verteidigungskapazitäten zügig aus – und es kommen noch mehr!“, schrieb das estnische Verteidgungsministerium nun in einem am gestrigen Dienstag veröffentlichten Post auf X.

In seiner Rede bei der Unterzeichung sagte der türkische Verteidigungsinister Yasar Güler, die unterzeichnete Absichtserklärung werde die ausgezeichneten Beziehungen zwischen den beiden Ländern stärken und eine engere Zusammenarbeit zwischen der Verteidigungsindustrie und Unternehmen ermöglichen.

„Die Beziehungen in der Verteidigungsindustrie werden die beiden Länder einander näher bringen“, sagte der Minister und fügte hinzu: “Die Produkte der türkischen Unternehmen werden die estnische Armee weiter stärken und zur regionalen Sicherheit beitragen. Die Absichtserklärung wird die guten Beziehungen weiter ausbauen“.

Der estnische Verteidigungsminister Hanno Pevkur sagte seinerseits, dass Estland nach dem Krieg zwischen der Ukraine und Russland erkannt habe, dass es nicht mehr viel Zeit habe, seine Verteidigung zu stärken.

„Ich freue mich sehr, diese Absichtserklärung zu unterzeichnen, die unsere Zusammenarbeit in der Verteidigungsindustrie fördern wird“, sagte Pevkur.

Erste Fahrzeuge an Estland ausgeliefert

Die ersten 50 der Fahrzeuge wurden am gestrigen Dienstag nun erfolgreich und vorzeitig an Estland ausgeliefert.

Bei einer Demonstrationsveranstaltung auf dem Truppenübungsplatz Nursipalu lobte Pevkur die rasche Umsetzung des Abkommens:

„Diese Lieferung in so kurzer Zeit abzuschließen, ist eine bedeutende Leistung. Ich gehe davon aus, dass die restlichen Fahrzeuge pünktlich eintreffen werden, so dass wir mit der Ausbildung und den Übungen beginnen können. Die ersten Rückmeldungen deuten darauf hin, dass die Fahrzeuge außergewöhnlich gut funktionieren. Wir hoffen, dass wir in der nächsten Zeit nützliche Erkenntnisse gewinnen können, um ihre Fähigkeiten weiter zu verbessern“

Angesichts der sicherheitspolitischen Herausforderungen, vor denen Estland steht, betonte Pevkur die Notwendigkeit einer raschen militärischen Verstärkung.

„Wir haben keine Zeit zu verlieren. Wir müssen sicherstellen, dass unsere Streitkräfte mit der besten verfügbaren Technologie ausgestattet sind. Unsere Botschaft muss klar sein: Wir sind bereit, unser Land und unser Volk mit allen notwendigen Mitteln zu verteidigen“, sagte er.

Otokar Arma 

Otokar Arma ist eine 6×6 und 8×8 amphibische gepanzerte Radkampffahrzeugfamilie. Das Fahrzeug ist ein modulares Multi-Rad konfigurierbar mit einem Monocoque-Stahlrumpf.

Es gibt fünf verschiedene Waffensysteme, die im Arma verwendet wurden. Das Mizrak 30 ist ein autonomes 30-mm-Hauptgeschütz, das entweder vom Richtschützen oder vom Kommandanten vom Fahrzeug aus gesteuert werden kann, und verfügt über ein 7,62-mm-Maschinengewehr mit Koaxialachse.

Der Mizrak 30 ist ebenfalls hochtechnisiert, da er über eine digitale Feuerleitanlage, ein stabilisiertes Visier (mit Thermovisier), einen Laserentfernungsmesser usw. verfügt. Der Mizrak S 30 ähnelt dem Mizrak 30 in Bereichen wie Bewaffnung und Technik, hat aber den Vorteil, dass er leichter ist.

Der Arma 6×6 ist mit einem 450 PS starken, wassergekühlten Turbodiesel motorisiert, der mit F-34 oder F-54 Kraftstoff betrieben werden kann und die Räder über ein Automatikgetriebe und ein Verteilergetriebe mit nur einem Gang antreibt, wodurch er eine Höchstgeschwindigkeit von 105 km/h und ein Leistungsgewicht von 24,3 PS/Tonne erreicht.

Damit wird auch das bordeigene 24-V-Gleichstromsystem angetrieben, das aus zwei wartungsfreien 125-Ah-Batterien und einem 3,3-kW-Wandler besteht. Die beiden vorderen Achsen des Arma sind lenkbar, was ihm einen Wenderadius von 7,85 m ermöglicht, und das Fahrzeug fährt auf einer hydropneumatischen Einzelradaufhängung, die eine beachtliche Geländegängigkeit und Komfort bietet.

Er kann An- und Abfahrtswinkel von 45 Grad bewältigen, was zu 60 Prozent Steigung und 30 Prozent Seitenneigung führt. Außerdem kann er 1,2 m breite Gräben überqueren und 60 cm hohe Hindernisse überwinden.

Der Arma kann mit einem Lockheed C-130 Hercules Transportflugzeug transportiert werden. Die Standardausrüstung des Arma 6×6 umfasst ein ABC-Schutzsystem und eine Klimaanlage. Der Arma kann je nach Geländebeschaffenheit im 6×6- oder 6×4-Modus gefahren werden. Das Fahrzeug ist amphibisch und wird von zwei hydraulisch angetriebenen Propellern im Wasser angetrieben, was eine hohe Seetüchtigkeit mit einer Pivot-Drehfähigkeit ermöglicht.

Nurol Makina – Ejder Yalçın 4×4 

Der Ejder Yalçın ist eine Familie gepanzerter Fahrzeuge, die vom türkischen Unternehmen Nurol Makina hergestellt wird. Unter dem Namen Ejder gibt es zwei Versionen, eine 6×6-Version und eine populärere 4×4-Version, genannt Ejder Yalcin.

Die Basisversion 6×6 ist mit einem ferngesteuerten Maschinengewehr des Kalibers 7,62 mm und einem automatischen Granatwerfer 40 mm ausgestattet. Unterstützt die Integration verschiedener Waffensysteme und bewaffneter Türme mit einem Gewicht von bis zu 5 Tonnen. V-förmige Wanne für verbesserten Schutz gegen Landminen und IEDs. Sie kann der Explosion einer 8 kg schweren Mine standhalten. Der Schutz kann durch modulare Zusatzpanzerung verbessert werden.

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