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Brüssel: Premier De Wever am Flughafen mit Erdogan-Revolver

Zwischenfall am Flughafen: Der belgische Premierminister Bart De Wever führte eine echte Schusswaffe mit sich – ein offizielles Geschenk von Erdoğan.

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Brüssel – Ein höchst ungewöhnliches diplomatisches Geschenk des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan hat nach dem NATO-Gipfel in Ankara für erhebliche Aufregung und logistische Herausforderungen bei europäischen Regierungschefs gesorgt.

Wie belgische Medien am Donnerstag berichteten, überreichte Erdoğan den anwesenden Staats- und Regierungschefs als Erinnerung an das Treffen jeweils einen personalisierten, voll funktionsfähigen Revolver inklusive sechs Schuss Munition. Bei der Waffe handele es sich Berichten zufolge um ein historisch bedeutsames Modell, das in den 1990er-Jahren als erster moderner, in der Türkei produzierter Revolver auf den Markt kam und nun auch als Werbebotschafter für die türkische Verteidigungsindustrie dienen sollte.

Der belgische Premierminister Bart De Wever brachte das Präsent, bei dem sein Name in den Lauf eingraviert ist, unbewusst im Delegationsgepäck mit nach Hause. Das Paket wurde erst nach der Landung auf dem Militärflughafen in Melsbroek geöffnet, wo die Delegation die geladene Waffe samt Munition entdeckte. De Wever übergab den Revolver umgehend der dortigen Flughafenpolizei, die das Geschenk vorerst in einem Waffensafe sicherstellte. Das endgültige Schicksal des belgischen Präsents ist bislang noch ungeklärt.

Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf den höchst unterschiedlichen bürokratischen Umgang der europäischen Partner mit dem brisanten Gastgeschenk. Obwohl Erdoğan eine offizielle Notiz beilegte, die das Geschenk von den türkischen Exportkontrollen befreite, ließen mehrere Regierungschefs die Waffe vorsorglich direkt vor Ort zurück. Der britische Premierminister Keir Starmer erwähnte das Geschenk bereits am Mittwochabend und erklärte, er habe den Revolver in der Türkei gelassen, da eine Einfuhr nach Großbritannien illegal gewesen wäre.

Andere Staaten wählten den diplomatischen Dienstweg zur Sicherung. Ein Sprecher des deutschen Bundeskanzlers Friedrich Merz teilte mit, dass die für Merz bestimmte Waffe an die deutsche Botschaft in Ankara übergeben wurde, um sie legal zu importieren und ordnungsgemäß in die offizielle staatliche Geschenkesammlung aufzunehmen.

Auch der niederländische Ministerpräsident Rob Jetten ließ seine personalisierte Waffe bei der niederländischen Botschaft in der Türkei zurück, damit diese dort unbrauchbar gemacht und sicher gelagert werden kann.

Neben den Regierungschefs erhielten auch EU-Ratspräsident Antonio Costa und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen jeweils ein Exemplar. Ein Sprecher von der Leyens bestätigte am Donnerstag, dass die Waffe sicher transportiert und verwahrt werde. Die Kommissionspräsidentin plant demnach, den Revolver nach einer Deaktivierung an ein Militärmuseum zu spenden.

Hintergrund: Ein diplomatisches Marketing-Geschenk
 
Die Gümüşay .357 steht symbolisch für den historischen Startschuss einer gigantischen Entwicklung der Türkei zur Rüstungsgroßmacht. Vor 20 Jahren war das Land noch massiv von westlichen Waffenimporten abhängig. Der Revolver markiert den Beginn der heimischen Eigenproduktion von Handfeuerwaffen. Heute exportiert die Türkei Rüstungsgüter im Wert von 11 Milliarden Dollar jährlich (von Pistolen bis hin zu weltbekannten Kampfdrohnen) und rangiert global unter den Top-Exporteuren. Erdoğan demonstriert den NATO-Partnern damit stolz das technologische Fundament dieses Erfolgs.
 
Die Waffe wurde in den 1990er-Jahren nur in sehr geringer Stückzahl hergestellt. Heute baut die Türkei fast ausschließlich moderne, teilautomatische Pistolen. Dieser klassische Trommelrevolver ist deshalb eine absolute Sammlerkuriosität und ein historisches Statussymbol des Landes – veredelt durch die persönliche Gravur des jeweiligen Staatschefs.
 

 


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