Folter in Israel
Bericht: Israel setzt bei Vergewaltigungen Hunde ein

NYT-Kolumnist Kristof dokumentiert systematische sexuelle Gewalt gegen Palästinenser — auch B'Tselem bestätigt den Einsatz von Hunden in israelischen Gefängnissen.

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New York – Nicholas Kristof, zweifacher Pulitzer-Preisträger und Kolumnist der New York Times, hat am 11. Mai einen Bericht veröffentlicht, der unter dem Titel „The Silence That Meets the Rape of Palestinians“ auf Grundlage von Interviews mit  palästinensischen Männern und Frauen systematische sexuelle Gewalt durch israelische Soldaten, Gefängnispersonal, Siedler und Verhörspezialisten dokumentiert. Hierzu zählten auch der Einsatz von Hunden. 

Die Berichte sind erschütternd — und sie kommen nicht aus dem Nichts. Die israelische Menschenrechtsorganisation B’Tselem hatte im August 2024 in ihrem Bericht „Welcome to Hell“ das israelische Gefängnissystem als „Netzwerk von Folterlagern“ bezeichnet und im Januar 2026 einen konkreten Fall von sexuellem Missbrauch durch Hunde detailliert dokumentiert.

Kristof sprach unter anderem mit dem 46-jährigen palästinensischen Journalisten Sami al-Sai, der beschrieb, wie er von israelischen Soldaten nackt ausgezogen, geblendet und gefesselt wurde — bevor ein Hund auf ihn losgelassen wurde. Ein Hundeführer, der auf Hebräisch sprach, habe das Tier dabei angeleitet. „Sie haben Kameras benutzt, um Fotos zu machen, und ich hörte ihr Lachen“, sagte al-Sai gegenüber Kristof.

Er gab an, versucht zu haben, das Tier wegzuschieben — vergeblich. Nach seiner Freilassung warnte ihn ein israelischer Beamter: „Wenn du am Leben bleiben willst, wenn du zurückkommst, sprich nicht mit den Medien.“

Eine Frau berichtete, täglich mehrmals ausgezogen und geschlagen worden zu sein.

„Es war, als würden sie mich jedem vorstellen, der dort arbeitete. Zu Beginn jeder Schicht brachten sie die Männer, um mich auszuziehen.“

Kristof sprach auch mit drei inhaftierten Jungen, von denen jeder sexuellen Missbrauch beschrieb. „Niemand ist sexuellen Übergriffen entkommen“, zitierte er einen Journalisten aus Gaza.

Kristof betonte ausdrücklich, es gebe „keine Beweise dafür, dass israelische Führungskräfte Vergewaltigungen anordnen“ — aber israelische Behörden hätten einen „Sicherheitsapparat aufgebaut, in dem sexuelle Gewalt zu einem Standardverfahren geworden ist“, wie er unter Berufung auf einen UN-Bericht schrieb.

B’Tselem und weitere Organisationen bestätigen die Vorwürfe

Die Berichte Kristofs sind keine Einzelfallschilderungen. B’Tselem, eine der renommiertesten israelischen Menschenrechtsorganisationen, dokumentierte im August 2024 systematischen Missbrauch, Folter und sexuelle Gewalt gegen palästinensische Gefangene — und im Januar 2026 konkret den Fall von Tamer Qarmut, einem 41-jährigen Mann, der während einer israelischen Razzia festgenommen und sexuell durch einen Militärhund missbraucht wurde.

Auch Euro-Med Human Rights Monitor, Save the Children, das Committee to Protect Journalists sowie das UN-Menschenrechtsbüro, das im März 2025 von „systematischer“ sexueller Gewalt als „Standardverfahren“ sprach, haben ähnliche Muster dokumentiert. Al Jazeera berichtete in der vergangenen Woche über sieben dokumentierte Formen sexueller Gewalt in israelischen Hafteinrichtungen.

Das West Bank Protection Consortium, ein Zusammenschluss internationaler Hilfsorganisationen unter Leitung des Norwegischen Flüchtlingsrats, dokumentierte mindestens 16 Fälle sexueller Übergriffe durch israelische Siedler und Soldaten im Westjordanland.

Kristof zitierte auch den israelischen Whistleblower Shaiel Ben-Ephraim, der erklärte:

„Viele im Gefängnisdienst und IDF-Offiziere wissen vollkommen über den Einsatz von Hunden Bescheid.“

Israels Reaktion: „Blutlüge“

Das israelische Außenministerium bezeichnete den Artikel umgehend als „eine der schlimmsten Blutlügen, die je in der modernen Presse erschienen sind“. Der Israelische Gefängnisdienst erklärte, die Vorwürfe seien „falsch und vollständig unbegründet“. Pro-israelische Gruppen riefen zu Protesten vor der NYT-Zentrale in Manhattan auf.

Der Begriff „Blutlüge“ hat eine spezifische historische Bedeutung: Er bezeichnet das mittelalterliche antisemitische Märchen, Juden würden christliche Kinder für religiöse Rituale ermorden. Kritiker des israelischen Außenministeriums wenden ein, der Begriff werde im vorliegenden Fall missbräuchlich verwendet, da die vorliegenden Berichte auf Zeugenaussagen, unabhängigen Untersuchungen und Berichten israelischer Menschenrechtsorganisationen selbst beruhen.

NYT verteidigt Kristof

Berichte, wonach die New York Times erwäge, den Artikel zurückzuziehen, wies das Blatt klar zurück. „Daran ist absolut nichts wahr“, erklärte NYT-Sprecher Charlie Stadtlander.

„Nicholas Kristof ist ein zweifacher Pulitzer-Preisträger, der seit Jahrzehnten über sexuelle Gewalt berichtet, und gilt weithin als einer der besten investigativen Reporter der Welt in der Dokumentation von sexuellem Missbrauch in Kriegs- und Konfliktzonen.“

Kristof habe die Region bereist und Betroffene persönlich interviewt. Der Artikel erschien in der Meinungsrubrik der New York Times — was redaktionell anderen Richtlinien unterliegt als Nachrichtenstücke, jedoch laut Kristof auf eigener Recherche beruht. „Ich reise und berichte für meine Kolumnen“, schrieb er auf X. „In diesem Fall habe ich eine Geschichte gesehen und verfolgt.“

Kristof forderte abschließend, der US-Botschafter solle Überlebende besuchen, Waffenlieferungen an ein Ende sexueller Gewalt knüpfen und sicherstellen, dass jene Palästinenser, die für seinen Artikel gesprochen hätten, nicht erneut misshandelt würden.

 


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