Fusch am Bau
Thailand: Behörden nehmen türkischen Bauunternehmer fest

Thailändische Behörden nehmen in Pattaya den türkischen Bauunternehmer Abdullah Aybaba fest. Ihm wird eine Mitverantwortung am Einsturz des Sami-Bey-Apartments in Adana vorgeworfen.

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Pattaya – Ein türkischer Bauunternehmer, der im Zusammenhang mit dem Einsturz eines Wohngebäudes während des verheerenden Erdbebens in der Türkei im Jahr 2023 gesucht wurde, ist in Thailand nach mehr als einem Jahr auf der Flucht festgenommen worden.

Nach Angaben der Behörden wurde Abdullah Aybaba (76) am 22. April gegen 17 Uhr in einem Hotel in Pattaya festgenommen. Die Einwanderungspolizei der Provinz Chon Buri war einem Hinweis nachgegangen, wonach sich ein international gesuchter Ausländer dort aufhalten soll.

Der Mann, gegen den eine sogenannte Red Notice von Interpol vorlag, wurde ohne Zwischenfälle festgenommen. Seine Aufenthaltserlaubnis in Thailand wurde widerrufen, zudem wurden rechtliche Schritte zur weiteren Inhaftierung eingeleitet. Anschließend wurde er an die Polizei im Bezirk Nong Prue übergeben.

Gesucht wegen tödlichem Gebäudeeinsturz

Die türkischen Behörden werfen Aybaba eine Mitverantwortung für den Einsturz des 16-stöckigen „Sami Bey Apartment“ in der südtürkischen Stadt Adana vor.

Das Gebäude war am 6. Februar 2023 infolge eines schweren Erdbebens der Stärke 7,7 eingestürzt. Die Katastrophe forderte in der Türkei und in Syrien insgesamt mehr als 60.000 Todesopfer. Allein beim Einsturz des Gebäudes in Adana kamen 40 Menschen ums Leben, zwei weitere wurden verletzt. Das Haus wurde innerhalb weniger Sekunden vollständig zerstört.

Vorwürfe wegen mangelhafter Bauweise

Ermittlungen zufolge soll das Gebäude mit illegalen und minderwertigen Baumaterialien errichtet worden sein, die nicht den vorgeschriebenen Sicherheitsstandards entsprachen. Aybaba war sowohl als Bauunternehmer als auch als Bauleiter für das Projekt verantwortlich.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm fahrlässige Tötung vor. Insgesamt stehen vier Personen in dem Verfahren vor Gericht, den Angeklagten drohen Haftstrafen von bis zu zwei Jahren.

Mehr als ein Jahr auf der Flucht

Nach Behördenangaben setzte sich Aybaba bereits zu Beginn des Verfahrens ab und entzog sich über mehr als ein Jahr hinweg der Festnahme, während der Prozess in der Türkei weiterlief.

Politisch sensibler Fall

Der Fall gilt in der Türkei als politisch und rechtlich sensibel. Er ist Teil umfassender Ermittlungen nach dem Erdbeben, bei denen zahlreiche Baumängel und Verstöße gegen Bauvorschriften aufgedeckt wurden.

Mehrere Bauunternehmer und Projektverantwortliche wurden in der Folge strafrechtlich verfolgt, da viele Gebäude den seismischen Anforderungen nicht standgehalten hatten.

Tochter ebenfalls angeklagt

Nach Berichten türkischer Medien gehört auch die Tochter des Beschuldigten zu den Angeklagten. Sie lebt seit 2017 in England und weist die Vorwürfe zurück. Unternehmensanteile seien ihr ohne ihr Wissen übertragen worden, mit dem Bauprojekt habe sie nichts zu tun gehabt.

Auslieferung erwartet

Die Festnahme erfolgte im Rahmen internationaler Zusammenarbeit nach einem Hinweis aus der Bevölkerung. Die thailändischen Behörden gehen davon aus, dass nun ein Auslieferungsverfahren eingeleitet wird, um Aybaba zur Fortsetzung des Prozesses in die Türkei zu überstellen.

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