Xinjiang
China: Festnahmen wegen türkischer TV-Serien

In der nordwestchinesischen Autonomieregion Xinjiang wurde ein Sänger aus der Stadt Ghulja (auf Chinesisch, Yining) festgenommen, weil er sich eine türkische Fernsehserie angesehen habe.

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Ürümqi – In der nordwestchinesischen Autonomieregion Xinjiang wurde ein Sänger aus der Stadt Ghulja (auf Chinesisch, Yining) festgenommen, weil er sich eine türkische Fernsehserie angesehen habe.

Der Musiker Subhi Mevlan sei bereits Anfang März festgenommen worden, nachdem Behörden bei ihm zu Hause eine Kopie der historischen Serie „Das osmanische Imperium – Harem: Der Weg zur Macht“ gefunden hatten, berichtet Radio Free Asia (RFA) unter Berufung auf eine namentlich nicht genannter Beamter.

„Dutzende“ weitere Menschen seien demnach aus dem selben Grund inhaftiert worden. Ghulja, eine Kreisstadt mit 550.000 Einwohnern, ist der Sitz der Autonomen Präfektur Ili Kazakh (Yili Hasake) und die drittgrößte Stadt der uigurischen Autonomieregion.

Mevlan habe sich die Serie, die auf dem Leben des osmanischen Sultans Süleyman des Prächtigen im 16. Jahrhundert basiert, einige Tage vor seiner Verhaftung mit Freunden angesehen.

Als einer der Bekannten wegen etwas anderem verhört wurde, habe er gestanden, die Serie in Mevlans Haus gesehen zu haben, was zu einer polizeilichen Durchsuchung geführt habe. Nach Beschlagnahmung der Serie sei der Sänger und seine Mutter Spätnachts in Handschellen abgeführt worden, so die Quelle gegenüber RFA. Auch seine in der Hauptstadt Ürümqi lebende Schwester sei verhaftet und nach Ghulja gebracht worden.

Während Mevlans Mutter und Schwester 15 Tage später freigelassen wurden, gaben die Behörden keine Informationen zu seiner Situation, so die Quelle. Sechs Monate nach seiner Festnahme tauchte die Polizei im Haus der Familie auf, um einige von Mevlans Kleidungsstücken mitzunehmen, berichtet RFA weiter.


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Über eine Million Gefangene

Laut Menschenrechtsorganisationen halte China eine unglaublich große Zahl von Personen der weitgehend muslimischen Minderheit in über den ganzen Nordosten verstreuten sogenannten Umerziehungslagern gefangen.

Über eine Million, mehr als sieben Prozent der muslimischen Bevölkerung in der chinesischen Region Xinjiang, sind nach Experten der Vereinten Nationen jetzt in einem sich erweiternden Netzwerk von „politischen Umerziehungslagern“ eingesperrt.

Der volle Umfang des Internierungssystems war lange Zeit deswegen im Dunkel, weil viele Uiguren sich fürchteten auszusagen, so die Tageszeitung Wallstreet Journal. Jetzt erzählen mehr von ihren Erfahrungen, einschließlich von sechs früheren Häftlingen, die das Journal interviewt hat; sie beschrieben, wie sie oder andere Gefangene an Stühle gebunden wurden oder kein adäquates Essen erhielten.

China Cables“

In im vergangen November von der US-Tageszeitung New York Times veröffentlichten Regierungspapieren befiehlt Chinas Staatspräsident Xi Jinping dem Parteiapparat, „ohne Gnade“ in Xinjiang vorzugehen.

Wie Handelsblatt berichtet, hatte ein anonymes Mitglied der chinesischen politischen Elite die Dokumente an die amerikanische Zeitung weitergereicht. Es handele sich nach Einschätzung der New York Times um eines der „bedeutendsten Leaks von Regierungspapieren aus der Kommunistischen Partei Chinas seit Jahrzehnten“, berichtet Handelsblatt weiter.

Der Leak impliziere über Pekings Maßnahmen gegen die Uiguren eine „größere Unzufriedenheit im Parteiapparat als bisher bekannt war“. Die 24 Dokumente auf insgesamt 403 Seiten enthalten Anleitungen zur Überwachung der uigurischen Bevölkerung in Xinjiang, sowie Ansprachen des chinesischen Staats- und Parteichefs.

Viele Beamte sähen die derzeitige Vorgehensweise in Xinjiang kritisch, so das Handelsblatt. Im Jahr 2017 sei gegen mehr als 12.000 Parteimitglieder intern ermittelt worden, weil sie im „Kampf gegen den Separatismus“ Fehler begangen hätten. Das war 20-mal häufiger als in den Jahren zuvor.

Für die Inhaftierung von Berichten zufolge mehreren Millionen Uiguren in Internierungslagern wird Peking international scharf verurteilt. Das kommunistische Regime weist alle Vorwürfe zurück und bezeichnet die Lager als „Berufsbildungszentren“ zur Bekämpfung von Extremismus.

Muslimische Staaten ungewohnt ruhig

In einem Interview mit Bloomberg Television, sagte der ehemalige Premierminister Malaysias Anwar Ibrahim, dass sich muslimische Regierungen „vor China fürchten“ und aus diesem Grund zu den Repressalien Pekings gegen muslimische Chinesen und den sogenannten Umerziehungslagern schwiegen.

„Sie haben Angst. Niemand will etwas sagen“, so Anwar in dem  Gespräch mit Bloombergs  Sophie Kamaruddin.

Anwars Äußerungen gehören zu den bisher schärfsten eines führenden Politikers in der islamischen Welt, der die Misshandlungen der muslimischen Minderheiten in China verurteilt.

Tatsächlich halten sich Regierung muslimischer Länder zu der Situation der Muslime in China mit Kritik zurück, obwohl in den USA und Europa immer mehr Forderungen an China gerichtet werden, die Menschenrechtsverletzungen zu stoppen. Selbst die Türkei, die sich in der Vergangenheit für etwa die turksprachige Minderheit der Uiguren laut machte, bleibt ungewohnt ruhig.

Wirtschaftliche Gründe

Das zweisprachige malaysische Nachrichtenportal Free Malaysia Today sieht dafür wirtschaftliche Gründe. China sei eines der größten Wirtschaftspartner vieler muslimischer Länder. Kuala Lumpur habe eine starke Haltung gegenüber Peking eingenommen und vor einer „neuen Version des Kolonialismus“ gewarnt, während Malaysia zudem „Milliardenprojekte annulliert“ habe, die von chinesischen Staatsbetrieben unterstützt würden.

 

 

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