Syrienkrieg
Syrien: Alle zehn Stunden stirbt ein Kind an den Folgen des Krieges

Im März begann für die Kinder in Syrien das zehnte Kriegsjahr. Zu diesem Anlass appelliert UNICEF Deutschland erneut an Regierungen und Öffentlichkeit, die syrischen Kinder nicht allein zu lassen.

Teilen

Unicef: Rund 9.000 Mädchen und Jungen haben seit 2011 bei Angriffen und Bombardierungen in Syrien ihr Leben verloren oder wurden verletzt.

Alle zehn Stunden stirbt ein Kind an den Folgen des Krieges. Millionen Familien, deren Existenz zerstört wurde, können ihre Kinder nicht mehr versorgen. UNICEF schätzt, dass 2,8 Millionen Mädchen und Jungen keine Schule besuchen – viele von ihnen hatten noch nie in ihrem Leben eine Chance auf Schulunterricht. Seit Beginn des Kriegs wurden schätzungsweise 4,8 Millionen Kinder in Syrien und eine Million außerhalb ihres Heimatlands geboren. Sie kennen nichts als Krieg und Vertreibung.

„Die Situation der syrischen Kinder lässt sich nur schwer in Worte fassen. Vier von fünf Mädchen und Jungen sind heute auf humanitäre Hilfe angewiesen. Wir dürfen sie nicht allein lassen. Sie brauchen warme Kleidung, Zugang zu Gesundheitsversorgung, Bildung und Nahrungsmittel. Mehr als alles andere jedoch brauchen sie Schutz und Sicherheit“, sagte Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland. „Humanitäre Hilfe kann den Krieg zwar nicht beenden, aber sie kann die Not für die Schwächsten lindern. Dies ist ein Gebot der Menschlichkeit.“

Verlust, Angst und Not

Zu Beginn des zehnten Kriegsjahres bestimmen immer noch Tod, Angst und nackte Not das Aufwachsen von unzähligen syrischen Kindern. Eine der schlimmsten humanitären Krisen seit Beginn des Bürgerkrieges vollzieht sich derzeit im Nordwesten des Landes. Seit Anfang Dezember sind dort in der Provinz Idlib über 900.000 Menschen vor Bombardierungen und Bodenkämpfen geflohen, schätzungsweise 60 Prozent von ihnen sind Kinder. Zwischen den Fronten leiden sie unter Gewalt, Obdachlosigkeit und akuter Not.

Schwerste Kinderrechtsverletzungen

Im syrischen Bürgerkrieg sind Kinder bis heute schwersten Verletzungen ihrer Rechte ausgesetzt. Seit sechs Jahren werden entsprechende Vorfälle von den Vereinten Nationen systematisch dokumentiert. Bei den folgenden Zahlen handelt es sich ausschließlich um verifizierte Fälle – die Dunkelziffer ist tatsächlich viel höher:

  • Seit 2014 verloren 5.427 Kinder ihr Leben, 4.000 Kinder wurden verletzt;
  • Über die Hälfte der Gesundheitseinrichtungen und jede dritte Schule sind außer Betrieb;
  • Rund 1.000 Schulen, Krankenhäuser und Kliniken wurden angegriffen;
  • Rund 5.000 Kinder wurden zwangsrekrutiert – manche von ihnen sind erst sieben Jahre alt.
  • Allein in 2019 wurden fast 900 Kinder getötet – drei von vier dieser Kinder verloren ihr Leben im Zuge der Gewalteskalation im Nordwesten des Landes.

Auch dort, wo die Waffen schweigen, ist die Lage der Kinder und ihrer Familien schwer. Viele Familien müssen ihren Haushalt verkaufen oder ihre Kinder arbeiten schicken, um nur die notwendigsten Dinge zu kaufen. Bei einer aktuellen Umfrage von UNICEF zusammen mit dem Forschungsinstitut Gallup International/ORB in Syrien sagten über 90 Prozent der Teilnehmer, dass die Kinder die größten Verlierer des Krieges sind und die seelischen Wunden genauso schwer wiegen wie die physischen.

UNICEF ruft anlässlich des Jahrestages alle Konfliktparteien in Syrien erneut dazu auf:

  • Kinder und die lebensnotwendige Infrastruktur – wie Schulen, Krankenhäuser oder Wasserwerke – zu schützen.
  • die Waffenruhe im Nordwesten Syriens einzuhalten.
  • besseren Zugang zu humanitärer Hilfe zu ermöglichen, um die Menschen effektiv und schnell zu erreichen – von innerhalb Syriens aus und über die Landesgrenzen hinweg.
  • ihrer Verpflichtung nach der UN-Konvention über die Rechte des Kindes nachzukommen und ausländische Kinder, insbesondere in ehemaligen vom sogenannten „Islamischen Staat“ kontrollierten Gebieten, auf sichere und freiwillige sowie würdevolle Weise zurückzuführen.
  • UNICEF appelliert zudem erneut an den UN-Sicherheitsrat, eine politische Verhandlungslösung zu unterstützen, die diesen Krieg ein für alle Mal beendet.

Auch interessant

Einsteins Briefe: Wie die Türkei jüdische Wissenschaftler vor den Nazis rettete

Als Adolf Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt wurde, begann für Tausende deutsche Wissenschaftler jüdischen Glaubens eine Ära der Verfolgung. Das im April...

Deutschland: Größtes Geburtendefizit der Nachkriegszeit

Berlin - Im Jahr 2025 wurden in Deutschland nach vorläufigen Ergebnissen rund 654 300 Kinder geboren. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, waren das...

Hegseth: Das US-Militär sollte jedes Jahr den Friedensnobelpreis erhalten

Washington D.C. - US-Verteidigungsminister Pete Hegseth sagt, das Militär des Landes verdiene es, „jedes Jahr“ den Friedensnobelpreis zu gewinnen. Als Hegseth am Freitag (24.4.2026) bei...

Ex-Mossad-Chef: „Ich schäme mich, Jude zu sein“

Jerusalem - Der ehemalige Chef des israelischen Geheimdienstes Mossad, Tamir Pardo, hat die israelischen Aktionen im besetzten Westjordanland scharf kritisiert. Er verglich die jüngsten Übergriffe...

DUH: Erneuerbare Energien trotz Netzausbau billiger als Gas

Berlin - Auch unter Einbeziehung der Kosten für Netzausbau und Batteriespeicher sind Erneuerbare Energien deutlich günstiger als der Neubau von Gaskraftwerken. Das ist das Ergebnis...

Headlines

Çelik: „Neutralitätspolitik der Türkei ist keine Schwäche“

Ein Gastkommentar von Özgür Çelik Das Magazin Foreign Affairs veröffentlichte am 27. April 2026 eine Analyse von Aslı Aydıntaşbaş mit...

Ex-Mossad-Chef: „Ich schäme mich, Jude zu sein“

Jerusalem - Der ehemalige Chef des israelischen Geheimdienstes Mossad, Tamir Pardo, hat die israelischen Aktionen im besetzten Westjordanland scharf...

Palästinenser: Israel hält seit Jahren Steuermillionen zurück

Jerusalem - Der palästinensische Premierminister Mohammad Mustafa warnte am Sonntag eindringlich vor den Folgen der israelischen Finanzpolitik. „Die Besatzung...

US-Kongress diskutiert Schutzrechte für Amerikaner in der israelischen Armee

Washington D.C. - Laut Berichten von Military.com zielt eine Initiative im US-Kongress darauf ab, wichtige militärrechtliche Schutzmaßnahmen auf US-Bürger...

Meinung

Kleine Bewegung. Große Wirkung: Kampagne für mehr Aktivität

Berlin - Drei von vier Deutschen fordern politisches Handeln für Bewegung. Das zeigt eine Studie, initiiert vom Wort & Bild Verlag, in Zusammenarbeit mit...

Çelik: „Neutralitätspolitik der Türkei ist keine Schwäche“

Ein Gastkommentar von Özgür Çelik Das Magazin Foreign Affairs veröffentlichte am 27. April 2026 eine Analyse von Aslı Aydıntaşbaş mit dem Titel „Die Bedrohung der...

Araştırma: ChatGPT kullanımı beyin aktivitesini önemli ölçüde azaltıyor

Cambridge – MIT Media Lab tarafından yapılan bir araştırma, ChatGPT ve diğer AI asistanlarının kullanımının beyin aktivitesini büyük ölçüde azalttığına dair ilk kanıtları sunuyor. Araştırma,...

Rapor: Afrika Gençliği Ruh Sağlığında Dünya Lideri

Londra - Maddi refah, ruh sağlığının garantisi değil. Şubat 2026 sonunda yayımlanan yeni bir küresel rapor, zihinsel esenlik haritasını temelden sarstı. İngiltere, Japonya ve Yeni...

Araştırma: Dini İnanç, Gençleri Kaygı Bozukluklarından Koruyan Temel Bir Faktör

Almanya - Bochum Ruhr Üniversitesi (RUB) tarafından yürütülen güncel bir araştırma, dini inancın çocukların ve gençlerin ruh sağlığı için kritik bir koruyucu faktör olduğunu...