Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit
Russland: Türkei muss für Shanghai-Pakt nicht EU-Beitrittsverhandlungen beenden

Die Russische Föderation wird die Türkei in keiner Weise in ihren Beziehungen zur EU einschränken, während Ankara über einen Beitritt zur Shanghai-Organisation verhandelt. Dies betont der Botschafter in Ankara, Andrej Karlow, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Anadolu.

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Ankara (nex) – Die Russische Föderation wird von der Türkei nicht verlangen, ihre Verbindungen zur Europäischen Union zu lösen, wenn Ankara Beitrittsgespräche zur Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) führt.

Dies teilte der russische Botschafter in der Türkei, Andrej Karlow, am Mittwoch gegenüber der Nachrichtenagentur Anadolu mit. „Alles ist Ankara selbst überlassen“, so Karlow. „Während des Beitrittsprozesses zur SCO verlangen wir in keiner Weise von der Türkei, ihre Beziehungen zur EU zurückzuschrauben oder einzufrieren.“

Die Russische Föderation, so betonte der Botschafter weiter, werde mit der Türkei „in jeder Hinsicht, sei es auf bilateraler oder internationaler Ebene, zusammenarbeiten“. Zuvor hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan angedeutet, dass die Türkei die Mitgliedschaft in anderen Handelsblocks als der EU erwäge, insbesondere in der SCO.

Karlow erklärte, das bevorstehende Treffen zwischen Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu und seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow, das am Donnerstag in Antalya stattfinden wird, werde zum Symbol einer neuen Phase in den bilateralen Beziehungen zwischen beiden Ländern werden.


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„An der Spitze der Tagesordnung werden die jüngsten Entwicklungen in der Ukraine und in Syrien stehen“, so der Botschafter. „Das Treffen wird eine Schlüsselrolle hinsichtlich der Zusammenarbeit spielen.“ Nächste Woche wird zudem Premierminister Binali Yıldırım in die Russische Föderation reisen. Karlow betonte auch, Russland wolle die Türkei als künftigen Erdgasknotenpunkt sehen und er unterstütze deshalb das TurkStream-Projekt. Die Türkei und Russland unterzeichneten im Oktober dieses Jahres in Istanbul am Rande des 23. World Energy Congress ein Regierungsabkommen über das Gaspipeline Turkish Stream-Projekt. Der türkische Energieminister Berat Albayrak und sein russischer Amtskollege Alexander Nowak unterzeichneten das Abkommen nach einem 140-minütigen Treffen der Präsidenten beider Staaten, Recep Tayyip Erdogan und Wladimir Putin.

Das Projekt war im Dezember 2014 von Putin während eines Türkeibesuchs angekündigt worden.

Vier Stränge auf dem Grund des Schwarzen Meeres sollen Erdgas ins türkische Thrakien transportieren. Die Kapazität soll bis zu 63 Milliarden Kubikmeter Gas jährlich betragen, mit dem sowohl die Türkei als auch europäische Länder versorgt werden sollen.

Im vergangenen Monat hatte Gazprom den Baubeginn – für den Fall, dass im Oktober dieses Jahres ein Regierungsabkommen unterzeichnet werden sollte, – mit Ende 2017 angegeben. Bis Ende 2019 soll die Pipeline fertiggestellt sein.

Der türkische Präsident erklärte damals, dass die Verhandlungen über das Atomkraftwerksprojekt Akkuyu ebenfalls wie geplant fortgesetzt würden. Putin erklärte, dass das Kraftwerk nicht nur als ein Mittel zur Kernenergiegewinnung, sondern auch zur Vermittlung von Technologiewissen sowie Ausbildung des türkischen Personals dienen werde. Das Atomkraftwerksprojekt Akkuyu, das in der südtürkischen Provinz Mersin errichtet werden soll, wird das erste Kernkraftwerk der Türkei sein.

Der russische Präsident Putin teilte mit, dass die russische Regierung in der Frage der gegen türkische Exporte verhängten Sanktionen eine Entscheidung getroffen habe: „Wir lassen viele zuvor verbotene türkische Exporte wieder zu. Wir werden dem russischen Markt vor allem Zitrusfrüchte und weiteres frisches Obst, Gemüse und landwirtschaftliche Produkte zuführen. Dies ist eine zum Vorteil beider Parteien getroffene Entscheidung. Die russische Landwirtschaft produziert diese Art Ware nicht. Wenn diese Produkte aus der Türkei nach Russland exportiert werden, werden unsere Preise sinken“, so Putin weiter.

Die Türkei hatte Ende November 2015 einen russischen Kampfjet im Grenzgebiet zu Syrien abgeschossen. Moskau hatte daraufhin Sanktionen gegen Ankara verhängt. Unter anderem hatte Russland seine Staatsbürger zum Boykott der Türkei als Reiseziel aufgerufen. Ende Juni hatte Erdogan schließlich sein Bedauern geäußert und damit den Weg für ein Ende der Eiszeit bereitet.


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