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US-Türkei-Deal: Kriegsschiffe gegen Chinas Macht

Wettlauf gegen China: Die USA verhandeln mit der Türkei über den Bau von Kriegsschiffen. Warum Ankaras Werften zum strategischen Rettungsanker für Washington werden.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bei der Einweihung eines einheimischen Kriegsschiffes (Archivfoto: AA)
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Washington – Angesichts der wachsenden maritimen Macht Chinas suchen die USA nach neuen Wegen, ihre Flottenkapazitäten drastisch zu erhöhen.

Einem Bericht von „Middle East Eye“ zufolge führen Washington und Ankara derzeit intensive Gespräche über eine weitreichende Zusammenarbeit im Marineschiffbau. Ziel ist es, die hochmodernen Kapazitäten türkischer Werften zu nutzen, um den technologischen und quantitativen Rückstand gegenüber der chinesischen Marine aufzuholen.

Strategische Allianz gegen Chinas Dominanz

Die US-Marine steht vor einer gewaltigen Herausforderung: Während die chinesische Marine (PLAN) in atemberaubendem Tempo wächst, kämpfen US-amerikanische Werften mit Kapazitätsengpässen, Personalmangel und veralteten Infrastrukturen. In Washington ist man sich einig, dass man ohne internationale Partner den Anschluss verlieren könnte. Hier kommt die Türkei ins Spiel.

US-Beamte loben demnach die Effizienz und die technologische Reife der türkischen Marineindustrie. Die Gespräche drehen sich nicht nur um Reparaturen oder Wartungsarbeiten, sondern um den Bau von Sektionen für Kriegsschiffe oder sogar kompletten Plattformen. Für die USA wäre dies ein „maritimer Rettungsanker“, während es für die Türkei eine Anerkennung ihrer Rolle als globale Marine-Macht darstellt.

Die Entwicklung der türkischen Marineindustrie

Dass die USA heute bei Ankara anklopfen, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer jahrzehntelangen, konsequenten Entwicklung. Die türkische Kriegsschiffbau-Industrie hat in den letzten zwei Jahrzehnten einen Quantensprung vollzogen.

Was mit dem MİLGEM-Projekt begann, hat sich zu einem Exportschlager entwickelt. Die Türkei entwirft, baut und bestückt ihre Schiffe mittlerweile mit eigenen Waffensystemen, Sensoren und Radartechnologien.

Erdogan:

„Wir sind heute nicht mehr ein Land, das nur kauft, sondern ein Land, das entwirft, baut und exportiert. Mit unseren MİLGEM-Projekten haben wir gezeigt, dass die Türkei eine der führenden Mächte auf den Weltmeeren ist.“

Längst liefert die Türkei nicht mehr nur an regionale Partner. Ein Meilenstein dieser Entwicklung ist der jüngste Auftrag für den NATO-Partner Portugal: Die Türkei baut für das europäische Land ein hochmodernes Kriegsschiff, was die technologische Augenhöhe mit den etablierten Werften des Westens unterstreicht. Auch Länder wie Pakistan, Katar und die Ukraine setzen bereits auf maritime Technik aus der Türkei.

Türkei als aufstrebendes Zentrum der Verteidigungsindustrie

Dieser Aufstieg im Schiffbau ist Teil eines größeren Trends: Die Türkei hat sich in den letzten Jahren zu einem der weltweit führenden Akteure im Bereich der Verteidigungsindustrie entwickelt. Das Land ist längst nicht mehr auf den Import ausländischer Waffensysteme angewiesen, sondern setzt verstärkt auf Eigenentwicklungen und technologische Souveränität.

Von hochmodernen Drohnentechnologien, die weltweit Schlachtfelder verändert haben, bis hin zu Präzisionswaffen und gepanzerten Fahrzeugen – die türkische Rüstungsindustrie überzeugt durch Innovation, Robustheit und ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Dass nun sogar die Weltmacht USA die Unterstützung türkischer Ingenieure und Werften sucht, unterstreicht die neue Realität in der globalen Verteidigungsarchitektur: Die Türkei ist vom Abnehmer zum unverzichtbaren Impulsgeber geworden, dessen Produkte und Know-how heute weltweit Maßstäbe setzen.

Der Begriff MİLGEM steht für Milli Gemi (Nationales Schiff). Es ist das ehrgeizigste Rüstungsprogramm in der Geschichte der türkischen Marine.

Das Ziel: Die Abhängigkeit von ausländischen Werften (vor allem aus Deutschland und den USA) zu beenden und Kriegsschiffe komplett in Eigenregie zu entwickeln.

Die Schiffe: Das Projekt umfasst verschiedene Klassen, angefangen bei den Ada-Klasse Korvetten (spezialisiert auf U-Boot-Jagd) über die größeren Istanbul-Klasse Fregatten bis hin zu massiven Flugabwehr-Zerstörern (TF-2000).

Der Erfolg: Mittlerweile erreichen diese Schiffe einen Lokalisierungsgrad von über 80 %. Das bedeutet, dass nicht nur der Rumpf, sondern auch die Radarsysteme, die Bewaffnung und die Software („ADVENT“-Managementsystem) aus der Türkei stammen.

Exportschlager: Der Erfolg von MİLGEM hat dazu geführt, dass Länder wie Portugal, Pakistan und Malaysia diese Schiffe bereits bestellt haben oder sie bereits einsetzen.

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