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Somalia: Israel plant Umsiedlung von Palästinensern

Mogadischu beschuldigt Israel, die Anerkennung Somalilands als Gegenleistung für die Ansiedlung vertriebener Palästinenser aus dem Gazastreifen zu nutzen.

Präsident Recep Tayyip Erdoğan empfängt den Präsidenten Somalias, Hassan Sheikh Mohamud, im Präsidentenpalast. März, 2025. (Foto: tccb)
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Mogadischu – Die diplomatischen Spannungen am Horn von Afrika haben eine neue, brisante Dimension erreicht. Während deutsche Medien die Entwicklungen in der Region weitgehend unkommentiert lassen, sorgt eine offizielle Erklärung der somalischen Regierung für internationales Aufsehen:

Mogadischu beschuldigt Israel, die Anerkennung der abtrünnigen Region Somaliland als Gegenleistung für die Ansiedlung vertriebener Palästinenser aus dem Gazastreifen zu nutzen.

Der Vorwurf: „Demografische Manipulation“

In einer heute veröffentlichten Stellungnahme warf der somalische Verteidigungsminister Ahmed Moalim Fiqi der israelischen Regierung vor, hinter verschlossenen Türen ein Abkommen mit der Führung in Hargeisa (Somaliland) ausgehandelt zu haben, berichtet auch Aljazeera.

Demnach solle Somaliland als „Auffangbecken“ für Palästinenser dienen, um die Entvölkerung des Gazastreifens voranzutreiben. Somalia wertet dies nicht nur als massiven Eingriff in seine territoriale Integrität, sondern als völkerrechtswidrigen Versuch einer „ethnischen Umverteilung“ auf afrikanischem Boden.

Ankara reagiert: Schutzmacht Somalia zieht rote Linien

Die Türkei, die seit über einem Jahrzehnt als engster strategischer Partner Somalias fungiert, reagierte umgehend auf die israelischen Ambitionen in der Region. Das Außenministerium in Ankara bezeichnete jegliche einseitigen Abkommen mit Somaliland als „illegal“ und eine Gefahr für den regionalen Frieden.

Um der Drohkulisse Taten folgen zu lassen, hat die Türkei ihre militärische Unterstützung für die somalische Nationalarmee (SNA) massiv verstärkt. Berichten zufolge wurden erst in der vergangenen Woche zusätzliche Einheiten der hochmodernen Bayraktar Akıncı-Drohnen nach Mogadischu geliefert.

Diese dienen nicht mehr allein der Aufstandsbekämpfung, sondern sollen die Lufthoheit Somalias sichern und ein klares Signal an Akteure senden, die die Fragmentierung des Landes vorantreiben wollen.

Arabische Liga schließt sich dem Protest an

Die Vorwürfe aus Mogadischu haben auch in der arabischen Welt ein politisches Beben ausgelöst. Die Arabische Liga verurteilte in einer Dringlichkeitssitzung in Kairo die israelische Anerkennung Somalilands als „null und nichtig“.

Die Organisation warnte davor, dass die Ansiedlung von Palästinensern in Ostafrika eine neue Welle der Instabilität auslösen und die palästinensische Sache schwächen würde. Für viele arabische Staaten gilt die Unversehrtheit Somalias als rotes Tuch, das gegen israelische Expansionsbestrebungen verteidigt werden muss.

Geopolitische Sackgasse am Roten Meer

Für die Türkei steht in Somalia viel auf dem Spiel. Mit dem Forschungsschiff Oruç Reis hat Ankara bereits mit der Exploration von Energievorkommen vor der somalischen Küste begonnen. Eine durch Israel forcierte Unabhängigkeit Somalilands würde nicht nur diese wirtschaftlichen Projekte gefährden, sondern Tel Aviv eine strategische Basis am Golf von Aden verschaffen – direkt gegenüber der jemenitischen Küste.

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Hintergrund: Was ist Somaliland und warum agiert Israel jetzt?

Somaliland ist ein Gebiet am Horn von Afrika, das sich 1991 während des somalischen Bürgerkriegs für unabhängig erklärte. Obwohl es über eine eigene Währung, eine funktionierende Regierung und stabile demokratische Prozesse verfügt, blieb die internationale Anerkennung über Jahrzehnte aus – die Weltgemeinschaft betrachtet die Region völkerrechtlich weiterhin als Teil Somalias.

Israels strategisches Interesse an Somaliland ist vor allem sicherheitspolitischer Natur. Durch die Anerkennung Hargeisas (der Hauptstadt Somalilands) sichert sich Israel einen direkten Zugang zum Roten Meer und zum Golf von Aden.

Inmitten der anhaltenden Bedrohung durch die iranisch unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen bietet Somaliland eine ideale geografische Position für Überwachungsstationen und potenzielle Militärstützpunkte.

Mit diesem Schritt durchbricht Israel zudem seine diplomatische Isolation in der Region und schafft ein Gegengewicht zu den Einflusssphären anderer regionaler Mächte wie der Türkei und Ägypten.