Börsenkurse
Marktturbulenzen: Carry Trades verursachen Sommergewitter

Die Angst an den Märkten ist zurück. Nachdem die Indizes weltweit in den vergangenen Wochen neue Höchststände erreicht hatten, brach der Nikkei am Montag um 12% ein.

Teilen

Von Roman Przibylla

Die Angst an den Märkten ist zurück. Nachdem die Indizes weltweit in den vergangenen Wochen neue Höchststände erreicht hatten, brach der Nikkei am Montag um 12% ein.

Ein derartiger Einbruch wurde seit dem „Black Monday“ von 1987 nicht mehr verzeichnet. Auch der S&P 500, der SMI und der DAX wurden mit nach unten gezogen und erlitten erhebliche Verluste. Kurzzeitig herrschte Panik an den Märkten, die sich im weiteren Handelsverlauf jedoch beruhigte.

Was bedeutet das nun für Anleger? Das Wichtigste ist, Ruhe zu bewahren und die aktuelle Situation richtig einzuschätzen. Stehen wir wirklich vor einer Krise und einer möglichen Rezession? Was hat sich am Montag im Vergleich zu den Tagen und Wochen zuvor verändert? Eigentlich nicht viel. Im ersten Moment wurden Rezessionsängste in den USA für die großen Verwerfungen verantwortlich gemacht. Das ist jedoch nur die eine Seite der Medaille.

Ich denke, dass uns gerade die Carry Trades um die Ohren fliegen. Bei Carry Trades leihen sich Investoren Geld und spekulieren damit. Als der Yen vor wenigen Wochen auf den niedrigsten Stand gegenüber dem Dollar seit 1986 fiel, liehen sich viele Investoren Geld im Niedrigzinsland Japan und investierten in ein Hochzinsland wie die USA. Um den Yen-Verfall zu bremsen, hat die Bank of Japan die Zinsen erhöht.

Gleichzeitig gab es schwache Wirtschaftsdaten aus den USA, die über mögliche aggressive Zinssenkungen sprechen. In kurzer Zeit stieg der Yen um über 8% und die Carry Trades rissen riesige Löcher in die Portfolios vieler Investoren. Wenn diese Trades Verluste verursachen, müssen andere Vermögenswerte wie Aktien verkauft werden.

Für Anleger bedeutet dies, dass die aktuellen Verwerfungen eher darauf hindeuten, dass wir es momentan nur mit einem Sommergewitter und nicht mit einem Tornado zu tun haben, der einen Flächenbrand auslöst. Verwerfungen dieser Art dauern normalerweise mehrere Tage an und sorgen für erhöhte Volatilität.

Investoren können die niedrigeren Kurse nutzen, um bei Aktien hoher Qualität neu einzusteigen oder nachzukaufen. Alternativ können sie die erhöhte Volatilität nutzen und Barrier Reverse Convertibles (Aktienanleihen) mit tiefen Barrieren und hohen zweistelligen Coupons handeln. Denn in solchen Situationen gilt es, nicht panisch zu verkaufen, sondern smart zu investieren.


Roman Przibylla, Head Investments bei Maverix Securities AG

Auch interessant

Armin Laschet fordert Gespräche mit Russland

Berlin - Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Armin Laschet (CDU) hat sich dafür ausgesprochen, die diplomatischen Bemühungen für ein Ende des Ukraine-Krieges...

Macklemores „Free Palestine“-Konzerte bereits ausverkauft

London - Der US-amerikanische Rapper Macklemore setzt nach den Auseinandersetzungen um seine pro-palästinensischen Äußerungen ein deutliches Zeichen: Seine spontan angekündigte „Free Palestine Tour“ durch...

Die „Andonian-Dokumente“ und der Einfluss der Kriegspropaganda

Ein Gastbeitrag von Kemal Bölge Die Verfechter der armenischen Genozidthese und ihre Unterstützer versuchen seit Jahrzehnten mit allen Mitteln die Öffentlichkeit von einem Genozid an...

Towards Disaster: Eine Autobiografie zwischen Selbstrechtfertigung und Kriegsrealität

Von Kemal Bölge Die englischsprachige Autobiografie „Towards Disaster: The Greek Army in Asia Minor in 1921“ (erstmals 1930 veröffentlicht) von Prinz Andrew von Griechenland und...

Pantisano attackiert Bundesregierung: Linken-Chef sieht Merz-Politik gescheitert

Berlin - Der Co-Bundesvorsitzende der Partei Die Linke, Luigi Pantisano, hat die Sozialpolitik von Bundeskanzler Friedrich Merz und der CDU scharf kritisiert. In einem...

Headlines

Berichte über Suizid von Epstein-Whistleblower Simon Andriesz

London/Washington - Der britische Banker und Whistleblower Simon Andriesz ist im Alter von 57 Jahren gestorben. Wie The Banker...

Mamdani nennt Netanjahu „Architekt eines schrecklichen Völkermordes“

New York - Der New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani hat seine Kritik an der israelischen Regierung drastisch verschärft. In...

Frankreich und Türkei blockieren neue NATO-Partnerschaften mit Armenien und Aserbaidschan

Brüssel - Neue Pläne der NATO für eine engere Zusammenarbeit mit Armenien und Aserbaidschan stecken seit mehr als einem...

Die „Andonian-Dokumente“ und der Einfluss der Kriegspropaganda

Ein Gastbeitrag von Kemal Bölge Die Verfechter der armenischen Genozidthese und ihre Unterstützer versuchen seit Jahrzehnten mit allen Mitteln die...

Meinung

Türkei plant Mondmission 2027: Erdoğan setzt auf Raumfahrt

Antalya - Die Türkei unternimmt einen historisch ernsthaften Versuch, sich als feste und eigenständige Größe in der internationalen Raumfahrt zu etablieren. Beim International Astronautical Congress...

Berichte über Suizid von Epstein-Whistleblower Simon Andriesz

London/Washington - Der britische Banker und Whistleblower Simon Andriesz ist im Alter von 57 Jahren gestorben. Wie The Banker berichtete,  sei Andriesz durch Suizid...

The Economist: Erdoğan, Müslüman dünyasının en popüler politikacısı

Londra - Neredeyse iki milyar insandan oluşan devasa ve çeşitlilik arz eden bir topluluk olan küresel Müslüman topluluğu Umma/Ümmet içinde, birleştirici bir temsilci arayışı...

CHP: Vatandaşlar ile Parti Arasındaki Artan Kopuş

Nabi Yücel Vatandaşlarla partiler arasındaki giderek derinleşen kopuş, Türkiye'nin en köklü partisi CHP üzerinden somut biçimde gözlemlenebilir. Cumhuriyet Halk Partisi, 38. Olağan Kurultay'ın ardından ve...

Araştırma: Dini İnanç, Gençleri Kaygı Bozukluklarından Koruyan Temel Bir Faktör

Almanya - Bochum Ruhr Üniversitesi (RUB) tarafından yürütülen güncel bir araştırma, dini inancın çocukların ve gençlerin ruh sağlığı için kritik bir koruyucu faktör olduğunu...