Karriere
Bewerben zwischen Tür und Angel: Die Gen Z ist mobil

Mobile Recruiting wird zu einem immer elementareren Baustein des Recruitings. Besonders erfolgreich sind die Maßnahmen in der jungen Generation.

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Rund 58 Millionen Deutsche nutzen ein Smartphone

– und zwar in nahezu allen Lebensbereichen. Das Nutzungsverhalten hat auch Einfluss auf das Suchen und Finden eines neuen Jobs oder eines passenden Kandidaten für eine Vakanz. Auskunft über den aktuellen Stand des mobilen Recruitings geben die Zahlen der 18. „Recruiting Trends“* Studie des Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) der Universitäten Bamberg und Erlangen-Nürnberg sowie des Karriereportals Monster. Besonderes Augenmerk liegt auf der Generation Z[1]. Hier sprechen die Zahlen eine eindeutige Sprache: Nicht nur ist die junge Generation im Durchschnitt häufiger auf Jobsuche als alle anderen Generationen, sie setzen dabei auch mehr als alle anderen auf die Stellensuche mit dem Smartphone und mobile Bewerbung.

Mobile Recruiting: Status Quo

Seitens der Unternehmen steht der Begriff Mobile Recruiting für die Umsetzung gezielter Maßnahmen, die es Bewerbern ermöglichen, mobile Endgeräte zu nutzen, um sich über Stellenangebote zu informieren und sich mobil zu bewerben. Diese Bemühungen kommen nicht von ungefähr: Mehr als 85 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass sie potenzielle Kandidaten verlieren, wenn sie Mobile Recruiting nicht aktiv umsetzen. Dementsprechend hat sich auch die Aufgeschlossenheit gegenüber mobiler Rekrutierung in den Unternehmen verändert. Während vor vier Jahren noch 61,2 Prozent der Top-1000-Unternehmen angaben, gegenüber Mobile Recruiting aufgeschlossen zu sein, sind es heute 82,1 Prozent.

„Da alle mobile sind, heißt mobile schon lange nicht mehr bloß, mobile Endgeräte zu benutzen. Mobile heißt schnell und einfach. Für Unternehmen bedeutet das natürlich, Karrierewebseiten anzubieten, die irgendwie mobil nutzbar sind. Es bedeutet aber vor allem, dass Unternehmen schnell auf Kandidaten reagieren und dass Webseiten wirklich einfach nutzbar sein müssen. Vor allem jüngere Kandidaten brechen eine Jobsuche einfach ab, wenn sie zu aufwändig wird. Hinzu kommen wachsende Privacy-Sorgen. Für die Zukunft des Mobile Recruiting sind Ängste der Nutzer eine deutlich größere Herausforderung als Technik oder Wirtschaftlichkeit,“ kommentiert Prof. Dr. Tim Weitzel, Studienleiter und Professor am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, insbesondere Informationssysteme in Dienstleistungsbereichen, der Universität Bamberg.

Diese Entwicklung wird durch das Nutzungsverhalten der Kandidaten bestätigt. So sinkt etwa die Zahl der Studienteilnehmer, die im Privatleben häufig ein Endgerät mit Tastatur nutzen: Waren das 2018 noch 78,1 Prozent, sind es 2019 fast 20 Prozentpunkte weniger. Zahlen wie diese müssen entsprechend auch im Recruiting berücksichtigt werden. Unternehmen haben die zentrale Bedeutung der Entwicklung erkannt: Neun von zehn Top-1000-Unternhemen sehen durch die stetig steigende Nutzung von mobilen Geräten einen großen Einfluss auf die Rekrutierung. In über 90 Prozent der Top-1000-Unternehmen ist man überzeugt, dass potenzielle Bewerber sich mobil nach offenen Stellen umsehen – und sich auch mobil bewerben wollen. Immerhin jeder dritte Kandidat bevorzugt mittlerweile diese Form der Bewerbung.

Die Gründe: 52,9 Prozent geben an, sich dank der mobilen Bewerbung „on the go“ bewerben zu können, 51,7 Prozent begrüßen die Effizienz und Zeitersparnis mobiler Bewerbungen. In der Konsequenz bewerben sich rund 39 Prozent mittels mobiler Bewerbungen häufiger bei Unternehmen als früher. Zwar dominieren weiterhin die Jobsuche und Bewerbung am heimischen PC, allerdings nehmen die Zahlen seit Jahren ab.

Eine vollständige Umsetzung von Mobile Recruiting steht allerdings in vielen Unternehmen noch aus: Nur knapp 37 Prozent der Top-1000-Unternehmen geben an, dass mobile Rekrutierung in ihrem Tagesgeschäft angekommen ist (Zum Vergleich: In den befragten IT-Unternehmen sind es bereits 64,7 Prozent). Ein Grund, weshalb Unternehmen noch am Anfang der Umsetzung entsprechender Maßnahmen stehen, können unterschiedliche Standards etwa in Bezug auf die technische Integration oder Anbindung an andere Systeme der Anbieter am Markt sein.

„Für deutsche Unternehmen ist es absolut zentral, sich im Bereich Mobile Recruiting gut aufzustellen. Tun sie das nicht, gehen ihnen potenzielle Bewerber verloren – die dann im Zweifel bei der Konkurrenz anheuern,“ betont Sylvia Edmands, Geschäftsführerin von Monster in Deutschland. „Wir setzen daher seit Jahren auf einen „Mobile First“ Ansatz. Aktuell werden bereits über 60 Prozent der Jobsuchen bei Monster.de per Smartphone auf der mobilen Webseite oder der App ausgeführt. Alle Anzeigen sind mobil optimiert, individuell auf die Wünsche des Unternehmens angepasst und wir sehen, dass die Vereinfachung des Bewerbungsprozesses für den kleinen Bildschirm funktioniert.“

Die Generation Online bewirbt sich mobil

Noch eindeutiger wird die Bedeutung von Mobile Recruiting in Bezug auf Kandidaten der Generation Z. Die junge Generation nutzt im direkten Vergleich mehr als alle anderen Generationen das Smartphone, um offene Stellen zu finden und sich zu bewerben. 60,5 Prozent der befragten Kandidaten der Generation Z geben an, unterwegs auf dem Smartphone nach offenen Stellen zu suchen, knapp 30 Prozent sind unterwegs auf dem Tablet auf der Suche. Infolgedessen bewirbt sich die junge Generation auch deutlich häufiger mobil von unterwegs: 37,4 Prozent bewerben sich direkt von ihrem Smartphone, 28,4 Prozent vom Tablet. Dabei sind die Kandidaten der Generation Z auch besonders kritisch: Jeder vierte Bewerber der jungen Generation unterbricht die laufende Jobsuche, wenn bei der Stellensuche auf einem mobilen Endgerät Probleme bei der Darstellung auftreten.

Entsprechend großer Beliebtheit erfreuen sich mobile Bewerbungen unter den Mitgliedern der Generation Z. Der Vergleich mit den anderen Generationen zeigt deutlich: Junge und Ältere ticken unterschiedlich. 72,2 Prozent der Kandidaten der Generation der Babyboomer bevorzugen eine traditionelle Bewerbung etwa per E-Mail, in der Generation Y sind es noch fast 62 Prozent. Unter den Befragten der Generation Z hingegen gibt über die Hälfte an, eine mobile Bewerbung (z.B. per App) gegenüber einer Bewerbung per E-Mail zu bevorzugen. Besonders beliebt ist diese Form der Bewerbung mit fast 59 Prozent bei Schülern, gefolgt von 49,4 Prozent bei den Studierenden und 46,4 Prozent bei den Auszubildenden.

„Die Bedeutung von Mobile Recruiting wird weiter zunehmen, da sind wir sicher,“ erklärt Sylvia Edmands von Monster. „Unternehmen müssen sich nach dem Nutzerverhalten der Bewerber richten und kommen an der zielgerichteten Umsetzung von Maßnahmen zur Optimierung ihrer mobilen Angebote nicht vorbei. Darin steckt aber auch die Chance, das Recruiting effizienter und für alle Beteiligten angenehmer zu gestalten. Hoch komplexe, teils auch fehleranfällige Bewerbungssysteme, sind eine zu große Hürde. Die Chance, die mobiles Recruiting hier bietet, sollten Unternehmen unbedingt ergreifen.“

[1]Die Generation Z umfasst Personen der Jahrgänge 1994-2002.

* Für die aktuelle Ausgabe der Studienreihe Recruiting Trends 2020 wurden die Top-1.000 Unternehmen (Rücklaufquote 12,7%) und die 300 größten Unternehmen aus der IT-Branche (Rücklaufquote 10,7 Prozent) aus Deutschland befragt und die Ergebnisse mit den Resultaten des Nutzungsverhalten und den Einschätzungen von über 3.500 Kandidaten verglichen. Die Verteilung der Stichproben der Unternehmen ist gemäß dem aktuellen Datenbankregister von Bisnode hinsichtlich der Merkmale Umsatz, Mitarbeiterzahl und Branchenzugehörigkeit in Bezug auf die entsprechende Grundgesamtheit repräsentativ. Details zur Durchführung der Studie sowie eine Beschreibung der Studienteilnehmer sind online (http://www.uni-bamberg.de/isdl/recruitingtrends2020) verfügbar.

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