Meinung
Kommentar: Wo blieb der Aufschrei, als die PKK Verbrechen gegen Kurden verübte?

"Bereits 1997 stellte der Spiegel unter Bezug auf Günter Wallraff und dessen Interviews fest, dass die PKK, Hammer und Sichel gegen Fackel ausgetauscht hätten. Aber noch immer wird diese ultranationalistisch-völkische Terrorgruppe in Deutschland verherrlicht". Ein Kommentar.

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Ein Gastkommentar von Nabi Yücel

Die gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit nimmt neue Ausnahme an. Düzen Tekkal zieht z.B. eine Videosequenz als Beispiel für die unmenschliche Behandlung einer YPJ-Kämpferin heran, um die Koalitionspartei der türkischen Militäroffensive, die syrischen Rebellenmilizen, zu entmenschlichen. Sofort stößt der Grünen-Politiker Cem Özdemir hinzu, um der Gruppe unter Tekkal eine positive Identität zu verleihen, die Türken negativ in Zusammenhang mit der IS zu bringen.

Was war geschehen? Eine Kämpferin der YPJ (Frauenverteidigungseinheit der Terrormiliz YPG) wurde am vergangenem Montag im nordsyrischen Ain al-Issa während eines Scharmützels mit syrischen Rebellenmilizin angeschossen und verletzt, dann von einem Rebellen-Kämpfer in ein Vorposten in Begleitung von weiteren Kämpfern getragen, die die Szene mit dem Handy aufnahmen.

Laut der kurdischsprachingen Onlineredaktion Rudaw haben nun die YPJ und YPG die Weltgemeinschaft aufgerufen, sich mit der YPJ-Kämpferin Cicek Kobane zu solidarisieren, sie aus den Fängen der „Bande“ zu befreien. Wir halten fest: eine Terrororganisation ruft die Weltgemeinschaft auf, sich mit einer Terroristin namens „Kobane“ zu solidarisieren.

Jetzt springen Düzen Tekkal und Cem Özdemir höchstpersönlich in die Presche, um der Kampfmaus beizustehen, die sich zuvor kämpferisch zeigte und die Konsequenzen ihres Tuns wohl überschätzt oder unterschätzt hat. In den Kommentarspalten in sozialen Netzwerken überstürzen sich die Follower von Tekkal und Özdemir gegenseitig im gruppenbezogenen Hass auf die Rebellenmilizen, und der Türkei samt dem Militär.

Dabei haben die Rebellenmilizen die Kampfmaus Cicek Kobane lediglich von der Front getragen und in ihrem gesicherten Vorposten sozusagen in Sicherheit gebracht. Sie wurde weder auf der Stelle vor Ort an der Front hingerichtet, geschändet oder vergewaltigt. Zumindest geht aus der Szene nicht hervor, dass die „Milizionärin“ nach der Ankunft im Vorposten getötet oder geschändet wird, was die Beiträge in sozialen Netzwerken suggerieren wollen.

Cem Özdemir und Düzen Tekkal müssen sich aber jetzt schleunigst etwas ausdenken, denn die Kampfmaus Cicek Kobane ist in der Türkei und wird strafrechtlich zur Verantwortung gezogen, teilte der türkische TV-Sender TRT unter Bezug auf einen Videobeweis jetzt mit. Die syrischen Rebellenmilizen haben genau das richtige getan, den türkischen Militärs die Kampfmaus übergeben. Die kümmern sich um den Rest.

Uns Türken hier steht nur die Möglichkeit, diese Damen und Herren bloßzustellen, uns dabei aber ruhig zu verhalten. Den Rest erledigen die PKK-Schergen in Europa schon selbst, in dem sie Gewalt gegen Türken anwenden. Auch das ist mit ein Grund, weshalb die hiesigen Politiker irgendwann kalte Füße bekommen werden und sich von dieser gewalttätigen ultranationalistisch-völkischen Kurdengruppe abwenden. Özdemir oder Tekkal werden sich aber nicht so leicht davon distanzieren können, so tief stecken sie drin.

Cem Özdemir meinte ja gleich im Anschluss seiner Auslassung über Twitter, man müsse ihm die PKK nicht erklären, er habe immer die Gewalt bekämpft und abgelehnt. Wieso hat Özdemir eigentlich das Bedürfnis, sich erklären zu müssen und vor allem, wer sprach denn in diesem Zusammenhang von der PKK? Tekkal, die das zuerst im sozialen Netzwerk postete?

Nein! Weder hat Tekkal die PKK erwähnt, noch Rudaw oder andere. Özdemir wollte nur sicherstellen, dass er gegenüber den türkischen Followern keine Angriffsfläche bietet. Nur, das hat er längst: am 3. Oktober 2015 trat Özdemir doch selbst bei einer Wahlkampfveranstaltung der in der Türkei beheimateten nationalistisch-kurdischen HDP in Ludwigsburg auf. Hinter ihm angereiht, Dutzende Fahnen der PKK und YPG.

Ferner hat sich Özdemir doch zwischen dem 11. und 12. April 2016 mit dem ebenfalls nationalistisch-kurdischen HDP-Co-Vorsitzenden Selahattin Demirtaş in Berlin getroffen, mit deren Organisation sich das PKK-nahe „Kurdische Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit e. V. “ (Civaka Azad) noch heute brüstet. Civaka Azad wird vom deutschen Verfassungsschutz selbst als PKK-nah eingestuft. Hat Özdemir jemals öffentlich die Civaka Azad zum Frieden aufgerufen oder die PKK dazu aufgerufen, die Waffen niederzulegen?

Wo blieb der Aufschrei, als die PKK Verbrechen gegen Kurden verübte?

Bislang hat Özdemir kein einziges brutales Verbrechen der PKK an einem konkreten Menschen verurteilt, aber bei der YPJ-Kampfmaus Cicek Kobane ist er einer der ersten, um sich solidarisch zu zeigen.

Als z.B. der kurdischstämmige Mevlüt Bengi am 26. Juni 2018 von PKK-Schergen ermordet und zur Abschreckung der anderen kurdischstämmigen Bevölkerung an einen Strommast in Ağrı-Doğubeyazıt gebunden vorgefunden wurde, regte sich bei Özdemir nichts; trotz der medialen Verbreitung dieses brutalen Mordes, die die PKK öffentlichkeitswirksam für sich verbuchte. Bis heute hat er keine einzige Tat der PKK scharf verurteilt, in der ein Opfer namentlich erwähnt wurde und für dieses Opfer er sich entsprechend eingesetzt hätte.

(Foto: Screenshot(Cumhuriyet)

Wieso ist nun die YPJ-Kampfmaus wichtig, warum erst jetzt und warum das Bedürfnis sich dafür rechtfertigen zu müssen? Solidarisiert sich Cem Özdemir etwa mit einer ultranationalistisch-völkischen Kämpferin der YPJ, einer Frauenmiliz der YPG, somit ein syrischer Ableger der Terrororganisation PKK?

Bereits 1997 stellte der Spiegel unter Bezug auf Günter Wallraff und dessen Interviews fest, dass die PKK, Hammer und Sichel gegen Fackel ausgetauscht hätten. Aber noch immer wird diese ultranationalistisch-völkische Terrorgruppe in Deutschland verherrlicht, bekommt indirekt von Cem Özdemir Schützenhilfe und kann sich mit der Solidarität von ihn und Tekkal weiter profilieren.


Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.


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