Anti-Putsch-Kundgebung
Türkei erlebt bei Großkundgebung nie dagewesene Einheit

Bei der Großkundgebung am gestrigen Sonntag hat das Land eine nie zuvor dagewesene Einheit erlebt. Zum ersten Mal kamen die Führer der Partei der Gerechtigkeit und Fortschritt (AKP), der Republikanischen Volkspartei (CHP) und der Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP) auf einer Plattform zusammen.

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Istanbul (nex) – Bei der Großkundgebung am gestrigen Sonntag hat das Land eine nie zuvor dagewesene Einheit erlebt. Zum ersten Mal kamen die Führer der Partei der Gerechtigkeit und Fortschritt (AKP), der Republikanischen Volkspartei (CHP) und der Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP) auf einer Plattform zusammen. Während Medien in Deutschland von „Tausenden“ Teilnehmern berichteten, teilte die Polizei vor Ort mit, dass circa fünf Millionen Menschen zur Großkundgebung gekommen seien.

Hierzu ein Kommentar in den sozialen Medien:

„……wenn 79,9 Mio gekommen wären, würden sie in Deutschland auch noch sagen, aber einer hat ja noch gefehlt.

Bei aller Kritik am Vorgehen Erdogans, das ganze Bashing hat nur zu einer weiteren Solidarisierung geführt, weil es eben ungerecht und heuchlerisch ist, was da aus dem Westen kommt. Und Putin lacht sich einen Ast.“

Die Großkundgebung für die Demokratie und Märtyrer in Istanbul wurde  mit einer Schweigeminute für die Opfer des vereitelten Putschversuchs vom 15. Juli und anschließender Koranrezitation eröffnet.

Die Großkundgebung sei für die Feinde der Türkei ein weiterer Schlag ins Gesicht, erklärte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan am gestrigen Sonntag. In seiner Rede sagte er: „Unsere heutige Zusammenkunft macht unsere Feinde so traurig wie der Morgen des 16. Juli. In jener Nacht hat es Menschen gegeben, die ihr Leben riskiert haben, um den Putsch zu stoppen, und sie füllten die Straßen. Die Geschichte wird die Namen unserer Märtyrer in goldenen Buchstaben notieren.“

Erdogan erklärte, dass die Türkei nun einen „Weg der Solidarität“ in Richtung Zukunft gehen werde. „Die Gülenisten haben nicht mit den Menschen gerechnet“, so Erdogan weiter. „Der vereitelte Putschversuch vom 15. Juli hat gezeigt, dass dieses Land nicht zerstört werden kann“, betonte er und fügte hinzu: „Wir werden die ganze Welt wissen lassen, was das Gülen-Netzwerk (FETÖ) ist“, versprach er.

Über die mögliche Wiedereinführung der Todesstrafe in der Türkei für die am vereitelten Putschversuch Beteiligten sagte Erdogan, dass die Entscheidung bei den Abgeordneten des Parlaments liege und er bei einer positiven Entscheidung des Parlaments das Gesetz zur Wiedereinführung der Todesstrafe ratifizieren werde. Die politischen Parteien müssten sich an den Willen des Volkes halten, so Erdogan weiter.

Erdogan äußerte in seiner Rede scharfe Kritik an Deutschland, das per Gerichtsbeschluss eine Ansprache des türkischen Präsidenten per Videoübertragung an die 30.000 bis 40.000 Teilnehmer einer in der vergangenen Woche in Köln abgehaltenen Demonstration gegen den Putschversuch in der Türkei verboten hatte.

„Wo ist die Demokratie? Diesen [PKK-Terroristen] in Qandil wurde erlaubt, via Videokonferenz zugeschaltet zu werden. – Lasst sie diese Terroristen füttern, sie werden sie wie einen Bumerang treffen“, sagte er.

Der Präsident rief die Menschen dazu auf, die Mahnwachen für Demokratie im ganzen Land bis Mittwoch fortzusetzen: „Heute – das war ein Komma bei den Demonstrationen, den Punkt werden wir am Mittwoch setzen.“

Erdogan war der letzte Redner auf der Kundgebung, an der nach Angaben der Polizei etwa fünf Millionen Menschen teilnahmen. Zum ersten Mal kamen die Führer der Partei der Gerechtigkeit und Fortschritt (AKP), der Republikanischen Volkspartei (CHP) und der Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP) auf einer Plattform zusammen. Generalstabschef Hulusi Akar und der geistliche Führer der Türkei, Mehmet Görmez, nahmen ebenfalls an der Großkundgebung teil.

Die Yenikapi-Demonstration ist der Höhepunkt der seit dem vereitelten Putschversuch jede Nacht im ganzen Land gehaltenen Mahnwachen für Demokratie. Bei dem Putschversuch wurden 240 Menschen getötet. Die türkische Regierung erklärte, dass dieser von den Anhängern des seit 1999 im selbstgewählten Exil lebenden Predigers Fetullah Gülen durchgeführt worden sei.

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